Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 20 (13.3.1931)
- Date
- 1931-03-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 120 Nr. 30, 13. IH 1031 ״beflecken“. So sehr wir als Zionisten die Freundschaft nichtzionistischer Kreise zu schätzen wissen, so wichtig ist es doch, von Zeit zu Zeit auszusprechen, daß eine solche Haltung in dem wichtigsten Punkte, auf den es ankommt, versagt Denn das Wesentliche an der zionisti• sehen Revolution des Judentums war der Uebergang von einer nur naturgegebenen, gewissermaßen als Naturtat־ sache, als Schicksal empfundenen Zugehörigkeit zu dem bewußten, sittlich orientierten, sich selbst bejahenden Sich-Einreihen in die Kontinuität der Volksgeschichte. Dieser entscheidungsvolle Schritt bedarf aber eines klaren und sichtbaren Ausdruckes durch die Uebernahme äußerer Verantwortung. Dies ist der politische Gedanke des zum Bewußtsein seiner selbst erwachten Judentums. Man hat sich vielfach gerade an dieser Selbstbezeichnung des Zionismus als ״politischer“ Bewegung gestoßen, weil man darin eine Quelle der Mißverständnisse und des Mißtrauens seitens der antisemitischen Propaganda erblickte. Man hat dabei verkannt, daß der Antisemitismus, böswillig und zum Teil vielleicht sogar in gutem Glauben, sich gegen die sogenannten Pläne des Judentums gerade darum wandte, weil er den Verdacht einer verborgenen, unterirdischen Politik hatte; ein offenes politisches Eintreten der Juden für sich selbst, eine Disziplinierung des Judentums zu offenem politischen Handeln, auf ein klar umschriebenes Ziel gerichtet, ohne jede Kollision mit den legitimen Interessen anderer politischen Organismen, wird vor jedem gerechten Forum bestehen und die Atmosphäre von dem Gift phantastischer Vorstellungen (wie ״jüdische Weltherrschaft“ usw.) reinigen. Je offener sich die Juden um die Fahne des Zionismus gruppieren, je deutlicher sie aus der Verschwommenheit ihrer Existenz in die sichtbaren Formen einer handelnden Organisation ein treten, um so nichtiger werden auch alle aus Un* kenntnis oder Unklarheit entstandenen Verdächtigungen sich erweisen. Unsere Zeit ist der großen Worte und Parolen müde, und die Not erfordert die Anspannung der Kräfte jedes Einzelnen, um sich im Kampfe ums Dasein zu behaupten. Es wäre aber ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man die Beschäftigung mit der Judenfrage etwa auf bessere Zeiten vertagen wollte. Die schweren Zeiten verschärfen auch die Judennot, und jeder Jude muß sich zu der Einsicht durchringen, daß erst durch eine Bereinigung der Judenfrage überhaupt die Voraussetzungen seiner Einordnung in der Welt und in der menschlichen Gesellschaft gegeben sind. Ein Leugnen der Judenfrage oder ein Verschließen der Augen nach der Art des Vogel Strauß kann die Situation nicht verbessern, sondern nur verschlechtern. Trotz aller persönlichen Nöte muß heute jeder Jude sich seines Anteils an der Judensache stärker bewußt sein als je. Es gibt aber nur eine Form der konsequenten Teilnahme aa den Angelegenheiten der jüdisehen Gesamtheit, nämlich die Teilnahme am Leben der Zionistischen Organisation als des einzigen bestehenden Apparates einer jüdischen Willensbildung. Wir sind weit entfernt davon, die Zionistische Organisation in ihr«־ gegenwärtigen Form als Ideal hinzustellen, im Gegenteil, gerade wir Zionisten sind für ihre Mängel nicht blind und versuchen, wo es not tut auch durch scharfe Kritik, zu ihrer Verbesserung und inneren Erneuerung beizutragen. Wir wissen, daß ein Gebäude, das mehrere Jahrzehnte alt ist, Risäe in seinen Mauern aufweist, wir kennen die Gefahren der Erstarrung und der Herrschaft der Form über die Sache, wir sehen in allen politischen Gebilden unserer Zeit das Ueberwuchern von Betriebsamkeit und Routine. Aber gegen alle diese Gefahren kann man nicht durch hochmütiges Abseitsstehen, sondern nur durch aktive Teilnahme pnkämpfen. Die Zionistische Exekutive hat den Monat Nissan die- 5cs Jahres als Werbemonat für die Zionistisehe Organisation bestimmt. Am Anfang dieses Monats ist es am Platze, sich über Sinn und Wesen der Zionistischen Organisation klar zu werden. In der Politik des Alltags geht das Bewußtsein des Wertes dieser selbstgeschaffenen Institution leicht verloren, und daher ist auch ein äußerer Anlaß wie dieser Werbemonat willkommen, um eine Stunde der Besinnung auch int zionistisehen Lager eintreten zu lassen. Der Zionismus ist in der letzten Zeit fast ausschließlich mit inneren politischen Auseinandersetzungen, mit äußeren Demonstrationen und mit Geldsammlungen beschäftigt. Alle diese Tätigkeiten aber können nur dann auf die Dauer durchgeführt werden, wenn wir von Zeit zu Zeit wieder in den Jungbrunnen der Idee hinabsteigen. Der deutsche Zionismus hat vielleicht mehr als irgendein anderer Teil der Bewegung niemals die Beschäftigung mit den Grundfragen vernachlässigt. Es ist vor allem das Verdienst seines Führers Kurt Blumenfeid, wenn hier immer wieder die wahren Quellen der zionistischen Entscheidung im jüdischen Bewußtsein aufgedeckt wurden. Unabhängig von Konjunkturen der äußeren Politik waltet die Gesetzlichkeit der heute manifesten objektiven Judenfrage, heischt die Problematik der inneren, persönlichen Judenfrage ihre Antwort. Die Welt ist heute von dem Druck dieser Probleme beunruhigt und ist bereit, zu hören. Auch die Juden sind bereit zu hören. Es bedarf nur eines entsprechenden Aufschwungs und Aktivität der Zionisten. Manche Zionisten sind im Laufe der Jahre müde geworden. An sie ergeht der Ruf, sich in dem Werbemonat wieder in die Reihen der aktiven Kampfer zu stellen. Jeder Verband, jede Gruppe muß in der ernsten Durchführung dieses Werbemonats eine heilige Aufgabe erblicken. Es geht um mehr als um bloße Werbung von Mitgliedern, es geht um die Verbreitung des Gedankens der Selbstverantwortlichkeit des Judentums, der aktiven Selbsthilfe, der sich auch äußerlich kuadgebenden Uebernahme der Verantwortung für die Zukunft. Die Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. am 8. d, M, « JUEDISCHE RUNDSCHAU hat gezeigt, daß innerhalb der deutschen Landesorganisation Verständnis für die Wichtigkeit dieser Aktion vorhanden ist, und daß die Anregung der Exekutive, die durch Felix Rosenblüth bei dieser Sitzung vertreten war, dankbar aufgenoinmen wird und auf fruchtbaren Boden fällt. Felix Rosenblüth hat sich von Deutschland in die Länder der jüdischen Massensiedlung Osteuropas begeben und es ist zu wünschen, daß seine Mission auch in der dortigeu ungünstigeren Atmosphäre Erfolg haben möge. Nach den politischen Erregungen der letzten Monate sollten die Zionisten es begrüßen, zu einer nicht von politisehen Streitfragen belasteten, die grundsätzlichen Fragen aufrührenden Bewegung aufgerufen zu werden. Der Werbemonat der Zionistischen Organisation wird in hohem Maße ein Prüfstein für die Schlagkraft, die innere Frische und politische Reife der Zionisten und der Juden sein. Wen« diese Aktion eine« großen Erfolg hat, wird dies für die Stimmung und Kraft des bevorstehenden Zionistenkongresses noch mehr bedeuten als Erfolge unserer politischen Diplomatie, die nur dann einen Sinn haben, wenn ein organisierter tatbereiter Wille hinter ihn eil steht. Die Verhandlungen zwischen Agudas Jisroel und Agency In unserer Nummer 8 vom 30. Januar 1931 hatten wir das offizielle Kommunique über die Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der Agudas Jisroel veröffentlicht. Merkwürdigerweise hat ein Teil der agudistischen Presse dieses Communique in einer zum Teil abgeänderten Form bekanntgegeben. Durch eine Erklärung, die inzwischen Herr Dr. Moses Auerbach abgegeben hat, der der Vertreter der Agudas Jisroel in der Redaktionskommission gewesen ist, ist klargestellt, daß die von uns veröffentlichte Form die Verhandlungen zutreffend wiedergab. Um so merkwürdiger ist es, daß auch ein Artikel in den offiziellen ״Blättern der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland“ und ein gleichlautender in der ״Wienes Jüdischen Presse“ über die Verhandlungen Mitteilungen macht, die weder dem Inhalt des Communiques noch den Tatsachen entsprechen. Zunächst desavouiert dieser Artikel die Stellungnahme der Kommission in einem wesentlichen Punkt. Er stellt sich nämlich aut den Standpunkt, daß auch eine Ausschaltung des Schul- Werks aus dem Aufgabenkreis der Agency eine Erleichterung im Sinne der Zusammenarbeit zwischen Jewish Agency und Agudas Jisroel nur dann geben würde, wenn die Agency an der Finanzierung der Kulturaufgaben in keiner Weise teilnähme. Die Vertreter der Agudas Jisroel in der Kommission dagegen, die freilich, wie schon in dem Communique zum Ausdruck gebracht, nur Vorschlagsrecht hatten, hatten ausdrücklich den Standpunkt eingenommen, daß finanzielle Subventionierung dg* Kulturarbeit durch die Agency kein Hindernis für einen Eintritt der Agudas Jisroel in die Agency bedeuten würde, wenn nur durch entsprechende technische Maßnahmen dafür gesorgt wäre, daß jeder, der zu den Aufgaben der Agency finanziell beiträgt, die Möglichkeit hätte, zu bestimmen, daß aus seinem Beitrag lür. die kulturellen Zwecke nichts verwendet werden dürfe- Wir müssen gestehen, daß wir doch erstaunt darüber sind, daß ln einem so wichtigen Punkte eine derartige Desavouierung erfolgt, obgleich der Vorsitzende des Geschäftsführenden Aus- Schusses, Rabbiner Dr. P. Kolm, selbst an den Verhandlungen teilgenommen hatte. Bezüglich der Tätigkeit der Agudas Jisroel in außenpoütischer Beziehung halten es die offiziellen Blätter der Agudas Jisroel für möglich, folgendes zu schreiben: ״Wenn nun die Vertreter der Agency in der Berliner Besprechung den lebhaften Wunsch äußerten, die Agudas Jisroel möge siai in außenpolitischer Hinsicht Bindungen auferlegen lassen, so ist dieses Verlangen von den agudistischen Vertretern — wie wir im Gegensatz zu einem irreführenden Berichte des Warschauer ״Moment“ mit Nachdruck betonen möchten — in aller Entschiedenheit abgelehnt worden. Was die Kommission (und zwar auch nur die Kommission, ohne daß bisher eine Zustimmung der politischen Leitung der Agudo erfolgt wäre) konzedierte, war lediglich die Empfehlung einer Verpflichtung der Agudas Jisroel, im Hinblick auf die noch immer schwierige politische Lage bis auf weiteres selbständige außenpolitische Aktionen nicht zu unternehmen, ohne vorher den loyalen Versuch gemacht zu haben, mit der Agency sich auf eine einheitliche politische Linie zu einigen. Gelingt ein solcher Versuch nicht, so ist auch nach Ansicht der Berliner Kommission, einschließlich der die Agency vertretenden Mitglieder, die politive Exekutive der Agudo selbstverständlieh frei, nach ihrem Gutdünken selbständig vorzugehen.“ Demgegenüber steht der Wortlaut des offiziellen, von den Herren Dr. Auerbach und Dr. Barth redigierten Comrnuniques, das folgendes berichtet: ״Ohne die Frage der grundsätzlichen Stellung der beiden Gruppen zu erörtern, wird es als ein Gebot der Zeit anerkannt, daß außenpolitische Eingaben von seiten der Agudas Jisroe bis auf weiteres nicht eingereicht werden sollen. Die Jewish Agency wird dies dadurch erleichtern, daß sie die Agudas Jisroel über die politischen Vorgänge, soweit nicht Diskretion vorgeschrieben ist, informiert.“ Diese Formulierung entspricht, wie wir authentisch festgestellt haben, dem Wortlaut der Formulierung, die der Vorsitzende der Kommission, Herr Dr. B a e c k} als Ergebnis der Besprechung unter Genehmigung aller Beteiligten niederschreiben ließ im Anschluß an eine nahezu wörtlich übereinstimmende Erklärung, die Herr Dr. P. Kohn seinerseits abgegeben hatte. Im übrigen versucht der Artikel das kurz vor den Verhandlungen von der Agudas Jisroel an die englische Regierung eingereichte Memorandum zu rechtfertigen und spricht seine Verwunderutig über die ״etwas gereizte Stimmung“ aus, in der sich die Vertreter der Agency infolge dieses Memorandums befanden. Unsere Leser kennen dieses Memorandum, das wieder einmal im traurigsten Stil der alten schon überholt geglaubten Kampfesweise den Versuch macht, trotz Hebron und Safed der Mandatarmacht einzureden, daß die Araber mit dem religiösen Judentum auf viel besserem Fuße lebten als mit dem nationalen, und wir glauben, daß wir zur Begründung der Entrüstung, in der sich wohl die gesamte nichtagudistische Juden heit au Grund dieses Memorandums befand, nichts anzuführen brauchen. Oberrabbiner Kuk veröffentlicht im ״Doar Hajotn“ eine Erklärung, in der er gegen die ״anmaßende Haltung“, die einzelne Mitglieder der jüdischen Nationalversammlung im Verlauf der letzten Tagung der Assefath Haniwcharim gegenüber der jüdischen Religion an den Tag gelegt haben, protestiert. Die dringendste Aufgabe sei es, sich auf solche Maßnahmen zu konzentrieren, ״durch deren Anwendung wir mit vereinten Kräften die Krise überwinden und eine geschlossene Front bilden können“. Rebekka Sieff in Deutschland Frau Rebekka D. Sieff, eine der energischsten Führcrinnen der Wizo, absolvierte im Monat Februar d. J. eine längere Vortragstournee durch Deutschland, um dieser machtvoll aufstrebenden Frauenorganisation auch innerhalb der deutschen Jüdinnen neue Anhängerinnen zu werben. Frau Rebekka D. Sieff gehört dem Kreise jener englischen Zionisten an, die noch vor der Balf011r-Dek!aration, in einem Arbeitskomitee zusammengeschlossen, in zäher Arbeit und Opferwilligkeit die späteren diplomatischen und politischen Erfolge der Zionistischen Organisation ermöglichten. Unermüdlich ist Frau Sieff seit den ersten Tagen der Wizo-Gründung bestrebt, die Arbeitsgebiete dieser Frauenorganisation zu weiten und das Interesse am Patästinaaufbau auch in den Kreisen der jüdischen Frauen zu verinnerlichen. Frau Sieff verfolgt mit dieser Arbeit ein Doppeltes: Die wahre Emanzipation der jüdischen Frau und die Befreiung des jüdischen Volkes, Allen ihren Vorträgen, die sie in Berlin, Dresden, Frankfurt a. M., München und Nürnberg gehalten hat, sowie allen Darlegungen im kleineren Kreise lagen diese zwei Motive zugrunde. Frau Sieff verkörpert in sich die innige Ver- Schmelzung von Weltdame und begeisterter Pionierin der Idee jüdischer Wiedergeburt In allen Versammlungen und noch mehr in intimerem Kreise der Zirkelveranstaltungen hinterließ Frau Sieff durch ihre charmante, anziehende Persönlichkeit und durch die begeisterte Art, mit der sie für die heilige Sache warb, einen tiefen Eindruck. Der deutsche Zweig der Wizo ist Frau Sieff für diese außerordentliche Hilfe sehr dankbar. Das Beispiel der Frau Sieff wirkte auch bis weit in solche Schichten der jüdischen Frauen, welche bisher entweder nur sehr laue Beziehungen zur Wizo hatten oder sich überhaupt von dieser größten zionistisehen Frauenorganisation fernhielten. Aus allen Orten, an denen Frau Sieff wirkte, treffen bei der deutschen Wizo Berichte ein, die von der nachhaltigen Wirkung der von Frau Sieff geleisteten Arbeit Zeugnis ablegen. Nicht nur die Wizo in Deutschland, sondern auch die gesamte Zionistische Organisation schulden Frau Sieff für ihre so erfolgreiche Tätigkeit herzlichsten Dank. Keren Hafessod In Polen Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit, mit Direktor Leib affe, der von einem längeren Aufenthalt in Polen auf der ückreise nach Palästina in Berlin weilte, über die Arbeit des Keren Hajessod in Kongreß-Polen zu sprechen. Herr Jaffe teilte nachstehende außerordentlich lehrreiche Einzelheiten mit: In diesem Jahre konzentrierte sich ein großer Teil der Arbeit hauptsächlich auf Warschau, wo im vorigen Jahre 1691 Zeichnungen für den Keren Hajessod abgegeben wurden, ln diesem Jahre gelang es, trotz der verschlechterten Wirtschaftsläge in den ersten Wochen der Keren Hajessod-Arbeit in Warschau 2500 Keren Hajessod-Zeichnungen zu bekommen, womit ein bisher noch nicht dagewesener Rekord erzielt ist Auch an Bareingängen stellten die Monate Januar und Februar 1931 Rekordmonate dar. Ungefähr 15 000 Personen wurden besucht. Wer in der Keren Hajessod-Arbeit Bescheid weiß, vermag zu ermessen, welch ungeheure Arbeitsleistung in der genannten Zahl von Besuchen steckt.' Die Agitation wurde sehr stark unterstützt durch die Fest-Akademie mit Schalom Asch, durph den Besuch" von Oscar Wassermann und durch die Mitarbeit des ehemaligen polnischen Generalkonsuls in Jerusalem, Zbyszewski. Hierzu kam die warme und eifrige Kooperation der jüdischen Presse, sowohl der in jiddischer, wie in polnischer Sprache erscheinenden. Einen Höhepunkt der Agitation stellte Leib J aff es hebräischer Radio-Vortrag dar. Außer Warschau wurden auch die Provinzstädte bearbeitet. Bei dieser Arbeit halfen besonders die Herren Goldberg, Dr. Hindes, Dr. Gottlieb, Dr. Schipper und Abgeordneter Dr. Rottenstreich mit. Leib Jaffe eröffnete die Kampagne in Lodz und führte auch eine ״Blitz- Aktion“ in Wlozlawek durch. An der Spitze des Keren Hajessod- Komitees stand der Warschauer Gemeindevorsitzende Farbstein. Die Arbeit fand eine starke Förderung durch Dr. Goldflam, einen hervorragenden Nichtzionisten der Jewish Agency. Es ist unmöglich, all die Namen der Mitarbeiter, die sich voll Eifer in den Dienst des Keren Hajessod gestellt haben, zu nennen. Die gemachten Angaben beziehen sich nur auf Kongreß- Polen. Die Arbeit in Ost- und Westgalizien, sowie in Polnisch- Schlesien wurden von anderen Komitees und anderen Person- Iichkeiten durchgeführt. Im allgemeinen kann man mit dem Ergebnis der diesjährigen Keren Hajessod-Aktion in Polen, wenn man die politischen Schwierigkeiten und die schwere Wirtschaftskrise in Betracht zieht, durchaus zufrieden sein. Alle anderen Länder, in denen Juden leben und die auch nicht entfernt unter der schweren Wirtschaftsnot zu leiden haben wie die Juden in Polen, sollten sich an dem Verhalten der polnischen Juden ein Beispiel nehmen. Die diesjährige Arbeit in Polen hat neuerdings den Beweis erbracht, daß es unter allen Umständen möglich ist, für Palästina zu werben und Sammlungen durchzuführen, wenn nur die Mitarbeiter und die Juden danach sind. Daran scheint es in manchen Teilen der Welt zu fehlen, und darauf sind wohl in erster Linie die schlechten Ergebnisse in anderen Ländern zurückzuführen. Jaffes hebräischer Radio •Vortrag Erst jetzt aus Palästina eingelangte Briefe teilen mit, daß man den von Jaffe im Warschauer Sender gehaltenen hebräischen Radio־Vortrag in Palästina ganz deutlieh gehört und sogar nachstenographiert hat. So konnte denn der Vortrag bereits am nächsten Tage in den hebräischen Zeitungen erscheinen. In Polen erregte die Tatsache des ersten hebräischen Radio-Vortrages auf dem polnischen Groß-Sender im ganzen Lande außerordentliche Begeisterung. In allen Städten und Städtchen wurden öffentliche Lautsprecher autestellt. Juden und Nichtjuden versammelten sich in Gastäusern, Vereinslokalen und häuslichen Zirkeln, um den hebräisehen Radio-Vortrag zu hören. Die polnische Uebertragung des Vortrages nahm im Anschluß an Jaffes Ansprache Dr. M. Hindes vor, so daß auch Kreise, die nicht hebräisch verstehen, die bef’ ׳ ' " ' . .. Möglichkeiten das Radio ‘für zionistische Propaganda in sich birgt Besäßen wir in Erez-Israel einen eigenen Groß-Sender, so Könnten Juden regelmäßig in der ganzen Welt Mithörer derartiger Reden sein, ־ Das Straßennetz Im Emek. Anfang Januar 1931 ist das Straßennetz im Emek Jesreel, mit dessen Anlage Ende des Jahres 1929, nach den Unruhen, begonnen wurde, vollendet worden. Die neuen Verbindungen sind: 1. eine Straße, die die Siedlung Giaegar mit der Chaussee Afuleh—Nazareth verbindet; 2. eine Straße von Afuleh nach Merchavia (Arbeitersiedlung und Kolonie); 3. eine Straße von der Station Schattah bis Beth Alpha und Chefzibah; 4. eine Straße von der Station Tel-Schamam bis Kfar-Jehoschua; 5. eine Straße von der Station Kumi bis En-Haröd und Tel-Josef; 6. eine Straße von der Station Kfar-Baruch bis Kfar-Baruch. Durch diese Sfraßeu werden die Verkehrsverhältnisse im Emek wesentlieh verbessert,