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Jüdische Rundschau · 1931-02-13 · Heft 12 (13.2.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 12 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 12, 13. & 1031 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 77 Zum Tode von Eugen Caspary Jahrzehntelang: hatte die Jüdische Qenteinde zu Berlin eine Armenkommlssion, von der die sozialen Aufgaben der Gemeinde erledigt wurden. Daß aus dieser Arraenkoramissicm das heutige Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde wurde, ist das Werk Eugen Casparys, bleibt das unauslöschliche Verdienst dieser einzigartigen Persönlichkeit Mit dem Namen Eugen Caspary bleibt die Umwandlung der sozialen Arbeit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin aufs engste verknüpft Jahrzehnte hindurch wurde die soziale Arbeit nicht nur von der Armenkommission, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Armenkominission behandelt und erledigt Krieg und Nachkriegszeit brachten eine völlig andere Schichtung auch des Berliner Judentums mit sich, die Bedeutung der sozialen Arbeit wuchs, täglich ergaben sich neue Aufgaben. Aber auch die Idee der sozialen Arbeit wandelte sich, anstelle des Armen, dem man eine Wohltat erwies, trat der gleichberechtigte Jude, der sich gezwungen sah, die Hilfe der Gemeinde in Anspruch zu nehmen, und dem zu helfen eine Pflicht der Gemeinde wurde. Heute, wo dieser Grundsatz sich mehr und mehr durchgesetzt hat, ist es schwer, sich vorzustellen, mit welchen Kämpfen diese Umwandlung verbunden war. Die jüdische Jugend Berlins, die durch Krieg und Revolution gegangen war, forderte stürmisch das Verschwinden der Artnenkommission, verlangte neue Wege. Ueberall stieß sie auf erbitternden Widerstand, ein Mann war es, der ihr half, der sich dieser Idee erschloß und der mit unbeschreiblicher Zähigkeit und Tatkraft den Versuch unternahm, die neue Idee in die Wirklichkeit umzusetzen: Eugen Caspary. Eugen Caspary war eine eigenwillige Persönlichkeit, nicht immer leicht zu behandeln, ein Mann von außerordentlichem Tätigkeitsdrang und unermüdlicher Aktivität, von tiefstem sozialen Verantwortungsgefühl durchdrungen, erfüllt von der Aufgabe, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ein modernes Wohlfahrtswesen zu schaffen. Er war kein bequemer Mitarbeiter, ihm fehlte alles, was den Bürokraten ziert Ein bis in Alter und Krankheit jugendlicher Mensch mied er den Kampf nicht und schlug eine gute Klinge. Dieser aktive, energische Mann war nicht in einen Parteirahmen zu fassen. Aus der liberalen Bewegung stammend, der er lange Jahre fest verbunden war, erlebte Eugen Caspary in seiner Arbeit das Ostjudentum. Seit dieser Zeit kam er den Ideen der national-jüdischen Bewegung immer näher, er wurde ein aktiver Mitarbeiter in der Palästina-Bewegung und in der Agency. Das jüdische Leben zu Berlin ist durch das Hinscheiden dieses Mannes verarmt Seine aktive, fröhliche, kämpfende und eifernde, überlegene Erscheinung wird uns sehr fehlen. Besonders in der sozialen jüdischen Arbeit Deutschlands wird diese von fanatischer Besessenheit erfüllte, diese mutige und schöne Persönlichkeit nicht ersetzt werden. Alfred Berger. Schankat All Ober das Palästina •Problem Jerusalem, 10. Februar. (J.T. A.) Schaukat All, der Bruder des verstorbenen Führers der Indischen Mohammedaner Mohammed AU, ist In Begleitung de* GroiSmuui Sn Jaffa efngetroffen und hat In einer von der mohammedanisch-christliehen Vereinigung Jaffas einberufenen Versammlung eine Anspräche gehalten, ln der er erkürte, er sei während seines Londoner Aufenthalts mit dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim Welzmann, ln der Absicht zusammengekommen, die Wiederherstellung friedlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern ln Palästina anzubahnen. Es seien Ihm aber damals die wirkliche Situation in Palästina und der tiefe Haß, der die palästinensischen Araher gegen die Juden wegen deren Politik erfüllt, nicht bekannt gewesen. Die Juden, erklärte All weiter, werden i h r e P o 11 ־ tik ändern müssen. Die ganze mohammedanische Welt steht geschlossen hinter den Arabern Palästinas. Der Großmufti hat die Absicht. Jerusalem zum kulturellen Zentrum der mohammedanischen Welt zu machen. Politisches Programm der Bistadruth Jerusalem, 10. Februar. (J. T. A.) Die Histadruth Haowdim hat die auf ihrer letzten Konferenz gefaßten politischen Resolutionen veröffentlicht, in diesen Resolutionen werden die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung gebilligt und die Forderung auf gestellt, daß ein Vertreter des Jischuw in die Politische Kommission der Jewish Agency eintrete. Ferner wird die Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Tab le- Konferenz und eine stärkere Beteiligung der Bewohner Palästinas an der Landesregierung gefordert, eine Gesetzgebende Körperschaft aber, in der die Juden durch die Araber majorisiert werden können, abgelehnt. Oberst lawrenee and Palästina London, 8. Februar. (J• A.) Im Anglo Paiestine Club hielt der Präsident der Paiestine Potash Company und ehemalige stellvertretende Vizekönig von Indien Earl of Lytton einen Vortrag über das Thema ״Der Roman einer neuen Industrie“. Den Vorsitz führte der Präsident der English Zionist Federation und Vizepräsident des Anglo Paiestine Clubs Dr. M. D. E d e r. Lord Lytton schilderte die Entwicklung der chemischen Werke am Toten Meer und kündigte die Ausgabe von Anteilscheinen der Potash Company nach ihrer Legalisierung an. Vorläufig seien für die Gesellschaft von privater Seite 250 000 Pfund gezeichnet worden. Im Verlauf seines Vortrages gab Lord Lytton im Zusammenhang mit einer Darstellung der Erwartungen, die er in Bezug auf die künftige industrielle Entwicklung Palästinas hegt, ein Gesprach wieder, das er vor einiger Zeit mit Oberst Lawrence (״Lawrence von Arabien“) geführt hat Wie aus dem Inhalt dieses Gesprächs hervorgeht, trifft die weitverbreitete Ansicht, Oberst Lawrence sei ein Gegner der Errichtung des Jüdischen Nationalheims und der Balfour-Deklaration, nicht zu. Oberst Lawrence hat in seinem Gespräch mit Lord Lytton erklärt, Palästina werde das industrielle Zentrum des Nahen Ostens werden. Wenn erst die wirtschaftlichen Be- Ziehungen der verschiedenen Länder im erneuerten Orient zu einander sich so gestaltet haben werden, daß keine Wirtschaftliehe Abhängigkeit eines Landes vom anderen mehr besteht, werde die Balfour-Deklaration richtig gewürdigt und Ihr Wert allgemein anerkannt werden. Im Zentralbüro der Zionistischen Weltorganisation fand eine Trauerfeier für Reverend Hechler statt, Die Gedenkrede hielt Nahum Sokolo w. Zionistische Organisation und zionistische Jugend Von Hans Kaufmann. Unter den Mängeln der Zionistischen Organisation für Deutschland ist einer besonders unheilvoll: es fehlt ihr, wie man zu sagen pflegt, der Nachwuchs. Man mag zu der Führung Blumenfeld stehen wie man wäll, und man mag zu der Opposition der Herren Kollenscher und Kareski stehen wie man will, es bleibt ein unnatürlicher und ungesunder Zustand, daß in Jena das ״Regime Blumenfeld“ von der älteren Generation angegriffen wurde, von derjenigen Generation, welcher selbst vor Jahren von der Generation Blumenfeld die Leitung der Z. V. f. D. entrissen wurde. Natürlich wäre es gewesen, wenn eine der jetzt führenden Generation nachfolgende Jüngere die Opposition gebildet hätte. Diese jüngere Generation nun hat sich bisher im Leben des deutschen Zionismus noch in keiner Weise bemerkbar gemacht. Fast könnte man meinen, daß sie nicht vorhanden sei. Und doch wissen wir, daß es eine große Anzahl von Zionisten zwischen 20 und 30 Jahren gibt, sowohl in den Bünden, Parteien und Organisationen, wie auch zahlreiche unorganisierte und isolierte. Nur das ist richtig: Geschlossen, als ״Generation“, sind sie in der Z. V. f. D. bis heute noch nicht in Erscheinung getreten. Die Z. V. f. D. wird heute noch, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, von der Generation Blumenfeld repräsentiert. Diese Generation beherrscht nicht nur die Leitung der Z. V. f. D., sondern auch die der Ortsgruppen, und vor allem auch die Leitung der Fraktionen. Dieselben Personen leisten überall seit vielen Jahren die mühevolle Arbeit, ohne Aussicht auf Entlastung und Ablösung, dieselben Personen bekämpfen untereinander sich und ihre Anschauungen seit Jahren in den Gremien des deutschen Zionismus. Es ist nicht der Zweck dieses Aufsatzes, an dieser älteren Generation Kritik zu üben. Ihrer Arbeit allein, der Stärke ihrer zionistischen Gesinnung und ihrer geistigen Kraft ist es zu verdanken, daß die Zionistische Organisation in Deutschland trotz aller Fehler und Erschütterungen noch besteht und arbeitet. — Eine Unterlassungssünde der j ü n - geren Generation vielmehr ist es, wenn die Arbeit der älteren 1m wesentlichen unfruchtbar geworden, wenn die zionistische Bewegung in Deutschland erstarrt Ist. Denn eine Bewegung setzt ״Nachwuchs“ voraus. Nur dort ist ״Bewegung“, wo ständig neue Personen mit neuen Gedanken den Kampf um Erreichung des Zieles aufnehmen und weiterführen. Die alte Generation ist trotz des zähesten Willens und größter persönlicher Fähigkeiten ihrer Vertreter kraft Naturgesetzes einfach außerstande, die Arbeit nach den neuen Bedürfnissen un'd entsprechend den veränderten Bedingungen fortzusetzen. Alle Wandlungsfähigkeit einzelner Personen hat ihre natürliche Grenze. Sie ist gezogen durch die Zeitanschauungen und Grunderlebnisse, mit denen die Personen aufgewachsen und welche ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Das Verlangen, sie sollten sich über diese Grenze hinwegsetzen, käme der Forderung des Selbstmordes gleich. Diese ältere Generation des deutschen Zionismus wird sich daher z. B. sehr gut mit der älteren Generation des Central-Vereins auseinandersetzen können. Bei einer Auseinandersetzung mit der liberalen Jugend von heute wird sie aber schon große Schwjerigkeiten haben, und erst recht wird sie der zionistischen Bewegung kaum mehr Waffen gegen die kommunistische Bewegung liefern können, die uns heute die meisten Seelen entreißt Es sind dies nicht nur Fragen des Intellekts, an dem es der älteren zionistischen Generation wahrhaftig nicht fehlt Aber die feindliche oder gleichgültige jüdische lügend vqg heute kann auch nur durch die Monistische fügend von heute geworben und bekämpft werden, weil nur diese die Probleme am eigenen Leibe gespürt hat, wie einst die alte zionistische Generation für sich selbst mit den Problemen der liberalen Assimilation von gestern fertig werden mußte. Und last not least: Die Vertreter der alten zionistischen Generation in Deutschland, welche in der ״ideologischen“ Epoche der zionistischen Bewegung Zionisten geworden sind, noch dazu in einem Lande, in welchem es jüdische Massen und jüdische Realitäten kaum gab, werden auch nur schwer die ganz konkrete, reale, man möchte sagen materielle Beziehung zu Palästina herstellen können, welche dem deutschen Zionistnus heute mehr denn je abgeht. Unter ihrer Führung wird daher der deutsche Zionismus, der ohnehin durch einseitigen Intellektualismus erblich belastet ist, immer unzeitgemäß«־, immer ״Volks- und landfremder“, wie seine Gegner sagen. Die Folgerung: man müßte versuchen,die zersplitterte und zerstreute zionistische Jugend zu sammeln, und sie veranlassen, g e s c h I o s s e n , d. h. als Generation, das Monistische Werk in Deutschland fortzusetzen, zunächst unter der Führung der älteren Generation mit dieser zusammenzuarbeiten, dann aber sie abzulösen. Diese Aufgabe der Sammlung stößt freilich nicht nur auf äußere, d. h. organisatorische Schwierigkeiten, die Monistische Jugend Deutschlands ist auch innerlich zerrissen. Gerade ihre radikalsten Teile, wie etwa der J.J. W. B. und die Zeire Misrachi, fühlen sich der übrigen zionistischen Jugend gegenüber fremd, wollen im Grunde eine Sammlung gar nicht. Wohlverstanden, es soll hier nicht etwa für eine Aufhebung von Bünden oder Fraktionen gesprochen werden,— deren Notwendigkeit wird anerkannt —, sondern lediglich von einer überparteilichen Sammlung der zionistischen Jugend. Aber auch diese Sammlung setzt doch immerhin das Empfinden einer zionistischen Einheit voraus, setzt voraus, daß alle Teile, unbeschadet ihrer Sonderanschauungen, die Grundlagen der zionistischen Idee als gemeinsame anerkennen. Bei der älteren Generation ist eine solche Einheit, trotz aller scharfen sachlichen und auch persönlichen innerzionistischen Kämpfe, deutlich vorhanden. Diese Einheit ist geworden durch eine lange gemeinsame Geschichte, durch gemeinsame Arbeit, durch gemeinsamen Kampf nach außen, durch viele Tagungen, Kongresse und auch sogar durch ständige Kämpfe gegeneinander. Die Vertreter der jüngeren zionistischen Generation bekämpfen einander nicht einmal. Sie kennen einander einfach nicht. Sie sind aneinander anscheinend desinteressiert. Eine gemeinsame Geschichte haben sie nicht: sie stammen aus den verschiedensten, voneinander streng abgeschlossenen Bünden oder Organisationen oder sind auch ganz isoliert zum Zionismus gekommen. Einen gemeinsamen Kampf nach außen haben sie nie geführt: denn das Leben der Bünde und die persönliche Vorbereitung für Palästina nahm sie voll in Anspruch. Und auch untereinander haben sie sich nie auseinandeTgesetzt, weil freie Jüdische Volkshochschule Berlin N 24, Oranienburger Strafe 29 / D 2 Wetdendamm $921 Montag, den 16. Febrnar, abends 8 Uhr, Logeohans, Kelststraße 10 Dritter kontradiktorischer Abend: Deutsch -jüdische und national ■ Jüdische Anschauung Dr. Ludwig Holländer / Kurt Blumenfeld Hörergebühr M. 1.— sie sich nie trafen. Aber das Schlimmste von allem; (das trifft besonders auf die Weltanschauungsgruppen im J. J. W. B. und Zeire Misrachi zu) viele von ihnen glauben gar nicht mehr daran, daß eine gemeinsame ideeliche Grundlage für die ganze zionistische Jugend besteht. Für sie gibt es kein gemeinsames Fundament des Zionismus mehr, auf dem sich die. Sonderatischauungen erst aufbauen. Den einen stehen die nichtjüdischen Sozialisten näher als die anderen Zionisten und den anderen die nichtzionistischen Orthodoxen näher als die nichtorthodoxen Zionisten. Diese Kritik hat mit dem sogen, ״allgemeinen“ Zionismus nichts zu tun. Ihn mag man mit Recht für überholt halten, wie es auch die ältere Generation in den Weltanschauungsparteien tut, ohne aber damit die eini* ende Kraft der zionistischen Grundidee für alle zionistischen arteien zu leugnen. Nur eine gemeinsame Arbeit oder ein gemeinsamer Kampf kann jene Teile der zionistischen Jugend eines besseren belehren. Freilich! ihre grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber den anderen Teilen der zionistischen Jugend droht gerade eine gemeinsame Geschichte von vornherein zu verhindern, während umgekehrt erst die gemeinsame Geschichte eine einheitliehe zionistische Jugend schaffen kann. Es wird nicht leicht sein, diesen Zirkel zu durchbrechen. Mit den weniger Festgelegten wird man beginnen müssen. Eins aber ist sicher: Der Versuch einer Sammlung der 0מnistischen Jugend in Deutschland ist nicht nur eine schwere organisatorische Aufgabe, sondern er stellt zugleich eine Probe dar auf die einigende Kraft der zionistischen Idee und damit für die Berechtigung einer umfassenden Zionistischen Organi« sation. — Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die jetzt führenden Personen im deutschen Zionismus ihre Kraft endgültig erschöpft haben werden. Es ist eine Schande, daß die Jugend diese Menschen ihre mühevolle und undankbare Arbeit bis jetzt hat allein machen lassen und sich dann noch Über ihre Autorität und Unproduktivität beschwert hat. Man kann selbst zweifeln, ob die persönliche Vorbereitung für die Alijah das Desinteressement an der zionistischen Gesamtbewegung rechtfertigt. Die meisten jüngeren Zionisten können ja also diesen Grund gar nicht einmal ins Treffen führen. Was wird aus der zionistischen Bewegung in Deutschiand, wenn die lugend sich weiter abseits hält und zerstreut bleibt? - * Nachbemerkung: Wer an einer Mitarbeit zur Samtnlung der zionistischen Jugend in Deutschland, besonders auch der noch nichtorganisierten, interessiert ist, den bitte ich, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Hans Kaufmann, Berlin-Wilmersdorf, Laubenheimer Str. 20. Einwanderer mit Tonrlstenvisom Ein jüdischer Kleinkaufmann ausgewiesen. Wie die palästinensischen Zeitungen berichten, ist nach 13 monatigem Aufenthalt in Palästina der 36 jährige Israel Jaroschewsky wegen Nichtbesitzes einer Aufentnaltsfoewilligung zu einer Geldstrafe von 20 Pfund und Landesverweisung verurteilt worden. Jaroschewsky kam auf Grund eines Touristen Visums im Oktober 1920 nach Magdtel zu seinem Bruder, der dort eine Orangenpflanzung besitzt Nach sechs Wochen wurde ihm vom Dorfrat von Ain Hai eine zweijährige Konzession für einen Gemischtwarenhandel angeboten. Jaro *al**w*fey nahm da» Angebot an-und ׳investierte etwa 5Öt1 Hund in dem Geschäft. Gleichzeitig reichte er ein Gesuch um Uebernähme in den Einwandererstatus ein. Dem Gesuch war eine Abschrift des Vertrages mit dem Dorfrat beigefügt Ein Ein- Wanderungsbeamter untersuchte den Sachverhalt und erhob von Jaroschewsky die Kopfsteuer von einem Pfund, der alle Ein- Wanderer unterworfen sind, ein. Jaroschewsky konnte daheT mit Recht glauben, daß die Regierung, wenigstens provisorisch, ihre Einwilligung zu seinem dauernden Aufenthalt gegeben habe. Zu seinem Erstaunen erhielt er drei Monate später die Verständigung, daß sein Gesuch abgewiesen worden sei. Im Mai erhielt er die Verständigung, daß er das Land späte* stens am 9. Juni verlassen müsse. Daraufhin richtete Jaroschewsky eine Appellation an den High Commissioner und wies nach, daß er ein Bankguthaben von 400 Pfund besaß. Hierauf erhielt er die Aufforderung, einen Bargeldvorrat von 1000 Pfund nachzuweisen. Da ihm dies nicht möglich war, wurde er verhaftet, angeklagt und zu der erwähnten Geldstrafe, sowie Landesverweisung verurteilt. Da die Einwanderung in Form von dauernder Niederlassung von Touristen sich in den letzten Monaten zu einem nicht uhbeträchtlichen Teil der jüdischen Gesamteinwanderung entwickelt hat, kommt dem vorstehend geschilderten Fall symptomatische Bedeutung zu. Bekanntlich wendet sich der Simpson-Bericht gegen die Umgehung der Ein- Wanderungsvorschriften durch Erteilung von Touristen» Visa an Leute, die im Lande bleiben wollen. Wenn aber der Betreffende einen Lebensunterhalt findet und dem Land nicht zur Last fällt, ist es unbegreiflich, warum dem bloßen for» malen Bürokratismus zuliebe seine Ausweisung erfolgen soll. Eine Einwanderung dieser Art ist wirtschaftlich gerade zu rechtfertigen, weil es doch in jeder Hinsicht vorzuziehen ist, daß Menschen, die sich in Palästina ohne Unterstützung niederlassen wollen, zuerst als ״Touristen“ sich im Lande umsehen. Wenn sie dann eine ihnen zusagende Beschäftigung finden, sollen sie — dem Bürokratismus zuliebe — nochmals nach Hause fahren und dort um ein Einwanderervisum ansuchen? Der Jerusalemer Kommnnistenprozeß Jerusalem, 9. Februar. (J. T. A.) In dem Prozeß gegen die 26 Kommunisten, die während der Begräbnisfeierlichkelten! für Mohammed Ali verhaftet wurden, wurden fünf Juden und vier Araber wegen ״Verbreitung aufrührerischer, zur Erregung Die kommunistische Partei Palästinas mußte aut Anordnung des Exekutivkomitees der kommunistischen Internationale in ihrem in jiddischer und arabischer Sprache erscheinenden Organ ״Voraus“ ein Schreiben der kommunistischen Internationale veröffentlichen, in dem den jüdischen Kommunisten Palästinas der Vorwurf gemacht wird, ihre gesamte Tätigkdt auf' die arabische Bevölkerung konzentriert und die Pro- E’ ' - ־' . Zionismus dazu auszunutzen, um ihren Einfluß auf die jüdischen Arbeiter zu erweitern und zu festigen. In dem Schreiben wird dem arabischen Kommumstenführer Hamdi Husseini für die ״positive Rolle“, die er in den Augustunruhen gespielt hat, vollste Anerkennung ausgesprochen. Jerusalem, 9. Februar. (J.T.A.) Die unter der Fffltrang von Sir Samuel O’Donnell stehende Finanzkommtsston beabsichtigt, eine Kürzung des Budgets der Palästina- Regierung um 390 000 Pfund vorzunehmen. Zunächst werden vermutlich die Gehälter der Regierungsbeamtea um 10 «/« herabgesetzt werden.

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