Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 5 (20.1.1931)
- Date
- 1931-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 20.1!931 münden wird. Der Vertreter der Mandatarmadit behauptete jedoch, darüber noch keine endgültige Auskunft geben zu können und gab bloß zu, daß die Ingenieure der ״I. P. C.“ ihre Untersuchungen über zwei mögliche Wege der ״pipe-line“ — mit den Mündungspunkten in T r i p o I i und in Haifa — beendet haben. Er wisse jedoch nicht, ob und welche Sch wierlgkeiten man auf einem dieser zwei Wege festgestellt hat. Die Entscheidung darüber, welcher Weg gewählt werden soll, wäre nicht Sache aer Mandatarmacht Die Mitglieder der Kommission fanden diese Antworten des Regierungsvertreters ״überraschend“ und konnten nicht verstehen, wieso eine für die Ent- Wicklung des ganzen Landes so wichtige Frage außerhalb der Kompetenzen der Mandatarmacht liege. ln ihrem Bericht an den Rat verweist die Kommission mit Machdruck auf die Pflicht der Mandatarmacht, darüber zu wachen, daß beim Erteilen von neuen Konzessionen sowie bei der Auslegung schon erteilterKonzessionen die Bc- Hörden Iraks eine ausschließlich den Interessen des Landes entsprechende Politik befolgen. Die Kommission stellt gleichzeitig fest, daß sic vom Vertreter der Mandatarmacht keine genügenden Auskünfte über die wirklichen Gründe der Nichtausbeutung der Petroleumquelkn erhalten konnte und hofft, diese Auskünfte im nächstjährigen Bericht der Mandatarmadit vorfinden zu können. Bezüglich der Petitionen der ״British öil Development“ bittet die Kommission den Rat, ״die Mandatarmadit anzufragen, ob und vor welchem Gericht, im Irak oder in Großbritannien, die Klagen der 6.0״. D.“ vorgebracht werden könnten“. Sollte die Antwort der Mandatarmacht bejahend ausfallen, so kann die Kommission diesen Petitionen keine Beachtung schenken, solange die Peienten nicht alle Möglichkeiten des Gerichtsweges erschöpft haben. Sollte jedoch die Antwort der Mandatarmacht verneinend sein, so würde die Kommission, auf Grund der Bestimmungen der Satzung des Völkerbundes über wirtschaftliche Gleichberechtigung, sich als zuständig für ihre Prüfung betrachten. * Als Datum der Eröffnung der nächsten (XX.) Tagung der Ständigen Mandatskommission wurde der 15. Juni 1931 festgesetzt Das Protokoll der XIX. Tagung der Mandatskommission, das die vorstehenden Erklärungen enthalten wird, erscheint anläßlich der Ratstagung (auch im Buchhandel). Endergebnis der Wahlen Die für die einzelnen Parteien der Assefath Niwcharim abgegebenen Stimmen Arbeiterpartei, Asdikanadm ״ Sephardim . Linke Paale Zion, Aachkenasim ״ Sephardim Arbeiterliste Boraschaw .... Huschomer Hazalr. Proletarische Liste. Misraebi o. Poale Hamiarachi Allgemeine Zionisten ..... Frausalist*. , Handwerker.. Revisionisten, Aschkenasim . . ״ Sephardim . . . Sephardim (Bürgerliche) . . . . Vemeniten (BürgerL a. Arbeiter) zweifelhaft and imgültig Städten* Industrie- Kolonien Landw. Arbeiterlaswerke siedi. 13 700 4877 2151 20728 1335 201 72 1608 559 217 65 841 32 3 35 636 216 21 873 123 358 301 782 430 67 8 505 2972 768 149 3889 2266 436 23 2725 1388 375 2 1765 339 13 — 352 6468 1219 43 7730 1889 140 6 2035 2194 19 20 2233 1006 222 6 1234 35337 9131 2867 17335״ 798 "45133 Jerusalem, 16. Januar. (J.T.A.) Auf Grund der offimllen Verlautbarungen stellt sich das Endergebnis der Wahlen zur Assefath Hamwcharirn folgendermaßen dar (wodurch frühere Berichte teilweise korrigiert werden): Von den insgesamt 71 Mandaten erhält die Arbeiternartei inkl. der sephardtschen Arbeiter 32, die Revisionisten inkl. der sephardischen Revisionisten 15, Sephardim 6, Misraebi 5, Allgemeine Zionisten 4, Frauen 3, Yemeniten 3, Linke Poale Zion 1, orochow-Llste (Rechte Poale Zion) 1 und Haschomer Hazalr I Mandate. Von 89 590 Wahlberechtigten sind 50 402 Personen oder 56 «/׳>, darunter 41 824 Aschkenasim, 6102 Sephardim und 1515 Yemeniten, zur Wahl gegangen. Beschlüsse da* sfldairikanisehen Zionisten Kapstadt, 16. Januar. (J.T.A.) In der Zeit vom 13. bis 15. Januar tagte in Ka pst ad t die Konferenz der südafrikanlsehen Zionisten. Die Konferenz faßte eine Reihe von politischen Resolutionen, in denen die Zurückziehung des Weißbuches, die Unterstellung der Verwaltung Palästinas unter das britische Außenamt und die Einstellung der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und der britischen Regierung bis zur Zurückziehung des Weißbuches gefordert wird. Die Konferenz billigte den Beschluß des Waad Leumi, sich an dem Legislative Council für Palästina nicht zu beteiligen. in aller Kürze Mit Rücksicht auf die Abreise des englischen Außenminister* Henderson, der in den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und den Vertretern der englischen Regierung den Vorsitz geführt hat, zur Völkerbundstagung nach Genf wurden die Verhandlungen bis zu seiner Rückkehr, die frühestens in einem Monat erfolgen wird, vertagt Hunderte von arabischen Familien aus Sated ziehen, wie JTA. meldet, mit Frauen und Kindern nach Jerusalem. um dem High Commissioner eine Petition um Begrradigung sämtlicher wegen der Ausschreitungen im August 1929 verurteilten Araber zu überreichen. Die gegen drei von Aegypten an Palästina ausgelieterte Araber aus Hebron nach Freilassung der übrigen 17 Ausgelieferten wegen des Verdachtes der Teilnahme am Massaker vom August 1929 eingeleitete Untersuchung wurde aus Mangel an Beweisen eingestdlt Die Zentraileitungen der Poale Zion und Hitach - d u 11! in Amerika haben die Vereinigung beider Parfeien beschlossen. Wie ״Manchester Guardian“ aus Moskau berichtet, ist in der ״Prawda“ ein Artikel über den im Dezember abgehallenen Kongreß der kommunistischen Partei Pa- 1 ä 81 i n a s erschienen, in dem dieser Kongreß als bedeutsamer Wendepunkt in der kommunistischen Bewegung der arabischen Länder bezeichnet wird. Auf dem Kongreß waren zum erstenmal die Araber in gleicher Stärke wie die Juden vertreten und die Arabisierung des Zentralkomitees der Partei, in dem “die Juden bisher die Oberhand hatten, mache rapide Fortschritte. Böcher des ״Reine - Bund*4 Juden In der deutschen Wirtschaft von Kurt Zielenziger. 288 S. Großoktav, Acht Bildnisse auf Tafeln. Echtes Alfapapier. In Ganzleinen gebunden. — Der Heine-Bund, eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 57, Pallasstr. 10/11 (Mitgliedsbeitrag jährlich 12 RM., wofür die Mitglieder drei Bände jährlich nach freier Wahl erhalten; Interessenten erhalten kostenlos ausführliche Prospekte). Eine Parallelausgabe des Buches für Nichtmitglieder ist im Welt-Verlag, Berlin, erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis 7 RM. in gleicher Ausstattung wie oben. — Aus dem Handel und dem Geldgeschäft hervorgegangen, haben sich die Juden innerhalb der deutschen Volkswirtschaft zurzeit von deren höchster Entfaltung nur als Händler und Bankleute betätigt? Haben sie nicht an dem großartigen Aufschwung der Industrie tcilgenommen? Waren sie nur Mittler, Zwischenglieder oder haben sie Leistungen von schöpferischer Kraft vollbracht, von phaiitasicvollcm Erfassen neuer Aufgaben, vom Ahnen ״kommender Dinge“? Des Verfassers Antwort ist eine indirekte. Er behandelt eine Reihe von typischen Wirtschaftsführern jüdischen Geblüts: die alten Bankfamilien: die Bleichröders, Mendelssohns u. a., die Leiter der modernen Bankkonzerne: Wassermann, Goldschmidt u. a., die Warenhausdynastien der Tictz, den Kupfer-Hirsch, den Flinten-Loewe, den Stickstoff-Caro, den Tiefbau-Berger, den größten aller Reeder Ballin, den Schöpfer der AEG Emil Rathenau, und andere Größen. Man sieht, was sie geleistet, aber nicht minder die Voraussetzungen des Aufstiegs: Begabung, Bildung, Familie, das Milieu, die gesamten Zeitvernältnisse. Im Verein mit der Einleitung ״Vom Ghettohändler zum Wirtschaftsführer“ und dem ״Ausblick“ am Schluß ergeben diese Porträts im Rahmen der deutschen Volkswirtschaft von 1800 bis 1930 ein Bild von den Sozial- und Wirtschaftswandlungen unter den deutschen Juden, ihrem Abstieg In der Gegenwart, ihrer wirtschaftlichen Zukunft Denkwürdigkeiten des Aron Isak (1730—1817), Herausgegeben und eingeleitet von Z. Holm. 208 Seiten Groüoktav, 8 Tafel- und 2 Textbilder, holzfreies Papier. In Ganzleinen gebunden. — Eine Parallelausgabe des Buches für Nicbtmitglieder ist im Welt-Verlag, Berlin, erschienen und durch jede Buchhandlung zu beziehen. Preis RM. 6,— In gleicher Ausstattung wie oben. — Ein schlichter Mann (1730 zu Treuenbritzen L d. M. geboren, gestorben 1817 zu Stockholm) erzählt sein abenteuerliches Leben: Petschaftstechei in seiner Heimatstadt, nachher im mecklenburgischen Bützow, wo er mit den Professoren gut Freund war und viele adelige Kunden hatte; Galanteriehändler im Siebenjährigen Krieg; zuletzt Hofjuwelier und Schützling Gustavs III. von Schweden und sein Kriegslieferant im russischen Krieg, den er im Hauptquartier genau kennenlernt. Ein schlichter Mann, doch von politischem Scharfbück, diplomatischer Gewandtheit und Tatkraft, der es verstand, den streng kirchlichen Schweden das Niederlassungsrecht für seine Glaubensgenossen förmlich abzutrotzen und so zum Begründer der ersten jüdischen Gemeinde in Schweden wurde. Ein schlichter Mann, aber ein geborener Schriftsteller, dessen naiver treffsicherer Ausdrucksweise ein großer Reiz anhaftet, und der eine der kuriosesten Lebensgeschichten, ein höchst aufschlußreiches Zeitdokument hinterließ. ״Am ■ Adam“ Unter dem Titel ״Am-Adam“ (״Mensch-Volk“), dem von A. D. G o r d o n geprägten Wort, das als das Wesen des wahren Nationalismus eine Synthese von Nationalismus» und Humanität bezeichnen soll, ist soeben ln Jerusalem ein Buch erschienen, das für die hebräische Literatur ein Novum darstellt. Es handelt sich um eine Anthologie aus der pazifistischen Literatur der wichtigsten Kulturvölker, eine Zusammenstellung von Bruchstücken im Geiste jener Humanität, die das wertvollste Erbe des europäischen 18. Jahrhunderts ist. Die Herausgeber, Hugo Bergmann und Hans Kohn, haben an die Spitze als Motto einen Ausspruch von A. D. Gordon und einen Ausspruch von Lessing gestellt, wodurch die ganze Weite des Rahmens dieses Buches charakterisiert ist. Aus dem Inhalt erwähnen wir von französischen Kundgebungen: Victor Hugos Rede auf Voltaire, Emile Zolas Brief an die Jugend, Stücke aus Romain Rolland. Amerika ist vertreten durch Emerson, John Haynes Holmes und Garrison. Aus Rußland vernehmen wir die Stimme Tolstois, aus England die Reden der Kriegsdienstverweigerer. Aus dem deutschen Sprachgebiet ist aulgenommen ein Briefwechsel zwischen Max Hölz und Armin T. Wegener, ein Aufsatz von Friedrich Wilhelm Foerster und der Essay über Religion und Sozialismus von Leonhard Ragatz. Den Schlußabschnitt bilden Aeußerungen von Repräsentanten jüdischen Geistes: Achad Hgam, Hermann Cohen (in seinem für die hebräische Akademie- Ausgabe bestimmten Kapitel über den Frieden aus der ״Relifion der Vernunft“), Magnes und schließlich A. D. Gordon, in essen Zeichen das ganze Buch steht. Die Herausgeber hatten keineswegs die Absicht, eine erschöpfende pazifistische Antho- Iogie zu schaffen, sondern lediglich eine Auswahl von Aeußerungen, die möglichst eng noch mit unserem heutigen Leben zusammenhängen, ja vielleicht von besonderer Aktualität sind. Nicht philosophische Dokumente sollten dem Leser vermittelt werden, sondern Führer zu einem Leben im Zeichen des Humanitätsideals, das nicht weniger, sondern in höherem Maße heroisch genannt zu werden verdient als der viel besungene Heroismus des nationalen Egoismus. Es ist kein Zweifel, daß für die palästinensische Jugend, die ohne enge Berührung mit den besten Traditionen des europäischen Geistes aufwächst, dieses Buch zum Teil eine neue Welt erschließen wird. Man kann nur wünschen, daß es weite Verbreitung findet und zur Befruchtung eines selbständigen jüdischen Denkens beiträgt, das freilich nicht durch Uebernahme fremder Gedanken entstehen kann, sondern nur durch eine Verbindung alter jüdischer Geistestraditionen mit der%Erkenntnis der tiefen menschlichen Problematik der Gegenwart im Sinne eines wahrhaften jüdischen Nationalismus. Das Buch ״Am-Adam“, um dessen Zustandekommen sich der am 23. August 1929 ermordete Harold M. Wiener große Verdienste erworben hat und dessen! Andenken es auch gewidmet ist, ist für 16 Piaster (3,20 M.) zu beziehen von der Buchhandlung Divan, Jerusalem, sch- Mirjam Scheuer: ״Organisation und Propaganda". Dieses von der W i z 0 herausgegebene Heft, das Anweisungen für zionistische Redneriimen enthält, ist ebenso elegant wie interessant, geistreich, wie innerlich ernsthaft geschrieben. Es wird allerdings eine rednerisch ungewandte Frau nicht direkt zur Rednerin erziehen, kann aber ein gutes Hiltsmittel in der Hand von Instruktorinnen der Rhetorik werden, und den Frauen, die zu reden gewohnt sind, Förderung und größere Klarheit geben. Daneben enthält die Broschüre — mehr beiläufig — gute Gedanken über das Wesen der Wizo und den Aufbau der Wizo-Gruppen. Sie sollte darum von allen Propagandisten der Organisation und allen Gruppenleiterinnen gelesen werden. —- Zu beziehen durch die Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina, Berlin W15, Meinekestr. 10. Preis M. zuzüglich Porto. Palästinensische Laodschallen und Menschen Die palästinensische Landschaft ist eine gefährliche Versucherin für den Künstler. Der erste Eindruck von ihr ist wie ein Schrei: blendende Farben, schärfste Kontraste von Licht und Schatten, riesiges Ragen von einzelnen Blumen, Häusern, Mensehen über die weite Ebene. Der Verlockung dieses ersten, schreienden Eindrucks erliegen die meisten: das Blendende, Sinnfällige wird festgehalten. Aber nun rächt sich die Landschaft für den mangelnden Willen von seiten des Künstlers, ganz in sie einzudringen, sie zu umwerben und zu verstehen: abgesehen von einigen ganz Großen, denen alles glückt, geraten die Künstler mit den allzu farbigen, allzu kontrastreichen Palästinabildern in bedenkliche Nähe des Süßlichen, des Kitsches. In Wirklichkeit ist die palästinensische Landschaft voll der feinsten und intimsten Geheimnisse, aber das weiß kein Tourist, das weiß nur der, welcher sich jahrelang in dieses Land eingelebt hat. Vielleicht muß man auf dem Boden dieses Landes sein Leben verbringen, seine Wurzeln ganz, in diese Erde versenkt haben, um ihre tiefsten Geheimnisse zu kennen: diese irisierenden Ucbergänge von Farbe zu Farbe, von Wüste und Steppe zum kärglich bestellten Land, vom Stein zum Hügel, vom Hügel zum Berg. Nur dem andächtig Lauschenden und Schauenden erschließt sich auch der leise Uebergang vom Berg zu dem aus ihm herauswachsenden Steinhaus, vom Lehmboden zu der darin steckenden Lehmhütte. Die palästinensische Künstlerin Anna T i c 11 o hat dem Lande ihrer Wahl alle diese zarten, innigen Geheimnisse abgelauscht und hält sie fest mit einem Material, das sich von vornherein weniger der Wiedergabe des Blendenden und Sprühenden als dem Zarten und Innigen leiht: Bleistift, Rötel, Wasserfärbe. Anna Ticho hat ihren Weg zum Künstlertum ganz allein als fertige Künstlerin dagestanden. Seitdem hat sie {inunterbrochen geschaffen, und nun hat sie kürzlich die Ergebnisse dieses Schaffens in ihrem eigenen, geschmackvollen Jerusalemer Heim zu einer Ausstellung vereinigt. Dem Betrachter der Ausstellung erschließt sich eine starke, eigenartige Begabung. Hier ist die palästinensische Landschaft mit ihrer ganzen Individualität, gesehen mit den Augen eines Menschen, der mit seiner Liebe zu dieser margenländisqhen Welt europäische Wahrheit und Klarheit des Denkens, Strenge gegen sich selbst und eine wohl auch im europäischen Gemüt verankerte Innigkeit verbindet. Diese Vereinigung von Kraft und Zartheit, zusammen mit gewissen Eigentümlichkeiten der Land- Schaft, aus der hier und da ein Turm, ein Haus auf dem Berggipfel aufragt wie eine mittelalterliche Burg aus ödem Felde, in der sich Straßen ineinander leben, Mauern an Mauern drängen wie in den Städten vergangener Jahrhunderte — sie bewirken es, daß man bei manchen ihrer Stadtbilder irgendwie an Dürer erinnert wird. Da ist etwa ein Winkel in Jerusalem, wo sich über dem Kuppeldach eines halb in die Erde versunkenen Brunnens ein Schattcnbaura schützend ausbreitet — da spürt man fast die Kühle des Schattens, den Geruch von Moder, die tiefe Stille der Einsamkeit inmitten einer lauten Umwelt. Oder ein Chamsintag über Jericho, an dem die Palmen und Fellachenhütten wie erdrückt und aufgelöst scheinen unter der Last der glutatmenden Luft. In einem Blick über die Berglandschaft bei Abu Tor in der Nähe von Jerusalem türmt sich Hügel auf Hügel ~~ endlose Weite, Ahnung der Unendlichkeit. Unter den Pastellzeichnungen, die, durch feine Tintenstriche!»lebt, an die Zartheit japanischer Meisterbildchep erinnern, ist ein Blick aus dem Fenster der Künstlerin in ihren herben Garten am ganz frühen, kühlen Morgen — wie ein heimlicher, lächelnder Seufzer. Ein fesselndes Gemisch von Zartheit und herber Wahrheit Ist auch in Anna Tichos Porträts. Sie hat jahrelang mit Liehe die Gesichter der Bünden studiert, die in die Augenklinik ihres Gatten kommen, und im Studium dieser in sich zurückgezogenen, durch kein Reagieren auf das Gefühl des AflgesehgqtwCntens verstellten Gesichter haben sich ihr tiefe Geheimnisse der Menschetiseele erschlossen. Fast alle von ihr gezeichneten oder mit Wasserfarbe gemalten Menschen: eine madonnenhafte junge Perserin, eine alte, lebensweise orientalische Jüdin, ein großäugiger Jemenitenknabe, dem die Weisheit vieler leidenden Generationen durch das Blut des kindlichen Körpers rauscht - sie alle haben etwas von der Verinnerlichung und Pathetik der gegen die Welt Blinden. Anna Ticho wird jetzt ihre Arbeiten In Paris und Wien ausstellen und wird manchen Europäer von der Existenz eines Orients überzeugen, der nicht ein lautes Getümmel von Farben und Formen, von Lichtern und Schatten, von gestikulierenden Menschen ist, sondern eine zarte und ergreifende Verkündigung des unsterblichen Lebens im Gestein, der Pflanze, dem Menschen. Helene Hanna Thon. Antike Synagogen In Palästina und Griechenlandlm Rahmen der ״Montagsvorlesungen“ der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach am 12. Januar Prof. Sukeuik, der erfolgreiche Archäologe der Jerusalemer Universität, über ״Antike Synagogen in Palästina und Griechenland“. Die Ertorschung dieser Stätten beginnt ein wichtiges Sondergebiet ni werden, in Palästina sind jetzt Reste von etwa 40 antiken Synagogen bekannt, von denen aber erst wenige näher untersucht sind. Neu und sehr interessant waren die Mitteilungen Sukeniks über solche Bauten aus Griechenland. Aut der Insel Velos ist eine Synagoge gefunden worden, die schon dem 2. vorchristlichen Jahrhundert angehört. Der stattliche Bau zeigt, daß schon in dieser frühen Zeit die jüdische Diaspora in Griechenland erhebliche Bedeutung hatte. Ein ähnlicher, etwas jüngerer Fund ist in Aegina gemacht worden. Von den aus Palästina bekannten (nachchristlichen) Synagogen führte S. Lichtbilder aus Ketar-Nahum, Kefar-Birim, Chorasin und Bet Alfa vor, die wichtige Schlüsse über die kunstgttsdüchtliehe und kultgeschichtlicne Stellung der Bauten zulassen. Er gab genaue Erläuterungen zu dem prachtvollen Mosaik von Bet Alfa, das zu den besterhaltenen aus diesem Gebiet gehört Es zeigt die Bilderfreudigkeit der Juden des 6. nachchr. Jahrhunderts und liefert das erste dokumentarisch erhaltene Bibelzitat in der Opferungsszene Isaaks (״hinnä ajjil^). Es ist sehr wohl denkbar, daß weitere Forschungen in diesen Synagogen uns auch einmal wichtige dokumentarische und inschriftlichc Funde liefern werden, und es gebührt der Hebräischen Universität der Dank dafür, daß sie diese Ausgrabungen systematisch fortzusetzen beabsichtigt Der sehr stark besuchte Vortrag fand verdientermaßen reichen Beifall c. a. Am 11. Januar fand in Mainz eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischerKunstundAItertümer statt auf der die wichtigsten jüdischen Museen und Museumsvereine in Deutschland und auch aus dem Auslande vertreten waren. Nach einer Anzahl von Referaten wurde der Satzungsentwurf sowie ein Arbeitsplan angenommen und eine Reihe von Kommissionen eingesetzt Der Uverpooler. Universitätsprofessor Jahn Garstang begab sich an der Spitze einer Expedition nach dem Jordan- Tal, um bei Jericho Ausgrabungen vorzutiehmen, die die Frage der Mauern von Jericho auiklären sollen. ־