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Jüdische Rundschau · 1931-02-03 · Heft 9 (3.2.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 9 (3.2.1931)
Date
1931-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 58 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 9, 3. & 1931 jüdische Druckerzeugnisse im dritten Reich nurmehr In nichtdeutscher Sprache erscheinen sollen. Was mich betrifft, so inufl ich im Gegensatz zu diesen völkischen Barden, die sich mir im Vorzeichen unterscheiden, feststellen, daß die deutsche Sprache für mich keine fremde Sprache ist, aus der meine verirrten Wurzeln auszugraben auch nur die Möglichkeit besteht. Es ist im Gegenteil die einzige, in der ich mich nicht nur mitteilen, in der ich auch denken und in der ich alles Unwägbare des Gefühls zum Ausdruck bringen kann, soweit ich das kann. Und selbst für eine junge Generation, der wir hier das Hebräische gleich als ein lebendiges Gut mit auf den Weg geben, wird doch die deutsche Sprache auch Immer blüiben, was sie für mich ist: die Sprache des Lebens und gleichzeitig die Sprache, durch die dem hier Lebenden das Bildungserlebnis der Welt zu fließt. Das ist das einleuchtendste Beispiel für das Verwoben- und Verflochtensein mit dem Lande unserer Geburt, aber es ist nur ein Beispiel. Denn wenn vielleicht auch nicht dem Grade, so doch dem Wesen nach, gilt für viele Bezirke unseres Daseins, was für die Sprache gilt: jenes Verbundensein nämlich, gegen das in Klatzkins Art anzukämpfen nichts als Donquichotterie bedeutet. Und ich beklage diesen Tatbestand nicht einmal. Beklagen kann man ihn nur unter dem Gesichtspunkt des vollen und ganzen Lebens, das Palästina heißt. Wir aber sprechen hier vereinbarungsgemäß von der Diaspora, vom Unterwegs und von unserer Haltung auf diesem Wege. Die Ganzheit der Diaspora aber heißt Ghetto. Nun habe ich zwar schon dar* getan, daß ein Ghetto, das uns die Ganzheit wiedergäbe, heute auch bei Ausnahmegesetzen undenkbar Ist, weil seine Lebensgrundlage, das jüdische Gesetz, das ungleich wichtiger ist als das fremde Ausnahmegesetz, nicht wiederherzustellen ist. Ich möchte aber auch noch hinzufügen, daß ich an den Punkt, zu dem Klatzkins Romantik uns zurückzuführen wünscht, durchaus nicht zurückkehren möchte, auch wenn ich es könnte- Es ist nicht mein Zionismus, der hier vertreten wird, denn für mich ist der Zionismus die Befreiung auch vom Ghetto. Klatzkin ist ein Romantiker des Ghetto, und das heißt: er mißt zu Recht unser heutiges Leben an der Idee, aber er identifiziert zu Unrecht die hohe Idee der heroischen Existenzform, die er aus einer langen und traurigen Ghettogeschichte herauskristallisiert, mit der Wirklichkeit jenes Daseins, dessen Kehrseite wüster Aber* glauben, finsterste Unwissenheit und manche schwere Ver* kümmerung menschlichen Seins heißt. Ich möchte dorthin nicht zurück. Ich bin der Emanzipation dankbar und dem Lande dankbar, das sie mir gegeben hat. Und ich bin das als Zionist. Denn ich unterscheide mich von Klatzkin —• und damit komme ich auf meinen Anfang zurück — nicht nur in meiner Auffassung von der Ungang* barkeit seines Weges, sondern auch in der von der Notwendigkeit dieses Weges um unseres Zieles willen. Ktatzkin geht aus von der Unvermeidbarkeit vollständiger Assimilation außerhalb Palästinas; er will also um Palästinas willen mit allen Mitteln des Krampfes jene nationale Elite schaffen, der er sein Ghettorezept verschreibt. Nun ist aber die Frage nach der Vermeidbarkeit und der Unvermeidbarkeit unserer Assimilation reine Theorie; Klatzkin treibt hier nichts als Mathematik. Es ist bezeichnend genug, daß die zionistische Theorie in diesem Punkte nicht einheitlich ist, sondern im Gegenteil von zwei ganz verschiedenen Seiten her zum gleichen Ziel kommt. Ge Einen begründen mit der Unmöglichkeit vollständiger Aufsaugung das Fortbestehen der Judenfrage, die also auf zionistischem Wege gelöst werden müßte. Die Andern begründen mit ihrer Unvermeidbarkeit, also dem Untergang des jüdischen Volkes, das gleiche Ziel. Diese noch niemals aß wirklich störend empfundene Verschiedenheit im Aufbau unserer Theorie läßt sich ganz einfach dadurch erklären, daß die Frage praktisch unerheblich ist. Denn selbst wenn man zu Klatzkins Ansicht neigt — und allerdings spricht die Entwicklung durchaus für seine Auffassung — bleibt immer noch die kleine Nebenfrage übrig, wie lange diese vollständige Aufsaugung noch dauern wird. Die Frage wird durch so viele von uns unabhängige Faktoren der allgemeinen Weltgestaltung bestimmt, daß wir darüber schlechterdings nichts wissen können — außer vielleicht das eine, daß es ein ziemlich langwieriger Prozeß sein wird, mindestens ein so langwieriger, daß wir das Nafionalheitn in Palästina nicht mehr aufbauen werden, wenn wir es nicht aufgebaut haben, solange es noch eine beachtliehe Diaspora gibt. Mir scheint aber überhaupt, daß wir die Entwicklung, die das Judentum im 19. Jahrhundert genommen hat, zu skeptisch sehen. Wir sehen sie immer nur unter dem Gesichtspunkt des nationalen Verlustes, der hier nicht etwa verkleinert werden soll; ich glaube aber, daß man mit gewissem Recht auch von einem nationalen Gewinn sprechen kann. In diesem beklagenswerten 19. Jahrhundert nämlich hat sich unsere Zahl mehr als verfünffacht. Nun ist die Zahl gewiß kein ausgieichender Ersatz für die starke geistige Auflösung d־׳r Epoche, aber sie bleibt auch nicht reine Quantität, sie schlägt ins Qualitative um. Aus winzigen Inselgruppen in tiefstehenden und politisch unbedeutenden Ländern ist eine jüdische Massenkonzentration an allen wichtigen Punkten der Welt geworden. Und sie war verbunden mit jenem Sich-Verweben in die Wirtschaften und Kulturen aller Völker, das mir selbst vom nationalen Gesichts* punkt aus nicht nur beklagenswert erscheint. Denn was wäre schon heute mit dem jüdischen Volk, wenn es um 1800 nach Klatzkins Theorie verfahren wäre, also an der allgemeinen Entwicklung nicht teilgenommen hätte, sondern geblieben wäre, was es war? Ein Kuriosum, ein kleines verkümmertes Häufeben, das den Gedanken des modernen Zionismus nicht einmal hätte zu denken wagen dürfen. Wohl noch ein Volk, aber ein ohnmächtiges, ein Museumsstück, zu keiner historischen Sendung mehr fähig. Tatsächlich bekam im Zionismus, diesem Produkt von Emanzipation und auch Assimilation, der alte Zionismus neue Kraft, gerade weil er sich aus der Passivität der religiösen Form löste, und weil er zu jener politischen Aktivität erwachte, die wir den Nationalitäten-Bewegungen der Alttiebrilsche Inschriften? In der ״Deutschen Literaturzeitung“ setzt sich Harry Torczyner mit einer Reihe von Publikationen auseinander, die die Entzifferung der bei Ras Schamra in Nord* Syrien aufgefundenen Keilschrift-Tafeln betreifen. Hans Bauer will in diesen Inschriften die ersten Urkunden althebfä* i s c h e r bzw. altkananäischer Sprache in alphabetischer Keilschrift gefunden haben. Torczyner betrachtet diesen Entzifferungsversuch als nicht geglückt, weil Bauer bei seiner Ent- /ifferung von Voraussetzungen ausgeht* die erst dufch die Entandern Völker abgesehen haben, und die auch für uns möglich wurde, weil durch unsere Zahl und durch unser Verwobensein unter die anderen eine gewisse äußere Macht hinzukam, die das Fundament abgab, auf dem wir stehen und uns vernehmbar machen konnten. Wir sind wirklich eine gewisse Macht geworden und könnten es noch stärker sein, wenn wir uns ihrer mehr bewußt wären. Gerade wer den Palästina-Aufbau wünscht, darf uns nicht Ins Ghetto zurückwünschen, sondern muß Sorge tragen, daß wir unsere Positionen halten. ״Es darf. . . nirgendwo der Abbruch und die Auflösung einer jüdischen Position gepredigt werden, weder einer politischen noch einer Wirtschaftliehen noch gar einer geistigen. Niemand hat das Recht, auch nur zu wünschen, die Emanzipation der Juden sollte irgendwo rückgängig gemacht werden.“*) Es ist eben falsch, immer nur die Gefaliren zu sehen, die für unseren nationalen Bestand in unserer heutigen Situation liegen. Es sind nicht nur Gefahren, es sind auch viele Positiva gegenüber früheren Zeiten vorhanden. Wir Abtrünnigen, wir halben Juden repräsentieren noch in aller beklagenswerten Halbheit einen viel stärkeren nationalen Faktor in der Welt als wir es vordem in unserer Ganzheit waren. Und deshalb Ist es auch abwegig, mit unbeirrbarer Sicherheit unsere vollständige Aulsaugung für irgendeine praktisch belangreiche Zukunft voraussagen zu wollen. Die Entwicklung des menschlichen Zusammenlebens, die von tausend irrationalen Faktoren abhängig ist, läßt sich nicht in eine mathematische Formel pressen. Erst recht aber lassen sich nicht aus solchen Formeln Forderungen herleiten, deren Erfüllung aufs tiefste und nachteiligste in das persönliche Dasein des Individuums emgreifen würde. Gewiß hat die Art von jüdischem Nationalismus, die *ich hier vertrete, etwas Halbes und Fragwürdiges an sich, aber das ist nicht mein Spezialnationalismus, es ist der unsere, und er kommt nicht aus Trägheit des Herzens, sondern aus Lebensumständen, die niemand von uns meistern kann, auch Klatzkin nicht. Denn ich verwahre mich durchaus gegen die Vorstellung, als ob man ehrlicher lebte, wenn man seinen Forderungen nachkäme. Klatzkin spottet, daß wir uns als Patrioten gebärden, aber er hätte noch mehr zu spotten, wenn wir uns als jüdische Nationalisten seiner Observanz gebärden wollten. Es ist nicht zu sagen, wie unecht wir wären, wenn wir uns als Volljuden irgendeines Ghetto neu zu etablieren gedächten, es fehlen uns die meisten Voraussetzungen dafür; unsere Verbundenheit mit Deutschland aber ist echt, denn sie entspringt unmittelbar aus dem Leben mit und in diesem Lande. Nein, es ist nicht wahr, daß Klatzkins Zionismus größere Ehrlichkeit und größere Echtheit geben könnte. Was er gibt, ist nur mehr Logik, eben jene Logik der ratlo, die am Schreibtisch unbesieglich ist und die ihrer Natur nach mit einer Lebens tatsachc nicht fertig wird: nämlich mit diesem doppelten Zugeteiltsein, das in uns besteht und nicht nur in uns, sondern in all den zahllosen Gruppen auf dieser Welt, bei denen nun einmal nicht alle Lebenskreise in schönster Harmonie sielt decken. Wenn Antisemiten das nicht verstehen, dann wollen sie es nicht verstehen; für ihre Minderheiten verstehen sie es ausgezeichnet. Komisch, wenn ein Jude aus verbissener i-ogik in das gleiche Hom bläst. Und weil das alles so ist: weil Klatzkin uns weder zeigen kann, wie man sich löst, noch auch, auf welcher Grundlage man sich wirklich in Ganzheit binden könnte; weil ferner diese Lösung und diese Bindung, selbst weflli sie möglich ־^Iren, keineswegs ratsam und nicht einmal notwendig sind — deshalb kann ich auch nicht in den Chorus jener Kritiker einstim־ men, die sich nicht genug tun können, die logische Schärfe und Kornpromißlosigkeit von Klatzkins Denken zu rühmen. Ich möchte viel eher von der ehernen Unerbittlichkeit sprechen, mit der er seine Feder über den Schreibtisch führt. Da ist alles so hübsch logisch und so hübsch folgerichtig, wie in der Mathematikstunde. Oder nein: wie eben am Schreibtisch, wo die Lust des Denkens und der spitzigen Formulierung sich nicht durch die irrationalen Einwände, die man gemeinhin Leben nennt, behindern zu lassen braucht. Und so entsteht ein Stück Literatur, in dem die Folgerichtigkeit gleichsam als Stilart, als ästhetische Beigabe auftritt, nur daß es sich leider nicht um ein literarisches Thema handelt, sondern um eine Lebenstatsache, die uns alle entscheidend betrifft Auch ich stehe ehrfürchtig vor der großen Kompromißlosigkeit, aber nur im Leben, nicht im Druck. Im Gegenteil: das gedruckte Wort ist um so größer, je weniger einfach seine Linien sind, je mehr der Gedanke oder die künstlerische Form die vielfältigen Verknüpfungen jenes Lebens nachzuzeichnen vermag, in dem cs die einfache Linie nun einmal nicht gibt Und das billigste Vergnügen des Geistes bleibt die Ford erung. Sie muß gelebt werden. Nicht durch die Kompromißlosigkeit eines Buches, sondern die eines Lebens gehe uns Klatzkin voran; er legitimiere sich, indem er uns zeigt, wie man ״sich ausbürgert“. Das werden auch dann noch die meisten nicht nachmachen und nicht billigen können, aber sie werden es bewundernd achten. Ein Buch aber, das unerfüllbare Forderungen stellt, das dialektisch mit einer Ganzheit jongliert, die in Wahrheit nur schlimmere Halbheit wäre — ein solches Buch ist vorwiegend unter dem negativen Aspekt der Wirkung zu sehen, die es auf unsere Umwelt notwendig haben muß, sobald es hier bekannt wird. *) Diese beiden Sätze stammen von Arnold Zweig; sie stehen in seinem ״Caliban“ auf Seite 325. Und leb ziehe sie heran, weil Zweig auf dem Umschlag von Klatzkins Buch so auffällig als dessen Schutzpatron fungiert, daß man beim ersten Hinsehen beinahe nicht weiß, ob eigentlich Arnold Zweig oder Klatzkin hier als Verfasser zeichnet. Nun steht zwar in der zitierten Kritik Zweigs nicht, daß er sich mit dem Inhalt deckt — er lobt das Buch vielmehr allgemein als geistige Leistung —, aber natürlich muß auf den harmlosen Leser ein in dieser Form dargebotenes Panegyrikon als volle Zustimmung wirken. Mir scheint es deshalb nötig, ausdrücklich festzustellen, daß nicht nur Zweigs Praxis. sondern auch seine Theorie in diametralem Gegensatz zu senr wesentlichen Gedankengängen eben jenes Buches steht, als dessen Schutzpatron er erscheint. zifferung selbst erwiesen werden müßten. Aber selbst nach dieser Deutung bietet der Text keinen irgendwie verständlichen Sinn und viele Wortbildungen tragen ein ganz unsemitisches Gepräge. Wenn z. B. aus der Aufschrift auf einer Axt geschlossen wird, daß die Buchstaben grzn sein müssen (hebräisch Garzen ־= Axt), so müßte zuerst irgendein anderer Anhaltspunkt existieren, daß es sich wirklich um eine nordsenritische Inschrift handelt, auch dann wäre noch fragwürdig, ob eine Axt gerade die Inschrift ״Axt“ tragen würde. Torczyner kommt zu dem Schluß, daß das Rätsel der Keilschrift-Tafeln bisher als ungelöst betrachtet werden muß. In aller Kürze Dr. Weizmann hat ach aus der Schweiz, wo er seit der A.-C.-Sitzung zur Erholung weilte, wieder nach London be* geben. Das Datum seiner Abreise nach Amerika ist noch nicht bekannt Unter den Touristen, dk in den letzten drei Monaten Palästina besucht und das Zionistische Informationsbüro passiert haben, sind hervorzuheben: Mr. Ratz, Inspektor der Banco di Roma, Mr. Walter B. Harris, der Times-Korrespondent in Tanger, Herr Samuel Adelberg aus Warschau, Prof. Nicolas J. Spykman von der Yale-Universität, M. Jean Rodes, Korrespondent des ״Matin“ Prof. Cassin mit einer akadänischen Gruppe von der Sorbonne, Paris, Ing. Dangcr, Mitglied der obersten französischen Städtebau-Kommission, Dr. Albert Ehrenstein, der deutsche Schriftsteller, Dr. Paxtes aus Litauen, Mr. H. G. Moore, Dozent auf der ״The Etnprcss of Australia“. €01. Kisch hat aus London einen Betrag von 2100 Pfund für die Errichtung eines Klubhauses zur Erinnerung an die jüdischen Soldaten, die In Palästina gekämpft haben, erhalten. Lord Melchett und Col. G Waley Cohen haben die Sammlung durchgeführt Der Platz für das Gebäude befindet sich im BezaleJ-Viertel. Aus dem Emde Jesreel wird berichtet, daß an einzelnen Stellen wieder Feldmäuse auftreteu, so daß die ernste Befürchtung der Mäuseplage besteht, die im Vorjahre zur Vernichtung eines großen Teils der Ernte und zu schweren finanziellen Verlusten geführt hat In Td-Awiw wurde die paflstinensisch-polui sc he Immigrationsbank eröffnet Für das Stammkapital der Bank haben die polnische Regierung 10000 Pfund, die jüdische Oemeinde Warschau 1200 Pfund, die jüdische Gemeinde Lodz 500 Pfund und eine Reihe von Handelsfirmen in Polen größere Beträge gezeichnet. Das eingezahlte Kapital der Bank beträgt 10000 Pfund und soll auf 100000 Pfund erhöht werden. Dem Verwaltungsrat gehört der polnische Handelsattache Dr. Hausner an. Die Zentralverwaltung des ״Ort“-Verbandes hielt Ende Januar in Berlin eine Plenarsitzung ab, an der Vertreter verschiedener Länder, vor allem auch des Ostens, teilnahmen. Interesse verdienen vor allem die Berichte aus Rußland, wo der ״Ort“ sich bemüht, die Eingliederung von jüdischen Arbeitslosen als Industriearbeiter zu erleichtern. Die Lage der landwirtschaftlichen Kolonien sei zufriedenstellend. Im Alter von 92 Jahren verstarb in Wien Professor August Rohling, wohl der erste, der es unternahm, den AntisenutiRmus ״wissenschaftlich“ zu fundieren. Als Theoiogieprofessor an der Universität Münster veröffentlichte er 1871 sein Buch ״Der Talmudjude״, das von Dr. Jos. Bloch als Fälschung entlarvt wurde. In dem aufsehenerregenden Prozeß Rohling- Bloch unterlag Rohling, wurde aber trotzdem auch weiterhin von den Antisemiten aus Autorität verehrt Im Hause des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts wurde eine Beratung der Sektionen des jiddischen PEN-Klubs Warschaus und Wilnas abgehalten, an der die angesehensten jiddischen Schriftsteller Polens teilnahmen. Es wurde beschlossen, in möglichst kurzer Zeit einen jiddischen Kulturkongreß einzuberufen. Durch Gastspiele In Paris aufgehaRen, hat die H a b i m a ihre Abreise um 14 Tage verschoben und fährt mit dem ״S. S. ChampoIIion“ am 3, Februar ab Marseille direkt nach Jaffa zurück. Die jüdische Bevölkerung von Tripolis umfaßt laut den soeben veröffentlichten Ergebnissen der letzten Volkszählung 14314 Seelen bei einer Gesamtdnwohnerzahl von annähernd 70 000, Die ״Eclaireurs Jsraehtes de France“, die Organisation der jüdischen Pfadfinder Frankreichs, haben eine Einladung zur Teilnahme an einem jüdischen Weltpfadfinderlager in der Normandie an die jüdischen Pfadfinderorganisationen aller Länder ergehen lassen. En Prospekt über die geplante Veranstaltung wird Interessenten vom Sekretariat des Weltlagers (Camp Mondial des Eclaireurs Juifs, Foyer et Service Social, 10 rue des Deux Ponts, Paris IV-c) auf Verlangen zugesandt. Die Interpretation des Weißbuches ״New York Times“ meldet aus London, daß die britische Regierung demnächst eine neue, für die Juden günstigere Erklärung über Palästina herausgeben wird. Das Büro des Ministerpräsidenten hat die Jüdische Telegraohen-Agentur auf eine Anfrage dahin informiert, daß die Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency fortgesetzt werden. Die Regierung beabsichtige, zu gceigneter Zeit ein Statement hierüber zu veröffentlichen. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung könne aber vorläufig nicht angegeben werden. Die Herausgabe eines neuen Berichtes über Palästina in nächster Zeit käme nicht in Frage. Auch das Koloniaiamt hat der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf eine Anfrage mitgeteilt, daß die Veröffentlichung eines Berichtes über Palästina nicht bevorsteht Theodor Lessing: ״Jüdischer Selbsthaß“. Jüdischer Verlag, Berlin W 50. Die Problematik des modernen Judentums und seines Anteils an der modernen Kultur ist vielleicht noch niemals in so scharfer und aufregender Form zur Diskussion gestellt worden wie in diesem hinreißend geschriebenen Buch, das als Kernstück sechs Biographien hervorragender Juden enthärt, die innerlich an ihrem Judentum zugrunde gingen. Mit größter Offenheit und mutiger Selbstkritik erörtert der seines jüdischen Blutes voll bewußte Autor die durch das jüdische Schicksal entstandenen Merkmale jüdischer Charakteristik, die Leidensgeschichte des modernen Judentums, sein Schuldgefühl und den zerstörenden Selbsthaß, dem gerade hoch differenzierte Juden erlagen. Durch solche Bloßlegung und Analyse der psychologischen Hintergründe einer erschütternden Tragik glaubte Lessing einen entscheidenden Schritt zur seelischen Befreiung des Judentums . pathologischen Menschen ausgeht, eine befreiende Wirk u n g und eröffnet die Perspektiven einer großen jüdischen Zukunft, wenn erst das jüdische Volk ״den Entschluß faßt“, sein eigenes Leben wieder auf gesunder Basis zu leben. Lessing gibt in dem einleitenden und abschließenden Abschnitt den Rahmen, in den er seine sechs großen Biographien der Juden Paul Red, Otto Weininger, Arthur Trebitsch, Max Steiner, Walter Cale untf Maximilian Harden hineinstellt. In den Randkapiteln, wo auch Gestalten wie Rudolf Borchard, Jakob Wassermann, Karl Krausu.a.in scharf pointierter Charakteristik einbezogen werden, gibt der Verfasser erleuchtende Enblicke in die tiefen Abgrünue jeder geistigen Existenz und einen entscheidenden psychologischen Beitrag zum Wesen des Volkstums. *— Das Buch Theodor Lessing: jüdischer Selbsthaß“, ist auch als dritter Band des ״Zionistischen Bücher-Bundes“ erschienen. Hi:ii1i[i1ii1ii11ii1i)!i111niiiiiiii1i]i11ii)111iii1ii111111M11111111111iin111111i1ii1i1i1i1i11i[i11[111ii11i1]111ii111111i1111n1ii1i11ii111ni1n1111n11i111111ii111n1111ii1111ii1i111iiM11111111H111111iii1[ni1111mi11111111M11111m111111mi111111111111111i1ii1i11i1111ü111111111ii1i11i1[i11i11iim11i1i1imiin

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