Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 20 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 128 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 13. III. 1031 Politische Gärungen Annäherung der arabischen Länder. ~ Vor Weizmanns Besuch. (Von unserem palästinensischen Korrespondenten) AG Tel-Awiw, 5. März 1931. Vor einigen Wochen hat die palästinensische Regierung in der ״Offirial Gazette“ Ihren Vertrag mit der Irak-Petroleum-Cy. veröffentlicht, der die Bedingungen testlegt, unter denen dieses Unternehmen seine Arbeiten im Lande ausführen soll. Der Vertrag׳ erschien zu einer Zeit, wo bereits aut der projektierten Eisenbahnlinie Bagdad—Haifa (bzw. Tripofi) verschiedene techirische Vorarbeiten im Gange waren, die dieses große Unter* nehmen im Nahen Osten seiner Ausführung näher brachten. Andere Erscheinungen deuten aut den engen Zusammenhang hin, die zwischen der Ausbeutung irakischer Naturschätze durch internationales Kapital und den politischen Projekten bestehen, die aut eine neue Gestaltung der arabischen Länder hinarbeiten. Es braucht keines weiteren Beweises, daß die Fertigstellung der Röhrenleitung und der sie begleitenden Eisenbahn eine Annäherung Iraks an die mittelländischen Randländer herbeiführet( wird, die sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch auswirken kann. Es ist anzunehmen, aaß diese Verkehrsstraße allein im Laufe der Zeit dazu führen wird, die Bande zwischen der Küste und dem Hinterland immer mehr zu befestigen und damit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Zusammenarbeit einzuleiten. Zurzeit sieht es jedoch so aus, als ob die Interessenten nicht aut die natürliche Entwicklung warten wollen. Politische Tendenzen werden schon vor Beginn des großen Unternehmens mit ihm zusammengeflochten und beide treten in wechselseitigen Dienst: Soll einerseits die Oelleitung und Eisenbahnlinie die verschiedenen Territorien des Nahen Ostens zu einem Wirtschaftsgebiet zusammenschmieden, so soll andererseits eine Tendenz zu ihrer politischen Födericrung diesen wirtschaftlichen Tendenzen entgegenkommen. Die Pläne der wirtschaftlichen Aufschließung des Nahen Ostens und die Projekte zur Bildung einer arabischen Föderation greifen — wenn auch verdeckt — ineinander über. Die Frage der arabischen Föderation nimmt heute in der arabischen Presse der einzelnen Länder einen bedeutenden Raum ein. Es Ist ein Gedanke, der alten Träumen eines arabischen Großreiches ähnelt und daher leicht Anklang finden kann. Die Friedensverträge und die Mandatspolitik haben Territonen voneinander geschieden, die durch starke Bande verknüpft waren; und wenn auch ein Jahrzehnt getrennter Administration und verschiedener Einflüsse in den einzelnen Territorien nicht ohne Eindruck vorübergegangen sind, gibt es doch noch genügend Anknüpfungspunkte, die eine Verbindung der Einzelstaaten, in engerer oder loserer Form, nicht als eine Utopie erscheinen lassen. Dennoch kann man deutlich spüren, daß sich unter den Arabern, sei es in Palästina, sei es in Mesopotamien, auch Zweifel und Bedenken regen. Es ist in letzter Zeit ziemlich deutlich geworden, daß die Engländer der Idee einer arabischen Föderation Interesse entgegenbringen, wenn sie sie.» nicht geradezu fördern, was nach manchen Anzeichen scheinen mochte. Und diese Tatsache allein, die sich darin manifestiert, daß englandfreundliche Persönlichkeiten unter den Arabern für die Idee Propaganda machen, genügt, um bei national extrem gesinnten Kreisen Verdacht zu erwecken. So wird denn heute die Frage für und gegen diskutiert, es bleibt jedoch kein Zweifel darüber, daß große und einflußreiche Kreise dein Plane Sympathie entgegenbringen. Und während noch die Diskussionen im Gange sind, bereitet sich der irakische Premierminister Nun Pascha auf eine Besuchsreise in die Nachbar- Staaten vor, uit» Freundschaftsbündnisse zwischen den Regie-;npgt»faa8HMwen., ■׳ ׳.׳ ... ln Palasti»a kreuzen sich bei diesen politischen Vor• bereitungen verschiedene Ideen und Tendenzen. Das Land, das durch die Abtrennung von Syrien in seiner Entwicklung stark beeinflußt wurde, und durch die administrative Abtrennung Transjordaniens aut den kleinen Küstenstreifen zwischen Jordan und Mittelmeer beschränkt ist, müßte schon seiner geograpbisehen Lage nach zu einer Verbindung mit den umliegenden Territorien tendieren, zu denen es nach Süden, Norden und Osten das Durchgangsland bildet. Zurzeit jedoch sind hier Ideen anderer Art in den Vordergrund getreten. Sie sind am deutlichsten kenntlich in der Propaganda von Schaukliat Ali, der mitten in die Auseinandersetzung über arabische Föderation die verschwommene Idee des Panislamismus hineintrug. Hier mischen sich religiöse Tendenzen mit nationalen und eine antieuropäische Bewegung mit dem Kampt gegen die Juden, die durch ihre Kolonisation westliche Begriffe und Bräuche in raschem Tempo in das Land tragen. Es ist charakteristisch, daß Schaukhat Ali als Zentrum dieser Bewegung eines Panislamismus eine moslemische Universität geplant hat und daß andererseits in diesem weit ausgreifenden Plan eine Verbindung angedeutet wird, die von den Küsten des Mittelmeers bis nach Indien reicht Auch unter dem religiösen Gewände treten die Umrisse der neuen Verkehrswege des englisehen Imperiums hervor, die von den Küsten des Mittelmeeres bis zum lytischen Ozean führen. Man kann an diesem Beispiel erkennen, daß hier die engtischen und arabischen Vorstellungen sich parallel bewegen, ohne daß die Interessen sich kreuzen mußten. Es sieht eher danach aus, als ob die politische Parole dazu dienen könnte, die Bewohner der verschiedenen Territorien mit der Arbeit des internationalen Kapitals zu versöhnen, die hier einsetzen soll. So eine Versöhnung dürfte erforderlich sein. Denn obwohl z. B. das Unternehmen der irakischen Petroleumgesellschaft als solches notwendigerweise den berührten Ländern wirtschaftliche Vorteile bringen muß, wird es doch unter Bedingungen ausgeführt, die man keineswegs als für das Land günstig bezeichnen kann. Es genügt, daran zu erinnern, daß die Gesellschaft volle Zollfreiheit genießt, dal! also damit eine der wichtigsten Einnahmen, die das Land aus ihrer Arbeit ziehen könnte, abgeschnitten wird. Und auch sonst enthält der Vertrag Paragraphen, die man im Interesse des Landes angreifen kann. Die Diskussion über eine arabische Föderation fällt in eine Zeit, in der wieder mit mehr oder weniger Offenheit über Verhandlungen zwischen Juden und Arabern die Rede ist. Die arabische Presse bringt den Besuch von W e i z ra a n n mit solchen Verhandlungen in Verbindung und hat auch den Besuch von Col. Kisch bei Hussein und Abdullah in Amman in diesem Zusammenhang ausführlich kommentiert. Es ist nicht unmöglich, daß eine gewisse Auflockerung des politischen Feldes durch die neuen Projekte auch gewisse Chancen für die Bearbeitung des jüdisch-arabischen Problems bietet. Freilieh sehen hier im Lande die Aeußerungen beider Seiten nicht sehr ermutigend für den Verständigungspolitiker aus. In der arabischen Presse kanu man an verschiedenen Stellen eine temperamentvolle Ablehnung jeder gemeinsamen Konferenz finden. Von jüdischer Seite — von amehnenden revisionistischen Aeußerungen abgesehen — wird die Frage bisher fast völlig übergangen. Es liegt von seiten der Arbeiterkonferenz eine Zustimmung zu Weizmanns Vorschlag der Round-Tab!e־Conference vor, aber die Resolution, die auf der Assefath Haniwcharim auftauchte, wurde nicht zur Abstimmung gestellt. Es liegt also kein Beschluß des Jischmv zu diesem Punkte vor. Auch bei den Juden verbindet das Gerücht Weizmanns Ankunft mit gewissen Verhandlungsplänen, wenn auch offiziell nichts davon verlautet Wenn eine solche Absicht bestehen sollte und sie Früchte tragen soll, erscheint Jedoch eine Vor- Bereitung der öffentlichen Meinung durchaus notwendig. Im Auslande mag ״Diplomatische Verständigung^‘ fruchtbar werden. Im Lande selbst, wo es auf eine ״Verstindigung der Völker“ ankommt — und das ist durchaus keine leere Formel —, scheint eine Vorbereitung der Oeffentlichkeit ratsam, um Schwierigkeiten aus dem eigenen Lager zu vermeiden. llssisctikfn IUr zionistische Einheitsfront Paris, 10. März. (J. T. A.) Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds, Ussischkin, ist auf der Durchreise aus Amerika nach Palästina in Paris eingetroffen und hat sich in einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter u. a. über die zionistische Lage geäußert. Während meines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten — führte Ussischkin aus — wurde der Brief MacDonalds an Dr. Weizmann veröffentlicht. Ich teile in keiner Weise das Gefühl des Triumphes, das in gewissen Kreisen infolge dieses Briefes vorherrscht. Es ist zwar richtig, daß dieser Brief den durch das Weißbuch ausgelösten Eindruck äußersten Uebelwollens gegenüber unserer Sache beseitigt. Aber er ändert nichts an dem Wesentlichen dieses Dokuments, ja verschlimmert sogar noch die Lage. Denn das Weißbuch hatte das nationale Gewissen der Juden der ganzen Welt aufgerütteil Man protestierte, man kämpfte, man hoffte. Der Brief des Premiers hat die Besorgnisse beschwichtigt und die Wachsamkeit eingescliläfert, ohne an der wirklichen Situation etwas zu ändern. Das ist sehr gefährlich. Es bestehen gute Gründe zur Annahme, daß das britische Kabinett die Zionisten nur beruhigen wollte, um die zur Hebung der palästinensischen Landwirtschaft bestimmte 2,/2־Millionen-Pfund-Anleihe im Unterhaus durchzubringen. Die Last dieser Anleihe wird vorwiegend auf den Schultern der jüdischen Bevölkerung Palästinas ruhen, und es ist ziem!ich sicher, daß bloß die Araber aus ihr Nutzen ziehen werden. Dieses Ergebnis muß vorausgesehen werden. Es müssen Garantien gegen eine tendenziöse Verwendung der der Palästina-Regierung zur Verfügung gestellten Gelder gefordert werden, mit einem Wort, wir dürfen uns in keiner Weise durch die schönen Worte des Briefes MacDonalds einschläfern lassen. Um aber kämpfen zu können, müssen die Zionisten ihre Kräfte vereinigen. Eine zionistische Einheitsfront ist keine Unmöglichkeit. Wir müssen alle Er- Wägungen sekundärer Art beiseite lassen und nur das uns allen gemeinsame Endziel im Auge behalten. in alter Kürze Im Unterhaus stellte der der Arbeiterpartei angehörende Abg. G. F. Shillakor an die Regierung die Anfrage, ob sie ihre Aufmerksamkeit der Gefahr religiöser Unruhen in Jerusalem zur Osterzeit zugewendet habe, und welche Schritte sie zu unternehmen gedenke, um Aufruhr und Störungen der öffentlichen Ordnung zu verhindern. Unterstaats- .Sekretär Dr. Sh i eis erwiderte, das Kolonialamt habe sich mit dieser Frage nicht speziell befaßt, doch würden die lokalen Behörden alle erforderlichen Vorbeugungsmaßnahmen treffen. Der der Labour-Party angehörende Abg. P. Freemaii brachte 1111 Unterhause eine Anfrage bezüglich der den im jüngsten Kommunistenprozeß in Jerusalem von der Staatsanwaltschaft geführten Zeugen erteilten Erlaubnis, ihre Aussagen hinter einem Wandschirm verborgen zu -TOasb*By׳׳ei1u LJnterstaatssekrfetSl׳ J5f• Shiels erwiderte, aas. Kolonlaiamt werde eine Auskunft vom High Cömhiissj'ofler ver* langen. Die geschäftsführenden Direktoren des Keren Hajessoa, die Herren Dr. A. Han tk e und L. Jaf f e , haben sich von Berlin nach Palästina begeben. Felix Rosenblüth, Mitglied der Zionistischen Exekutive, trifft am 20. März in Rumänien ein. Er wird sich der Organisierung des ״Sokolow-Monats“ widmen. Auf dem zu Ehren von Prof. Einstein veranstalteten New Yorker Bankett hat Felix M. Warburg 50000 Dollar, also ein Viertel der gesamten während des Banketts aufgebrachten Summe, für die Palästina-Fonds der Jewish Agency gezeichnet. Pinchas Ruthenberg ist am 6. März nach London abgereist. Die Büros der Exekutive der Jewish Agency resp. der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, die sich seit zehn Jah&n in einem Gebäude in der Jaffastraße befinden, werden demnächst in ein neues Gebäude an der Mamillastraiie (gegenüber dem Palace-Hotel) übersiedeln. Die Handelskammer von Jerusalem hat, der arabischen Presse zufolge, alle Handelskammern des L a!1 d e s zu einer Zusammenkunft für den 17. März eingeladen. Der Zweck der Zusammenkunft ist die Vorbereitung eines Berichtes für die O’Donnell-Kommission über die wirtschaftliche Lage des Landes und die zur Besserung der Situation erforderliehen Maßnahmen. Der High Commissioner besuchte am 27. Februar zum erstenmal die jüdischen Kolonien in Saron (Magdiel, En Chai, Raananah, Herzliah). Das Oberhaupt der englischen Hochkirche, Dr. Cosmo Gordon Lang, Erzbischof von Canterbury, wird demnächst gemeinsam mit seinem Freunde, dem amerikanischen Millionär j. Pierpont Morgan, auf dessen Yacht ,,Cörsair“ eine Reise nach Palästina antreten. Vor zwei Jahren war der Plan einer solchen Reise aus Rücksicht auf den Vatikan aufgegeben wordei# Dr. M. S a a d a n, ein führendes Mitglied des ägyptischen Parlaments, das dort die Arbeiterinteressen vertrat, weilte in der vergangenen Woche mehrere Tage in Palästina, um die Arbeiterverhältnisse und Fragen der Arbeitsgesetzgebung zu studieren. Die Anglo Jewish Association bewilligte für die Evelina de Rothschild-Schule in Jerusalem den Betrag von £ 1.368,10,6 für das zweite Quartal 1931. Da der High Commissioner im Laufe der nächsten Woche das Frutiger- Haus in Jerusalem räumen dürfte, wird die Schule demnächst in ihr altes Heim zurückverlegt werden. Sie soll zu einer Musteranstalt ausgebaut werden, die in jeder Beziehung den englischen Schulen an die Seite gestellt werden kann. In der Jahresversammlung des Histadruth- Büros zurAusfiihrungvonBauarbeiteninHaifa konnte ein -ehr günstiger Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr erstattet werden. Die Bilanz schließt mit einem Reingewinn von 2700 Pfund ab, von dem 10 0/« an die Leitung der Arbeiter- Organisation gehen; 85 <>/0 des Reingewinns werden (nach Abzug von verschiedenen kleineren Zuweisungen an Keren Hajessod, Keren Kajemeth usw.) ־zur Auffüllung des Reservefonds verwendet werden. (Ziko.) Wie die Presse berichtet, soll aus den chemischen Anlagen der Palestine Potash Co. am Toten Meer bereits in nächster Zeit die erste Sendung von Bromprodukten Verkaufsfertig auf den Markt gelangen. Nach den soeben erschienenen ״Vorläufigen Ergebnissen der eidgenössischen Volkszählung vom 1. Dezember 1930“ gibt es in der Schweiz 18 478 Juden gegen 20 979 im Jahre 1920. Eine indische Streitschrift Eine Darstellung des jüdischen Rechtsstandpunktes in bezug auf Balfour-Deklaration und Palästina-Mandat gibt der New Yorker jüdische Rechtsanwalt Louis J. Gribctz in einem ״Tbc Case for thejews“ betitelten Buche, das kürzlich im Verlag der Bloch Publishing Comp., New York, erschienen ist. Das Buch ist eine aktuelle Streitschrift, entstanden unter dem Eindruck der verschiedenen britischen Regierungserklärungen des letzten Jahres, beschränkt sich jedoch auf eine juristische Interpretation unter Hintansetzung der vorwiegend politischen Gesichtspunkte. Sehr dankenswert ist es, daß der Autor eine Reihe von Aeußerungen und Pressestimmen aus der Entstehungsszeit der Balfour-Deklaration und des Mandates gesammelt abdruckt Aus diesen Aeußerungen geht deutlich hervor, daß zumindest ein-großer Teil der engtischen Oeffentlichkeit die Balfour-Deklaration wirklich als den Charter zur Rückkehr Israels in sein Heimatland und Erriclitung eines jüdischen Gemeinwesens daselbst betrachtete. Aber dies ergibt sich nach Gribctz auch aus dem Wortlaut der Balfour-Deklaration und des Mandates selbst. Denn hätte es sich nur um die Erhaltung einer bestehenden Gemeinde in Palästina gehandelt, dann wäre keine Deklaration nötig gewesen. Und die Reservationen zugunsten der nichtjüdischen Bevölkerung, die jetzt 80 häufig gegen das Nationalheim ausgespielt werden, beweisen gleichfalls, daß an eine jüdische Vorherrschaft gedacht war, denn wo kein Hauptziel ist, da sind auch keine Einschränkungen erforderlich. Der Begriff ״Nationalheim“ bedeute nichts anderes als ein Staat im Zustand seines Entstehens. Die Errichtung des Jüdischen Nationalheims schließt auch die Existenz eines anderen Nationallieims in Palästina aus; der Begriff des Nationalheims ist auf die Araber nicht anwendbar. Der Autor kommt zu der Konklusion, daß Balfour-Deklaration und Mandat klare Verpflichtungen zur Schaffung eines unabhängigen jüdischeu Gemeinwesens in Palästina -enthalten, denen sich die Mandatarmacht nicht entziehen darf. — Leider setzt sich der Autor mit einer Reihe von Argumenten der Gegner nicht auseinander, z. B. mit der Berufung der Araber auf Wilsons Theorie des Selbstbestimmungsrechtes, mit der Interpretation des Art, 22 des Völkerbundpaktes usw. Er erklärt in seinem Vorwort selbst, daß die ursprünglich großzügiger angelegte Arbeit infolge der letzten Ereignisse in gekürzter Form vorzeitig veröffentlicht wird. Es ist eine advokatorische Schrift; die heute aktuelle politische Problematik, die den Zionismus vor allem angeht, wird dabei nicht ausreichend behandelt. W. Franz Rosenzweigs Hauptwerk, ״Der Stern der Erlösung“ ist soeben in zweiter Auflage Im Verlag J. Kauftmann, Frankfurt a. M-, erschienen (14 M.). Die neue Ausgabe ist in handliche drei Bände gegliedert, die vorteilhafte Druckausstattune und die (noch von Rosenzweig selbst herrührenden) Ueberschnften der einzelnen Abschnitte, an den Rand gesetzt, erleichtern das Lesen und das Zurechtfinden. Neu beigegeben ist ein Nachweis der Zitate aus dem jüdischen Schrifttum und ein Personenregister, beides bearbeitet von N. N. Glatzer. Die Bedeutung des Werkes von Rosenzweig wurde an dieser Stelle mehrfach gewürdigt In dem letzten Heft der ״Kant-St 11־ dien“ (XXXV/4) hat Martin Buber dem Werke Rosenzweigs einen Aufsatz gewidmet, in dem er den prinzipiellen Unterschied zwischen der sonstigen Philosophie und dem ״existentiellen“ Philosophieren Rosenzweigs darlegt. Rosenzweig treibt bewußt Theologie und bedient sich der sprachphilosophischen Methode, die Identität von Sprache und Offenferung-wiedereatdeckend. Die drei Substanzen,'von denen diese Theologie redet, Gott, Mensch, Welt, neu zu erfassen in ihren Beziehungen, Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, sind für ihn nicht ״Prinzipien“, sondern Realitäten, unmittelbar gegenwärtig in jedem Leben für den, der ihnen standzuhalten weiß. Bubers kurzer Aufsatz gibt in sehr eindringlicher Form den Grundehalt des Buches wieder, das in seiner neuen Gestalt die ehre des verstorbenen Denkers in neue Kreise ernster Juden fragen wird. _ » Eine wichtige philosophische Neuerscheinung- In diesen Tagen erscheint unter dem Titel ״Ludwig Feuerbachs Philosophie — Ursprung und Schicksal“ ein großangelegtes Werk unseres Gesinnungsgenossen und hebräischen Schriftstellers Dr. S. Rawidowicz (520 Seifen, 24 RM., Verlag Reuther & Reichafd, Berlin W35). Das Buch gibt ein historisches Bild von Ludwig Feuerbachs Philosophie und ihrer Stellung in der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Verhältnis Feuerbachs zu Hegel rückt hier in ein ganz neues Licht, eingehend wird zum erstenmal Feuerbachs Stellung zu Kant, Fichte, Jacobi, Schelling, Schopenhauer u. a. dargestellt. Der zweite Teil des Buches entwirft ein klares Bild vom Schicksal der Philosophie Feuerbachs. Hier sieht man, wie stark Feuerbach über den Rahmen der Philosophie und über den Rahmen seines Vaterlandes hinaus das Geistesleben der Völker beeinflußt hat. Feuerbacli wird hier mit den verschiedenen philosophischen Strömungen des 19. Jahrhundert konfrontiert. Es wird gezeigt, wie die protestantische Theologie seit der Mitte des vorigen Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein, von Ritschl bis zur neuesten ״Theologie der Krisis“ gegen Feuerbach ringt. Nicht nur der junge Nietzsche und Kierkegaard, auch Sig. Freud wird mit Feuerbach zusammengebracht. Besonderes Interesse gewinnt die Darstellung der Beziehungen Gottfried Kellers und anderer deutscher Dichter zu Feuerbach. Ebenfalls sieht man, wieviel auch Richard Wagner Feuerbach zu verdanken hat. Mit äußerster Gründlichkeit wird das Verhältnis von Karl Marx, Engels, Lassalle, Moses Heß und des späteren Marxismus zu Feuerbach geklärt. Auch Lenin und die anderen Theoretiker des dialektischen Materialismus werden in ihrer Abhängigkeit von Feuerbach beleuchtet. So wird dieses Werk nicht nur dem zünftigen Philosophen, sondern darüber hinaus jedem an den geistigen Wurzeln unserer Zeit Interessierten viele wichtige Aufschlüsse geben. Todesfälle In Los Angeles verstarb ln diesen Tagen im Alter von 75 Jahren der hebräische Dichter Menachem Mendel D o I i c k i. Seine ״Schire Zion“ waren sehr populär, Dolicki zählte zu den ersten Anhängern der Chibbat-Zion-Bewegung. Seim Lieder ״AI hare Zion“ (Auf den Bergen Zions), ״Iwwitich“ (frl1 sehne mich nach Dir) und ״Im eschkachech“ (Wenn ich Dein vergesse) zu Volksliedern geworden. Im Jahre 1S92 wandert e er nach Amerika aus. Wie aus Rom gemeldet wird, verstarb im Alfer von kaum 30 Jahren der Leiter des Physiologischen Instituts der Univcrsität Neapel, Prof. Dr. Enrico S e r e n i, der sich trotz seiner Jugend bereits einen hervorragenden Ruf als Wissenschaftler gesichert hatte. Seren! stammte aus angesehener Familie. Sei» Vater ist der königliche Leibarzt Prof. Samuele Sereni. Sein Bruder, Enzo Sereni, ist Führer der Kwuzah in Givvatl! Brenner bei Rechoboth. Der Familie des Verstorbenen gilt die aufrichtige Teilnahme der zionistischen und jüdischen W’elt.