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Jüdische Rundschau · 1931-02-13 · Heft 12 (13.2.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 12 (13.2.1931)
Date
1931-02-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 70 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 12» 13. H 1031 empört ablehnen, wenn man Ihnen sagen würde, daß sie durch diese Mitarbeit die Einheit, Schicksaisverbundenheit und Schicksalsgleichheit des jüdischen Volkes in der ganzen Welt anerkennen. Die Macht der Tatsachen ist aber stärker als jede assimilatorische Theorie und selbst jüdisch-deutsche Assimilanten, die in verschrobener deutsch-jüdischer Dialektik versiert sind und jede Spur von nationaljüdischen Oedankengängen verwerfen, wirken in den genannten jüdischen Zentralbehörden mit. Alle diese Institutionen haben einen Etat. Er ist nicht so gut fundiert wie der Etat von Ministerien in organisierten Staaten; die Aufbringung des Etats ist natürlich sehr schwierig; die Verwaltung dieser Behörden ist oft sehr unbeholfen und allzu kostspielig, aber — diese Institutionen bestehen, ihre Verwaltung ist vorhanden und die Zwecke, für welche diese Behörden geschaffen wurden, erhalten viel Geld. Sicherlich könnten diese Zwecke noch mehr Mittel gebrauchen, aber schon das bisher Qesamrnelte und Ausgegebene stellt eine ungeheure Summe dar, so groß, daß ihresgleichen in keinem Zeitalter der Oeschichte vön keinem Volke eine auch nur annähernd ahnliehe freiwillig aufgebracht wurde. Nach dieser Üeberlegung drängt sich eine brennende Zwischenfrage auf: Wie lauge wird der Teil der Judenheit, der bisher wohlhabend war, oder sich wohlhabend dünkte und der jetzt infolge der Weltkrise auch nicht mehr in 90 großem Umfange wohlhabend ist, gewillt und in der Lage sein, so große freiwillige Opfer zu bringen? Schoo heute ist es überaus schwer, in Amerika, Südafrika usw. für jüdische Hilfsaktionen Mittel in nennenswertem Umfange aufzubringen. Man muß die traurige Feststeilung machen, daß der ehemals schier unerschöpfliche Geldstrom aus jenen Ländern zu versiegen beginnt und man traut sich nicht, eine Antwort zu geben, wie sich die Dinge in Zukunft Entwickeln werden. Bisher sind jedoch schon Milliarden Mark ausgegeben worden, und ein ungeheurer Aufwand wurde aufgeboten. Im Laufe der Nachkriegsjahre ist es gelungen, viel Tränen zu trocknen, Hungrige zu speisen, Nackte zu bekleiden und Frierende zu wärmen, ln der gleichen Zeit haben, allerdings zum größten Teile mit eigenen Mitteln, aber von den großen jüdischen Fonds geleitet, gefördert und unterstützt, 632000 Juden ihre eng gewordenen jüdischen Wohnviertel in Osteuropa verlassen und hauptsächlich in den Vereinigten Staaten, dann aber an zweiter Stelle in Palästina und in geringerer Zahl in anderen Ländern der Uebersee neue Wohnstätten gefunden. Die Erhaltung der jüdischen Menschen an Ort und Stelle oder ihre Ueberführung nach Ländern, in denen es ihnen zunächst besser geht, sind zweifellos beträchtliche Leistungen, wenn man sich auch sagen muß, daß der Effekt in keiner Weise den ausgegebenen Mitteln und der aufgewendeten, Mühe entspricht, piea» wir zum geringsten Teile ist durch; diese Uebersied» lüpg ,׳eine Strukturänderung der jüdischen Bevölkerung erzielt worden. Wir wollen davon absehen, daß jedes der genannten ״Ministerien“, überflüssigerweise mit den anderen ״Ministerien“ konkurrierend und sich oft mit deren Federn schmückend, einen besonderen Apparat geschaffen hat zur Aufbringung von Mitteln und zur Erledigung von Arbeiten, die gleichzeitig und gleicherweise von den anderen ״Ministerien“ betreut wurden. Es sei nur als Belspiel daran erinnert, daß sich der Kolonisationsleistungen in Südrußland Joint, Ort, Ica, Komzet, Agro-Joint und noch einige andere Organisationen rühmen. Wir wollen auch von der sinnlosen Doppelarbeit absehen und dem wichtigtuerischen Leerlauf, der sich als wesenhafte Betriebsamkeit ausgibt, und davon, daß die Spesen zur Aufbringung und Verwaltung der notwendigen Mittel in manchen Fällen die Hälfte der ausgewiesenen Summen betragen haben. Das alles war ein typisches Beispiel von der Wirtschaft des armen und überdies des unerfahrenen und unvernünftigen Mannes. Wenn man ein klein wenig nachgedacht und sich Mühe gegeben hätte, so wäre es vielleicht doch gelungen, eine Rationalisierung all dieser Tätigkeiten herbeizuführen, würdelose' Schaumschlägerei zti vermeiden und jüdisches Volksgeld zu sparen. Aber all diese Dinge sind doch nur Schönheitsfehler gegenüber dem unglückseligen System, das dieser ungeheuren Anstrengung eines Volkes, sich selbst zu helfen, zugrunde liegt. Welche bleibenden Werte sind mit Hilfe dieser 31/- Milliarden Goldmark geschaffen worden, Werte, die, fortwirkend, irgendwo in der Welt in erheblichem Maße eine grundsätzliche Sanierung der unerträglichen jüdisehen Verhältnisse herbeigeführt hätten? Ist irgendwo die Judenheit in ihrer Rechtslage fundierter, in ihrer politischen Situation gefestigter, in ihrem Wirtschaftsleben produktivierter, ist das Judentum in seinem Bestände auch nur in einem einzigen Lande, abgesehen von Palästina, sicherer gestellt worden? Bedeutete das Gros der jüdischen Massenwanderungen in den letzten Jahren nach Uebersee denn nicht nur eine Uebertragung der alten überlebten anomalen Schichtung und Gliederung der jüdischen Massen in ein anderes Land? War es nicht ein Export eines potentiellen Judenhasses aus einem Gebiete der Welt in das andere? Tauchen heute nicht in Amerika, Südafrika und wohin immer die Juden gewandert sind, und mit Hilfe der verschiedenen Gesellschaften gebracht wurden, die gleichen moralischen, politischen und wirtschädlichen Probleme auf, vor denen die Juden in ihren Heimatländern gestanden hatten? Hat sich durch diese großartige charitative und philantropische Arbeit in den Ländern, in denen die Juden in Massen siedeln, wie in Polen, Litauen, Rumänien, Sowjet-Rußland usw., durch diesen Zustrom der ungeheuren Mittel die Lage der Juden «ich nur um das geringste verändert? Hat sie sich nicht trotz all dieser Anstrengungen im Gegenteil in der letzten Zeit bis zur Unerträglichkeit verschärft? Sicher — all diese Einwände schaffen die Tatsachen nicht aus der Welt, daß es im Momente der furchtbaren Not Menschen- und Judenpflicht war, zu helfen, sofort zu helfen, um jeden Preis zu helfen. Aber schließlich muß man bei der Wahrnehmung eines Volksinteresses doch genau zu unterscheiden versuchen, welchen Sinn die geleistete Arbeit hat. Man muß sich doch fragen, in welchem Maße das Getane lediglich Notstandsaktion und in welchem Grade es auf bauende, zu kunftst rächt! ge Arbeit ist. Es «)11 nicht geleugnet werden, daß seitens dergroßeh Hilfsgesellschaften immer die gute Absicht betont wurde, den r$n charitativen Teil ihrer Betätigung zugunsten des konstruktiven einzuschränken. Die Notwendigketten des Lebens aber zwangen trotz dieser guten Absichten die verantwortlichen Lenker der Hilfsaktionen immer wieder, sich auf die Löschung der Brände baufälliger Hütten zu beschränken und den Bau eines neuen Wohnhauses zu unterlassen. Hierbei soll nicht untersucht werden, ob überhaupt eine konstruktive Arbeit im Interesse der jüdischen Volkgmässen in den Ländern, in denen ihre Position, von jedem Gesichtspunkte aus gesehen, unhaltbar ist, überhaupt im Bereiche der Möglichkeit liegt Ebensowenig wie diese Frage soll jetzt und hier Gegenstand der Untersuchung sein, bis zu welchem Grade der politische Einfluß der verschiedenen außenpolitischen Stellen der Juden, wie American Jewish Committee, Comit£ des Delegations Juives, Joint Foreign Committee, zur grundsätzlichen Besserung der politischen Lage der jüdischen Minorität in den einzelnen Ländern zu reichen vermag. Es genüge die Feststellung, daß all diese kostspielige Arbeit, daß diese guten Absichten und beispiellosen Anstrengungen letzten Endes eine Sisyphusarbeit gewesen sind. Und das Tragische an der Sache ist, daß man nicht einmal sagen kann, man hätte das System all dieser Aktionen selbst bei heldenhafter Bemühung anders gestatten können. Denn die eigentümliche Position des jüdischen Volkes in der ganzen Welt macht die Juden in ihren Absichten und Handlungen unfrei; die objektiven Gegebenheiten diktieren mit unwiderstehlicher Macht den Modus prozedendi gesamtjüdischer Arbeit auf charitativem, philantropischem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete in der Diaspora. Alle Bemühungen unter den gegebenen Verhältnissen, der anormalen Situation des jüdischen Volkes, die Judenfrage irgendwie lösen zu wollen, kommen den Versuchen gleich, die Quadratur eines Zirkels vorzunehmen oder einen Pelz mit Seife und Wasser zu waschen, ohne ihn naß zu machen. Alle diese, an und für sich betrachtet, lobenswerten und unbedingt notwendigen Anstrengungen müssen zur Erfolglosigkeit verurteilt bleiben, wenn man gs unterlaßt, das Jud'enproblem In seinent Kein zu: packen und mit aller Rücksichtlosigkeit eine radikale Lösung zu suchen. Diese radikale Lösung besteht nur in der Schaffung von geschlossenen jüdischen Siedlungen. Aus Gründen, über die heute im Jahre 1931 nicht viel Worte zu verlieren sind, ist trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten das für die Juden wichtigste Gebiet zur Schaffung einer volklichen jüdischen Geschlossenheit P a - lästina. Wenn man nämlich genau überlegt, was in der Nachkriegszeit an wirklich Bleibendem und Produktivem mit Hilfe der ungeheuren Geld- und Arbeitsopfer der jüdisehen Gesamtheit geschaffen wurde, so bleiben die mehrere hunderttausend Dunam Bodens in Palästina, die Stadt Tel-Awiw, der Emek Jesreel usw. und — wiewohl darüber noch kein abschließendes Urteil möglich ist — das Netz der jüdischen Kolonien in Südrußland und im Kaukasus, das freilich nur lokale Bedeutung für das russische Judentum hat. Alles andere, was in der jüdischen Welt getan und erbaut wurde, ist auf Flugsand errichtet. Gerade das letzte Jahr, im Zeichen der Weltkrise, hat bewiesen, wie schicksalverbunden und schicksalsgleich die Juden in der Diaspora sind. Und Diaspora ist ebenso sehr Polen und Rumänien, wie Nordamerika und Südafrika. Lösung ist nur das, was das Qaluth-Bewußtsein aus den Seelen und aus der Umgebung löscht. Dieser Zustand ist nur in Palästina zu erzielen, denn nur dort wird der Jude von der ewigen Zinszahlung für die auf ihm unbarmherzig lastende jüdische Hypothek befreit, mit der er in allen Ländern der Zerstreuung ins Leben tritt und die er durch all seine Erdenjahre auf dem gramgebeugten Rücken schleppt m. w. Pro Palästina-Bewegung in Amerika _ C h i c a g o, 6. Februar. (J. T. A.) Der Vorsitzende des Pro Palastina-Komitees von Illinois, Staatsanwalt Carl Wallis von H e I m o 11, der Gründer der christlich-jüdischen Pro Palästina- Bewegung in Amerika, hat mitgeteilt, daß in St. Louis und Detroit neue Pro Palästina-Komitees gebildet wurden. An der Spitze des Pro Palästina-Komitees in St. Louis, das demnächst eine große öffentliche Versammlung einberufen wird, steht das Mitglied des Repräsentantenhauses Richard Bart hold t, dem Exekutivkomitee gehören außerdem Rev. Ivan Lee Holt von der ersten Methodistenkirche ip St Louis und der Theater- Kritiker des St Louis Globe Democrat. Julius Spam er an. An der Spitze des Komitees von Detroit stehen der Pastor der St. Marcus-Kirche Ch. Rueßkamp, sowie die Herren Rev. H. R Wacker, Staatsanwalt W. George Schudiich, Rev. E. R. Roddman und Frederick A. Lehmann. In der nächsten Zeit «,erden auch in Milwaukee, Pittsburgh und anderen Städten Pro Palästina-Komitees gegründet werden. Ende Februar findet eine Konferenz der Vertreter der Pro Palästina- Komitees von mindestens 25 Städten statt. Die Verstärkung der Pr° Palastina-Bewegung, erklärte Staatsanwalt von Heb molt, ist me direkte Antwort auf das englische Weißbuch und die unfaire Haltung der Regierung gegenüber dem Palästina- Aufbau. Gereon Simon Von Direktor Georg Kares kl Die Berliner Judenheit hat einen Ihrer besten Söhne verloren. Kommerzienrat Oerson Simon, der nach langwierigem, schwerem Leiden am Freitag verschieden ist, war ein Kautmann von hohen Fähigkeiten. Er begnügte sich nicht mit dem erfolgreichen Wirken innerhalb der von ihm geleiteten Betriebe, die er eine stolze Höhe zu bringen verstand, sondern hat es zu allen Zeiten für seine Pflicht angesehen, seine reichen Fähigkeiten auch in den Dienst der allgemeinen Interessen zu stellen. Der kenntnisreiche Mann wurde sehr bald der Sprecher seiner engeren und weiteren Berufsorganisationen, und eine Fülle von prominenten Ehrenstellungen war das Ergebnis der hohen Wertschätzung, die man ln weitesten Kreisen seinem Wirken und seiner Persönlichkeit zollte. Die außerordentliche Beanspruchung in seiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit hat ihn nie daran hindern können, mit besonderer Liebe allen Problemen der jüdischen Gemeinschaft sich zuzuwenden und an den jüdischen Organisationen mit liebevoller Hingebung mitzuarbeiten. Er gehörte vor dem Kriege bereits 15 Jahre hindurch der Berliner Repräsentanten- Versammlung an und trat im Jahre 1927 in den Gemeinde- Vorstand ein, dessen Vorsitz er während des Jahres 1928 führte. Seine Amtsführung fiel in eine Zeit, in der, nach scharfen politischen Kämpfen, eine neue Mehrheit die Regierungsgeschähe übernahm, und es war für die friedliche Entwicklung der Gemeinde von hoher Bedeutung, daß gerade in dieser Zeit eine Persönlichkeit von der versöhnlichen und vermittelnden Art Oerson Simons an ihrer Spitze stand. Wenn es in den letzten Jahren gelungen war, eine Befriedung der Gemeinde herbeizuführen und dadurch die Bahn für die sachliche Aufbauarbeit freizumachen, so gebührt Gereon Simon an der Schaffung dieser Voraussetzung ein erhebliches Verdienst Auch nach Beendigung seiner Amtszeit als Vorsitzender des Gemeindevorstandes hat er mit unermüdlicher Liebe gleichmäßig alle ihm obliegenden Pflichten erfüllt und in den letzten Jahren insbesondere der Schaffung des neuen Altersheims in Schmargendorf seine besondere Fürsorge gewidmet Gerson Simon war ein Mann der guten alten Schule, aber die Beweglichkeit und Frische seines Geistes befähigte ihn, auch die neueren Entwicklungen des jüdischen Lebens mit dem Verstand und mit dem Herzen mitzuerleben, und es war nach seiner ganzen Persönlichkeit eine beinahe zwangsläufige Ent- Wicklung, daß er bei der Schaffung der Jewish Agency es sofort als seine Pflicht erkannte, die hierdurch gebotene Möglichkeit des Mitwirkens am Palästina-Aufbau zu ergreifen und sich auch für diese Aufgabe mit seiner ganzen Personlichkeit zur Verfügung zu stellen. Gerson Simon war als Politiker von einer untadeligen Reinheit der Gesinnung und die beste Widerlegung jener bequemen Ausflucht kleinerer Geister, daß die Politik den Charakter verderbe. Durch alle Stürme der politisch so bewegten letzten Jahre im jüdischen Leben Berlins ist er gerade und aufrecht und zielbewußt bei aller Versöhnlichkeit der Gesinnung seinen Weg gegangen, und die Kampfgenossenschaft mit ihm wird bef all denen, die. in den letzten Jahren diese Arbeit mit ihm geleistet haben, zu de» schöifttea Erirfnerünjteh dieser an Enttäuschungen, aber auch an Erfolgen so reichen Periode gehöre»t. Dem großzügigen und gütigen Menschen, dem vorbildlichen Juden gilt heute die dankbare Anerkennung aller derjenigen,־ die die jüdische Leistung auch über den Rahmen der eigenen Partei hinaus zu schätzen und zu würdigen wissen. * Die Traoerfeier Die Trauerfeier für Gerson Simon in der Synagoge Lützowstraße versammelte ein nach vielen Hunderten zahlendes Publikum aus allen Kreisen der Berliner jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaft. Der Gemeindevorstand war vollzählig erschienen, ebenso die meisten Mitglieder der Repräsentanten- Versammlung. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Trauerrede und gab einen Umriß des Lebenslaufs des Verstorbenen und seiner Persönlichkeit. Für den Gemeindevorstand dankte Georg K a r e s k i dem Mann, der in schwerer Zeit sich für die Leitung der Gemeinde zur Verfügung gestellt hat und durch die Güte seines Wesens ein echter und wahrer Mittler gewesen sei, Ge; heimrat Stern rief dem Freunde, der 15 Jahre, ehe er später Gemeindevorsteher wurde, der Repräsentantenversammlung angehört hatte, Worte, treuer Erinnerung nach. Nach einigen wei; teren Reden nahm für die Religiöse Mittelpartei Legationsrat Prof. S 0 b e r n h e i m von dem Mitkämpfer Abschied. Nach der synagogalen Feier erfolgte in kleinerem Kreise die Beisetzung in dein Erbbegräbnis der Familie auf dem Friedhof Schönhauser Allee. Der Trauerfeier wohnten als Vertreter der Zionistischen Organisation und des Keren Hajessod die Herren Kurt Blumenfeld und Dr. Martin Roseriblüth bei. Herr Oscar Wassermann hat namens der deutschen Mitglieder der Jewish Agency an Frau Kommerzienrat Simon ein Schreiben gerichtet, in dem die Teilnahme der Jewish Agency zum Ausdruck gebracht wird. Der Kamp! am die Pipe Line Der Auswärtige Ausschuß des französischen Senafs und der Auswärtige Ausschuß der Kammer haben den Außenminister B r i a n d ersucht; genaue Informationen Über die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Syrien und Irak und insbesondere die Pläne betreffend die Oel-Leitung von Mossul nach dem Mittelmeerzu geben. Es wird dabei auf die jüngsten Nachrichten, offenbar im Anschluß an den in Jerusalem veröffentlichten Vertrag der Palästina-Regierung mit der Irak Petroleum Company (vergl. ״Jüdische Rundschau" vom 6. d. M.) Bezug genommen. In dem Auswärtigen Ausschuß des Senats fand eine lange Debatte über diese Frage statt, wobei erklärt wurde, daß vor etwa sechs Monaten eine Vereinbarung zwischen England, Frankreich, Syrien und Irak zustande gekommen sei, wonach ein Zweig der Oel-Leitung in Tripoli, der andere in Haifa enden soll. Die nach Tripoü führende Leitung würde ebenes Land durchqueren und daher relativ billig zu stehen kommen, während die durch britisches Gebiet führende Abzweigung nach. Haifa das Gebirge zu passieren hat und daher hohe Baukosten verursachen würde. Man' bezog sich im Senat auf Mitteilungen der französischen Presse, wonach jetzt lediglich die Leitung nach Haifa beabsichtigt sei, während aus diplomatischen Gründen der Bau der Leitung nach Tripoli auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Der Auswärtige Ausschuß der Kammer ersuchte ferner den Handelstninister um Informationen über die Beziehungen zwischen dem französischen Staat und der Compagnie Fran?aise des Petroles, welche das französische Interesse Innerhalb der Irak Pe> troleum Company vertritt.

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