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Jüdische Rundschau · 1931-02-20 · Heft 14 (20.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 14 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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•׳,'; ,״<־V/. Deutichiüdtschc und n&Honaljüdische Anschauung Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHA Er« cheint jeden Dienstag «.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldtnark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. AusUndssbonn«mfl>QCB würdet» üs der Währung der Lander berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareille*«!« 0.50 G.-M- SteQeoffesudbe 0.25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.lO. Telephon: J l Bismarck 7165-70. Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355. Belgrad 680 32, Brüssel 39433. Budapest 59603, Danzig 1973. Haag 140470, Prag 59410, Riga 4155, Stris^burg 16430, Warschau 190708. Wien 15*030, Bank - Konten: Darmstädter- und Nationalbaak, Depositen - Kaswa Berh.ru KuHiirs!end*mro 52; Banra de Es!, O.rnauti (Rumänien); Anglo Palesthic G-. in Haila, Jerusalem, Tel -Aviv, Nummer 14 | Berlin, 20.11.1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ג׳ אדר תרצ״א | xxxvi. Jafarg. Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina, ״Baseler Programm.“ Rko des MacUoiulil'BrlcIes Iid arabischen Lager Jerusalem, 16. Februar. (J. T. A.) In einem Gespräch mit dem Vertreter der J. T. A. hat der Sekretär der palästinensfsch-arabischen Exekutive Moghanan Effendi erklärt, durch das neue Statement der englischen Regierung über Palästina werde das Weißbuch annulliert. Die Regierungserklärung gebe, den Juden neue Rechte, wie z. B. den festen Anspruch auf Beteiligung an den in Palästina ausgefuhrten öffentlichen Arbeiten, ein Anspruch, der vorher nicht bestand. Das Statement zeigt, fuhr Moghanan Effendi fort, daß die britische Regierung nichts als ein Werkzeug in den Händen Dr. Weizmanns und der anderen europäischen Juden ist. Die in dem "neuen Statement gemachte Unterscheidüng zwischen landlosen und ״dislozierten“ Arabern, wobei erklärt wird, daß die Regierung nur jenen Arabern Ansiedlungshilfe gewähren wird, die nachweisen können, daß sie durch Uebergang ihres Bodens in jüdische Hände landlos geworden sind, bedeutet einen Raub an der arabischen Bauernschaft, die 75 ®/o der Bevölkerung Palästinas bildet. Die palästinensisch-arabische Exekutive, erklärte Moghanan Effendi am Schlüsse der Unterredung, wird in den nächsten Tagen ihre Antwort auf das neue Statement der englischen Regierung veröffentlichen. Jerusalem, 17. Februar. (J. T. A.) Die Palästinensisch- Arabische Exekutive hat um eine Audienz beim High Commissioner Sir John Chancellor angesucht, vermutlich zu dem Zwecke, um ihm einen formellen Protestgegendieneue Regierungserklärung zu überreichen. Wie die JTA. erfährt, beabsichtigen die arabischen Führer, bei der Regierung die Forderung zu erheben, daß als Aequivalent für die Anerken* nmig des Rechtes der jüdischen Organisationen, ausschließlich jüdische Arbeiter zu beschäftigen, das Recht der Araber, ausschließlich arabische Waren zu kaufen, anerkannt und damit der antijüdische Boykott legalisiert werde. Die arabische Presse Palästinas stimmt darin über- ( in, daß der neue Brief der englischen Regierung über die Palastina-PoBtik eine Bekrafigtag der ßalfonr-Dekiarafian, gegen die der Kampf von neuem eröffnet wttflen müsse, daritelS»! Stimmen der englischen Presse bas׳’l,ondoner Sonntagsblatt ״Sunday Observer“ befaßtgsich in einem Leitartikel mit dem Briefe MacDonalds an Dr. Weizmann und erklärt, durch dieses Schreiben sei ein unglückliches Mißverständnis in befriedigender Weise aus der Welt geschafft worden. Die Lösung der Frage mache dem Ministerpräsidenten ebensoviel Ehre, wie dem Vertreter der Zionisten. Dr. Weizmann erklärte, die Basis für eine Kooperation sei nunmehr wieder hergestellt. Mehr und besseres konnte von keiner Seite gewünscht werden. Was vernünftigerweise von jüdischer und arabischer Seite gefordert werden kann, läßt sich Die Juden und die politische Lage in Polen (Von unserem Berichterstatter.) —g. Warschau, 14. Februar. Die Budgetdebatte im polnischen Sejm wurde soeben leendet, das Budget verabschiedet und damit ist der erste Abschnitt der jüngsten Parlamentsgeschichte Polens abgeschlossen. Die Juden spielten dabei fast gar keine Rolle- und zwar nicht nur wegen ihrer unmerklichen Zahl, sondern auch infolge der spezifischen Verhältnisse, die den politischen Kampf fast hauptsächlich innerhalb der polnischen Parteien verlegen. Und doch verfolgte die jüdische Bevölkerung nicht ohne Interesse die Beratungen im Sejm, sich damit tröstend, daß vielleicht die eine oder die andere Gesetzesvorlage, diese oder jene Position des Budgets der schwerleidenden und doppelt geprüften Judenheit irgendeine Erleichterung bringen werde. Auch die winzigsten Hoffnungen sind zerronnen. Die Situation ist grausam wie vorher, und da sie keine Verbesserung erfährt, wird sie von Tag zu Tag schrecklicher. Im Sejm befinden sich zwei Gruppen jüdischer Abgeordnete. Das jüdische Kolo, zusammengeschrumpft infolge der bekannten Wahlmethoden, besteht aus 6 Mitgliedern, davon 4 aus Klein-, 2 aus Kongreßpolen. Die Führung hat also die kleinpolnische Gruppe inne, und zwar nicht nur wegen der von ihr erlangten Mehrheit, sondern auch aus politisch-taktischen Motiven. Man will keine Gejegenheit unausgenutzt lassen, um die nunmehr stark 1m Sattel sitzende Regierung, die über eine teste Majorität in beiden Kammern verfügt, von der Bereitwilligkeit der Repräsentanz, rein sachlich und realpolitisch in jedem Fall Stellung zu nehmen, zu überzeugen. Der alte Kampf zweier Richtungen im ״Kolo“, des streng oppositionellen des Abg. Griinbaum und der realpolitischen der kleinpolnischen Zionisten, existiert eigentlich weiter, ist aber jetzt naturgemäß nicht so scharf, zumal Abg. Grünbaum, fast alleinstehend, sich gewissermaßen von der parlamentarischen Arbeit zurückgezogen hat. Der Vorsitzende des jüdischen Kola, das nunwehr nur aus Allgemeinen Zionisten besteht, A,bg. Thon, hat im Rahmen der bestehenden Hausordnung (die Juden können fast keinen Vertreter in die Sejmausschüsse senden, ihre Redezeit ist auts Minimum beschränkt), alles darangesetzt, um der jüdischen Vertreterschaft doch Gehör zu 'erschaffen. Wenn wir nun die Rede des Kolo-Präses Dr. Thon in der Generaldebatte and die der Abgeordneten Rosmarin, auf dieser Basis verwirklichen. Die Lösung befriedigt uns in jeder Hinsicht. ״Manchester Guardian“ erklärt in seinem Artikel von Sonnabend, den 14. Februar, das Weißbuch müsse von nun an im Lichte des Briefes MacDonalds gelesen werden. Dieser Brief stelle z. B. bezüglich der kritischen Frage der Immigranten fest, daß ״in jedem , einzelnen Fall Arbeiteranforderungen berücksicbtigt werden sollen für solche Arbeiten, die von jüdischem oder hauptsächlich jüdischem Kapital abhängig sind und die nicht vorhanden wären, oder nicht unternommen worden wären, wenn nicht jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen würden“. Dieses Prinzip wird auch auf die öffentlichen Arbeiten ausgedehnt. Es ist zwar klar, schreibt ״Manchester Guardian“ weiter, daß zwischen dem Weißbuch und dem Briefe des Ministerpräsidenten kein absoluter Gegensatz besteht. Der Unterschied ist aber doch überraschend, während das Weißbuch Erwägungen Raum gibt, die auf eine Hemmung der Entwick- Jung des Jüdischen Nationalheims abzielen, sind die in dem Brief MacDonalds angestellten Ueberlegungen von einem Geiste des Wohlwollens gegenüber den Juden erfüllt. Das neue Dokument korrigiert das frühere nicht nur in den Fragen der Einwanderung, sondern auch in den Problemen des Bodenkaufs sowie der Stellung der Jewish Agency und der jüdischen Arbeiterorganisation. Die Haltung der Zionisten Amerikas New York, 17. Februar. (J. T. A.) Das Administrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hat am Montag, dem 16. Februar, zur neuen englischen Regierungserklärung Stellung genommen und nach längerer Debatte ein Komitee eingesetzt, das gemeinsam mit dem amerikanischen Komitee der Jewish Agency ein« Resolution über die Regierungserklärung ausarbeiten soll. Die Bedeutung des MacDonald-Briefes wurde verschieden beurteilt. Während der anwesende Ussischkin seine Unzufriedenheit mit der neuen Erklärung zum Ausdruck brachte und Jacob de Haas sowie Ab. T u 11 i n sich mit Entschiedenheit dagegen aussprachen, daß MacDonalds Brief als Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht - anerkannt werde, erklärten' Berl Locker, Rabbi ״Meir Berlin, 'Louis 'L i p s k y, Morris •R'othenbe'rg und" «K'Go'IÄerg, 'der RegfetüngsMef sei als bedeutender Erfolg zu werten. Andere Redner übten an Weizmann s.charfe Kritik und behaupteten, er hätte MacDonald gegenüber Kein Urteil über die Regierungserklärung abgeben dürfen, sondern dies dem Zionistenkongreß überlassen müssen. * Die hebräische Presse Palästinas befaßt sich ׳ausführlich mit der neuen Regierungserklärung. Im allgemeinen werden die Verbesserungen gegenüber dem Weißbuch gewürdigt, doch wird betont, daß erst der zweite Teil der Verbandtun gen zwischen Jewish Agency und Regierung den Wert der erreichten Konzessionen erweisen werde. Sommerstein und Rottenstreich in der Spezialdebatte lesen, finden wir dort dieselbe lange Liste der Beschwerden und Klagen der jüdischen Bevölkerung, die wir schon seit vielen Jahren, seit Beginn des neuen politischen Lebens in Polen, immerfort vernehmen. Also: allzu große Steuerbelastung, rigoroses Handhaben der Steuer- und anderer Gesetze gegenüber den Jaden, die Zwangssonnfagsruhe, der Boykott jüdischer Arbeit in den staatlichen und kommunalen Institutionen, die ctatistisclie judenfeindliche Politik der Regierung, die vollständige Ignorierung der jüdischen Postulate aut dem Gebiete des Schulwesens, keine Subsidien und keine Oeffentlichkeitsrechte für Schulen mit hebräischer oder jiddischer Unterrichtssprache, keine oder nur winzigste Beihilfe für jüdische Wohlfahrtsorganisationen, faktischer numertis clausus aut sämtlichen Hochschulen. Wir haben nur die wichtigsten Gradaninea aufgezählt, und die jüdischen Vertreter waren auch nicht in der Lage, in ihren Zehnminuteii-Reden die jammervolle Lage der jüdischen Bevölkerung genau zu schildern. Was hat sich also seit dem Maiumsturz für die Judenheit geändert? Welche Vorteile genießen wir von der starken Regierung? Es kommen keine Ausschreitungen vor, die Atmosphäre ist nicht vergiftet, der zoologische Antisemitismus ist von der Oberfläche verschwunden. Das ist so ziemlich alles. An konkreten Maßnahmen t ü r die jüdische Bevölkerung hat aber auch diese Regierung es bisher — trotz mancher Versprechen — fehlen lassen. Und gar manche Umstände scheinen Beweise dafür zu liefern, daß auch diese Regierung nicht gewillt oder nicht imstande ist, auch nur den geringsten Schritt zugunstcr der Juden zu tun. Wohlbemerkt: es handelt sich bei allen jüdisehen Postulaten um keine Gnadenakte, vielmehr um strikte Durchführung der bestehenden Verfassungsgesetzc, um Forderungen der Gerechtigkeit und des wohlverstandenen polnischen Staats Interesses. Dies wurde wiederholt von derselben Tribüne in verschiedenen Tonirten gesagt — ohne Erfolg. Kein ,Wunder also, daß die jüdische Vertretung gegen das Budget stimmte, nur fügte Abg. Thon eine Erklärung bei, dies bedeute keine prinzipielle Opposition gegen die Regierung, sei aber eine Folge der negativen Stellung der Regierung gegenüber den Lebensforderüngen des jüdischen Volkes in Polen. Die Berechtigung dieser Haltung des jüdisehen Kolo stellte sich bald heraus: sämtliche Vorschläge und Aenderungsanträge des jüdischen Klubs wurden von der Regierungsmehrheit, wie von jeder Regierungsmehrheit in den vorigen Parlamenten, abgewiesen, lieber das Auttreten der jüdischen Mitglieder des Regierungsblocks wird noch zu sprechen sein. Disputation Die Freie Jüdische Volkshochschule in Berlin muß zu dem verdienten Erfolg beglückwünscht werden, den sie sich durch die Veranstaltung sogenannter kontradiktorischer Abende errungen hat. Das Bedürfnis nach einer klärenden Aussprache über die das Judentum heute bewegenden Probleme abseits von der Arena des politisehen Tageskampfes ist längst fühlbar gewesen. Denn es geht um Fragen, die das Schicksal jedes Juden betreffen und von denen man sich nicht dadurch befreien kann, daß man ein bestimmtes Parteiprogramm akzeptiert und dann die verschiedenen Parteien in getrennten Lagern gegeneinander marschieren läßt. Diese Art der extremen Politisierung schafft einen unnatürlichen Zustand, weil die Dinge, um die es geht, allen gemeinsam sind und — so verschieden auch die Anschauungen darüber sein mögen — von allen gemeinsam bewältigt werden müssen. Der Zionismus hat das Prinzip der freien öffentlichen Diskussion in das moderne jüdische Leben hineingebracht, und er hat stets die geistige Auseinandersetzung im Judentum gesucht. In den letzten Jahren waren jedoch die Gelegenheiten hierzu gering, und man mußte mit Bedauern feststellen, daß sowohl Apathie als auch schroffe Parteigegnerschaft darauf hinwirkten, ein unbefangenes Sich-Aussprechen über die Grundfragen auszuschalten. Die Freie Jüdische Volkshochschule hat nun den günstigen Moment erfaßt, und das ungewöhnliehe Interesse des Publikums hat bewiesen, daß sie den richtigen Weg beschritten hat. Alle drei kontradiktorisehen Abende waren überfüllt, Anhänger beider Parteien haben wieder gelernt, den Gegner mit Respekt anzuhören, und wenn bei dem letzten Abend die kleine Gruppe der Extrem-Liberalen sich eine scheinbare Gelegenheit zum Krakchlen nicht entgehen ließ, so rückte erfreulicherweise die große Mehrheit ihrer Parteigenossen von ihnen ab und die Episode war schnell beendet Die drei Abende sind würdig und sachlich verlaufet! und der ״ •fl'11 risch nach einer Fortsetzung dieser Wfinstl'ftnngeit war allgemein. An dem ersten Abend standen einander Alfred Klee und der Führer der Liberalen,, Heinrich Stern, gegenüber in der Diskussion des Themas: ״Die Aufgaben einer jüdischen Großgemeinde“. Der zweite Abend war dem wichtigen Gegenstand ״Brauchen wir eine jüdische Schule?“ gewidmet; hier vertrat Dr.Kollen scher unseren Standpunkt, Dr. Breslauer den liberalen. Der letzte Abend schließlich brachte eine weitanschauliche Auseinandersetzung /.wischen National- Judentum und Deutsch-Judentum. Kurt Blumenfeld und der C.-V.-Direktor Dr. Holla ender waren die Wechselredner. An allen drei Abenden war es interessant zu beobachten, daß die den Zionismus bekämpfenden Redner wichtige Prinzipien akzeptierten, die wir als Prämissen zionistischer Anschauung ־zu betrachten gewohnt sind. So z. B. wenn Heinrich Stern, im Gegen* satz zu manchen Erscheinungen der liberalen Praxis, sich zu dem Gedanken von Klal Jisroel bekannte, oder wenn Dr. Hollaender unumwunden zu gab, es sei falsch, die Juden als bloße Religionsgemeinschaft za betrachten, sie seien vielmehr eine Abstammung.?- und Schicksa'sgcmeinschaff. Dreißig Jahre zionistischer Propaganda sind nicht vergebens gewesen. Es hat sich innerhalb der jüdischen Welt ein Gefühls- und Anschauungswandel vollzogen, der jenen Erkenntnissen, die am Anfang des Zionismus standen, zu danken ist. Wir sind weit entfernt davon, diesen Erfolg zu überschätzen. Denn obwohl gewisse Erkenntnisse •und Gefühle eine Voraussetzung für den Zionismus sind, so bleibt entscheidend doch der Wille 11 sentschluß, gestaltend in die jüdische Zukunft einztigreifen. Ohne diesen Entschluß, ohne die bewußte Uebernahme der Verantwortung für die künftige jüdische Geschichte bleiben auch richtige Erkenntnisse unfruchtbar und richtige Gefühle stehen in Gefahr, zu Sentimentalitäten oder zu Phrasen zu entarten. Es kommt darauf an, aus dem Erkannten Konsequenzen zu ziehen. Sonst bewegt sich das jüdische Leben in einer unverbindlichen Sphäre, in der keine Kontrolle durch die Bewährung möglich ist. Dr. Hollaender bekannte sich zu einem begeisterten Judentum, und es war für zionistische Hörer eine Genugtuung, daß der Primat des Judentums in dieser Diskussion von keiner Seite bestritten wurde. Aber wenn Hollaender dann versuchte, das Wesen seiner jüdischen Ideale, die weder religiös, noch national sind, zu definieren, bekam man bedenkliche Dinge zu hören. Da erlebten wir eine Wiederholung der alten Missionstheorie in einer ziemlich primitiven Form. Es hieß, Judentum sei die Verpflichtung, dem Gedanken־ der Einheit alles dessen, was Menschcnantlitz trägt zum Durchbruch zu verhelfen. Sich einselzen für die Ideale der Gerechtigkeit sei der Sinn der deutsch-jüdischen Gemein-

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