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Jüdische Rundschau · 1931-03-06 · Heft 18 (6.3.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 18 (6.3.1931)
Date
1931-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 116 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Nr. 1a 6. ITC. 1P31 durch die Inflation hat viele frühere Rentiers veranlaßt, mit den Resten ihres Kapitals ein Geschäft aufzumachen, und zweifellos ist der Handel in Deutschland zurzeit vielfach übersetzt. Trotzdem zeigen die angeführten Zahlen wohl deutlich genug, wie sehr der Verfasser jenes pessimistischen Artikels zusammen mit einem großen Teil der jüdischen Öffentlichkeit die Tatsachen verkennt! Zu alledem kommen aber noch wichtige Entwicklung?- momenfe, die den Juden durchaus günstig sind und die meistens völlig außer acht gelassen werden. Hierher gehört in erster Reihe der wachsende Anteil der Großstädter an der Gesamtbcvölkerung, der den Juden, als einer fast rein stldtisehen Schicht, ein erweitertes Tätigkeitsfeld bietet. Wir stehen aber höchstwahrscheinlich durch die Maschinisierung der Land- Wirtschaft 10 fast allen Ländern vor einer neuen Landflucht ungeheuren Ausmaßes! Günstig ist auch die Zunähme der freien Berufe Und endlich ist mit Sicherheit anzunehmen — es handelt sich nicht um einen besonderen Glücksfall, sondern am den regulären Gang der Ent- Wicklung! —, daß die starke Kapitalbildung in Verbindung mit dem technischen Fortschritt immer neue Industriezweige entstehen lassen wird, in denen die Juden bei ihrem Flair für neue Möglichkeiten eine bedeutende Rolle spielen werden, and die ihnen immer wieder Ersatz für Positionen bieten werden, die in den alten Industrien durch Bürokratisierung «sw. verloren gehen. Wieviele jüdische Schriftsteller, Schau- Spieler, Regisseure, Kritiker und Unternehmer leben 1, B. augenblicklich vom Film! (Aus der Tatsache, daß sich die Zahl der jüdischen Angestellten seit 1907 verdoppelt hat, sind «ngünstige Schlüsse auf eine ״Proletarisierung“ nicht ohne weiteres zu riehen, da leitende Angestellte sich oft viel besser stehen als Meine selbständige Geschäftsleute.) Nach alledem dürfte für die deutschen Juden in rein wirtschaftlicher Hinsicht kein besonderer Grund zur Besorgnis gegeben sein, and für die Juden in den überseeischen Lindern besteht sogar die höchst erfreuliche Aussicht auf weiteren schnellen Aufstieg. Das Wirtschaftsschicksal der Ostjuden, insbesondere der russischen, ist natürlich eine ganz andere Frage, die hier nicht behandelt werden kann. Jedenfalls sind die Entwicklungstendenzen ״des“ Kapitalisnras — soweit man trotz aller territorialen Verschiedenheiten von einem solchen reden kann — den Juden bisher noch immer überwiegend günstig; ja keine Schicht hat wohl ein stärkeres Interesse an der Aufrechterhaltung eines liberalen Kapitalismus als gerade die Juden, die gegen ihr Wirtschaftliches Geswntinteresse vielfach zu den Hauptförderern des Sozialismus zählen! Der einzige furchtbare Feind, den die Westjiiden haben, und der de auch wirtschaftlich vernichten kann, ist der Antisemitismus; wer statt seiner die Entwicklung des Kapitalismus als Hauptursache unseres Unglücks hinstellt, lenkt die Aufmerksamkeit der Juden in die Irre und trägt Verwirrung in die eigenen Reihen. Zum Tode Hermann Dfamands Vorige Woche starb in Lemberg im 71. Lebensjahre Dr. Memann Di am and. langjähriger Führer der polnischen 5eÄMe«<wra«e» Mitglied der Exekutive der zweiten Internationale, und wurde in einem Ehrengrab der Lemberger Jüdischen Gemeinde beigesetzt. Hermann Diamand, der Theoretiker des polnischen Sozialismus, einer der besten Redner im ehemaligen österreichischen Reichsrat, entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie und war durch Heirat mit der jüdisehen Großbourgeoisie Oaliriens verschwägert. In jungen Jahren nahm er an den ersten schüchternen nationaljüdischeu und zionistischen Bestrebungen teil. Dann wandte er sich der Arbeiterbewegung zu. Hermann Diamand entwickelte sich zu einem der erbittertsten Gegner der nationaljüdischen Bewegung in Galizien und vertrat trotz seines Sozialismus stets einen national-polnischen assimilatorischen Standpunkt Jahrzehntelang wurde er als einer der rücksichtslosesten polnischjüdischen Asslmilatoren bekämpft. Hermann Diamand war wohl der bedeutendste sozialistische Politiker Polens, dessen Einfluß in den letzten Jahren jedoch wegen des auch in der polnischen Arbeiterschaft überhandnehmenden Antisemitismus im Lande selbst merklich nachfleß. im Ausland galt er jedoch neben Daszynski als repräsentativer Vertreter der polnischsozialistischen Bewegung. Als Mensch war Hermann Diamand ritterlich, der namentlich in der Zeit nach dem Zusammenbruche der österreichischen Monarchie als eines der vier Mitglieder der Liquidations-Kommission, welche Galizien verwaltete, in den Zeiten des Lemberger Judenpogroms eine außerordentliche Tätigkeit entfaltete, um die antijüdischen Ausschreitungen einzudämmen. Hermann Diamands Weg war der typische Weg eines hochbegabten Assimilationsjuden, der nach einem langen arbeitsreichen Leben Enttäuschung über Ent- Täuschung erfuhr und schließlich in ein jüdisches Ehren grab gelangte und so die Rückkehr zu seiner Gemeinschaft fand. s. n. Zar Tätigkeit der ODonnel * Kommission Jerusalem, 1. März. (J. T. A.) ״Jamea el Arabia“, das Organ der Partei des Großmufti, hat anläßlich der Ueber- Prüfung der Finanzen der Palästina-Regierung durch die unter der Leitung von Sir Samuel O’Donnen stehende außerordentliehe Finanzkommission eine Serie von neun Artikeln über das Budget der Palästina-Regierung veröffentlicht, in deren letztem u. a. die Forderung autgestellt wird, daß die Juden einen besonderen Beitrag zu den Kosten für die öffentliche Sicherheit in Palästina leisten sollen. Ferner fordert das Blatt die Entlassung des größten Teils der britischen Verwaltungsbeamten, die Einstellung der sogenannten ״Lebenshaltungszulage“ an die Beamten, die Uebergabe der Verwaltung an die Bevölkerung Palästinas und die Herab- Setzung der Zölle und Steuern. Wie bereits gemeldet, hat sich die O’Donnell-Kommissbn zunächst die Aufgabe gestellt, das Budget der Palästina- Regierung um 300000 Pfund zu kürzen. Als erste Maßnähme zu diesem Zweck war die Einstellung der 10 #jb des Gehalts betragenden ״Lebenshaltungszulage״ der Beamten in Aussicht genommen. Felix Rosenbfüth besucht Polen. Das Mitglied der Zionistisehen Exekutive, Felix Rosenblüfh, begibt sich am 10. März nach Polen und wird in Warschau, Krakau und Lemberg an zionistischen Kundgebungen tellnehmen. Sein Besuch in Polen steht im Zusammenhang mH der seitens der Zionistischen Exekutive für die Dauer eines Monats proklamierten Werbeaktion aus Anlaß des 70. Geburtstages des Präsidenten der Exekutive, Nahurn Sokolow. —־ Auf der Durchreise wird sich Herr Rosenblüfh in Berlin aufhalten und an der Sitzung des Landesvofstandes der Z. V«1 D. am 8. d. M. teilnehmen. Glossen zur A&sefaih Haniwcharim An dem Abend, da die Assefath Haniwcharim eröffnet wird, ist man in einer ähnlichen Stimmung wie an den Eröffnung«- abendeu der zionistischen Kongresse; die Grundelemente der Stimmung sind Ernst, Verantwortlichkeit und das Bewußtsein einer wirkenden und wachsenden Kraft Das Bewußtsein der schweren politischen und wirtschaftlichen Lage, in der das Land sich befindet, das Bewußtsein, daß die Assefath Haniwcharim sich nicht — wie cs wohl früher manchmal geschah —- mit Diskussionen und Abgrenzung der verschiedenen Partei- Standpunkte zufrieden geben darf, daß sie zu klaren Beschlüssen von weittragender Bedeutung gezwungen wird, erhöht den Ernst und das Verantwortlichkeitsgefühl. Das spricht sich im äußeren Rahmen der Versammlung aus. Die Versammlungsleitung, in der man die Arbeiterschaft von der ersten Sekunde ab als die dominierende Kraft spürt, hat auf alles äußerliche Kongreßgepränge verzichtet. Der Saal im Straus’schen Gesundheitszentrum bietet nur etwa 300 Menschen Platz, jeglicher Schmuck ist vermieden, außer der leicht ans Religiöse streifenden Gedächtnisrede, die Rabbi Uskl im Ornat auf die inzwischen Verstorbenen — darunter die Opfer der Ueberfälle — hält, ist jede traditionelle Schäftung einer weihevollen Stimmung unterlassen. Charakteristisch ist die Erscheinung de* eröffnenden Prlsidenten der Tagung, Ben Ourfon, mit seinem Gesicht voll gebändigter Leidenschaft und konzentrierter Energie, der die schwarze Arbeiterbluse mit der gleichen selbstverständlichen Würde trägt wie die Präsidenten anderer Kongresse ihren Frack. Unter den Delegierten die vielen bekannten Physiognomien der Arbeiterintelligenz, der innerlich offenbar eng verbundene Flügel der Revisionisten, der in Palästina den linken Flügel bildet, während die Arbeiterschaft eher das Zentrum als den entgegengesetzten Flügel zu bilden scheint (zwei extreme Poale Zion ersetzen den eigentlich fehlenden radikalen Flügel). Auffallend sind die tiefbraunen Gesichter der jemenitischen Delegierten, die sich vollständig mit der Arbeiterschaft identi.'izieren und ihren Standpunkt klar darzulegen verstehen. Dagegen ewinnt man von der — bedeutend größeren und geistig esser geschulten — sephardischeti Gruppe nicht den Eindruck, daß hier besonders starke Persönlichkeiten vorhanden sind. Auch die Zuhörer bei den Verhandlungen sind ganz aut ernste Arbeit eingestellt: von den 200 Gästen, die am Eröffnungsabend teilnehmen — in den nächsten Tagen sind es bedeutend weniger —, ist kaum ein einziger gekommen, um etwas Sensationelles zu sehen und zu hören oder in irgendeinem sentimentalen Zugehörigkeitsgefühl zu schwelgen; das sind alles Leute, welche die Angelegenheiten des Jischuw gründlich kennen und in irgendeiner Weise praktisch an ihnen teilnehmen. Abgesehen von einigen ersten kleinen Intermezzi bei der Wahl aes Präsidiums zeigt es sich von vornherein, daß diese Versammlung zu ernst ist, um sich auf Sensationen einzufassen. Trotz gewisser tiefgehender Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien, die selbstverständlich mitunter zu heftigen Anklagen und Protesten führen, werden alle drei Kongreßfeige über die schwierigen, verantwortungsvollen Debatten und Abstimmungen in Ruhe und Haltung durchgeführt. Ein auf Kongressen oft unliebsam empfundener Faktor fällt hier ganz fort: es fehlen die rein oratorisehen Leistungen, es fehlen auch die rein programmatischen Darlegungen. Man Ist durchaus von dem Willen zu konkreten Ergebnissen, zu einer festen Arbeltsbasis beseelt Abgesehen von seiten eines oder zweier Delegierten, die einen überlebten, in einer Traumwelt schwebenden Zionismus vertreten und sieh deshalb für seine einzigen wahren Vertreter halten, gibt es auf dieser Tagung keine einzige ״schöne Rede“. Bei der Arbeiterschaft jedenfalls herrscht eine ganz phrasenlose Sachlichkeit Wenn der Jischuw auf dies«־ Tagung den Beweis seiner Mündigkeit erbringen sollte, seiner Reife zum Tragen so großer Aufgaben, wie die Organisierung der Gemeinden, die Uebernähme der Verantwortung für das Erriehungs- und Gesundheitswesen, des Sozialdienstes, der Teilnahme an den politi* sehen Verhandlungen mit der britischen Regierung es sind — so hat Jedenfalls die Assefath Haniwcharim den Beweis dieser Mündigkeit voll erbracht. Es waren nach der Verkündigung der Wahlergebnisse ernste Bedenken laut geworden, ob die starke Vorherrschaft der Arbeiterschaft ein Zusammenarbeiten der einzelnen Teile des Jischuw nicht unmöglich machen würde. Diese Tagung gab dem Beobachter den Eindruck, daß die Arbeiterschaft sich ihrer Macht voll bewußt, aber gleichzeitig bestrebt ist, sie nirgends zu einer Unterdrückung der anderen Parteien auszumitzen. Das Gefühl der Kraft aut der einen Seite, das Gefühl, als Minderheit, aber nicht als ohnmächtige Minderheit dazustehen, auf der anderen Seite, bewahrte den Verhandlungen ihre Ruhe und Würde. Diese Assefath Haniwcharim hat dem Jischuw neues Vertrauen zur Arbeiterschaft gegeben, die eine zu geistige Gruppe ist, als daß man von ihr eine Diktatur über anders gerichtete Geister befürchten müßte. Helene Hanna Thon. Blnmeoleld 10 Köln Vor kurzem weilte in Köln der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, und hielt zwei Vorträge über aktuelle jüdische Probleme, die ein sehr zahlreiches rablikum anzogen und auf die Zuhörer tiefen Eindruck machten. Die ״Kölnische Zeitung“ berichtete darüber folgendermaßen: In dem ersten Vortrag behandelte der Redner, die soziologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts und stellte fest, daß an Stelle einer im wesentlichen von Gesinnungshaltung beeinflußten Judenfrage ein objektives Judenproblem entstanden sei. Ke neue Gestaltung der Staatswirtschaft in allen Ländern, die zu einem immer stärker herausgearbeiteten protektionistischen System führte, habe die in zielten der Herrschaft des wirtschaftlicheu Individualismus geschaffene außerordentliche Position der Juden wesentlich und vom jüdischen Standpunkt aus ungünstig beeinflußt. Die Folge sei ein weitgehender Zusammenschluß der Judenheit und ein starkes Bedürfnis 8er Juden, die Angelegenheiten der Gesamtjudenheit auch regelnd zu beeinflussen. Im Zusammenhang mit diesen Entwicklung»- tendenzen seien Zionismus und Palästinafrage in ein neues Stadium getreten. Die Verwirklichung der Schaffung einer Jüdisch-Nationalen Heimstätte in Palästina, führte der Vortrage* e aus, sei weitgehend dem Reich der subjektiven Hoffnung : und der reinen Willensentscheidung entzogen und stelle sich mehr und mehr als ein mit der modernen Judeofrage verbundmes We 11erforderni8 heraus- Daher müsse auch die zionistische Bewegung sich mit allen auf Neugestaltun g des Völkerlebens hin zielenden Mächten und Kräften verbinden. Der Vortragende behandelte in seinem zweiten Vortrag vor allem den Brief des englischen Minister- Präsidenten MacDonald an den Führer der Zionisten, Dr. Weizmann. Dieser Brief, so führte er aus, sei eine Interpretation des der zionistischen Sache ungünstigen Weißbuchs und setze dieses Dokument praktisch außer Kraft und läßt somit der ziotiistischen Arbeit jede Möglichkeit für die Zukunft Der Redner warnte jedoch vor einer Ueberschitzung der politischen Konjunktur überhaupt und legte dar, daß das Gelingen des Werkes entscheidend von der positiven KraftansfrCngung dfir jüdischen Welt abhinge Aus den Gemeinden Da! neue Allersheim Am 3. März fand die feierliche Eröffnung des neuen Altersheims der Berliner Jüdischen Gemeinde statt Der Erbauer des Heims, zu dem vor genau zwei Jahren der Grundstein gelegt wurde, Regierungsbaumeister Beer, dankte den Gemeindebehörden, Insbesondere der Baukommission und deren Vorsitzenden, Direktor Georg Kareski, für die ihm bei der Planung und Ausführung des Gebäudes zuteil gewordene Unterstützung. Direktor Kareski begrüßte die Teilnehmer an der Feier, insbesondere den Polizeipräsidenten Grzesinski, den Vertreter des Berliner Magistrats und der Wiimersdorier Bezirksbehörde, Stadtrat Dr. Pannwitz, sowie den Pater Wintersb.'rger, der durch sein Erscheinen Zeugnis für die Einheitsfront aller Glaubensgemeinschaften im Dienste der sozialen Arbeit abgelegt habe. Dem Schöpfer des Hauses, Gemeindebaumeister Beer, dankte Kareski namens des Gemeindevoretandcs in besonders herzlichen Worten für diese neue künstlerische Leistung. Mit diesem dritten der in der letzten Zeit errichteten großen Gemeindebauten sei nunmehr eine Bauperiode abgeschlossen, die infolge der etwa 12jährigen Hemmung des Ausbaus der Oemeindeeinrichtungen durch Krieg und Nachkriegsentwicklung notwendig geworden war. Schließlich dankte Kareski den Damen und Herren, die durch Zimmernn!; ■׳!”gen die Aufnahme auch gänzlich Unbemittelter in das neue Heim ermöglicht haben. Die Gemeinde selbst hat durch Errichtung einer Leopold Badt-Stiftung für das Altersheim das Andenken eines Mannes geeint, der Jahrzehnte seines Lebens der Wohlfahrtsarbeit der Gemeinde gewidmet hat. Sodann übergab Kareski den Schlüssel des Hauses dem Obmann des Verwamingsvorstandes, James Goldschmidt, der eine Schilderung der Organisation des für 180 Personen berechneten Heims gab und es als• gutes Omen bezeichnete, daß die Eröffnung am Purim, einem Tage jüdischer Freude, ermöglicht wurde. Stadtrat Dr. Pannwitz, der ärztliche Leiter des Bezirksgesundheitsamtes Wilmersdorf überbrachte in Vertretiwg des Bezirksbürgermeisters Franke die Glückwünsche der städtischen Behörden. Nachdem Überkantor Lcwandowski den Psalm 127 zum Vortrag gebracht hatte, hielt Rabbiner Dr. Warschauer die Weiherede, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, daß dieses der Liebe und der Ehrfurcht vor dem Alter geweihte Haus eine Stätte des Friedens bilden werde. — An die Feier, die von Darbietungen eines gemischten Chors umrahmt war, schloß sich eine Besichtigung des neuen Hause? unter der Führung von Regierungsbaumeister Beer. Sämtliche Kaume, vor allem die in jedem Stockwerk befindlichen Gesellschaftszimmer, sind trotz Verwendung einfachsten Materials ungemein geschmackvoll und ansprechend ausgestattet. Der große Betsaal macht mit seinen sechs hohen Rundglasfenstern und der in edlen einfachen Linien gehaltenen Innenausstattung einen feierlichen und doch freundlidien Eindruck. Ke technische Aus- Gestaltung des Hauses steht auf modernster Höhe. Es gibt fließendes kaltes und warmes Wasser in jedem Zimmer, Personeu- und Speisenaufzüge, Badezimmer in jedem Stockwerk und eine mit den modernsten Apparaten und Geräten ausgestattete Riesenküche, die in zwei Abteilungen für die Bereitung ״milchiger“ und ״fleischiger“ Speisen geteilt ist Neben großen elektrischen Kochherden und Backröhren gibt es hier eine Reihe neuartiger, durchwegs elektrisch betriebener Hilfs- Vorrichtungen. Besonders zu erwähnen ist ein mit einem Thermostat ausgestattetes Wasserbad, ln dem die am Freitag vorgekochten Sjieisen unbeaufsichtigt warm gehalten werden können. Schließlich ist noch der große Garten sowie der mit einet Liegehalle verbundene Dachgarten zu erwähnen. ' *" ' Ein Haus der jüdischen Jugend wird in Essen von Architekt Erich Mendelsohn errichtet Kürzlich hat in einer von Rabbiner Dr. Hahn geleiteten Veranstaltung der Vertreter des Architekten, Charles Du Vinage, in Essen an der Hand von Lichtbildern die Pläne dieses wichtigen Unternehmens dargelegt Der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Dr. Hirsch- Fand, erklärte in einer Ansprache, daß trotz der gegenwärtigen! wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieses für die Jugend unternommene Werk im Kenste des Judentums zu End geführt werden müsse. — Wieder einmal geht die Gemeinde Essen vorbildlich voran und sollte bei anderen Gemeinden Nachahmung finden. Eine Chancellor-Straße 11t Jerusalem? Der neue Chefredakfeur des ״Doar Hajom“, Ben Avi, nimmt heftig dagegen Steflung, daß die neue Straße, in der das Straus-Gesundheitszentrum UeÄ den Namen ,.Chancellor-Straße“ erhalten soll. Ben Avi bringt das Versprechen der Stadtverwaltung, diese Straße nach Nathan Straus zu benennen, in Erinnerung und wirft die Frage auf, welche besonderen Verdienste sich Sir John Chancellor um die Stadt erworben habe, daß ihm eine Ehrung zugedacht ist, die weder Lord Plumer noch Sir Herbert Samuel zuteil wurde, Palästlna-Werllotterie. Aus Breslau wird uns berichtet: Mit der am 27. Februar erfolgten Ziehung ist die erste Palästinalotterie zum Abschluß gekommen. Breslau hatte den Vorzug, diesen neue Sammelzweig des Keren Kajemeth Lejisrael auszuprobieren. Dank dem Entgegenkommen einiger Firmen bzw. Gesellschaften konnten wir als Hauptgewinne zwei Palästinareisen (gesp. v. Lloyd Triestino und Service-Maritime Roumain. Bukarest) und ein Herrenzimmer (gesp. v. der Firma Josef Hirsph) verbuchen. Der Absatz der Lose, bei dem wir aus? schließlich auf freiwillige Helfer angewiesen waren, ging zunächst recht flott vonstatten, stockte aber später ein wenig. Aus diesem Grunde mußten wir die zunächst für den 17. Dez. ln Aussicht genommene Ziehung auf den 27. Februar verschiebox. Ueberblicken wir jetzt den Erfolg dieser ersten Lotterieaktion, dann können wir durchaus zufrieden sein, wenn wir auch das gesteckte Ziel nicht voll erreicht haben. Die Erfahrungen, die wir mit der Lotterie hier gemacht haben, berechtigen den KKL jedenfalls zu Nachahmungen dieses Versuches in anderen jüdischen Zentren Deutschlands. Bei richtiger Durchführung ist eine solche Lotterie durchaus geeignet, dem KKL neue Freunde zu gewinnen; abgesehen davon, daß schließlich nur wenige Aktionen des KKL finanzielle Ergebnisse in solcher Höhe bringen. Eine besondere Anerkennung für die mit großer Arbeit verbundene Durchführung der Lotterie verdient die Sekretärin des KKL, Frl. Rebecka Tttchler, von welcher der Plan dieser Lotterie stammt. Dr. Fritz Becker. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin בית נידרש לעברית של סהלת היהידים בברלין• Pie Kurse finden nachmittags und abends in der Schule Große Hamburger Str. 27 und tra Beth-Am, Grolmanstr. 36, statt Neuaufnahmen können nur nach vorheriger Rücksprache mit dem stellvertretenden Leiter der Lehranstalt erfolgen. Anmeldungen für das Sommersemester von Einzelnen und ganzen Gruppen werden schon jetzt entgegengenommen. Die Sprechstunden des Leiters sind Dienstag von 6—7 Uhr, Große Hamburger Str. 27; Mittwoch von 6-7 Uhr, Grolmanstr. 36 (Beth- Am). Außerdem telephonisch Montag bis Freitag von 2—3 Uhr, Bismarck 5280.

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