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Jüdische Rundschau · 1931-01-20 · Heft 5 (20.1.1931) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 5 (20.1.1931)
Date
1931-01-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5, 20. L 193! JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 33 Aus den Gemeinden Die Berliner Gemeinde In der letzten Zeit hat das Organ der Berliner Gemeinde• liberalen, die ״Jüdisch-liberale Zeitung“, eine Reihe von Autsätzen veröitentlicttt, die sich mit der zukünftigen Gestaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde beschäftigen. In Eiaseitdungen an die Redaktion wird eine Reform an Haupt und Gliedern verlangt. Insbesondere hat eine Zuschrift von Fritz Rosenthal an die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ selbst in den Kreisen der Liberalen Befremden erregt. Fritz Rosenthal, wenn wir nicht irren, ein Sohn des liberalen Führers Moritz Rosenthal, vetsfeigt sich in seinem liberalen Radikalismus so weit, daß er sogar den Abbau des jüdischen Arbeitsnachweises - verlangt Daß er gegen jüdische Schule, jüdische sportliche Betätigung und gegen jede Form jüdischer Selbsthilfe auf sozialem Gebiete ist, versteht sich von selbst. Fritz Rosenthals Vorschläge werden nun glücklicherweise nicht einmal von den führenden Liberalen ernst genommen. Als ob die Juden den jüdischen Arbeitsnachweis aus purem Uebermut geschaffen hätten! Es gibt eben eine spezifische jüdische Angestelltennot, der von den allgemeinen Arbdtsiiachweisbüros, selbst deren bester Willen vorausgesetzt, nicht begegnet werden kann, und außerdem äußert sich gerade hinsichtlich der zahlenmäßig besonders starken Kategorie von jüdischen Angestellten der antijüdische Boykott so stark, daß man ihn, wenn auch leider nicht in zureichender Weise, durch einen eigenen jüdischen Arbeitstischweis bekämpfen muß. In der Besprechung der Os t jud cnt a g u 11 g in Hann over wird in dem liberalen Organ dem Verbände der Ostiuden die Entziehung der bisher von der Berliner Jüdischen Gemeinde erhaltenen Subvention angekündigt, weil der Verband nach Meinung des liberalen Organs keine überparteiliche Organisation ist, da er in Hannover festgestellt hat, er stehe auf jüdisch-nationaler Grundlage. Die Liberalen wissen ganz genau, daß die Subvention an den Ostjudenverband nur darum bewilligt wurde, weil der Ostjudenverband eine außerordentlieh ausgedehnte juristische Arbeit für die in Deutschland lebenden Ostjuden leistet Schließlich leben in Deutschland etwa 70000 Ostjuden und in Berlin nahezu die Hälfte dieser Zahl, und es ist nur selbstverständlich, daß sich die Gemeinde um die jenseits jeder Parteieinstellung liegenden Nöte rechtlicher Art dieser Menscheu kürflmert Wir glauben nicht, daß auch in Zukunft eiuc Aemleruag .nach dieser Richtung eintreten wird. Wir müßten sonst die feierlich abgegebenen Erklärungen der liberalen Führer in der Repräsentantcnversammlung vom 11. Dezember 1930, daß vor! niemandem und niemals in der Jüdischen Gemeinde ein Unterschied zwischen Juden und Juden gemacht werden wird, als leere Deklamation und nicht als ernste Kundgebungen betrachten. Das liberale Organ macht auch mehrere gegenständliche Angaben, um das angebliche Bestreben des bisherigen Germ iiulevorstandes zu beweisen, noch vor der Uebernahme der Gemeindeverwaltung durch die neugewährte liberale Mehrheit Maßnahmen zu treffen, die gegen die Absichten dieser liberalen Mehrheit verstoßen. Die liberale Zeitung führt die Besetzung des Lehrstuhls in Palästina durch Prot. Otto Warbürg und den Assistenten Dr. Oppenheimer sowie die Aus- Schreibung einer Rektorstclfe für eine Berliner Jüdische Gerneindeschule als Beweis dieser unstatthaften Vorgangsweise des bisherigen Gemeindevorstandes an. Beide Angaben der liberalen Zeitung sind im Wesen unrichtig. Erstens ist schon im Monat September 1930, also lange vor den Walllen, von der speziell eingesetzten Kommission in Fragen des I ehrstuhles der Jüdischen Gemeinde Berlin an der Universität Jerusalem ein stimmig, also auch mit den Stimmen der Liberalen, beschlossen worden, diesen Lehrstuhl für Botanik zu reservieren und Prof. Otto Waxburg mit der Leitimg zu betrauen, wobei Dr. ’ Oppenheimer als Assistent mit dem Rechte der Nachfolge eingestellt werden solL Was die Ausschreibung der Rektorstelle anbelangt, so handelt es sich um einen rein formalen Akt gemäß den Wünschen des Provmzial-Schulkollegiunis. ohne daß der bisherige Gemeindeverstand die Absicht haben würde, gegen den Willen der liberalen Mehrheit irgendwelche Entscheidungen zu treffen. So viel zur Entkräftung unrichtiger Behauptungen. Auf andere ungerechtfertigte Anwiirfe soll demnächst ausführlicher angegangen werden. s, n. §if Düsseldorf, ln der letzten Tagung des Preußischen Landesverbände« wurde den Liberalen vorgeworfen, sie hätten im Breslauer Bezirk beide Ratssitzc für sich in Anspruch genommen und die Minderheit leer ausgehen fassen. Der Vorsitzende der liberalen Fraktion, Dr. Bärwald, schloß sich der demokratischen Auffassung der Volkspartei an. Der Hinweis auf diese Meimmgsäußerung des Fraktionsvorsitzenden vermochte nicht die l iberalen des 12. Wahlbezirks (Rheinland) bei den Kompromiß- Verhandlungen dazu zu bringen, einen der beiden Ratssitze der größten Minderheitsgruppe, der Volkspartei, einzuräumen. Da bei dem geltenden Wahlrecht zum Rat sich eine Berüeksichtigung der Minderheit nicht erzwingen läßt, nahm die Volks- Partei den Kompromiß unter Protest gegen das Unrecht an und begnügte sich mit dem SteHvertrcterposte.il. Vereinbarungsgemäß und selbstverständlich hatte nun Jede Partei ihre Kandidaten zu benennen. Die Volkspartei nominierte zum Rats- Stellvertreter Dr. Salti Hirsch, Berlin. Jetzt, nach vielen Wochen, wandte sich der liberale Vorsitzende der Gemeinde Düsseldorf, Felsenthal, unter Bruch des Abkommens hinter dem Rücken der Volkspartei und deren Unterhändler an einen Herrn in M.-Gladbach, dem die Verhandlungen unbekannt waren und bot ihm den Ratsstel(vertretersitz an, für den ein unbekannter Herr Hirsch aus Berlin vorgeschlagen sei. Der Herr wandte sich an die Volkspartei und lehnte ab. Ein Beitrag zu dem Kapitel, wie die Ratswahlen zustande kommen. * Luxemburg. Die Gemeinde Luxemburg hat ca. 300 jüdische Familien, darunter 100 aus dem Osten zugewanderte. Einer kleinen Gruppe der Ostjuden ist es gelungen, ein Haus als ״Bet Am Iwri“ einzunchten. Dies Haus enthält eine Synagoge, einen Vortrags- und Lesesaal, sowie Unterrichtsräume, in welchen die hebräische Sprache gründlich gelernt wird. Am 18. Dezember 1930 ist das Haus eingeweiht worden in An- Wesenheit der Delegationen der Städte Metz, Esch, Differdingen. Die Stadt Metz hat ihren Rabbiner sowie Kantor zur Feier entsandt. Oberrabbiner Dr. Serebrenik, Luxemburg, hielt die Weiheredc. Die Gesellschaftsräume wurden durch den Präsidenteu Herrn Max Rosenfeld eröffnet Herr v. Dobrowolski, Konsul der polnischen Republik, überbrachte Grüße seiner Behörde. Die Eintragungen ins Goldene Buch ergaben einen ansehnlichen Betrag. Das überfüllte Haus wurde vom Vorstand bewirtet.. Am Sonntag veranstaltete die hebräische Schule eine Theater-Vorführung, es war zu bewundern, wie Kinder im Alter von 3—9 Jahren hebräisch gespielt haben. Josef Springut (Frankfurt a. AL). Der vor einigen Tagen In Riga verstorbene Nationalökonom Prof. Karl Bai Tod stand eine Zeitlang in der Pro Palästina- Bewegung in Deutschland. In einer Publikation des Pro Pa* Lisfina-Komites hat er die Ansicht vertreten, daß Palästina bei entsprechender Intensivierung der Landwirtschaft für 6 Milhonen Menschen Raum bietet, Briefe an die Redaktion Charlottenburg, den 15. Januar 1931. Sehr geehrte Redaktion! Der in der vorigen Nummer der ״J. R.“ veröffentlichte ulfizielle Bericht über die am 11. Januar stattgefundene Sitzung des Rates des Preußischen Landesverbandes gibt von der Behändlung des vorletzten (22.) Punktes der Tagesordnung folgende Darstellung: ״Der von einem Provinzial- und Landesverbände gegebenen Anregung, den Preußischen Landesverband zur Uebernahme des politischen Abwehrkampfes zu veranlassen und ihn um die Annähme und Ausführung eines solchen Auftrages zu bitten, wurde nicht entsprochen; cs wurde vielmehr beschlossen, über diese Anregung zur Tagesordnung überzugehen.“ Diese Fassung muß den Eindruck erwecken, als habe der Rat mit der Annahme des von mir gestellten Antrages auf Ucbcrgaiig zur Tagesordnung seinen ablehnenden Standpunkt gegenüber jener Anregung zum Ausdruck bringen wollen. Welche Gründe mich zur Stellung des Antrages auf Uchergang zur Tagesordnung in Wirklichkeit veranlaßt haben, ist von mir in der Ratssitzung deutlich zum Ausdruck gebracht worden. Die Uebernahme des politischen Abwehrkampfes durch den Preußisehen Landesverband, die übrigens von dem Provinzialverband Schleswig-Holstein, dem Landesverband der Hansastädte und andern Provinzial- und Landesverbänden angeregt worden ist, stellt ein jüdisch-politisches Problem von solcher Tragweite dar, daß die Erörterung dieser Frage einer gründlichen Besprechung in einer besonderen Sitzung des neugewählten Rates Vorbehalten bleiben muß. Das drei Minuten lange Referat des Berichterstatters, gehalten in der letzten halben Stunde der neunstündigen, letzten Sitzung der abgelaufenen Session, schien mir keine_ angemessene Behandlung dieses wichtigen Gegenstandes zu sein. Ich beantragte daher U ebergang zur Tagesordnung, um den Gegenstand für diese Session ad acta zu legen und um ihn in der neuen Session auf Grand eines neuen Antrages in einer der Bedeutung der Frage angemessenen Form zur Erörterung zu bringen. Dr. Sandler. ★ Berlin, 17. Januar 1931. Sehr geehrte Redaktion! ln der letzten Besprechung einer Aufführung von ״ühei“ (״Jüd. Rundschau“ vom 16. Januar 1931) ist, — w׳ie auch schon in früheren Besprechungen — der Wunsch geäußert, ״Oliel“ möge bald auch dem europäischen Publikum seine Kunst zeigen. Vor diesem Schritte muß aus zionistischem Verantwortungsbewußtsein mindestens zurzeit und mindestens für Deutschland aut das dringendste gewarnt werden, Es kann dabei außer acht bleiben, daß die Kunst des ״Ohel“ bei europäischen Besuchern keineswegs eine ungeteilte Anerkennung findet. Selbst wenn ״Ohel“ eum vollendete Kunst böte, ist Europa, speziell Deutschland, zurzeit für solche Kunst weder aufnahmefähig, noch aufnahmewiltig.־ Die europäischen und speziell die deutschen Theatervcrhältnisse mögen in weiter Ferne weit glänzender erscheinen, ats sie in Wirklichkeit sind. ״Ghel“ kann sich darüber bei der gerade jetzt nach Palästina zuriiekkehrenden Habimah zweckentsprechende Informationen holen. Jedenfalls dürfte ein Gastspiel von ״Ohel“ in Berlin kaum soviel materiellen Gewinn abwerfen, um dafür einige Schiffskarten 3. Klasse Triest—Jaffa zu bezahlen. ״Ohel“ mag daher sein Ziel, ein palästinensisches Arbeiter-Theater zu sein und zu werden, mit Beharrlichkeit verfolgen, aber sich nicht von schlechten Beratern auf die Bahn des falschen Ehrgetzes drängen lassen, in Europa Gastspiele zu geben. Mit Zionsgruß . Albert Baer. Ortsgruppen Gruppe Ost der B. Z. V. Unsere Gruppe, die durch die Wahlen zur Jüdischen Gemeinde ganz in Anspruch genommen war, konnte erst jetzt ihre winterarbeit beginnen. Am Donnerstag, dem 8. Januar, sprach in einer sehr gut besuchten Versammlung für den verhinderten Herrn Dr. Rollenscher der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Direktor K a r e s k i, über Minderheitspolitik in der Gemeinde. An Hand interessanter Zahlen sprach er zunächst über die Wahlen selbst Zirka 22000 gänzlich indifferente Juden haben den Liberalen zum Sieg verhelfen. Der Zuwachs von 10000 Stimmen für die Volkspartei beweise, daß die Zukunft uns gehöre, im Laufe seiner Ausführungen setzte sich Herr Kareski mit einem Artikel in der Liberalen Zeitung■ auseinander, in dem der Artikelschreiber die Notwendigkeit jüdischer Einrichtungen wie Volksschule und Sportplatz bestreifet. Mit Recht trat Herr K. der Behauptung, die jüdischen Sportler fühlten sich auf anderen Sportplätzen unter ihren nichtjüdischen Sportkameraden sehr wohl, mit dem Hinweis auf die Tatsache des Eintritts von Prenn und Nathan in den Bar Kocliba entgegen. Daß Sportler von diesem Rang Anschluß an einen jüdischen Verein suchten, wäre doch kein Zufall Zum eigentlichen Thema des Abends sei vorläufig noch wenig zu sagen. Es liegen eine ganze Anzahl von Wahlprotesten vor, die zum Teil nicht unbtäenkliehe Fehler und Mängel bei der Wahlhandlung nachzuweisen versuchen, so daß es recht ungewiß sei, wie die Entscheidung des Polizeipräsidenten Ausfallen werde. Die Nachprüfung der Beschwerden erfordere Zeit, und im günstigsten Falle könne die Entscheidung erst Ende März fallen. Das Vorgehen der Volksparlci in der neuen Legislaturperiode hänge davon ab, wie sich die Liberalen zu unseren positiven Forderungen stellen werden. Vorläufig scheinen die Verhältnisse in der liberalen Fraktion noch sehr ungeklärt zu sein, und unsere Taktik hänge nicht zuletzt davon ab, welchen Einfluß die Radikal-Liberalen in ihrer Fraktion ausüben werden. Selbstverständlich müsse man darauf gefaßt sein, daß efcte Reihe von Forderuitgen verwirklicht werden. Oberstes Prinzip für die Volkspartei sei natürlich «Jas Gemeindewohl, ln der dem Vortrag folgenden Debatte kam der allgemeine Wunsch nach Reorganisierung der Volkspartei in verschiedenen Vorschlägen zum Ausdruck. Herr K. betonte ebenfalls in seinem Schlußwort die Notwendigkeit einer guten Organisation, meinte aber, daß im Augenblick die Bildung einer Vertrauensmäniier-Organisation das gegebene sei; wenn das auch nicht,die ideale Lösung darstelle, so müßte man vorläufig von einer Urwähler- Organisation der Kostenfrage wegen Abstand nehmen. Aeußerst wichtig sei die Bildung von Parteiinstanzen, mit genügenden Vollmachten ausgerüstet, damit sich nicht so unliebsame Vorkommnisse, wie die endlosen Verhandlungen mit dem Ostjudenverband, durch die man beinahe die rechtzeitige Einreichung unseres Wahlvorschlagcs versäumt habe, wiederholen. Auch für die Verhandlungen mit unseren Oeg* nera bedarf es einer autoritativen Parteiinstanz. Während der längeren, sehr interessanten Ausführungen von Herrn Kareski hatten wir an diesem Abend wieder das Gefühl, daß unsere Sache in guten Händen liegt. Rub. Dortmund. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 10. Januar im Beth-Jacob, Leopokfstr. 21, einen Vortragsabend, auf dem Dr. mcd. IrwiaFisher über liberales Assimllations- Judentum, Zionismus und Ostjudenpolitik in Deutschland sprach. —- Dr. F. ging in seiner Darstellung von der geschichtlichen Entwicklung des deutschen Assimilationsjudentums aus and zeigte die historische Verknüpfung mit den liberalen Ideen der Marzrcvolution auf. ln der heutigen Wirklichkeit sei man al!crdings dieser Vergangenheit untreu geworden. In der Religio!« sei man zwar Freigeist, in der deutschen Landespolitik betätige man sich demokratisch, mehr oder weniger links, bei sich m Hause aber, in der Gemeinde, gebe man sich reaktionär; denn hier kämpfe man um die Macht, wenn cs sein müsse auch mit sonst verpönten Mitteln, wie das ein führender Mann im C.-V., Herr Mecklenburg, erst kürzlich in dankenswerter Offenheit bt - kräftigt habe. Aber auch auf anderen Gebieten stolpere die Assimilationsjudcnhcit über ihre eigene Geschichte. Da man in einer Zeit, in der man Volk, Staat,’ Nation in völlige Begriffs- Verwirrung gebracht hatte, die jüdische ״Glaubensgemeinschaft‘* postuliert hatte, schwinge man sich beute bestenfalls bis zur ״Stammesgemeinschaft“ auf. Die neuzeitliche Orientierung gcrade der deutschen Außenpolitik bezüglich der Minoritätenfrage sei vorläufig an den deutschen AssimHarrten spurlos vorübergegangen, wie die Haltung des C.-V.-Blattes zu den polnischen Wahlen und die Antwort des C.-V. auf den Gcrlach’sehen Artikel (Zionismus imd Antisemitismus im ״Dortmunder Geueral-Anzeiger“) beweisen. Diesen Zeichen einer inneren Unsicherheit, die sich vor allem in völlige Abhängigkeit von der Zustimmung der Umwelt bringe, stellte der Referent den Gedanken der Autoemanzipation und die Ideenwelt des Zionismus, die jüdisch allenthalben belebend und schöpferisch gewirkt habe, entgegen. Düsseldorf. Unsere hiesige Ortsgruppe, die längere Zeit in einem etwas stagnierenden Zustande war, ist im Laufe der letztcu Monate wieder m neuem und stärkerem Leben erwacht. Die verschiedenen stattgefundenen Veranstaltungen haben nach und nach das Interesse der Ortsgruppen-Mitglieder angeregt, und wir können mit Freude feststellen, daß die Anteilnahme der hiesigen Zionisten am Ortsgruppenleben im Steigen begriffen ist. — Außer regelmäßig jeden Monat einmal stattgefundenen Vorstandssitzungen und einer internen Mitgliederversammlung, in der Herr Oberregierungsrat Dr. Marcus über die gegenwlrtige Lage vor den zahlreich erschienenen Mitgliedern der Ortsgruppe sprach, konnten wir im Laufe der Monate November und Dezember drei öffentliche Versammlungen abhalten, die im zunehmenden Maße besucht waren. — Am 20. Oktober 1930 sprach Herr Alfred Bergerinder Aula des HohenzoEern- Gymnasiums über ״Das deutsche Judentum und die Reichstagswählen“. Die sehr guten und temperamentvollen Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall des leider nicht sehr zaltireich erschienenen Publikums. Die EHskussion, in der u. a. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher sprach, gab mancherlei Anregung. Am 10. November 1930 sprach im gleichen Raume an Stelle des leider im letzten Moment verhinderten Dr. Nachutn Goldmann vor einem bereits zahlreicheren Publikum Herr Moses Wald mann, der in sehr geistreicher Weise über die politische Situation des Zionismus nach dem Erscheinen des Weißbuches und den darauf folgenden Ereignissen referierte. Am 22. November 1930 hielt Herr Dr. Bilcski einen Vortrag im oberen Lichtsaale der städtischen Tonhalle über ״Die Aussiehten des Zionismus“ und erntete für seine ausgezeichneten Ausführungen, denen sich eine rege Diskussion anschloß, reichen Beifall. — Das Jahr 1931 begannen wir nach einem schriftlichen Appell an unsere Mitglieder mit einer am 7. Januar 1931 abgehaltenen außerordentlichen Mitgliederversammlung, in der unsere Gemeindevertreter die Herren Gottdiener, Dr. Gottlieb und Dr. Sindler über die Lage und Probleme in der Düsse!- dorfer Gemeinde und die Aufgaben der Volkspartei referierten. Die gut besuchte Versammlung nahm einen erfreulichen Verlauf und zeigte insbesondere auch durch die rege Anteilnahme der Mitglieder an den Arbeitsproblemen und Finanzsorgen und den Tagesaufgaben der Ortsgruppe das wiedererwachte und wachsende Interesse unserer hiesigen Gesinnungsgenossen. Audi die bisher ganz gut verlaufene Schekel-Aktion läßt ähnliche Schlösse zu. — Ab 1. Januar 1931 war es uns möglich, in der Kreuz- Straße 32 ein Büro mit Telephon einzunchten, in dem eine Sekretärin zwei Stunden täglich für alle Ortsgmppenmifglieder zu erreichen ist, und wir hoffen, hierdurch das Leben und den Kontakt innerhalb der Ortsgruppe und zu den auswärtigen Steifen der Zionistischen Organisation beträchtlich, zu steigern. Auch für den weiteren Teil des Winters konnte ein Interesse weckendes Programm aufgestellt werden, und wir hoffen nicht nur die bisherigen Mitglieder neu zu aktivieren, sondern auch entsprechende Werbearbeit leisten zu können, die es uns hoffentlich ermöglicht, die hiesige Ortsgruppe bald wieder zu der Bedeutung zu bringen, die einer Großgemeinde wie der hiesigen entspricht. H.B. Essen. Die hiesige Ortsgruppe beabsichtigt, mit einer Reihe anderer Vereine ein großes Fest am 15. Schebat ״Neujahrsfest der Bäume“ zugunsten des KKL zu veranstalten. Das Fest soll durchaus über den Rahmen des üblichen hinausgehen. Das Programm enthält; Kinder-Tänze und -Spiele, Sprecnchor und Lieder und einen Akt aus der ״Crildene Keif“ von Perez. Zum Verkauf bringen wir Palästina-Früchte. Die Tombola bietet schöne Buchgewinne. Ferner zeigen wir statistisches Material des KKL. Die Eintrittspreise sind 0,50 und 0,75 M. im Vorverkauf und 0,75 und 1,— M. an der Abendkasse. Wir rechnen damit» daß zahlreiche Gaste aus den Ortsgruppen der Nachbarstädte durch ihre Teilnahme am Fest den Erfolg des KKL sichern. Auskünfte und Abgabe von Eintrittskarten an ganze Vereine bei Dr. Mansbach, Essen, Huyssenallee 21. Hamburg. Am 13. Januar sprach in einer öffentlichen Versammlung des Misrachi ihki Zeire Misracbi Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn, Berlin, über den national-religiösen Aufbau Palästinas. Der Kongreß findet •uns, Zionisten und Misrachisten, in einer nie dagewesenen Krise. Die somatische Existenz des Judentums ist Tn Frage gestellt. Auch die Wirtschaftskrise trifft die Juden besonders schwer, besonders in Osteuropa. Das zwingt die Juden dieser Lander zur Auswanderung. Dieselbe Wirtschaftskrise, die die Ostjuden in ihren Heimatländern bedroht, veranlaßt Amerika, seine Einwanderung zu sperren. Auch ist von den Juden der Vereinigten Staaten materiellc Hilfeleistung für den Aufbau Palästinas kaum mehr zu erwarten. Zu dieser wirtschaftlichen Krise kommt die politische Krise für unser Aufbauwerk durch die Umdeutung der Balfour- Deklaration seitens England. Im Zusammenhang hiermit hat sich eine innerzionistische Krise entwickelt Der Misrachi als Weltanschauungspart ei wendet sich gegen den Revisionismus. — Der Redner skizziert sodann in großen Zügen die Tendenz des Zionismus als einer Bewegung, die das Judentum nieder zur Masse in kompakter Siedlung machen will. Das ist der Hauptunterschied der zionistischen Kolonisation von der philantropischen, die auf eine Verteilung der wandernden jüdischen Massen in alle Länder der Welt bedacht war. Diese Tendenz zur Zerstreuung gehört zum geistigen Wesen des Liberalismus, der von den Juden in den verschiedenen Kultur kreisen ihre Ässimtlation verlangt Wir jüdisch-religiösen Nationalisten dagegen wollen, daß der Mensch sich innerlich sammle; denn .ms innerer Sammlung können erst freie und große Anschauungen erwachsen. Unser mächtigster Sammeln!? ist die Thora. Ihr wicdei die erforderliche politische Geltung zu verschaffen, bedarf cs politischer Methoden, gepaart mit moralischer, mit religiöser Schwungkraft Solche Remtensivierung des Zionismus, die rdigiösen Motiven entspringt, kann geradem revolutionäre Wirkung haben. Dieser neue Geist müßte sich auch unserer auf dem kommenden Kongreß neu zu wählenden Leitung mitteilen. Unsere politischen Führer waren zu sehr 711 Kompromissen geneigt. Wenn sich auch in manchen Punkten unsere Kritik mit der des Revisionismus deckt so leimen wir doch revisionistische

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