Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 19 (10.3.1931)
- Date
- 1931-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 122 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 10. HI. 1931 tilgbare« Raum sprengen. Wir behalten uns eine weitere Stellungnahme vor. Es geht hier tatsächlich um Lebensfragen "des deutschen Judentums. Die durch die beiden Aufsat/.e von Fechter und Jarcke eröffneten Diskussionen sind vorläufig noch im Fluß. Irr den weiteren Nummern der ״Lit. Welt" sind mehrere Entgegnungen auf Jarcke erschienen, und in Nr. 9 der ״Lit. Welt" nimmt ein Einsender auch zu Fechters Artikel Stellung, indem er durch Aufzählung der größten deutsehen Vcriagsanstaifen nachweist, das nur 5 von 50 Verlagen in jüdischen Händen sind, daß ferner die meistert deutschen Theater als Stadt- und Landestheater keinem jüdischen Einfluß unterliegen; demnach sei die Meinung Fechters, daß die Juden den deutschen Kunstbetrieb beherrschen, eine maßlose lieber* treibung, deren Haltlosigkeit sich bei einer Nachprüfung ergebe. In der Tat ist es richtig, daß es sich bei diesen Dingen vielfach mehr um Stimmungen als um Tatsachen handelt. Kleine Episoden und einzelne Erscheinungen werden im Bewußtsein der Öffentlichkeit so aufgebauscht, daß der Sinn für Proportion leicht verloren geht Ke Schuld hieran liegt vielleicht nicht nur auf Seite der Antisemiten, sondern auch bd manchen reklamesüchtigen Juden, die ihre eigene Bedeutung in ein möglichst helles Licht gerückt sehen möchten. Wir können aber nicht die Augen davor verschließen, daß verstandesmäßige Aufklärung durch Ziffern und Fakten wenig wirksam ist, der Affekt ist hier das durchaus Primäre, das Beweismaterial wird meist erst nachträglich herangeholt, und wenn man ein Argument zerstört, werden zwei neue liervorwachsen. Sehr interessant ist die Aeußerung des Schweizers Eduard Behrens, der im März- Heft der ״Deutschen Rundschau“ seinem Erstaunen über den maßlosen deutschen Antisemitismus, der in jedem anderen ziviii* sierten Lande unmöglich wäre, Ausdruck gibt Es handle sich, meint Behrens, um eine unverständliche Angst des 63 Millionen starken deutschen Volkes vor einer kleinen Minorität, die das deutsche Leben nicht gefährden, woM aber befruchten könnte. Wir werden über den Fortgang dieser Diskussion unsere Leser auf dem laufenden halten. Wir gedenken der These von Avenarius, daß eine offene Aussprache nottut und daß durch Behebung der Verschwommenheit eine würdigere Situation geschaffen werden kann. Das Bekenntnis zu der blutmäßig gegebenen nationalen Zugehörigkeit, der Wille zur Bejahung der eigenen Tradition und zur Entfaltung der eigenen tiefsten Seelenkräfte ohne Verwischung der Werte schaffenden Eigenart kann jedenfalls auch die Erkenntnis der Interessengemeinschaft und schicksalhaften Verbundenheit von deutschen Juden und deutschem Volk dort, wo diese als Ergebnis des — von unserem Willen unabhängigen — historischen Prozesses vorhanden ist, nur fördern. Und es könnte hieraus jener erstrebenswerte Zustand gegenseitiger Achtung, ein auf der Anerkennung der Menschenwürde und des lebendigen Geistes, auf Respekt vor historischen Gegebenheiten und natürlichen Rechten beruhendes Verhältnis entstehen, das allein das Zusammenleben von Deut* sehen und Juden wieder erträglich, für beide Völker unbelastend und sogar heilsam und nützlich gestalten könnte. Ein solches Streben liegt auf der Linie des Nationaljudentums. Daß wir davon noch sehr weit entfernt sind, kann uns nicht hindern, immer wieder den mühevollen Versuch zu unternehmen, ein Stück auf diesem Wege weiterzukommen. New Vork, 2. März. (J.T.A.) Wie bereits gemeldet, hat das Administrative Committee der Zionistischen Organisatjon Amerikas am 16. Februar ein Komitee eingesetzt, das gemeinsam mit dem amerikanischen Komitee der Jewish Agency eine Resolution über die Regierungserklärung ausarbeiten sollte. Als Ergebnis dieser Beratungen hat nunmehr das Administrative Committee der Z.O, A_ eine Kundgebung veröffentlicht, worin es heißt, der Brief MacDonalds stelle hinsichtlich seines gesamten Tones und der in ihm enthaltenen Würdigung für die Leistungen der Juden in Palästina, sowie durch die Anerkennung der Verbundenheit des gesamten jüdischen Volkes mit Palästina einen Fortschritt gegenüber dem Weißbuch vom Oktober 1930 dar. Vieles jedoch, was einer Erklärung bedarf, werde in dem Briefe vermißt, so daß ein endgültiges Urteil über dieses Dokument erst möglieh sein wird, wenn die Konklusionen bezüglich anderer Phasen der britischen Politik dem Zionistenkongreß und dem Council der Jewish Agency vorliegen werden. Br. Magnes ln Amerika New York, 2 März. (J-T.A.) Wie Herr Felix M. W a r - bürg als Vorsitzender des amerikanischen Komitees der Hebräischen Universität mitteilt, wird der Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. Juda L. Magnes, der in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten eintrifft, eine Tournee durch alle größeren Städte des Landes zugunsten der Hebräischen Universität unternehmen. Er beabsichtigt auch, die bedeutendstea Universitäten und ״Colleges“ des Landes zu besuchen, um ihre Organisation, vor allem die der Abteilungen für ortental istische Forschungen, zu studieren. Wie Warburg weiter mitfeilt, sollen die ersten Promotionen an der Hebräischen Universität im Jahre 1932 erfolgen. Dr. Magnes will während seines Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten mit der Organisation ״Hadassah“ und dem Komitee der jüdischen Aerzte Amerikas bezüglich des Projektes einer von diesen Körperschaften gemeinsam zu errichtenden Universitätsklinik und des Forschungsinstituts für Tropeakrankheiten Beratungen abhalten. Von der örangensalson Bis jetzt wurden mehr als 2000000 Kisten Orangen, Zifronen und Grapefrüchte nach dem Auslande geschickt. Man rechnet damit, daß der Export in diesem Jahre um zirka 350 000 Kisten geringer sein wird als im Vorjahre. Auf den englischen und kontinentalen Märkten ist die Nachfrage nach den Jaffa-Orangen in den letzten Wochen gewachsen. Die Preise für Orangen sind auf durchschnittlich 13 bis 18 Schillinge, die Preise für Grapefrüchte sogar bis aut 20 Schillinge pro Kiste gestiegen. D e palästinensischen Grapefruchte haben sich in 3er letzten Zeit einen ausgezeichneten Ruf auf dem englischen Markte erworben. Auf Anregung der jüdischen Orangenexporteure wurde in der letzten Sitzung der Regierungskommission für Orangen bau ein Antrag behandelt, für eine großzügige Propagierung der Jaffa-Orange eine besondere Abgabe von 4 Alii auf jede zum Export gelangende Orangenkiste zu verlangen. Die arabischen Vertreter verlangten die Deckung der Kosten dieser Propaganda durch die Re gi erung, die aus dem Import des Verpackungsmaterials für Orangen große Zollrinnnhmen (im letzten Jahre über 8000 Pfund) beziehe. Die Regierung solle wie früher den Zoll für diese Materialien, die ja wieder ins Ausland zurückexportiert werden, zurückvergüten. Die Kommission, deren Vorsitzender der Gouverneur des Süddistriks, Mr. Campbcllj ist, hat zugestimmt, eine entsprechende Forderung an die Regierung zu riebteu. (Ziko.) Presseschau 2a Welzmanns Palästina - Reise ״The Near East and India“ erklärt in seiner Nummer vom 5. März, der MacDonald - Brief an Dr. Weizmann sei allgemein als Rückzug der britischen Regierung und als Erfolg Weizmanns aufgefaßt worden. Nun erfahre man. daß Dr. Weizmann in Palästina auf Grund dieses Briefes eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit anstrebe, wobei er den Arabern vor allem die Vorteile, die sie durch das jüdische Kapital genießen können, zusichern wolle. Der MacDonald-Bricf wird aber von den Arabern als Basis einer Verständigung abgelelmt, und auch gewisse jüdische Kreise beschuldigen Dr. Weizraann des Verrats, weil nacli ihrer Meinung der Brief eine ungenügende Entschuld!- gung für das Weißbuch gewesen ist wie auf Grund dieser Sachlage die Maudatarmacht glauben kann, zu einer jüdischarabischen Zusammenarbeit in Palästina zu gelangen, sei alles eher als klar. Und inzwischen wird nur das arme Palästina weiter zu leiden haben. * Der ״Jewish Cbroniele“ will erfahren haben, daß unter der Beamtenschaft in Palästina große Mißstimmung besteht, weil die O’Donnel-Kommission, die etwa 300 000 Pfund vom Regierungsbudget einsparea soll, eine Verkürzung der Beamtengenälter in Aussicht nimmt Der Widerstand Segen diese Kürzungen solle organisiert werden und auch im ׳nterhaus Ausdruck finden. Zu den Verhandlungen mit der englischen Regierung erklärt ״Jewish Chronide“, aus bester Quelle erfahren zu haben, daß aas Kabinetts-Komitee den zionistischen Vorschlag, von der Einsetzung des Gesetzgebenden Rates abzusehen, entschieden und eindeutig abgelehnt habe. Die Regierung hält es nicht tür ratsam, in diesem Punkt die erbitterte Feindschaft der Araber heraufzubeschwöreu. Die Wochenschrift des palästinensischen Koicmistenverbandes ״Boustenai" erklärt, die moralische Bedeutung des MacDonald-Briefes sei größer als die der Balfour-Deklaration, denn die Balfour-Deklaration war an einen Führer des englischen Judentums gerichtet, der MacDonald-Brief jedoch an den Präsidenten der Zionistischen Organisation. Auch sei die Balfour-Deklaration in einer Zeit vager Ideologien gefeben worden, der letzte Brief aber in einer Welt harter atsachen. Es sei ein großer Sieg Dr. Weizmanns, dessen Politik sich wieder als die einzig richtige erwiesen hat. Zuerst schien es eine Zeitlang, als ob auch Weizmann sich habe umnebeln lassen und dem Geschrei der Gasse folge, es war aber nüF eine vorübergehende Schwäche, und er hat bald seine Besinnung wieder gefunden. Natürlich ist es nicht schwer, in Volksversammlungen in Tel-Awiw, Warschau und New York extremistische Forderungen zu stellen und zu schreien, es dürften ״keine Konzessionen“ gemacht werden, aber schwer ist es, in wirklichen Verhandlungen auf dem Boden der Tatsachen das Lebensnotwendige zu sichern. Weizmann hat der Gasse widerstanden und hat dadurch das zionistische Schiff vor dem sicheren Zerschellen an der drohenden Klippe gerettet Das Blatt führt dann weiter aus, daß Sein oder Nichtsein des Zionismus überhaupt nicht in politischen Verhandlungen entschieden werden kann, sondern nur in der praktischen Arbeit im Lande. Ausführlich wird dargetan, welche froßen Möglichkeiten sogar nach dem Weißbuch noch für ie Arbeit bestanden, die nicht ausgenützt wurden. Eine intenslve Kolonisation einschließlich Hilfe für die Fellachen sei notwaidig. Es müsse die Wahrheit gesagt Werden, daß wir in einzelnen Fällen nicht genügend auf das Los der Fellachen auf den von uns gekauften Böden geachtet haben, natürlich nicht aus Bosheit, sondern einfach aus Unverstandnis und Unfähigkeit. Zu einer Lösung dieser Fra״e ist unbedingt die Hilfe des Gesetzes nötig, und daher müßten wir eine Gesetzgebung zum Schutze der Fell achen begrüßen. Es gibt noch sehr viel Boden, auf dem gar keine Fellachen sitzen und sehr viel Boden, den wir unter voller Berücksichtigung der gerechten Ansprüche der Fellachen erwerben können. Hätten wir nur die Kräfte und Mitte), alle diese Möglichkeiten auszunützen 1 Zura Schluß appelliert das Blatt an Dr. Weizmann, er möge eine geeignete Persönlichkeit zur Führung der ökonomischen Arbeit des Zionismus berufen, so wie er die geeignete Persönlichkeit für die politische Arbeit sei. * 1111 New Yorker ״Morning Journal“ vom 17. Februar wendet sich der Chefredakteur J. Fishraan sehr scharf gegen das Verhalten der Leitung der amerikamschen Zionisten gegenüber Dr. Weizmann. Die amerikanische zionistische Leitung habe in einer von Dr. Stephen Wise einberufenen Sitzung, zu der auffallenderweise zwar nicht die Mitglieder des A.-C., dafür aber ein Revisionist eingeladen war, den MacDonald-Brief kritisiert und schließlich gegen Weizmanns Kundgebung protestiert. Die Angriffe auf Dr. Weizmann könne man nur als unverantwortlich und unverschämt bezeichnen. Die amerikanischen Zionisten seien dringend aufgefordert worden, einen Vertreter in das Politische Komitee nach London zu entsenden, iiaben dies jedoch abgelehnt Daraufhin habe eine dauernde telegraphische und telephonische Verbindung zwischen London und New York stattgefunden, die Amerikaner seien über jedes Stadium der Verhandlungen informiert worden, und nun haben sic die Kühnheit, Dr. Weizmann an zu greifen, weil er erklärt hat, die Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht sei wiederhergestellt Die Haltung dieser zionistischen Führer Amerikas sei unpolitisch und entspricht sicherlich nicht der zionistischen öffentlichen Meinung Arnerikas. * Unter Bezugnahme auf den Besuch von Kisch und Yellin in Amman schreibt der arabische ״Felestin“, die Jewish Agency, die jetzt von der englischen Regierung befriedigt wurde, versuche nun, auch die Araber zu betrügen. Und da sie im Westjordanland keinen Erfolg haben kann, versuche sie ihr Glück im Ostjordanland. Sie wolle auf den Enr Abdulla und den alten König Hussein Einfluß ausüben, dau,.t diese die palästinensischen Araber veranlassen zu einer Zusammenarbeit mit den Juden auf Grund des MacDonald- Kommentare«. Das wird aber nicht der Fall sein. Die Sache hängt nur von den Palästinensern ab, deren Vertretung die Arabische Exekutive ist Das Blatt spricht weiter die Vermutung aus, daß der jüdische Besuch in Transjordanien die Vorbereitung für irgendeine große Ueberraschung war, die bei Weizmanns Eintreffen erfolgen soll. Wie die J. T. A. erfährt, haben auf Grund einer neuen Verwaltungsverordnung die Siedler ohne Rechtstitel und die beduinischen Weidenutzer die Erlaubnis erhalten, bis auf weiteres auf den jüdischen Ländereien in der Haifabucht zu bleiben. Die Polizei hat die Weisung erhalten, nicht einzugreifen, bis das Bodengericht eine Entscheidung beztiglich der von den Beduinen erhobenen Ansprüche gefällt bat. Ein Steuerprozeß des Nationalfonds London, 3. Mä T1׳■ (J. T. A.j Vor einem Senat des überhofgerichtcs wurde unter dem Vorsitz von Justice Rowlatt über die Frage verhandelt, ob der jüdische Nationalfonds als Wohlf a h r t s i n s t i t u t i 0 n Anspruch auf Befreiungvoll der Einkommensteuer habe. Die Verhandlung fand auf Grund einer durch den Jüdischen Nationalfonds gegen die vor kurzem erfolgte Entscheidung der Steuerbehörden, daß der Fonds keinen Anspruch auf Steuerbefreiung besitze, eingelegten Berufung statt. Der Keren Kajenieth war in der Verhandlung durch R.-A, A. M. Lattcr vertreten, welcher ausführte, die Aufgabe des Fonds, der nicht zu Enverbszwccken geschaffen worden sei, bestehe in dem Ankauf von Boden in Palästina und seiner Besiedlung durch Juden. Seine Mittel seien durch großzügige freiwillige Sammlungen unter den Juden aufgebracht worden. Seine Gründer hätten ursprünglich beabsichtigt, ihm die rechtliehe Form einer religiösen Stiftung zu geben. Seine Mittel werden dazu verwendet, Mittellose auf Palästina-Boden an zusiedeln und in einem primitiven Lande die Grundlagen einer zivilisierten Gemeinschaft zu schaffen. Unter wekhem"Gesichfc- Winkel immer man die Arbeit des Fonds betrachte, müsse festgestellt werden, daß sie nach englisch-rechtlicher Auffassung als Wohlfahrtsarbeit zu bezeichnen sei. Neben Bodenkauf und Ansiedlung habe der Fonds Bewässerungsarbeiten durchgeführt, Wälder gepflanzt, Kulturen angelegt, Arbeiter-Heiras'.ätten errichtet, die Siedler geschult und ihnen Arbeitsmöglichkeiten verschafft. Weiter habe er Boden und Bauvorschüsse für die Errichtung von Synagogen, Waisenhäusern, Spitälern, Schulen und Gebäuden für sonstige religiöse Wohltahrts- und Er- Ziehungsinstitutionen beigestellt. Der Vertreter des Fiskus, Generalstaatsanwalt Sir William J o w i 11 K. C., erklärte demgegenüber, die Frage sei nicht danach zu beurteilen, was der Fonds tatsächlich leiste, sondern danach, was er auf Grund seines Statuts zu tun be - r e c h t i g t sei’ Betrachte man die Befugnisse des Fonds auf Grund der Leitsätze und Bestimmungen des Statuts, so sei es klar, daß der zugrundeliegende Zweck ein politischer sei. Das Ziel ist die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina. Die Siedler erhalten niemals das uneingeschränkte Eigentumsrecht auf ihren Boden, damit die Möglichkeit der Besitzübertragung an Nichtjuden vermieden werde. Vom fiskalischen Standpunkt sei cs wichtig, festzustellen, daß Personen, die sieh zu einem h albp011 tisch en Zweck vereinif" leiste, werde noch nicht Ihr Wohlfahrtscharakter begründet. In dem Urteil wurde die Berufung des Jüdischen Nafionalfonds kostenpflichtig ab gewiesen. Der Vorsitzende des Senats, Richter Justice Rowlatt, erklärte in der Urteilsbegründung, das Ziel des N.-F. könne kurz als zionistisch bezeichnet werden. Absicht, Zweck und Wunsch der Gesellschaft sei es, Palästina und seine Nachbar-!ander mit Juden zu besiedeln. Die von ihr übernommene Verflichtung, deren religiöser Charakter von der Vereinigung beauptet wurde, sei in ־Wahrheit eine Verpflichtung gegenüber dem Lande Palästina als dem Heimatland des jüdischen Volkes, das als solches dem Volke in steter Erinnerung bleiben soll. Das Ziel des Fonds bestehe nicht darin, einen neuen Wohnsitz für jene Juden zu schaffen, die mit ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten unzufrieden sind, sondern dann, Palästina mit Juden zu bevölkern. Herrschendes Motiv sei che Sorge um das Land, nicht die um die Menschen. Auch wenn es den Juden gut ginge, wenn sie keinerlei Verfolgung ausgesetzt wären, unter keinem besonderen Druck durch Armut stünden undvon keinerlei Notwendigkeit getrieben wären, aus den -Ländern, in denen sie sich gegenwärtig befinden, auszu wandern, bliebe doch der Wunsch, Palästina durch Juden wieder zu besiedeln, bestehen. Die Gesellschaft hat bei dieser Sachlage eine umfassende Tätigkeit entfaltet, die durchaus von dem Vorsatz, auf dem in Palästina erworbenen Boden Juden anzusiedeln, beherrscht war. Das Ziel des Fonds war jedoch nicht in dein Sinne ein politisches, daß die Schaffung■ eines Judenstaates erstrebt worden wäre. Es sei das Argument ins Treffen geführt worden, daß diese Wiederbesiedlung des Landes durch Juden ein religiöses Ziel sei. Dieses Argument sei nicht stichhaltig. Förderung der Religion bedeute Verbreitung der geistigen Lehren einer religiösen Gemeinschaft und Erhaltung des Geistes, der Doktrinen und der Gebräuche, aut denen die Religion beruht oder in denen sie ihre Ausdrucksform findet Wenn die Rdi- . ist, so“daß auch Nichtbekenner dieser Religion dasselbe Ziel aus anderen Gründen anstreben können, so bedeutet die Verfolgung, Förderung und Erreichung dieses Zieles nicht die Fürderung der Religion. Weiter sei Behauptet worden, der Zweck der Gesellschaft wäre u. a. Bekämpfung der Armut. Den beherrschenden Zweck bildet indessen nicht die Verbesserung der Lage der angesiedelten Individuen, sondern die Besiedlung des Heiligen Landes mit Juden. Die Gründung der Gesellschaft sei nicht erfolgt, um Abhilfe gegen die Armut zu schaffen, wenn es sich auch so gefügt habe, daß die Gesellschaft vielen Menschen aus finatizieller und wirtschaftlicher Bedrängnis geholfen habe. Aus den angeführten Gründen könne somit die Gesellschaft in keine der Kategorien von Organisationen eingereiht werden, die Anspruch auf Steuerbefreiung besitzen. * Die von der Steuerkommission geforderte Versteuerung bezieht sich nurauf die Zinsen der in Konsois angelegten Reserven der Keren Kajemeth Lejisrae! Ltd. im Betrage von 32 000 Pfund. Dagegen werden von den normalen Sammlungen des Fonds keine Abgaben verlangt, Tranerieler für ProL Dr. Horowilz Jerusalem, 5. März. (J.T.A.) An der Hebräischen Universität zu Jerusalem wurde zum Gedächtnis von Professor Horovitz, der Leiter des orientalischen Instituts der lerulalemer Universität war, eine Trauerfeier veranstaltet, an der das gesamte Professorenkollegium, die Beamtenschaft und die Hörer der Hebräischen Universität teiinahmeu. In Vertretung des Kanzlers Dr. Magnes, der in den Vereinigten Staaten weilt, hielt Dr. Schlösslngerdie Gedenkrede. Namens der ehemaligen Schüler von Professor Horovitz sprach Dr. Josef R i v 11 n , der ungefähr ausführte: Horovitz, der einer angesehenen jiidischen Gelehrtenfamilie entstammte, war zwar nicht Zioni ü. aber ein auf seine Abstammung stolzer Jude. Er liebte den Osten und war fest davon überzeugt, daß dem Orient noch eine große Zukunft bevorstehe. Er war ein entschiedener Gegner der Eroberung des Ostens durch den Westen. Unausgesetzt beschäftigte ihn das Problem, welche Rolle das Judentum in der Welt des Orients zu spielen berufen sei. Er glaubte, daß es für den Juden eine erhabene Aufgabe sei, Orientale zu werden. Zu bedauern Ist es, daß keines der Werke von Professor Horovitz, die von bleibendem wissenschaftlichem Wert sind, in hebräischer Sprache geschrieben!st. Als letzter Redner sprach Dr. Goitein, der eine ausführliche Darstellung des wissenschaftlichen Werkes von Professor Horovitz gab."