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Jüdische Rundschau · 1931-02-06 · Heft 10 (6.2.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 10 (6.2.1931)
Date
1931-02-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10, 0. H 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 03 In dem Wahnsinn liegt Methode Wern man die Aeußerungen der nationalsoziallstisehen Blätter verfolgt und wenn man die einzelnen Vorkommnisse an Hochschulen, in Versammlungen, in gesetzgebenden Körperschaften, in Kunstinstituten und Wirtschaftsbetrieben registriert, so kommt man zum Ergebnis, daß die antisemitische Aktion schon jetzt, ohne daß die Nationalsozialiefen Anteil an der Regierung des Deutschen Reiches haben und ohne daß sic die von ihnen herbeigesehnte Diktatur im ״Dritten Reiche'■ errichtet hätten, den von ihr beabsichtigten Zweck zürn großen Teil bereits erreicht hat. Ein Verdrängungsprozeß ohnegleichen gegen die Juden hat in den letzten Monaten eingesetzt, und systematisch wird der Kampf gegen die jüdische Gesamtheit wie auch gegen einzelne Juden mit leider immer rintretendem Erfolg geführt. Ob man nun die Entfernung j ii - disc herKünstler aus den Staatstheatern in Thüringen in Betracht zieht oder die Boykottierung jüdischer Hoch- Schullehrer, die praktische Durchführung des Numerus clausus an einzelnen Hochschulen, die Kündigung jüdischer Angestellter und Arbeiter, die antisemitischen Studen.tenexzesse in Heidelberg und Wien — in all dem liegt ein geschlossenes System. Es ist ein Angriff gegen die Juden in breiter Front, und das Fatale ist, daß man mit gesetzlichen Mitteln, auch wenn die betreffenden Regierungen willens wären, diese gesetzlichen Mittel rücksichtslos in Anwcndüng zu bringen, die antijüdische Orimdstimmung nicht beseitigen kann. Die allgemeine Not, die sich stetig verschärfende Wirtschaftskrise, die ungeheure Arbeitslosigkeit, die Zeriniirbillig aller Energien in Verbindung mit dem unablässigen antijüdischen Boykott haben einen Zustand innerhalb der jüdischen Gemeinschaft erzeugt, der nur vergleichbar ist mit der sagenhaften Lähmung des Opfers im Angesicht einer Brillenschlange. Energie- und tatenlos läßt man die Dinge treiben und begniigt sich mit Abwehr-Artikelchen und Traktaten gegen die Sinnlosigkeit und Verabscheuungswürdigkeit der antisemitischen Doktrin. Als ob es darauf ankäme, nachzuweisen, daß irgendeine politische Theorie innerlich unlogisch ist! Innerhalb historischer Entwicklungen waltet sehr selten reine Vernunft. Vielmehr sind cs Energieströme, die sich zügellos ergießen und sehr oft mit nicht abzuwehrenden Mitteln das Unvernünftige lierbeifüliren. Es bedarf wohl keines langen Erklärens, um darzutun, wie hirnrissig die nationalsozialistische Rassentheorie ist. Aber ob vernünftig oder unvernünftig — sie ist die Bibel der Nationalsozialisten und gemäß dieser Bibel richten sie eine Ideologie auf, die sie mit aller erdenklichen Finesse und Rabulistik ausbauen. Alles, was in der Welt an, vom nationalsozialistischen Standpunkte aus gesehen, Schlechtem und Verabscheuimgswürdigem vorgeht, erlangt in der Betrachtungsweise der nationalsozialistischen Organe sofort eine jüdische Note. Wird in Liberia Negersklavenhandel getrieben, so erscheint der Berieht darüber im ״Völkischen Beobachter“ unter dem Titel: ״jüdisch-amerikanisches Kapital treibt Skiavenhande 1“. In dem darunter stehenden Berichte kommt weder ein jüdischer Name, noch Oberhaupt das Wort jüdisch vor. Ist irgendwo in der Welt von einer rein nichtjüdischen Versammlung eine pazifistische Resolution gefaßt worden» so erscheint diese׳ Mitteilung .ln nationalsoziälistisriie« .Zeitungen. unter dem Schlagwort ״AII j üdi s c h e Umtriebe“. In Paris fand vor einigen Tagen eine von der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus einberufene Versammlung statt, in der neben Juden auch christliche Geistliche das Wort ergriffen. Der ״Völkische Beobachter“ berichtet darüber unter dem Titel ״AUjüdische Drohungen gegen die erwachten Völk e r“. In jener Versammlung sprach übrigens auch Walter Mehring. Seine Rede, durch keine Kenntnis der Judenfrage getrübt, war, objektiv gesehen, auch vom deutschen Standpunkte aus durchaus würdig. Er verwies vor der tausendköpfigen fran• zösischen Versammlung auf die Wirtschaftskrise in Deutschland und machte eigentlich auch Frankreich für diese Zustände ver■ antwortlich. Selbstverständlich war dann die Rede Mehrings in den nationalsozialistischen Zeitungen wieder einmal ein Schul- Beispiel für jüdische Frechheit, für jüdische Verleumdung des deutschen Volkes usw. Das Zentralorgan des Nationalsozialismus, ״Der Völkisehe Beobachter“, begnügt sich aber nicht nur mit pöbel■ haften antijüdischen Nachrichten und Notizen, sondern manchmal kommt es ideologisch und theoretisch. So wurde am 28. Januar in einer Beilage des ״Völkischen Beobachters“ ״Der Kampf ums deutsche Recht“ eine Studie aus den nationalsozialistischen Monatsheften unter dem Titel ״Das Judentum in der nationalsozialistischen Rechtsordnun g“ nachgedruckt. In dieser Studie wird dargestellt, wie sich die Nationalsozialisten die gesetzliche Regelung des Juden- Problems im kommenden ״Dritten Reiche“ vorstellen. Man muß gestehen, daß sich die nationalsozialistischen Theoretiker Mühe gegeben haben, diese Frage von ihrem Standpunkte aus genau durchzudenken. Sie wissen, daß man Ausnahmsgesetze nicht ohne weiteres schaffen kann. Sie rechnen mit der Möglichkeit von Repressalien gegen deutsche Staatsangehörige in denjenigen Ländern, deren jüdische in Deutschland lebende Staats- Bürger durch die nationalsozialistische Rechtsordnung betroffen werden könnten. Und mit advokatorischer Rabulistik wird ein System präsentiert, welches den Nationalsozialisten nach Erlangung der Herrschaft in Deutschland ermöglichen soll, die Juden aus dem Status der Gleichberechtigung zu drängen, ohne außerlulb Deutschlands wirkenden Faktoren den formalen Anlaß zu bieten, gegen diese neue Judenordnung in Deutschland etwas zu unternehmen. Nach außen hin sollen die Juden gemäß dem nationalsozialistischen Rezept voll den Schutz des Deutschen Reiches genießen. Im Innern aber sollen sie nicht Staatsbürger, sondern ״Reichsinsassen“ sein. Unter ״Reichsinsassen“ sind Gäste zu verstehen, die der Fremdengesetzgebung unterliegen. Diese Fremdengesetzgebung bedeutet nicht eine Minderung der Menschenrechte, sondern ״nur“ eine Aberkennung der Staatsbürgerrechte, also die Unfähigkeit, aktiv und passiv zu wählen und ein Amt oder eine öffentliche Stellung zu bekleiden. Damit das nicht nur als gegen die Juden ge■ richtet erscheine, soll sich diese Regelung auch auf die in Deutschland lebenden Litauer, Dänen und Polen beriehen. Da jedoch anzunehmen ist, daß Litauen, Dänemark und Polen auf Grund der bestehenden Verträge sich diese unterschiedliche Behandlung ihrer in Deutschland lebenden Volks• genossen nicht gefallen lassen werden, so wird der Effekt dieser allgemeinen Regelung sein, daß von ihr nur die Juden betroffen werden. Der nationalsozialistische Theoretiker schreibt: ״Die Gleichstellung nach außen wird geeignet sein, den hauptsäch- Uchsten Vorwand für mögliche Repressalien wenigstens formell Wenn Lieschen Neumann Jüdin wäre. * Der Sensationsprozeß gegen die drei jugendlichen Raubmörder, der gegenwärtig ganz Berlin erregt und über den die Zeitungen spaltenlange Berichte bringen, hat nichts mit jüdisehen Angelegenheiten zu tun; es sei denn, daß man die Aussage von Urschen Neumann, ihr Geliebter Stolpe habe oft gesagt, er möchte gern einmal einen reichen Judenerschlagen, allzu ernst nimmt. Immerhin mag die leichtfertige Propaganda, die in einem Teil des deutschen Volkes heute für das ״Erschlagen von Juden“ betrieben wird, dazu beitragen, daß sich in dem nicht sehr entwickelten Bewußtsein dieser primitiven Menschern die Anschauung herausbildet, daß unter Umständen Erschlagen gar keine so unzulässige Angelegenheit sei. Aber wer gewohnt ist, Geschehnisse unter dem Gesichtspunkt der Judenfrage zu betrachten, dem werden auch angesichts der armseligen Kreaturen, die die Personen dieses Dramas bilden, nachdenkliche Betrachtungen sich aufdrängen. Was wäre, so geht einem durch den Kopf, wenn Liese IienNeu mann und ihre Komplizen Juden wären... Man überlegt weiter und findet einen solchen Fall unwahrscheinlich. Ohne nationale Ueberheblichkeit kann man doch annehmen, daß eine solche Haltung bei Juden so gut wie ausgeschlossen sein dürfte. Nicht, daß es keine jüdischen Verbrecher geben kann, gewiß gibt es die bei uns wie bei jedem Volke, aber nicht die Kriminalität interessiert uns hier, sondern die psychologische Eigenart. Jüdische Menschen, die eine Scheußlichkeit begangen haben, hätten sicherlich ein Schuldgefühl, sie würden wenigstens in irgendeiner dunklen Zone ihrer Seele wissen, worum es hier geht. Nicht umsonst kann ein Volk Jahrtausende lang seine ganze Energie, seine ihm eigentümliche Genialität und alle seine Gedanken auf ethische Fragen konzentrieren, der Gedanke der Unantastbarkeit des Menschenlebens, der Respekt vor Gottes Schöpfung muß ihm schließlich ins Blut übergehen. Dem gegenüber stehen wir bei den Angeklagten vor dem erschreckenden Phänomen eines Heidentums, dem nicht einmal eine Ahnung von der Grauenhaftigkeit der Tat aufgeht. Eine Illustration dazu ist es z. B., daß sich die zwei männlichen Angeklagten bitter darüber beklagen, daß sie in dem Pomntersehen Oertchen Schivelbein von den dortigen Polizeibeamten ungebührlich behandelt worden wären. Wir sind die letzten, die irgendeinem Polizeiorgan das Recht zugestehen, mittelalterliche Roheitsakte gegenüber Verhafteten zu begehen. Aber es mutet doch eigentümlich an, daß junge, kräftige Burschen, die kalten Blutes einen Menschen umgebracht haben, urplötzlich wehleidig werden, wenn man sie, was im übrigen gar nicht bewiesen ist, ein wenig unsanft angepackt hat. Es beleuchtet schlaglichtartig unsere Situation im Deutschland von heute, wenn wir auch mit einer gewissen Erleichte• rung feststellen, daß der ermordete Ul brich auch kein Jude gewesen ist. Gott behüte, wenn er das gewesen wäre! Alsdann würden auch alle nicht gerade ausgesprochen antisemitischen Zeitungen durchblicken lassen, daß ein jüdischer Vampyr und Verführer in ,einer Armelcute-Gcgend die Sitten der Bevölkerung verseucht hat, und daß er in die kindlieh naiven Seelen deutscher Jungfrauen das Gift schlimmster Verderbtheit geträufelt hat. Wenn Ul brich ein Jude "gewesen wäre! Dann würde Lieschen Neumann als verführter Engel bedauert werden und ihre Komplizen Stolpe und Benziger fänden Verständnis als Radier geschändeter deutscher Frauenehre Nicht der Mörder, der Ermordete wäre dann schuldig... Worin besteht die Judenfragc? Sie besteht in Folgendem: Keinem Menschen, nicht einmal einem Irrsinnigen, wird es einfallen, die Tat und das Benehmen der Neumann Und ihrer Freunde als charakteristisch für irgendeine Gemeinschaft zu bezeichnen. Nicht einmal der erbittertste Deutschenfeind wird sagen: So sind die Deutschen, oder ähnlichen Unsinn. Und keinem christlichen Deutschen wird auch nur im entferntesten der Gedanke kommen, daß er wegen der nationalen oder religiosen Zusammengehörigkeit mit diesen Verbrechern solidarisch gemacht werden könnte, er wird den Vorgängen des Prozesses mit völliger Unbefangenheit, mit der Erschütterung eines menschliehen Beobachters gegenüberstehen. Wenn aber Lieschen Neumann Jüdin wäre, oder wenn Ulbrich Jude gewesen wäre, — die gesamte Judenlieit Deutschlands und vielleicht weit über Deutschland hinaus würde sich getroffen fühlen, würde mit banger Sorge auf das Geschrei warten, das nicht ausbleiben würde: Die Juden . . . In diesem Gefühl, in dieser paradoxen Situation, die die Gesamtheit mit jedem Individuum schicksalhaft verkettet, in dieser erzwungenen Befangenheit liegt die Judenfrage. Und von dieser Tragik, in der ein Volk nid# leben kann, uns befreien: das heißt Zionismus. lllinillllliliniHIHiniMlllllllllllHlltlinilllltllllHIItlllHIHIHIinHHIIIIIIIIMtBIIIIIIIIHIIIIt^ auszuschalten, wenn natürlich damit der Ansturm der gesamten Weitjudenschaft noch lange nicht abzuschlagen ist.“ Freilich hat es noch lange Wege bis das ״Dritte Reich“ gekommen und gemäß den nationalsozialistischen Rezepten eingerichtet ist Immerhin läßt sich erkennen, daß in dem nationalsozialistischen Wahnsinn Methode liegt Es ist gut, wenn man auf jüdischer Seite rechtzeitig Kenntnis von diesen Plänen der Nationalsozialisten erlangt 5• n. Gegen Einbflrgernng von Juden Im Deutschen Reichsrat wird ein Kampf um die Einbürgerung von Personen, die schon längere Zeit in Deutschland leben, geführt. Nach der preußischen Praxis gilt eine zehnjährige Seßhaftigkeit in Deutschland als zureichende Voraussetzung für die Einbürgerung, wenn sonst keine Gründe gegen eine Einbürgerung im Wege stehen. Die Einbürgerung in einem deutschen Staate ist aber von der formalen Zustimmung aller Länderregierungen abhängig. Im Falle eines Einspruches durch irgendeine Landesregierung gelangt das betreffende Einbürgerungsgesuch zur Entscheidung an den Reichsrat, der dann mit einfacher Mehrheit endgültige Beschlüsse laßt. Bis vor einem Jahre waren es gewöhnlich die Landesregierungen von Bayern und von Mecklenburg, die in Fällen jüdischer Petenten Einspruch erhoben, worauf dann der Reichsrat mit Stimmenmehrheit gemäß den Anträgen der Preußischen Regie* rung oder Sachsens entschied. Seitdem jedoch die National- Sozialisten in Thüringen, Braunschweig, Oldenburg und Mecklenburg eine ausschlaggebende Rolle spielen und auch in Sachsen der Einfluß der Nationalsozialisten gestiegen ist, wird gegen jeden jüdischen Gesuchstell er unweigerlieh Einspruch erhoben, da die Nationalsozialisten Rassenfremdheit als unbedingtes Hindernis für eine Einbürgerung betrachten. Da jedoch der Begriff Rassenfremdheit nach den bestehenden Gesetzen kein stichhaltiger Einwand ist, verlangt Frick als Führer der Einspruch erhebenden Reichsrat- Mitglieder eine Karenzzeit von 25 Jahren. Die Einsprüche erfolren, da den Länder-Regierungen nur die N a m e n und die Hercunftsländer der Gesucnsteller mitgeteilt werden, aut Grund der Abschätzung, ob die Bewerber Juden oder Nichtjuden sind. In den Tageszeitungen wird über diese Frage ausführlich berichtet, wobei man einen eigentümlichen Eiertanz aufführt. Die ganze Aktion Fricks richtet sich ausschließlich gegen Juden. Trotzdem wird in der ״Vossischen Zeitung“, die sich Mittwoch mit dieser Sache beschäftigte, ängstlich vermieden, das Kind beim richtigen Namen zu nennen und so getan, als ob Frick auch gegen die Einbürgerung anderer Ausländer wäre. Als Beispiel für die verkehrte Bewertung der Namen von Gesuchsteilem wird angeführt, daß nach der Frickschen Methode der deutsche Minister in der Tschechoslowakei, Dr. Czech, nicht eingebürgert werden könne, während der Tscheche Dr. Franke die nationalsozialistische Zensur passieren würde. Was den Fall Czech anbelangt, so mag die Annahme der ״Vossischen Zeitung“ stimmen. Denn Czech ist ein Jude mit böhmischem Namen, der als Führer der deutschen Sozialdemokratie Minister in der Tschechoslowakei ist. Frick wendet sich nicht gegen ״Ausländer“, er wendet sich nur gegen die Juden. In der Sitzung des Reichsrates vom 5. d. M. wurden von 363 vorliegenden Einbürgerungsgesuchen, trotz des Einspruchs von Frick und Genossen, der größte Teil genehmigt Berliner Zionistische Vereinigung Montag, den 9. Februar 1931, 8t Uhr Berlin W15, Meinekestr. 10, Sitzungssaal Vortrag Dr. M. Traub: ״Aktuelle Jüdische Wander und Wirtschaftsfragen'י Presseschau Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ vom 1. 2. berichtet von schweren bolschewistischen Besorgnissen wegen der von den Engländern in Angriff genommenen Röhrenleitung Mossul-Haifa und der Eisenbahnlinie Haifa—Bagdad Rußland erblicke in diesen Maßnahmen zur Verwirklichung der Verstärkung des englischen Einflusses im Orient eintreten“ und wirtschafts-politisch werde die Rohrleitung Mossul—Haifa «ine vollkommene Verdrängung Rußlands aus dem. Pe•’ tröleüm markt des mittleren Ostens nach sich ziehen. Die Sowjefregierung sei offenbar entschlossen, eine große Gegenaktion zu organisieren. Sämtliche bolschewistischen Organisationen des Orients seien angewiesen worden, mit allen Mitteln gegen die englischen Pläne anzukämpfen, ln Palästina, Syrien, dem Irak usw. solle der Feldzug unter nationaler Flagge geführt werden, ln geheimen Flugblättern usw. würde die arabische Bevölkerung gegen die ״Versklavung durch England“ aufgewühlt. Bolschcwistische Emissäre knüpften Beziehungen zu den Wüsten- Stämmen entlang der geplanten Rohrleitung und Eisenbahn an, um die Nomaden zu Üeberfällen auf englische Ingenieure und Beamte aufzuhetzen. Die bolschewistische Propaganda werde sehr geschickt und mit großen Geldmitteln betrieben. Bezeichnend sei die Tatsache, daß die Sowjets, die scheinbar großen Wert auf die Aufrechterhaltung eines offiziellen Kontaktes mit England legen, ihre Propaganda ausnahmslos durch einheimische Kommunisten machen ließen. ״SchönereZukunf t“, eine führende und geistig hochstehende christlich-soziale Wiener Wochenschrift, die einen wirtschafts- und kulturpolitischen Antisemitismus pflegt, schreibt in ihrer letzten Nummer über den Kampf des 30jährigen Barons Edmoml de Rothschild gegen die Verfälschung der Balfour-Deklaration durch das englische Weißbuch: ״Man mag über den Zionismus, die jüdische Weltmacht (sic!) und selbst über die Persönlichkeit des Barons Rothschild denken wie man will, — es ist nicht zu leugnen, daß das Vorgehen des greisen jüdischen Finanzmannes etwas Imponierend e s an sich hat. Es stünde besser um die Stellung der Katholiken auf der ganzen Welt, wenn sich auf unserer Seite immer wieder., jederzeit unerschrockene Persönlichkeiten in entsprechender Stellung und Anzahl fänden, die genug Entschlußkraft haben, uni.. gegen die Machthaber und Regierungen dieser Welt im Namen des Rechts aufzutreten.■‘' ״The Nation & Athcnacum“ druckt einen längeren Auszug aus der Gedenkrede, die der jüdische Unterhaus-Abgeordnete Major Nathan vor der großen zionistischen Ver- Sammlung am 5. 1. auf Lord Melrhett gehalten hat. Die Rede endet mit den Worten, daß Melchett ״in öffentlichen Angelegenheiten ein Prophet, in der Industrie ein konstruktiver Geist, in Palästina ein Liebender seines Volkes“ war. Gegen diese Verherrlichung wenden sich in der nächsten Nummer der ״Nation“ zwei Zuschriften, die an Lord Melchett, und besonders an gewissen finanziellen Transaktionen, Kritik üben. De eine Zuschrift stammt von F. Brunner. In der Berliner ״Literarischen Welt“ (Nr. 5 vom 30. 1. 1931) erschien an leitender Stelle unter dem Titel ״Der junge Nationalismus und die alten Juden“ von Heinrich J a r c k e ein wichtiger Aufsatz zur Judenfrage. Der Autor, Intellektueller innerhalb des Nationalsozialismus, versucht von seinem Standpunkte aus den Kern des Gegensatzes zwischen deutscher und jüdischer Art herauszuschälen. Die Methodik ist sicherlich interessant. Ueber die Voraussetzungen und Ergebnisse der Abhandlung läßt sich manches sagen, was demnächst noch ausführlich geschehen soll. Die Eröffnungssitzung der neugewählten jüdischen Nationalversammlung für Palästina (Assefath Haniwcharim) dürfte Sonntag, den 8! Februar, abgehalten werden.

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