Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 20 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20» 13. TU 1631 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sette 120 Aus der Arbeit des Hilfsvereins Presseschau Briel aus Stuttgart Der Hilfsverein der Deutschen Juden führt seit dreißig Jahren — er wurde im Mal 1901 gegründet — als repräsentatives Organ der deutschen Juden für Auslandshilfe ein soziales und kulturelles Hilfswerk in einer Reihe von Ländern durch. Seine Arbeit gilt im gegenwärtigen Zeitpunkt in der Hnuptsacne der Jugend hilf e, der geistigen und berufliehen Ausbildung der Heranwachsenden Generation, den Siedlern in den neugegründeten Kolonien in der Ukraine und Krim und den Auswanderern. Für den Bau des vor einein Jahre niedergebrannten Jüdisehen Kinderhauses in Kowno, das eine Zentralstelle für die gesamte jüdische Kinderfürsorge in Litauen ist und für das der Hilfsverein in den letzten drei Jahren beträchtliche Subventionen beigesteuert hat, wurden über 48000 M. aufgebracht, die für den Bau' und die Einrichtung des neuen Heims bestimmt sind. Die Pläne des Baues hat ein deutscher Architekt ausgearbeitet. Es wird ein modernes, den hygienischen Erforderhissen entsprechendes Haus errichtet werden. Der Hilfsverein wird nach Fertigstellung des Hauses die Kinderfürsorge in Litauen im engsten Einvernehmen mit den maßgebenden lokalen Stellen weiter ausgestalten. Die jüdische Bevölkerung in Polen hat unter der wirtschaftlichen Krise aufs furchtbarste zu leiden, insbesondere ist die Jugend infolge ungenügender Ernährung und der schlimmen Wohnungsverhältnisse der Gefahr der Verkümmerung ausgesetzt. Es ist keine Seltenheit, daß Schulkinder vor Hunger und Ermattung zusammenbrechen. Von höchster Bedeutung ist es, daß die Kinder wenigstens einige Wochen im Jahre ausreichend verpflegt werden und unter möglichst günstigen hygienischen Bedingungen Erholung finden. Diesem Zweck dienen in besonderem Maße Sommerferienkolonien. Der Hilfsverein bat 60 000 M. für den Erwerb und die Einrichtung von zunächst fünf Ferienkolonien zur Verfügung gestellt. Eine Kolonie befindet, sich in dem bekannten Kurort Druskicniki bei Bialvstok, eine zweite in Iwoniki bei Pinsle, eine dritte in Kozienice, die vierte soll in Galizien, die fünfte in Wolhynien eingerichtet werden. 11t Rumänien wird die kulturelle und soziale Hilfsarbeit weiter fortgesetzt. Sie erstreckt sich auf die Unterstützung einer größeren Anzahl von Anstalten, so z. B. die Jüdische Volkshochschule in Bukarest, mehrere Gewerbe- und Elementarschulen in Bukarest, Galatz, Jassy und Kischinew, das Jüdische Mädchenheim in Bukarest und die vor kurzem dort eingerichtete Berufsberatungsstelle. Vor einigen Wochen sind Apparate und Einrichtungsgegenstände, die für eine moderne Berufsberatungsstelle erforderlich sind, vom Hilfsverein in Deutschland besorgt und nach Bukarest geschickt worden. Insgesamt sind für diese Arbeit in Rumänien bisher über 45 000 M. verwendet worden. Im Gebiete der neuen landwirtschaftlichen jüdischen Siedhingen in der Ukraine und in der Krim sind drei Ambula tonen — von denen jedes eine Bevölkerung von etwa 5000 Seelen versorgt — unter Aufsicht des Agro-Joint und der ICA aus den Mitteln des Hilfsvereins gebaut worden. Ein Ambulatorium befindet sich in der Kolonie Krassino bei Nikopol, die beiden andern in der nördlichem Krim, im Siedlungsgebiet des Agro-Joint. Zwei Ambulatorien sind bereits mit den erforderliehen Medikamenten, chirurgischen Instrumenten usw. versehen, die in Deutschland beschafft wurden. Der Bau des dritten Ambulatoriums wird tu kurzem beendet sein. Für diese sozialhygienische Arbeit wurden über 80000 M. verausgabt Dem Hilfsverein ist eine weite Ausdehnung seiner fculfureellen Tätigkeit durch die Haffkine-Stiftung von anderthalb Millionen Schweizer Francs ermöglicht worden, die er in Gemeinschaft mit einem Schweizer Bankinstitut 'verwaltet Die Er-, trägnlsse dieses 'Kapitals Jfitä '•für die Eö'j:aei׳ting*v0ir JeseMbbt. in Osteuropa bestimmt. Jährlich über 100 000 M. wurden vom Hilfsverein in den letzten Jahren für die Emigrantenhilfe verwandt. Den Bahnhofsdienst in Berlin passierten im Jahre 1930 22 900 Aus- und Rückwanderer. Ueber Hamburg und Bremen gingen im gleichen Zeitraum rund 7900 Auswanderer. Die Fürsorge für die im Jahre 1922 vom Hilfsverein übernommenen ukrainischen Waisen und die Hilfsaktion für jüdische Studierende aus Osteuropa, die deutsche Anstalten besuchen, werden fortgeführt. In den Jahren 1924/1930 sind für diese zwei Arbeitsgebiete allein 356000 M. aufgewandt worden. Durch den systematischen Ausbau seiner Organisation, die Bildung neuer Komitees und die Erweiterung der bestehenden Mitgliedergruppen ist die Aktionsfähigkeit des Hilfsvereins in erheblichem Maße gestärkt worden. Zur Bewältigung der großen Probleme sozialer und kultureller Hilfsarbeit ist eine noch stärkere Teilnähme der deutschen Juden an der Organisation und dem Hilfswerk des Hilfsvereins erforderlich. Veranstaltungen 1111 Beth-Am. ln der ersten Hälfte des Winfers hat das Betn-Am Iwri eine besonders intensive Tätigkeit entfaltet. Es haben im Laufe dieser Zeit mehrere anregende und interessante Vorträge stattgefunden. — Dr. Woyslawski sprach über die gegenwärtige Krise in der hebräischen Literatur, analysierte die Struktur der hebräischen Vorkriegsliteraiur und die Stellung zur gegenwärtigen Literatur. Die lebhafte Diskussioi bewies das große Interesse des hebräischen Publikums für diese Probleme. — Besonderes Interesse rief der Vortrag des palästinensischen Publizisten und Schriftstellers M. Smila ns k i hervor. Der Referent schilderte die gegenwärtige Wirtschaftslage Palästinas und streifte die politischen Aussichten der Zionisten für die Zukunft. —- Während der Wahlen zur Berliner Jüdischen Gemeinde fand eine hebräische Wahlver- Sammlung statt — ״die erste hebräische Wahlversammlung in Deutschland“ —, wie sie die palästinensische Presse mit besonderer Betonung bezeichnet hat. Die Herren Hammerstein, Nachutr. Le will, Dr. Rau, Dr. Pines und Dr. Torczyner vertraten den Standpunkt des Beth-Am und legten die Forderungen der an der hebräischen Kultur interessierten Kreise dar. — Der Vertreter der palästinensischen Arbeiterpresse, Herr Po- I o n s k i, berichtete über die palästinensische Arbeiterpresse. Dem Problem ״Zionismus und Religion“ war der Vortrag von Dr. Heller gewidmet. Der Referent berührte den sachliehen Zusammenhang zwischen der Idee des Nationalismus und der Religion im allgemeinen und insbesondere Im Judentum; wenn auch der Zionismus als politische Erscheinung völlig autonom sei und von der Welt der Religion unabhängig, so erkenne doch der Zionismus historisch-philosophisches Geschehen als Grundlage für eine religiöse Renaissance der Zukunft, — Mit den aktuellen zionistischen Problemen befaßte sich das Beth-Am in einer im Gemeindehaus, Rosenstraße, abgehaltenen Versammlung (am 24. Januar), und zwar wurde das Thema ״Ideenkampf im Zionismus“ behandelt Revisionisten und ihre Gegner vertraten ihre verschiedenen Standpunkte, ohne daß es zu den •üblichen Zusammenstößen gekommen ist. An der Diskussion beteiligten sich die Herren: Astrachan, Ben-Lawi, Jehuda, Jernenski u. a. — Unter den sonstigen Veranstaltungen des Beth-Am ist besonders das Konzert von Josef und Iso Göland hervorzuheben, das bleibenden Eindruck hinterließ. Chanukkah feierte das Beth-Am zusatnmen mit dem hebräischen Jugendrat mit Gesang, Rezitation und Tanz. — Zu begrüßen ist, daß das Beth-Am von Zeit zu Zeit seine Vorträge auch im Norden Berlins abhält. Für die nächste Zeit ist ein ebenso reiches Programm vorgesehen. Im ״Üoar Hajom" veröffentlichte A. Balikoff einen offenen Brief, worin behauptet wird, daß der Dozent der Hebritischen Universität, Dr. Sc hol ein, ״aus prinzipiellen Cjriinden“ sich geweigert habe, dem Anwalt der Juden vor der Internationalen K la g e m a u e r-K o mm i s s i 011 das zur Unter- Stützung der jüdischen Forderungen nötige Material zur Verfügung zu stellen. In seiner ebenfalls im ״Doar Hajom“ veröffentiichten Antwort erklärte Dr. S c h o 1 e m , er habe es stets als ein Unglück für die Judenlieit angesehen, daß sich die Juden in ein Verfahren bezüglich der Klagemauer eingelassen laben, und habe sich das elementare Recht Vorbehalten, seinem persönlichen Gewissen gemäß sich der aktiven Beteiligung an einem solchen Verfahren zu entziehe!» Seiner Meinung nach könne das Klagemauer-Problem nicht durch ein Verfahren vor einer dritten Partei gelöst werden. Sein Standpunkt hinsichtlich der Beistellung von Dokumenten zur Klagemauerfrage habe dem des palästinensischen Oberrabbinats, wie er im Bericht der Shaw-Kommission niedergelegt sei, entsprochen. Weiter erklärt Dr. Scholem, man sei niemals an ihn wegen Entlehnung Lichtbildervortrag Sonntag, 15. Mir* vorm. 11»/* Uhr spricht der Kunsthistoriker Pr. irmt Cohn ■Wiener in der Alhambra, Kurfürstendamm 68 ״Heine Reise in Aegypten, Palästina und Syrien“ (mit Lichtbildern eigener Aufnahme, Filmen und Sdiallplatten) Karten zum Preise von Mk, 3.— und Mk. 1,50 erhältlich im Büro der F. A. P., Meinekestr. 10 (and! Sonnabend Abend 7—9 Uhr) und am Tage der Veranstaltung an der Kasse des Alhambra -Theaters. von Büchern aus seiner Privatbibliothek oder aus Beständen der Universitätsbibliothek herangetreten. Dem jüdischen Anwalt habe es freigestanden, Bücher anzufordem, die ihm sicherlich anstandslos zur Verfügung gestellt worden wären. Die Kommission habe sich an ihn nicht in seiner Eigenschaft als Dozent der Hebräischen Universität gewandt, sondern habe ihn als Privatperson aufgefordert, an der wissenschaftlichen Forschungsarbeit für politische und juristische Zwecke teilzunehmen, tr habe dies abgelehnt Auch ״Dawar“ mißbilligt das Verhalten von Dr. Scholem, wendet sich aber gleichzeitig gegen den ״Doar Hajom“ und seinen gegenwärtigen Chetredakteur, Ben Awi, der sich jetzt noch trotz aller Erfahrungen der Propaganda rühmt, die er in der Klagemauer-Angelegenheit entfaltet hat, statt einzusehen, welches Unglück diese Propaganda mit sich gebracht hat, und daß die Toten von Hebron keineswegs, wie Ben Awi behauptet, als bewußte Märtyrer für die Sache der Mauer, sondern als unschuldige Opfer gefallen sind. Die Ortsgruppe der Z. V. veranstaltete im Dezember einen Vortragsabend ihres neuen Vorsitzenden, Dr. Paul Bo ne 01, über die augenblickliche Lage des deutschen und auüerdeutschen Judentums. Dr, Bonem zeigte die Verflachtenheit aller jüdischen Politik mit der Weltpolitik Englands dar und stellte den Versuch, einen modus vivendi mit den Arabern zu finden, als die brennendste Forderung des Tages auf. Diese Einstellung fand weitgehende Zustimmung, von seiten eines revisionistisch gesonnenen auswärtigen Gastes treilicji auch lebhaften Widerspruch. Vom deutschen Judentum forderte der Redner _ stärkeres Selbstbewulltsein und mehr Selbstbesinnung. Zahlreiche Hörer spendeten lebhaften Beifall für die temperamentvollen Ausführungen. Ueber einen von Carl Lieblich im Anschluß an drei ebenso interessante wie umstrittene Vorträge ins Leben gerufenen Bund für neues ,u den tum bleibt ein Bericht für später Vorbehalten. Es wird da viel über Bord geworfen, mit dem Ballast auch Lebensnotwendiges. Mit den kultischen werden auch die alten religiösen Bindungen abgelehut, und die angestrebte religiöse, ethische und physische Erneuerung läuft irn wesentlichen auf eine Festigung des Volkstums hinaus, aber unter Abiehnung des Zionismus und unter Bejahung der Zerstreuung als der naturgesetzten Bestimmung des jüdischen Volkes. Es war gut und hat zur Klärung der Wer aufgeworfenen Probleme viel beigetragen, daß Martin Buber im Januar, vom Lehrhaus eingeladen, über ״Das Judentum und die jolitischen Triebkräfte der Gegenwart“ sprach zr redete weder von jüdischer Politik nach innen oder außen, noch vom einzelnen jüdischen Menschen im politischen Leben der Völker, sondern er legte den Maßstab des wirklichen, zu verwirklichen berufenen Judentums — des heiligen Restes, der immer noch und immer wieder geblieben ist —. an die Grundsätze und Erscheinungen jeder Politik überhaupt Emst genommenes Judentum, das keinerlei Loslösung irgend eines Lebensgebietes aus der Verantwortung gegenübe! einem übergeordneten Walten kennt, kann eine nur von Staatsegoismen orientierte Politik nie und nimmer aner■ kennen. Ihm ist der die Nation heilig sprechende politische Geist unserer Zelt das durchaus wider göttliche; aber auch gegen den Determinismus muß cs sich wehren, obwohl ihn von Karl Marx bis in unsere Tage immer wieder jüdische Denker vertreten (auch Lieblich ist strenger Determinist), da er die persönliche Verantwortung, das Sich-entscheiden-Müssen jedes einzelnen ausschaltct. Aus dieser eigentlich jüdischen Haltung ergibt sich eindeutig dit Einstellung zum Staat, in dem die vorgeschaute überstaatliche Ordnung der Verwirklichung näherzubringen, mi Partei, in der das religiöse Mittel des Aufschließens dem politischen des Aufzwingens entgegenzusetzer jüdische Aufgabe ist Nicht international, sondern Intranational ist somit das Judentum, wenn es seine Aufgabe erfüllt, zwischen Menschen wie Völkern echte Beziehung zu schaffen, Scheinbeziehungen aufzudecken und zu durchbrechen. Eben in dieser Aufgabe, ein Modell echter Gemeinschaft vorzuleben, liegt der letzte Sinn und die ungeheure Verantwortung dessen, was gemeint ist, wenn von einer ״Auserwählung“ gesprochen wird. Aber diese Aufgabe beginnt im Privatleben, in jeder Familie, in der Gemeinde, im inneriüdisehen Geschehen. Wie es damit bestellt ist, wie weit entfernt — oder wie nah daran ■— es ist, beispielhaft zu sein: diese Frage wird jeder von uns sich selber zu beantworten haben. 111. Der Ursprung der jüdischen Volkskunst. Im Rahmen ihrer Mönfagsvöflesungen hatte die HdÖischule für dfe-Wlsserisehaft des Judentums einen Vortrag von Dr. Rahel WiSchnitzer über den ״Ursprung der jüdischen Volkskunst“ angekündigt Der Vortrag entsprach leider nicht ganz der umfassenden Formulierung des Themas. Dr. Wischnitzer beschränkte sich, darauf, einige grundsätzliche Bemerkungen über den Begriff ״Volkskunst“ zu machen und alsdann an einem kleinen Ausschnitt, an der Hagada-Illustration, zu erklären, was sie für Volkskunst hält. Die Definition der Volkskunst als Kollektivkunst im Gegensatz zur Kunst des einzelnen Individuums, ihre fernere Deutung als einer Provinzialkunst, die man besser, da sie nicht notwendig geographisch bestimmt sei, als eine Kunst der geistigen Peripherie bezeichnen würde, — diese Definition, dieser Deutungsversuch ist sicherlich ein kluger, und er soll deshalb akzeptiert sein, obwohl manches der von Dr. Wischnitzer gegebenen Beispiele dieser Deutung nicht durchaus entsprach. Solche Einschränkungen vorausgeschickt, vermittelte der Vortrag vielfache Anregungen. Die Aufdeckung der Vorlagen zu einer Reihe von Hagada-Illustrationen in Zeichnungen von Michelangelo, von Holbein und in den Bibelbildern des Mathaeus Merian zeugte von großer Stoffbeherrschung and von kunsthistorischem Spürsinn. Die Entwi^dung von der kopierten zur selbstgescliaffenen Hagada- Illustration wurde hinreichend dargelegt. — Am Ende des Vorträges war man davon enttäuscht, daß das angekündigte Thema ״Der Ursprung der jüdischen Volkskunst“ nur fragmentarisch behandelt war, aber die aufgezeigten Ursprünge einzelner Werke der jüdischen Volkskunst waren in der Darstellung von Dr. Rahel Wischnitzer so anregend und feiselnd geworden, daß das Publikum seinen Beifall deutlich zu erkennen gab. Hans Rosenkranz,- Der Verein jüdischer Hotelbesitzer und Rcrtauratevre hielt seine diesjährige Tagung in Oberhof ab.’ Die Tagung stand unter dem Eindruck der Wirtschaftsnot. Die Krise hat einen sehr großen Teil der zahlungsfähigen Kundschaft aus״eschaltet, der Minderumsatz des Jahres 1930 gegenüber 1929 betrug 40—60 «0, in einigen Betrieben noch mehr. Es wurde sehr lebliaft darüber Klage geführt, daß man in gewissen Ländern die ohnehin schwer kämnfenden jüdischen Gaststätten, statt sie unter den neuen Verhältnissen erst recht zu stützen und zu unterstützen, meidet und dadurch ihren Ruin herbeiführt Aus dem Jahresbericht ergab sich, daß im Berichtsjahr außer gemeinsamer Zeitungsreklame auch andere Propaganda für den vermehrten Besuch der rituell geführten Gaststätte gemacht wurde. Den größten Raum bei den Verhandlungen nahm der Punkt ״Preispolitik“ ein. Durch eine Umfrage wurde festgestellt, daß in allen Betrieben schon im letzten Sommer die Preise unter dem Druck der Kundschaft beträchtlich gesenkt wurden und nahezu bei denjenigen von 1914 angelangt sind. Der Reichsverband der Deutschen Hotels Restaurants und verwandter Betriebe e, V. hat folgende Eni Schließung angenommen: ״Der Reichsverband erklärt, daß das Gaststättengewerbe den Aufforderungen der Reichsregierung die Preise zu senken, leider nicht folgen kann, so gerne man eine solche Parole beachtet hätte. Solche Auffordeningen können in einem Augenblick, wo die Reichsregierung erhöhte, in ihrem Ausmaß unbegrenzte Umsatzsteuern auf einen wichtigen Betriebsteil des Oartstättengewerbes legt, unmöglich ernst genommen werden. Bei den hohen Unkosten, ^steigenden steuerlichen und sozialen Abgaben und bei der Neueinführung unerhörter Sondersteuern ist jeder Preisabbau, mit dem die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit von einer durchaus verfehlten Steuer- und Wirtschaftspolitik abgelenkt werden soll selbstverständlich vollkommen unmöglich.“ Die Preise der jüdischen Hotels können nur noch ge־enkt werden, wenn damit gleichzeitig eine Vereinfachung der Leistungen einhergeht, da Sie Verdienstspanne eine weitere Belastung nicht mehr erträgt Der Kreis der Freunde der ״Hablma“ versendet soeben den Bericht über das Arbeitsjahr 1930/31. '©te» ^rteressatrte und lesenswerte Broschüre enthält elfte Zusammenstellung der wichtigsten Kritiken über ״Was Ihr wollt“ und ״Urtel Acosta“, sowie Berichte über die Reisen der Habima nach Polen, Skandinavien, London und anderen Ländern. Wir glauben, daß diese Broschüre allen Freunden der ״Habima“, die dieser wichtigen künstlerischen Unternehmung auch in Zukunft volle Entfaltungsmöglichkeit wünschen, sehr willkommen sein wird. Die Adresse des Sekretariats lautet: Berlin-Charlottenburg, Hardenbergs tr. 19. Ortsgruppen Hindenburg, 0.-5. (Zionisten-Revisionisten.) Am Montag, dem 23. März, spricht im Klubzimmer des Hotel Monopol um 20(4 Uhr Herr Samuel Friedmann, Beuthen, über ״Die ־ Entwicklung der hebräischen Literatur in den letzten 50 Jahren“. Gäste herzlich willkommen. * Nürnberg-Fürth, ln einer von Herrn Dr. Liebstädter geleiteten öffentlichen Versammlung unserer Ortsgruppe sprach am Mittwoch, dem 4. März, Herr Dr. Schmarjahu Leviu über ,,Das Leben in zwei Welten“. Angesichts der Tatsache, daß die Zionistische Ortsgruppe Dresden in Nr. 16 der ״Ji'1dischen Rundschau“ bereits einen Bericht über den Inhalt dieses Vortrags veröffentlicht bat, glauben wir hierauf bezug nehmen zu können. Wir wollen aber nicht unterlassen, auch an dieser Stelle festzustellen, daß der Vortrag •bei der sehr gut besuchten Versammlung einen außerordentlich tiefen Nachhall gefanden hat. Er war für viele der Anwesenden ein Erlebnis im besten Sinne des Wortes. Charakteristisch ist folgende Besprechung im ,,A c 111 u h r a b e n d b I a 11“: ,,Das Leben zwischen zwei verschiedenen Welten, so nannte Schmarja Levin sein Vortragsthema, über das er in der Zionistischen Ortsgruppe sprach. Das Thema hätte auch irgendwie anders heißen können, immer hätte Levin seine Rede zu einer Offenbarung gestaltet. Er ist ein von der Idee, vom Glauben an die Mission seines Volkes, vom Glauben an die zwangsläufige, ethische Entwichlung der Völker überhaupt. Besessener. Der Ocdankcngang, für den er Glauben und Mitempfinden warb, war etwa folgender: Die Menschen haben sich unter dem Zwang der Entwichlung Gesetze gegeben, die ihr Verhältnis zueinander regelten, und die Ausdruck in den zehn Geboten fanden. Die Völker hingegen leben miteinander noch vor der Offenbarung; sonst müßte auch ihnen Krieg, Mord, Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker Freiheitsberaubung bedeuten. Ein erster Versuch zur Regelung des Rechtes der Völker untereinander seien die 14 Punkte Wilsons und der Völkerbund. Lord Cecil sprach einmal den Satz aus: Vom Krieg sind nur zwei positive Dinge geblieben: der Völkerbund und die Balfour-Deklaration. Jetzt, wo die Verständigung nicht mehr von Mensch zu Mensch, sondern von Volk zu Volk geschehen soll, gilt es für die Juden, sich durch den Palästinagedanken unter die Völker einzuordnen, und Levins sehnlichster Wunsch ist, eine jüdische Vertretung im Völkerbund zu erhalten. Er sagt: Ein Volk, an dessen Wiege nicht die Gewalt stand, sondern der Geist, ist berufen, in dieser Stunde der Menschheitsentwicklung, wie es einst bei der Gesetzesentwicklung von Mensch zu Mensch voranging, auf die Gestaltung der Beziehungen von Volk zu Volk bedeutsam einzuwirken.“ — Herr Dr. Martin Rosenbiüth, der gemeinsam mit Herrn Dr. Schmarjahu Levin nach Nürnberg gekommen war, berichtete am Donnerstag, dem 5. März, in einer Vorstandsritzung über den Stand der Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland. Die von ihm gegebenen Anregungen werden zu einer verstärkten Aufnahme der Arbeitstätigkeit 111 Nürnberg führen. 1