Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-02-03 · Heft 9 (3.2.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 9 (3.2.1931)
Date
1931-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653261--22134-2680313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 9, 3.H.I&3! JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite £6 Für eine ״große Koalition Dr. Nahum Goldman» für einen Innenionistlschen Frieden ״ohne Sieger und ohne Besiegte“ Am 29. Januar hielt Dr. Nahum Ooldmannin einer Ver- Sammlung der B. Z. V. ein Referat über die fetzte Aktio'ns- Comitc-Sitzung in London und die heutige Situation im Zionismus. Dem Vortrag kommt ein größeres Interesse schon darum zu, weil über die vertrauliche und der Presse nicht zugängliche Sitzung in London nur sehr spärliche offizielle Bulletins ausgegeben wurden und hier ein Teilnehmer der Sitzung eine Darstellung gab. Darüber hinaus jedoch gestaltet sich dieser Abend zu einer bemerkenswerten Episode der innerzionistischen Entwicklung^ da sich deutlich eine neue Parteiengruppierung ankündigte. Die frühere Kampfgemeinschaft zwischen Radikalen und Revisionisten muß danach als wenigstens teilweise gesprengt angesehen werden; der Hauptteil der Ooldmannsehen Polemik galt einer scharfen Abrechnung mit den Revisionisten, denen er eine Vergiftung des innerzionistischen Lebens vorwarf, die heute das größte Hindernis einer Gesundung des Zionismus und einer Wiederaufnahme konstruktiver Arbeit sei. In der auf den Vortrag folgenden Debatte wurde die Kluft noch erweitert, da L i c h t h e i m den Radikalen vorwarf, sie hätten eine ״Schwenkung“ vorgenommen, worauf Goldmann wieder scharf replizierte. Dr. Goldmann beschäftigte sich in seinem Referat zunächst mit der Frage der Verschiebung des Kongresses. die den ersten Teil der A.-C.-Sitzung beherrscht hat. Er selbst tung geringer ist als der einer Fortdauer der jetzigen innerzionistfsehen Verhältnisse. Redner müsse jedoch anerkennen, daß die Gründe, die für die Verschiebung geltend gemacht wurden, überaus schwerwiegender Natur waren, vor allem die durch die Finanzlage geschaffene Notwendigkeit einer sofortigen Palästina-Kampagnc in Amerika, Der von den Revisionisten erbobene Vorwurf, die Exekutive habe unter Androhung ihres Rücktritts»auf das A.-C. eine Pression zugunsten der Versehiebung ausgeübt, sei absolut unrichtig. Vielmehr hat die Exekutive durchaus loyal siefy,zum Rücktritt bereit erklärt, falls ihr Antrag auf Verschiebung angenommen wird. Die Exckutive wollte der Bewegung die Möglichkeit geben, auch ohne Kongreß eine neue Leitung einzusetzen, damit nicht der Wunsch nach einer neuen Leitung die Opposition veranlaßt, auf dem Kongreß zu bestehen. Wenn die ganze Opposition mit der einzigen Ausnahme des einen revisionistischen Vertreters den Beschluß der Ver- Schiebung ruhig hingenommen hat, so hat das vor allem zwei Gründe: erstens hatte die Opposition das Gefühl, daß die Motive der Mehrheit ehrliche und begründete sind, da die Finanzlage wirklich sehr bedrohlich ist. Zweitens aber war eine deutliche Entspannung der aufjenpolitischen Atmosphäre festzöstdten, so daß die allgemeine Stimmung der Sitzung eine ganz andere war, als die der A.-C,-SifxUdg 1m November, die unmittelbar nach dem Weißbuch zusammengetreten war. Die Verhandlungen mit der Regierung haben eine Wendung genommen, die günstiger ist als wir alle erwartet haben. Alle A.-C.-Mitglieder mit der einzigen Ausnahme des Revisionisten Großmann, der sich aut sadiliehe Debatten gar nicht einließ und sich damit begnügte, der Exekutive das Recht zur Führung von Verhandlungen überbaupt abzusprechen, hatten den Eindruck, daß die Einstellung der englischeu Regierung gegen uns heute eine ganz andere feworden ist und die Hoffnung besteht, eine grundsätzichc Aenderung der Politik des Weißbuches an zu bahnen. Redner glaubt, daß der erste Teil der Ver- Handlungen, der darauf abzielte, bei den englischen Staatsmännern eine andere Auffassung des Palästinaproblems als bei der Beamtenschaft durchzusetzen, abgeschlossen ist, und nun der zweite, schwierigere Teil beginnt, mit dem Ziel, den freundlicheren Intentionen der Regierung auch in der faktischen Verwaltung Ausdruck zu geben. Wenn wir mit der englischen Regierung zu einem modus vivendi gekommen sind, dann wird auch der Moment gekommen sein, ob wir das wollen oder nicht, das große arabische Problem aufzurollen. Im Mittelpunkt dieses Problems steht die Frage konstitutionellcr Reformen in Palästina, und in diesem Punkt wird der Kongreß der künftigen Exekutive neue Dircktiven geben müssen. Redner wendet sich sodann der innerzionisiisdien Situation zu. Die Verhältnisse innerhalb des Zionismus sind u n e r - träglich geworden. Die Polemik hat einen Charakter angenommen, der auf die Dauer ein Zusammenbleiben in der Organisation unmöglich machen muß. Es wird mit p e r s ö n liehen Verunglimpfungen operiert, z. B. kritisieren die Revisionisten die radikale Gruppe, indem sogar das ״maß vollste“ revisionistische Organ schreibt, Grünbauin habe aus persönlichen Gründen, weil seine wirtschaftliche und politische Position in Polen erschüttert ist, eine Schwenkung zu weizmann vorgenommen. Dabei sind wir doch noch die den Revisionisten näehststehende Gruppe (Widerspruch bei den anwesenden Revi sionisten), also doch z. B. näher als Brith Schalora (revislouistische Zwischenrufe: ,.Nein!“) — wohin soll diese Art der Polemik führen, wenn der ״Doar Hajom“, das revisionistische Organ Palästinas, täglich spaltenlang kein anderes Argument hat als die Beschimpfung t,Boged“ (Verräter). Die Organisation kann auf die Dauer diese Zerrissenheit in zwei einander auf Tod und Leben bekämpfende Lager nicht aushaltea. Wenn der nächste Kongreß die Bewegung retten soll, dann muß er zu einer großen Koalition führen. (Zwischenruf Licht• beim: ״Unter Weizmanns Führung?“) Goldmann: Nicht unter Weizmanns Führung. Eine große Koalition ist heute möglich, abgesehen vielleicht von zwei Flügelpuppen, dem Brith Schalom und einem bestimmten Teil des Revisionismus. Wenn man sich nämlich an den Tisch setzt und die aktuellen Pro• bleme auf politischem, wirtschaftlichem und fnnerjüdisehem Gebiet bespricht, dann wird sich in der praktischen Politik eine weitgehende Uebereinstimmung zeigen. Denn das letzte tra• gische Jahr hat ein gutes gehabt: Wir haben eine Anzahl Illusionen eingebüfjt Die erste zerstörte Illusion ist das unbedingte Vertrauen aut Englands Unterstützung. Wir haben uns in dieser Beziehung viel zu sicher gefühlt, ich bin gegen die Parole eines Kampfes gegen England. Es wäre ein tragischer Moment, wenn der Zionismus, im äußersten Notfall, zu einem solchen Kampfe gezwungen wäre. Aber worum es geht, ist ein zähes Ringen mit England um unsere politischen Rechte und um Durchführung unserer Postulate. Aut dieser Uni« gibt es heute die Möglichkeit eines gemeinsamen außenpolitischen Programms, auf das sich fast sämtliche zionistischen Gruppen einigen könnten. Die zweite zerstörte Illusion ist die Meinung, daß man in Palästina Politik treiben kann, ohne Berücksichtigung des arabischen Faktors. Wir haben in diesem Jahre gelernt, daß die Auseinandersetzung mit den Arabern eine zc nfralc Aufgabe unsercrAußenpoiitik sein muß. Auch in dieser Hinsicht haben fast alle Gruppen umgelernt, so daß heute auch auf diesem Gebiet ein gemeinsames Pro• gramm möglich ist. Die dritte Illusion war die Hoffnung auf eine wesentliche Vergrößerung unserer materieUen Möglichkeiten durch die Er- Weiterung der Jewish Agencv. Die Erweiterung hat uns nur einzelne Personen gebracht, die sich freilich glänzend bewährt haben, aber der Zustrom von Mitteln aus weiteren, von diesen Personen hereingezogenen Kreisen ist ausgeblieben. Man soll die Jewish Agency nicht zerschlagen, aber wir müssen sie umgestalten zu einer großen demokratisehen Volksorganisation. Auch in dieser Frage besteht heute die Möglichkeit einer einheitlichen innerzionistisehen Front. Der vierte Punkt endlich betrifft die Stellung zum amerikanischen Zionismus. Es gibt heute praktisch so gut wie gar keinen amerikanischen Zionismus. Die Brandeis- Gruppe, die infolge des Bankerott» der Lipsky-Administration die Leitung in Amerika übernommen hat, erweist sich als eine Fiktion. Und dennoch ist gerade heute in dem verarmten amerikanischen Judentum die Situation für den Zionismus günstiger als früher. Die amerikanischen Juden stehen vor denselben Problemen, die in Europa vor Jahrzehnten den Ziouismus geschaffen haben. In diesem Moment ist es möglich und notwendig, mit einer großen Erziehungsarbeit einzusetzen. Dies ist eine zentrale Aufgabe der kommenden zionistischen Periode, und hierfür kann gleichfalls eine Kooperation aller Richtungen geschaffen werden. Die hier vorgeschlagene große*Koalition hat zwei wie 11 - tige Voraussetzungen: Erstens muß der für die Bewegung schädlichen Diskussion über die zionistischen Endziele ein Ende gemacht werden. Der nächste Kongreß muß eine Formel für das politische Ziel der nächsten Jahre auf stellen. Dies ist durchaus möglich, wenn auch vielleicht die beiden extremen Flügelgruppen der Formel nicht zustimmen werden. Zweitens aber muß das Problem Welzmann verschwinden. Ich habe, sagt Goldmann, in den letzten Monaten die Qualitäten Weizmanns besser kennengelernt als früher. Aber es geht nicht um die Frage, ob Weizmann ein guter politischer Führer ist oder nicht, sondern wir sind in einer abnormalen Situation, die Organisation leidet an einem ״Komplex“, und es ist für die Heilung gleichgültig, ob der Kranke mit Recht oder mit UurecM .diesen Komplex. hat. .-leb hoffe,.daß Weizmähi die Einsicht und den zionistischen Patriotismus Haben wird, b e i seinem Entschluß, nicht mehr zu kandidieren, zuverharren. Weizmanns Person darf nicht mehr der Zankapfel sein, der eine ungesunde und unsachliche Gruppierung im Zionismus hervorruft. Wir müssen einen innerzionistischcn Frieden ״ohne Sieger und ohne Besiegte“ her• beiführen. Es wäre nicht das mindeste erreicht, wenn wir morgen eine neue Exekutive schaffen, gegen die die bisherige Mehrheit in Opposition steht Diese Perpetuierung des inneren Kampfes kann sich der Zionismus nicht leisten. Wir müssen doch neben einer Beruhigung der politischen und organisatorischen Lage vor allem zu einer neuen Kolonisationstätigkeit gelangen. Daher müssen alle zionistischen Elemente, die Verantwortungsgefühl besitzen, zu einer Vereinigung in einer großen Koalition streben, um eine Epoche konstruktiver Politik und Kolonisation herbeizuführen. In der anschließenden Debatte sprachen die Herren Lichtheim, Berger, Haipern und Lieber. Lichtheim bemühte sich, abgesehen von den bereits erwähnten Angriffen auf die Radikalen, nachzuweisen, daß ein etwaiger Erfolg bei den Verhandlungen mit der englischen Regierung wertlos sei. Es sei auch ein trauriges Zeichen für die zionistische Leitung, wenn Weizmann gezwungen ist, von Baron Rothschild Geld zu erbetteln. Berger wandte sich mit Entschiedenheit gegen diese Bemerkungen und legte dar, daß mit dieser Methode gegen jede Exekutive in jeder Lage gekämpft werden könne. Habe die Exekutive keinen Erfolg, werde sie angegriffen, hat sie aber Erfolge, dann werden diese bagatellisiert Goldmanns Feststellung, daß die Mehrheit der Zionisten dieses unerträgliehen innerzionistischen Kampfes müde ist, sei durchaus zutreffend. Auch Dr. Haipern wandte sich gegen Lichtheims Versuch, einen politischen Fortschritt schon im vorhinein zu diskreditieren. Er schloß sich ferner Goldmanns Ansicht an, daß Weizmann nicht mehr kandidieren solle. Bergers Bemerkung, die Revisionisten sollten ihren Beschluß, bei Nichtannahme ihres Programms aus der Zionistischen Organisation auszutreten, wahr machen, müsse mit Entschiedenheit zurückgewiesen werden.' Lieber begrüßt als Angehöriger der Radikalen Gruppe Goldmanns Aufruf zu einem lebendigen Zionismus und Beilegung des alten Parteienstreites. In seinem Schlußwort setzt sich Dr. Goldmann hauptsächlich mit Lichtheims Ausführungen auseinander. JQdischer Vorsprung im Orangenexport Aus einer Aufstellung über die in der Saison 1930/31 voraussichtlich zur Verschiffung gelangenden Orangenkisten ergibt sich, daß jetzt der weitaus größereTeildesOrangenexports durch jüdische Firmen besorgt wird. Diese Entwicklung ist deshalb bemerkenswert, well noch vor wenigenjahrender Export der palästinensischen Orangen überwiegend durch arabische Händler erfolgte, die in den jüdischen Pflanzungen die Ernte zum größten Teil bereits am Baume kauften und verschiffen ließen. Seitdem in den letzten Jahren durch die fluktuierenden Preise in England den Händlern große Verluste erwuchsen und die Ernte nicht mehr im früheren Umfang am Baume gekauft wird, wird ein zunehmender Teil der Früchte durch jüdische Exporteure verschifft. Durch die Kooperative ״Pardess“ allein dürften in dieser Saison 600 OCO Kisten Orangen exportiert werden, durch die Firma ״Haehaklai111000 ״ Kisten, durch die ״Jaffa Fruit Co.“ 161500 Kisten. Unter Berücksichtigung verschiedener kleinerer Firmen dürften in der Saison 1930/31 von jüdischer Seite 2 075 000 Kisten zum Versand gelangen. Demgegenüber lauten die Schätzungen des Exports durch die arabischen Expotteure aut aut 611000 Kisten. (Ziko.) Briefe an die Redaktion Ein jüdischer Reiseführer Hamburg, 28. Januar 1931. Sehr geehrte Redaktion! Es ist eine oft bemerkte, nichtsdestoweniger interessante Tatsache, daß Ideen zu einer gewissen Zeit ln der Luft zu liege» scheinen und dann gleichzeitig von verschiedenen Menschen ausgesprochen werden, Schon seit mehreren Jahren dachte ich an die Schaffung eines jüdischen Reiseführers, und vor ungefähr anderthalb Jahren verdichtete sich der Plan zu einem Memorandum. Dieses hatte die Gründung eines Verlags für jüdische Reisebücher zum Inhalt, behandelte das Absatzgebiet, den Inhalt der Bände, Einnahmequellen, die zunächst in Betracht kommenden Linder, die Sprachen der Bibliothek (Jiddisch, Englisch, Deutsch — es war hauptsächlich an amerikanisch-jüdische Reisende gedacht) und schließlich eine genaue Untersuchung der Absatzbedingungen, Herstellungskosten, Preisvcrhältnisse für die einzelnen Sprachen und Bände. Nach einem ersten Versuche zur Beschaffung der Mittel hatte ich aber keine Zeit, die Sache weiter zu verfolgen, und die Memoranden ruhen in meiner Schublade. Angeregt durch die Zeilen des Herrn Dr. Kohner in der ,,Jüdischen Rundschau“ (Nr. 7) möchte ich hiermit meinen Plan zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringen und um Mitarbeit bei d<r Gründung eines solchen jüdischen Reiseführer-Verlags bitten. Dr. Salomo Birnbaum, Hamburg 13, Dillstr. 19. Berlin, 28. Januar 1931. Sehr geehrter Herr Redakteur! Der Vorschlag von Herrn Dr. Kohner In der ״Jüdischen Rundschau“ vom 27. Januar 1931 ist sehr zu begrüßen. Findet sich du Verlag dafür? Man müßte den Verleger und Herausgeber mitschaffcn: das jüdische Bildarchiv. Die Erforschung und Nutzbarmachung der über die ganze Welt verstreuten künstlerischen Hinterlassenschaft unseres Volkes ist eine der vornehmsten nationalen Pflichten. Das Bildarchiv soll sowohl die Wünsche des Reisenden (Führer) wie des Daheimbleibenden (Lichtbildstelle und Bildanstellung nach Stoffgebieten), des Laien (straffe Uebersidit) und des Forschers (vergleichende und richtende Studien durch die große Ansammlung sonst schwer erreichbaren Materials) befriedigen. Rufen Sie auf zur Gründung eines jüdischen Bildarchivs, als zentraler jüdischer Bildstelle, als Sammelpunkt für die unzähligen Einzelarbeiten der Inventar!- sierung dpr jüdischen Uebcrreste der Vergangenheit, als einer Sichtstätte für all das, was gegenwärtig von jüdischen Händen geschaffen wird (soweit es für Juden von Belang ist). Mögen noch so viele Sammlungen und Einzelarbeiten existieren — von wirklichem, bleibendem Wert und Nutzen sind sie erst, fügen sie sich diesem Orbis pictus judaicus ein. Mit Zionsgruß R. Schaechter. ln einer weiteren Zuschrift an die Redaktion teilt Dr. Kan F r e n k e I (Frankfurt a. M.) mit, er habe sich bereits vor drei Jahren an verschiedene Verleger gewandt, die jedoch das Angebot abgclchnt haben. Der Einsender verweist weiter auf verschiedene Artikel von Lehrer S. Lilienthal im ״Hamb. Israel. Familienblatt“ und bemerkt schließlich, der Plan scheitere an der Tatsache, daß mit Ausnahme weniger Städte wie Worms, Speyer,. Mainz, das Material außerordentlich dürftig sei, da es nur noch sehr-wenige Uebcrreste־ van Denkmälern der Vfcrgangenheit des deutschen Judentums gebe. — Wir können leider aus Raummangel nicht allen diese Sache betreffenden Zuschriften Raum geben. fitchiigiiellung Berlin N 24, den I. Februar 1931. Sehr geehrte Redaktion, Der Bericht über die Bezirkskonferenz der Poale Zion und J. J. W. B. in der ״J. R.“ vom 30. 1. gibt uns zu folgender Fest- Stellung Anlaß: Es handelte sich bei der Tagung, über die dort berichtet wird, um eine Tagung lediglich der Poale Zion und nicht der ״Poale Zion und j. J.w. B.“ — Die Chawerim unseres Bundes, die der Poale Zion angehören, sind ihr als Einzelpersonen, nicht als Vertreter des Brith Haolim angeschlossen. — Der Brith Haolim, der als chajuzischer Jugendhund seine Menschen auf den Grundlagen des sozialistischen Zionismus erzieht, ist eine unabhängige Jugendbewegung und lehnt es als solche grundsätzlich ab, sich mit einer Partei zu verbinden. Hanhalath Brith Haolim (J. J.W. B.) Revisionismus und Leitung Mannheim, 30. Januar. Sehr geehrte Redaktion, In der Tribüne, die dankenswerter Weise in der ״Jüdischen Rundschau“ für jede Meinungsäußerung jetzt geboten ist, wurde schon, und zwar von einer Seite, die absolut den Revisionisten ablehnend gegenübersteht, gefordert, daß es nunmehr höchste Zeit ist, den Revisionisten einen maßgebenden Teil Einfluß, mindestens auf unsere Exekutive, zu gewähren. Dies ist schon aus dem rein Zweckmäßigkeitsstandpunkte zu fordern, weil sich dadurch selbstverständlich sofort der Erfolg mäßigen wird, den jede freie Opposition immer und überall zu verzeichnen hat, weshalb wir, schon aus diesem Zweckmäßigkeitsstandpunkte heraus, diesen Schrift nicht tun sollen, bleibt unerfindlich. Man mag einwenden, daß dieses Experiment zu teuer erkauft sei und die Folgen nicht absehbar seien. Ich teile diesen Standpunkt absolut nicht. Schließlich kann cs sehr viel schlimmer als es jetzt schon ist, nicht mehr gut werden, und schließlich haben wir ein restloses Versagender Prinzipien festzustellen, die bisher für uns maßgebend waren. Es ist zweifellos ein erheblicher Stirnmungsumschwung zugunsten der Revisionisten zu verzeichnen, ein Stimmungsumschwung, der sich in allen unseren Richtungen findet. Man kann vielleicht der Meinung sein, daß die so/.ia- Iistische Strömung, der wir fast ohne jeden Widerspruch in unseren Reihen bisher hemmungslos Einfluß gewährt haben, doch nicht so bewährt ist, wie wir glauben durften und gerne wollten. Man kann sich unmöglich vor der Tatsache verschließen, daß so schön und gut für den Aufbau Palästinas diese Weltanschauung theoretisch sein mag, sie doch für die wirtschaftliche Fundierung unseres Mittelstandes, vor allen Dingen in Deutschland, nicht geeignet ist Zu den zahllosen ungelösten Problemen, die unser Erbteil sind, kommt neuerdings hinzu, daß wir uns politisch ganz anders entscheiden müssen, als wie es unsere wirtschaftliche Lage erforderlich macht Weshalb nimmt man der revisionistisehen Opposition nicht den Wind aus ihren Segeln und läßt sie, ganz oder teilweise, die Verantwortung mittragen. Weshalb schafft man Zündungsstoff, der vermieden werden kann und in unserer krisenvollen Lage wertvolle Kräfte zu inneren, un• fruchtbaren Kämpfen verbraucht? Ich bin seit Jahrzehnten organisierter Pazifist, ich bin den Gedankengängen der Revisionisten, soweit diese militanter Art sind, absolut abgeneigt. Ich kann aber versieben, daß man schließlich in einem halbzivilisierten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.