Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 7 (27.1.1931)
- Date
- 1931-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7, 27.1 IW! JÜEDISCHE RUNDSCR'XO Seite 47 in aller Märze Der Einwanderungssusschuß des Amerikanischen Reprisen• tantenhauses hat den Antrag Staatssekretär Stimsons, die E i מ wanderungsquoten für die nächsten zwei Jahre auf 10 •/# ihres jetzigen Ausmaßes herabzusetzen, angenommen. Die Exekutive der Jewish Agency gibt bekannt, daß Im Monat Februar 291 Chaluzim die Einwanderung nach Palästina bewilligt werden wird. Außerdem werden 180 Ein• reiseerlaubnisse für Personen, für deren Unterhalt seitens ihrer in Palästina lebenden Verwandten garantiert wird, sowie 75 Zertifikate für Chaluzim aus Sowjetrußland ausgegeben werden. Die juridische Kommission des polnischen Sejm nahm in ihrer letzten Sitzung die Regierungsvorlage betreffend Ab- Schaffung der noch aus der Zeit der Zarenherrschaft in Polen bestehenden rechtlichen Beschränkungen gegen die Juden, die — obwohl die Verfassung des neuen ftlen federn Bürger ohne Unterschied der Konfession Gleichbercchtigung zuerkennt — aus formalen Gründen bisher noch in Geltung waren, an. In der vergangenen Woche haben in Berlin Besprechungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und Beauftragten der Agudas Jisroel Stattgefunden. Die Besprechungen sollen 1m Verlauf dieser Woche fortgeführt werden. Am 25. Januar fand in Berlin eine außerordentliche Plenar• Sitzung des Hauptrates der Weltliga für das arbeitende Paiastina statt, an der u. a. aus Palästina Ben Gurion, Harzfeld, Sprinzak, Neustadt, außerdem Delegierte verschiedener Länder teilnahmen. Auf der Jahreskonferatz des Verbandes der rumänisehen Juden Amerikas hielt der rumänische Gesandte in Washington, Dr. Davila, eine Ansprache, in der er erklärte, der gegenwärtigen rumänischen Regierung sei es absolut ernst mit der Bekämpfung des Antisemitismus, doch müßten die amerikanischen Juden dessen eingedenk sein, daß die Haupt- Ursache der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien in der schwierigen Wirtschaftslage des Landes zu suchen sei. Mitglieder des Londoner Pen-Klubs veranstalteten im Hause von Miß Henrietta LasBe In Chelsea «inen Empfang zu Ehren Bialiks. Am 20. Januar hat der Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin an Bord der ״Majestk“ die Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten, um dort an der Palästina-Kampagne des Misrachi teilzunehmen. Das Gebiet von Freidorf (26000 Seelen) in der Krim ist als autonomer jüdischer Rayon proklamiert worden. Damit ist der vierte autonome jüdische Rayon in der Sowjetunion geschaffen; die anderen autonomen jüdischen Rayone sind Kaünindorf im Distrikt Cherson, Stalindorf im Distrikt Krivojrog und ״Oktjabr“ Im Distrikt Zaporozhie. ״Pester Lloyd“ meldet: General Makarow, der Sohn des russischen Admirals im Russisch-Japanischen Kriege, Makarow, einer der berühmtesten zaristischen Militärs, ist mit seiner Familie zum Judentum übergetreten und hat den Namen Abraham angenommen. Der Sohn Makarows erklärte, er habe in den Dokumenten seines Vaters den Nachweis gefunden, daß die Familie jüdischer Abstammung sei und er kehre deshalb zur Religion seiner Väter zurück und werde nach Palästina reisen. Kapitän Pontremoli, ein Enkel Luigi Luzzattis und Verwandter von Professor Aldo Pontremoli, der bei der von General Nobile geführten Nordpolfahrt den Tod fand, wurde zmti Admiral in der italienischen Kriegsmarine ernannt,- Oer jüdische Oberst Umberto PugUese wurde zum Generalmajor ernannt. Sokolow-Feier der Berliner zionistischen Büros. Anläßlich des 70. Geburtstages des Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow versammelten sich die Funktionäre der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die Beamten samtlieber zionistischer Büros Berlins, sowie Vertreter der jüdisehen Presse am Freitag, dem 23, Januar, mittags, zu einer internen Feier im Sitzungssaale der Z. V.f. D. Die Feier wurde vom Präsidenten der Z.V.f.D., Kurt Blumenfeld, eröffnet. Der Direktor des Keren Hajessod, Dr. Arthur H a n t k e, gab einen kurzen Ueberblidc über den Lebenslauf des Jubilars und hob insbesondere die organisatorische Tätigkeit Sokolows sowie seine Erfolge als Delegierter des Keren Hajessod hervor. Dr. Oskar Wolfsberg, der Sokolows Wirken im hebräischen Schrifttum darstellte, erklärte, Sokolow wäre, auch wenn er sich nicht der Politik gewidmet hätte, eine große Figur im Judentum. Sein Verdienst ist es, das Hebrätsche den Bedürfnissen des modernen geistigen Lebens angepaßt zu haben. Dr. Robert W e 11 s c h ImWigte vom Gesichtsnunkt des Journalisten dem Begründer des modernen jüdischen Journalismus. Seine Kunst, die Erörterung von Tagesfragen mit der Popularisierung geistiger Werte zu verbinden, mache ihn noch heute zu einem Vorbild der jüdischen Presse. Als letzter ergräft Kurt Blumenfeld das Wort, um die Bedeutung Sokolows als Diplomat und Politiker zu würdigen. Wie andere Menschen Reisen machen, um sich die Natur zu besehen, habe Sokolow Reisen in fremde Kulturen unternommen. Er habe alle diese Kulturen in sich koordinierend aufgenommen und verstehe es, in anregender Weise über die verschiedensten Lebensgebiete zu sprechen. Diese seine Fähigkeit sei das Geheimnis seiner politischen Erfolge. Sokolows Wirken könne um so weniger als abgeschlossen betrachtet werden, als er selbst seinen festen Willen, noch Jahrzehnte hindurch für den Zionismus zu arbeiten, kundgetan hat. Die Schekelsammlang geht weiter! Nachdem das Aktlons-Comitd beschlossen hat, den Kongreß erst im Juni abzuhalten, hat die Zionistische Exekutive alle Fristen entsprechend verlängert, so daß auch die Schekel- Sammlung weitergeht Das Sammelergebnis ist an den meisten Orten noch so unbefriedigend, daß es im Interesse des Erfolges der Schekelsammlung selbst und auch der Vertretung des deutschen Zionismus auf dem Kongreß liegt das Gesamt- Schekelergebnis wesentlich zu verbessern. Wir fordern alle Schekel-Kommissionen und Vertrauensleute auf, die nunmehr noch verbleibende Zeit dazu zu verwenden, allen bisher noch nicht erfaßten Gesinnungsgenossen und Freunden unserer Bewegung den Schekel zu verkaufen. Die Ortsgruppen und Schckel-Vertrauensieute erhalten in diesen Tagen weitere Blocks für die Fortsetzung der Sammlung. Alle für die Sammlung schon auigebrauchten Blocks müssen ans baldigst zurflekgeschickt werden. Die Landesschekelkommiulon der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W1S, Meinekestraße 10. Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091. Bankkonto: Volksbatik Ivria, Berita SS .8, Französische Ste, 8. Briefe an die Redaktion Im EHensle der Wohltätigkeit der nach- Wir erhalten eine ausführliche Zuschrift: folgende Steilen entnehmen: . . Die gesteigerte Not unter der jüdischen Bevölkerung Berlins stellt an die Jüdische Gemeinde, besonders an das Wohlfahrtsamt, ihre Bezirksfilialen und an die ehrenamtlichen Vertrauensleute des Wohlfahrtsamtes, außerordentliche Anspräche. Es ist allgemein bekannt, daß die Jüdische Gemeinde sich die größte Mühe gibt, der Not der verarmten Gemeindemitgüeder zu steuern. Leider ist die Not so groß, daß nicht in allen Fällen geholfen werden kann und daß Insbesondere auch in solchen Fällen, wo geholfen wird, die Hilfeleistung nicht ausreichend ist Es ist zu verstehen, daß in den Wohlfahrtsämtern, selbst bei allergrößter Geduld und seelischer Hilfsbereitschaft der Beamten, eine gewisse Mechanisierung des Betriebes eintri tt, die auf individuelle Leiden der Petenten nicht eingeht Nun ist das Wohlfahrt»- wesen nicht nur eine Sache der materiellen Hilfeleistung, sondern auch der seelischen Aufrichtung der einzelnen Gesuchsteiler, ln dieser Hinsicht leidet die Wohlfahrtstätfgkeit der Jüdischen Gemeinde ihnlieh wie die der städtischen Wohlfahrt*- ämter an einem von den Bittsteilern außerordentlich schwer empfundenen Mangel. Man kann namentlich manchen ehrenamtlichen Funktionären der Wohlfahrtsämter den Vorwurf nicht ersparen, daß sie Berliner Zionistische Vereinigung Donnerstag, den 29. Januar, abenda 81/* Uhr, im Schuberts«»!, Bülowstraße 104 (am Nollendorfplati' Dr. NAHUM GOLDMANN Bericht über die Londoner A.-C.-Sitzung und die gegenwärtige zionistische Lage mit den Bittstellern nicht allzu sanft umspringen. Zugegeben, daß unter der großen Schar der Hilfesuchenden sich Elemente befinden, die imstande sind, die Geduld des Vertrauensmannes auf eine harte Probe zu stellen — trotzdem handelt es sieh auch in diesen Fällen um Menschen, die nicht aus Uebermut oder purem Vergnügen den Weg der Inanspruchnahme öffent-!!eher Mildtätigkeit beschreiten. ... Ich habe Gelegenheit, mit vielen Personen zu sprechen, die als Bittsteller mit den Wohlfahrtsfunktionären der Jüdischen Gemeinde in Berührung kommen. Uneingeschränkt wird von allen das Verhalten einzelner, mit Namen genannter Herren, gegenüber den Bittstellern gelobt Andererseits sind die Hilfesuchenden einmütig erbost und empört über die Behandlung, die sie durch Vertrauensleute und manche Angestellten sowie Beamten der Wohlfahrtsämter erfahren. Gerade die Tatsache, daß einzelne Funktionäre gelobt werde«, wiewohl diese in der materiellen Hilfeleistung wahrschdBlieh nicht über das zulässige Maß hinausgehen und nicht mehr tun als die wenig beliebten anderen Funktionäre, die wahrscheinlich in den meisten Fällen ihre Pflicht erfüllen, beweist, daß man auch andere Methoden in der Behandlung der Bittsteller anwenden kann, als es leider in vielen Fällen geschieht. Gerade in der Zeit schwerer Not und großer allgemeiner Erregung sollte man auf diesen psycho Jogisehen Faktor im Wohlfahrtswesen besondere Aufmerksamkeit verwenden. Der Sinn der alten ״Zedokoh“, wie Dr. Alfred Klee aut dem kontradiktorischen Abend in der Jüdischen Volkshochschule ausgeführt hat, ist auch im modernen Gewände in der Wohlfahrtstätigkeit der Jüdischen Gemeinde beibehalten worden. Diese alte ״Zedokoh“ unterschied sich sehr stark von der Mechanisierung, die jetzt im Wohlfahrtswesen Platz gegriffen hat. Sie war eine Betätigung von Mensch zu Mensch, fern von jeder Ueberheblichkeit. Das sollte auch nach Möglichkeit im Wohlfahrtsamte geübt werden. Es ist ein furchtbares Schicksal, in die Maschine des Wohlfahrtswesens zu geraten. Man ist dann eine Nummer, die in seelischer Hinsicht von den Instanzen rücksichtslos zermalmt wird. . . .“ ** (Auch wir sind der Ansicht, daß durch guten Willen mancher dieser Uebelstände behoben werden kann. Besonders sollten sich die ehrenamtlichen Funktionäre, die aus innerer Berufung sich in den Dienst der Wohlfahrt gestellt haben, davor hüten, ihre guten Absichten durch Dir unsachgemäßes Verhalten wertlos zu machen. — Red. d. ״J. R.״) Zur Heduliu - Konferenz Au die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. ' Der Bericht über die Moazah des Heehaluz in Nr. 3 der ״J. R.“ veranlaßt uns zu folgender Bemerkung: Der Bericht erweckt den Anschein, als seien die Beschlüsse der Moazah einmütig gefaßt. Demgegenüber stellen wir fest, daß sowohl die Vertreter des Kadimali und der Zophim, sowie einige Vertreter der Hachscliarahgruppen nach heftiger Debatte gegen die Beschlüsse gestimmt haben. Es scheint uns ferner bemerken*- wert, daß die Tatsache des sachlich nicht gerechtfertigten Aus- Schlusses von Artur Israelowitz aus dem engeren Merkas mit keinem Worte erwähnt wurde. Die Stellung des KaJimah gegenüber dem engeren Merkas Heehaluz erlaubt es ihm nicht, den ihm angebotenen Sitz im erweiterten Merkas einzunchmen. Schaloin! Die Bundesleitung des Die Bundeskitung des Kadimah. Zophim. * An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau״ Berlin. Der in der ״Jüdischen Rundschau“ erschienene Bericht über die Moazah des deutschen Heehaluz veranlaßt mich zu folgenden Bemerkungen: Zur Frage der Arbeit des Haschomer Hazair: 1. Entgegen dem oben erwähnten Bericht bestand in dieser Frage keineswegs eine einheitliche ablehnende Haltung, da eine Minderheit den Standpunkt vertrat, daß die Mitarbeit des Haschomer Hazair als eines aktiven Teils der ailwdtlichen Chaluzbewegung erwünscht sei und nur förderlich sein kann. 2. Der Ausdruck, daß ״die Histadrutli reformistisch und klassenversöhnlich“ sei, ist während der ganzen Moazah von den Vertretern des Haschomer Hazair überhaupt nicht gebraucht worden. Es ist für die Berichterstattung bezeichnend, daß sie aus der ganzen Diskussion in dieser Frage nur dieses zu sagen wallte,* 3. Es Ist nidit berichtet Worden, daß man als ״Antwort“ auf die Arbeit, mit der der Haschomer Hazair in Deutschland begonnen hat, mich als Mitglied dieser (gefährlichen?) Bcucgung aus der aktiven Arbeit in dem Sekretariat ausschloß,!!ml dies durch einen Beschluß mit zehn Stimmen gegen sechs bei drei Stimmenthaltiagen! Arthur Israelowitz V Der In der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichte Berieht stammte aus dem Büro des ״Heehaluz“. Wir bringen wunschgemäß die vorstehenden Berichtigungen zum Abdruck, können uns jedoch weiter mit dieser Sache nicht befassen, da die an sich bedauerlichen internen Differenzen der einzelnen Chaluz gruppen für die weitere Öffentlichkeit von nur geringem Interesse sind. — Red. * Jüdische Jagendbünde in Polen Karlsruhe, den 21. Januar 1931. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zum Artikel des Herrn Dr. Gustav Krojanker ״Die jüdische Jugendbewegung in Polen“ erlaube ich mir folgendes zu bemerken: 1. Die Behauptung, die Bewegung der jugendlichen Arbeiter ״Freiheit“ sei eine ״bundistische“ Organisation, ist durchaus nicht richtig. Die ״Freiheit“ ist eine Jugendbewegung der Partei Poale-Zion (Rechte). 2 Die Jugendorganisation des ״Bundes“ sind ״Keeiten“ ("קייטן".) und jugend-Bund (יוגנגדבונד) Mit Zionsgruß stud. ing. Menschern Kartier. Viermal nach Palästina Für besonders günstige Palästina-Reisen bieten sich in diesem Frühjahr folgende Gelegenheiten: 3. Februar: ״S. S. Champollion“ ab Marseille. Einzlge Fahrt dieses Luxusdampfers nach Jaffa anläßlich der Rückreise der Habimah nach Palästina. Spezielle ermäßigte Fahrpreise, nämlich 2. B.-Klasse 225 RM. (statt 389 RM.), 2. A - Klasse 410 RM. (statt 550 RM.), 1. Klasse 681 RM. (statt 876 RM.). Gelegenheit zu einer Besichtigung von Aegypten vom Schiff aus. 17. März: Palästina-Reise des K. J. V. Nicht- K.J.V. er haben Gelegenheit, sich an der gemeinsamen Hin- und Rückreise, sowie an einem Ausflug nach Aegypten zu exzeptionell günstigen Bedingungen zu beteiligen. Abfahrt mit Luxusdampfer ״Marietta Pacha“ am 17. März ab Marseille. Ankunft in Haifa, Jerusalem oder Tel-Awiw am 2t. März. Rückfahrt mit der Palästina-Linie des Llpvd Triestino am 15. April ab Haifa. Ankunft Triest am 20. April Preis: Schiffsreise Hinfahrt 2. B.-Klasse inkl. zweitägigem Ausflug nach Kairo und Eisenbahnfahrt nach Palästina 460 RM., Zuschlag zur 2. Schiffsklasse für die Rückfahrt 147 RM. Zionistische Gesellschaftsreise. 30 tägige Reise mit einem Palästina-Aufenthalt von drei Wochen. Peßach in Jerusalem und Tel-Awiw. Hin- und Rückfahrt gemeinsam mit dem K. J. V. Preis der Gesamtreise mit allen Besiehtigungen, gut bürgerlichen Hotels, Führungen, Verpflegung usw. 850 RM. 29. März: Orient-Reise der Humboldt- Hochschule unter Führung ihres Dozenten Dr- Ernst Cohn-Wiener. 28 tägige Reise von Berlin über Marseille nach Alexandrien, Kairo, Tel-Awiw, Jerusalem, Damaskus, Baalbek, Cypern, Triest. Gesamtpreis von Berlin Ws Berlin inkl aller Beförderungen, Hotels, Besichtigungen, Führungen usw. 970 RM. Genaue Informationen und Prospekte über diese Reisen unverbindlich durch den Palcstfne & Orient-Lloyd, Berlin N, Fried rfchsfr. 12t. Jüdische Reiseführer Ein Vorschlag Juden wandern nicht nur, sie reisen auch viel Sie reisen wie alle anderen Reisenden zum Vergnügen, zur Erholung, geschäftlich, sie kommen in fremde Länder und Städte, immer an der Hana des ״Baedeker“, des ״Grieben“, ״Mayer“ und anderer Reiseführer. In dem Maße aber, als unter den Juden das Interesse für jüdische Dinge wieder erwacht, verstärkt sich auch bei dem reisenden luden das Bedürfnis, über die jüdischen Sehenswürdigte eiten der einzelnen Orte und Linder näheres zu erfahren- In diesem Bestreben aber ist er auf sich allein angewiesen, oder vielleicht auf die Bekanntschaft eines Einheimisehen, der aber iii vielen Fällen auch blutwenig weiß. In den allgemeinen Reiseführern aber findet er nichts oder fast nichts über jüdische Sehenswürdigkeiten. Das ist ja selbstverständlich. Mein Vorschlag geht nun dahin, für einzelne Länder oder Städte Supplemente für die vorhandenen Reiseführer zu schaffen unter dem Titel: Führer durch das jüdische X. Y. oder ähnlich. Diese Führer sollen vor allem einen kurzen Abriß der Gcschichte der Juden der betreffenden Gegend enthalten, statistisehe, soziologische Notizen, eine Schilderung des gesellschaftliehen und kulturellen Lebens und alle Sehenswürdigkeiten, die mit dem jüdischen Leben und der jüdischen Geschichte im Zusammenhang stehen. Synagogen, Friedhöfe, bemerkenswerte Gräber, jüdische Kunstschätze, Bibliotheken, Häuser, in denen berühmte Juden gewohnt hatten, Plätze und allgemeine Gebäude, die in der jüdischen Leidensgeschichte eine Rolle gespielt haben. Es ist wohl nicht notwendig, nähere Details anzuführen. Es gibt bereits, verstreut in historischen Werken und Zeitschriften, Enzyklopädien aller Art, ein großes Material über dieses Thema und es gibt — was wichtig ist — sicherlich bei sehr vielen Menschen ein Bedürfnis nach diesen Führern. Die Absatzmöglichkeiten sind gewiß in ausreichendem Maße vorhanden. Menschen, die die Materie kennen, ebenfalls, und deshalb soll an unsere Verlagsanstalten, besonders an den ״Jüdischen Verlag“ nachdrückuchst die Aufforderung ergehen: Schaffet dem jüdischen Reisepublikum die jüdischen Reis effihrer! Dr. a*ed. Walter Kohn er-Karlsbad. Breslau. In der ersten Sitzung der neuen nunmehr aus 23 Mitgliedern bestehenden Gemeindevertretung wurde Rechtsanwalt Max Jacobsohn zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Vorsitzender wurde wieder Justizrat Peis e r (liberal), ln den 12gliedrigen Gemeindevorstand wurden aus der Volkspartei die bishermen Vorstandsmitglieder Dr. Hugo Schachtel und Dr. William Boß entsandt. Bei der Konstituierung des neuen Vorstandes wurde der bisherige Vorsitzende Geheimrat Goldfeld (lib.) wiedergewählt, St eil vertreter wurden mit gleichen Rechten Mendel Hoflmami (kons.) und Dr. ScbachteL