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Jüdische Rundschau · 1931-02-03 · Heft 9 (3.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 9 (3.2.1931)
Date
1931-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Binzeinammer 0,25 GoJdnmrk Bär inncrzkmistisdtc ״große Koalition" JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag uJfrei tag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldtnark, vierteljährlich 5.75 Goldmark. Au^n<is«ba1meB£eBts werde® ia der Wäkra&g der eingelnen Länder baredhiet, Anzeigenpreis? 8 gesp. Nonpaj־eülezeil* 030 G.-M. SeelkngjBmiehe 0,25 CL4C Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. EL, Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Dienstag «sad Freitag nachsM t**g§ 4 U b r Postscheck - Konten : Berlin 17392, Baad V 9355. Belgrad 68032, Brüssel 39433. Budapest 59693. Danzig 1973, Haag 140<70, Prag 59410, Riga 4155. Strasshurg 16430, Warsrhau 190708, Wien 156030. Bank •Kosten; D&rtnetädter- und NationadhanJc, Depositen * Karne Berlin, Kuriümendamm 52; B&nca de Est, Cernauti (Rumänien); Angk» PalMtine Co. in HaÜa» Jerusalem, Tel •Aviv. Nummer 9 | Berlin, 3. II. 1931 Redakdonmchluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ס״ז שבט תרצ״א | xxxvl jahrg. ■ per Zionismus erstrebt tar aas jüdische Volk die Schaffung einer ÖffentlichrechtUeh gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Durch die Krise In Amerika sieht sich die jüdische Wohlfahrtstätigkeit in diesem Lande vor neue Aufgaben gestellt. Während bisher die Wohlfahrts-Institutionen, deren Jahresbudget eine Summe von 30 Millionen .Dollar erreichte, ihre lokale Tätigkeit ohne besondere Schwierigkeiten durchführen konnten und die Hauptaufmerksamkeit auf die Hilfsaktionen für die Juden in Osteuropa und Palästina konzentriert war, entsteht nunmehr für die amerikanischen Juden ein akutes Problem der Hilfstätigkeit für Arbeitslose und Verarmte. In dieser Hinsicht ist eine jüngst in New York abgehaltene Konferenz des Verbandes der jüdischen philantropischen Gesellschaften charakteristisch. Die Konferenz appelliert an die Oeffentiichkeit, in dieser kritischen Zeit die Institutionen nicht im Stich zu lassen. Viele Anstalten haben bereits Schwierigkeiten, ihr Budget zu decken, und es ist mit einem Sinken der Eingänge in nächster Zeit zu rechnen. Die Konferenz faßte Beschlüsse bezüglich der Ver- Stärkung der sozialen Fürsorge auf Gebieten, die früher in Amerika keine Rolle gespielt haben, insbesondere Milderung der Folgen langandauemder Arbeitslosigkeit und der durch sie hervorgerufenen Verelendung. In der angenotnmenen Resolution heißt es, es müßten alle Reservefonds herangezogen werden, ״da es sich gegenwärtig nicht um eine vorübergehende Depression, sondern um einen durchgreifenden wirtschaftlichen Umschwung handelt“. Die Verhältnisse des amerikanischen Judentums gleichen sich also mit einer ungeahnten Schnelligkeit denen des europäischen Judentums an. So wie Amerika *eit der Sperrung der Einwanderung überhaupt mehr und mehr den Charakter eines Koloniallandes Verloren und den eines geschlossenen kapitalistischen Staates angenommen hat, wird auch die Lage des Judentums in sozialer, wirtschaftlicher und moralischer Hinsicht zasehendst schwieriger. Unbestechliche Beobachter der Lage in Amerika konnten bereits seit Jahren das Hervortreten der typischen Judenfrage» die bis dahin ' latent ■•pa* beabadrtäL ׳ .p#:.,15tlÄ*ftÄ» .mit' außerordentlich weitreichenden PoJgtt für'da* giÄSflrt» aaretl* kanische Leben b*t nun diesen Prozeß־ beschleunigt Auch das amerikanische Judentum, das bis vor.kurzem mit roslgetn Opltiftintfs׳ in die Zukunft .sah, versteht heute, daß es ein Entrinnen vor dem Judenschicksal picht gibt und daß alles, darauf ankommt, in unserer Generation des Uebergangs eine befriedigende Lösung der Judenfrage zu finden. Das amerikanische Judentum hat in der Zeit seines Wohl- Standes glänzende Beweise der Solidarität mit dem Weltjuden־ tum gegeben; es ist zu erwarten, daß in den Zeiten der Not das Bewußtsein dieser Solidarität noch verstärkt wird. Durch das E n de der Freizügigkeit ist die Lage der Juden in der Welt geradezu katastrophal verschlechtert worden.. Während in ■ der Vorkriegszeit mit ganz wenigen Ausnahmen jedem Menschen möglich war, in jedem Lande durch ehrliche Arbeit sein Brot zu verdienen, hat sich das jetzt geändert Auch die Arbeit ist ein Privilegium geworden, das nach nationalen Gesichtspunkten verliehen wird. Besonders kraß ist in dieser Hinsicht die neue Verordnung des ״Staatsamtes für den Schutz der Staatsbürger“ in Litauen, wodurch ausgesprochen wird, daß ab 1. Januar 1932 keine Arbeitsbewilligungen für Ausländer ausgegeben werden. Auf Grund dieser Verordnung hat der Gouverneur von Kowno bereits alle Unternehmer aufgefordert, bis zum 31. Januar 1932 die. in ihren Betrieben beschäftigten Ausländer durch litauische Staatsbürger zu ersetze n. Durch diese Maßnahmen werden vor aliem Juden betroffen, die als Staatenlose mit Nansen-Pässen in Litauen leben, weil sie nicht imstande sind, ihre litauische Staatsbürgerschaft nachzuweisen. Es handelt sich dabei meist um ehemalige russische Staatsangehörige, die Anspruch auf die litauische Staatsbürgerschaft hätten, aber die erforderlichen Beweise nicht erbringen können. Es ist ohne weiteres klar, welche Grausamkeit darin liegt, diese Juden einfach brotlos׳ tu machen. Das Schlimmste ist, daß es keine Stelle gibt, an die sich diese Menschen wenden können. Es hat wohl noch selten ein Zeitalter gegeben, in dem sich die Judenfrage in so furchtbarer Weise manifestierte, wie heute. Und das jüdische Volk ist durch die Schicksalsschlä^e zermürbt und weite jüdische Kreise sehen «tWBtsCbfööiri ’ tiad 'apaüfsÄ dewißntwRmuag tu. Der ■Ziö.tffdW:P# 6pÄ«d.. 41f‘das ■BctVpJt-wer׳- den der J u d e n f r a g e im jßdischjsp,, ,%lke. . Er gab dem Volke wieder. Energie, Aktivität,׳ Charakterstärke. Heute ist wie nie die Stunde des Zionismus •gekommen, er muß die Kräfte des, Volkes zusammen fassen und die Führung im Kampf um die Rettung der bedrohten Existenz des'jüdischen Volkes ergreifen., Klatzkins Forderungen Von Dr. Gustav K r o j a n k e r Die Theorien ■Dr. Jakob Klaltkim über Zionismus und Duuporr, hoben vor zehn Jahren, ab mitten in einer Zeit schwerster Umwdlzw,- gen sein Buch erschien, zu lebhaften Diskussionen innerhalb dm Zue•• nimm Anlaß gegeben. Sie wurden schon damals non einem großen Teil der zionistischen ()Öffentlichkeit abgelehnt. Nunmehr ist min Buch in einer Neuauflage, erschienen und hat auch die Oeffentiichkeit nieder beschäftigt,. Wir ghuben aber, daß eine rückhaltlose Er. örterung der Probleme, unabhängig von dieser aktuellen Polemik, not tut. ln diesem Sinne ist auch der nachfolgende Beitrag zu he• trachten. Red. Klatzkins ,,Probleme des modernen Juden• tum s“ sind jetzt (bei Lambert Schneider, Berlin-Dahlem) in dritter Auflage erschienen. Die zionistische Oeffentiichkeit pflegt von solchen Erscheinungen nur wenig Notiz zu nehmen. An Stelle der nur von theoretischen Problemen bewegten Vorkriegsze.it ist die praktische Arbeit getreten, aber vielleicht zu ausschließlich und mitunter zu sehr nur im engen Rahmen von Tagesfragen, während doch die Probleme geblieben sind und nun bei anderen Leuten um so größeres Interesse finden. Das gilt ganz besonders., für ,Klatzkins ״Probleme“, so daß uns jetzt'dauernd aus der,'gegnerisch-jüdischen ,'und selbst aus der allgemeinen Presse Zitate entgegenschallen, die als Ausdruck zionistischen Denkens schlechthin gelten sollen. Es sind Zitate aus Klatzkin, die unser Verhältnis zur Umwelt, also den theoretisch schwierigsten und in vieler Beziehung empfindlichsten Punkt unseres zionistischen Seins betreffen. Und wir haben alle Veranlassung, zu diesem höchst gewichtigen Gegenstand eindeutig Stellung zu nehmen: nicht etwa aus taktischpolitischen Gründen, sondern weil sich hier wirklich die Geister scheiden. Ich will das ganze Buch nur unter dem Gesichtspunkt einer Frage sehen, der erregenden Frage nach dem Verhalten des Zionisten zu seiner Umwelt. Klatzkin stellt frier Forderungen auf, die er behauptet, als konsequenter Zionist stellen zu müssen. Und er fordert seitenlang; ich begnüge mich mit einem Zitat: ״Wir wollen unsere Verschmelzung mit der Landesnation behindern, die Bande der Assimilation lösen, die Fesseln der Gleichberechtigung abschütteln, ׳ aus der fremd- 8ÄPIIÄP» Qämdosdtaft. auAetea» . gleichsam ausbfirgera. ־ unsere in fremde Sprachen «rirrtfti Wurzeln ausgraben und ihrem nationalen Nährboden zuführen, die fremden Wirkung!• stiften verlassen und unsere eigenen Felder bestellen.... wir י wollen lieber den alten Leibzoll der Ausnahmestellung als den neuen Seelenzoll der Gleichmachung entrichten. Lieber Juden ohne Gleichberechtigung als Gleichberechtigung ohne Juden.“ Ich frage zunächst nicht, ob wir diese Forderungen als konsequente Zionisten, also um unseres Zieles willen, tatsäclilieh erfüllen müssen. Ich, setze zunächst hypothetisch, daß Klatzkin recht hat: daß es einen anderen Weg um Palästinas willen nicht gibt, und frage, ob es möglich ist, diesen Weg zu gehen. Und ich will die Frage gleich vorweg beantworten: hätte Klatzkin recht, so sollten wir uns als erledigt betrachten und unser Herz nicht an eine schon verlorene Sache hängen. Klatzkins Anweisungen sind vorwiegend negativer Art: wir sollen behindern, lösen, abschütteln, ausbürgern, ausgraben und verlassen. Aber nachdem er diese Forderungen in wohlklingender Dialektik auf vielen Seiten vorgetragen hat, unter• läßt er es leider vollständig, uns zu sagen, wohin wir uns nach diesen negativen Akten der Lösung positiv wenden sollen. Welche Form und welchen Inhalt sollen wir nun unsertn Leben geben für die lange Dauer des Unterwegs? Theoretisch gäbe es schon etwas wie einen Ausweg, nämlich die starrste Orthodoxie, aber die kann Klatzkin nicht meinen und nicht wollen. Denn die Erschütterung der religiösen Form, In der sich das Nationale manifestierte, und die Unmöglichkeit, sie wieder herzustellen, ist gerade sein Ausgangspunkt. Und was bleibt dann? Aber nichts anderes als das, was wir in unserer Jugend Maienblüte die Konkretisierung des Nationalismus gcnannt haben, und was nach endlosen Erörterungen immer wieder mit der Forderung des L e r n e n s endigte, des Studiums von Hebräisch, Literatur und Geschichte. Nur waren wir uns darüber immer klar, daß auch die ideale Erfüllung dieser Forderung unser Sein nicht wesentlich zu wandeln vermöchte; daß noch der gründlichste Kenner all dieser Materien im Leben gleich allen andern ein Halber blieb: zugeteilt der Welt des Lernens und zugeteilt der Welt des Lebens. Die Welt des Lernens schafft Gelehrsamkeit, sie schafft den Grundstock, der für die ganz Wenigen, die aus Bildungserlebnissen sich zu formen vermögen, auch produktiv werden mag. Und noch für diese bleibt die ungleich mächtigere Welt des umgebend-en . Lebens, die auch sie verurteilt, nicht anders verwoben zu sein, als jeder Assimilant es ist; im Gegenteil: in einem Sinne noch tiefer, denn es ist nur e i n Gefäß, das den Geist aufnimmt. Klatzkin ist sicher einer der bedeutendsten Kenner der jüdischen Materie, ich aber bin nur ein Amhaarez, und trotzdem bestreite ich, daß in dem Punkte, auf den es hier ankommt, zwischen ihm und mir ein wesentlicher Unterschied besteht. Soweit er aber vorhanden ist, liegt er nur daran, daß Klatzkin aus dem Osten kommt und ich aus Deutschland. Mit anderen Worten: es geht hier gar nicht um Dinge subjektiver Entscheidung, sondern objektiver Voraussetzungen. Und wie heute bereits der Boden fehlt, auf den wir treten könnten, nachdem wir uns gelöst haben, so fehlt auch schon die Voraussetzung dazu: die Möglichkeit der Lösung überhaupt. Es schreibt sich so fließend hin, daß wir ״aus der fremdnationalen Gemeinschaft austreten, gleichsam ausbürgern“ und ״unsere in fremde Sprachen verirrten Wurzeln ausgraben'* sollen. Aber das erinnert ungemein an gewisse Vorschläge, daß __ 1«111111111111m1111u11111111111m1111111H1m11mm11111111mmm1ra1m1m11m1111m1111n Pr esseschau Im ״Jewish Chronicle“ teilt dessen ״Parlamentarischer Korrespondent“, dessen gefärbte Berichte allerdings mit größter Vorsicht aufzunehmen sind, mit, er habe erfahren, daß Dr.Weizmann erst im April nach Amerika fah ren w i 11. Was die Verhandlungen mit der Regierung betreffe, so äußern sich beide Parteien sehr befriedigt und man hoffe, zu einem freundlichen Abschluß zu gelangen, bevor Dr. Weizmann abfährt. Es bestehe auch die Absicht, den Kongreß in London abzuhalten. In diesem Zusammenhang erwähnt der Korrespondent das völlig unglaubwürdige Gerücht, daß Trotzki Zi0- «ist geworden sei und dem Kongreß beiwohnen wolle, fs ist kaum zu verstehen, welche Motive mir Erfindung dieser unsinnigen Sensationsnachricht geführt habe. Die Fortschritte des Nationalsozialismus in Deutschland hätten angeblich Trotzkis Bekehrung bewirkt Man dürfe nicht vergessen, daß Trotzki in streng orthodoxem Judentum erzogen sei. Leider ist auch dies eine Erfindung der Phantasie, wie jedermann in Trotzkis Seihst- Biographie nachlesen kann. — Der ״Jewish Chronicle“ berichtet weiter, es sei beabsichtigt, während der Sommerferien eine Delegation englischer Parlamentarier, besteh־׳nd aus Repräsentanten der projüdischen und proarabischen Gruppe, nach Palästina zu entsenden, unreine Verständigong zwischen Juden und Arabern zustande zu bringen. Es werden sogar bereits die Namen genannt, als projüdische Mitglieder Hopkin, Marcus und der Konservative Sir Georg Jones, von proarabischer Seite Sir William Bennet und Gol. Howard Bur)'• Die Kommission habe die Aufgabe, die beiden Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen. Auch dies id natürlich mit großer Vorsicht aufzunehmen, es verdient aber einiges Interesse, welche Gerüchte im Zusammenhang mit Palastina heute erfunden und verbreitet werden. Die ״Warte des Tempels“, das Organ der deutschen Templer, gibt in ihrer Nummer vom 31. Januar in einem ihrer regelmäßigen instruktiven (wenn auch keineswegs projüdischen) politischen Berichte aus Palästina eine Darstellung der Lage im arabischen Lager, der wir nachstehende Bruchstücke entnehmen: . Die neue Wendung der Dinge hat auf die p aiästinensischen Araber den denkbar scblechtesten Eindruck gemacht. Wenn man auch noch nicht weiß, wie die anglo-zionistischen Verhandlungen ausgehen 'verden, so gibt man sich arabischerseits doch der Befürchtung hin, daß England weder zu seiner alten Schaukelpolitik zurückkehren werde.,. ... Durch einen geschickten Schachzug der Regierung sind die innerarabischen Gegensätzlichkeiten, die bei den letzten Sitzungen der Arabischen Exekutive so deutlich in Erscheinung traten, neuerdings auch in den Obersten Mohamm■־dänischen Kat getragen worden, der bisher ganz unter dem Einfluß des Großmuftis stand. Die Regierung ernannte nämlich an Stelle des kürzlich verstorbenen Said Effendi Schauwa und;en den Wunsch des: Großmuftis ihren eigenen Kandidaten, ech Abdul Schaff, zum Ratsmitgiied, der denn auch keine Gelegenheit versäumte, gegen den Mufti Opposition zu machen. So kam es u. a. bei den Beratungen über aas Wakf-Budget für 1931 zu äußerst lebhaften Auseinandersetzungen, bei denen Abdul Schafi und Abdul Hadi für Entlassung einiger Wakf-Beamten, Gehaltskürzungen und sonstige Spar- und Reorganisatipnsmaßnahmen eintraten, während der Mufti und die anderen Ratsmitglieder dagegen waren. Die Meinungsverschiedenheiten erhitzten zum Schluß die Gemüter so sehr, daß die Polizei zur Aufrechterhaltung des Friedens herbei gerufen werden mu ß te. Allem Anschein nach scheint es der Opposition unter Räghgb Bej El Naschaschibi mit Hilfe der Regierung tatsächlich gelungen zu sein, die Stel- Jung des Großmuftis., dessen rege und keineswegs ganz erfolglose panislamische Propaganda im mohammedanischen Ausland den Engländern natürlich wenig paßt, nicht unwesentlich zu erschüttern. Wenn die arabische Auslandspropaganda, die manches von der zionistischen gelernt hat, den Engländern wenig Freude bereitet, so ist das leicht begreiflich. Erst neulich wieder haben sich das irakischeParlatnent und ein Kongreß der indischen Mohammedaner in Luknow zur Unterstützung der pa- Iästinensischen Araber bereit erklärt. Zurzeit der Niederschrift dieser Zeilen weilt eineirakische Abordnung in Pa - 1 ä s t i n a , um sich mit der hiesigen politischen Lage bekannt zu machen. Auch die Anwesenheit des Ex-Königs Hussein in Amman gab schon Anlaß zu Zusammenkünften und gemeinsamen Besprechungen.der arabischen Führer aus den umhegenden Ländern.... Die panarabische Sache hat indessen andererseits auch einen Rückschlag zu verzeichnen. Die ägyptische Regierung hat es allen Vorstellungen zum Trotz abgelehnt, in der Frage des neuen ägyptischen Einfuhrzoljs auf palästinensische Agrarbrodukte (Wassermelonen, Bananen, Orangen und Zitronen), oer einem Einfuhrverbot gleichkommt,, den palästinensischen Wünschen entgegenzukommen; außerdem hat sie auf Anforderung der Palästina-Regierung 20 Ffrbroner, die sich an den Unruhen von 1929 beteiligt hatten und nach Aegypten geflohen waren, verhaftet und der paTlstinensischen Polizei ausgeliefert. Dies alles bewirkte eine merkliehe Abkühlung der Gefühle der palästinensischen Araber für die ägyptische Regierung, die allerdings für die Vorgänge ln Palästina von jeher nur wenig Interesse bekundet hat...“ Vielleicht Interessiert unsere Leser auch die Glossierutig der Wahlen zur Assefath Ni wcha ritn, über die die ״Warte“ u, a. schreibt: ״. Die Arbeiter traten für einen systematischen Ausbau der zionistischen Stellung ein, während die Revisionisten, die sich mit den Hitler!anern in Deutschland verglichen, für eine völlige politische Kursänderung kämpften.... Sieger blieben die Arbeiter, die etwas mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen erhielten, d. h. ihre alte Stellung als stärkste Partei halten konnten. Die Revisionisten konnten jedoch ihre Stimmenzahl auf Kosten der Mittelparteien verdreifachen und ziehen als zweitstärkste Partei in die Vcr- Sammlung ein. Es zeigt sich also im jüdischen politischen Leben .eine ähnliche Entwicklung wie in Deutschland...“ 1187726807772376529112383346917150600070831

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