Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 11 (10.2.1931)
- Date
- 1931-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11, 10. IL 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 73 Hamburger Brief (Von unserem Korrespondenten) Die Winterarbeit der Hamburger Zionistischen Vereinigung, über deren Auftakt vor einiger Zeit an dieser Stelle berichtet wurde, wurde am 19. November auf dem Nordwestdeut* sehen Gruppen verbandstag durchgesprochen, der die Zionisten Hamburgs und seiner Nachbarstädte, ferner Kiels, Em* dens, Lübecks und Bremens vereinte. Die Tagung war durch ein Referat des Vorsitzenden der Z. V. f. D. über die Bedeu* tung der im Anschluß an die Weißbuch-Veröffentlichung eingeleiteten politischen Verhandlungen der Exekutive mit der engfischen Regierung eröffnet worden. Die im Anschluß daran durchgeführte Aussprache über die Werbearbeit der auf dem Verbandstag vertretenen Gruppen stellte vor allem die Notwendigkeit d# gestärkten Verbindung zwischen den nordwestdeutschen Städten heraus. — Im Anschluß an den Verbandstag sprach Kurt Blumenfeld in öffentlicher Versammlung vor einem großen, aufmerksamen Publikum. Im Dezember sprach Dr. Felix Welt sch auf Veranlassung d:r Ortsgruppe üb-r ״Antisemi Ismus als Vclkerhysterie“ und im Januar berichtete Blumenfeld über seine letztunternommene ״Reise durch Deutschland" und die Erfahrungen, die er dabei gesammelt hatte, wie über die Ideen, die dieser Aktion zugrundeiagen. Kurt Blumenfeld machte nicht allein die äußeren Zustände und zionistischen Möglichkeiten der Ortsgruppen, zu denen seine Reise ihn geführt hatten, zum Gegenstand des Vortrags, sondern weitete die Darstellung zu einer großzügigen Betrachtung über die soziologischen und geistigen Grundlagen aus, von denen das Bekenntnis zum nationaljüdischen Gedanken getragen sei und auszugehen habe. So gewiß die Diskussion über manche Einzelheiten dessen, was er sagte, noch keineswegs abgeschlossen ist, so überzeugend wirkte 1m G a n - ze n der meisterhafte Abriß über die Geschichte der deutschjüdischen Emanzipation während der letzten hundert Jahre. In der Aussprache, die dem Vortrag folgte, wurde mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß es unabweisbares Gebot der Stunde sei, unsere Werbung unter Zionisten und Nichtzionisten derart, wie Blumenfeld es unternahm, von tagespolitischer Polemik zu befreien und aut die Ebene grundsätzlicher Probleme zurückzufüh* rea. — Zu einem dritten bedeutsamen Vortrag lud die Ortsgruppe im Januar gemeinsam mit der Hamburger Poale zionistisehen Gruppe und der Ostjüdischen Vereinigung ein: S. Adler-Rudel, der sozialpolitische Dezernent der Berliner Jüdischen Gemeinde, sprach über ״die wirtschaftliche Situation der Ostjuden in Deutschland“. — Er zeichnete in seinem Referat ein getreues Bild des beruflichen Lebens der ostjüdischen, doch nicht allein der ostjüdischen Gesellschaft, und riet auf Grund dieser Analyse zu systematisheer Berufsumschichtung und zur Verstärkung der chaluzischen Gesinnung auf. Die Vortragsabende des Palästina-Kurses der Ortsgainpe dessen zentrale Bedeutung für die Winterarbeit der H. Z. V. bereits früher in diesem Blatt dargestellt wurde, sind in gesonderter Betrachtung zu erwähnen. Im November sprach, am 2. Abend des Kurses, Dr. Josef Cohn über das Palästina-Mandat, im Dezember sprach Dr. Kupferberg über die Balfour- Deklaration und das darauffolgende Jahrzehnt englischer Palästina-Politik, und im Januar referierte Dr. Georg Landauer über die Zusammenhänge jüdischer und arabischer Wirtschaft in Erez-Israel. Den Referaten folgte jedesmal, vorzüglich unter Beteiligung der Hamburger jüngeren Zionisten, eine lebhafte Aussprache, die das durch den Kurs vermittelte Wissen um die politischen und wirtschaftlichen Tatsächlichkeiten der zionistischen Aufbauarbeit noch vertiefte. Darüber hinaus wird der Kurs in der Tat eine abgerundete, die durchschnittlichen Kenntnisse unserer Gesinnungsgenossen in Deutschland erfreulieh übersteigende Vorstellung vermittelt haben, wenn er mit den beiden noch ausstehenden Referaten — über ״Zionistische Kolonisationsprogramme“, und über den Inhalt des Simpson- Reports und des Weißbuches — seinen Abschluß gefunden haben wird. Auch die Winterarbeit der Sonderverbände wurde energisch fortgeführt. Auf Veranlassung des Misrachi und Zeire Misrachi sprachen im Dezember und Januar, an zwei gütbesuchten Vortragsabenden, Prof. Pick und Rabbiner Emil Cohn über die Zusammenhänge nationaler und religiöser Ideen im Zionismus. — Im Zionistisch-Akademischen Club referierte im November Esriel Carlebach über seine letzte Studienreise durch das jüdische Nordafrika; im Dezember sprach Dr. Oscar Wolfsberg über die Wurzeln der misrachistischen Ideologie, und im Januar referierte Dr. Elias Auerbach über ״Zwanzig Jahre in Palästina“. Die als Sondergruppe innerhalb des Hamburger ״Verbandes jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit“ zusammengeschlossenen Hamburger zionistischen Frauen veranstalteten ein gut besuchtes, anregend verlaufenes Chanukkahfest, das neben allem anderen erfreuliche Einnahmen für den Nationalfonds brachte. Die Ostjüdische Vereinigung lud im November zu einer würdigen, lebhaft beachteten Schalom Asch- Feier ein und veranstaltete einen Chanukkah-Ball. Sorgen im denisehen KKL Wenn schon der Bericht über das 1. Quartal des Arbeite- Jahres gezeigt hat, wie sich die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage auch auf die Sammlungen des KKL auswirkt, so zeigt der eben erschienene Januar-Abschluß eine Verminderung der Eingänge, die Anlaß zur größten Besorgnis wegen der Nichterreichung des Jahreskontingents geben muß. Der Quartalsbericht hat richtigerweise nicht den gleichen Abschnitt des Vorjahres zur Vergleichsgrundlage genommen, weil dieser durch die Aktion ״Hilfe durch Aufbau“ exzeptionelle Einnahmen aufwies. Vergleicht man aber den Januar mit dem (normalen) vorjährigen, so zeigt sich eine Differenz von 39 «/«, wie überhaupt dieser Monat der schlechteste seit der Infiationszeit ist. Der KKL hat es in den letzten drei Jahren verstanden, seine Organisation zu verbessern und außerordentlich zu verbilligen. Der gegenwärtige Rückschlag geht also subjektiv wohl nur auf die Mutlosigkeit einer Reihe von Vertrauensleuten zurück, die angesichts der tatsächlichen Erschwerung der Arbeit durch die Wirtschaftskrise die Hände in den Schoß legen, statt ihre Anstrengungen zu verstärken. Denn gerade der KKL, der Fonds der gelegentlichen Spende, die Institution, die prinzipiell auch die kleinsten Beiträge nicht ablehnt, hat in dieser schwierigen Zeit viel größere Chancen als unsere anderen, Finanz- Instrumente. Das zeigt am besten die Büchse, deren Eingänge nicht nur nicht zurückgegangen sind, sondern im Quartal eine Steigerung um mehr als 2000 M. aufweisen. Jack London erzählt in einem seiner Bücher von einem Wirtschaftsführer, der aus einer Finanzkrise in San Francisco erfolgreich hervorging, weil er durch Konzentrierung auf die Eingänge ags Nickelstücken, auf denen ein bestimmter Wirtschaftszweig beruhte, täglich über beträchtliche Barsummen verfügte. Die Sechser und Groschen aus unseren 20003 Büchsen ergeben auch heute erstaunliche Summen, und deswegen ist es eine richtige Idee, wenn die Purim-Aktion des KKL in diesem Jahre unter dem Motto einer Generalleerung aller Büchsen und einer großzügigen NeuaufsteUungs-Aktion aufgezogen wird. Aus dem deutschen Hechaluz Das Büro des ״Hechaluz“ teilt uns mit: Das diesjährige Seminar des Hechaluz fand vom 24. bis 31. Dezember 1930 in Lehnitz bei Berlin statt. Es beteiligten sich zirka 90 Chawerim aus 15 Städten und 12 Hachscharahpunkten aus allen zionistischen Bünden (Brith-Haolim, Kadimah, Zophim, Zeiri Misrachi, Bar Kochba). Es referierten über iüdische und zionistische Probleme: Kurt Blumenfeld: ״Die nichtzionistischen Lösungen der Judenfrage“; Dr. Kanowitz: ״Das deutsche Judentum“; Dr. M. Traub: ״Wirtschafts- und Wänderungstendenzen im Judentum“; Dr. M. Soioweitschik: ״Die Quellen des Messianismus im Zeitalter der Bibel"; Dr. Tscharny: ״Streifzüge durch die jiddische Literatur“; Frau Alice Jacob- Loewenson: ״Jüdische Musik“; Dr. Karl Schwarz: ,Juden In der modernen Kunst“. Lieber palästinensische Probleme sprachen: E. Liebenstein und M. Goldschein: ״Die Kwuzah“; L. Liebenstein: ״Geschichte der zweiten Alijah“; Josef Braslawski: ,.Die palästinensischen Araber“; ferner: ״Die Fassungsmöglichkeiten Palästinas“. Referate über sozialistische und allgemeine Themen wurden gehalten von: Dr. Fritz Sternberg: ,.Die Weltwirtschaftskrise“; Dr. Fritz Lewy: ״Wege zur Verwirklichung des Sozialismus“; Reichstagsabgeordnete Frau Mathilde Wurm: ״Die Stellung der Frau in der modernen Ge- Seilschaft“. Als wesentlich ist zu bezeichnen, daß auf diesem Seminar zwei Vorträge und Aussnrachen in Hebräisch stattfanden, woran sich 30—40 Chawerim beteiligten. Die Referate (Entwicklung der hebräischen Sprache) wurden von Chawer Jehuda Schertok gehalten. Die unerwartet große Anzahl von Teilnehmern (der Merkas rechnete nur mit 60 Chawerim) brachte mancherlei Schwierigkeiten mit sich. Neben dem ״offiziellen“ Programm fand eine Feier zum 10jährigen Bestehen der Histadruth und ein musikalischer Abend mit jehuda Schertok statt, ferner leitete Schmuei Schapiro einige Singstunden. Zur Alijah haben sich ca. 100 Chawerim und Chaweroth gemeldet. Da der deutsche Hechaluz nur 20 Zertifikate erhielt, war die Auswahl sehr schwer. Der Kibbuz Alijah ״Heb“, der jetzt seine Alijah vornehmen sollte (er zählt ungefähr 40 Chawerim), muß seine Alijah leider zurückstellen. Zertifikate haben meistens die Chawerim erhalten, die aus den früheren Kibbuzim bisher in Deutschland zurückgeblieben sind. Sie besitzen durchschnittlich eine sehr lange Hachscharah. Es werden 15 Chawerim und 5 Chaweroth im Februar bzw. März nach Palästina gehen, davon 3 Chawerim aus dem Brith Chaluzim datiim. Es haben sich bisher neu zur Hachscharah ca. 100 Chawerim und Chaweroth gemeldet. Die Beschaffung neuer Stellen für diese Chawerim wird in diesem Jahre außerordentlich schwer sein. Der steigende Antisemitismus auf dem Lande und die Arbeitslosigkeit, die dem Bauern billige Arbeitskräfte zuführt, erschwert in ungeheurem Maße die Stellenbeschaffung. Für alle Menschen, die jetzt zur Hachscharah kommen, müssen neue Stellen beschafft werden, da durch die geringe Ali'ah die bisher besetzten Stellen nicht frei werden. Der Hechaluz beabsichtlgt, fast sämtliche Gruppen zu vergrößern und wenigstens ein neues Bauernzentrum und zwei bis drei neue Gutsgruppen zu errichten. Am Sonntag, dem 25. Januar, fand in Berlin die Gründung der Ortsgruppe Berlin statt. Es waren etwa 60 Chawerim und Chaweroth anwesend. Ein Teil der Aussprache wurde in hebräischer Sprache geführt. — In den Waad wurden die Chawerim Rafi Meiseis (Kadimah). Heinz Charras und Rahel v. d. Berg (Brith-Haolim), Fritz Fraenkel (Zophim) und Zwi Heilbrunn (Arbeitskreis) gewählt. Die Chawerim zeigten die Grundlinien der Arbeit der Ortsgruppe wie folgt auf: Fragen der Berufsberatung und der Vorbereitung für die Hachscharah und für Palästina, Erweiterung des Wissens um palästinensische Probleme, hebräische Aussprachen, Aussprachen der verschiedenen Bünde. Es wurde auch vorgeschlagen, daß in jeder Ortsgruppen-(Snif)-Versamm!ung eine Umschau über aktuelle Fragen und Ereignisse in Palästina gegeben wird. Aus den Gemeinden Zwei schwere Verluste In den letzten Tagen hat die Berliner Jüdische Gemeinde- Verwaltung sowie die gesamte Berliner Judenheit zwei schwere unersetzliche Verluste erlitten. Am 6. Februar starb im Alter von 72 Jahren Kommerzienrat Gerson Simon, stellvertretender Vorsitzender des Gemeindevorstandes und früherer erster Vorsitzender dieser Körperschaft. Kommerzienrat Simon entstammte einer in den besten jüdischen Traditionen wirkenden Kölner jüdischen Familie und kam vor vielen Jahren nach Berlin, wo er im wirtschaftlichen und öffentlichen Leben eine hervorragende Stelle einnahm. Gerson Simon gehörte der religiösen Mittelpartei an und wurde in die Repräsentanten-Ver- Sammlung und hierauf in den Gemeindevorstand gewählt. Außerdem vertrat er seine Partei auch in der Landesversatntnlung des preußischen Verbandes jüdischer Gemeinden. Gerson Simon war auch Mitglied des Councils der Jewlsh Agency und brachte allen Gebieten jüdischer Betltigung ein warmherziges Interesse entgegen. Am 7. Februar starb im Alter von 67 Jahren Eugen Caspary, Leiter des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde und in dieser Eigenschaft Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Eugen Caspary war viele Jahrzehnte im Dienste der jüdischen Oeffentlichkeit tätig. Vor dem Kriege in der damaligen Armenkommission, dann im Wohlfahrtsamt, dessen Organisation sein Werk war, entfaltete er eine überaus segensreiche Tätigkeit. Er war In hervorragendem Maße an der Reorganisation der Wohlfahrtsa r b e i t der Jüdischen Gemeinde beteiligt. Darüber hinaus hat er auch in Zusammenarbeit mit nichtjüdischen Organisationen an der Organisation der deutschen Gesamtwohlfahrt mitgewirkt Eugen Caspary war lange Jahre auch Vorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Besonders erwähnenswert war das Verständnis des Verstorbenen für die Aufgaben und die Bedürfnisse der Jugendfürsorge. Durch den Tod beider Männer, des Kommerzienrats Simon und Eugen Casparys, sind zwei wichtige Aemter in der Berliner Jüdischen Gemeinde verwaist. Alle Richtungen in der Berliner Jüdischen Gemeinde sind in der Bewertung der Verstorbenen und in der Hochschätzung für deren warmherzige, wahrhaft jüdische Tätigkeit einmütig gewesen. Das Andenken dieser vorbildlich eifrigen und pflichtbewußten Persönlichkeiten wird im Gedächtnis der Berliner Jüdischen Gemeinde fortleben. Recklinghausen. In einer von der Ostjüdischen Vereinigung Recklinghausen cinberufenen gut besuchten Versammlung sprach Herr Dr. Max B e r 1, Dortmund, über ״Die Aufgaben einer jüdischen Gemeinde“. Der Referent setzte das Programm der Jüdischen Volkspartei auseinander und forderte vor allem eine Demokratisierung der veralteten Statuten dieser Gemeinde. Der Redner grenzte weiter die Haltung und Forderungen der Volkspartei in kulturellen und sozialen Fragen gegen die Libcralen und auch den C.-V. ab. Besonderen Wert legte er auf die Forderung der Einigkeit und Geschlossenheit innerhalb der O. J. V. Recklinghausen. Herr Amtsgerichtsrat Dr- Stern, Mitf" dem Referenten nicht einverstanden erklären, unterstützt« ie40Ch die Forderung auf Umgestaltung der Satzungen, und rückte von seinen «!demokratischen liberalen Gesinnungsgenossen ab Auch der Jugendbund wird in diesem Punkte die Mithilfe •licht verweigern. Es steht zu hoffen, daß nunmehr bald auch allen Richtungen innerhalb der Gemeinde Rechnung getragen wird, und somit die drohende Gefahr einer Spaltung der Gemeinde, die an sich schon zum Austritt von vielen Gemeindemltgüedem geführt hat, gebannt wird. Investierungen kanadischer Juden In Palästina. In letzter Zeit brachte die' ״Palestine Land Development Co.“ Ltd. den Kauf einer Fläche von zirka 1300 Dunam bei dem Ort Naamah, der schon im Buche Josua (Kap. 15, Vers 51) erwähnt wird, zum Abschluß. Der Boden liegt zwischen den Kolonien Rechoboth und Ekron in der Nähe der Eisenbahnstation Naanah. Die Käufer haben 260 Dunam dieses Bodens dem Keren Kajemeth Lejisrael als Spende übergeben und dieser hat sie zur Gründung einer Wirtschaft für ״Hanoar-Haowed“ bestimmt. Zur Psychologie der jüdischen Renegaten. (Eine Entdeckung in der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek.) Uns wird geschrieben: Der Redakteur der Tageszeitung ״Dawar“, Herr David Sakai, entdeckte in einem Buche der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek» der Astronomie ״Jessod OIam“ des R. Jizchak Hajisraeli in der Ausgabe von R. Baruch aus Szklow, eine handschriftliche Eintragung, welche für die Psychologie der jüdischen Renegaten sehr bezeichnend ist. Das Buch der Jüdischen Nationalbibliothek stammt aus dem Besitz des getauften Juden Paul Margolin , eines durch seine Strenge berüchtigten Zensors der hebräischen Literatur in Rußland, auf dessen Rat hin der Druck des Choschem Mischoat durch viele Jahre in Rußland verboten war und dessen für die Hauptzensur ausgearbeiteten Referate über die jüdische Literatur vielfach von den Judenfeinden als Stoff für ihre Anklagen gegen die Juden verwendet worden sind. Marzolin schrieb im Jahre 1874, 20 Jahre nachdem er sich hatte taufen lassen, ln hebräischer Sprache in das Exemplar, das heute im Besitze der Jerusalemer Bibliothek ist, seine Ahnenreihe auf, die er bis auf den oben genannten Astronomen R. Baruch aus Szklow und noch weiter hinauf zurückführte. Die Eintragung unterschrieb er: Jakob, seit 1854 genannt Paul Margolin. Er versäumte auch nicht, die Namen seiner schon christlichen Kinder einzutragen. Dem Stammbaum fügte er ebenfalls in hebräischer Sprache eine bewegte Anrufung an den Urgroßvater, den Herausgeber des Buches hinzu, den er bittet, sein Fürsprecher in der oberen Welt zu sein. Opernstudio. Im Rahmen eines Opernstudios, das sich jeden Sonntagnachmittag In den Räumen des Kanellmeisters Hugo Tomicich, Eisenacner Str. 121, versammelt» gelangte vor kurzem die einaktige Oper ,,Zanetto" von Mascagnl zur Aufführung, bei der u. a. Frau Eugenia HeilbTUnn-Lopez, die Gattin unseres Gesinnungsgenossen Sally Heilbrunn, mitwirkte. Die ״Berliner Börsen-Zeitung“ schreibt über die Sängerin u. a.: ״Eine Stimme, 'die sowohl als Altistin, wie als Mezzosopran köstliche Schönheiten enthüllt, dramatisch schart ikzentulert Ist und innerlichste Empfindung zum Ausdrude kommen läßt. Man muß es lebhaft bedauern, daß diese hervorragende Künstlerin sich so sehr vor der Oeffentlichkeit verschließt; sie würde eine interessante Bereicherung unserer Optrnbühnen bedeuten.“ — Die Vorführung der Oper ״Zanetto“ erfolgt am gleichen Ort nochmals am 9. März, abends 8 Uhr, ferner auf dem Purimfest der Deutschen Reichstage am 7. März, abends 8 Uhr, in den Räumen der Loge, Kleiststr. 10. Die Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches hielt am 1. Februar 1931 in Berlin eine Sitzung ab, bei der laufende Angelegenheiten besprochen!wurden. Briefe an die Redaktion Berlin, den 6. Februar 1931. Sehr geehrte Redaktion! in Nr. 9 der ״Rundschau“ veröffentlichten Sie eine Zu- Schrift von Herrn R.-A. Dr. Otto Simon, die keineswegs uuwidersprochen bleiben darf. — Unter der Ueberschrift ״Revisionismus und Leitung“ taucht wieder einmal der Wunsch auf, die Revisionisten an führender Stelle in der zionistischen Verwaltung zu sehen. Viel bekämpfenswerter als diese Forderung ist ihre B e - gründung, die ich beinahe als demoralisierend bezeichnen möchte. Fast so, wie die Mittelparteien im Reichstag den Nationalsozialismus als eine Bewegung betrachteten, die, erst einmal vor positive Aufgaben gestellt, von selbst zusammenbrechen würde, betrachtet Herr Dr. Simon den Revisionismus, nur, daß er hinzufügt: wenn er sich durciisetzt, hat er eben seine Qualität bewiesen, man gebe ihm eine Chance, ״schließlieh kann es sehr viel schlimmer nicht mehr gut werden“. Dieselben Argumente veranlaßten einige Millionen indifferente Deutsche, Hitler zu folgen. Gibt Herr Dr. Simon auch ihnen recht? Ist das ein ernst zu nehmender Weg zu einer politischen Meinungsbildung? Sollen unsere Führer so gewonnenen Stimmen ihre Mandate verdanken? Für ein fatalistisches Experiment ist der Zionismus ungeeignet. Er darf nicht riskieren, der Masse der wirklich schaffenden Zionisten, den Leuten, die das Land aufbauen, das Recht der Bestimmung ihres Schicksals zu entziehen. Die Chaluzim aber werden sich kaum von Jabotinsky-Politikern das Schwert in die Hand drücken lassen, wie Dr. Simon es gefordert hat ... es sei denn, zum Kampf gegen die Diktatur des Faschismus. Der ist 1'n jeder Art gleich hassenswert, mögen seine Anhänger die braunen Hemden Hitlers tragen oder sich als Nachkommen der Jewish Legion fühlen. Wir müssen das Judentum gegen den Einen wappnen und Palästina gegen die Andern. Wer . Tendenzen zu begünstigen. Nichts jedoch ist so verwerflich, als der krasse Opportunismus, den die Zeilen der Zuschrift des Herrn Dr. Simon zeigen, 1'n denen zwar eingeräumt wird, daß ein sozialistisches Erez-Israel sicher eine sehr schöne Sache sei, auf die man aber natürlich verzichten müsse, wenn sich der Realisierung gewisse Hindernisse entgegenstellen. (Sollte man nicht lieber gleich den ganzen Zionismus auf geben? Auch seine Verwirklichung hat doch schon oft Schwierigkeiten gemacht.) Zum Schluß noch eine Frage: Wer ist eigentlich ein Parifist? Ich glaubte bisher, ein Mann־ der den Krieg und überhaupt den bewaffneten Kampf in jeder Form ablehnt; sogar den Klassenkarapf. (Diese Definition ist also der von Herrn Dr. Simon diametral entgegengesetzt!) Einen Menschen dagegen, der mit der einen Hand kolonisiert» mit der anderen ficht, nannte ich bisher bestenfalls einen Imperialisten, seine Partei die faschistische. Und hier schließt sich der Kreis, denn den Namen ״Faschisten“ lehnen die Revisionisten 'h.und solche Leute sollte unser junger Staat nichtujcjj”e j^gg. mchen■ Schalom satiottetj nur p . Zentralbehör- _.. נ es.sehr viele eu mitarbeiten,