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Jüdische Rundschau · 1931-03-10 · Heft 19 (10.3.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 19 (10.3.1931)
Date
1931-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die Schönheitskönigin (Brief aus Tel~Mwiw) UDISCHE Einzelnummer 0,25 Goldmark UNDSCHAU Erscheint jedenDienstag uJreitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AosUndMbanoamaa•» w«rd»n in der Wihruns der «inrelnen Linder l״rerh!»׳־. 4n»«eoprei*: 8 gmp. Ntmperefllereile 0.50 G.-M. SteDeneeeuche 0,2S G-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.tn.b.H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: 13 len• tag und Freitag nachmittag• 4Uh,r Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Beigradl 68032, Brüssel 394 33. Budapest 59693. Danzig 1973, Haag 140470. Prag 59410, Riga 4155, Strasburg 16430, Warschau 190708. Wien 15603a Bank -Konten: Darmstüdter- und Nationalbank, Deponiten - Kasse Berlin. Kurfürstendamm 52; Banca de E»t. Ceraaud (Rumänien); Anglo Paieadne Co. in Haifa. Temsalem. Tel-Aviv. Nummer 19 | Berlin, 10• 111• 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ א אדר תחנ״א | xxxvi. jahrg. Der Zionismus erstrebt tOr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm••* Offene Aussprache Das Einstein - Bankett in Amerika Uebertragung durch 44 Sender 200000 Dollar gesammelt NewY0rk?4. März. (J. T. A.) Am 4. März fand in New York zu Ehren Einsteins ein von den jüdischen Organisationen New Yorks veranstaltetes Bankett statt, an dem über 1000 Per• fonen, unter ihnen die repräsentativsten Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit und Vertreter aller großen jüdischen Verbände, teilnafimen. Den Vorsitz führte Felix M. W a r b n r g. Einstein, von der Versammlung stürmisch akklamiert, hielt eine Ansprache, in der er die Verbundenheit der Juden der ganzen Welt mit dem Palästinawerk hervorhob und die Pflicht jedes Einzelnen, an diesem Werke nach Kräften mitzuarbeiten, betonte. Die auf dem Bankett eingeleitete Sammlung brachte ein Ergebnis von über 200000 Dollar — in Einzelbeiträgen von mindestens 100 Dollar — für die Palästina-Fonds. Unmittel־ bar nach dem Bankett trat Einstein an Bord der ״Deutschland“ die Ueberfahrt nach Cherbourg an. Eine Delegation begleitete Einstein zum Hafen, wo sich eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Einstein befaßte sich in seiner Rede u. a. eingehend mit dem Araberproblem. Die letzte Palästinakrise, erklärte Einstein, hat uns gelehrt, daß Palästina nicht in erster Reihe als britisches Problem zu betrachten ist. Das uns gestellte Problem besteht darin, eine befriedigende Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern herbeizuführen. Juden und Araber müssen sich auf einen Kurs einigen, der den Bedürfnissen beider Völker entspricht. — Nach Einstein redete War bürg, der u. a. ausführte: Der Brief MacDonaldsan Dr. Weizmann löst zwar nicht das Palästina-Problem, aber er beseitigt den vom P&ssfieldsehen Weißbuch hervorgerufenen Eindruck von Feindseligkeit und Ungerechtigkeit. Vieles bleibt noch klarzustellen. Vor allem muß abgewartet werden, ob unsere Hoffnungen hinsichtlich der Einsetzung einer uns wohlgesinnten Verwaltung in Palästina sich verwirklichen werden. — Weitere Ansprachen hielten Dr. Stephen Wise, Morris Rothenberg, Dr. Cyrus Adler und Robert Szold. Die Rede Einsteins wurde durch 44 Sender in allen Teilen der V erelnigten Staaten im Rundfunk verbreitet, in allen größeren Städten der Vereinigten Staaten fanden gleichzeitig mit dem New Yorker Bankett Versammlungen statt, in denen immittelbar nach der durch Lautsprecher wiedergegebenen Rede Einsteins die Sammlungen für die Palästina- Kampagne eingeleitet wurden. Sitzung des Inndesvorstandes der Z. V. I. D. Am Sonntag, dem 8. März, fand eine gut besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Z.V.f.D. statt, an der außer den Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Landes- Vorstandes die Vertreter zahlreicher Ortsgruppen teilnahmen. Unter den Gästen befanden sich die Direktoren des Keren Hajessod, Dr. Arthur Hantke und Leib Jaffe. Die Tagung wurde von Herrn Blumenfeld geleitet. Das Hauptreferat in der Vormittagssitzung hatte Herr Felix Rosenh 1 ü t h - London, Mitglied der Exekutive, übernommen, Herr Rosenblüth sprach über die gegenwärtige Situation, wie sie sich insbesondere durch den MacDonald-Brief gestaltet hat, an der Hand umfassenden Materials. Hieran schloß sich ein Referat Dr. Landauers über den für die Zeit von Mitte März bis Ende April beabsichtigten Werbemonat der Zionistischen Organisation. Beide Fragen wurden in der Diskussion behandelt, die durch Herrn Blum enf eld zusammengefaßt und geschlossen wurde. Der Landesvorstand beschloß auf Antrag des G.-A., den Werbemonat mit allen Kräften in der vorgeschlagenen Zeit durchzuführen. Die Nachmittagssitzung behandelte Fragen des. Keren Kajemeth, des Keren Hajessod-Drives in Berlin und der Gemeinde- und Landesverbands-Politik. Der E t a t der Z. V. f. D. wurde in geschlossener Sitzung besprochen und angenommen. Der Landesvorstand nahm Beschlüsse zur Hachscharah* und Kulturarbeit an, die dem G.-A. zur Ausführung übergeben wurden. Arabische Exekutive gegen Verständigung Jerusalem, 4. März. (J. T. A.) Die palästinensischarabische Exekutive hat eine Sitzung abgehalten, um zu aktudien Fragen Stellung zu nehmen. An den Beratungen nahmen 30 Mitglieder der Exekutive teil. Nach einer Debatte, die einen vollen Tag in Anspruch nahm, wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, es sei für die arabische Exekutive völlig unmöglich, mit Dr. Weizmann oder einem anderen Verbefer der Judenheit zu einer Verständigung zu gelangen. Pie Versammlung billigte das vom Büro der arabischen Exekutive am 16. Februar veröffentlichte Statement, in dem die vom Ministerpräsident MacDonald in seinem Brief an Dr. Weizmann gegebene Interpretation des Weißbuches vom Oktober 1930 ab- R e l e h n t w i r d. Schließlich betonte die Exekutive neuerdings den von ihr von früher vertretenen Standpunkt, daß ein aßgemeiner arabischer Boykott gegen die Juden erklärt werden müsse, und bekräftigte ihre früher gegen das Mandat und die Balfour-Deklaration gefaßten Beschlüsse. * London, 3. März. (J.T.A.) Colonel Howard Bury hat im Unterhause an den Ministerpräsidenten Ramsay MacDonald die Anfrage gerichtet, ob vor Absendung des Briefes an Dr. Weizmann die Arabische Exekutive im irgendeiner Form konsultiert wurde und ob mit ihr eine Vereinbarung zustande gekommen sei. In Beantwortung dieser Anfrage erklärte MacDonald, daß sich der Brief bloß mit der Interretation gewisser Teile des dem Parlament im ezember v. J. vorgelegten politischen Statements, das zu Mißverständnissen Anlaß gegeben habe, befasse. Unter diesen Umständen sei es nicht als notwendig erachtet worden, die Arabische Exekutive zur Beratung über die Erläuterung und Aufklärung der von der Regierung nereits trüher angekündigten Politik heranzuziehe»• Vor fast zwanzig Jahren hat der Herausgeber des ״Kunstwart״, Ferdinand Avenarius, eine damals Aufsehen erregende Pionierarbeit vollbracht, indem er in seiner Zeitschrift eine große geistige Aussprache über das Judenproblem eröffnete. Die Diskussion wurde eingeleitet durch einen Aufsatz von Moritz Go Idstein über die Rolle der Juden im deutschen Kulturleben, die Zeitschrift druckte dann eine Auswahl aus der überaus großen Zahl von Aeußerungen, die ihr zugekommen waren, ab, und schließlich sagte Avenarius selbst seine Meinung zu dieser Sache in einem Aufsatz ״Aussprache mit Juden“ (״Kunstwart“ 2. August-Heft 1912). In diesem noch heute sehr lesenswerten, noch heute aktuellen und lehrreichen Aufsatz erörtert der Verfasser freimütig den Peinlichkeitsaffekt, der bei jeder Behandlung der Judenfrage mitklingt und sie erschwert. ״Der Kampf gegen das Verschleiern auf beiden Seiten — schreibt Avenarius — ist es, zu dem sich nach unserer Meinung die weitsichtigen unter den Führern hüben und drüben zu allererst vereinigen sollten. Vorläufig fehlt sogar die Vorbedingung für diese Vorbedingung: Die Möglichkeit, offen, sachlich und ruhig an weit hörbarer Stelle auch mit dem Gegner zu sprechen. Sie fehlt so gänzlich, daß wir glauben: Praktisch wichtiger als alle Theorie ist zunächst das energische Oeffnen solcher Sprechplätze.“ Erst nach einer solchen Aussprache, nach einem solchen ״Entnebeln und Entwirren“, könnte man auch über praktische Wege der Lösung nachsinnen. Die Deutschen wollen auf ihrem Wege zu freiem Europäertum die jüdische Mitarbeit nicht abweisen. ״Wir wollen — so schließt der Aufsatz — uns auch gegenseitig anregen, nur: Wir wollen einander nicht fälschen. So schwierig ein reinliches Scheiden und nach ihm ein Sich-Vcrbünden oder Verbinden hier ist, möglich ist es wohl noch ohne Kulturkrach. Wie lange noch?“ In den zwanzig Jahren, die seitdem vergangen sind, Ist viel über die Judenfrage geschrieben und diskutiert worden, das Verständnis hat sich vertieft, die Vergeblichkeit der Verschteierungsmettiode ist auch widerstrebenden Geistern klar geworden. Aber von einer Lösung sind wir weiter entfernt als je. Denn flieht nur Einsicht und Klärung, sondern vor allein Affekte und Interessen sind die hier maßgebenden Gewalten. Aber auch wenn wir das erkennen, auch wenn wir die schicksalhafte Vcrschhjngenheit des Problems sehen, sind wir nicht von der Verpflichtung befreit, immer wieder ein Vorwärtskommen auf dem Wege der Erkenntnis zu versuchen, in dem Bewußtsein, daß Verhängnis und Austoben der Leidenschaften nur durch äußerste Anstrengung des Menschengeistes zur Kontrolle der dunklen Mächte abgewendet werden können. Zionisten der älteren Generation (für die jüngere Generation wäre eine Lektüre jener ״Kunstwart״-Debatte angelegentlichst zu empfehlen), werden sich noch erinnern, daß von zionistischer Seite die Anregungen von Avenarius mit Sympathie und Zustimmung aufgenommen worden sind. Oeffentliche Diskussion der Judenfrage, Wiedererlangung der inneren Unabhängigkeit bei Behandlung jüdischer Gegenstände, Lösung der unnatürlichen Verkrampftheit des jüdischen Bewußtseins — das waren ja die Grundgedanken, die an der Wiege des westeuropäischen Zionismus standen. Freilich läßt sich eine unbefangene Diskussion leichter In einer beruhigten politischen Atmosphäre führen als in einer Atrao- Sphäre politischer Neurosen und Spannungen, wo primitive Lebensinteressen auf dem Spiele stehen. In neuerer Zeit wurde das Krankhafte des Antisemitismus und seiner Rückwirkung auf das Judentum von Arnold Zweig und Friedrich Bernstein im lichte der modernen Psychologie dargelegt; gewiß sehr klärend, aber ohne merklichen Einfluß auf die herrschenden Gesinnungen der Zeit Die vulgäre Form des Antisemitismus breitet sich immer weiter aus und erzeugt Gefahren, die zu kontrollieren im entscheidenden Moment schwerfallen dürfte. Jede Erörterung von jüdischer Seite steht unter dem Verdacht, von Angst oder von Ressentiment diktiert zu sein. Und dennoch ist die Judenfrage, gerade wegen der — nach Avenarius — über ihr lagernden Vernebelung, ein so entscheidendes Problem unserer Gegenwart und unseres Lebens, daß trotz aller Bedenken immer wieder der Versuch einer furchtlosen Behändhing gemacht werden müßte. Die Erinnerung an jene Kupstwart-Debatte wird heraufbeschworen durch eine Diskussion in der ״Deutschen Rundschau“ (Januar und Februar 1931), in deren Verlauf der Herausgeber dieser Zeitschrift, Dr. P e c h e 1, den Zweck der Veröffentlichung dahin charakterisiert, es komme darauf an, ״die Gemeinsamkeiten der anständigen Menschen guten Willens in beiden Lagern festzustellen und die Punkte, über die eine Einigung niefit möglich ist, in einer geistigen und maischliehen Haltung zu erörtern, welche die vergiftende Tätigkeit der Menschen bösen Willens durch ihre Selbstverständlichkeit wirkungslos macht . . Eingeleitet wird die Aussprache durch ein ähnliches Thema, wie es seinerzeit Dr. Gokfetein aufwarf, nämlieh einen Aufsatz von Paul Fechter ״Kunstbetrieb und Judenfrage“. Es ist ein Vortrag, der im ״Verband nationaldeutscher Juden“ gehalten wurde und wendet sich in der Hauptsache gegen eine Gruppe jüdischer Literaten, die zu unrecht mit dem Judentum identifiziert wird und der er verwirft, daß sie ihre Stellung in der Presse, in Kunstbetrieb, Theater und Literatur dazu benützt, alle Werte der deutschen Tradition herabzusetzen oder lächerlich zu machen. Jede nationale Regung in der deutschen Kunst und Literatur werde sofort als Dilettantismus oder als Gefühl zweiter Klasse hingestellt. Fechter fordert von den Juden denselben Respekt vor dem Gefühlsleben der national empfindenden Deutschen, den der Jude für seine eigenen Traditionen beansprucht. Gerade der Nichtjude, der seit Herzls ״Mausdiel“ immer wieder gegen die Entartungserscheinungen jüdischer Wurzellosigkeit Stellung genommen hat und eben dieses Uebel durch Wiederherstellung der tieferen Bindung des Juden an sein Volkstum, durch Bejahung des eigenen Wesens und Uebernahme der Verantwortung für die Zukunft, bekämpfen will, wird für manche der Beschwerden Fechters Verständnis haben und eine offene Aussprache über .dieses Thema, das trotz seiner relativen Belanglosigkeit die •Beziehungen vergiftet, begrüßen. Bisher liegt nur eine jüdische Gegenäußerung vor. Im Februar-Heft antwortet Jakob Wassermann auf Fechters Herausforderung. Der Beitrag Wassermanns ist — ganz unabhängig von seinem Inhalt — ein überaus aufschlußreicher Beitrag zum Verständnis der Judenfrage. Wenn ein Dichter vom Range Wassermanns die Problematik seiner eigenen Stellung so schwer empfindet,, daß er jede ״objektive“ Erörterung ablehnt und nur sein glühendes jüdisches Gefühl sprechen läßt, wie schwierig und unentwirrbar muß diese Frage erscheinen, wie sehr erfordert sie ein Wegräumen von Bitterkeit, Beleidigung, tausendfachem Unrecht; und gerade auf dieses Wegräumen besteht im Moment fast gar keine Hoffnung, ln ergreifender Weise ringt Wassermann mit dem Judenproblem, seine Erwiderung ist inspiriert von einem ganz starken — wenn auch unbewußten — jüdischen Nationalgefühl. Wäre dieses Nationalgefühl bei ihm bewußter, wogegen er sich jedoch in tragischem Kampfe sträubt, dann hätte er vielleicht auch dem Zweck dieser Aussprache in höherem Maße gerecht werden können. Was Wassermann vorbringt, gibt ein grauenvolles Bild des jüdischen Schicksals innerhalb der deutschen Nation. Und mit Recht führt er dem Deutschen vor Augen, daß angesichts solcher Tatsachen die große deutsche Nation sich nicht vor Kritik scheuen und aufrichtige Kritiker nicht als Feinde behandein dürfe. ״Helfen — so schreibt Wassermann — Wohlverhaltungsmaßregeln gegen Juda verrecke‘? Im Grunde ist es erschüttemd, daß Sie vor die an Leib und Leben, an Geist und Herz bedrohten Juden hintreten und sagen, sie mögen ein Ein- Ellttn haben.“ Fechter verlang« von der kleinen ■jüdischen Mino» rltät, die einen verzweifelten Kampf um ihr Dasein führt, die feinsten, Tugenden einer kraftvollen IJeberzabl• Wer. das Unrecht auf beiden Seiten abwägt, wird, nicht•, zu einer Verurteilung der Juden gelangen können. Fechter entgegnet, daß durch Wassermanns Antwort der Sache nicht gedient sei. Denn es komme nicht auf die Schilderung der Gefühle an, sondern auf die Erkenntnis der Tatsache des bestehenden Konflikte s und auf Verhütung von Wirkungen, die beiden Teilen u!1crwünscht sind, sich aber aus der Stimmung ergeben müssen, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Eine ähnliche Haltung wie Fechter nimmt Heinrich Jarcke in seinem Aufsatz ״Der junge Nationalismus und die alten Juden“ in der ״Literarischen Welt“ (Nr. 5) ein. auf den wir schon kurz hingewiesen haben. Der Herausgeber der ״Literarischen Welt“, Willy Haas, ist einer freimütigen Erörterung der Judenfrage niemals aus dem Wege gegangen und hat auch selbst in einer ganzen Reihe ,von Aeußerungen dazu beigetragen. Einige Aufsätze dieser Art sind in seinem neuen Buche ״Gestalten der Zeit“ (Verlag Kiepenheuer). abgedruckt, das im übrigen als ein glänzender Versuch einer metaphysischen Typologie zur Beachtung empfohlen sei. Haas hat Verständnis für die aus der Blutgebundenheit des Juden sich ergebende Problematik, die sich positiv (Moritz Heimann) oder negativ (z. B. in dem von ihm immer wieder behandelten Fall Rudolf Borchardt) auswirken kann. Die Arbeiten von Haas nehmen auch manche Antwort an Fechter vorweg. Als Herausgeber ist Haas Vorkämpfer einer freien, über die Parteighetti hinausreichenden Aussprache, ein Gegner der in der liberalen Presse üblichen Methode der Lächerlichmachung von Gedanken, die einem unangenehm sind. Es ist also verständlich, daß er auch Herrn Jarcke in der ״Lit. Welt“ volle Meinungsfreiheit gewährt hat. Jarcke stellt zwei jüdische Typen gegeneinander, auf der einen Seite den Vollender der romantisch-konservativen Staatsidee Julius Stahl, der den von Moses zum ersten Maie verwirklichten Gedanken der nationalen Konsolidierung auf den preußischen Staat übertragen hat, auf der anderen Seite Benjamin Disraeli, den orientalisch-schweifenden Träumer und Rep rasentauten des seelisch nomadisierenden Judentums. Jarcke zitiert Leopold Ziegler, der sagt, daß durch die moderne Wirtschafteentwicklung der ״Nomadengeist" bei allen Völkern gefördert wurde, so daß die Deutschen heute die ״Ueberlegenhe.it des älteren Nomaden“ fürchten und diese Bedrohung mit dem Rassenhaß vergelten. Die Deutschen — so schreibt Jarcke — wollen heute ihr eigenes völkisches Kulturprofil herausarbeiten und sie wünschen, daß jedes Volk ״in seine eigenen Tiefen herabstdge, seine eigenen verschütteten Umrisse und Ahnungen suche: Nur in dieser tieferen Seelenschicht gibt es eine Verbindung mit uns, nur in dieser Sphäre können wir uns ein Gastvolk eingeordnet denken.“ Auch hier also die Bejahung einer Zusammenarbeit auf Grund klaren Bekenntnisses zum eigenen Volkstum unter Vermeidung der Verschwommenheiten. Der Verfasser hat freilich wenig Hoffnung und meint, die Juden würden lieber jede Demütigung und Rechtsverminderung in Kauf nehmen, alle Künste ihrer Mimikry springen lassen, als dem Ernst der Situation mit Ernst ins Auge blicken. So werde ״das Ende freilich böse sein.....“ Wir wollen hier nicht in Einzelheiten eingehen; eine gründliehe Auseinandersetzung mit all diesen Artikeln, die auch ihrerseits Richtiges mit Falschem vermengen, Tatsachen mit Gefühlöl und Wunschvorsteilungen verwechseln, würde den ver-

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