Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-02-27 · Heft 16 (27.2.1931) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 16 (27.2.1931)
Date
1931-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653268--22187-2680373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 18, tt. E!931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 105 Die arabische Gegen ״ Offensive Die hebrliechen Zeitungen Palästinas berichten ausführ־!ich über die arabische Protestbewegung. Am 19. Februar veröffentlichte in Palästina der High Com missioner eine offizielle Mitteilung, die er von dem Staatssekretär für die Kolonien ln London erhalten bat Darin wird die Aeußcrung des Primeministers im Unterhaus am 11. und 12. Februar zusammenfassend wiedergegeben und Nachdruck darauf gelegt, daß MacDonald im Unterhaus gesagt hat, es sd keine Aenderung der Politik eingetreten; der Brief diene nur dazu, Mißverständnisse zu Beseifigen, aber nicht die Politik zu ändern. Die arabische Presse gibt täglich Uebersichten über die im ganzen Lande abgehaltenen Protestversammlungen gegen den MacDonald-Briet Aus den verschiedensten Städten wurde die Regierung mit Protest-Telegrammen überschüttet. Die Araber in Tulkerem haben beschlossen, die in den letzten Tagen des Festmonats Ramadan üblichen Besuche ab- Zusagen. Sie haben eine Delegation nach Akko geschickt, um die Gräber der hingerichteten ״nationalen Märtyrer“ zu besuchen und den wegen ihrer Teilnahme an den August-Unruhen von 1929 gefangenen Arabern Gaben zu bringen. ״F e 1 e s t i n“ druckt die Kundgebung Dr. Weizmanns zum MacDonald-Brief vollinhaltlich ab und bemerkt dazu, daß Ihm zum ersten Male von der Jewish Agency offiziell ein Dokument mit der Bitte um Abdruck zugesanat worden sei. Die In Weizmanns Kundgebung ausgesprochene Hoffnung, daß die drei Parteien, Regierung, Araber und Juden, sich jetzt Über eine Zusammenarbeit einigen sollen, vermag ,,Felestin" nicht zu teilen. Die Araber waren mit dem Weißbuch nicht zufrieden, aber der jetzige Kommentar macht es ganz unmöglich, dies als Basis eines Ausgleichs mit den Juden anziwehmen. ln einem Leitartikel erklärt ״Felestin“ weiter, daß die Araber mit Recht in dem MacDonald- Brief eine Annullierung des Weißbuches sehen. Dieser Brief habe daher Jeder Möglichkeit einer Zusammenarbeit ein Ende gesetzt. Dr. Weizmann solle wissen, daß die Araber der maßgebende Faktor im Lande sind, nicht die Engländer und auch nicht die Juden. Die Zeitung erinnert an die letzte Rede Dr. Eders, der gesagt habe, die Engländer wollen weder den Nutzen der Araber, noch das Wohlergehen der Juden. Sie wollen vielmehr durch den Zwist der beiden Völker Ihre eigenen imperialistischen Pläne iördern. ״Marat es Scherk“ erklärt, die britische Regierung habe ihre Schwäche und Unzuverlässigkeit gezeigt. Aber das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. ijs handle sich nicht um das Weißbuch, sondern um die politische Praxis. Die britische Regierung beginne zu fühlen, daß sie Verpflichtungen gegenüber den Arabern hat, daß die Juden die Araber aus den rruchtbaren Ebenen in die Berge vertrieben haben. MacDonald versteht sehr wohl, daß die Palästinafrage nicht in London, sondem in Palästina gelöst werden muß, und zwar durch Einigung von Juden una Arabern. Eine solche Einigung wird aber nicht auf Grund von Weißbüchern und deren Kommentaren erfolgen, sondern nur bei Anerkennung der Grundsätze der Gerechtigkeit, nämlich der Rechte der Araber im Lande und Beseitigung der Balfour-Deklaration. Gemäß einer Mitteilung der ,,Jewish Times“ aus Palästina soll die Regierung M u za Kazim Pascha tn itgeteilt haben, daß Dr. Weizmann, der bekanntlich nach Palästina unterwegs ist, mit ihm über die jüdisch-arabischen Beziehungen zu sprechen wünsche. Muza Kazim habe jedoch der Regierung erwidert, daß er mit Weizmann nicht verhandeln könne, solange das Recht der Araber auf Palästina nicht anerkannt sei. Bei den Reisen Schaukhat Alis durch Palästina kam cs in vielen Städten zu Verbrüderungsszenen z wlsehen Moslems und Christen. Besonders bemerken*• wert war eine Versammlung in Bethlehem, auf der die Christen sich damit rühmten, daß sie vor drei Jahren gegen die Abhaltung des christlichen Missions-Kongresses in Palästina protestiert hatten. Schaukhat Ali sagte, der Text des Protesttelegramms sollte eingerahmt und 1m arabischen Klub zum dauernden Gedenken aufgehängt werden. In Haifa waren bei dem Empfang für Schaukhat Alf sowohl der Mufti, als auch der katholische Bischof anwesend. Die beiden hatten bekanntlich vor kurzem einen sehr heftigen Konflikt wegen des Friedhofs, auf den beide Religionsgemeinschaften Anspruch erheben. Die Veranstaltung wurde nun zu einer Annäherung der beiden Gegner ausgenützt und beide hielten Ansprachen über die Notwendigkeit nationaler Einigkeit. Wie die arabische Presse mitteilte, soll demnächst eine Kampagne zur Sammlung von Geld für die geplante moslemische Universität in Jerusalem eröffnet werden. Der High Commissioner hat zu Ehren von Schaukhat Ali ein Bankett gegeben, zu welchem die arabischen Führer und die hohen englischen Beamten eingeladen waren. Ein ara׳- bischer lugendbund hat an den Mufti telegraphiert, er solle als Zeichen des Protestes gegen den MacDonald-Brief dieser Veranstaltung fernbleiben. Das Organ der Agudah in Palästina, ״Kol Jisroel“, bespricht eine Zusammenkunft Schaukhat Alis mit verschiedenen jüdischen Vertretern. Die Delegation der Agudas Jisroel habe bei dieser Gelegenheit nachdrücklich erklärt, man müsse unter die Vergangenheit einen Strich machen und eine Zusammenarbeit von Juden und Arabern Im Interesse Palästinas anstreben. Auch Cöl. K i s c h sei zu derselben Schlußfolgerung gelangt. Die Besprechung habe dazu bei»etragen, die Ver- Stimmung Schaukhats über die ablehnende Haltung der Juden zu dem Begräbnis seines Bruders zu zerstreuen. Wir glauben, schreibt ״Kol Jisroel". daß Schaukhat All seinem Versnrechen gemäß seinen moslemischen Brüdern in Indien von der Fri ed ensbereitschaft der luden berichten wird. Die Führer der jüdischen Gemeinschaft müssen alles tun, um das arabische Vertrauen wieder zu gewinnen. Dies sd der einzige Weg zum Frieden. Im ״Dawar“ vom 18. Februar bespricht M. B. (Beilinsonf die Aktivität Schaukhat Ais während seines Aufenthaltes in Palästina. Obwohl er sich als unpolitische Persönlichkeit und Friedensfreund vorgestellt habe, sei das Resultat seiner Tätigkeit doch dem Frieden nicht förderlich gewesen. Er habe als Ziel verkündet, ausgerechnet Palästina, nicht etwa Mekka, zu einem Zentrum des Panislamismus zu machen und die Macht dieser Bewegung gerade in die Hände des Mufti von Jerusalem zu spielen. Bemerkenswert sei auch seine immerwährende Befeuerung der brüderlichen Beziehungen zu den Christen. Die Vermutung, daß Schaukhats feindliche Haltung gegenüber den Juden una dem Jüdischen Werk, die sich in unverblümten Aeußerungen entlud, auf einen beleidigenden Artikel im jüdischen ״Palestine Bulletin" zurückzufahren kt. sei unglaubbaff, denn kein reifer Politiker kann sich durch einen Zdtungsartikel entscheidend beeinflussen lassen. Außerdem hat Schaukhat All schon vor seiner Reise nach Palästina mit Passfield gesprochen, der ihn beauftragte, die Araber Palästinas zu beruhten. Sowohl Passfield als auch der High Commifsloner haben ihm gesagt, daß das Weißbuch feststehe und die Eng- 'ander mit dep Arabern sich ausgleichen wollen. ״Felestin“ habe sogar berichtet, daß der Indische Gast Verbindungen mH der Agudas Jisroel anknöpfen wollte, well diese die einzige jüdische. Körperschaft sei. mit der man verhandeln könne. Zum Schluß weist Beilinson auf die gefährlichen Folgen hin, die eine solche Propaganda bringen kann und fordert ein Einschreiten der Regierung. Die junge zionistische Generation in Deutschland Von Seew Orbach. fm Machtraff m dm in Nr. 14 veröffentlichten Aeußerungen geben wir hier noch einen Vertreter der sorialistitehm Richtung der Jugend• bewegmg (J. J. W. B.) da» Wort, De Dskusston über die Frage des zionistischen Nach- Wuchses in Deutschland ist eröffnet. Aus einer Sorge um die Zionistische Organisation in Deutschland und ihren Fortbestand ruft Hans Kaufraano zur Sammlung der Jugend auf. Kaufmann glaubt, prinzipielle Hemmnisse der von ihm angestrebten Entwicklung in der ״inneren Zerrissenheit“ der zionistischen Jugend zu sehen, in der Fremdheit ihrer ״radikalsten“ Teile gegenüber den übrigen Gruppen. Aber es ist mehr noch als Fremdheit. Jene ״radikalen Teile“, als deren typische Vertreter Zeire Misrachi und J. J. W. B. genommen werden, glauben nach Kaufmann gar nicht mehr an an« gemeinsame ideeliche Grandläge der gesamten zionistischen Jugend. Wenn wir für den J. J. W. B. die Richtigkeit dieser These bestreiten, so geht es nicht darum, ״zionistisches Prestige“ zu wahre). Es erscheint vielmehr wichtig, die Partner innerhalb der jungen zionistischen Generation, der auch nach unserer Meinung bedeutende Aufgaben zustehen, ira Lichte der Wirklichkeit und nicht eines — wenn auch verbreiteten — Vorurteils erscheinen zu lassen. Auch dies ist eine notwendige Voraus- Setzung der geforderten Sammlung. Hans Kaufmann gibt zwar zu, daß man den Allgemeinen Zionismus mit Recht für veraltet halten mag, erkennt aber nicht, daß man im Jahre 1931, d. h. nach Jahrzehnten zionistischer Entwicklung, eine Jugend nicht mehr ira Zeichen einer ״zionistischen Grundidee“ einigen kann. Mit Recht fragt die Jugend nach dem erzieherischen Inhalt, dem ideologischen und realen Charakter der Auswirkung dieser Grundidee. Man erzieht nicht zu einer Idee, sondern zu einer Wirklichkeit. Und diese Wirklichkeit in ihrem gegenwärtigen Stand, wie sie sich in der Entwicklung unseres Land« ausdrückt, ist verschieden deutbar. Wlhrena wir mit Stolz auf unsere Kwuzoth im Lande blicken, in ihnen die wertvollste und am stärksten zukunftsträchtige Schöpfung des zionistischen Werkes sehen, gibt es Teile der zionistischen Bewegung, die jene Kwuzoth für kostspieh'ge, unrentable Experimente halten. Was natürlich nicht verhindern kann, daß die Kwuzoth, wie die ganze Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung im Lande (Tel Chaj) einen erzieherischen Faktor von eminent zionistischer Bedeutung für die gesamte jüdische Jugend bedeuten. Der J. J. W. B. als ein Teil der jüdischen Jugendbewegungen in der ganzen Welf, die zu einem Zionismus der persönlichen Verwirklichung erziehen, sieht in seiner Auffassung des Zionismus nicht eine der vielen mehr oder minder interessanten politischen Schattierungen innerhalb der zionistischen Bewegung, sondern nimmt sich das Recht zu glauben, die Itonsequenteste Konzeption des Zionismus zu verbeten. Die Geschichte des Zionismus und des Palästina-Aufbaus und die Rolle, die das Lager der jüdischen Arbeiterschaft, dem wir Zuströmen, In ihr gespielt hat und bis zum heutigen Tage spielt, scheint uns unsere Ueberzeugung zu rechtfertigen. So und nicht anders können wir uns die Tatsache erklären, daß das, was der Chaluz und Poel im Lande geschaffen hat und heute schafft, in allen Teilen der zionistischen Jugend das Bild des Landes bestimmt, zu dem die Jugend erzogen wird. Wir sind weit davon entfernt, die einigende Kraft der zionistischen Grundidee zu leugnen. Unser Platz ist an der Seite des gesamten jüdischen Volkes, das sich zur Rettung seiner bedrohten Existenz erhoben hat Der Zionisten-Schekel und die Bedeutung, die wir dem Keren Kajemeth in unserer Erziehung zumessen, sind Symbole dafür. Aus dieser Grundhaltung, die nicht nur nicht ira Widerspruch zu unseren sozialistischen An- Behauungen steht, sondern von ihnen bestimmt wird, ergibt sich auch unsere Stellungnahme zu dem konkreten Vorschlag Hans Kaufmanns. Wir stehen positiv und bejahend zu ihm und werden zur gegebenen Zeit nicht abseits stehen. Freilich glauben wir, daß es nicht möglich ist, in der Sorge um die Zukunft der Zionistischen Organisation die Jugend zu sammeln. Entfernt davon, die gemeinsame zionistische Grund- Idee zu leugnen, sehen wir die gemeinsame ideeliche und erzieherische Grundlage der ganzen zionistischen Jugend in dem Zionismus der Verwirklichung, In der Chaluziuth. Aus dem Gesagten ergibt sich klar die Absurdität der Behauptungen Dr. Leibowitz״) ׳J. R.״, Nr. 14), soweit sie unseren Bund angehen. Wir wissen den Wert der gemeinsamen Geschichte wohl zu schätzen, glauben aber, daß uns die fünf Jahre bewußt zionistischer Erziehungsarbeit unseres Bundes, die Chawerim und Chaweroth, die von Jahr zu Jahr das Elternhaus verlassen, um sich auf die Arbeit im Lande vorzubereiten und nicht zuletzt die 150 Menschen unseres Bundes, die an den verschiedenen Punkten des Landes innerhalb der palästinensischen Arbeiterschaft ihren Platz ausfüllen, uns der Aufgabe entheben, den Beweis für unsere zionistische Treue anzutreten. Das Afeph Bett! des Zlonismns De Zentrale des Zeire Misrachi für Deutschland versendet an alle Gruppen ein Zirkular, das wegen des Ernstes seiner Oesinnung auch hier veröffentlicht zu werden verdient und anderen Gruppen als Beispiel dienen kann. ״Anläßlich der bevorstehenden Purimaktion des KKL hal* ten wir es für richtig, alle Chawerim und Clwveroth zu einer Konzentration aller Kräfte im Dienste des KKL aufzurufen. KKL -Arbeit ist das Alenh B eth des Zionismus. Für uns, die wir den Einsatz aller unserer Kräfte für den Aufbau Erez Israels auf der Grundlage von Thora wa Awodah gelobt haben. Ist die KKL-Arbeit (neben der Chaluziuth) die einzige Gelegenheit, persönliche Anstrengungen in der praktischen Palästinaarbeit zu machen. Jeder von uns, auch der, der nicht selbst geben kann, ist doch in der Lage, für den KKL zu arbeiten. Jeder Chawer und jede Chawera muß das lebhafte Erapfinden haben, daß der KKL und seine Aufgabe der Geulath Haarez unsere eigne, ureigenste Angelegenheit ist De KKL- Büros an allen Orten müssen zweite Heime des Zeire Misrachi sein, wo man Jederzeit Chawerim antreffen muß, im Dienste des KKL oder in Bereitschaft zu diesem Denste. Die Rundschreiben und Berichte des KKL soffen in allen Gruppen gelesen und im weitesten Rahmen bekannt gemacht werden, wo ein regeImK”־>er Kontakt mit dem KKL-Büro noch nicht besteht, muß er sofort hergestellt werden. Fordert Literatur und Propagandamaterial vom KKL ein! In Orten, in denen kein Büro ist, wende man sich an die Zentrale des KKL, Berlin W 15, Meinekestr. 10. De KKL-Arbeitsnflicht gilt für groß und klein. Niemand ist so erwachsen und so vornehm, daß er sich ihr entziehen dürfte. Andererseits betonen wir naehdrücklichst, daß die Mobilisierung des Brith Hanoar für die KKL-Arbeit keineswegs Politisierung der Jugend bedeutet KKL hat nichts mit Parteipolitik zu fein! Der lebendige Zionismus, der sich in Chaluziuth und KKL-Arbeit äußert, steht weit über den Parteien und muß ein wesentlicher Faktor jüdischer Erziehung ein. Der Sonderfonds des Zeire Misrachi, Keren Thora wa Awodah, darf niemals als Konkurrenz für den KWL, sondem als dessen Ergänzung angesehen werden.« Fflhrertag des Techelefh Lawan Wir erhalten folgenden Bericht mit der Bitte um Abdruck: Unter Anwesenheit von etwa 50 Delegierten aller Kreise fand am 1. und 2. Februar in Chocen der Führertag des Techeleth-Lawan statt In den letzten Jahren seiner Entwicklung setzte sich im Bunde die Erkenntnis durch, daß das konkrete Erziehungsziel einer zionistisch-sozialistischen Jugendbewegung nur Chaluziuth sein kann. Die Konsequenz dieser Anschauung und der revolutionierende Einfluß palistinen- Bischer Wirklichkeit auf die jüdische Jugend führte die Gründüng des Kibbuz Techeleth-Lawan herbei. Durch die Alijah des Kibbuz Techeleth-Lawan wurde der Gedanke der palästinenslschen Kibbuz- und Arbeiterbewegung lebendig. Die Ein- Ordnung des Kibbuz in Palästina mußte den Bund mit den übrigen Kreisen der chaluzlschen Jugend fn Verbindung bringen, ganz besonders mit den Gruppen, deren politischideologische Einstellung dem Bunde entsprach, — Der Techeleth-Lawan bedauert die Spaltung innerhalb der Kibbuz- und Arbeiterbewegung Palästinas, die *ich darin ausdrückt, daß einzelne kibbuzistische Kreise sich der Vereinigten Arbeiterpartei noch nicht angeschlossen haben und selbständige Politik betreiben; auch die wirtschaftlich-organisatorische Einheit der Kibbuzbewegung ist aus demselben Grunde noch nicht verwirklicht worden. Der Techeleth-Lawan sieht im Klbbffi Meuchad und der palästinensischen Vereinigten Arbeiterpartei den Willen zur Vereinigung aller Arbeiter Palästinas zum Zwecke der Verwirklichung des zionistisch-sozialistischen Gedankens. In diesem Sinne lauten auch die Resolutionen der Tagung. Der Techeleth-Lawan sieht in der HJstadniÖf olaarith schel noar zopWchaluzi Haschomer Hazair (Scout- und Chaluzweltorganisation Haschomer Hazair) eine gleichgerichtete ideologische Tendenz und Erziehungsauffassung. Dese Organisation, die sich nach der Spaltungskonferenz des früher einheitlichen Haschomer Hazair in Vrutky von diesem loslöste, baut ihre Schorn erkibbuzim ira Rahmen de* Kibbuz Meuchad auf, erzieht ihre Mitglieder im Geiste der gesell־ schädlichen und politischen Auffassung, die der Arbeiter• partei zugrunde liegt, ohne sie zur persönlichen Mitgliedschaft in dieser zu verpflichten; sie verbindet in ihrer Er• Ziehungstätigkeit das System des jüdischen ־ Pfadfuidertums mit der Forderung nach maximaler chaluzischer Verwirklichimg. Der Führertag des Techeleth-Lawan beschloß daher mit überwiegender Mehrheit (37:5), sich dieser Wdtorgaalsation auf Grundlage eines einjährigen Hospiriums anzu• schließen. Nach Ablauf dieses Jahres bedarf die weitere defi• nitive Zugehörigkeit eines neuerlichen Beschlusses, — Der Führertag behandelte ferner ausführlich das Erriehungsprogramm für die nächste Zeit, sowie organisatorische Fragen. Der Führertag, der eine ernste Arbeitstagung war, bedeutet den Auftakt zu einer Periode intensivster ideologischer und erzieherischer Tätigkeit. eh. h. Megiertenlag der dentscfceo Revisionisten Wir erhalten folgende Mitteilung: Der Landesvarstand der deutschen Revisionisten hat beschlossen, einen Delegiertentag der deutschen Revisionisten aut den 15. März in Berlin einzuberufen. Es ist vorgesehen: ein großes grundsätzliches Referat über die Aufgaben und Ziele der revisionistischen Bewegung, ein zweites über den Ausbau der Organisation in Deutschland und ein Referat über revisionistische Jugendarbeit in Deutschland. Eine in Kupfer gestochene Estherrolle. Herausgegeben und eingeleitet von Landesrabbiner Dr. Siegfried Silo erstein. Rostock 1930. In Kommission bei Carl Hinstorffs Verlag. — Ein seltener Fund ist dem Verfasser mit der Esth errette — Megillah — der Rostocker Universitätsbibliothek geglückt; denn hier handelt es sich aus einer sicher beschränkten Aufläge um das einzige, bis jetzt bekannte Exemplar, in dem neben den Bildern und Ornamenten auch der gesamte Text des Buches Esther in Kupfer gestochen ist, gegen Brauch und bisherige Annahme! Die gut erhaltene Rolle, die um oder bald nach 1700 entstanden sein muß, befand sich im 18. Jahrhundert ln der wertvollen Sammlung des Rostocker Onlversftätsprofessors, Orientalisten und Kupferstechers Oluf G Tychsen, aem ier Herzog Friedrich von Mecklenburg einstmals sogar eine Kupferdruckpresse geschenkt hat. Ih 11 Kopfbildern und 23 Darstellungen am Sockel der etwa 1,20 tn langen Rolle ist die Geschichte Esthers eindringlich geschildert und durch Beschriftungen erläutert. Die Lichtdruckwiedergabe ist nach Größe und Tönung originalgetreu ausgefallen. Ein ausführlieh er und vornehm gedruckter Text gibt über Herkunft und Art dieses merkwürdigen Exemplar« unter Verwertung der Wsherigen Forschungsergebnisse Auskunft. GroH-4». Formst Buchmappe: Ganzleinen, mit farbigem Aufdruck 20 RM., numeriertes Exemplar, auf echt handgeschöpft Bütten, in Pergament gebunden mit Ooldaufdnick 40 RM. Die Freitagabendgebete, von Dr. A. Poener, Rabbiner In Kiel (Selbstverlag). Während in der katholischen und evangelischen Welt eine ״liturgische“ Bewegung entstanden ist und in Männern wie Romano Guardini und Friedrich Heiler einflußreiche Wortfuhrer gefunden hat, Ist derjenige, der berufen war, Sinn und Oestalt der jüdischen Liturgie unserer Generation zu erschließen und lebendig zu machen, mit Franz Rosenzweig rarzeitig ins Grab gegangen. Noch sind aber seine ״Anmerkungen“ zu den Hymnen des Jehudah Hallewi geblieben (ln der bei Lambert Schneider erschienenen Uebersetzung der Hymnen), die Spannung und Lösung in diesen meist gotte*- dienstlichen Gedichten deutlich machen, daß sie zu ungeheuer komprimierten Dramen der Seele werden. Auf den durch Rosenzweig erschlossenen Weg hat sich der Autor des hier besprochenen Büchleins begeben. Von den Freitagabendgebeten werden diejenigen erörtert, die zu der feststehenden Maariw-Liturgie hinzutreten, also die Psalmen 95—99,29,93, das *לכה דויז der Sabbatpsalm und die beiden in der häuslichen Freitagabendfeier eingebürgerten Lieder des Isaak Luria und des Israel Nagara. Es wird nach Gehalt and Zusammenhang der Psalmen gefragt, nach der Bedeutung ihrer Einfügung und nach der ihrer Reihenfolge: gefragt, welche Beziehwag sie zum Sabbat haben. Ueber die anderen Lieder wird Geshhichtliches mitgeteilt und ebenfalls Ihr Gehalt analysiert Alle behandelten Texte werden In einer Uebersetzung dargeboten, bei der ״auf eine besondere Pracht nicht hingedelt wird“, was aber den Autor doch nicht hätte daran hindere sollen, sich die Bemühungen um eine bessere Wiedergabe des Gottesnamens als die durch den Mendelssohn’schen ״Ewigen" zunutze zu machen. Auch wer nicht immer der Interpretation Posners folgen will, findet ln seinem Büchlein neben den nützlichen Angaben über die Geschichte des Freitagabendgottesdienstes und neben sonstigem wertvollen Material viele Anregung zu eigenem Weiterdenken, und wenn er sie noch gar nicht kennt, den Ausblick auf eine reiche Wett. Vorige Woche gab der bekannte Geiger Vaseha Prihoda in Jerusalem eia Konzert

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.