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Jüdische Rundschau · 1931-02-10 · Heft 11 (10.2.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 11 (10.2.1931)
Date
1931-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Seite. *71 Nr. 1!» 10. TT. 1031 JUEDISCHE RUNDSCHAU Amerikanisch-zionistische Diskussion Ein Artikel über ״Die Realitäten des Zionismus" Die amerikanische Monatsschrift ״The M e n ora h Journal“ veröffentlicht in ihrem letzten Heft (Dezember 1930) an leitender Stelle ei neu Aufsatz ״Die Realitäten des Zio* nismus“ von Herbert Solow, der die Aufmerksamkeit auf die geistige Entwicklung des amerikanischen Zionismus lenkt. Das ״Mcnorah Journal“ ist das Organ der großen jüdischen Studentenorganisation ״Menorah“, die zwar nicht programmatisch zionistisch ist, aber doch gesinnungsmäßig in die zionistische Bewegung gehört. In Amerika ist jetzt eine junge Generation herangewachsen, die sich wesentlich von dem früher maßgebenden Typus des amerikanischen Judentums unterscheidet. Während noch unmittelbar nach dem Kriege der Typus des ostiüdischen Immigranten beinahe ausschließlich für den amerikanischen Zionismus charakteristisch war — die sozial höher stehenden deutschen Juden schlossen sich in ihrer Mehrzahl dem Zionismus nicht an und wurden erst auf dem Umwege über die Jewish Agency teilweise für den Palästinagedanken gewonnen —, ist die Nachkriegsgeneration bereits verwestlicht, in amerikanischen Vorstellungen und mit englisch-amerikanischer Bildung aufgewachsen, und es hat sich allmählich auch in Amerika ein Intellektueller Typus entwickelt, der dem besonders in Mitteleuropa seit Jahrzehnten führender Zionisten ähnlich ist, freilich mit den Besonderbeiten, die eben aus der eigenartigen Atmosphäre Amerikas und des amerikanischen Judentums sich ergeben. Schon seit einigen Jahren kann man beobachten, daß die zionistische Jugend Amerikas sich viel mehr als früher mit der jüdischen und zionistischen Problematik geistig auseinanderzusetzen beginnt. Vor einem halben Jahr gab der zionistische Studentenverein ״Awuka“ anläßlich seines fünfjährigen Bestehens ein Jahrbuch heraus, in welchem bereits deutlich diese geistigen Bestrebungen zu erkennen waren. In diesem Jahrbuch, das auch auswärtige Zionisten zur Mitarbeit aufgefordert hatte, ist an leitender Stelle eine Zuschrift von Robert Welt sch veröffentlieht, worin es u. a. heißt: ״. . . Eine zionistische Studeniemereinigung In den Vereinigten Staaten spielt heute eine ähnliche Pionierrolle, wie sie die riorüstisehen Studenten in Europa vor SO Jahren erfüllt haben. . . . Wir stehen mitten drin in ein«» Prozeß der Umwandlung, de# dahin zu führen scheint, daß die Hegemonie im Judentum von dem russischen und deutschen Judentum auf die Juden der englisch sprechenden Länder übergeht. Und es ist natürlieh, daß vor allem Amerika in immer steigendem Maße als das führende Zentrum des Galulh-Judentums angaseben wird. Wir können heute nicht voraussehen, zu welcher neuen Gestalt uns diese Entwicklung hinführt, wenn auf der einen Seite das Nationalbeira in Palästina als idealer Mittelpunkt des jüdischen Volkes immer frößere Bedeutung erlangt, auf der anderen Seite ein neuer Tvpus es selbstbewußten Juden in der neuen jüdischen Massensiedlung Amerikas entsteht. . , . Nun wird auch im Zionismus ein neuer Typus heraufkommen, der durch die Schule des Freiheitsbewußt- *«ins der amerikanischen Demokratie gegangen ist. Ich glaube, daß viele Anschauungen von Nationalismus und von politischen Methoden, die noch aus dem Inventar der osteuropäischen Traditionen stammen, stark modifiziert werden können, wenn der moderne zionistische Student Amerikas sich die Position im Zionismus erkämpft, die ihm heute nach der objektiven Sachlage rukommt. Ich weiß nicht, ab vir־ schon so weit sind und ob die Generation neuer amerikanischer Zionisten, die ich meine, sieb heute schon in Ihren Reihen befindet. Ich' glaube auch, daß Sie auf das große Erbe der Vergangenheit nicht verrichten können und *ich aneignen müssen, was die Generationen vor Ihnen in Europa zionistisch gedacht und erarbeitet haben. Vielleicht־ ,wird; für:- 4i®.•äraejpMmscb ־erzogen«. 'Jtigeoff be* hswndar» das ׳von -Wert׳?«in; wasitn-d-o-u t s c he 0 Kulturknäs.-zur geistigen Entwicklung des Zionismus beigetragen wurde. Aber die endgültige Gestalt werden Sie selbst Ihrer Bewegung geben müssen, und Sie sollen wissen, daß wir in Europa Ihre Arbeit und Ihre Entwicklung mit großem Interesse, mit großen Erwartungen verfolgen ..." - Ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind, wird sich erst zeigen. Die Diskussion der zionistischen Probleme ist in Amerika besonders im letzten Jahre in Fluß gekommen. Herbert Solo«׳, Jahrgang 1903, der Verfasser des erwähnten Artikels im ״Menorah Journal", war als zionistischer Journalist nach den Unruhen in Palästina und hat dort die verschiedenen jüdischen Strömungen kennengelernt. Sein Aufsatz, übrigens glänzend geschrieben, ist ein Beweis ernster Beschäftigung mit den Probl einen und zeugt von Scharfblick. Wenn auch das Ergebnis, zu dem Solow schließlich gelangt, nach unserer Meinung auf einer Reihe von Irrtümem beruht und vom zionistischen Stand* nunkt gewiß abgelehnt werden muß, so wird man doch vielen Teilen seiner Analyse die Richtigkeit nicht absprechen können. Es wäre zu wünschen, daß man sich in den Kreisen der zionistischen Intelligenz nicht damit begnügte, die Solowsche Argumentation einfach abzulehnen, sondern sich mit den von ihm charakterisierten Realitäten sachlich auseinandensetzte. Solow unterscheidet drei zionistische Gruppen. Das ״Zen* frum“ umfaßt bei ihm nicht nur die Allgemeinen Zionisten, sondern auch den größten Teil der Arbeiterpartei und des Misrachi; die alten traditionellen Parteieinteilungen seien längst sinnlos geworden gegenüber viel wichtigeren Unter* scheidungs-Kriterien. Dieses ״Zentrum“ sei dadurch charakterisiert, daß es sich über die tatsächliche Lage grundsätzlich keine klare Rechenschaft gebe. Selbst die politischen Ereignisse des letzten Jahres, die den Zionismus tief erschüttert haben, vermochten nicht, das ״Zentrum“ zu einer klaren Ueberlegung über Wege und Ziele des Zionismus zu veranlassen. Vielmehr glaubt man in diesen Kreisen, es komme nur darauf an, das bisherige System äußerlich weiter fortzusetzen, in der koloni* satorischen Arbeit fortzufahren und sich auf das Mandat zu berufen, blind für die Tatsache, daß das Mandat in Wirklich* kort in den entscheidenden Punkten bereits durchlöchert ist. Das ״Zentrum“ übernimmt die konventionellen Ideen der heute maßgebenden kapitalistischen Welt, es erblickt seine politische Stütze in dem Völkerbund, der sich längst als ein Apparat zur eigensüchtigen Aufrechterhaltung des alten Michte-Systems — ganz im Gegensatz zur Idee eines wirklichen Völkerbundes — enthüllt habe. Die Politik des Zentrums, noch verschlechtert durch die Hereinziehung der Großjuden in die Jewish Agency, könne itn besten Fall zu einer Verwandlung des Zionismus in •eine neue Pica führen, niemals aber zur Lösung der Judenfrage oder zur Erfüllung der Träume, die man feinmal mit dem Zionismus verbunden hat. Viel klarer als das Zentrum wird die Lage von den beiden F)ügelt1 erkannt Diese haben die Wertlosigkeit einer Be* rafung auf das Mandat durchschaut und fordert eine ׳' Neu- Orientierung der Politik. Der rechte Flügel, repräsentiert durch die Revisionisten, befürworte ein klares und offenes Bündnis mit dem englischen Imperialismus. Der jüdische Staat, den die Revisionisten erstreben, solle ein Bollwerk Europas gegen den Orient sein, er solle dazu dienen, mit englischen und jüdischen Waffen die arabische Welt niederzuhalten. Solow hält diesen Weg für völlig utopisch, da ein solches jüdisches Staatswesen sich auf die Dauer gegenüber der Brandung des arabischen Meeres nicht halten konnte und ein katastrophales Ende nehmen müßte. Aber auch für die Dauer seiner Existenz würde dieser Judenstaat in einer völligen geistigen, politischen Und militärischen Abhängigkeit vpn England sein und nicht dem jüdischen Befreiungsideal entsprechen. Demgegenüber erstrebe der linke Flügel, der durch den ״Brith Schalom“ vertreten werde, dem der Verfasser aber auch andere zionistische Gruppen wie z. B. die ״Jüdische Rundschau“ und sogar Ab. Goldberg in Amerika zurechnet, ein Bündnis mit den Arabern gegen England. Dieser Flügel sei zwar theoretisch gegen den englisehen Imperialismus gerichtet und wolle sich mit der arabischen Arbeiterklasse vereinigen, aber ein solcher Versuch müsse aus dem Grunde mißlingen, weil der arabische Nationalismus sich in kurzer Zeit ganz nach dem Vorbild der europäisch-kapitalistischen Welt entwickeln und sich dieser Welt eingliedern werde. Die Araber werden dann die Bundesgenossenscnaft der Juden nicht mehr nötig haben und werden sie schnell abschütteln, so daß auch auf diesem Wege eine Verwirklichung des Zionismus nicht möglich sei. Da der Verfasser in diesem Zusammenhang die ״Jüdische Rundschau“ erwähnt, so ist es uns wohl erlaubt, gleich an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß Gedanken, wie er sie uns zuschiebt, in der ״Jüdischen Rundschau“ niemals vertreten wurden. Die Parole einer Verbindung der Juden mit der ״arabischen Arbeiterklasse“ gegen den europäischen Imperialismus wird unseres Wissens lediglich von einer —• sehr kleinen — Gruppe vertreten, nämlich von den Kommunisten, also gerade von einer Gruppe, der Solow, wenn wir ihn recht verstehen, geistig nahesteht. In der ״Jüdischen Rundschau“ (und in den Kreisen des ״Brith Schalotir) wurde das Utopische einer solchen Politik stets hervorgehoben und darauf hingewiesen, daß bei einer im Aufstieg befindlichen nationalen Bewegung wie der arabischen die S. MKrz. Marmorsaal Klassenunterschiede zunächst zarücktreten, so daß der Zionismus mit dem heute von der bürgerlichen Intelligenz geführten arabischen Nationalismus rechnen muß und sich nicht auf eine Resolution der arabischen Arbeiter und Fellachen vertrösten darf. Die in der ״Jüdischen Rundschau“ vertretene Politik beruht seit Jahren auf der Forderung eines Ausgleichs mit dem arabischen Volk und einer einen solchen Ausgleich ermöglichenden Neuformulfcrung der zionistischen Ziele, in der durch «ine zehn Jahre lange Erfahrung bestätigten Erkenntnis, daß auch eine Kooperation mit England, dessen Imperialismus längst nicht m?nj• die von den Revisionisten zugrunde gelegte plumpe Form hat, mf durch eine sofchs N^uorietitierung.üi Jn^orie mul Praxis nferbeigeführt bzw. äufrech'ferhalten weriferrkann. Die Verwirklichung des Zionismus mit englischer Hilfe "ist also — im geraden Gegensatz zur Solowschen Antithese — nur durch eine auf Verständigung mit den Arabern abzielende zionistische Politik möglich, da England nicht geneigt ist, durch einseitige prozionistische Stellungnahme seine Beziehungen zur moslemisehen Welt neu zu belasten. Nachdem Solow sowohl das Verhalten des Zentrums, als auch die Anschauungen des rechten und linken Flügels abgelehnt hat, wird man mit Recht darauf gespannt sein dürfen, was er nun eigentlich von sich aus vorzuschlagen hat. Die Er- Wartungen des Lesers werden jedoch in diesem Punkt außerordentlich enttäuscht. Solow begnügt sich mit allgemeinen Andeutungen, deren exakter Sinn nur vermutet werden kann. Er sagt, daß mit Hilfe der alten Mächte der heutigen kapitatistischen Gesellschaftsordnung eine Verwirklichung der zionistisehen Ideale eben überhaupt nicht möglich sei und daß aus diesem Grunde die drei von ihm beschriebenen Gruppen notwendig scheitern müssen. Aufgabe des Zionismus sei es, einen Anschluß an die neuen Kräfte, die Mächte von morgen, zu suchen. Nur sie werden dem jüdischen Volk bei seiner Befreiung helfen können. Man muß annehmen, daß Solow hier auf den K ommunistnus anspielt. Es wäre nicht zu verwundern, daß gerade in Amerika im heutigen Stadium der Entwicklung eine junge intellektuelle Generation, die sich von der jetzigen Lebensform abgestoßen fühlt, zum Kommunismus gelangt Aber im Interesse einer fruchtbaren Auseinander- Setzung wäre es wünschenswert gewesen, daß Solow seine Meinung auch in diesem Punkt präziser zum Ausdruck bringt Die Diskussion mit dem Kommunismus, der den Zionismus mit der Begründung, er sei ein Anhängsel der alten reaktionären Mächte, ablehnt, ist für uns nichts neues. Es ist aber sehr interessant, daß diese Diskussion nun auch im amerikanischen Judentum akut wird, wenigstens wenn man den Artikel von Solow als repräsentativ betrachten kann. Die scharfe Charakterisierung des bürgerlichen Zionismus als einer reaktionären Bewegung wird vielleicht besser verstandlieh durch eine Bemerkung von Solow, der darauf hinweist, daß als Verteidiger des Zionismus im amerikanischen Kongreß der jüdische Kongreßmann Hamilton Fish aufgetreten ist. Dieser Fish, der nach dem englischen Weißbuch eine scharfe Rede gegen die Verletzung des Mandats durch England im Kongreß gehalten hat, ist zugleich der schärfste Agitator gegen die angeblich« kommunistische Gefahr in Amerika. Er ist Vorsitzender eines Parlamentsausschusses ״zur Untersuchung kommunistischer Umtriebe“ (vgl. auch ״Vossische Zeitung“ vom 5. Februar). Wenn ein solcher Mann oder z, B. der aus dem Sacco und Vanzetti-Prozeö bekannte Gouverneur Füller als Verleidiger des Zionismus im amerikanischen öffentlichen Leben hervortretfen, so wirkt dies begreiflicherweise auf einen großen Teil der jüdischen Jugend Amerikas abstoßend. Dies ist in Europa vielleicht nicht so verständlich, weil hier gerade die fortschriftlichen Elemente es sind, die innerhalb der öffentlichen Meinung den Zionismus unterstützen. Der Artikel Solows ist jedenfalls ein weiteres Symptom für das längst fühlbare Bedürfnis nach einer ideologisehen Klärung im Zionismus. Der Zionismus leidet seit Jahren an Ueberalterung, an Erstarrung alter, aus dem 19. Jahrhundert stammender Theorien und Denkformen, und eine Weiterbildung des lebendigen, dogmenfreien zionistischen Denkens ist in den zwölf Nachkriegsjahren, die mit praktischen Aufgaben und Sorgen angefüllt waren, allzu sehr vernachlässigt worden, — nicht gerade nur in Amerika. Es ist daher zu begrüßen, daß die Redaktion der ״Menorah“ eine Aufforderung zur Stellungnahme zu dem Solowschen Artikel an eine große Zahl von Zionisten, auch außerhalb Amerikas, ergehen ließ._ Man wird auf die Fortsetzung dieser Debatte gespannt sein dürfen. Professor Josef Horovitz ln Frankfurt a. ■V. ist der bekannte Orientalist Professor Josef Horovitz auf dem Wege zur Universität plötzlich 311 Herzschlag im Alter von 57 Jahren gestorben. Horovitz war Direktor des Orientalist!sehen Institutes der Universität Jerusalem. Er war mehrmals längere Zeit in Palästina, 113t das Institut eingerichtet und stand der Leitung der Universität, deren Kuratorium er angehörte, mit Rat und Tat stets zur Seite. Trotz seiner persönlichen Ablehnung des Zionismus war er auch sonst stets bereit, der jüdischen Sache zu helfen, insbesondere Im Sinne einer Verständigung mit der moslemisclien Welt, mit׳ der ihn vielfache Beziehungen verbanden, und der Eitigliederang des Jüdischen Nationalheims in den erwachenden Orient. Horovitz wurde IS74 in Lauenburg (Pommern) als Sohn des Rabbiners Marcus Horovitz, des späteren Frankfurter Rabbiners. Begründers und Leiters des Rabbinerverbandes in Deutschland, geboren, 1902 habilitierte sich Josef Horovitz an der Universität Berlin, nahm 1906 einen Ruf als Professor des Arabischen an das Muhammedan Angio Oriental College in Aiigarh (British Indien) an, bekleidete seit 1909 in Indien daneben das Amt eines Government Epigraphist for Moslem Inscriptions, wurde 1914 «in die neubegründete Universität Frankfurt a. M. berufen und bekleidete seit 1915 dort die ordentliche Professur für semitisehe Philologie. Er gilt als der beste Kenner des Koran in der nichtmohammedanischen Welt, er gab eine Reihe tiefgreifender Untersuchungen über den Koran heraus. Sein hauptsächliches Forschungsgebiet bildete die Literatur- und Kulturgeschichte des Islam. Er arbeitete an der von der Berliner Akademie der Wissenschaften unter Eduard Sachaus Leitung veranstalteten Ausgabe der Schriften lbn Saads mit. Während seines Auf ent- Haltes in Indien hat er sich besonders mit der Erforschung indo-moslemitischer Inschriften befaßt. In früheren Jahren bereiste er zu Forschungszwecken Aegypten, Syrien, Palästina' und andere Linder des Orients. » Die Wissenschaft und das Judentum haben durch das Ableben von Prof, Horovitz einen schweren Verlust erlitten. ' Ein Bach gegen den Simpson ־Berldit In der Reihe der ״Palestine and Near Easf“-Publikatioaet1 erschien soeben ein neues Buch von Dr. A, öranoffsky: ״Land and thc Jewish Reconstruction in Pa- 1 e s t i n er“ (Boden und jüdischer Aufbau in Palästina). Das Buch enthält eine scharfe Kritik des Simpson-Berichtes und seiner Methoden. Granowsky weist im einzelnen die Hauptthesen vpn Simpson als auf falschen Daten und Voraussetzungen beruhfeüd zuruck und erklärt vor allem die Bodenstatistik Simpsons auf Grund zahlreicher Belege als unfundiert. Die Folgerungen, die Simpson aus seinem Material über die Aufnahmefähigkeit des Landes zieht, müssen daher als falsch abgelehnt werden. Simpson lasse cs auch an einer gerechten Würdigung der iüdisehen Tätigkeit im Rahmen der von ihm untersuchten Probierte fehlen. Er spreche von den Trockenlegungsarbeiten der Regierung, der Juden und des Obersten Moslemischen Rates in einem Zug, als ob es sich um gleichwertige Leistung׳en haudelte, während doch die Juden in diese hochwichtige Arbeiten allein einen Betrag von 309 317 Pfund investiert hätten, die Rigierung dagegen nur 30 003 Pfund und der Oberste Moslemische Rat gar nur 4000 Pfund. Auch die Berechnungen des nicht bebauten Landes in jüdischem Besitz seien unrichtig. Die Bodenreserve des Keren Kajemeth betrage nicht 155 755 Dun am, sondem weniger als die Hälfte dieser Fläche, da Simpson vergessen habe, ׳einmal, die.für.Ansiedhhig ungeeigneten ,Böden und d»B jene Bwem des 'Keren' Kajemeth ausntscheiden, die nicht aus Mitteln des Keren Hajessod besiedelt seien. Das Buch erscheint in den nächsten Tagen auch deutsch und hebräisch. * Als Nachtrag zum Bericht von Sir John Hope Simpson erschien soeben in London ein Anhang, der die Karten, auf die im Bericht wiederholt Bezug genommen wird, enthält. In dem kurzen Begieitfext befindet sich auch eine Richtigste!- hing der Angaben auf Seite 42 des Simpson-Berichtes, die die Kosten der zionistischen Kolonisation betreffen. Das Keren Hajessod-Hauptbüro hat seinerzeit nach Erscheinen des Berichtes auf den Fehler aufmerksam gemacht, der von dem Verfasser des Berichtes hei der Aufstellung der zionistischen Siedlung*- kosten begangen wurde. (Vgl. ״Jüdische Rundschau“ Nr. מ vom 14. November 1930.) In der jetzt veröffentlichten Richtig- Stellung wird als Gesamtkosten der landwirtschaftlichen Kolonisation der Zionistischen Organisation aus den Mitteln des Keren Hajessod und Keren Kajemeth ein Betrag von 2 734 636 Pfund (excl. des auf die Landwirtschaft entfallenden Anteils der Budgets für Erziehung, öffentliche Arbeiten, Gesundheit, Ein- Wanderung usw.) angegeben, gegenüber einem Betrag von 4 891 190 Pfund in der ursprünglichen Fassung. (Vgl. ״Jüd. Rundschau““ Nr. 90 vom 14. 11. 1930.) Jebad“ ln Lettland Aus Riga wird uns berichtet: Am 25. Januar d. J. fand in Riga die Gründungskohferenz der ״Vereinigten ziomstisch-sozialistischen Partei (Zeire Zion und Z. S.) in Lettland“ statt. Nach dem Ichud in Palästina im Herbst 1929 ist die Vereinigung der Landesorganisationen der ״Hitachduth“ und ״Poale Zion“ in Lettland der erste Ichud-Fali in der Galuth. lieber die Grund- Prinzipien der Vereinigung und den Charakter der neuen Partei sprachen die Herren Abg. Prof. M. Lazerson, J. Meierson und I. Vinnik. Sämtliche Redner betonten, daß der Ichud in Lettfand das Resultat einer langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit beider Parteien und einer siarken ideologischen und psychologischen Annäherung ist. Latzki-Bartoldi begrüßte namens der Liga für das arbeitende Palästina, der Leite Karsum namens des lettländischen Gewerkschaftsbundes. Aus der Ichud- Plattform seien folgende Bestimmungen erwähnt: 1. Die Vereinigte Partei wird keinem der Wcltvcrbände (Poale-Zion und Hitachduth) angehören, sondern sich der palästinensischen Arbeiterpartei anschließen. In prinzipiell-wichtigen Fragen ist die Stellungnahme der palästinensischen Arbeiterpartei für die lettländische Partei maßgebend. 2. Zur Sozialistischen Arbeiterinternationale wird die neue Partei durch den Weltv erbang Poale Zion angeschlossen. 3. Hebräisch und jiddisch werden als . " ' . ‘ ' ” Von der Allgemeinen Hypothekenbank für Palästina. Aus Tel-Awiw wird uns berichtet: In der Sitzung des Verwaltung?- rates der Allgemeinen Hypothekenbank für Palästina am 25. Jan. 1931 wurde beschlossen, aus dem Reingewinn des Jahres 1930 von £PaI. 4860 eine Dividende von 5 <0/י auf das eingezahlte Aktienkapital von £Pal. 50000 zu verteilen (£Pal. 2504); aus dem Rest £PaI. 1000 dem Reservefonds zu überweisen; dem Keren Hajessod eine Zuwendung von £PaI. 500 zu machen, dem Beamtenversicherungsfonds £Pal. MO zuzuweisen und die restliehen £Pal. 506 auf neue Rechnung vorzutragen. Bekanntlich sind die 7 0/a Pfandbriefe der Hypothekenbank auch in Deutschland zur Zeichnung ä 98 <y« aufgelegt Die Pfandbriefe lauten auf Pfunde. Ke Vertretung Hegt in den Händen von Herrn Herbert Rosenthal, Berlin NW 87, Brückenallee 21 (hansa 5966).

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