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Jüdische Rundschau · 1931-02-13 · Heft 12 (13.2.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 12 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 78 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 13. H 1931 Karl Blomenleld In Bfelifz Aus Bielitz (Polnisch-Schlesien) wird uns geschrieben: Nach einer erfolgreichen Keren Hajessod-Aktion m Krakau kam Kurt Blumenfdd, der Vorsitzende der Z. V. f. D., auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe ״Haschachar“ nach Bielitz. Im Großen Schießhaussaale sprach er am Donnerstag, den 5. Februar, vor 1000 Personen über ״England, Palästina und das jüdische Volk“. Blumenfeld teilte sein Referat in zwei Teile; im ersten — längeren — befaßte er sich mit der außenpolitischen läge des Zionismus. Er zeigte den Weg, den eine nonistische Realpolitik zu gehen habe und setzte sich in scharfer, immer aber sachlich und unpersönlich bleibender Weise mit den vom Revisionismus vertretenen Anschauungen auseinander. Seine überzeugenden Worte verfehlten nicht ihre Wirkung, besonders aut die anwesenden Nichtzionisten, bei denen eine wenige Wochen vc ' ' .. ..... FREIE TRIBÜNE zweiten Teil seines Referats stellte Bluijtenfeld auf dem Hintergrund der Weltwirtschaftslage Situation und Entwicklung des jüdischen Volkes dar, das durch die Entwicklung von Wirtschaff und Politik im zwanzigsten Jahrhundert einer Katastrophe tntgegengetrieben werde. Dem Palästina-Aufbau gegenüber, der uns zu einer Volkseinheit mit verpflichtender Wirinmg gemacht hat, erscheint die heutige Assimilation überlebt und widersinnig. — Nach dem Vortrage fand im Festsaal der Kultusgemeinde ein vom Keren Hajessod-Koraitee veranstalteter Empfang statt, an dem auch führende Nichtzionisten teilnahmen. Mit Befriedigung konnte hier dem Bericht des Komitees entnommen werden, daß die Arbeit für den Keren Hassefod trotz der schweren Wirtschaftslage sich auf derselben Höhe wie in den vorhergehenden Jahren hält — Der Eindruck von Blumenfelds Besuch — er war zum ersten Mal nach dem Krieg in Bielitz — ist ein tiefer und äußerst nachhaltiger. Er trug in hervomragendem Maße zur Klärung vieler innerzionistischer, ideologisch er und politischer Fragen bei und gab der Arbeit für unsere Fonds neue, kräftige Impulse. —um. ״Zionismus In der L0H“ Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht ״Haaretz“ am 2. Februar einen Leitartikel, der sich mit der unter revisionistischer Aegide in Polen durchgeführten Geldsammlung zum Erwerb von 5 Flugzeugen beschäftigt, die dem palästinensischen ״Brith-Trumpeldor“ geschenkt werden sollen. Man konnte, so führt der Artikel aus, bisher glauben, daß es sich bei der ganzen Nachricht um einen schlechten Witz handele, nachdem aber die neuerdings ln Warschau publizierte Monatsschrift ״Keren Tel-Chaj“ Artikel und Bilder über diese projektierte Luftflotte bringt, kann man sich nicht länger der Erkenntnis verschließen, daß die Urheber dieses Gedankens es ernst meinen. Während also bisher der Zionismus glaubte, es fehle ihm an Boden unter den Füßen, scheint man uns jetzt lehren zu wollen, daß wir vor allem die Luft erobern müssen. In dem Artikel der genannten Monatsschrift wird In diesem Sinne ausgeführt, daß ein Kulturvolk, das nicht an der Eroberung der Luft teilnehme, dieses Namens nicht würdig sei und daß auch die Juden den ihnen gebührenden Platz bei dem Wettkampf um die Herrschaft in der Luft einnehmen müssen. Sind diese Vorgänge an sich schon besorgniserregend, so ist es noch viel erstaunlicher, daß cs erwachsene Menschen gibt, die offenbar nicht verstehen, daß Palästina in diesem Augenblick andere Dinge nötig hat als diesen Purimscherz. Wie konnten Minner wie Dr. Gottlieb oder Levin-Epstein nicht verstehen, daß durch eine solche Propaganda der gan ze Geist der zionistischen Bewegung verfälscht wird. Vielleicht hätte man über die ganze Angelegenheit mit Stillschweigen hinweggehen können, wenn nicht die polnischen Revisionisten betont hätten, daß es sich um ein Geschenk für den palästinensischen Jischuw handele. Und deshalb muß im Namen dieses Jischuw erklärt werden, daß das jüdische Palästina an diesen Flugzeugen, die, wie die Bilder zeigen, den Namen Jabotinskys tragen sollen, keinerlei Interesse hat und sie nicht braucht. Der palästinensische Jischuw verlangt von der Galuth aktive Teilnahme am Aufbau des Jüdischen Nationalheimes und nicht diesen neuen Zionismus in der Luft. Dar Leidensweg der polnischen Juden Im polnischen Sejm wurde in den letzten Tagen das Jahres• budget der polnischen Republik beraten, und die jüdischen Abgeordneten benutzten diese Gelegenheit, um die Forderungen und Klagen der Juden vorzubringen. Allerdings wurde den jüdisehen Vertretern, den Abgeordneten Dr. Thon und Dr. Rosmarin, insgesamt eine Redezeit von 20 Minuten gewährt. Dr. Thon und Dr. Rosmarin mußten sich also aut die Abgabe von Erklärungen beschränken, in denen nur die hervorstechendsten Ungerechtigkeiten der Regierungspraxis und Verwaltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung aufgezählt werden konnten. Hauptgewicht legte Dr. Thon auf das Wirtschaftsleben der polnischen Juden, das durch antijüdische Steuerpraxis, durch Fernhaltung von Juden von ajlen staatlichen Stel■ hingen und Beschäftigungen bis zum Unerträglichen verschlim■ mert wird. Dr. Thon forderte die Müderung der Zwangs-Sonn* tagsruhe, eine den jüdischen Bedürfnissen entsprechende Orgamsicrung der jüdischen Gemeinden, die Unterstützung des jüdischeu Schulwesens und eine gerechte Subventionierung der jüdisch-religiösen Zwecke, Abgeordneter Dr. Rosmarin beklagte sich insbesondere über die Benachteiligung der Juden bei öffentlichen Arbeiten. Der jüdische Ruf nach Arbeit bleibt ungehört, und nicht das geringste wird unternommen, um den durch das Monopolsystem der Regierung aus ihren Beschäf• tigungen hinausgedrängten Zehntausenden von Juden anderwärts Arbeit zu verschaffen. Ungleich den polnischen sozialen Institutionen werden die jüdischen von der Regierung in keiner Weise gefördert. Auf die Erklärung Dr. Thons reagierte ein Abgeordneter der Regierungspartei mit den Worten: ״Auf diese Weise werden Sie nicht viel erreichen.“ Auf die Erklärung Dr. Rosmarins antwortete Arbeitsminister Hu bick i mit einem Loblied auf die Tätigkeit der jüdischen sozialen Institutionen, behauptete, daß die Regierung keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden mache, konnte aber diese Behauptung durch Anführung von Tatsachen nicht bekräftigen. Außer den beiden zionistischen Abgeordneten sprach auch der Agudah- Führer Rabbi L e w i n, der insbesondere gegen die Zwangs- Sonntagsruhe, welche auf den orthodoxen jüdischen Kreisen schwer lastet, protestierte. Harakiri als Methode der Wahl Von Dr. Irvin Fisher, Dortmund. Den heißen Atem der Hundstage, an denen die Seeschlange bei Indien gesichtet zu werden pflegt und andere Abstrusitäten das aufgeweichte Gemüt des Zeitungslesers schrecken, glaubt man plötzlich beim Lesen des Artikels von Dr. Schereschewski ״Revisionistische Exekutive“ (״J. R.“, Nr. 4) zu spüren. Um gleich den gröbsten Mißverständnissen die Spitze abzubrechen: dieses״Saure-Gurken“-Zeitgefühl wird nicht durch den Schrei nach einer revisionistischen Exekutive heraufbeschworen — von einem Jabotinsky-Anhänger strengster Obvanz oder sonst einem urwüchsigen Oppositionellen läßt nun 1 dergleichen gefallen —, sondern allein Herkunft und Begründung de* Vorschlags lassen einen an der Jahreszeit inewerden. Aufrichtige Bewunderung verdient der Heroismus, mit dem Dr. Sch. sich selbst bekämpft und eigene politische Zielwünsche k. o. schlägt; weniger bewunderungswürdig als okkultunheimlich wirkt der Glauben, den Dr. Sch. in die Anpassungsfähigkeit der revisionistischen Führer setzt & wäre leicht, rieh kurz zu fassen und mit Hinweis auf die absurde Begründüng, nach der die präsumptive revisionistische Exekutive eine Politik gegen ihre bisherigen Grundsätze treiben soll, sich zu begnügen, jedoch erscheint mir die ganze Fragestellung trotz Wutschaftsmisere und Kongreßverschiebung eurer Diskussion wert Indem Dr. Sch. von der Annahme ausgeht, daß die letztliehe Entwicklung in der zionistischen Politik eine starke Opposition gegen die bisherige Leitung hervorgerufen hat, bringt er mit kühnem Bilanzstrich die oppositionellen Unzufriedenen auf den Generalnenner ״Revisionismus“. Selbstverständlich wird er dabei nicht die kleinen klar erkenntlichen Gruppen wie Brith Schalotn u, a. einbeztehen, aber das große Fragezeichen jeder Wahl, die. parteilich nicht festgelegte rüdes indigestaque moles subsummiert er unter erwähntem Posten. Diese Gleichmacherei aller unzufriedenen Elemente entbehrt jeder gesicherten Unterlage und baut nur auf vagen Vermutungen und selbsttäuschendem Einfühlungsvermögen auf. Als nebensächliche Voraussetzung hätte man es als übertrieben, tollkühn hinnehmen können, aber als Grund- und Eckstein des ganzen Gedankengangs muß man diese Unterstellung energisch bekämpfen, und zwar um so energischer, als sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr in sich birgt. Wir wissen, daß der Zionismus schwere Zeiten durchmacht und daß die allgemeine Unzufriedenheit berechtigt ist. Da besonders in solchen Situationen die Gemüter leicht Suggestionen unterliegen und viertel und halbe Wahrheiten schnell zu ganzen aufgewertet werden, erwächst die größere Verantwortung, tunlichst alles zu vermeiden, was verwirrende Gefühle unterstützt und primitive Reaktionen auslöst. Dr. Sch. Ist auf dem besten Wege, eine ihm nicht genehme Situation erst zu schaffen, indem er sie ais wahr unterstellt Schwankende Gemüter genießen dann den Vorteil, ״feststehenden, auch von Gegnern anerkannten Tatsachen“ Rechnung zu tragen, und die Massen- Suggestion der ״gesicherten Onie“ bringt die Lawine ins Rollen. Man soll die Lage erst etwas genauer prüfen, bevor man besonders hellhörig der Masse Meinungen einimpft und daraufhin den Ast der eigenen Position absagt. Nicht jeder scharfe Kritiker der Leitung singt im Chor des revisionistischen Rufes im Streit mit. Araberfrage, Prager Gewerkschaftsbeschlösse und auch noch einige andere klitzekleine Bedeutungs- .Irrigkeiten lassen unerträglich«-Dissonanzen entstehen. Man soll nicht verheimlichen, daß die revisionistischen Aktien steigende Tendenz zeigen. Die kritische Lage macht ihnen die Arbeit leicht. Gleiches sehen wir ja für die nat.-soz. Bewegung ln Deutschland. Die Revisionisten werden mir den Vergleich verzeihen, denn er bezieht sich nicht auf die Gleich־» heit des Geistes, sondern einzig auf das Gleichförmige der äußeren Entwicklung. Hier wie dort eine unverdiente Begün stigung durch die Verhältnisse. Wer von der Gegenwart nicht befriedigt ist, schimpft auf die Regierung und erhofft alles Heil vom radikalen Gegenteil. Nach dieser mißverstandenen, jedenfalls klaren Auslegung des Oppositionsprinzips dürfte ein gestürztes französisches Kabinett z. B. nur von Daudet oder von den Kommunisten abgelöst werden. So einfach solche Schaukel- und Pendelpolitik sich auch anhört, so unpraktisch und unlogisch pflegt sie zu sein. Man denke sich einmal die Aus- Wirkung dieses Prinzips für die deutsche Außenpolitik aus. Bei anderen Völkern sehen wir nämlich in der Regel die Lage kritischer und richtiger als bei uns selbst Dr. Sch. entzieht sich einer ähnlichen Konsequenz, indem er als selbstverständlich annimmt, daß die Revisionisten gegenüber Engländern und Arabern, auch entgegen ihren bisher vertretenen Anschauungen, durch die gegebenen Umstände festgelegt sind. Meinerseits wird dieser fromme Glauben nicht geteilt. Trotzdem ich nicht jede Parole und Verheißung gerade für bare Münze nehme, erscheint mir hier das Maß der vermutlichen Schwenkung bei weitem überschritten. Das dürfte aber nicht wesentlich sein. Die Zeitumständc arbeiten den Parteien, die sich radikal geben, Illusionen erwecken und sich politisch noch nicht kompromittieren konnten, eher als den gemäßigten in die Hände, und die anerkannt fleißig gerührte Werbetrommel tut ihr übriges. Beides hält sich in den Tendenzen des Erträglichen. Wenn man aber als zugestandener Gegner diesen Tendenzen Vorschub leistet, kampflos das Feld räumt und noch unsichere Elemente bewußt in jenes Lager treibt, wirkt es bestimmt stärker als offene Stellungnahme für den Revisionismus. Wer den militanten Geist des Revisionismus bejaht und sich für seine Prestige- und ProtOstpolitik begeistert, dem ist der Weg vorgeschrieben; wer aber, wie Dt. Sch., die Zukunft nur in einer ״zielbewußten Verständigungsarbeit mit de! Arabern“ und einer Abkehr von ״politischen Proteste und ähnlichen Aktionen“ sieht, gibt sich einem grotesken Leichtsinn hin, wenn er Derartiges von einer revisionistischen Leitung erwartet und ihr das Wort redet. Ich verstehe wohl, wenn Dr. Sch. gerade hier guten Glaubens ist, daß ein Revisionist diese Forderungen ja nicht erfüllen kann und damit an der Wirklichkeit scheitern wild. Nur schade, daß bis dahin im Zionismus ein Geist großgezogen ist, den wir — auch Dr. Sch. mit vielen andern Resignierten — als unserer Bewegung unzuträglich bekämpfen zu müssen meinen. Es bleibt sich daher gleich, ob man aus gläubigem Kindergemüt oder aus überschlauer Taktik den revisionistischen Ideen ein Uebergewicht im Zionismus einräumt und zuerkennt. Unser Volk hat aus seiner jahrtausendalten Leidensgeschichte eigentlich so gut wie nichts gelernt und nimmt es in chauvinistischer Verbohrtheit und Intoleranz mit jedem blutjungen europäischen Nationalismus auf. Die bisherigen Proben zeigen zu deutlich, wie geringen Anstoßes es bedarf, um all die Giftblüten nationaler Hybris üppig emporschießen zu lassen. Es steht Führern des Volkes schlecht an, den Boden dieser Flora besonders zu beackern und zu düngen; ihre Aufgäbe sollte es vielmehr sein, mit überlegener Einsicht das Unkraut m jäten oder besser noch nach modernen rationellen Züchtungsmethoden die wilden Triebe zu kultivieren und zu veredeln. Mir geht seltsamerweise das Vertrauen ab, daß die revisionistischen Führer diese Kultivierung vornehmen werden. Sie besitzen sehr wohl die nötigen Kenntnisse und Gaben, aber sie haben eine prinzipielle Vorliebe für wildwuchernde Volksgärten. Ueberdles wollen wir nicht übersehen, daß die Eigenschaften, die sich in menschlicher Gemeinschaft und friedlicher Aufbauarbeit bewährt haben, auch als Imponderabilien paradoxerweise schwer in die politische Wagschale fallen. Unser Aufbanwerk ist auf dem Gedanken des friedlichen Ausgleichrechts gegründet, und hier liegt auch seine politische Stärke. Wir müssen also doppelt den Eindruck zu vermeiden suchen, als ob wir daneben irgendeinem Machtprinzip huldigen. Auch in der Politik gilt das Wort: die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt inan laufen. Es nützt uns also auch kein noch so richtiges Kolleg über die Machtmittel, deren sich die Staaten bedienen. Die Großmächte haben die Gepflogenheit, Machtmethoden, die anzuwenden sie sich keineswegs scheuen, klcineren Mächten prinzipiell zu verübeln und um so genauer auf die Innehaltung des Rechts zu achten, als sie selbst darin sich großmütig ziemlich alles verzeihen. Gleiches können wir auch im amerikanischen Wirtschaftsleben sehen, wo die großen Unternehmungen auch dort, wo ihr Vorteil nicht auf dem Spiele steht, den Kleinen keine U!!Sauberkeit darchfasseß. Da wir uns nicht zu den Weltgroßmächten zählen können — unsere Macht- Politiker mögen mir diesen Minderwertigkeitskomplex nicht verargen — bleibt uns nichts übrig, als den Spielregeln Folge zu leisten. Unser Renommee leidet bestimmt keinen Schaden, wohl eher, wenn wir einen ״foul“ riskieren. Auch Deutschland fuhr in der polnischen Frage besser, als es den sicheren Weg des Rechts beschritt. Mit der Waffe eines starken Heeres in der Hand wäre bestimmt sonst ein prächtigeres, geräuschvolleres und doch letzten Endes dümmeres, weil kostspieligeres und weniger erfreuliches Verfahren eingeleitet worden. Bei aller offenkundigen Schwäche stellt heute das System des Völkerbundes einen Faktor im Leben der Staaten dar, den man beachtet und dessen Einfluß man sich guterdings nicht entziehen kann. Ist man für den Revisionismus, dann soll man kein Hehl daraus machen; bezeichnet man ihn aber als Unglück und Gefahr, wie Dr. Sch. es tut, dann soll man entsprechende Einsichten verbreiten helfen. Nach meinem Gefühl geht jedenfalls die Ritterlichkeit zu weit, wenn man dem politischen Gegner zuliebe die eigne Entwicklung hemmt und damit sich selbst entleibt. So sehr ich für Völkerannäherung bin, so wenig kann ich zu dieser kritiklosen Uebernahme uns wesensfremder Sitten von anderen Völkern raten. Außerdem soll man bedenken, daß Selbstmord in den seltensten Fällen bekömmlich ist. imimniiiimiiiffliHaiiiitiiiiiiimiHmiiiimminiiiiiiinimniiiiiiiiiinniiiiiiiiiiimniiiitiiiiiiiiiiiiiiiimiiimiinnniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii In seinem soeben veröffentlichten Testament verpflichtet Nathan Straus seine Kinder, ״stets gute Juden zu bleiben und keine Ehe mit Andersgläubigen einzugehen“. Der Nachlaß Nathan Straus’ im Betrage von einer Million Dollar fällt zur Gänze seinen Kindern zu. Für wohltätige Zwecke ist kein Betrag ausgesetzt. Im Testament wird darauf hingewiesen, daß Nathan Straus schon zu Lebzeiten soviel er konnte für wohltätige Zwecke gegeben hat. — Der Stadtrat von New York hat beschlossen, den Rutgers Square In New York in ״Straus Square“ umzubenennen. Jüdisch-liberales Ghetto Nr. 5 der ״Jüdisch-liberalen Zeitung■‘ vom 4. Februar 1931 veröffentlicht im Sprechsaal eine Zuschrift von Eise Ephraim, Berlin, unter dem Titel ״Die Politik aut der Reis e“. Die Einsenderin beklagt sich über die schlechte Behandlung und den Boykott, den jüdische Sommerfrischler und Badegaste erfahren. Ferner meint sie, jüdischen Gästen sei damit nicht geholfen, daß überall auch gute jüdische Hotels und Pensionen vorhanden sind. Denn: ״... alle diese Gaststätten führen rituelle Küche, sind orthodox und verfolgen meistens zionistische Tendenzen. Aus allen diesen Gründen sind sie für die liberalen deutschen Juden nicht geeignet, welche auch auf der Reise mit Menschen zusatnmen sein wollen, die ihre Sprache sprechen und ihrer Bildungsschicht entstammen.“ Was also soll geschehen? Else Ephraim ist um einen Vorschlag nicht verlegen. Dieser lautet: ״Es wäre daher zu erwägen, Pensionen zu schaffen, die von gebildeten jüdischen Menschen geleitet würden, in denen wir liberalen Juden sicher sein können, ohne Rücksicht auf die religiöse Einstellung des Einzelnen, Mensehen unserer Gesinnung — es sind hoffentlich auch Andersgläubige darunter — zu treffen, mit denen wir ohne Gefahr, unserer Abstammung wegen boykottiert zu werden, reden können. Hierzu ist erforderlich, daß es kein rituelles Essen, sondern eine gute ortsübliche Kost gibt, daß kein religiöser Zwang vorhanden ist, und das Haus nicht öffentlich als Jüdisaie Pension‘ gekennzeichnet Ist“ Das Heilmittel besteht also in der Schaffung eines ״jüdischliberalen Ghettos“. Für Else Ephraim ist der Gedanke eines ״allgemeinen jüdischen Ghettos“ unerträglich. Sie will ein Ghetto im Ghetto; allerdings darf es nach außen nicht als solches gekennzeichnet sein. Die Arbeitslosigkeit Papst Pius XI. empfing den Vatikanischen Delegierten für Syrien und Palästina, Monsignore V a 1 e r i, zur Berichterstatwag über die Lage in Palästina. Nach dem jüngsten Ausweis betrug am 31. Januar 1931 die Zahl der arbeitsuchenden Arbeitslosen in Deutschland 4 990 000. Diese Zahl ist so ungeheuerlich und legt Zeugnis von einem Notstand ab, den auch die größten Pessimisten vor Jahresfrist nicht vorauszusagen gewagt haben. Die Beredmungen des Berliner ״V o r w ä r t s“, daß mit den Familienangehörigen ungefähr 15 Millionen in Deutschland lebender Menschen erwerbslos sind, dürfen den Tatsachen entsprechen, ln dieser ungeheuren Zahl von Arbeitslosen sind sehr viele Juden, wenn auch nicht alle erwerbs- und subsistenzlosen Juden Aufnahme in die Listen der Arbeitsämter gefunden haben. Die besondere Lage der jüdischen Arbeitsuchenden und Beschäftigungslosen drückt sich darin aus, daß sie in den meisten Fällen sich zum ersten Male auf der Arbeitssuche befinden, da sie verarmte ehemals selbständige Kaufleute, Kleinhändler usw., d. h. Angehörige des sogenannten Mittelstandes sind. Die Woldfahrtsämter der jüdischen Gemeinden in Deutschland wissen genau, daß mit der Zahl der in den Arbeitsämtern eingetragenen, Beschäftigung suchenden Juden die Gesamtsumme der jüdischen Erwerbslosen, die auf der Suche nach Arbeit und Verdienst sind, in keiner Weise identisch ist. Der Anteil der jüdischen Arbeitsuchenden in den Arbeitsämtern entspricht dem Prozentsatze der jüdischen Bevölkerung innerhalb der Gesamtbevöikerung. Ueberdies aber leben jetzt in Deutsch- Und Zehntausend« von jüdischen Menschen, die völlig aus dem Produktionsprozeß verdringt sind and vergeblich nach einem Bissen Brot ausspähen. Diese Situation legt den jüdischen Gemeinden, sowie den jüdischen Arbeitgebern eine besondere ycrantwortung auf. Hoffentlich herrscht in den beteiligten Kreisen wenigstens die Erkenntnis von dieser Sachlage, wenn es auch fast unmöglich erscheint, durchgreifend allen Notleidenden zu helfen. Der in Genf lebende Jurist Dr. Nathan Fein b erg ist zum Privatdozenten für Völkerrecht an der juristisches Fakultät der Genfer Universität ernannt worden,

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