Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 4 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 Nr. 4, 18.1!031 # /UEDISCHE RUNDSCHAU Watilstimmung in Jerusalem Wahrhaftig, die heilige Stadt hatte an diesen Tagen kein sehr heiliges Aussehen — es scheint, daß Papier und Heiligkeit sich nicht miteinander vertragen. Und wir standen im Zeichen des Papiers der Wahlzettel. Wenn unsere jüdische Kultur nach unserem Papierverbrauch gemessen würde, dann ständen wir jetzt auf einem Eiffelturm. Aber leider enthielt dieses schöne weiße, blaue, rote und grüne Papier viele Versprechungen, die niemand halten kann und viele ßeleidigungen und Verdächtigungen des von der anderen Seite ausgeteilten Paniers. Wir fühlten uns vielmehr in diesen Tagen zeitweilig ganz auf der Höhe der europäischen und amerikanischen Unkultur, hatten alles, was zu einem richtigen Wahlrummel gehört: Geschrei, Prügeleien, gegenseitige Verleumdungen, Aufzüge und — trotz unserer kritischen Verhältnisse — das offenbar unvermeidliche Geld. Am Wahltag. Die Straßen voller Menschen. Hin- und berrasende Autos, die meisten davon ganz beklebt mit dem Zeichen ״Aleph“ der Arbeiterliste. Die organisierten Chauffeure haben ihre Wagen und Lastautos hergeliehen. Dazwischen Autos beklebt mit ״Gimmel“, dem Zeichen der Revisionistenliste. Die ungeheuere Propaganda der Revisionisten ruft auch auf Seiten der Arbeiter immer neue Propaganda hervor. Auf einem Balkon in der Jaffastraße ist das Revisionistische Hauptquartier; hier drängen sich besonders die jungen Bürschiein vom Brith Trumpeldor und die Sephardim, singen nationalistische Lieder, lassen Regen von Wahlzetteln aut die Jaftastraße niederschauern. Ein Junge zieht einen alten Sepnarden mit sich, der kaum weiß, wie ihm geschieht: ״Komm nur mit, für die Revisionistenliste stimmen — wir haben schon mindestens die Hälfte aller Stimmen.“ Aus dem Hauptquartier der Arbeiter in der Nähe als Antwort auf die Revisionistenlteder Gesang: ״Kadimah, kadimah, Hapoel!״ Ein Arbeiierauto fährt vorbei; beklebt mit Aleph-Zetteln — aber die winklige Form des Aieph ist noch ein bißchen winkliger als sonst — es ist ein Hakenkreuz daraus geworden. Großer Beifall begrüßt dieses jüdische Hakenkreuz, die Umkehrung des zur jüdischen Schande gewählten Zeichens in ein jüdisches Ehrenzeichen, Nur ein Bekannter sieht mich erstaunt an: ״Wie kommt das Hakenkreuz zu den Arbeitern? die Revisionisten sind doch unsere Hitleristen!“ Vor den Wahllokalen stehen Zettel Verteiler aller Parteien, dort werden mitunter kleine Reden gehalten. Dort stehen aber auch englische Soldaten, die nicht allzu sanft Leute beiseite drängen, die sich da zu sehr bemerkbar machen. Ein blinder Lehrer des Blindeninstituts wird zur Wahlurne geführt ״Hier ist Ihr Wahlzettel“, sagt ein junges Mädel und steckt ihm einen Zettel zu, aut dem mir sie selbst und ein Freund als Vertreter einer extrem kommunistischen Gruppe st dien. Die verschiedenen Buchstaben der Wahllisten hängen alle friedlich nebeneinander an die Mauer geklebt, unter anderem auch das ״Waw“ der Frauenliste, an deren Spitze Henrietta Szoki steht Da kommen plötzlich einige — unverkennbare — Anhänger der Agudas Jisroel an und überkleben den Frauenzettel mit einem Plakat: ״Verboten für die Assefath Haniwcharim zu wählen!“ Die junge Dame, die Handzettel für die Frauenliste austeilt, macht ein erstauntes Gesicht, dann geht sie hin und überklebt schweigend den Agudas Jisroel-Zettel mit einem Waw. Der kleine bucklige Widersacher wirft ihr einen giftigen Blick zu und überklebt abermals ihren — ihm besonders verhaßten — Zettel mit seinem. Daraut klebt sie ruhig wieder ihren Zettel darüber. Das wiederholt sich noch mehrmals, bis der dicke Wulst von übereinander geklebten Zetteln zu Boden fällt und gar nichts mehr an der Wand steht. Da erst stellen die Beiden ihr Duell ein. Am der Jatfastraße ertönt ein fürchterliches Geschrei. Was ist los? An der belebtesten Ecke stehen vier Stangenträger mit einem Schild der Liste Beth — der Sephardenliste. Um sie her ein Kreis von Leuten. In Abständen von einer Minute rufen die vier: ״Wählt für Liste....“ und die Umstehenden fallen ein: ״Be-e-e-th!“ Sie brüllen entsetzlich. Plötzlich ein Getrappel: eine Eselparade. Die Tiere tragen am Hals und Kopf Plakate mit den Namen der bekanntesten Führer des Jischuw. Le goüt n’est pas. An den Wahlurnen kommt es vielfach zu aufgeregten Szenen: ״Ich habe keine Wahlkarte bekommen. Ich verlange meine Wahlkarte!“ Die Namen der Juden sind bekanntlich etwas flexibel, besonders in Palästina, und sehr seßhaft ist man auch nicht, da ist es kein Wunder, wenn Verwechslungen passiert sind. Eine Dame kommt hereingestürzt: ״Ich will nicht für die Sephardenüste stimmen. Ich bin von aschkenasischen Eltern geboren. Ich bin keine Sephardin.“ Es hilft ihr aber nichts — mitgefangen, mitgehangen. Eine Abteilung der Kinder des Brith Trumpeldor marschiert vorbei, in Uniform, mit militärischem Schritt und militärischem Gesang, Banner haltend: ״Wählt für Gimmel.“ Ein Nebenstehender sagt: ״Wenn die Revisionisten nicht die Mehrheit in der Assefath Haniwcharim bekommen, ist es nur, weil das Gimmel ein zu dünner Buchstabe ist — man sieht ihn gar nicht ordentlich!“ , Einige Austeiler kommunistischer Stimmzettel werden vom Fleck weg verhaftet, was — so wenig Sympathien man ihnen entgegenbringt — das Publikum stark erregt Erst spat am Abend wird Ruhe — die Straßen liegen da, als hätten sich rasende Papierriesen auf ihnen in Stücke gerissen. Am nächsten Morgen singt mein Töchterchen: ״Kadimah. kadimah, Hapoel!“ Ich frage sie: ״Was ist denn ein P0S1?“ Antwort: ״Einer, der immer im Auto fährt und schreit: ״Kadimah Hapoel!“ Das kommt davon .... Helene Hanna Thon. Rennle Smith in Berlin. Am Freitag, dem 9. Januar, sprach in Berlin In der Liga für Menschenrechte der Abgeordnete der Labour Party, Rennie Smith, über die politische Entwicklung m Indien. Smith, der Privatsekretär Hendersons, gehört seit vielen Jahren zu dem Kreis der Freunde des Zionismus in England. Er nahm bei seinem hiesigen Aufenthalt Gelegenheit, Herrn Dr. Ernst Marcus, der ihn begrüßte, zu erklären, daß seine Sympathie für die zionistische Sache unvermindert sei, und daß er dem Ausgang der Verhandlungen zwischen der britischen Regierung .und der Jewish Agency mit Optimismus entgegensehe. — Der Vortrag von Smith fand lebhafte Opposition seitens der hiesigen indischen Studenten. Diese machten der Labour- Regierung heftige Vorwürfe, daß ihre Politik sich in nichts von der einer imperialistischen Regierung unterscheide, und forderten uneingeschränkte politische Freiheit für Indien, während Smith den Standpunkt vertrat, daß damit unabsehbare Wirren beginnen würden, und daß daher Englands Verbleiben in Indien eine ״ethische Pflicht“ sei. Nicht politische, sondern geistige Freiheit und sichere zivilisatorische Entwicklung seien für & Indien von heute wesentlich. England rette Ghandi, den es verehre, vor der Verwirklichung seiner Ziele. Diese würden den Begum einer blutigen Zeit der Bürgerkriege für Indien bedeuten. Interessant war, daß von den anwesenden Indern alle, darunter ein Neffe Tagores, auf den sich Smith berief, auch die englische Kulturarbeit, insbesondere das Unterrichtswesen, scharf kritisiertea. Neue Minderheitenliteraiur Angesichts der neu erwachten Minderheiten - Debatte und der bevorstehenden Völkerbunds• Ratstagung gewinnt der nachstehende Literaturnachweis aktuelles Interesse. Red. Die bekannten Minderheitenpolitiker Ü. J u 11 g ii u 1111 und AL H. Boehm haben im Aufträge des Instituts für Grenz- und Auslandsstudien einen Ethnopolitischen Almanach (Verlag W. Braumüller, Wien; VIII, 1S2 S.) herausgegeben, der als Führer durch die europäische Nationalitäten- Bewegung alljährlich erscheinen wird. Der Band enthält eine größere Zahl von Abhandlungen und Berichten über die minderheitpolitischen Ereignisse des Jahres 1929. Von besonderen! Interesse ist ein Aufsatz von Jacob Robinson über den altjüdischen Autonomiebegriff. Da die nationalkulturelle Autonomie eine wesentliche Forderung der Minderheitenbewegung ist, ist dieser historische Exkurs über die jüdische Autonomie in der Geschichte nicht nur von geschichtlichem, sondern auch von praktisch politischem Interesse. Es sei auch hingewiesen auf den Beitrag des Mit- Herausgebers M. H. Boehm zur Geschichte der internationalitären Bewegung. Ueber die überstaatliche Zusammenarbeit einzelner Volksgruppen beliebten R. Brandsch für die deutschen und N. Kurtschinsky für die russisehen Minderheiten. Einen besonderen Teil des Almanach bilden eine Reihe von Resolutionen der Nationalitätenkomgresse, des Weltverbandes der Völkerbundsligen, der 2. Internationale u. a. Einen besonderen Wert erhält das Buch durch die Materialien zur ethnopolitischen Länderkunde Europas. Es sind dort für jeden in Frage kommenden Staat Angaben über Gebiet und Bevölkerung mit genauen Zahlen sowie Uebersichten über die nationalitätenrechtlichen Grundbedinfungen zusammengestellt Der Almanach ist durch knappe orm und zuverlässiges Material nach dem letzten Stande außerordentlich geeignet, ln weiteren Kreisen Interesse für die Minderheitenfrage zu wecken. Obwohl die Deutschen zahlenmäßig den größten Anteil an den Minderheiten Europas haben, fehlte es bisher neben der Fülle der Broschürenliteratur und manchen wertvollen Arbeiten geringeren Umfangs an einem Werk, das das so weit verzweigte Gebiet des Minderheitenschutzes in amführlieber, systematischer Form behandelte. Im Rahmen des Handbuchs des Völkerrechts (herausgegeben von Prof. Stier- Somlo, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, XXXV, 502 S.) ist nun ein Band ״Der Völkerrechtliche Schutz der nationalen, sprachlichen und religiösen Minderheiten“ von Hugo Wintgens erschienen. Im ersten Teil werden der Begriff der Minderheiten und die ideellen Grundlagen des Minderheitenrechts dargestellt Da es sich hierbei um eine Materie handelt, in der sich eine einheitliche Begriffsbildung bisher noch nicht durchgesetzt hat, kommt diesem sorgfältig gegliederten Abschnitt ein besonderer Wert zu. Es hat allerdings den Anschein, als wenn dies nur dadurch möglich wird, daß man aut die an sich wünschenswerte Vertiefung der ideologischen Grundlagen bis zu einem gewissen Grade verzichtet Der umfangreiche historische Teil ist durch die Tatsache gekennzeichnet, daß mit dem Beginn der Neuzeit der Schutz der religiösen Minderheiten zunächst allein bedeutsam war, während die Frage der nationalen Minderheiten erst später in die Erscheinung trat Ist auch die Geschichte des Minderheiten- Schutzes, die der Verfasser mit dem Wortlaut der verschiedenen Vertragsbestimmungen belegt, außerordentlich interessant, so tritt doch das Problem erst in dem Weltkriege und mit den Friedenskonferenzen in das für die Gegenwart entscheidende Stadium. Wintgens bringt daher nicht nur die Ergebnisse dieser Entwicklung, sondern zeigt auch die Entstenung des geltenden Minderheitenrechts aus den verschiedenen Entwürfen. Im dritten Teil gibt der Verfasser eine Dar- Steilung der Statistik und Rechtslage der deutschen und nichtdeutschen Minderheiten. In den! eigentlichen Hauptteil der systematischen Darstellung des geltenden internationalen Minderheitenrechts ist das gesamte umfangreiche Material verarbeitet Es ist selbstverständlich, daß in einer derartigen Arbeit auch die besondere Problematik und Rechtslage der jüdischen Minderheiten die gebührende Erwähnung findet Der Verfasser scheint die Juden heute nicht mehr zu den heimatlosen Minderheiten zu rechnen; denn er zählt sie unter diesen nicht auf, sondern bemerkt nur, daß Palästina durch das Palästinamandat als ״Nationales Heim“ der Juden erklärt wurde. Das ist insofern unrichtig, als das Mandat immer nur von der vorgesehenen Errichtung des Nationalheims in Palästina spricht Aber heute sind die Juden leider noch eine Minderheit, die überall Minderheit ist und in diesem Sinne noch zu den heimatlosen Minderheiten gerechnet werden muß. — Aus der Vorgeschichte findet man die Balfour-Deklaration und das Kopenhage- 11er Manifest von 1928. Eingehende Darstellung findet die vom Komitee der jüdischen Delegationen der Friedenskonferenz überreichte Denkschrift. ״Das Komitee machte auf der Friedenskonferenz seine Angelegenheit zur Angelegenheit aller unterdrückten nationalen Minderheiten, und so sollten denn auch die Juden, deren Stellung im Minderheitenkampf schon durch die Balfour-Deklaration günstig vorbestimmt war, den größten Erfolg auf dem Gebiete der Minderheitenschutzbestrebungen davontragen: die vom Komitee am 10. Mai 1919 der Friedenskonferenz unterbreitete (erste) Denkschrift ,über den Schutz der nationalen Minderheiten‘ wurde die Grundlage — man möchte sagen: die alleinige Grundlage der Minderneitenschutzverträge bzw. der Minderheiten Schutzbestimmungen der Friedensverträge.“ — Wintgens will nur die OstTuden, die in geschlossener Siedlung wohnen und durch jüdische Mutter- und Umgangsspräche zusammengehalten werden, als ״Nationalität“ auffassen, da ihr Wille zur Nation stärker sei als z. B. in Mittel- und Westeuropa oder in Amerika. Dagegen geht es nach seiner Meinung in weit, die in diesen Ländern ansässigen, meist einen kulturell wertvollen Bestandteil der Bevölkerung des Wohnstaates bildenden Israeliten ohne weiteres zur ״jüdisehen Nation“ zu rechnen. Mit Recht weist er darauf hin, daß hier wie überall bei der Frage der Nationalitätenzugehörigkeit der Wille, das Bekenntnis zur Nation entscheidet — Im Rahmen des Autonomierechts gibt der Verfasser einen Ueberblick über die rechtlichen Grundlagen der jüdischen Schulautonomie In Polen, der personellen Autonomie der Juden in Litauen una vor allem in Palästina. Bei dieser Gelegenheit stellt Wintgens die These auf, daß die Verleihung der völkerrechtlichen Rechtspersönlichkeit an das jüdische Volk der erste Fall der Anerkennung einer Nation als Völkerrechtssubjekt sei. Bisher sind, wie der Verfasser richtig bemerkt, die Minderheiten nicht als Rechtspersonen des Völkerrechts anerkannt worden. Nur Staaten gelten als Völkerrechtssubjekte. Unter den jüdischen Schriftstellern hat bisher nur Landauer eine ähnliche Ansicht bezüglich des jüdischen Volkes vertreten, jedoch nicht so ohne jede Einschränkung wie Wintgens. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es für einen wirksamen Minderheitenschutz von der größten Bedeutung sein muß, wenn die in Ansätzen vorhandenen Bestrebungen sich durchsetzen, die nicht mir den Staaten allein Völkerrechtsfähigkeit zuerkannt wissen wollen. Man wird wohl die vorhandenen Schwierigkeiten am ehesten mindern können, wenn man die Organe der Miaderiitites völkcrrechtsfähig werden läßt In diesem Sinne ist wohl auch Wintgens zu verstehen, wenn er die Jewish Agency als Völkerrechtssubjekt bezeichnet. - Daß auch die in den Verträgen vorhandenen bekannten Sonderbestimmungen für die jüdischen Minderheiten jeweils Erwähnung finden, sei noch angemerkt. Mit der vorliegenden Arbeit ist eine große Lücke in der deuh-chen Minderheitenliteratur ausgefüllt. Sie enthält eine Verarbeitung des gesamten rechtlichen, literarischen und statistischen Materials, das den gegenwärtigen Stand des Minderheitensehutzes kennzeichnet wenn auch zu wünschen ist, daß die ininderheitenrechtliche Entwicklung bald entschcidende Fortschritte macht, so wird doch aas Wintgenssche Werk für lange Zeit die maßgebende Grundlage für die Beschäftigung mit dem internationalen Minderheitenrecht bleiben. Dr. Rudolf Levy. In aller Kürze Der Waad Leumi hat die erste Sitzung der neugewählten jüdischen Nationalversammlung von Palästina (Asse• fath Haniwcharim) für den 4. Februar euiberufen. Im Hinblick auf eine ros einer arabischen Zeitung ge• brachte Nachricht, daß der High Commissioner Sir Jotw Chancellor sich gegen die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und dem britischen Kabinett aus• gesprochen und erklärt habe, er würde seine Demission einreichen, falls diese Verhandlungen zur Annulierung des Weißbuches führen sollten, hat die Palästinaregierang dem Palestine Bulletin die Erklärung zugehen lassen, daß der High Commissioner eine derartige Absicht niemals geäußert hat (Allgemein wird angenommen, daß Chancellor im kommenden Sommer seinen Posten verlassen wird. — A. d. R.) Von den 20 Arabern aus Hebron, die unter dem Verdacht, an dem Massaker in Hebron im August 1929 teil• genommen zu haben, vorige Woche von Aegypten an Palastina ausgeliefert worden 8ind? wurden 17 auf freien Fuß gesetzt, während gegen die übrigen drei Araber eine Untersuchung eingeleitet wurde. In Kairo ist eine Delegation von Arabern aus Hebron eingetroffen, um Sammlungen für einen Kampffonds zugunsten der Araber Palästinas einzuleiten. Die Aktion wird auf Grund einer besonderen Erlaubnis des Groß• tmiftis durchgeführt. Noch unbestätigten Nachrichten zufolge soll im Verlauf der vorigen Woche der Vertrag der Irak-Petroleumgesdlschaft mit der Palästina-Regierung unterzeichnet und damit Haifa endgültig als Endpunkt der Oelleitung aus Mossul bestimmt worden sein. Die Palästina-Regierung hat de Ernennung der Regierungskommission für landwirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Die Kommission besteht aus zwei Engländern, sechs Arabern und fünf Juden, und zwar Dr. Ruppin als Vertreter der Agency, Dr. Magnes als Vertreter der Universität, Viktor Kohn als Vertreter der Pica, Elieser Joffe als Vertreter der Arbeiterorganisation und Harry Viteles als Vertreter der Central-Bank für Kooperation. in der Orangenzone ist die Pflückarbeit jetzt im vollen Gange. Die Arbeitslöhne für jüdische Arbeiter betragen 20 Raster für den Arbeiter und 15 Piaster für die Arbeiterin. Der Arbeitslohn für arabische Arbeiter beträgt 5—12־ Raster pro Tag. Ein großer Teil der in den jüdischen Orangeilen beschäftigten arabischen Arbeiter stammt aus weitentfemten Dörfern im Süden des Landes, die zur Saisonarbeit in die jüdischen Kolonien strömen. (Ziko.) Das Erholungsheim ״Area“ bei Motza, das der Arbeiter-Krankenkasse gehört, Ist am 31. Dezember 1930 provisorisch geschlossen worden, da durch die Nichtauszahlung der Subvention der Jewish Agency die Mittel fehlen. Auf Grund einer Spende der kanadischen ״Hadassah“ von 6000 Dollar wird jetzt die Wiedereröffnung vorbereitet Die Misrachi-Fraktion in der neuen Assefath Haniwcharim wird einschließlich der auf der sephardischen und auf der yemenitischen Liste gewählten misrachistischcu Kandidaten 10 bis 11 Mitglieder zählen. Felix War bürg sind anläßlich seines 60. Geburtstages eine große Menge von Gratulationen aus allen Teilen der Weit zugegangen. Auch der britische Primemhiister MacDonald sandte ein Telegramm. Sir Stewart S y m e s, englischer Vertreter in Aden, wurde zum Gouverneur des Mandatsgebietes Tanganyika (Ostafrika) ernannt Symes war 1925—1928 Chefsekretär der Palästina- Regierung und als solcher auch im Jahre 1927 Vertreter der Mandatarmacht bei den Verhandlungen der Mandatskommission über Palästina. Die Stadtverwaltung von Jerusalem veranstaltete am 5. Januar in den Sälen des Hotel King David einen Empfang für Lady und Sir Ronald Storrs, dem jetzigen Gouverneur von Cypern. An dem Empfang nahmen 400 Gäste teil, darunter jüdische, christliche und mohammedanische Notabel:!. Der Oemeinderat des jüdischen Wohnviertels Hadar Hakarmel in Haifa hat beschlossen, einer Straße dieses Viertels den Narnen ״Melchett Straße“ zu geben. Die englische Regierung ernannte den bekannten Zionisten Leon Simon zum Generaldirektor für das Telegraphen- und Telephonwesen Großbritanniens. Bis jetzt war Leon Simon Vizedirektor des inländischen Telegraphenamtes. Für den 1. Februar 1931 wurde vom Institut jür jiddische Kultur ein jiddisch-philologischer Kongreß nach Kiew einberufen. Auf dem Kongreß wird ein Antrag auf Ersetzung der hebräischen Schrift in der jiddischen Presse Sowjetrußlands durch lateinische Lettern gestellt werden. In New York wurde zur Erleichterung der Kooperation zwischen der Jewish Agency für Palästina und dem American Joint Distribution Committee bei der Durchführung ihrer diesjährigen ״Drives“ ein Komitee, bestehend aus (für Joint): Paul Baerwaid, David M. Breßler und Alexander Kahn; (für Palästina-Kampagne): Richter William M. Lewis, Dr. Salomon Löwenstein und Morris Rothenberg eingesetzt. Die Gesellschaft ״Pardess“ hat in Rechowoth einen Kurs zur Erlernung moderner Verpackungsmethoden eingerichtet, an dem sich 25 Personen beteiligen. Auch der Gewerkschaftsausschuß von Ness Zionah beabsichtigt einen solchen Kurs in Ness Zionah einzurichten. Die schwedische Orientschiffahrtsgesellschaft hat eine neue Lini e «öffnet, die von dem polnischen Hafen Gdynia bei Danzig ausgeht und an die Ievantmische Küste führt. Dadurch ist eine direkte Schiffsverbindung von Polen nach Jaffa geschaffen worden. In diesen Tagen wurde in Brünn das neue Fernheizwerk seiner Bestimmung übergeben, das, wie die Fachleute erklären, das modernste sein« Art in Europa ist Die Kraftanlage ist konstruiert von einem Juden, Generaldirektor Dr.-Ing. Armin Weiner, Vertreter der Nichtzionisten im Council der Jewish Agency und Präsident des Keren Hajessod in der Tschecho• Slowakei.