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Jüdische Rundschau · 1931-02-20 · Heft 14 (20.2.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 14 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite SO JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 20. II. 1031 schaft In demselben Atemzug berief sich Dr. HoHaender auf Krojankers Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“, worin gegen Klatzkins Forderungen unter Berufung auf die jüdische Wirklichkeit Stellung genommen wird. Hollaender sah aber nicht, daß die Argumente, die Kro* janker gegen Klatzkin gebraucht, in viel höherem Maße gegen die Missionstheorie von Hollaender am Platze sind: Denn hier wird eine rein abstrakte Forderung — und nichts-als-Forderung — vertreten, ohne jede Rücksicht darauf, was die Fordernden selbst zur Verwirklichung beitragen. Es kommt aber nicht darauf an, solche edlen Forderungen zu proklamieren, sondern sie ins Leben umzusetzen, und zwar nicht dort, wo es ohnedies den Interessen der Fordernden entspricht, sondern gerade wo es gefährlich ist Nur in diesem hohen Sinne ließe sich Holländers Konzeption rechtfertigen. Aber mit Recht konnte Blumenfeld darauf Hinweisen, daß die deutschjüdische Gemeinschaft, um die es sich handelt, diese durchaus in ihrer Struktur bürgerliche Gruppe, weder — um ein Wort Max Wieners zu gebrauchen — Trägerin einer religiösen Revolution sein könne oder wolle, noch auch in den konkreten Fällen unserer jüngsten Geschichte sich jemals für diejenigen Persönlichkeiten exponiert hat die sie jetzt post factum als Repräsentanten der jüdisehen Idee der Gerechtigkeit zur Stütze ihrer Missionstheorie in Anspruch nimmt Hollaender und seine Freunde sprechen jetzt von dem jüdischen Ideal des Friedens; aber als es gefährlich war, hat keiner von ihnen für diese Idee eingestanden. Auf solchen Grundlagen des Opportunismus ist keine tragfähige Basis für ein lebendiges Judentum zu errichten. Man muß sich vielmehr darüber klar sein, daß dieses Deutschjudentum sich auf die liberalen Ideen des 19. Jahrhunderts stützt, weil « mit ihnen eine Epoche materiellen und sozialen Aufstiegs des deutschen Judentums verknüpft war. Man braucht nur an Nietzsches Worte über die aus Ressentiment geborene Ethik der Schwachen zu denken, um zu empfinden, wie wenig überzeugend diese Art der Proklamierung jüdischer Ideale im Grunde wirken müsse. Wenn es darauf ankäme, diese Ideen wirklich in Unbedingtheit zu verwirklichen, dann würde das deutsch-jüdische Bürgertum völlig versagen. Viel eher kann man behaupten, daß solche Ideale den Menschen vorschweben, die hinausziehen, um auf dem Boden, wo die Propheten einst gewirkt haben, ein neues Leben in innerer Freiheit aufzubauen. Sehr richtig hat Blumenfeld die Missionsideologie dadurch ad absurdum geführt, daß er zunächst ihre ProbleraStellung akzeptierte, aber die völlige Unzulänglichkeit der bisherigen Lösungsversuche nachwies. Wir verstehen, wie Blumenfeld ausführte, eine völlige Abkehr von allen jüdischen Zusammenhängen mit dem Willen zum Auf gehen in der Umwelt Dieser Weg ist zwar für die Gesamtheit ungangbar, und in jedes Land, wohin die Juden in größerer Zahl kommen, wird dfe Judenfrage eingeschleppt aber als individuelle Lösung wäre ein solcher Standpunkt zu begreifen, wenn auch nicht zu billigen. Wenn man aber das Judentum bejaht, dann kann man auf halbem Wege nicht stehen bleiben. Dr. HoHaender machte einen klaren Unterschied zwischen Palästina und Galuth. Palästina ist für ihn nicht eines der vielen Linder, in denen Juden leben, sondern er anerkennt ausdrücklich seine Sonderstellung: dort und nur dort sei ein Volljudentum möglich. In Pa- Iästina könne sich die Normalisierung des jüdischen Lebens vollziehen, und dies sei zu begrüßen. Wenn Hollaender dann jedoch leugnet daß dieses prinzipiell so ganz andere geartete Judentum Palästinas für die anderen jüdischen Gruppen eine Bedeutung haben wird, so zeigt sich schon hier ein logischer Fehler, der keines weiteren Nachweises bedarf. Noch offenkundiger aber wird die Haltlosigkeit dieses Standpunktes, wenn man bedenkt daß hier zwar gewisse unklare Sympathien für ein großes jüdisches Werk geäußert werden, aber nicht das geringste zu dessen aktiver Förderung geschieht. Es ist eben eine Haltung der völligen Passivität, der Abhängigkeit von äußeren Faktoren, und wenn auch HoHaender erfreulicherweise nachdrückllch leugnete, daß die Abwehr des Antisemitismus der Hauptinhalt jüdischer Betätigung zu sein hat, so ist doch das positive Judentum, das er vertritt, verschwömmen, zu nichts verpflichtend, und konsequenterweise erzeugt es auch nicht die geringste positive jiidische Aktion, sondern im günstigsten Falle lebt es sich aus in jener Abwehr, deren inneren Wert Hollaender selbst in Zweifel zieht. Wir glauben, daß nicht nur zionistische Hörer den Eindruck hatten, daß Hollaenders Standpunkt gegenüber dem von Blumenfeld unhaltbar ist Nicht wegen rhetorischer oder dialektischer Ueberiegenheit des einen oder anderen Redners, sondern einfach weil man fühlte: Hier sind nicht zu Ende gedachte Gedanken, ein Stehenbleiben auf halbem Wege, aus zum Teil respektablen und sicherlich erwägenswerten Gründen,* aber doch im Grunde eine tiefe innere Inkonsequenz; auf der anderen Seite aber ist der Entschluß, bis zum bitteren Ende zu gehen, aus den Gegebenheiten die Folgerungen za ziehen, einem unhaltbaren Zustand ein neues, vielleicht nur auf weitem und gefährlichem Wege zu erreichendes Ideal gegenüberzustellen. Der Zionismus ist der Wille zur aktiven Gestaltung jenes jüdischen Schicksals, das,“wie HoHaender selbst zugibt, den Juden gemeinsam ist, ob sie wollen oder nicht. Die objeictive Judenfrage, die Blumenfeld in unanfechtbarer und daher von HoHaender gar nicht ernsthaft bestrittener Formulierung darlegte, wirkt auslösend auf ein sub j ektlves Moment, nämlich den Entschluß zur Aenderung dieses jüdischen Lebens. Der Zionismus will damit ernst machen; er ist da Wagnis, das nur gelingen kann, wenn verschüttete Kräfte geweckt, wenn die äußersten Anstrengungen gemacht werden. Durch Proklamation von Gesinnungen kann die Existenz des Judentums sich heute nicht bewähren. Worauf es ankommt, ist ein Judentum der Tat. Mit diesen wenigen Bemerkungen, die einige Gedanken der Diskussion Blumenfeld — Hollaender hervorheben, ist natürlich noch lange nicht das Gesamtproblem erschöpft. Auch soll hier der weiteren Diskussion, die von der Volkshochschule geplant ist, nicht vorgegriffen werden. Es wäre zu wünschen, daß die Volkshochschule für die Veröffentlichung stenographischer Protokolle dieser Debatten-Abende sorgt. Man köftnte daraus mehr lernen als aus manchen einseitigen Parteibrevieren. Erfreulich ist, daß dieser Anfang gemacht wurde. Man darf vielleicht annehmen, daß nun auch in anderen Städten Deutschlands mit der mancherorts herrschenden Praxis, sich Diskussionen zu entziehen, ein Ende gemacht wird. Die Fragen gehen uns alle an, man kann ihnen nicht entfliehen, indem man vor der Wirklichkeit die Augen schließt. Ist erst die Not des heutigen Judentums richtig erkannt, dann muß ein neuer Versuch gemacht werden, gemeinsam in unvoreingenommener Weise einen Weg zu einer besseren Zukunft zu suchen. Erste Eindrücke aus der Assetath Hanidiwarim Von unserem palästinensischen Korrespondenten. , Der Bericht unsere! Korrespondenten über den ersten Teil der Auefaih Nixccharim wurde am vorigen Donnerstag abgesandt, bevor noch die großen Krawalle vor sich gingen, die mit dem Auszugder Revisionisten endeten. Dennoch glauben wir, daß insbesondere derjenige Teil des vorliegenden Berichtes, der sich mit der grundsälzliehen politischen Halbing der xrickligsten Parteien beschäftigt, auch jetzt noch Interesse verdient. Wir haben die Teile des Berichtet, die durch die inzwischen eingelaufenen Telegramme als überholt erscheinen, gestrichen. — Red. A. G., Jerusalem, 12. 2. 31. Noch keine Session der Assefath Niwcharim sah sich einer derartig erregten Atmosphäre gegenüber wie die erste jetzt auf Grund des Gemeindegesetzes gewählte Versammlung. Der Zionist des Galuth kennt die Neigung zu innerem Kampf und gegenseitigen Beschuldigungen, die für die letzte Periode innerhalb der Zionistischen Organisation charakteristisch ist Und dieser Ödst wirkt sich im Lande in besonderem Maße aus, wdl hier unmittelbare Interessen auf dem Spiele stehen. Dazu kommt noch, daß durch den letzten Wahlkampf die Leidenschaften bis zur Weißglut erhitzt und eine Verwirrung geschaffen wurde, die dner allgemeinen Steuerlosigkeit gleichkam. Unter diesen Umständen hat man der Assefath Haniwcharim mit großer Besorgnis entgegengesehen. Ihre Zusammensetzung, eine Majorität der Linken, die einer starken revisionistischen Minorität und kleinen zersplitterten Mittelgruppen gegenüberstand, mußte schwerste Bedenken gegen ihre Arbeitsfähigkeit wadirufen. Die Kampfesweise der Revisionisten hatte sich in den letzten Monaten zu dner wahren Orgie von Hetzerden, Beschuldigungen und Verieumdungen gegen Gruppen und Einzähe gösfagert CSe' Ofcf* fentlichkeit war somit auf das schlimmste vorbereitet, viele rechneten nicht nur mit scharfer Opposition, sondern mit offener Obstruktion. Diese Befürchtungen haben sich im ersten Teil der Session nicht erfüllt. Es herrschte freilich einige Erregung, es fehlte nicht an dauernden kldnen Plänkeleien, an Zwischenrufen voll Wut und Ironie, aber es kam bisher zu keinen Skandalszenen, zu keinen ernstlichen Störungen. Wie das Ende sein wird, ist freilich noch nicht vorauszusagen. Aeußerlich ist diese Session sehr viel beschddener als die früheren. Die Zahl‘der Delegierten wurde entsprechend dem neuen Gesetz von 201 auf 71 vermindert Und auch die Zahl der Gäste ist stark eingeschränkt, da die Eröffnung in einem relativ kleinen Saal, die übrigen Sitzungen im Büro des Waad Leumi stattfanden und damit technisch eine größere Ansatnm- Jung unmöglich gemacht wurde. Das Arbeitsprogramm jedoch, das diese Session zu bewältigen hat, ist so umfassend, daß sich keine der früheren Versammlungen damit vergleichen kann. Es soll die Organisation der Knesseth Jisrael geschaffen werden und damit an Instrument, das fähig ist, beträchtliche Teile der zionistischen Arbeit in eigene Regie zu übernehmen. Die Ueberabe der Verwaltung des Schul - und Sanitätswerkes er Agencyande'n Jischuw steht auf der Tagesordnung. Daneben erheben sich Forderungen auf eine Zusammenfassung der sozialen Institutionen im Rahmen des Waad Leumi. Bevor jedoch noch irgendeine dieser Fragen, die mit komplizierten finanziellen und organisatorischen Problemen Zusammenhängen, angepackt werden konnte, mußte man sich durch das Dickicht der aktuellen politischen Probleme durchwinden. Die beiden größten Fraktionen, die Arbeiter und die Revisionisten, hatten sich durch Konferenzen auf die Versammlung vorbereitet. Die Konferenz der Arbeiterpartei hat von neuem versucht, die politischen Fragen des Tages zu beleuchten und ist schließlich in zwei wesentlichen Punkten zu einem Beschluß gekommen. Sie hat die Stellung ihrer Vertreter zu den Verhandlungen in London bestätigt, die Partei ermächtigt, weiterhin sich den Verhandlungen zu widmen und dem Weizmannschen Vorschlag einer Round-Table-Konferenz zuzustimmen. Es wurde weiterhin gegen den ira Weißbuch vorgeschlagenen Gesetzgebenden Rat gestimmt und gegen ״jeden Vorschlag zur Einführung eines politischen Regimes, das die Herrschaft einer nationalen Gruppe über die andere oder eine Negierung des Rechtes des jüdischen Volkes auf die Errichtung seines Nationalheimes in Palästina einschließt“. Andererseits ״anerkennt die Konferenz die Notwendigkeit für die Reform des bestehenden politischen Regimes im Lande unter Zustimmung von Juden und Arabern auf der Grundlage der gleichmäßigen Beteiligung der jüdisehen und arabischen Vertreter gemeinsam mit der Mandatarmacht an der Regierung״. Diesen Beschlüsssen gegenüber erklärten die Revisionisten: völlige Ablehnung der Verbandlungen, völlige Ablehnung der Round-Table-Konferenz, völlige Ablehnung der Gesetzgebenden Versammlung. Man wußte also noch vor dem Zusammentritt der Assefath Haniwcharim über die Grundlinien der Politik in den beiden Hauptgruppen Bescheid. Das allgemeine Bild, daß das Referat der Arbeiterpartei und die Diskussion über die politischen Fragen lieferten, war freilich nicht eindeutig. Wenn man von den Revisionisten absieht, die als nicht verantwortliche Op- Position leichtes Spiel hatten, ist cs nicht einfach, eine Dennition der Taktik der anderen Gruppen zu geben. Sowohl bei Allgemeinen Zionisten wie beim Misrachi ist die Haltung widerspruchsvoll. Sie zeigen sehr deutlich, daß schon die Verteidigung der Londoner Verhandlungen durch die Arbeiterführer ihnen nicht recht ist. Was aber an Stelle dieser Ver- Handlungen treten und wie jetzt weiter gearbeitet werden soll, darüber konnte man aus den Reden dieser Gruppen nichts Rechtes entnehmen. In der Frage des Legislative Council, wie er von der englischen Regierung vorgeschlagen ist, zeigen alle Gruppen eine mehr oder weniger einheitliche Linie. Alle Redner der Versammlung, bis auf einige Linke, haben sich mit Heftigkeit gegen einen Legislative Council ausgesprochen und sich auf den scharfen ablehnenden Beschluß des Waad Leumi vom vorigen Jahre berufen. In dem von Arlosoroff erstatteten Referat blieb freilich dieser Punkt noch einigermaßen unklar. Hier wurde wohl darauf hingewiesen, daß das gegenwärtige Regime nicht ideal zu nennen sei und daß bestimmte konstitutionelle Aenderungen nötig und möglich wären. Aber der Vortrag enthielt keine Zustimmung oder Ahlehnung des Regierungsvorschlages, und erst später in der Diskussion haben sich andere Arbeiterführer energisch gegen den Regierungsvorschlag gestellt Im Schlußwort hat sieh Ariosoraff schließlich auf die — oben von uns zitierten — Beschlüsse der Partei berufen. Sie sind in der Tat eine Neuerung; denn hier wird zum ersten Male von jüdischer Seite in der Oeffentlichkeit ein Vorschlag für konstitutionelle Aenderungen gemacht, Ob er in dieser Form praktisch ausführbar ist und wie er sich in der Praxis auswirken würde, ist eine andere Frage. Die Revisionisten und die Mehrheit der andern Gruppen zeigen jedoch auch diesem Vorschlag gegenüber strikte Abneigung, Die Assefath Haniwcharim ist ein wichtiger Gradmesser für die Entwicklung der politischen Meinung im Lande seit den Unruhen. Bei einer Zusammenfassung der politischen Generaldebatte erhält man den Eindruck, daß sich relativ wenig ge - ändert hat. Man kann das am besten daraus sehen, daß die sogenannten ״Gemäßigten“, also vor allem Arbeiterführer wie Arlosoroff und Ben-Gurion, noch immer darum kämpfen, die Einsicht der Notwendigkeit einer Verständigung mit den Arabern zu wecken. Diese Redner halten es für nötig, wieder und wieder darüber aufzuklären, daß wir mit den Arabern für ewig in Palästina werden Zusammenleben müssen, daß nur auf friedlichem Wege etwas zu erreichen sei, daß es nicht anginge, Pauschalbeschuldigungen zu erheben, daß Verhandlungen noch nicht als ״Verrat^ zu werten seien und was dergleichen Argumente mehr sind. Das zeigt, daß es noch immer darum geht, einen psychologischen Zustand zu überwinden, den man als geistige Intransigenz bezeichnen könnte. In dieser Vor - arbeit bleibt alles stecken. Zu einer — wenn auch noch so großlinigen — Skizzierung einer arabischen Politik kommt es daher gar nicht. Und wenn manch einer bei dem Anhören dieser Reden sich darüber gewundert haben mag, daß sie noch nicht Binsenwahrheiten geworden sind, so lieferten Reden und Zwischenrufe aus der Mitte der Versammlung den Beweis dafür, daß solche Erklärungen und Ermahnungen durchaus nicht so antiquiert sjnd, wie sie vielleicht scheinen. Es handelt sich dabei nicht nur um die immer wieder bis zum Ueberdruß wiederholte Judenstaatsidee der Revisionisten. Es wimmelt von Formulierungen, wie ״kein Legislative Council, bcvor die Juden die Mehrheit im Lande haben“; ״die Araber sollen sämtliche Rechte der nationalen Autonomie genießen“ und was dergleichen Dinge mehr sind. Und auch von seiten der Arbeiterführer wurden keinerlei Vorschläge praktischer Art auf dem Gebiete der arabischen Politik gemacht, wenn man von der Anregung einer Round-Table-Konferenz absieht. Schmarja Levin In Deutschland Bereits vor einigen Wochen konnten wir in der ״Jüdischen Rundschau“ Schmarja Levin begrüßen, der sich damals auf der Durchreise von Rumänien nach London einige Tage in Berlin aufhielt Nach der Londoner A.-C-Sitzung hat Dr. Leviu eine Reihe von Vorträgen in der Tschechoslowakei gctujlteti und wurde dort, -wie .immer, -mit herzlichen Gefühlen und großer Begeisterung auf genommen. Nun ist Dr. Levin wieder nach Deutschland gekommen und hat sich hier in den Dienst der Keren Hajessod-Arbeit gestellt. Er wird in Berlin und mehreren anderen Städten Vorträge halten. Dem deutschen Judentum braucht man Schmarja Levin nicht!vorzustellen. Seine hinreißende Rednergabe, sein ursprüngliches jüdisches Temperament, sein ungeheures Wissen, seit! schlagender Witz und nicht zuletzt sein unerschütterlicher prophetischer Glaube an die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes in seiner alten Größe haben ihn zu einer Führergestalt von seltener Popularität gemacht. Schmarja Levin ist eine internationale jüdische Figur, in allen Weltteilen zu Hause, ein wirklicher Kenner des jüdischen Lebens, der selbst aus einem altjüdischen Milieu den Weg zur modernen Welt gefunden hat und so in seiner Person eine seltene Synthese darstellt, charakteristischer Ausdruck einer ganzen Epoche jüdischer Geschichte. Gerade jetzt ist durch ein literarisches Werk von großer Meisterschaft der Entwich- Ittngsgang Schmarja Levins einer größeren OeffentÜchkeit vertraut geworden: Seine Selbstbiographie, von der bisher zwei Bände in englischer und jiddischer Sprache vorliegen und die in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits eingehend gewürdigt wurde, offenbart nicht nur den Werdegang dieses Mannes, sondern gibt auch ein glänzendes Bild des jüdischen Lebens im Vorkriegs• Rußland und der Einwirkung des Zionismus auf das damalige Judentum. Die deutschen Zionisten freuen sich, Schmarja Levin, der jetzt in Palästina wohnt und dort an dem großartigen Kulturwerk des hebrä-!sehen Verlags ״Dwir“ führenden Anteil hat, wieder einmal in ihrer Mitte zu sehen. Es besteht kein Zweifel, daß er in allen Orten, die er besucht, ein willkommener, freudig Ih>- grüßter Gast sein wird. Keren Hajessod im Baltikum und in Ostgalizien Herr Dr. Jehuda Wilensky hat in den letzten drei Monaten die Arbeit für den Keren Hajessod in Litauen und in Lettland durchgeführt. In beiden Ländern war die Arbeit von gutem Erfolg begleitet. Trotz der schweren Wirtschaftliehen Krisis ist es namentlich in Litauen gelungen, die Gesamtsumme der vorjährigen Zeichnungen zu verdoppeln. Mit Hilfe des Herrn Dr. Wolff in Kowno, der sich auch sonst sehr aktiv an der Aktion beteiligt hat, gelang es Herrn Dr. Wilensky, das Keren Hajessod-Komitee zu bewegen, einen Vorschuß in Höhe von L. 1500 nach Jerusalem zu überweisen. Die Aktion wurde in steter Zusammenarbeit und starker Anteilnähme der Mitglieder der Keren Hajessod-Komitees in beiden Ländern geführt und erfreute sich der Unterstützung der allgemeinen und der jüdischen Presse. Die Mitarbeiter von Herrn Dr. Wilensky, die Herren Levanon und Taubmarut, setzen die Arbeit noch fort In diesen Tagen begibt sich Herr Dr. Wilensky nach Lemberg, um seine Tätigkeit für den Keren Hajessod in Ostgalizien fortzusetzen. Die Jerusalemer Tageszeitung ״Doar Hajom“ teilt am 15. Februar mit, daß die Verbindung der Redaktion mit der revisionistischen Partei zu bestehen aufgehört hat. An Stelle der Revisionisten übernimmt Ittamar Ben- Awi, der Sohn Ben Jehudas und früherer Herausgeber des Blattes, wieder die Redaktion.

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