Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 16 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 104 IUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 16. 27. II1631 Asscfath Haniwcharim Von Dr. Fritz Loewenstein, Jerusalem Da wir Emzclbtrkhle über den Verlauf der Asscfath Nhccharim bereits auf Grund der telegraphischen Berichterstattung der JTA. in früheren Nummern wiedergegeben haben, begnügen, wir ntu mit dem A Ivirack de» nachfolgenden Artikels, der ein Ttmumi der Probleme gibt, die vor allem auf organisatorischem Gebiet vor der Tagung standen. Oh diese Probleme freilich der Lüstling auch nur einen Schritt nähergehraeht wurden und ob der neue Waad Leami, zumal er nur eine Ihmpfkorpenchaft ist, leistungsfähig sMn wird, kann heute noch keineswegs bejaht werden. Der Verlauf der Asscfath Niwcharim scheint vielmehr jenen recht zu geben, dio der übermäßigen Politisierung und Partaincnlarisierung des ganzen zionistischen und palästinensisrh-jüdisvhen Lebens mit einiger Skepsis gegenäberstehen, Red. Die Umstände, unter denen endlich drei Jalire nach Destätigung der Verfassung des organisierten Jischuw seitens der Regierung die Wahlen zur legalisierten Asscfath Haniwcharim stattfanden und diese selbst zu ihrer ersten Session zusammentrat, konnten kaum ungünstiger sein. Anderthalb Jahre schwerer politischer Rückschläge liegen hinter uns, eine sich immer deutlicher ankündigende wirtschaftliche Depression macht sich in Palästina geltend, die Gegensätze im Jischuw haben die denkbar größte Schürfe erreicht. Die Wahlen selbst verliefen in größter Erregung und verursachten heftige Beschwerden der Revisionisten, die sich ihre Niederlage nur durch Wahlschwindel auf der anderen Seite erklären konnten. Alles schien darauf Unzudeuten, daß die erste Session einen überaus stürmischen Verlauf nehmen würde, und daß zu sachlicher Arbeit keine Möglichkeit vorhanden »ein werde. Das um so mehr, als einige einflußreiche Persönlichkeiten, die, wie Ilenrietto Szold, versöhnend hätten wirken können, oder wie Ussischkin und Ruthenberg durch die Energie ihrer Persönlichkeit separatistische Tendenzen hätten verhindern können, fehlten. Nimmt man dazu das Fernbleiben der Kolonisten von den Wahlen, so wird man verstehen, warum dio Prognose so düster lauten rftußte. Hätte diese Tagung in ruhigen Zeiten «tat!gefunden, so hätte man ohne Zweifel die Fragen des Ausbaus der Organlsation des Jischuw, Schaffung der Gemeinden, Durchführung des Besteuerungsrcchtea usw. in den Mittelpunkt der Tagung gestellt Palästina besitzt heute im Grunde nur in T e 1 A w i w und Haifa jüdische Gemeinden, die dieses Namens würdig sind; Tiber ins und Safed sind gänzlich unorganisiert und in Jerusalem bestehen nicht weniger als acht Gcnaeinden, jede mit zahlreichen Untergruppen und mit einem zentralen Organ, dem ״Waad Hair“, an der Spitze, der seit 1023 nicht neu gewühlt wurde und dessen Existenz den meisten unbekannt gebliehen ist. Es ist ein Beweis für die Reife des Jischuw, daß alle diese Fragen keineswegs vernachlässigt wurden, ein Nachmittag und Abend der Diskussion dieser Probleme gewidmet wurde und Beschlüsse angenommen wurden, die den neuen Waad Leami verpflichten, binnen drei Monaten die Gemeinden neu auf demokratischer Grundlage zu organisieren. Die Diskussion, die sieh an die Referate von Rabbi Ostrowsky und E. Berlin anschloß, trug nicht den juristisch-formalen Charakter vieler Organisationsdebatten, sondern war eine leidenschaftlich geführte, vielfach Weltanschauungsfragen berührende Auseinandersetzung. Die Ver* fassung der Knesseth Jisrael ist, wie bekannt, weit religiöser und weit weniger national, als es den Anschauungen des Jischuw entspricht. Sie schafft ein kompliziertes Nebeneinander örtlich nationaler und rein religiöser Organisationen und es konnte somit nicht fehlen, daß religiöse Debatten eine große Rolle spielten. Die freidenkerischen Elemente, d. h. in erster Reihe die Arbeiterschaft, die in dieser Frage wie fast in allen anderen Fragen dieser Tagung Veranlwor* tungsgelühl genug besaß, um nicht in Kampfabstimmungen ihre Meinung durchzusetzen und die Minderheit zur Separation zu zwingen, fanden auch in dieser Frage einen Mittelweg und hielten sich fern von dem Extremismus linksradikaler Richtung, der in dem Gedankengang gipfelte, daß, wenn die Knesseth Jisrael Geld für religiöse Zwecke bewillige, sie auch Mittel für die Propaganda des historischen Materialismus zur Verfügung stellen müsse. Ein anderes im Augenblick wohl unlösbares Problem schnitten weibliche Delegierte an: die Frage des Frauenwahlrechts zu den robbinisehen Körperschaften. Das Rabbinat hat in Palästina umfassende juristische Befugnisse auf den Gebieten des Personen-, Ehe-, Erbrechts. Die Frau, die im jüdischen Recht in allen diesen Dingen zurückgesetzt ist, hat das vollste Interesse an einer Beeinflussung dieser Wahlen. Auf der anderen Seite ist klar, daß die im Misrachi verkörperte, in der Knesseth Jisrael mitarbeitende Orthodoxie es mit traditionellen jüdisehen Ansichten für unvereinbar erklären muß, Frauen «in Wahlrecht zu ausgesprochen religiösen Körperschaften zu gewähren. Und da niemand die Verantwortung wird übernehmen wollen, in diesen Zeiten noch einen Kulturkampf hervorzurufen, 80 wird man die Lösung dieses Problems wohl aufschicben müssen. Eine andere sehr ernste Frage betrifft die Finanzet der Knesseth Jisrael. Zum erstenmal kann der organisierte Jischuw sein Budget nicht bloß auf freiwillige Beiträge basieren, sondern kann Steuern erheben. Aber auch hier muß mit großen Schwierigkeiten gerechnet werden: die Verfassung gibt vorläufig jedem Juden das Recht, autszutreten, und ob der Beschluß, eine Streichung dieser Beslimmung von der Regierung zu verlangen, Erfolg haben wird, muß abgewartet werden. Somit kann man nur sehr behutsam den Jischuw an diese Steuerverpflichtung gewöhnen. Das engenommene Budget balanciert mit £ 5500, von denen ungefähr die Hälfte zur Tilgung des Defizits der rabbinischen Institutionen und zur Bezahlung der Unkosten für die Wahlen verwendet werden ■muß. Es gilt, im nächsten Jahre die Knesseth Jisrael durclizuorganisieren und das System der Steuern einzuführen, um dann an die Lösung größerer Aufgaben zu gehen. Das zweite große Problem, mit dem sich die Tagung zu beschäftigen hatte, war die Frage, wie man diesem Rahmen ״Knesseth Jisrael“ einen Inhalt zu geben vermag. Bisher spielte der Waad Loumi als eine in politischen Dingen mit der Jewish Agency konkurrierende und sonst mit konkreten Aufgaben nicht ausgestattete Körperschaft eine nicht immer glückliehe Rolle. Es ist eine logische Konsequenz zionistischer Gedankengänge, daß die Sorge für die ein gewisses Entwicklung«- Stadium erreichenden Siedlungen und Institutionen dem organlsierten Jischuw obliegen muß, damit zionistische Gelder immer wieder für die Schaffung neuer Punkte frei werden. Vor allem gilt dies vom Erziehu ngs- und Gesundhoitswesen in konsolidierten Siedlungspunkten. Es ist bedauerlieh, daß die Entwicklung, die hier anzubahnen gewesen wäre, durch die katastrochal« Lege, in der eich die Finanzen des Jewish Agency befinden, einen überstürzten Verlauf nehmen muß. Was immer auch Berl K&znelson in seinem interessanten Referat zugunsten der Uebernähme des Erziehungswerks sagte, klar ist, daß es allen Teilen lieber wäre, wenn dieser Uebergang langsam und bei größter Schonung des jungen Organismus der Knesseth Jisrael vor sich gehen könnte. Für den sofortigen Uehergang des Schulwesens an den Jischuw — wobei natürlich die Jewish Agency eine Subvention gewähren würde, aber nur für diese verantwortlich wäre — treten in erster Reihe die Arbeiterschaft, aber auch Teile des Allgemeinen Zionismus ein, während andere Gruppen, wie die Lehrerschaft, dem Uebergang in jeder Form und bei jedem Tempo geradezu fanatisch widersprechen oder jedenfalls nur einen sehr langsamen und etappenweisen Uebergang unterstützen. Die Gegner des Uebergangs glauben, daß die Einheit des Erziehungswerks beim Uebergang an den Jischuw gefährdet ist und befürchten überdies den finanziellen Zusammenbruch des Werks; die Anhänger glauben gerade im Gegenteil, daß der Jischuw das Schulwerk erst vereinheitlichen würde, daß er eine Anpassung des Schulsystems an die Bedürfnisse des Landes (Berufsfrage!) erst herbeiführen würde, und daß das finanzielle Problem lösbar wäre. Der Beschluß ist ein Kompromiß: binnen drei Monaten soll durch Verhandlungen mit den in Betracht kammenden Stellen, darunter den Lehrern, ein Weg für die Ueberfüiirung ausgearbeitet werden. Es handelt sich also darum, den durchaus vorhandenen UebcrgangswiUen in eine Form zu bringen, die auch der Lehrerschaft die Zustimmung ermöglicht. Leichter steht die Frage der Ueberführung des Gesundhei ts wesens. Hier ist der Wichtige Präzedenzfall zu verzeichnen, daß das Tel-Awiwer Krankenhaus der Hadassah bereits an die Stadt übergegangen Ist, wobei nach sehr sch wierigen Verhandlungen schließlich eine der Stadt, der Jewish Agency, der Hadassah und der Regierung annehmbare Lösung gefunden wurde. In Tiberlas sind Verhandlungen wegen des Uebergangs an die Stadt Tiberias im Gange, in Haifa wird Uebergang an dio jüdische Gemeinde angestrebt. Etwas anders ist dos Verhältnis gegenüber dem Jerusalemer Krankenhaus der Hadassah, dem Irrenhaus ״Esrath Naschim“, dem als zentrale Lungenheilstätte dienenden Krankenhaus der Hadassah in Safed, die für das ganze Land Bedeutung haben und an denen sich die Jewish Agency, bzw. die Hadassah auch weiterhin beteiligen wird. Einfacher liegt es mit der Kupath Choliin, die schon heute den weitaus größten Teil ihres Budgets aus Beiträgen ihrer Mitglieder, aus der Beteiligung der Arbeitgeber und aus Bezahlungen der Kranken deckt. Der Waad Leami soll künftig eine besondere Abteilung für soziale Arbeit umfassen, die in der Koordinierung der zahlreichen an! diesein Gebiet arbeitenden Vereinigungen und der Initiative vor allem auf dem Gebiet der Sozialversicherung ein weites Feld der Tätigkeit haben wird. Die Gefahr, daß in der Asscfath Haniwcharim sich alle Interessen auf die politischen Fragen konzentrieren und die konkreten Aufgaben der Knesseth Jisrael gänzlich vernachlässigt werden würden, hat sich also nicht bewahrheitet. Aber naturgemäß nahmen die politischen Fragen, eingeleitct durch das Referat von Arlosoroff, eine sehr große Rolle ein. Es handelte sich um drei Problemkoraplexe: Legislative Council, Stellungnahme zu den Verhandlungen ln London und Beteiligung an ihnen, Round Tabie C• ימס fer«nz mit den Arabern, Die stärkere- Partei dar Aasefath Haniwscharim und die auch geistig führende Gruppe, die vereinigte Arbeiterpartei, hatte unmittelbar vor der Tagung auf ihrer Moazah Stellung zu diesen Problemen genommen, und zwar: Billigung und Beteiligung an den Londoner Verhandlungen, für eine Round Tabie Conferonz mit den Arabern, gögen Beteiligung an dem im Weißbuch vorgeschlagenen Legislative Council, jedoch für konstitutionelle Reformen, durch die Juden und Araber mitglcichenRcchtcnan der Landesregierung beteiligt werden. Die Arbeiterschaft, zu der sieh noch einige bürgerliche Stimmen gesellt hatten, war imstande, in einer Kampfabstimmung in der Asscfath Haniwcharim ihre Meinung gegen eine starke Minderheit durchzusetzen. Der Versuch der Revisionisten, statutarisch qualifizierte Mehrheit für eine Stellungnahme der Asscfath Haniwcharim in Fragen, die eine Veränderung des Regimes bezwecken, herbeizufübrn, scheiterte. Nachdem man sich einstimmig gegen den vorgesclilagenen Legislative Council erklärt hatte, versuchte man einen Ausweg in der Uebertragung der Entscheidung über die anderen Fragen an den neuen Waad Lcumi zu finden. Als muh für diesen die von den Revisionisten verlangte qualifizierte Majorität abgelehnt wurde, verließ diese Partei die Tagung und beteiligte sich nicht am Waad Lcumi. Dio anderen Gruppen einigten sich, setzten gemeinsam den neuen Waad Leami zusammen, übertrugen ihm die Entscheidung in den schwebenden politischen Hauptfragen, jedoch mit der Maßgabe, daß kein Beschluß angenommen werden dürfe, wenn zwei Minderheitsgruppen dagegen seien. Die Arbeiterschaft hat di« Rettung der Einigkeit der Asscfath Haniwcharim einem doch nur demonstrativen politischen Siege vorgezogen. Zur jüdisch-arabischen Frage Im ״Da war“ vom 16. Februar erschien der dritte Artikel in der Aufsatzreihe von Michael A s s a f über ״D i e Zukunft der jüdisch *arabischen Frage“, deren erste beiden wir bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 14 inhaltlich wiedergegeben haben. Der dritte Artikel verdient besondere Beachtung, weil in ihm eine Reihe von praktischen Vorschlägen enthalten sind, betreffend die Voraus- Setzungen einer Anbahnung besserer Beziehungen zwischen den beiden Völkern, Hierbei kommt Assaf vielfach zu Resultaten, die in scharfem Widerspruch, stehen zu den landläufigen Anschauungen der palästinensischen Juden und der Zion•' ׳en. Umso bedeutungsvoller ist es, daß dieser Aufsatz in 1i;jr palästinensischen Tageszeitung erscheint, obwohl aus der Veröffentlichung nicht klar zu ersehen ist, ob ein erlieblicher Teil der öffentlichen Meinung der Arbeiterpartei, deren Organ der ״Dawar“ ist, heute bereits die von Assaf vertreten en Anschauungen teilt. Assaf setzt an die Spitze seiner Ausführungen die Behauptung, daß ohne die Bemühungen• um einen Ausgleich mit den Arabern wir in Palästina höchstens eine Art ״geistlges Zentrum“, das nicht existenzfähig ist, schaffen können. Dem gegenüber behauptet Assaf, daß wir auch heute noch, trotz der scheinbar ungünstigen Lage, die Möglichkeit haben, in Palästina und den Nachbarländern die Verwirklichung einer großen, das Volk umfassenden zionistischen Konzeption zu erreichen. Hierzu aber sei es unerläßlich, gewisse An- Behauungen, die heute noch in einem großen Teil der zionistischen Welt verbreitet sind, auzurotten. Di׳׳s'r Wandlungsprozeß der zionistischen Anschauungen werde sich ohnedies früher oder später vollziehen, aber es hingt von uns ab, ob dieser Prozeß unter großen und schweren Leiden vor sich gehen wird oder ob wir Ihn bewußt erleichtern. Wir müssen uns damit abfinden, daß England zum großen Teile an der primitiven Auffassung hingt, daß jedes Volk ein natürliches Recht auf das Land besitzt, in welchem es wohnt, unabhängig davon, ob es dieses Land auch entsprechend ausnützt. Daher kam die Arbeiterregierung zu den Anschauungen des Weißbuches. Auf dieser Grundlage können wir den Zionismus nicht verwirklichen. Es bedarf daher einer Verständigungzwischen Juden und Arabern. Wer die Beziehungen zwischen den zwei Völkern verbessern will, muß jedoch elnsehen, daß ohne eine Verbesserung auf dem politischen Gebiet alle anderen Vor- Schläge -״ etwa wirtschaftlicher und kultureller Natur —- zum Mißlingen verurteilt sind. Wir müssen die ״politische Manie•‘ der Araber begreifen lernen, statt ihr durch unser Verhalten immer neue Nahrung zu geben. Die Proklamation des ״J u * denstaates“ oder die Oleichsctzung des Begritfes ״Nationalheim“ mit ״Judenstaat“ versteift die politische Gegner* schaft der Araber. Der Gründung eines Juden- Staates werden die Araber unter keinen Umständen zustimmen. Es gibt keine Macnt in der Welt, außer Kanonen und Bajonetten, die die Araber überzeugen könnte, daß ein Judenstaat sich zu den Arabern, der Bevölktrang des Landes, besser verhalten wird als jedes herrschende Volk. Daher bietet dieses Schlagwort einen ausgezelchneten Agitationsstofffürdie arabischen Füllrer innerhalb der nationalen Intelligenz im ganzen Orient. Und solange wir an diesem Schlagwort festhalten, wird cs keine Brücke zwischen uns und den Arabern geben, ja wir werden nicht einen einzigen Freund im ganzen Orient finden können. Aber die zionistische Bewegung kann sich von dieser leeren Formel befreien; sie muß einen klaren Trennungsstrich gegenüber den Revisionisten ziehen, die uns zu einer Zerstörung Jeriisalems treiben» noch ehe es aufgebaut ist Auch die arabische Presse weiß heute ganz gut, daß es zwei Arten Zionismus gibt, nämlich den Revisionismus aut der einen Seite und den übrigen Zionismus auf der anderen Seite. Der Zionismus muß klar aussprechen, daß die das Land bewohnenden Araber auch wirkliche Rechte auf das Land haben. Zwar nicht die Rechte einer Mehrheit gegenüber den Juden, aber auch nicht die Rechte einer Minderheit Heute, morgen und übermorgen werden die Rechte der beiden Völker a u t völllgerGlelchbercchtigungim Verhältnis 1:1 autgebaut sein. Wir müssen auch jeden Gedanken des ״Austausches von Bevölkerungen“, der von Zeit zu Zeit auttaucht und eine geflhrlidie Waffe im Kampfe gegen uns bildet, fallen lassen. Nur das Programm eines jü * disch-arabischcn Staates, garantiert durch das Mandat des Völkerbundes, wird der Agitation der Araber in Paliistina und im ganzen Nahen Osten den Boden entziehen können. Zugleich muß der Zionismus eine klare Stellung zur Frage des politischen Systems im Lande einnehmen, und zwar muß dieses in drei Sphären zerfallen: Die nationale, die gemeinsatne und die der Mandatarmacht reservierte Sphäre. Auf dem Gebiete der Wirtschaft macht Assaf eine Reihe von bemerkenswerten Vorschlägen, die nach seiner Meinung eine Annäherung der beiden Völker herbeiführen können. Der Verfasser betont jedoch, daß es sich hier nur um Beispiele handelt, die ungefähr audeuten sollen, in welcher Richtung sich das zionistische Denken bewegen müsse, ln erster Linie propagiert er den Gedanken einer Bcteiligung des arabischen Kapitals an den jüdisehen Unternehmungen in Palästina. Das arabische Kapital hat sich dank der jüdischen Einwanderung außerordentlich vermehrt und könnte bei einer Verbindung mit den jüdische» Unternehmungen sehr produktiv werden, während bisher die Juden gewöhnlich ihr gesamtes mitgebrachtes Kapital immobilisieren und dann selbst in Schwierigkeiten geraten. Es hat sich auch bei den Unruhen und bei der Boykott-Bewegung gezeigt, daß die mit den Juden Wirtschaftlieh verbundenen Araber stets für einen Frieden eingetreten sind, nur leider ist die Zahl derartiger Araber sehr gering und im Abnehmen begriffen. Noch aufsehenerregender ist der nächste Vorschlag Assaf s, der darauf ab zielt, auch die niederen Schichten der arabischen Bevölkerung Wirtschaftlieh mit den Juden zu verknüpfen. Hier schlägt er vor, daß die Juden einen Hilfsfonds für die palästinensisehen Araber schaffen und daß im zionistischen Budget ein Posten für Darlehen an die verelendeien Fellachen ausgesetzt wird. Man dürfe nicht einwenden, daß der Keren Hajessod zu wenig Geld sogar tür die Juden hat, denn der Unfrieden mit den Arabern komme uru viel teurer zu stehen als eine solche Wirtschaftshilfe, 11 der städtischen Entwicklung ergebe sich ein ungeheures Arbeitsfeld insbesondre für die Arbeiterorgan'sition, die dem entstehenden arabirchen P oletariat helfen müsse. Schließlich müsse der Zionismus auch aut dem Gebiete des Kulturlebens eine Kooperation mit den Arabern suchen. In allen Ländern sind die Juden Kulturträger gcwesen, nur in Palästina haben sie völlig verabsäumt, irgendeinen Anteil an dem Kulturleben der Landesbevölkerung zu nehmen. Und doch würde sich gerade hier ein großes Arbeitsfcld bieten, weil die europäischen Kräfte, die das arabische Volk und der ganze Vordere Orient heute dringend brauchen, am ehesten von den Juden g״s‘ 'Ut we l *n können, die nicht im Verdacht stehen müssen, Diener eines europäisehen Imperialismus zu sein. Auch auf dem Gebiete der arabischen Wissenschaft gibt es zahlreiche jüdische Gelehrte, die einem kulturellen arabischen Nationalismus zur Seite stehen könnten. Auf diese Weise könnten wir auch den Verdacht, ein Werkzeug des europäischen Imoerialismus zu sein, widerlegen. Freilich Ist es dazu auch notwendig, die arabische Sprache unter den Juden Palästinas zu verbreiten, wenn auch nur im minimalsten Ausmaß. Schon dadurch würden sich die Alltagsbeziehungen zwischen den beiden Völkern verbessern. Zum Schluß erklärt der Verfasser noch, er halte es für unklug, von jüdischer Seite für eine Agrarreform einzutreten, da dies auf der einen Seite den Fellachen nicht hefriedigen, ihn zu immer größeren Forderungen bezüglich E*- Weiterung seiner Bodenflache ermutigen, zugleich aber die der Effendiklasse angehörende führende Schicht der arabisehen Nationalbewegung in allen Ländern des Nahen Ostens noch mehr gegen uns aufbringen werde. Landeskonferenz der Zionisten Westpllziens Im Hause der Krakauer Jüdischen Gemeinde fand die 12. Jahreskonferenz der Zionisten Westgaliziens statt. Ab״. Dr. Thon pb in der Eröffnungsansprache einen Ueberbliek über die gegenwärtige Lage im Zionismus und legte die Ziele der Landespolitik in Polen dar. Dr. J. Schwarzbart hielt ein zweistündiges Referat über die ideologischen Grundlagen der zionistischen Bewegung, dem eine lebhafte Aussprache folgte. Es winde einstimmig Dr. Thon und Dr. Schwarzbart Dank und Anerkennung für ihre unermüdliche zionistische Tätigkeit ausgesprochen. Zum Vorsitzenden der Zionistischen Organisation Westgalbiens wurde wiederum Abg. Thon, zum Vorsitzenden der Exekutive Dr. Schwarzbart, zu Mitgliedern der Exekutive Dr. Freund, Hoch-Iepper, Dr. Ferszdörter, Dr. Nußbader, Nußbaum, Salpeter, Dr, Spiegel und Frau Süßkind gewählt