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Jüdische Rundschau · 1931-02-20 · Heft 14 (20.2.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 14 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14. 20. II. 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 91 Presseschau Zur jüdisch - arabischen Frage fn der Arbeiter-Tageszeitung ״Da war“ vom 29. Januar und 3. Februar veröffentlicht Michael Assaf einen sehr bemerkenswerten Artikel über ״Die Zukunft der jüdischarabischen Frage“. Da־ Verfasser stellt zunächst fest, daß in den zehn Jahren in Palästina die Kraft der zionistischen Bewegung zu einem konkreten Ausdruck gekommen ist, zugleich aber "hat sich dort auch die arabische Nationalb c w e ״ u 11 g offenbart, die zwar ihrem ganzen Charakter nach anders ist als die jüdische, deren Stärke aber überraschend war. So Sieben hier zwei Kräfte gegeneinander. Der Zionismus ist durch zwei Generationen in völliger Unkenntnis der arabischen Wirklichkeit erzogen worden, und auch heute noch nimmt die große Mehrheit der Zionisten keine Kenntnis von ihrem Vorhandensein. Die arabische Bewegung ist eine Frucht des Zeitalters des Nationalismus, ebenso wie die übrigen Bewegungen unterdrückter Völker. Ihr Hauptziel ist politische Unabhängigkeit, und vor diesem gemeinsamen Ziel treten alle inneren Differenzierungen, Klassenunterschiede usw. zurück. Für die arabische Intelligenz, die mit der herrschenden Klasse verknüpft ist, ist der Nationalismus ein Mittel zur Erreithung der politischen Vorherrschaft innerhalb des arabischen Volkes. Daher wird dem Volke das Eindringen der ״Fremden“ als Grund aller seiner Nöte und seiner Verelendung dargestellt. Man darf auch nicht vergessen, daß der britische Imperialismus, der im Kriege die Hilfe der Araber brauchte, den arabischen Nationalismus selbst groß gemacht hat. Man müsse die Enttäuschung der Araber begreifen, denen Befreiung von der türkisehen Herrschaft versprochen worden war, und die nun nach dem Kriege sehen mußten, daß sie für die türkische Herrschaft die englische eingetauscht haben unter Hinzufügung des Zionismus. Die Araber können gegen die englische Herrschaft die nationale Einheitsfront hersteilen, nicht aber gegen den Zionis1־ mus, der im Lande selbst eine schöpferische Siedlungstätigkett entfaltet, und auf diese Weise den unterdrückten arabischen Klassen die Augen öffnet. Das Mißgeschick des Zionismus liegt darin, daß er mitten in die Auseinandersetzung zweier Imperialismen hineingeraten ist, des europäischen auf der einen und des arabischen auf der anderen Seite. Der Haß des arabischen Imperialismus gegen den Zionismus beruht vor allem darauf, daß der Z ionismus als Teil des europäischen Imperialismus aufgefaßt wird. Diese Ueberzeugung ist ganz tief verwurzelt und kann durch theoretische Darlegungen von unserer Seite nicht beseitigt werden. So liegt es nahe, daß die Araber zunächst die schwächste Stelle des europäischen Imperialismus, nämlich den Zionismus, den sie als einen moralischen Vorwand der europäischen Herrschgelüste ansehen, angreifen. Daher führt die arabische Presse in Syrien, Irak, Aegypten usw. einen anunterbrochenen scharfen Kampf gegen den Zionismus, der nach ihrer Meinung ein Helfershelfer Europas bei der Zerstörung der Träume einer arabischen Wiedergeburt ist. Was die jüdische Haltung betrifft, betont der Verfasser, eine Betrachtung der Dinge von einem orthodox-sozialistischen Standpunkt werde der Sachlage nicht gerecht, weil die zionistische Bewegung in ihrer Mehrheit nicht sozialistisch sei. Auch der sogenannte ״geistige Zionismus“ sei abzulchncn, denn darunter verstehe man allgemein eine quantitativ kleine jüdische Siedlung, die das jüdische Bedürfnis nach Auswanderung nicht befriedigen und letzten Endes auch keine geistigen Werte schaffen könnte. Vor dem Kriege herrschten zwischen dem alten Jischuw und den Arabern enge wirtschaftliche Be- Ziehungen. In der Folgezeit sei aber die Tendenz zur Schaffung gesonderter Wirtschaftskörper immer stärker geworden, und infolge des nach dem Kriege entstandenen politischen Zustandes habe sich der innere Gegensatz außerordentlich verschärft. Es ist zu blutigen Unruhen gekommen, die ihrerseits eine noch starkerr Absonderung der beiden Völker voneinander zur 'Folgehaften. Heute sehen wir überall gesonderte jüdische Stadtviertel, auch die früheren Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem alten Jischuw und den Arabern hören immer mehr auf. Man könne sagen, daß 95«'״ des neuen Jischuw überhaupt nicht arabisch verstehen, höchstens 1 —2 ",0 können mit einem Araber auch nur ein gewöhnliches Gespräch führen. Auch zwischen den Arbeitern beider Nationen bestehen höchstens an den Arbeitsplätzen, wo beide beschäftigt sind, ganz gute Beziehungen, aber nach der Arbeit kehrt jeder in sein nationales Lager zurück und unterliegt der dort herrschenden nationalistischen Propaganda. Im übrigen ist auch auf vielen Arbeitsplätzen, sogar bei Regierungsarbeiten, eine nationale Scheidung durchgeführt. So müsse man bei objektiver Betrac'ntung feststellen, daß die gegenseitigen Wirtschaftliehen Beziehungen immer schwächer werden statt stärker. Der Zionismus ist völlig blind geblieben gegenüber dem Vorhandensein der Araber. Er hat nicht einmal in minimalstem Ausmaße für eine Kenntnis der arabischen Sprache unter den Juden gesorgt. Er hat neben die armseligen und unhygienischen arabischen Siedlungen moderne städtische und ländliche Siedlungen gebaut, die die Araber vor sich sehen, so daß sie schmerzlich den Gegensatz spüren. Er hat keinen Versuch gemacht, die idealen Motive des Zionismus den Arabern begreiflich zu machen. Alles was die Araber über den Zionismus wissen, muß sie notwendig mit einem Gefühl panischer Furcht erfüllen. Sie sehen die Expansion der Juden, und es ist für die Gruppe arabischer Führer, die die politische Herrschaft anstreben, nicht schwer, die ganze Jugend, die besitzenden Schichten und sogar Fellachen und Arbeiter hinter sich zu bringen. Denn die Hauptfurcht der Araber bezieht sich nicht auf die heutige Lage, sondern auf das, was m o r - gen sein wird. Man sagt ihnen, die Zionisten wollten den ganzen Boden Palästinas an sich reißen und die gegenwärtigen Bewohner wegtreiben. Wohin sollen sie sich wenden? ln die Wüste auf der einen Seite oder ins Meer auf der anderen Seite? Derartige Vorstellungen erfüllen die ungebildeten arabischen Massen. Zum Schluß erwähnt Assaf noch, daß es auch innerhalb des zionistischen Lagers immer Mahner gegeben hat, dk auf die Bedeutung der arabischen Frage hinwiesen. Achad Haam tat es schon 1891, später Jizchak Epstein, Kalvarisky und andere. Die Zionisten wollten aber an die Realität einer nationalen Bewegung bei den Arabern nicht glauben, ln der türkischen Zeit hafte man außerdem Bedenken, mit den Arabern in Beziehungen zu treten, um nicht in den Verdacht revolutionärer Umtriebe zu kommen. Ueber die Diskussionen der Nachkriegszeit, wo die Bedeutung dieser Frage wohl von weiteren Kreisen im Zionismus erkannt und betont wurde, schweigt der Verfasser, offenbar um seine Ausführungen nicht mit dem Odium der aktuellen Polemik zu belasten. Immerhin ist es überaus interessant, daß dieser Artikel eines guten Kenners der arabischen Verhältnisse im ״Dawar“, wenn auch als persönliche Meinungsäußerung unterm Strich, abgedruckt wurde. In der ״Jüdischen Rundschau“ wurde in den letzten zehn Jahren häufig genug der Meinung Ausdruck gegeben, daß keine zionistische Politik auf die Dauer erfolgreich sein kann, die die arabische Wirklichkeit nicht als einen der wichtigsten bestimmenden politischen Faktoren der Zukunft Palästinas ins Auge faßt. * Zu der Nachricht von der angebHch geplanten Entsendung einer Kommission englischer Parlamentsmitglieder zwecks Her- Stellung desFriedenszwischenJudenundArabern m Palästina schreibt der arabische »Fslestia“; Es ist richtig, daß Juden und Araber in Palästina einander nicht in ewiger Feindschaft gegenüberstehen können. Dies würde das Leben im Lande zur Hölle machen. Ebenso richtig• ist, daß sowohl Araber als auch Juden den Frieden wünschen. Die gegenwärtige Lage erfordert eine starke Garnison in Palästina, deren Kosten nicht die Engländer, sondern Araber und Juden zu tragen haben. Daher würde gewiß jeder Araber und jeder ude die geplante Kommission begrüßen. Ob sie aber Erfolg aben wird, ist eine andere Frage. Die palästinensischen Juden sind mit dem Judentum der ganzen Welt verbunden, das unter dem Einfluß der zionistischen Propaganda der Ansicht ist, Palästina gehöre dem jüdischen Volk und die Araber seien hier nur barbarische Gäste. Das historische Recht der Juden sei stärker als das natürliche Recht der Araber. Die Juden stellen sich den Frieden so vor, daß die Araber sich verpflichten sollen, die Juden beim Aufbau des Nationalheims nicht zu stören, d. h. die Araber sollen zulassen, daß die Juden nach und nach die Araber von ihrem Boden vertreiben, damit die Chaluzim ihn besetzen können. Es ist also klar, daß keine Delegation einen derartigen Frieden wird herbeiführen können, denn niemand wird sich freiwillig oder auch gezwungen aus seinem eigenen Hause hinauswerfen lassen. In seiner englischen Ausgabe betont ״Felestin“, der Friede sei unmöglich, weil die beiden Völker von ganz verschiedenen Standpunkten an die Frage herantreten. Die Araber halten Palästina für den Bestandteil einer arabischen Föderation, die Juden als das Erbe des Weltjudentums, So'ange nicht diese Der letzte und größte jüdische Gesellschaftshall der Saison BEN BERLIN spielt S. März, Marmors aal Karten zum Preise von 5.— M. im Büro der B. Z. V.. Berlin W 15, Meinekestraße 10 / Telefon: Bismarck 7165* Grundeinstellung sich ändert, ist jede Friedensdiskussion Verschwendung׳ vor-Energien. * ln seiner englischen Ausgabe wendet sich ״Feiestin“ ferner gegen den zwischen der Palästina-Regierung und der Irak Petroleum Company Unterzeichneten Vertrag. Dieser Vertrag vergebe für 70 Jahre ein Recht, ohne daß die Einwohner Palästinas das geringste dreinzureden gehabt hätten. Es zeigt sich, daß das Palästina-Mandat weder um des Jüdischen Nationalheims willen noch um der arabischen Freiheit willen geschaffen wurde, sondern als ein Werkzeug des engiischenlmperialismus.der liier eines seiner wichtigsttn Ziele auf Kosten der palästinensischen Bürger erreicht hat. Denn die Befreiung der Irak Petroleum Company von allen Zöllen und Steuern gehe natürlich auf Kosten der palästinensischen Steuerzahler. Die in dem Vertrage übernommene Verpflichtung Englands, dem Unternehmen Schutz zu sichern, schaffe einen bequemen Vorwand für eine britische Garnison Palästinas für 70 Jahre. Von anderen Gesichtspunkten wird der Vertrag in der hebräischen Presse einer Kritik unterzogen. So wendet sich ״Dawa r“ dagegen, daß in dem Vertrag nicht die ״fair wages- Klausel“ aufgenommen ist, die einen Miniraallohn für den Arbeiter festsetzt, und daß auch sonst keinerlei Arbeiterschutz vorgesehen ist. Das Blatt bedauert, daß dieser Vertrag durch einen bloßen administrativen Akt zustande kommen konnte. Gemeint ist aber hier nicht die fehlende Befragung der palästinensischen Bevölkerung, sondern die fehlende Beteiligung des Londoner Parlaments, und ״Dawar“ fordert die Jewish Agency auf, diesbezüglich einzugreifen. * 1111 ״Feie stin“ veröffentlicht der Leiter der ״Jaffa Fruit Co.“, Mr. Tolkosvsky, einen Aufsatz, in dem er zu einer Kooperation zwischen jüdischen und ara bisehen Pflanzern aufruft. Er weist auf die hohen Preise für kalifornische Orangen hin und sieht die wichtigste Ursache für die niedrigen Preise der Jaffa-Orange in dem Mangel an Organisation der Pflanzer und Exporteure, der die Position der Jaffa-Orange auf den englischen Märkten schwäche. Allein eine gemeinsam betriebene großzügige Propaganda, die sowohl von Juden und Arabern unter Ausschaltung aller politischer Differenzen einzuleiten sei, könne die Aussichten dieser Frucht auf den englischen Märkten stabilisieren und künftige Absatzkrisen vermeiden. Die Redaktion des ,,F e 1 e s t i n“ erwidert darauf, daß die Araber sich immer für eine gemeinsame wirfschaftliche Arbeit unter Ausschaltung politischer Gesichtspunkte eingesetzt hätten, aber die Juden hätten «ine solche Zusammenarbeit durch ihre Ausnützung für politische Zwecke unmöglich gemacht. Jedoch schlage auch das Blatt die Gründung von Kooperativen vor, die sich mit den Fragen der Besserung der Absatzverhältnisse zu befassen hätten. * Anläßlich des Begräbnisses von Mohammed Ali ist ein Konflikt zwischen dem Moslemischen Rat und der Vereinigung auswärtiger Pressekorrespondenten in Palästina ausgebrochen, der auch seinen Niederschlag in der Presse fand. Der Vorsitzende der genannten Vereinigung, Agronsky, beschwerte sich öffentlich darüber, daß den Pressevertretern trotz itaem Ansuchen keine besonderen Einladungen zu der Zeremonie der Bestattung gesandt wurden. Im Verlauf eines sich hieran anschließenden Briefwechsels in der Presse wurde dann seitens des Vertreters des Moslemischen Rates zugegeben, daß zwar an diejenigen Mitglieder der Vereinigung, die man für Nichtjuden hielt, Einladungen gesandt wurden, was jedoch die jüdischen Mitglieder der Journalisten-Vereinigung betrifft, so habe der Moslemische Rat so schlechte Erfahrungen mit ihrer tendenziösen Berichterstattung in verschiedenen Auslandsblättcrn gemacht ׳ daß er lieber ganz und gar auf ihre Berichte verzichtet. Eine Bestätigung dieser Befürchtung sieht der Moslemische Rat in den irreführenden Berichten, die"über das Begräbnis in der jüdischen Presse erschienen seien, Im übrigen habe sidi das Begräbnis über offene Straßen bewegt und auch die Korrespondenten konnten es daher beobachten und beschreiben. — Gegen .diese Aeußerung Dschemal Husseinis wendet sich Agronsky mit der Bemerkung, daß eine wahrheitsgemäße Berichterstattung nur möglich sei, wenn man den Journalisten die Möglichkeit eigener Beobachtung gewährt. Wenn nichtjüdische Zeitungen Juden als Korrespondenten bestellen, hüte der Moslemische Rat kein Recht, dies anzufechten. * Der Araber Hassan Sidki Al Dedschani veröffentlichte in der arabischen Zeitung ״A I Chajat“ einen Briet an den High Commissioner, worin er über folgenden selbst erlebten Vorfall berichtet: Er habe beobachtet, wie ein achtjähriges Mud als Sklave ver k a u f t wurde. Das Kind wurde von den Eltern für 25 Pfund auf 25 Jahre vermietet. Es habe sich herausgestellt, daß cs sich "hier um einen weitverbreiteten Brauch handelt. Die Fellachen verkaufen aus Not ihre ct״enen Kinder, und dies wird geduldet, obwohl die Sklaverei verboten ist. Es wird sogar behauptet, daß auch Regierungsbeamte solche Skiavert gekauft haben. Der Briefschrciber fordert eine strenge Untersuchung, und jedermann wird zustimmen müssen, daß Mer ein strenges Einschreiten erofrdcrlich ist. 5$; Das Organ der Templer ״Die Warte des T e ra p e 1s“ verwahrt sich im Leitartikel seiner Nummer vom 15. d. M, unter der Ueberschrift ״Zionismus und Tempelgesellschaft‘‘ gegen die Annahme, die Templer seien antijüdisen oder antizionistisch. Es wird dargelegt, daß die Templer-Gesellschaft kein nationales oder konfessionelles Gebilde sein wolle, son* dern internationalen und interkonfessionellen Charakter anstrebe, fn der Praxis freilich, schreibt der Herausgeber der Zeitschrift, D. Lange, mögen manche Mitglieder der Templer- Gesellschaft durch Antisemitismus angesteckt oder aus persönlichen Gründen antizionistisch sein. Die Zionisten könnten von den Templern nicht mehr als eine abwartende, neutrale Stellung erwarten. Das gegenseitige Vertrauen müsse erst allmählich wachsen. Auch die Zionisten jedoch dürften sich in Palästina nicht so benehmen, als ob es neben ihnen gar keine anderen Volksgruppen gebe. Die verschiedenen Gruppen Palästinas sind aufeinander angewiesen und müssen daher friedlieh und freundschaftlich miteinander leben. Die Siedlung ״Giw'ath Brenner“ Aus einem Brief Die Chaluzim aus Deutschland, die in den letzten Jahren aus dem Kreise des ,,Brüh Haolim״ nach Palästina gegangen sind, hohen, sich hauptsächlich in einer Arbeiter-Siedlung bei der Kolonie Rechowoth konzentriert. Der dortige ,,Kibbuz Meuchad“, der am maischen und litauischen Chaluzim besieht, wurde schließlich auf Boden de* Jiidisehen Nationalfonds nngesiedelt. Die Siedlung erhielt der1 Namen ,,Giw'ath Brenner", d. i. Brenner-Hügel, benannt nach dem. Dichter J. Ch, Brenner, Ueber die Entwicklung dieses Punktes m der letzten Zeit berichtet ein Brief von Mosche Brachmanr an die Leitwg det, deutschen Hechaluz, Im ersten Teil des Briefes wird die allgemeine Lege im Lande besprochen, die Wichtigkeit zionistischer Kleinarbeit h**«M dkrf die. Bedeutung der' Arbeiterschaft für ■den Fortschritt rfrs Gesamt Zionismus unterstrichen. Das Gebot der Stunde sei eine gut organisierte Mittelstands-Kolonisation, für die von der Histndruth ein Pinn vorbereitet werde. Der Briefschrciber fährt daun fort: Wir in Giw’ath Brenner sind ein Teil dieses ganzen Medianismus der jüdischen Wirtschaft in Erez Israel. Wir haben im Laufe des letzten Jahres eine Stärke erreicht, daß man in voller Verantwortung sagen kann, daß unsere Plugah in ungeahntem Maße Schwierigkeiten gewachsen ist. Das Machaneli (Lager) ist oben. Häuser und Zrifim (Baracken) sind errichtet. Die Zelte sind schon bis auf 11 reduziert. Der Pardeß /Orangen- Pflanzung) entwickelt sich gut. Der Garten bringt gut ein. In den nächsten Tagen wird eine Abteilung, der ״Tnuwah“ (Verkaufskooperative landwirtschaftlicher Produkte sämtlicher jüdischer Arbeiterwirtschafteu Palästinas) in Rechoboth eröffnet, in der wir der wichtigste Produzent sein werden. Unsere Falcha (Getreidewirtschaft) steht gut —- 609 Dunam. Neue 400 Dunam werden jetzt als Sommerfrucht bestellt. Die Maschteloth (Baumschulen) sind uni das Dreifache erweitert worden. Erst gestern haben wir fast alle verkaufsfähigen Setzlinge an Smilanski und ״Jacliin“ verkauft. — Die Bäckerei brachte im Monat Dezember einen Reinertrag von 60 Pfund ein. Die neue Bäckerei (auf dem Hügel) wird in etwa vier Wochen fertig sein. — Der Kulistall liefert bereits 100—110 Liter Milch pro Tag. — Alle anderen Betriebe, wie z. B. Tischlerei, Schlosserei usw. ergänzen die Eigenarbeit Das Essen ist gut organisiert, wenn auch nicht immer nahrhaft. Das Chadar ocncl (Speisezimmer) groß und schön, die Küche durch Bau eines Herdes stark verbessert worden. Nur wenn man alle diese Dinge sieht, hat man keinen Grund zur Verzweiflung. Viel eher zu Mut und Optimismus. — Die Lage der Außenarbeit ist nicht so gut. Aber trotzdem gingen heute 53 Leute in die Moschawah (Kolonie). Eine Gruppe von 10 Leuten befindet sich am Jam hamdech (Toten Meer). Diese wird sicherlich noch erweitert werden. Unsere Arbeiter gelten als gute Arbeiter in der Moschawah. Natürlich wirken sich diese Dinge erst allmählich aus. Man merkt sie nicht jeden Tag, aber in der Gesamtheit sind diese Eroberungen doch von ungeheurer Wichtigkeit. Wir haben aber alle das aus eigenen Kräften unternommen, zum größten Teil ohne Hilfe der Ansicdlungsinsfitutionen. Nun gibt es Schwierigkeilen in der Kasse. Es muß betont werden, daß wir kein Defizit haben, denn wir haben Werte angeschafft und produziert, die unsere Bilanz aktiv gestalten. Wir sind aber bemüht, zirkulierendes Kapital als Betriebskapital zu besorgen, — deshalb unsere Projekte, in Deutschland und auch in Litauen Anleihen zu beschaffen. * Nun gibt es Fragen der Erziehung, der gesellschaftlichen Gestaltung unserer Plugah und der Verbindung mit der Golah, Auch hier werden große Anstrengungen gemacht Hier gibt es auch Meinungsverschiedenheiten, aber diese Dinge rütteln nicht an dem Bestand der Plugah als Wirtschaftseinheit des Kibbuz oder der Arbeiterwirtschaft als ganzem. Es kann wohl möglich sein, daß der eine oder der andere Unzufriedenheiten nach chuz laarez mitgrfeilt hat. Man kann und soll solche Dinge nicht verhindern. Aber alles darf nur im Zusammenhang aller Probleme gesehen und beurteilt werden. Unser Leben ist durch die Existenz der Plugah als wirtschaftlichen Körper bedingt. Daraus ergeben sich bestimmte Aufgaben. Die Lösung liegt zum Teil in den Händen der Menschen selbst, das wichtigste aber ist doch die Tatsache, daß wir immer mit Geduld Entwicklungen zum Reifen verhelfen, ohne jedoch den Ausgangspunkt unseres Wollens auch nur für einen Augenblick zu vergessen. Glauben?io daran wie wir an das Gelingen unseres Werkes.

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