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Jüdische Rundschau · 1931-03-17 · Heft 21 (17.3.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 21 (17.3.1931)
Date
1931-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 134 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 21, 17. in. 103! ihren Interessen das nationalsozialistische Programm ablehnen, jedoch den Radauantisemitismus der Hakenkreuzler uneingeschränkt billigen und akzeptieren. Das Hamburger Attentat gegen Lassally ist nicht ein Attentat eines Rechtsstehenden gegen einen Angehörigen einer linkspoiitischcn Richtung. Es ist die 1 a t eines verhetzten Antisemiten g c g e n einen Jude n. Die liberale Presse hat zunächst versucht, diesen Tatbestand zu verdunkeln. Sie mußte aber dann, nach- (lern Fohl als einziges Motiv seines Attentats das Juden- 111 m seines Opfers angegeben hatte, ihren vorher eingenominellen Standpunkt revidieren. Der Schuß im Ham* burger Polizeipräsidium ist zuerst und hauptsächlich eine Angelegenheit der in Deutschland lebenden Juden. Dieser Schuß hat die ungeheuerliehe Gefährdung aller jüdischen Menschen in Deutschland kraß zum Bewußtsein gebracht. Wir haben die Empfindüng, daß wir v o g e 1 f r e i geworden sin d. Schaudernd sehen wir die Saat aufgehen, die von den Judenfeinden, ungestört und ungehemmt, seit Jahren in die breiten Massen der nichtjiklisclicn Bevölkerung gestreut wurde. Es ist höchste Zeit, daß tiie jüdische Gemeinschaft in Deutschland ohne Unterschied der Richtung geeint zu dieser Entwicklung Stellung nehme. Es genügt nicht, daß einzelne Organisationen im gegenwärtigen Augenblick als Sachwalter der gefährdeten Judcnheit auftreten. Ohne Unterschied der innerjüdischen Riehfung muß die jüdische Gesamtheit auf den Plan treten. Sie muß mit allen Mitteln bewirken, daß das unverzeihliche laisser faire, das bisher gegenüber den Nationalsozialisten in bezug auf ihre antisemitische Hetze beobachtet wurde, ein Ende finde. Wir haben in der letzten Zeit aus dem M inie des Reichskanzlers Brüning schöne Worte gegen alle mögliehen Radikalismen zu hören bekommen. Wir haben leider noch nicht gehört, daß man von höchster Stelle aus die mahnende Stimme wegen des Martyriums erhebe, dem die Judenin Deutschland durch den schrankenlosen, bestialischen Radauantiscmitismus ausgesetzt sind. s. n. Palästina-Debatte in der Sozialistischen Internationale Züri ch , 12. März. (J.T. A.) lra Verlauf der vor kurzem in Zürich stattgefundenen Sitzung der Exekutive der Sozialistisehen Internationale wurde auch die Lage in Palästina und im Zionismus behandelt. Der Vertreter der Jüdischen Arbeiterpartei Polens ״Bund“, Herr W. Alter, der zum erstenmal an der Sitzung teilnahm, führte aus, der ״Bund“ in Polen bekämpfe den Zionismus, der eine schädliche Utopie und ein Ideal des jüdischen Bürgertums sei. Im Verlauf der Aussprache sprach als Vertreter der Poaie Zion (Rechter Verband) N. jarbluni. Er schilderte, welche Protestbewegung das englische Palästina-Weißbuch nicht allein innerhalb der Palästina-Arbeiterschaft, sondern auch in einem großen Teil der außerhalb des Zionismus stehenden jüdischen Arbeiterschaft, insbesondere in Amerika, hervorgerufen hat. Diese Bewegung, sagte Jarbluni, sei der beste Beweis für die U n ־ richtigkeitaerEin wendungendes ״Bund“ gegen den Zionismus. Große jüdische Arbeitermassen in allen Länden# stehen hinter der Palästina-Arbeiterschaft und der Poaie Zion-Bewegung. Wenn jetzt die Lage in Palästina eine andere geworden ist, so ist dies den Palästina-Freunden unter der englischen Arbeiterpartei zu danken. Der Redner ergriff die Gelegenheit, um diesen englischen Arbeiterführern den Dank » der-Poaie Zion-Bewegung auszusprechen, und fügte hinzu, die Poaie Zion hätten auch in den schwersten Minuten ihr Vertrauen zu der Labour Party nicht verloren. Beweis hierfür sei das Eintreten der englischen Poaie Zion für die Arbeiterpartei bei den Wahlen in Whitechapel. Jarblutn wies darauf hin, daß der mit Hilfe von Henderson abgefaßte Brief Mac- Donalds an Weizmann den Juden die Möglichkeit gibt, ihr Zentrum in Palästina auf der Grundlage von Arbeit und Frieden mit den Arabern aufzubauen. Ein solcher Arbeitsfriede kann und wird Zustandekommen. Den sozialistischen Freunden des arbeitenden Palästina in allen Ländern, die es in den schwersteil Momenten als ihre Pflicht erachtet haben, ihre Solidaritat mit dem arbeitenden Palästina zu bekunden, gebührt tiefster Dank. Es sprach dann der frühere Sekretär der Labour Party, O i 11 i s, der sich scharf gegen alle jene wandte, die die britische Arbeiterregierung angreifen. Die Juden aber, sagte er, hatten ein Recht zu protestieren, als sie glaubten, daß das Weißbuch verschieden interpretiert werden könne. Die Labour Party setzte sich auch für die restlose Klärung der Angelegenheit ein. Gillis sprach zum Schluß seine Zustimmung zu Jarblums Erklärung, sowie die Hoffnung aus, daß alle etwa noch bestehenden Mißverständnisse beseitigt ■werden würden. Lord Lylionüber Palästinas Zukunft London, 12. März. (J. T. A.) Der Vorsitzende der Palestine Potash Company, Eari ot L y tt o n , hielt an der Nottingharn Univcrsity einen Vortrag über das Palästina-Problem, m dem er u. a. erklärte, cs könne keine bessere Garantie für die Entwicklung Palästinas und die Vermehrung seines Landesreichtums geben als die Tatsache, daß die Juden der ganzen Welt seine Prosperität wünschen und entschlossen sind, dieses Zici mit dem Genie ihrer Rasse zu fördern. England dürfe sich seinen Verpflichtungen auch dann nicht entziehen, wenn sic ihm gewisse Kosten auferlegen. In Palästina werden neue Industrien errichtet und ein neuer Reichtum geschaffen. I lektrifizierungsarbeiten und der Bau neuer Bahnlinien, die das Mittelländische Meer mit dem indischen Ozean verbinden, werden das Land zu einem reichen Industriezentrum und zu einem Stapelplatz des Handels machen. Es hege ebenso im Interesse der Araber wie in dem der Juden, Palästina zu einem reichen Lande zu machen, und eine freie, sich selbst verwaltende palästinensische Nation zu schafleti. Keiner der beiden Bevölkerungsteile könne seine Ziele ohne den anderen erreichen. Ein rein jüdisches Palästina, erklärte Lord Lytton zum Schluß, würde sich nicht erhalten können. Die einzige Hoffnung für Palästina liege in der Bildung einer palästinensischen Nation, fürflie einzutreten Juden, Araber und Christen in gleicher Weise bereit wären. Ausgrabungen in Palästina. Bei den Reparaturen der Geburtskirche in Bethlehem sind Ueberreste historischer Bauten aus dem XII. Jahrhundert entdeckt worden. Die Ausgrabungcii, die von Prof. F. Garstang in Alt-Jericho durchgeführt werden, haben neue wertvolle Funde, darunter die Nachbildung eines Wolfskopfes in Elfenbein und tönerne Gefäße zutage gebracht. Auch die Ausgrabungen in Raraath- Rachel, dem neuen Siedlungspunkte des Keren Hajessod südlich von Jerusalem, die unter Leitung von Dr. Makler vor sich -׳ehen, haben weiter interessante Ergebnisse gebracht. Außer den bereits gemeldeten Ossuarien sind wertvolle Keramiken, Krüge und die bei Gräberfunden im Orient häufig angetroffenen Glasfläschchen zutage gefördert worden. Die Funde werden zurzeit in einem Raum des heuen Siedlungsgebäudes aufbewahrt. Presseschau Möglichkeiten für Prlvalkapital Die Kolonistenzeitschrift ״Boustenai" (Herausgeber Mosche Smilanski) veröffentlicht in ihrer letzten Nummer einen bemerkenswerten Artikel über die Bctätigungsmöglic 11k eiten jüdischen P r i v a t k a p i t a 1 s in Palä s t i 11 a. Der Artikel wendet sich jedoch gegen die Projekte, wonach Personen mit 330 [’fand angesiedelt werden können, indem sie noch 603 Pfund von Keren Hajescod und Keren Kajemeth dazubekommen. Erstens würden 030 Pfund zur Gründüng einer wirklichen Existenz nicht ausreichen und zweitens dürfe man nicht in dieser Weise private und öffentliche Ko- Ionisation vermischen, sondern man müsse eine lOOprozcntlge private Kolonisation, bei der der Ansiedlungrkanaidat über genügend Geld verfügt, ins Auge fassen. Man müsse die Frage ernsthafter behandeln als cs bisher geschehen sei; bisher spricht man von Privatkolonisation, hauptsächlich um ein neues Propagandamittel für die Fonds zu haben. Wenn man das Kapital ins Land ziehen will, so muß man ihm die Wege weisen. Nur wirkliches Vertrauen in die Entwicklung des Landes und seine Wirtschaft kann auch eine ent־prechende Tätigkeit hervorrufen. Dieses Vertrauen und Kenntnisse der Landesvcrhältnisse gilt es zu verbreiten. Das Privatkapital hätte heute die Möglichkeit einer Betätigung in Kreditinstitutionen, die vollkommen sichere Kredite geben könnten. Es gibt jetzt 6 0 0 0 0 D11 n a 111 Plantagen in jüdischen Händen in einem Gesamtwert von 5 Millionen Pfund. Hiervon sind 60 0/0 auf Kredit angewiesen. P/3 Millionen Pfund könnten hier gewinnbringende Anlage finden und ein gleicher Betrag in der Stadt Der Orangenbau selbst ist zwar keine solche Goldgrube, wie man übertriebenerweise eine Zeitlang angenommen hat, aber bei guter Organisation kann er das investierte Kapital mit 1 2 0/0 verzinsen, und das ist ein sehr gutes Geschäft. Die Organisation jedoch erfordert große Mittel zum Bau moderner Lager- und Packanlagen, entsprechender Transportschiffe usw. Außerdem besteht aie Möglichkeit der Einführung neuer Fruchtarten, Der Verfasser erklärt ferner, daß heute die Möglichkeit besteht, etwa 10 000 Dunam fertige Pardessim aus arabischen Händen zu kaufen, ferner mehrere 10 000 Dunam Pflanzungsboden. Der Erwerb von fruchtbringenden Plantagen hat große Vorteile für Familien, die ins Land übersiedeln wollen, da sie nicht in der Zwischenzeit von ihrem Kapital zehren müssen. Es gibt ein großes Betätigungsfeld für Kolonisationsgesellschaffen, die mit genügend Kapital ausgestattet und von Fachleuten geleitet sind. Die bisherigen Mißerfolge einiger Gesell ehaften beruhen nicht auf den Verhältnissen des Landes, sondern auf den organisaiorischen oder persönlichen Mängeln. Schließlich erwähnt der Artikel noch die Möglichkeit industrieller Ver- Wertung der Früchte. Ein Privatmann hat aus eigener Kraft die Gesellschaft ״Asis“ gegründet, die Fruchtsäfte erzeugt, aber was vermag ein solcher Einzelversuch angesichts der große Mittel erfordernden Aufgabe, Es sei demnach die höchste Zeit, daß man sich der Organisierung des Privatkapitals zuwendet, das eine große Rolle bei der Entwicklung des Landes spielen kann. Friedensverhandlungen? Die englische Ausgabe des arabischen ״F e 1 e s 11 n“ schreibt: C0T. Kisch scheint die Last auf sich genommen zu haben, Friedensgesten zu machen. Er sandte ein Beileidstelegramm an Schaukhat Ali und besuchte ihn in Jerusalem. Seine neueste Tat war der Besuch bei König Hussein. Niemand leugnet den Wert derartiger Gesten für die Verbesserung schon bestehender guter Beziehungen oder für die Vorbereitung des Bodens für eine Verständigung. Die Aussichten des Erfolges aber werden vermindert, wenn diese Geste nicht im richtigen Moment gemacht wird, und der Mißerfolg ist sicher, wenn sie nicht durch echte Anstrengungen auf anderen Gebieten als dem der bloßen Höflichkeit unterstützt wird. Ein Besuch König Husseins einige Monate nach seiner Ankunft hat nicht denselben Wert, wie wenn er sofort nach seiner Ankunft erfolgt wäre. Er erscheint mehr als ein Schritt in dem proklamierten neuen Programm einer Verständigung mit den Arabern. Dieses Motiv ist begrüßenswert, aber leider wird es von dem all gern einen Ton der zionistischen Presse nicht unterstützt, und der durch Geschrei um den Frieden erfochtene letzte Sieg hat die Aussichten der Friedensmacher sehr vermindert. Es ist nicht bekannt, ob die Unterhaltungen sich auf Höflichkeiten beschränkt haben oder sachliche Gegenstände betrafen. König Hussein ist aber der letzte, der sich durch schöne Worte cinlullen ließe, wenn diese Freundschaftsbeteuerungen täglich durch die praktischen Erfahrungen Lügen gestraft werden. — Das Blatt nimmt dann bezug aut Dr. We 1zmanns Absichten, zu einer Verständigung mit den Arabern zu kommen und sagt hierzu: Die Probleme von Boden und Arbeit sind heute akut, und wenn Dr. Weizmann das unveräußerliche Recht des arabischen Bauern aut ein für sein Leben ausreichendes Stück Land und das Recht der arabischen Arbeiter Palästina!, in palästinensischen Unternehmungen den Vorrang vor Immigranten zu haben, anerkennt, dann erst wird man ernsthaft über Friedensverhandlungen sprechen können. Wenn der Araber Boden und Arbeit verlieren soll, dann sieht er nicht, welchen Nutzen er von einer Zusammenarbeit mit den Juden haben sollte, es sei denn, daß es sich um Zusammenarbeit beim Aufbau des Jüdischen Nationalheims auf den Trümmern des arabischen Heims handeln würde. _ * Die unter dem Namen ״Der Staat seid ihr“ begründete neue Wochenschrift (Verlag Hermann Reckendorf, Ber* Un SW 68) verdient auch seitens unserer Leser Aufmerksamkeif; liegt doch hier der bemerkenswerte Versuch vor, die katastrophale Isolierung der Parteien und Gruppen zu durchbrechen und eine Tribüne für alle zu schaffen, wo Menschen verschiedenster Parteirichtung und Gei.tesart offen ihre Meinung sagen. Die Zeitschrift hat keine program mati che Erklärung vorangesetzt; die Namen der Herausgeber, die allen Lagern angehören, sprechen für sich, 111 den zwei Helten, die uns vorliegen, finden wir Aeußerungen von Demokraten und Katholiken neben Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Beiträge werden unkommentiert abgedruckt und bieten damit Anleitung zu eigenem politischen Denken, das dort einrostet, wo man die Meinung des Gegners nur in der Verzerrung des eigenen Parteiblattes kennenlernt. Die bisher zu Worte gekommenen Nationalsozialisten, von denen Ro'enberg z. B. für ״Aussiedlung“ der Juden nach Madaga;kar plädiert enthüllen freilich kein sehr tiefes politisches System, dennoch ist es lehrreich, sie in dieser Umgebung sprechen zu hören. Man wird die neue Zeitschrift, die offenkundig Staat bürgerlich-pädagogischc Ziele verfolgt, weiter mit Interesse beachten müssen. * Wir haben bereits vor kurzem auf die Aufsatzreihe hingewiesen, die Friedrich Franz von Unruh in der ״Frankfurter Zeitung“ über ״Nationalsozialismus“ veröffentlicht hat. Die Aufsätze von Unruh geben eine ernste und tiefgreifende Analyse des Nationalsozialismus, seiner seelischen Motive, seiner Ideologie und seines Programms. Sie sind jetzt als Broschüre im Frankfurter Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. (zum Preise von M. Iä—), erschienen. in aller Üütze Das gegen den Herausgeber der arabischen Tageszeitung ״F c I e s t i n“, Issa d Issa, wegen Veröffentlichung emer Notiz, in der die Blutbcsdmldigung gegen die Juden ausgesprochen wurde, cingcleitete Strafverfahren wurde eingestellt. Issa el issa hatte sich damit verantwortet, daß er die Notiz vor ihrer Drucklegung nicht gelesen habe und daß die Veröffentlichung ohne böse Absicht erlolgt sei. Die Richtigkeit seiner Angaben wurde durch Zeugen bestätigt. ״Fclcstin“ bleibt bis auf weiteres verboten. Beduinen haben am Rande der Wüste dieser Tage den aus arabischen Truppen unter dem Kommando von englischen Offizieren bestehenden transjordanischen Grenzschutz angegriffen. Im Verlauf der Kämpfe sind elf Beduinen und sechs Grenzschutzsoldaten gefallen. Auf beiden Seiten gab cs eine beträchtliche Anzahl von Verwundeten. hinter dem Vorsitz des Sejmdeputierten Vlaclaw Wyszlicki fand in Warschau eine Beratung von Vertretern jüdischer wirtschaftliclier Organisationen statt, in der die Schaffung eines jüdischen W irlschaftsrates für Polen beschlossen wurde. Felix Rosenb! ü t h ist in Warschau eingetroffen und hat zunächst eine Beratung mit den polnischen Mitgliedern des Aktions-Comites, den Mitgliedern des Zentralkomitees und Parteirates der polnischen Zionistischen Organisation abgehalten. In einem Gespräch mit Pressevertretern erklärte der Gast, sein Besuch in Polen gelte der Organisierung des Sokolow-Monats, der vom 15. März bis 15. April stattfindet Professor Einstein ist am 13. März an Bord der ״Deutschland“ in Cuxhaven eingetroffen. Das vom Repräsentantenhaus angenommene Gesetz, wonach die Einwanderung in die Vereinigten Staaten auf 10 0/0 der gegenwärtigen Immigrationsquote gekürzt werden soll, wird den Senat erst im Verlaufe seiner nächsten Session, die am 4. Dezember d. J. eröffnet wird, passieren, so daß bis dahin die gegenwärtig festgesetzte Einwanderungsquote in Kraft bleibt. Bei dem rumänischen Antisemitenprozeß hat das Gericht sämtliche angeklagten Führer der Organisation ״Eiserne Garde“ und ״Erzengel Michael“, unter ihnen die berüchtigten antisemitischen Terroristen Codreanu, Totu und Danila, freigesprochen. In der Whitechapler Kunstgalerie wurde der 12. Jahresbazar für den Jüdischen Nationalfonds vom Präsidenten des Jewish Board of Deputies und der britischen Sektion' der Jcwish Agency, O. E. d’Avigdor Goldsmid, feierlich eröffnet Wie der ״Deutsche Wirtschaftsdienst“ meldet, beabsichtigt die zur Stärkung des italienischen Wirtschaftseinflusses in den Mittelmeer- und Balkanländern arbeitende ״Societa Imprese Itaüana all’Estero“, die vom Banco di Roma und dem Credito Itaiiana finanziert wird, ihre Tätigkeit auch auf Palästina auszudehnen. Die Absatzgenossenschaft für landwirtschaftliche Produkte ״Tnuwali“ hat vor einigen Monaten in Tel-Awiw und jetzt auch in Jerusalem Anlagen für die Herstellung und den Absatz von pasteurisierter Milch geschaffen. (Ziko.) Die Winzervereinigungen in Rischon le Zion, Sjchron Jakob, Rechowoth und Gederah haben im Jahre 1930 nicht weniger als 10 400 Pfund Akzise-Abgaben an die Regierung entrichtet. Außerdem erhebt die Regierung noch beträchtliche Konzessionsgebühren für die Kellereien, so daß dieses Gewerbe eine schwere Steuerlast zu tragen hat, obwohl andererseits der Preis für die Weintrauben gegenüber früher außerordentlich gesunken ist. (Ziko.) Der hebräische Lehrer verband Palästinas hat dem High. Commiisionec ein Memorandum überreicht, in dein nachdrücklichst gegen die Verzögerung der Errichtung einer jüdischen Ackerbauschule für Juden au! dem Legat K a d o o r i e protestiert wird, während die entsprechende arabische Anstalt bereits im Betrieb ist. Bei der diesjährigen Anti-Peßach-Kampagne in der Sowjetunion wird das Schwergewicht weniger auf streitbare antireligiöse Propaganda als auf Verstärkung der jüdischen Landsiedlungs- und Indu triaüsierungsbewegung gelegt. An die antireligiöse jüdische Jugend wird der Appell gerichtet, den Monat vom Purimfest bis zum Beginn des Peßachfestes zu energischerer Durchführung der jüdischen Kolonisationskampagne, sowie zur Unterbringung von Juden in der Industrie auszunutzen. In seinem jüngsten Bericht über seine Ausgrabungen in Jericho berichtet Prof. Garstang, daß er gut erhaltene Gegenstände ausgegraben habe, die zur mittleren Bronzezeit, also zur Zeit Ab r a h a m s , hergestellt worden sind. Hinter einem Wall ist der älteste Teil der Stadt zutage getreten, und die ersten Befestigungen sind nunmehr sichtbar. Dr. Israel Waldmann, der soeben sein 50. Lebensjahr vollendet hat, kann auf ein reiches zionistisches Leben zurückblicken. Schon in jungen Jahren wirkte er bei der Gründung der Zionistischen OrganTation Ostgaliziens mit, die damals ein wichtiger Bestandteil der Weltbewegung war. Er begründete die ersten genossenschaftlichen Kreditinstitute und war schließlieh einer der Initiatoren der nationaljüdischen Landespolitik Galiziens. Auch die zionistische Studenten- und Turnbewegung hat ihm viel zu verdanken. Waldmann war während des Krieges Leiter der politischen Militärpolizei in Lemberg und nach dem Kriege während des Lemberger Pogroms vom November 1918 Kommandant des jüdischen Selbstschutzes. Wegen seiner Beziehungen zu den Ukrainern wurde er von den Polen zum Tode verurteilt, konnte jedoch nach Wien flüchten, wo er bis heute als Rechtsanwalt lebt und am zionistischen Leben regen Anteil nimmt. Eine Zeitlang war Waldmann Minister für jüdische Angelegenheiten in der sogenannten Westukrainischen Regierung, die jedoch nur kurze Zeit bestand. Die Wiener Zionisten haben den 50. Geburtstag Dr. Waldmanns mit mehreren Festveranstaltungen begangen und auch außerhalb seiner engeren Heimat wenden sich ihm die Gratulationen der zionistischen Freunde zu. ״Wirtschaftsarchiv für den Vorderen Orient“. Mit Wirkung vom 1. April 1931 ab wird in Jerusalem in Verbindung mit der Universitätsbibliothek ein Wirt'chaftsarchiv für den Vorderen Orient (Ecönomic Archives for the Near East) errichtet werden. Dieses Archiv soll einerseits der wirtschaftswissenschaftlichen Erforschung des Nahen Ostens, andererseits der Erteilung von Informationen über wirtschaftliche Verhältnisse der Trientländer an Interessenten der Wissenschaft und Praxis dienen. Als erstes soll die Palästina-Abteilung des Archivs ausgebaut werden, danach die Sektionen für die übrigen Länder des ''orderen Orients. Als Leiter des Wirtschaftsarchivs wurde Herr Dr. Alfred B 0 n n 6, vor seiner Uebersied'.ung nach Palästina As istent an der staatsvvissenschaftlichen Fakultät der Universität München, berufen. Herr Dr. Bonn6, der zujetzt im Hauptbüro des Keren Hajessod tätig war, hat im vergangenen Jahre ähnliche Institute in Europa besucht und ihre Einrichtungen kennengelernt. Zur Verwaltung der Angelegenheiten des Wirtschafts־Archivs wird ein Komitee gebildet, dem Vertreter der Wissenschaft, der interessierten Wirtschaftskreise u. a. angehören werden. Die Gründung des Archivs geht aut die Initiative von Herrn Dr. h.c. Max War bürg in Hamburg zurück, der sich seit seinem Besuche in Palästina vor zwei Jahren lebt־ft fü•־ die Realisierung dieses Projektes einsetzte.

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