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Jüdische Rundschau · 1931-03-17 · Heft 21 (17.3.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 21 (17.3.1931)
Date
1931-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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In dieser Haltung kommt eine innere Unsicherheit zum Ausdruck. Diese Unsicherheit besteht trotz der feierlichen libcralen Erklärungen besonders in der Frage des Hcbrä-;sehen Lehrstuhles. Ruhig und sachlich betrachtet, konnte jene Abmachung keinen anderen Sinn haben, als daß die Berliner Jüdische Gemeinde einen Lehrstuhl der Berliner Gemeinde an der Hebräischen Universität in Jerusalem für die Dauer stiftet. Man kann doch kein Kind in die Welt setzen und es nach zwei Jahren töten oder aber dessen weitere Erhaltung anderen Leuten aufbürden. Da aber die Liberalen in ihrer Wahlagitation gegen die Verwendung von Gemeindegeldern für ״gemeindefremde“ palästinensische Zwecke so heftig Sturm gelaufen haben, so sind sie nun in der Frage des Lehrstuhls an der Jerusalemer Universität wider besseres Empfinden Gefangene ihrer demagogischen Wahlparolen. Das ist für sie ein unerquicklicher Zustand, und darum reagieren sie in Erklärungen gegen angebliche Vorwürfe von ״Nazi- Moral“ und ״zweitrangigem Judentum“ ab. Es wird aber nichts so heiß gegessen, wie man es gekocht hat Wenn erst die Liberalen wieder unumschränkte Herren in der Gemeinde- Verwaltung geworden sind, werden sie auch mit Wasser kochen und nur das tun könnsn, was man in Anbetracht der vorhandenen Notwendigkeiten in der Schulfrage und was man als Großgemeinde gemäß dem Grundsatz gesamtjüdischer Verbundenheit und Verantwortung tun muß. Immerhin ist in der liberalen Fraktion ein Zug des Radikalismus unverkennbar. Man merkt bereits den Einfluß von Bruno Woyda und seines Kreises. Diese Seharfmacherei ist gefährlich; sowohl für die Liberalen «de für die Berliner Gemeinde. Wir werden ihr im Bewußtsein begegnen, daß nicht nur 23 000 Wähler hinter uns stehen, sondern der größte Teil der herinwachsenden Jugend. s. n. Nachstehend geben wir den Verhandlungsverlauf an Hand des Berichtes der JTA. wieder: In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdisehen Gemeinde Berlin am 12. d. M. wurden hauptsächlich Schul fragen behandelt. Vorsitzender Geheimrat Dr. J. Stern machte darauf aufmerksam, daß in der vorangegangenen Sitzung der Bes timmung des Gemeindestatuts, daß in der ersten Sitzung jedes Jahres das Präsidium neu zu wählen sei, nicht Rechnung getragen wurde. Auf Vorschlag von liberaler Seite wurde das bisherige Präsidium (Vorsitzender Geheimrat Stern, erster stellvertretender Vorsitzender Dr. Alfred Klee, zweiter stellvertretender Vorsitzender Prof. Heinrich Löwe) wiedergewählt. Der neugewählte Vorsitzende der Liberalen Frakfion Dr. Kurt Fleischer verliest eine Erklärung, die ungefahr besagt: In der Repräsentantenversammlung vom 19. Februar hat die Jüdische Volkspartei den Vorwurf erhoben, die Liberalen hielten sich an ihre seinerzeit eingegangene Verpflichtung, einen Lehrstuhl der Hebräischen Univ e r s 1111 in Palästina dauernd zu erhalten, zu Unrecht nicht mehr gebunden. Dieses Verhalten der Liberalen bedeute Wortbruch und entspreche einer Nazi-Moral, nicht aber jüdischer Moral. Dazu erklärt die Liberale Fraktion: 1. Schriftliche Niederlegung des seinerzeit getroffenen Abkommens zwischen den Parteien liegt leider nicht vor. 2, Von seiten der Liberalen Fraktion haben die Herren Professor Dr. Türk, Kammergerichtsrat Wolff und Rechtsanwalt Stern teilgenommen. Die zuletzt genannten beiden Herren bezeugen, daß sämtliche Abmachungen, insbesondere die den Lehrstuhl in Palästina betreffenden, nur bis zum Schluß der Legislaturperiode gültig seien, nicht aber eine Bindung für die Dauer darstellen sollten. Die Liberale Fraktion glaubt betonen zu sollen, daß der ihr ohne Rüge des zionistischen Vorsitzenden gemachte Vorwurf der Nazi-Moral weder der Würde der Gemeindevertretung noch ihrer Auffassung von den Formen entspricht, in denen inneriüdische Gegensätze ausgetragen werden sollten. — Die Erklärung wendet sich auch gegen Ausführungen des Ministerialrats Goslar in der letzten Repräsentantensitzung, der gesagt hat: ״Die Leute, die nur aus einem gewissen Anstandsgefühl heraus die Steuern bezahlen und das ganze Jahr über eine jüdische Bindung nicht anerkennen, können nicht mit Wissen, Urteil und Kritik über das Schicksal der Gemeinde mitbestimmen.“ Die Liberale Fraktion werde diese Aeußerung und die darin kundgetane Unterscheidung von Juden erster und zweiter Klasse bei ihren 42 0M Wählern bekanntmachen und niedriger hängen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Richtungen in einer Einheitsgemeinde ist nur bei gegenseitiger Achtung möglich. Die Liberale Fraktion hofft, daß man in Zukunft in der Volks-!?arte! mehr als bisher dieser unentbehrlichen Voraussetzung für das Gedeihen der Gemeinde entsprechen wird. Dr. Klee gab zuerst die sachliche Erklärung ab, daß die Volkspartei nie das Abkommen über den Lehrstuhl getroffen hätte, wenn sie nicht überzeugt gewesen wäre, daß es nicht nur bis Schluß der Wahlperiode, sondern auch für die Dauer Geltung habe. Die einfache Logik widerspricht der Annähme, daß der Lehrstuhl für nur zwei Jahre errichtet werde. Setzte man doch eine eigene Lehrstuhlkommission ein, was ja beweist, daß es sich um eine Institution von Dauer handle. Es ist schlechthin unmöglich, sich vorzustellen, daß eine den Namen ״Lehrstuhl der Jüdischen Gemeinde Berlin“ tragende Institution für nur zwei Jahre geschaffen wird. Die den I iberalen gewährte Konzession bezog sieh einzig und allein auf die Abkürzung der Legislaturperioden von sechs auf vier Jahre. Wenn das Abkommen nicht schriftlich fixiert worden;st, so ist dies aut einen Wunsch des verstorbenen Professors Türk zurückzuführen. Er, Redner, sei bereit, eidlich zu erhärten, daß der Lehrstuhl als eine Dauereinrichtung gedacht war. Dr. Klee erklärte weiter, er als Vorsitzender der vorigen Sitzung habe sich nicht veranlaßt gesehen, den von einem volksparteilichen Repräsentanten gebrauchten Ausdruck ״Nazi- Mora!“ zu rügen, weil er keineswegs als ein Vorwurf gegen die Liberalen gedacht war. Die Liberalen wissen das selbst. Der volksparteiliche Redner hat nicht angenommen, daß die Liberalen ihr Wort nicht werden halten wollen; er meinte nur, wenn ein gegebenes Wort nicht gehalten wird, so sei dies ״Nazi-Moral“. Was die Stellungnahme gegen Goslar betrifft, so finde er einen Ausdruck wie ״niedriger hängen“ durchaus nicht am Platze. Er erinnere an den vergangenen Wahlkampf, bei welchem Parolen wie ״Gegen die Galizier“ u• ä. m. ausgegeben wurden. Das war weit schlimmer als eine ״Unterscheidung zwischen luden erster und zweiter Klasse“. Indessen habe er den liberalen Apoell zu gegenseifiger Achtung und Ehrfurcht gerne vernommen und wünsche und hoffe nur, daß auch die Liberalen dieser Voraussetzung für das Gedeihen der Gemeinde entsprechen. M. Waldmann ergänzte die Ausführungen Dr. Klees und verbürgte sich auch seinerseits persönlich dafür, daß die Liberalen einem dauernden Lehrstuhl zugestimmt haben. Der Redner wies auf Vorgänge während des Wahlkampfes hin und darauf, daß in einer Anzahl von den Liberalen behcrrschfer jü.'rcher Gemeinden Dcutsch'ands die Ostjuden als Juden zweiter Klasse behandelt werden. Trotzdem hoffe auch er auf friedliche Arbeit mit den Liberalen. Die liberalen Repräsentanten Dr. Fleischer, Rosenthal und Markus erwidern, die Liberalen hätten es nicht nötig, den Vorwurf einer unterschiedlichen Behandlung der Ostjuden immer aufs neue zu entkräften; sie seien nie gegen Ostjuden gewesen. Auch die Zionisten haben während der Wahl nicht wenig ״Klamauk“ gemacht, man möge sich solche Sachen nicht gegenseitig an die Rockschöße heften. Markus beanstandet im Namen der Liberalen Fraktion den Beschluß des Vorstandes betreffend Verwendung des Grundstücks Klopstockstraße für die private Volksschule des jüdischen Schulvereins. ZIONISTISCHE WERBEAKTION IM SOKOLOW MONAT / IS. MÄRZ BIS 30. APRIL 1931 / ERWEITERUNG DER ZIONISTISCHEN PERIPHERIE DURCH; Grosse Versammlungen Zionistische Werbe-Zirkel Schekelverkaut Abonnentenwerbung für die ,indische Rundschau_ Neue Zeichner und erhöhte Zeichnungen fOr den KH Aufstellung von 10.000 neuen KKL-BPchsen Orangenpflanzungen, private BodenkSute und Investments Jeder Art In Erez Israel Kollenscher (Vorstand) erklärt, der Schulvereiu habe sich verpflichtet, alle Kosten der Umgestaltung zu tragen. Die vom Schulverein unterhaltene Schule sei von unumstrittenein Wert, die Schulinspektoren der Gemeinde, unter ihnen Dr. Baeck, haben ־dies anerkannt und es sehr bedauert, daß der Schule nicht entsprechende Räume zur Verfügung stehen. Uebrigens bietet das Haus in der Klopstockstraße auch für Wohlfahrtseinrichtungen Raum. Das Mehrheitsvotum bei den Wahlen dürfe nicht allein maßgebend sein, bei den letzten Wahlen haben mehr als 30 000 Gemeindemitglieder ihr Votum für die jüdische Schule abgegeben. Wald mann (Vp.) führt aus, die Kinder, die die Schule des Schulvereins besuchen, stammen nicht nur aus zionistisehen Häusern- Frau Falken berg (üb.) meint, das Haus in der Klopstockstraße hätte der Fürsorgekommission zur Verfügung gestellt «׳erden müssen. Fleischer (üb.) erklärt, die jetzige Vorstandsmehrheit übernehme die Verantwortung für die von der jetzigen Interims-Verwaltung vollzogenen Tat- Sachen, die spätere liberale Mehrheit werde sie abändem. Kollenscher (Vorst.) erklärt, die jüdische Schule dürfe hinter der sozialen Fürsorge nicht zurückstehen; neben dem Alter hat die Jugend ihr Recht. An den Antrag der Liberalen Fraktion betreffend Einrichtung neuer Klassen und Anstellung neuer Lehrer an den Volksschulen der Gemeinde knüpfte sich eine Aussprache grundsätz’icher Natur. Zunächst verlas Dr. Kurt Fleischer eine Erklärung der Liberalen Fraktion, die u. a. besagt: Die am 30. November vorgenommenen Wahlen haben den entschiedenen Willen der überwältigenden Mehrheit der Gemeindemitglieder dahingehend zum Ausdruck gebracht, daß die Erfüllung von Schulaufgaben Sache von Staat oder Stadt, nicht aber Aufgabe der Jüdischen. Gemeinde sei. Durch von zionistischer Seite eingelegte Wahl Proteste ist bisher verhindert worden, daß diese Auffassung der großen Mehrheit der Gemeindemitglieder in der Gemeindeverwaltung ihren Ausdruck gefunden hat. Von zionistischer Seite wird jetzt im Gegenteil ein Ausbau des Schulwerkes der Jüdischen Gemeinde gefördert, obwohl allein schon die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde zu Ersparnissen, statt zur Uebernahme neuer Verpflichtungen zwingen müßten. So ist jetzt gegen die Stimmen der Liberalen beschlossen worden, an den drei jüdischen Volksschulen der Gemeinde nicht weniger als acht neue Klassen zu errichten, wodurch die Einstellung von mindestens drei neuen Lehrkräften erforderlich wird. Die Liberale Fraktion bestreitet dem Gemeindevorstand das Recht, derartige Ausgaben ohne Zu- Stimmung der Repräsentantenversammlung von sich aus festzusetzen. Die Liberale Fraktion erklärt, daß sie sich an Be- Schlüsse, die die jetzige Gemeindeverwaltung in dieser Hinsicht faßt, in Zukunft nicht gebunden halten wird. Sie wird nicht zögern, sobald sie die Verwaltung der Gemeinde übernotnmen haben wird, die jetzt eingerichteten Klassen sofort abzubauen und an jeder der bestehenden jüdischen Volksschulen nur eine Klasse bestehen zu lassen. Im übrigen ist der Weg, den die Liberale Fraktion gehen wird, durch das in den Wahlen vertretene liberale Programm klar vorgezeichnet. Die Liberale Fraktion ist einstimmig der Auffassung, daß erstrebt werden muß, die bestehenden jüdischen Volksschulen der Gemeinde in Schulen der Stadt Berlin umzuwandeln. Landgerichtsrat Rau (Volksp.): Die Gemeinde hat Auffaben, die von dem Ausgang einer Wahl nicht abhingen ürfen. Die Gemeinde hat die Pflicht, auch auf die Bedürfnisse der Minderheit Rücksicht zu ,nehmen. Die Volkspartei weist die Warnung der Liberalen zurück und wird ihren Kampf für die jüdische Schule fortsetzen. Kollenscher begründet die Einrichtung neuer Klassen. Der Andrang zu den Schulen der Gemeinde ist ein solcher, daß nicht allen Ansprüchen Genüge getan werden könne. In diesem Jahre waren mehr als 5(30 Neuanmeldungen von Schülern zu vcrzeichnen. Hundert Anmeldungen mußten wegen Platzmangels zurückgewiesen werden. Kollenscher schildert die Verhältnisse in einzelnen Gemeindescliulen und kommt zu dem Schlüsse, daß! ^cinc Verwaltung anders wird handeln können, als den immer dringender werdenden Wunsch nach der jüdischen Schule nach Möglichkeit zu erfüllen. Solange noch die gegenwärtige Verwaltung die Macht hat, werde sie nach ihrer Uebcrzeugung handeln und nicht abbauen, was sie aufgebaut hat Amtsgerichtsrat Lilientlial setzt den Standpunkt der jetzigen liberalen Minderheit im Vorstand auseinander, die sich mit den Ausführungen Kollenschcrs und dem Beschluß der Vor- Standsmehrheit nicht identifiziert, gegen jüdische Gemeindeschulen ist und dafür eintrift, daß alle verfügbaren Mittel der Gemeinde zur Abwendung des sozialen Notstandes zur Verfügung gestellt werden. Da doch die künftige liberale Mehrheit im Vorstände jetzt gefaßte Beschlüsse wird umstellen können, seien diese Beschlüsse im Interesse der Kontinuität der Verwaltung zu bedauern. — Dr. Fleischer beantragt, statt 8 Klassen nur 3 Klassen bestehen zu lassen. — Kollenscher fährt aus, daß die Repräsentantenversammlung über eine reine Verwaltungsmaßnähme gar nicht abstimmen könne. Er wendet sich gegen Lilienthals Vorwurf einer mangelnden Rücksichtnahme auf die Kontinuität und erklärt: Wir von der Volkspartei verstehen die Kontinuität anders, nämlich daß nicht abgebrochen wird, was aufgebaut worden ist. — Rosen thal (lib.): Ihr hättet Rücksicht nehmen sollen auf die neue Mehrheit! Ministerialrat Goslar (Volksp.): Zu den unbedingt lebenswichtigen Aufgaben einer Gemeinschaft gehört Erziehung. Preußen hat in Zeiten schwerster Not Erziehungswerke geschaffen, so auch die Ber- Uner Universität. Wichtiger als die Kontinuität der Verwaltung ist die Kontinuität des Judentums. Mit 11 gegen 9 Stimmen wird der Antrag Fleischer angenommen; der Beschluß ist — wie festgestellt wird — für den Vorstand nicht vcrpflicht e n d. Ein Antrag des Vorstandes auf Erhebung eines Schulgeldes von 12 AL jährlich an den Gemeindeschulen solange, bis entweder seitens der Stadt eine angemessene Subvention gezahlt wird oder die Schulen von ihr übernommen werden, wird angenommen. Ferner wird beschlossen, anläßlich des Peßachfestes in den Wohlfahrtshäusern Seder-Abende einzurichten und eines der Wohlfahrtshäuser der Gemeinde (wahrscheinlich das in der Auguststraße) ״Eugen-Caspary-Haus“ zur Erinnerung an den vor kurzem verstorbenen Organisator des Wohlfahrtswesens der Gemeinde zu nennen. Die Repräsentantenversammlung entsandte in den Rat des Preußischen Landesverbandes für die ihr zur Verfügung stehenden zehn Sitze die Liberalen Wolff, Lilientlial, Woyda, Gerson Bach und Rabbiner Gailin er sowie die Volksparteiler Dr, Klee, Kareski, Dr. S a n d! e r und Salman Schocken. Der zehnte Sitz bleibt vorläufig unbesetzt. Unter den gewählten stellvertretenden Ratsmitgliedern befinden sich die Volksparteiler: Lehrer Steinhardt, R.-A. Gronemann, Prof. Pick, Obermagistratsrat OII e n d o r f. In die Schulkommission wurde mit den Stirnmen der Liberalen der Reformprediger Dr. Lehmann gewählt. Aus der Gemeinde Magdeburg Eine besondere Kommission aus Liberalen und Volksparteilern beriet in der letzten Zeit über neue Satzungen, da die jetzt gültigen in vielen Punkten veraltet sind, ln den Beratungen ergab sich ein Einverständnis hinsichtlich der Einführung des Frauenand Verhältniswahlrechtes, jedoch konnte in der Frage des Von den liberalen Vertretern verlangten Zensus keine Einigung erzielt werden. In der letzten Sitzung der Reprisentantenversammlung wurde nun mit den Stimmen der Liberalen beschlossen, vorläufig die Frage der Statutenänderung zu vertagen. Damit ist jedoch die Angelegenheit nicht erledigt, da mit einer neuerlichen Fühlungnahme zwischen Liberalen und Volksparteilern zu rechnen ist. Die Situation wird aber durch ein Vorkommnis besonderer Art erschwert, Vor einiger Zeit starb der seinerzeit von der Volkspartei präsentierte Finanzdezernent der Gemeinde (Rendant) Hirsch, welcher seine Agenden zur allgemeinen Zufriedenheit versehen hatte. Da die Liberalen zunächst keinen geeigneten Kandidaten für diese Stelle vorzuschlagen hatten, wandten sie sich an die Volkspartei mit der Aufforderung, wieder einen Kandidaten für den Posten eines Rendanten vorzuschlagen. Die Volksparteiler fanden in der Person des Herrn Wolf Seelenfreund einen geeigneten Kandidaten, der zunächst auch von den Liberalen ais entsprechend bezeichnet wurde. Plötzlich schlugen jedoch die Liberalen als Rendanten den bisherigen zweiten Bürgermeister von Magdeburg, Flerrn Landsberg, vor, dessen menschliche und fachliche Eignung keineswegs bezweifelt werden kann. Bürgermeister Landsberg hat jedoch bisher am jüdischen Leben keinen Anteil genommen und aus diesem Grunde machte er seine Bereitwilligkeit, das Amt eines Rendanten anzunehmen, von der einmütigen Zustimmung der Repräsentanten- Versammlung abhängig. Die Volksparteiler erblickten in dieser überraschenden, im letzten Augenblick präsentierten Kandidatur eine Brüskierung, weil sie doch schon vorher, im Einverständnis mit den Liberalen, einen geeigneten Kandidaten gefunden und vorgeschlagen hatten. In dieser Situation hat denn auch die Repräsentantenversammlung auf Vorschlag der Liberalen die Wahl des Rendanten vertagt Es ist anzunehmen, daß Bürgermeister Landsberg unter den obwaltenden Umständen, entsprechend der von ihm gestellten Bedingung der einstimmigen Wahl, nunmehr auf die Uebernahme des Rendantenamtes verzichten wird. Die Angelegenheit dürfte jedenfalls bis zur nachsten Sitzung der Repräsentanten Versammlung eine Klärung erfahren. In den Kreisen der Volkspartei herrscht über diesen Affront eine durchaus begreifliche Erbitterung. b. r. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Am 15. Februar d. J. traten in München Rat und Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, ferner Rat und Ständiger Ausschuß der Tagung und schließlich Rat, Ständiger Ausschuß und Finanzau־schuß zu ei 1er Sitzung zusammen. Rat und Tagung waren zu dem Zweck einberufen, um einen gemeinschaftlichen Antrag der Fraktionen auf Verlängerung der laufenden Wahlperiode zu verabschieden. Da es sich um eine Aenderung der Verfassung handelt, zu der nach den Satzungen die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Rats und zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder der Tagung erforderlich sind, waren die Parteien übereingekommen, daß zur Ersparung von Kosten nur die aus Anlaß der Sitzung des Ständigen Ausschusses der Tagung und des Finanzausschusses einberufenen Mitglieder der Tagung an der Versammlung teilnehmen sollen. Die in ^jeser Weise zusammengesetzten Verbandskärperschaften haben nun mit der erforderlichen Mehrheit auf Grund des gemeinschaftlichen Antrags der Parteien beschlossen: ״In Abänderung der §§ 5 und 15 der Verbandsverfassung «׳ird der gegenwärtige Wahlabschnitt für die Mitglieder der Tagung und des Rats bis zum 1. April 1932 erstreckt.“ In der Versammlung wurde alsdann außerhalb der Tages• Ordnung ein von Kommerzienrat Weil- München gestellter Antrag als Dxingliejjjjcitsantrag bekanntgegebea, nach dem der

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