Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 7 (27.1.1931)
- Date
- 1931-01-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 7, 27.1 1031 sehen Demokratischen Partei hat am schwersten das bürgen* liehe deutsche Judentum betroffen, das damit seine politische Basis verlor. Zu den beiden Linksparteien gehört es wirtschaf tlich nicht, und weiter rechts( wo seine wirtschaftlichen Interessen liegen, beginnt der mit dem Nationalsozialismus organisch verbundene Antisemitismus, der die Juden aus allen politischen Neubildungen ausschließt oder zurückdrängt. Dies ist die scharf umrissene objektive Situation des deutschen Judentums: ohne Bundesgenossen im deutschen Volke einer Welle des Antisemitismus gegenüberzustehen, die stärker ist als alle vorangegangenen in den letzten 150 Jahren, trotz aller Ideen von Humanität, Gerechtigkeit und Menschenliebe. Der Antisemitismus wird hier aufgefaßt als ein tiefeingewurzeltes ״Fremdheitsgefühl einer Majorität gegenüber einer erkennbaren Minderheit in ihrer Mitte“. Demgegenüber ist es gänzlich bedeutungslos, wie wir Juden in Wirklichkeit sind. Und darum ist es ein Kampf gegen Windmühlen, wenn das liberale deutsche Judentum auch heute noch glaubt, durch Abwehr und ״Aufklärung'* den Antisemitismus bekämpfen zu können. Einzig und allem die Tatsache unserer Existenz ist die Ursache für den Antisemitismus. Was aber ist demgegenüber zu tun? Seine Bcsonderheit erkennen und sich zu ihr zu bekennen. Diesen Appell richtet Dr. Krojanker an das gesamte deutsche Judentum. Der Zionismus ist diesen Weg gegangen, indem er der negativen Abwehr das positive Ideal der schöpferischen Leistung gegenüberstellte und so der Welt ein neues Bild des Juden zeigte. Damit hat er sich die Achtung der Welt errungen, Völker und Regierungen für sich gewonnen. Und seine Erweiterung zur Jewish Agency, die Einbeziehung nichtzionistischer Kräfte in das Aufbauwerk für Palästina war über dieses nächstliegende Ziel hinaus der entscheidende Schritt zur Zusammenfassung der Kräfte des Weltjudentums. Dieses Weltjudentum aber repräsentiert eine Macht, die in der öffentliehen Meinung der Welt eine Rolle spielt. Diese Macht heißt es zu nutzen, um zu einem neuen, freieren Menschentum zu gelangen. Denn wohl geht Recht vor Macht, aber immer nur dann, wenn es sich mit der Macht zu verbünden weiß. Dies das Gerüst der Kroiankerschen Ausführungen, die in vollendeter und mitreißender Form vorgetragen wurden und reichen Beifall der Anwesenden hervorriefen. Es wäre außerordentlich wünschenswert, wenn dieser für unsere Zeit so bedeutsame Vortrag durch Drucklegung einem größeren Kreise zugänglich gemacht werden könnte. Dr. Ina Brltschg!-Schimmer. Eine Polemik Gerlach-Klatzkm Am 2. Januar ist Im ״Dortmunder Generalanzciger“ ein ״Zionismus und Antisemitismus* überschriebener Artikel von Helmuth von Gerl ach erschienen, in welchem der bekannte demokratische Publizist das Buch von Jakob K1 a t z k in: ״Probleme des modernen Judentums“, das kürzlich in einer unveränderten Neuauflage im Verlag Lambert Schneider in Berlin erschienen ist, unter dem Gesichtspunkt betrachtet, welche Nahrung dadurch der antisemitischen Ideologie und Bewegung in Deutschland gegeben wird. Man hat sehr stark den Eindruck, daß Gerlach von gewisser jüdischer S e i t e zu seiner Stellungnahme veranlaßt worden ist, wobei wir dahingestellt sein lassen, ob seine Konsequenzen nicht auch diesen etwaigen jüdischen Gewährsmännern zu weit gehen. Gerlach betont, daß Klatzkin als extremer Zionist unbedingt ehrlich und tapfer ist; wenn aber seine Grundthese, daß me Juden ein Fremdkörper in Deutschland seien, richtig wäre, dann hätte auch nach Gerlachs Meinung Hitler mit seiner Forderung, den Juden die Staatsbürgerrechte zu entziehen, vollkommen recht. Gerlach bringt eine Reihe von Zitaten aus Klatzkins Buch und fordert die deutschen Juden, vor allem aber die Zionisten, auf, deutlich von Klatzkin abzurücken. Herr von Gerlach müßte freilich bei dem ihm doch zweifellos eigenen Gefühl für Ritterlichkeit und Selbstachtung verstehen, daß er den Zionisten, die sonst wahrhaftig eine ehrliche und sachliche Auseinandersetzung nicht scheuen, das von ihm gewünschte ״Abrücken“ außerordentlich erschwert, wenn er die ungeheuerliehen Worte niederschreibt: ״Hätte Klatzkin wirklich das Recht, im Namen der Mehrheit der deutschen Juden zu sprechen, s o müßte die Judenemanzipation rückgängig gemacht werden, wie es das nationalsozialistische Programm fordert“ Wenn selbst ein linksstehender Politiker sich zu solchen Folgerungen versteigt, dann ist eine sachliche Debatte fast unmöglich, denn diese kann nicht unter dem Druck derartiger Drohungen geführt werden. Läge doch dann die Folgerung allzu nahe, daß Zionisten, die eine andere Meinung als Klatzkin vertreten (und dies ist —* übrigens seit dem ersten Erscheinen des Öuches vor zehn Jahren — die große Mehrheit der deutschen Zionisten), aus Opportunismus oder Angst zu ihrer Meinung gekommen sind und Deklarationen nach außen hin abgeben, nur um die Konsequenzen abzuwehren, die Gerlach in Aussicht stellt. Der C.-V. hat natürlich auf sein Abrücken nicht warten lassen. Es ist prompt erfolgt, obwohl es niemandem einfallen wird, den C.-V. Klatzkin’scher Theorien zu verdächtigen. Ungeachtet der innerzionistischen Meinungsverschiedenheiten über Klatzkins Theorien scheint es uns zunächst, daß Gerlachs Ausführungen auf einem tiefen Mißverständnis verschiedener grundlegender Tatsachen beruhen. Vor allem spielt dabei jene bedauerliche, so oft unterlaufende Aequivocation eine Rolle, die sich bei dem Wort ״Deutscher“, ״Frauzose“ usw. einstellt Auf der einen Seite denkt man dabei an Angehörige des umfassenden deutschen Staatswesens — in diesem Sinne wird das Wort z. B. in England und Frankreich stets gebraucht und daher wird dort auch ein extremer Zionist nicht den geringsten Anstoß nehmen, sich als ״guter Engländer“ oder Franzose zu bezeichnen. In demselben Sinne könnte ein Zionist in Deutschland sich als ״guten Deutschen“ bezeichnen, wenn nicht hier dieses Wort durch die nun einmal in weiten Kreisen tief eingewurzelte völkische Auffassung (wobei wir hier nicht ״völkisch“ im parteimäßigen Sinne meinen, also nicht etwa beschränkt auf organisierte Völkische) eine spezifische Bedeutung im Sinne einer blutmäßig und man möchte beinahe sagen geistig-metaphysischen Einengung erhalten hätte. Bei diesem Begriffe von Deutschtum, der im ideologischen Bereich so gut wie ausschließlich maßgebend ist, muß natürlich ein Zionist ehrlicherweise aussprechen, daß in diesem Sinne zugleich Deutscher und Jude zu sein unmöglich ist. Von dieser Feststellung bis zu den extremen kulturpolitischen und individuellen Konsequenzen, die Klatzkin daraus zieht, ist ein weiter Weg, der ausgefülit ist durch alle möglichen Zwischenformen und Anschauungsmiancen auch innerhalb des Zionismus. Ein weiter Weg ist aber auch zu den überraschenden Folgerungen des Herrn v. Gerlach, der — offenbar allzu sehr irritiert von der erfolgreich fortschreitenden nationalsozialistischen Agitation — die primitive Errungenschaft des liberalen Zeitalters, die Rechtsgleichheit der Bürger, anzutasten oder doch von allerhand zusätzlichen Bedingungen abhängig zu machen, ge* neigt ist, Dr. Klatzkin hat im ״Dortmunder Generalanzeiger“ eine Erwiderung veröffentlicht, die sich mehr mit einer Reelltfertigung seiner Person, als mit den allgemeinen Problemen selbst befaßt. Klatzkin verteidigt sich gegen den Vorwurf des nationalen Chauvinismus und verweist auf die Stelle seines Buches, worin gesagt wird, der Zionismus dürfe nicht in Chauvinismus ausarten, solidem bedeute ״die Befreiung der Juden zur vollwertigen Menschwerdung und internationalen Kuiturentfaltung“. Weiter führt Klatzkin den Brief des dänisch-jüdischen Schrift- Stellers Henry Nathanscn an, der sich bewundernd über Klatzkins Buch äußert. Was das Problem Zionismus und Antisemitismus selbst betrifft, betont Klatzkin, daß das Bekenntnis zum jüdisehen Volkstum, auch wenn es Gefahren in sich birgt, als eine sittliche Pflicht außerhalb opportunistischer Erwägungen betrachtet werden müsse. Die reaktionäre Ansicht, die Staat und Volk identifiziert und die Gleichberechtigung Andersgearteter von einem unsittlichen Akt der Assimilation abhängig macht, müsse von allen fortschrittlichen Menschen entschieden abgelehnt werden. Zum Schluß erwähnt Klatzkin, daß er nicht im Namen der deutschen Juden, ja nicht einmal im Namen der deutschen Zionisten, sondern als einzelner Zionist seine Anschauungen niedergelegt habe. Wir werden — unabhängig von dieser aktuellen Zeitungspolemik — demnächst Gelegenheit haben, die Gedankengänge von Klatzkin zu behandeln, wobei es nicht nur auf abstrakte logische Deduktion, sondern vor allem auch auf eine Betrachtung der historischen Realitäten in ihrer lebendigen und organischen Eigenart ankommen wird. Nach der A.-C.־ Sitzung Pressekonferenz der Zionistischen Exekutive Die Zionistische Exekutive in London veranstaltete am 20. Januar unter dem Vorsitz von Nahum Sokolow eine Pressekonferenz. Sokolow gab bekannt, daß sich Dr. Weizraann demnächst an der Spitze einer Delegation zur Verstärkung der Palästina-Kampagne nach den Vereinigten Staaten begeben werde. Es sei noch keine Entscheidung über die Frage getroffen worden, ob die Ver- Handlungen mit der Regierung während des Aufenthaltes Dr. Weizmanns in Amerika unterbrochen oder trotz seiner Abwesenheit fortgeführt und erst nach seiner Rückkehr abgeschlossen werden sollen. Sokolow kam sodann auf die Verschiebung des Kongreß termins zu sprechen und erklärte, der Zionistenkongreß sei nicht Selbstzweck, sondern nur eines der Mittel zum wirklichen Zwecke, nämlieh zum Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Große Teile der Zionistischen Organisation hätten daraut gedrängt, daß der Kongreßtermin verschoben werde, indem sie daraut hinwiesen, daß die Abhaltung des Kongresses den Palästina-Drive in Amerika schädigen würde. Ein vveiterer Grand für die Aufhebung des ursprünglichen Be- Schlusses des Aktions-Comitös, den Kongreß ira Februar abzuhalten, lag darin, daß die Führer der amerikanischen Nichtzionisten erklärt hatten, es würde ihnen nicht möglich sein, an einer Tagung des Councils der Jewish Agency Anfang März teilzunehmen. י•-'■"־'■■ י Felix Rosenblüth erklärte, das eben bekanntgewordene völlig unbefriedigende Ergebnis der gemeinsamen jüdischen Kampagne in Amerika während der Monate November und Dezember 1930 habe gezeigt, daß der Palästina- Drive unverzüglich in Angriff genommen werden muß. Josef Sprinzak legte die Grundzüge eines Plans dar. der die Aufbringung von einer Million Pfund für Kolonisationsarbeit in Palästina im Laufe dieses Jahres vorsieht. Nach dem Plan soll ein Jüdischer Verband zur Förderung der Palästinakoionisation mit einer Million Mitglieder geschaffen werden, von denen jedes einen Beitrag von einem Pfund leistet. Die Ersparntsmaßnaliiiien Die Zionistische Exekutive veröffentlicht nunmehr den Wortlaut der Beschlüsse des Aktions-Comitös. Die Beschlüsse über Ersparnismaßnahmen lauten: In Berücksichtigung der durch die weltwirtschaftliche Krise entstandenen finanziellen Notlage und in Anerkennung der Notwendigkeit, das Aufbauwerk in Palästina in allen seinen Arbeitszweigen mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten, hält das A.-C. folgende Maßnahmen für geboten: (a) Das A.-C. ernennt je eine Kommission in Palästina und in London, die zusammen mit der Exekutive der Zionistischen Organisation und, wenn die Exekutive der Jewish Agency damit einverstanden ist, auch mit dieser, über g rund - legende Ersparnisse in den allgemeinen und administrativen Ausgaben in allen von der Zionistisehen Organisation und der Jewish Agency unmittelbar geführten oder durch sie subventionierten Arbeiten und Institutionen beraten soll. In die Kommissionen werden für London die Herren Simon Marks, Dr. A. Silberschein und Robert Solomon, für Palästina die Herren Elijahu Berligne, Elieser Kaplan und Daniel Sirkis gewählt. (b) Das A.-C. nimmt den Beschluß der Exekutive der Jewish Agency׳ über die von ihr beschlossenen Gehaltsreduzierungen zur Kenntnis und spricht den Wunsch aus, daß die Exekutive die Frage der Ausdehnung der Kürzungen auf alle Kategorien der Gehaltsempfänger, darunter auch solcher, mit denen feste Verträge vorliegen, prüfen und diese Kürzungen durchführen soll. Der Gesamtbetrag der Kürzungen soll nicht weniger als ein Sechstel der an Gehältern zu zahlenden Gesamtsumme ausmachen. Die Kürzungen sollen nach einer progressiven Skala vorgenommen werden. (c) Das A.-C. empfiehlt der Exekutive, den Beschluß des 15. Kongresses über maximale Gehälter durchzuführen. (Es handelt sich um den Beschluß, der besagt, daß kein Gehaltsempfänger mehr als £ 60.— im Monat beziehen soll. — A. d. R.) (d) Die Kürzungen sollen in London binnen zwei Wochen, und in Palästina binnen eines Monats vorgenommen werden. (e) Das A.-C. erwartet, daß die Beamtenschaft aller Kategorien mit ihrer stets bewährten Opferwilligkeit die Exekutive bei der Durchführung dieser Maßnahmen unterstützen wird, die infolge der Weltwirtschaftskrise und der schweren Finanzlage notwendig geworden sind. (f) Das A.-C. empfiehlt der Exekutive, für den nächsten Kongreß Vorschläge auf Verkleinerung des A.-C. und der Exekutive vorzubereiten. Das A.-C. beschließt, daß bei der Durchführung des Bud - gets in Palästina kein Unterschied gemacht wird zwischen Institutionen, die von der Exekutive gänzlich aufrechterhalten und solchen, die von ihr teilweise subventioniert werden. Zur Verschiebung des Kongresses Von Felix Rosenblüth, London. ln einem von Teilen der zionistischen Presse veröffeuflichten Brief an die Zionistische Exekutive und in einem in der ״Jüdischen Rundschau“ publizierten Artikel macht Richard Lichtheim seiner Entrüstung über die geplante und mittlerweile zur Tatsache gewordene Verschiebung des Kongresses Luft. Es kann ihm nicht verwehrt sein, die Vertagung des Kongresses für einen Fehler zu halten. Er mag der Ansicht sein, die auch im A.-C. von einer Minderheit vertreten wurde, daß wir trotz der mehr als bedrohlichen Finanzlage die Front des Keren Hajessod im Februar von wichtigsten Mitarbeitern entblößen durften, um den Parteikarapf vor und auf dem Kongreß auf seine höchste Spitze zu treiben. Wenn er an der Sitzung des A.-C. in London teilgenommen hätte, so hätte er gewiß die telegraphischen Warnungen aller amerikanischen Gruppen, einschließlich übrigens des amerikanischen Misrachi, in den Wind geschlagen, die übereinstimmend die Ver- Schiebung des Kongresses zum Schutz der Palästina-Kampagne forderten, die am 25. Januar ihren Anfang nehmen sollte. Auf Lichtheim hätte ebensowenig die Argumentation mancher Mitglieder des A.-C. (nicht der Exekutive) Eindruck gemacht, die darlegten, daß ein Wahlkampf angesichts der Ungeklärtheit der politischen Lage d 1 e Gruppe der zionistisehen Bewegung in ״unfairer“ Weise begünstige, die, gleichviel, wie immer die noch im Zuge befindlichen Verhandlungen mit der englischen Regierung ausgehen mögen, zu einem definitiven und abschließenden Urteil bereits gekommen sind. Diese Gruppen lösen ja alle Probleme und Schwierigkeiten der Bewegung durch Wahl einer neuen Leitung. Lichtheim hat aber kein Recht, der Exekutive unlautere Motive zu unterstellen, und sein billiger Versuch, ganz im Stil des ״Doar Hajom“ und des ״Raswjet“ die Exekutive moralisch zu diskreditieren, muß auf das entschiedenste zurückgewiesen werden. Es lohnt sich nicht, über Lichtheims statutarische Bcdenken zu reden. Es ist richtig: die Sitzung des A.-C. ist formlos, d. h. ohne vorherige Befragung des Präsidiums des A.-C einberufen worden. Der Grund für diese Formlosigkeit war, daß durch umständlichen Meinungsaustausch keine Zeit verloren werden sollte. Das A.-C. mußte so früh zusammentreten, daß der Kongreß zur festgesetzten Zeit stattfinden konnte, falls das A.-C — eine Möglichkeit, mit der die Exekutive rechnen mußte — sich gegen die Verlegung des Termins aussprechen würde. Das Präsidium ist zwar nicht vorher, aber gleichzeitig benachrichtigt worden. Von den Mitgliedern des Präsidiums hat nur einer, nämlich Herr Lichtheim, Einspruch erhoben. Der Mangel der Form darf daher durch nachträgliche Genehmigung als ״geheilt“ angesehen werden. Aber diese Formalität ist für Liclitheira selbst nicht bcsonders wichtig, und es wäre ja auch merkwürdig, wenn gerade er, der in einer früheren Polemik mit mir sich offen zum Disziplinbruch bekannt hat, sich plötzlich als Hüter der Gesetzlichkeit aufspielen wollte. Es ist Lichtheim mehr darum zu tun, die Exekutive als eine Körperschaft darzustellen, die nicht durch offene und rücksichtslose Gesetzesverletzung, sondem durch heimliche Winkelzüge und wohlausgeklügelte Manöter die Oeffehtliöhkeit Mntei-s Licht führt.־ r: Lichtheim meint, die Argumente, die gegen Abhaltung des Kongresses im Februar sprachen, seien der Exekutive bereits im November bekannt gewesen. Auch damals sei die Finanzlage ernst gewesen, und auch damals habe man gewußt, daß die Nichtzionisten an einer Tagung im März nicht teilnehinen würden. Beide Argumente sind hinfällig. Gewiß war die Finanzlage bereits im November ernst, aber in ihrer vollen Krisenhaftigkeit hat sie sich erst in den letzten Wochen enthüllt, nachdem die Hoffnung auf weitere Eingänge aus der Allied Jewish Campaign oder auf Credite in Amerika zunichte geworden war. Es ist nicht wahr, daß im November bereits die Weigerung der amerikanischen Nichtzionisten bekannt war, im Frühjahr an einer Tagung des Council teilzunehmen. Im Gegenteil war damals dem A.-C. durch ein Mitglied der Exekutive die Nachricht aus Amerika überbracht worden, daß der Führer der amerikanischen Nichtzionisten mit der Einberufung des Council im März einverstanden sei. Ihr tiefstes Niveau aber erreicht die Argumentation Lichtheims, wenn er schreibt: ״Die Innere Krise hat sieb (seit dem November) eher noch verschärft — und nun versucht die Exekutive, den Kongreß zu verschieben. Sie droht für den Fall der Ablehnung ihres Antrages mit sofortigem Rücktritt und will so das A.-C. durch die Furcht vor dem Chaos zwingen“. Diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen. Die Exekutive hat niemals für den Fall der Ablehnung ihres Antrages auf Verschiebung des Kongresses mit dem Rücktritt gedroht. Sie hat die Möglichkeit, daß das A.-C. den November Beschluß aufrechterhalten würde, ins Auge gefaßt und war durchaus bereit, für diesen Fall die Geschäfte bis zum Februar- Kongreß weiterzuführen. Gerade das Umgekehrte von dem, was Lichtheim argwöhnt, ist richtig. Die Exekutive hat ihren Rücktritt für den Fall der Verschiebung des Kongresses angeboten, um die Bildung einer provisorischen Leitung bis zu einem Sommerkongreß zu ermöglichen. Das A.-C. hat von diesem Angebot keinen Gebrauch gemacht, aber es 'bestand und war darauf berechnet, denen die Arbeit zu erschweren, die glauben, unserer Sache dadurch dienen zu können, daß sie die Exekutive mit vergifteten Waffen bekämpfen. Lichtheims Angriffe beweisen freilich, daß die Rücksichtnahme auf eine gewisse Kategorie von Gegnern überflüssige Mühe ist. Man mag die Vertagung des Kongresses für notwendig halten oder in ihr einen Fehler erblicken. Jedenfalls werden alle Teilnehmer der letzten Tagung des A.-C bestätigen, daß auch die Gegner der Vertagung den Emst und das Gewicht der Argumente und die Reinheit der Motive der Maojritat anerkennen mußten. Nochmals die ״Jesus“-Sensation. Nach der Rückkehr des Archäologen der Jerusalemer Universität Professor Sukenik von seiner Deutschfandreise nach Jerusalem veröffentlichte das Büro der Hebräischen Universität eine Erklärung gegen die in den Zeitungen verbreitete Meldung, nach der Professor Sukenik während eines Vortrages in Berlin die Behauptung aufgestellt hätte, daß das Finden eines Grabsteines mit der Inschrift: Jesus, Sohn von Joseph, eventuell darauf schließen ließe, daß Christi Grab gefunden sei. In der Erklärung heißt es, daß auf den alten jüdischen Grabsteinen des öfteren neutestamentliche Namen erschienen, daß aber daraus keinesolcbe!}Schlüsse gezogen werden dürften.