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Jüdische Rundschau · 1931-02-17 · Heft 13 (17.2.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 13 (17.2.1931)
Date
1931-02-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sdte S8 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Nr. 13» 1T.IUS3t Exodus der Revisionisten aus der Assefath Niwdiarim Sie verlangen Abbruch der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung- JerusaJem, 15. Februar (J. T. A.) Am Donners tag-, dem 12. Februar, beschäftigte sich die Assetatb Ni weh an ni mit einem Antrag der Arbeiterfraktion, die Frage der Teilnahme der palästinensischen Judenhejt an den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung dem neu m wählenden Waad teami zur Entscheidung 1 u überlassen. Dieser Antrag stieß auf den heftigen Widerstand der Revisionisten, die bereits in der Eröffnungssitzung der Assefath Niwcharitn die Erklärung abgegeben hatten, sie würden ihre Teilnahme an den Arbeiten der Nationalversammlung und ihren Eintritt in den neu zu wählenden Waad Leumi davon abhängig machen, welche Haltung die Nationalversammlung zur Frage der Ver- Handlungen der Jewish Agency mit der englischen Regierung einnehmen werde. Der Wortführer der Revisionisten in der Debatte, Dr. Wolfgang v. W c 1 s I, erkürte, die revisionistischen Abgeordneten, die zehntausend Wähler repräsentieren, hätten die Wahlkampagne unter der Losung ״Gegen das Weißbuch“ geführt Die V e r h andlungen mit der Regierung seien eine Schmach. Die Uebertragung der Entscheidung über die Frage der Teilnahme der palästinensischen Judenheit an diesen Verhandlungen an den Waad Leumi bedeute die mögliehe Billigung einer solchen Teilnahme. Namens des Misrachi stellte Rabbi Ostrowski zu der von der Arbeiterpartei eingebraehten Resolution den Zusatzantrag, daß eine Zustimmung des Waad Leumi zur Teilnahme eines Vertreters des Jischuw an den Regierungsverhandlungen nur mit Zweidrittel-Majoriti t gegeben werden dürfe. Der revisionistische Delegierte Weinstein richtete an die Versammlung den Appell, sich an den Regierungsverhandlungen nicht zu beteiligen, insbesondere im Hinblick darauf, daß durch die Erklärung MacDonalds im Unterhause der negative Erfolg dieser Verhandlungen bereits klar zutage getreten sei. Demgegenüber wies der Führer der Arbeiterfraktion, Ben Gurion, darauf hin, daß es für die Juden nicht möglich sei, sich In den Schmollwinkel zu stellen. Es sei Pflicht des Jischuw, an den Verhandlungen teilzunehmen. Die Arbeiterpartei sei bereit, die Entscheidung dem künftigen Waad Leumi zu überlassen, allerdings unter der Bedingung, daß sie mit einfacher Majorität getroffen wird. Dr. Mossinsohn und Frau Azarjahu bemühten sich vergeblich, zwischen Arbeiterpartei und Revisionisten zu verm i 11 e I n. Der Sprecher desMisrachi erklärte, seine Partei würde mit den Revisionisten stimmen. Die. Verhandlungen wurden spät abends unterbrochen und am Freitag, dem 13., 2 Uhr morgens, wieder aufgenommen. Um 6 Uhr morgens wurde der Antrag der Arbeiterpartei in namentlicher Abstimmung mit 37 gegen 29 Stimmen an gen o m m e n. Nach Verkündung des Abstimmungsresultates gab Dr. Weinschal namens der Revisionisten die Erklärung ab, die revisionistische Fraktion werde an den weiteren Beratungen der Assefath Niwcharim nicht teilnehmen. Die 16 Mitglieder der Fraktion verließen geschlossen den Berafungssaal. Rabbi Ostrowski gab namens des Misrachi, Elmaleh namens der Sephardim die Erklärung ab, daß sich diese Gruppen an dem neuen Waad Leumi nicht beteiligen und sich der Abstimmung über die noch auf der Tagesordnung stehen-, den Gegenstände, darunter über die Frage der Steuerein- Hebung zugunsten der Knesseth Jisrael, enthalten werden. Der Vorsitzende Dr, M ossinsohn unterbrach um 6 Uhr 30die Sitzung, um dem Präsidium der Nationaler- Sammlung die Möglichkeit zu geben, eine die Misrachisten und Sephardim befriedigende Formulierung des Beschlusses auszuarbeiten. Es kam schließlich ein Uebercinkommen zustande, wonach die Frage der Teilnahme des Jischuw an den Verbandhingen der Jewish Agency mit der britischen Regierung durch den Waad Leumi nur mit Zustimmung von mindestens zwei der drei kleinen Fraktionen (Allgemeine Zionisten, Misrachi und Sephardim) positiv entschieden werden darf. ’ Nach der Wiedereröffnung der Sitzung richtete Ben Z w 1 im Namen der Arbeiterpartei und Dr. M o s s i n s o h n im Namen der Allgemeinen Zionisten an die Misrachisten und Sephardim den Appell, in den Waad Leumi einzutreten. Ben Zwi erklärte, auch für die Revisionisten würden Sitze im neuen Waad Leumi reserviert werden. Die weiteren Gegenstände der Tagesordhung, Antrag bezüglich des Steuersystems der Knesseth Jisrael, der Organisation der jüdischen Gemeinden in Palästina und d*s Rabbinatsdienstes, wurden sodann reibungslos erledigt. ' Zur Frage der Einsetzung des Legislative Council für Palästina gab Ben Gurion der Versammlung bekannt, daß die Arbeiterpartei gegen die geplante Einsetzung eines . solchen Council sei und schlug vor, den Antrag der Permanenzkommissiop anzunehmen, der dahin geht, die Resolution des früheren Waad Leumi vom 23. Oktober 1030 neu zu bekräftigen. Die damals gefaßte und vom damaligen Präsidenten des Waad Eeumi, Pincfias Ruthenberg, dem High Commissioner, Sir John Chancellor, mit der Bitte um Weiterleitung an die Londoner Regierung überreichte Resolution lautet: ״Der Waad Leumi wird sich an dem in der Erklärung der britischen Regierung vorgesehenen Legislative Council nicht beteiligen und verweigert jeder parlamentarischen Institution, die darauf abzielt, der Errichtung des Jüdischen Nationalheims Hindernisse in den Weg nt legen, seine Anerkennung.“ Bei den zum Schluß der Tagung vorgenommenen Wahlen zum Waad Leumi wurden 11 Mitglieder der Arbeiterpartei, 4 Sephardim, 3 _ Misrachisten, 3 Vertreter der Allgemeinen Zionisten, 1 Jemenit und eine Vertreterin der Frauenpartei gewählt Es stehen somit 11 Arbeitervertretern 12 Vertreter der anderen Parteien gegenüber. Fünf Sitze wurden außerdem den Reylslonisten reserviert. Nach einer fast 16 ständigen Sitzung wurde um 10 Uhr morgens die erste gesetzlich anerkannte jüdische Natiopalversammlung in Palästina geschlossen. Ungeachtet ihrer völligen Er- Schöpfung stimmten die Delegiertet! die Hatikwah an. * Ueber die vorhergehenden Sitzungen entnehmen wir den Berichten noch folgendes: An ein Referat von Rabbi Ostrowski über die Be- Ziehungen zwischen Waad Leumi und rabbinkchem Rat knüpfte sich eine siebenstündige, zeitweilig stürmisch verlaufene Debatte, in der die Misrachisten die Forderung aufstellten, daß der Waad Leumi gegen alle Vorgänge im jüdischen Leben, durch die religiöse Empfindungen verletzt werden können, Stellung nehmen soll. Die Arbeitervertreter aller Richtungen, sowie die Delegierten der Frauenpartei traten dem gegenüber für uneingeschränkte Gewissensfreiheit ein, wahrend die Revisionisten eine vermittelnde Haltung einnahmen. •r Ejijähu Berlin erstattete ein Referat über das Budget und die Gemeindesteuern. Auf Grund eines WaJjlprotestes der Revislonisfen wurde den Allgemeinen Zionisten .das fünfte Mandat abgesprochen, während den Revisionisten ein 16. Mandat zu״ ' esproehen wurde. Infolgedessen scheidet David Yellin aus er Assefath Niwcharim aus. An seine Stelle tritt der Revisloölst Gepstcin. Während der Abendritzwng vom Mittwoch, dem lt. Februar, traf das Telegramm der JTA mit der Nachricht von der Erklärung MacDonalds im Unterhaus ein. Die Mitglieder der revisionistischen Fraktion verlangten unter stürmischen Zurufen sofortige Unterbrechung der Debatte und Stellungnahme zur Erklärung des Ministerpräsidenten. Rabbi Ostrowski, der den Vorsitz führte, lehnte eine Unterbrechung der Debatte ab, erklärte sich jedoch bereit, das Telegramm zu verlesen. Die Verlesung halte indessen nicht die von den Revisionisten offenbar erwartete sensationelle Wirkug. Die Assefath setzte unbeirrt ihre Beratungen auf Grund der festgesetzten Tagesordnung fort Die Debatte bewegte sich um die in der Vormitta^ssitzung erstatteten Vorschläge auf Uebernahme der Verwaltung des Gesundheit*- und Ertlehungswesens durch den Waad Leumi. Dr. Abraham Katzenelson hatte beantragt, alle sanitären Institutionen der Jewish Agency an die Knesseth Israel zu übertragen. Die Finanzierung der Spitäler und übrigen Institutionen des Gesundheitswesens solle in Zukunft durch die Hadassah und den Jischuw gemeinsam erfolgen. Berl Katzenelson hatte den Antrag gesteift, die Uebertragung des h e b r i i - sehen S e h u I w e r k s an den Jischuw innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren vorzunehmen, während die Revisionisten dafür eintraten, daß die Finanzierung sowohl des Gesundheitswie des Erziehungswesens der Regierung überlassen werden soll. Die Debatte über das Erziehungswesen erreichte ihren emotionellen und ideologischen Höhepunkt in den Reden Dr., Benzion Mossinsons und Salman Rubaschows Am 12. Februar hat eine Delegation der Assefath Haniwcharim beim High Commissioner vorgesprochen und ihm nachstehende Resolution überreicht: ״Die Jüdische Nationalvemmmlung für Palästina protestiert dagegen, daß dem Mitglied der Assefath Haniwcharim Wladimir Jabotinsky die Einreise nach Palästina verweigert wird, obwohl er im Besitze eines Rückreisevisums ist Die Palästina-Regierung wird aufgefordert, ihren Beschluß, Jabotinsky vom Lande fernzuhalten, zu revidieren und es ihm zu ermöglichen, seinen Platz als Mitglied der gewählten Nationalversammlung einzunehmen." Die Keren Hajessod-Aktton in Polen Kurt Blumenfeld in Wesfgalizien Von unserem Berichterstatter. -~g. Warschau, 9. Februar. Unter den schwierigsten Verhältnissen, vor allem Wirtschaftlicher Natur, wird die Arbeit für den Keren Hajessod in Polen mit großer Intensität und sichtbaren Erfolgen fortgesetzt In Wesfgalizien wurde die diesjährige Kampagne durch Kurt Biumenfeld eingeleitet und während seines zwölftägigen Aufenthaltes in Krakau unter seiner bewährten Leitung glänzend durchgeführt Kaum jemand war so geeignet, gerade in diesem Augenblick und in diesem Teile Polens an die Spitze der Keren Hajessod-Aktion zu treten, wie Blumenfeld. Die Zionisten Westgaliziens und die dortige Judenheit haben tiefes Verstandnis für ernste, geistige Erfassung der jüdischen Probleme, und nur eine sachlich gut fundierte Propaganda kann hier überzeugend und erfolgreich wirken. Hier gilt es weniger ans Pflichtbewußtsein bloß zu appellieren, als scharf die Lage des Judentums und Palästinas Zionisten und Nichtzlonisten darzulegen. Biuiüenfeld besitzt einzig aD die Eigenschaften, und so war es ein ausgezeichneter Senritt seitens des Direktoriums des Keren Hajessod, daß es Blumenfeld bewog, sich für einige Zeit auch auf diesem Abschnitte zur Verfügung zu stellen, und wir glauben, daß Blumenfeld ebenfalls mit seinem Aufenthalte und seinen Erfahrungen hier zufrieden sein wird Der überaus herzliche Empfang, das fiefe Echo, das seine Ausführungen überall fanden und die eifrige Werbe- und Sammelarbeif, die noch fortgesetzt werden, berechtigen zu dieser Annahme, Während der zwei Tage war Biumenfeld unermüdlich und ohne Ruhepause tätig. Er sprach in Krakau im großen Theatersaal, in der Bne Brith-Loge, in JugendversammTimgen, hielt mehrere Beratungen mit den Sammlern und Zeichnern ab, hielt einen sehr instruktiven Vortrag vor den Vertretern der Krakauer Presse, die vollzählig erschienen war, reiste für einen Tag nach Bielitz, wo ihm ebenfalls ein ungemein herzlicher Empfang bereitet wurde. Biumenfeld verstand es auch hier, neue, ernste Freunde der Palästinasache zuzuführen, die bisherigen Kreise der Nichtzionisten nochmals in ihren Anschauungen und ihrem Glauben an die Richtigkeit der Palästinaidee zu stärken. Für die zio• nlstische Gemeinschaft aller Schattierungen wirkte Blumenfelds Aufenthalt sehr belebend. Neue Gedanken und die klare Beleuchtung unserer Situation, wie sie Biumenfeld gab, werden fruchtbringend sein für die weitere zionistische Arbeit In Westgalizien. # Leib I 8 f f e, welcher seit zwei Monaten in Polen wellt und von dessen Tätigkeit hier schon ausführlich berichtet wurde, kann bereits auf schöne Erfolge binweisen. Jaffe hat sich diesmal auf die Hauptstadt Warschau zumeist konzentriert, und zwar mit Recht Leben doch in Warschau über 300000 Juden, von denen bisher leider nur ein geringer Bruchteil vom Keren Hajessod erfaßt wurde. Die Bedingungen in der Großstadt sind an und für sich sehr kompliziert, im jüdischen Warschau aber ׳ noch schwieriger als wo anders. Leib Jaffe pochte aber immer dort an, wo es für andere am schwierigsten ist und dank seiner berühmten Zähigkeit und eiserner Energie gelingt es ihm auch, die stärkste Wand zu durchbrechen. So auch In Warschau. Die bisherige Zahl der Zeichner in Warschau wurde bereits um vieles überschritten. An Bareingängen für den Keren Hajessod schlug der letzte Monat den Rekord, und es wurden solide Fundamente gelegt für eine weitere fruchtbare Tätigkeit des Keren Hajessod in den Kreisen, an die man bisher noch nie herantrat Leib Jaffe hält natürlich die gesamte Reichsaktion fest in seinen Händen und versäumt keine Gelegenheit, um persönlieh auch außerhalb Warschaus mitzuwirken. So hat Jaffe den Drive in Lodz und in Wloclawek ermutigend und verheißungsvoll eingeleitet und hat in Lemberg an der Tagung der dortigen Keren Hajessod-Konferenz sehr aktiv, teilgenommen. Jaffe hat hier viele bereitwillige Helfer gefunden, aber weit nicht in dem Maße, wie der Emst der Situation es verlangt Der Hauptteil der Arbeit lastet auf den Schultern des unermüdlichen Leib Jaffe. * % Polens bisheriger Generalkonsul in Jerusalem, Zbvszewskl, sprach in einer warschauer Kundgebung für den Keren Hajessod, gab eine faszinierende Schilderung der jüdischen Leistungen in Palästina, forderte die Anwesenden auf, durch werktätige Unterstützung den Aufbau des jüdischen Palästina zu fördern und ging durch Zeichnung eines namhaften Betrages und sofortige Erlegung einer Anzahlung auf diese Ze ichnung mit gutem Beispiel voraus. Generalkonsul Zbysziwski war in der Ver- Sammlung Gegenstand herzlicher Ovation, Striddands Vorschläge Wir haben bereits mehrfach erwähnt, daß der von der Palästina-Regierung berufene Sachverständige »Strickland, Be* amter des indischen Zivildienstes, in seinem Bericht eine Reihe von Vorschlägen bezüglich der Verbesserung der Lage in der Landwirtschaft in Palästina gemacht hat Wir geben nachstehend einen charakteristischen Ab■ schnitt seines Berichtes wieder. Strickland schlägt vor, daß die Regierung einen Darlehens-Fonds schalft, der yon einem kleinen Komitee von Regierungsbeamten verwaltet wird. Ueber die Art der Verwendung dieses Fonds heißt es: ״Zunächst ist es unnötig, jüdische Kreditnehmer, die ge* nügende Sicherheit bieten, derselben peinlichen Kontrolle m unterziehen, wie Araber, die als Gemeinschaft weniger vorsichtig zu sein pflegen. Ich würde daher der jüdischen Gemeinschaft anbieten, daß, wenn sie die Ausgabe langfristiger Pfandbriefe entweder durch eine speziell von Juden begründete Hypothekenbank oder durch ein Konsortium der bereits mit langfristigen Agrarkrediten beschäftigten jüdischen Institutionen (Zentralbank der Kocne• rativen, Paiestine Corporation, Paiestine Mortgage and Credit- Bank, vielleicht Angfo Paiestine Company) ermöglicht, däe Regierung Pfandbriefe in der gleichen Höhe übernimmt wie jeweils an andere Personen oder Körperschaften verkauft werden, mit einer Höchstgrenze, die zunächst ebenfalls mit 230000 Pfund festgesetzt werden soll. Der Lauf der Pfandbriefe soll 23 Jahre sein, und es soll kein Versprechen gegeben werden, daß die Regierung. nach Ablauf dieser Frist weitere Pfandbriefe übernehmen will. Bis zu dieser Zeit soU die Bank schon auf eigenen Füßen stehen können. Die Re- Geschäfte der "Bank nach Meinung der Regierung zu große finanzielle Risikos einschließen, dann soll die Regierung be* rechtigt sein, ihr Kapital in fünf Jahresraten von 50000 Pfund zurückzuziehen. Dabei wäre zu bestimmen, daß dies« Recht während der ersten fünf Jahre der Existenz der Bank nicht ausgeübt werden kann und daß zwei Jahre vor Fälligkeit der ewfen Jtate das Kapital gekündigt werden muß. Eine derartige Vereinbarung würde der jüdischen Gemein- Schaft, die mit Hypothekarfragen vertraut ist und mit Erfolg eine Anzahl ähnlicher Transaktionen in den jüdischen Sied״ 1 ungen durchgeführt hat, die Freiheit lassen, sich nach ihren eigenen Richtlinien zu entwickeln und weiteres Kapital von den ihr nahestehenden Kreisen in der ganzen Welt heranzuziehen. Wenn die jüdische Gemeinschaft diesen Vorschlag nicht annimmt, dann mag es notwendig sein, mit jüdischen Reflektanten auch direkt von dem Darlehens-Fonds der Regierung aus sich zu befassen, aber der für Darlehen an Juden verfügbare Betrag wäre dann geringer, weil keine privaten Geldmittel hinzukämen, und außerdem würde von Zeit zu Zeit das Vorgehen der Regierungsstellen zu Reibungen führen. Der Rest des Fonds aber, ob er nun für Araber allein oder (im Falle des Fehlschlagens der Gründung der jüdischen Hypothekenbank) auch für Juden bestimmt ist, sollte der Entwicklung bewässerten oder bewässerbaren Bodensinden Ebenen gewidmet sein. Es wäre möglich, wenn man es aus allgemeinen Gründen für ratsam hält, ein Dorf oder eine Gruppe von Dörfern als Ganzes zu entwickeln. Man sagt, daß in etwa 200 Dörfern mit einem Gesamtbesitz von etwa 3y» Millionen Dunam in der Küstenebene insgesamt 300 000 Dunam bewässerbar und für Orangenpflanzung geeignet sind. Die Ziffern sind nicht genau, da infolge Fehlens einer genauen Landaufnahme und einer d :taillierten Wasserübersicht nicht sicher ist, wieviel Boden wirklich für Orangen geeignet ist, wieviel für andere Früchte und wieviel bewlssefjär jst, Die Kosten der Entwicklung eines Dujiama״ Orangenpflanzung wird mit etwa 100 Pfund angesetzt, wäh• rend für einen Araber, der mehr Eigenarbeif verwendet, kein neues Haus braucht und gewöhnlich von dem Ertrag andern Bodens leben kann, bis die Pflanzung Früchte trlgt, die Kosten etwa 40 oder 53 Pfund betragen. Ich will hier in die Einzelheiten eines solchen Planes nicht eingehen. Aber im ganzen großen läßt sich sehr viel dafür sagen, daß der Fellache ermutigt werden soll, einen Teil seines bewässerbaren Bodens durch Vermlttlung des Komitees des Darlehens-Fonds zu verkaufen und aus dem Erlös die berechtigten Ansprüche seiner Gläubiger zu befriedigen, sodann den Rest seines bewässerbaren Bodens mit dem ihm noch bleibenden Ueberschuß, bzw. mit dem hinzutretenden Geld aus dem Darlehens-Fonds zu entwickeln. Wenn aber ein derartiger Oesamtplan nicht gebilligt #v{rd, dann können Darlehen an einzelne Bewerber zur Entwicklung auf dem üb'iche.n Wege verteilt werden, aber erstens kann ein« Vorkehrung für Be- Wässerungen off nicht für einzelne Individuen gemacht werden und zweitens wird eine Neuverteilung des Bodenbesitzes not» wendig sein, um Vergeudung von Wasser zu vermeiden und drittens wird der Betrag der Schulden, der zur Befriedigung der alten Gläubiger, sowie für die Entwicklung erforderlich ist, manche der Darlehens-Nehmer übermäßig be* lasten. Die Gesamtverzinsung des größeren Schuldbetrages soll mit Rücksicht auf den niedrigeren Prozentsatz, den d«׳ Fonds berechnet, nicht den Betrag übersteigen, den der Fel* lache früher seinen Gläubigem als Zins für ein geringeres Darlehen zu zahlen hatte. Aber er wird von jetzt ab pünktlich und voll zahlen müssen, was er früher nicht tat Er wird infolgedessen vielleicht zum Verkauf gezwungen sein, bzw. sein Anwesen wird ihm verkauft werden, bevor der Boden ihm Ertrag bringt, und so wird er schließlich schlimmer daran sein als zuvor. Wenn er ein Mitglied einer Kooper«■ tive ist, wird auch diese unter dem Zwangverkauf leiden. Oder aber könnte der Fellache, wenn er Aussicht auf Wohlstand hat, beginnen, Geld freier auszugeben und weniger an der Gesellschaft, von der er bisher abhängig war, Interessiert sein. Er wird ein weniger brauchbares Mitglied sein״ und wenn er genug unklug ist, um sich Verlegenheiten bereiten zu lassen, könnte er sein ganzes Anwesen ve־kaufen und verschwinden, so daß die Gesellschaft außerstande wäre, ihre Forderung einzutreiben. Daher ist es von jedem Gesichtspunkt aus wesentlich, daß, ob es sich nun um Ein-elsTiuldntr oder um ein größeres Entwicklungsprojekt handelt, die Verwendung des Oeldes von dem Landwirtschafts-Deoarte.meht überwacht wird, und es scheint vorzuziehen, da3 er seine Schulden, wenn sie beträchtlich sind, zuerst durch Abgabe eines Teiles seines Bodens begleicht." Die Ausgrabungen in Ramath-Rachel- Die Ausgrabungen auf dem Boden der Odud-Siedlung in Rararth Rachel bei Talpioth (Jerusalem) sind, nachdem die Regierung der ״Jüdisehen Gesellschaft für die Erforschung Palästinas" aie Erlaubnis zu weiteren Ausgrabungen gegeben, hat, fortgesetzt worden und haben bereits jetzt interessante Ergebnisse erbracht Außer den Urnen, die zur Aufbewahrung der Gebeine dienten, sind eine Reihe von Gräbern entdeckt worden, in denen Krüge, Oellampen und Bronze ge rite lagen. In etnir neu aüfgefundenen Höhle neben den Gräbern wurde eine Urne gefunden, die in ihren Maßen die größte darstellt, die bisher m Palästina bekannt geworden ist. Die in der Höhle gefuijr denen Gegenstände, darunter eine Marmorfafel, fragen Interessante ZSchnungen und Inschriften.

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