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Jüdische Rundschau · 1931-01-16 · Heft 4 (16.1.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 4 (16.1.1931)
Date
1931-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4, 16.1 1931 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seit* 23 Freie zionistische Tribüne Dari der Kongreß verschoben werden? Von Richard Lichtheim. In der vorletzten Nummer der ״Jüd. Rundschau“ wurde die Ansicht vertreten, daß die Abhaltung des Kongresses im Februar notwendig sei. In der letzten Nummer der ״Jüd. Rundschau“ wird dieser Standpunkt zwar nicht direkt aufgegeben, aber in einer Weise kommentiert, die einer Aufgabe der vorher geäußerten Ansicht glekhkommt. Es wird dem Sinne nach ausgeführt, daß die Verschiebung des Kongresses sachlieh wohl begründet sei und eigentlich von allen vernünftigen Zionisten gefordert weiden müsse. Wenn trotzdem Bedenken gegen die Verschiebung bestünden, so beruhen sie auf der Erkenntnis, daß die von Demagogen mißleitete Menge — die ״Rundschau“ spricht von ״politischem Freibeutertum“ — bereits so verwirrt und verhetzt sei, daß die Verschiebung etwa gar als ein Versuch der Leitung gedeutet werden könne, eine für sie günstigere Situation abzuwarten und sich so im Amte zu behaupten. Genau dies ist meine Ansicht über die Motive der Leitung. Ich will aber nicht darüber streiten, wie man die innere zionistische Situation aufzufassen habe. Wer der Ansicht ist, daß die schleunige Beseitigung der Weizmann-Exekutive sachlich nicht gerechtfertigt sei, wer noch immer glaubt, den Zusammenbruch eines Systems im wesentlichen als das Resultat äußerer Umstände deuten zu können, der muß freilich eine andere Auffassung von der Lage haben als wir, die seit Jahren in der Person Dr. Weizmanns die größte Gefahr für die Zionistische Organisation und in seinem System die Hauptursache des zionistischen Niedergangs erblicken. Aus dieser Verschiedenheit der Auffassungen entspringt die Verschiedenheit in der Beurteilung der Kongreßfrage. Sehen wir aber einmal von diesem Meinungskampf ab und erinnern an eine simple Tatsache: Im November vorigen Jahres fand in London eine stark besuchte Sitzung des Aktions- Comiti's statt, die hauptsächlich zu dem Zweck einberufen war, die Kongreßfrage zu entscheiden. Alle Argumente, die gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar angeführt werden können, waren damals bereits bekannt. Man wußte, daß die Amerikaner nur in geringer Zahl kommen würden und daß der Council des Agency nicht für Februar einberufen werden könne. (Nebenbei: Erinnert man sich an unsere Argumente gegen die fifty-fifty Organisation? Jetzt wird der Council gegen den Kongreß ausgespielt!) Man wußte auch, daß die Finanzlage miserabel ist und voraussichtlich noch schlechter werden würde. Trotzdem beschloß das A.-C. nach sehr langen Debatten die Abhaltung des Kongresses im Februar. Das A.-C. begriff, daß die Organisation aus der inneren Krise ohne einen Kongreß nicht mehr herauskommen könne. Diese innere Krise hat sich eher noch verschärft — und nun versucht die Exekutive, den Kongreß zu verschieben. Sie droht für den Fall der Ablehnung ihres Antrages mit sofortigem Rücktritt uiid; will so das A.-C. durch die Furcht vor dem Chaos zwingen; Dieses V e r - halten der Exekutive ist unzulässig. Im November hat sie — zum Aerger und Erstaunen des A.-C. — heftig darauf bestanden, im Amt zu bleiben. Sie hat sich mit der Abhaltung des Kongresses einverstanden erklärt und selber darauf gedrückt, daß man ihr und Dr. Weizraann bis zum Kongreß die Geschäftsführung überließ. Jetzt, da die Dinge nicht besser, sondern schlimmer geworden sind, will sie sechs Wochen vor dem vom A.-C. beschlossenen und von ihr selbst akzeptierten Februar-Kongreß durch einen Handstreich den früheren sorgfältig erwogenen Beschluß zunichte machen. Denn ein Handstreich ist diese Drohung mit dem Rücktritt sechs Wochen vor dem Kongreß, diese plötzliche Einberufung des A.-C., dessen Sitzung natürlich — mitten i n Winter und zehn Wochen nach der letzten Tagung — schwach besucht sein wird. Die Beamten und die beamteten Vertreter der linken Parteien, die gegen den Kongreß sind, werden freilich alle zur Stelle sein. Mit solchen Praktiken wird die Zionistische Organisation freilich zugrunde gerichtet werden. Die Beschlüsse des A.-C., die Institution des Kongresses werden zur Farce. Unabhängig denkenden Menschen kann es nicht mehr zugemutet werden, Ehrenämter in einer so geleiteten Organisation zu bekleiden. Ich habe zum Zeichen des Protestes gegen diese illegale, ohne Befragung des A.-C.-Präsidiums erfolgte Einberufung mein Amt als Vizepräsident des A.-C. niedergelegt. Mögen die in London versammelten Herren den Kongreß ad calendas graecas vertagen. Dann werden sie bald ganz unter sich sein und kein Freibeuter wird sie mehr stören. Nur die Zionistisehe Organisation wird verschwinden. Leitung und politische Arbeit Von Dr. Jakob Weiner, Wien. Da nun einmal die Diskussion der Frage der Nachfolgerschaff Weizmanns, oder wie wir lieber sagen wollen, der Leitungsfrage in vollem Gange ist und sogar schon eine Anzahl Namen in der Presse genannt wurden, ist es sicherlich nicht verfrüht, das Problem der Leitung der Bewegung und der Organisation und der politisch-diplomatischen Vertretung in Downing-Street vom prinzipiellen Standpunkt zu betrachten. Vielleicht werden die im Nachstehenden ausgeführten Gedankengänge, wenn sie Anklang finden, die Lösung des schwierigsten Problems auf dem kommenden Kongreß und auch späterhin immer wesentlich erleichtern. Die Vorgänge auf der Berliner A.-C.-Sitzung im August des vergangenen Jahres, in denen die Weizmann-Krise infolge der Aeußerungen Weizmanns über das Judenstaatproblem wieder einmal akut wurde, haben, wenn man von Formverstößen, Nervositäten usw. absieht, doch wohl einen unerträglichen Mißstand enthüllt; ich gehöre nicht zu denen, die Weizmanns Zionismus überhaupt oder auch nur die Hundertprozentigkeit seines Zionismus bezweifeln; gleichwohl haben mich seine Auslasstingen an der genannten Stelle tief erschüttert. Ich konnte — wiewohl zu seinen ergebensten Anhängern und ehrlichsten Bewunderern zählend — seinen Ausführungen unter keiner Bedingung zustimmen und konnte sie doch auch nicht ohne weiteres verdammen. Ein Drittes aber gab es da nicht Da ist mit aller Deutlichkeit klar geworden: Man kann nicht zehn Jahre oder länger gleichzeitig Präsident der Bewegung und politischer Vertreter in London sein; man kann sich nicht so lange die Fähigkeit erhalten, 1□ Warschau oder New .York oder Berlin oder Wien die Massen mit sich zum Zionismus fortzureißen, die jüdische Jugend für das integrale zionistische Ideal zu begeistern, der Bewegung — auch durch das Medium des A.-C. —- stets neue Impulse zu geben und gleichzeitig in London mit der Wirkllchkeit der politischen Tatsachen zu kompromittieren, tagaus, tagein zäh zu verhandeln, dz .. Erreichbare zu sichern, anzugreifen, nachzugeben, Situationen auszunutzen, Konzessionen zu machen, heute wenig zu fordern und morgen mehr zu erreichen usw. Diplomat und Führer einer Volksbewegung in derselben Person — auf die Dauer muß der Beste an dieser Aufgabe scheitern. — In Parenthese sei bemerkt, daß die Schwierigkeit nicht nur für uns, sondern auch für andere große Volksbewegungen in ähnlicher Weise besteht. Ein zweites: Einige Zeit vor der früher erwähnten A.-C.- Sitzung ist zum erstenmal der Fall eingetrefen, daß die Be- Ziehungen der Zionistischen Organisation, resp. der Jewish Agency zur englischen Regierung — i. e. die Beziehungen Weizmanns zum Colonial Office (oder darüber hinaus?) — abgebrochen waren. Niemand konnte sagen, wann und wie dieser Bruch geheilt werden würde. — Sind da niemandem die Augen darüber aufgegangen, daß dieser Zustand unhaltbar ist, daß hier ein Konstruktionsfehler schlimmster Art aufgedeckt wurde, der dringend Reparatur erheischt? Der Abbruch der Beziehungen des Präsidenten der Jewish Agency zur englischen Regierung ist Kriegszustand. Darf es dergleichen geben, noch dazu ungewollt und unbeabsichtigt geben? Ein drittes: Ich weiß mich eins mit unzähligen der besten Gesinnungsgenossen im schmerzlichen Gefühl, daß seit vielen Jahren seitens der Exekutive so gut wie nichts für die Organisation und für die Propaganda getan wird, daß die Landes- und Sonderverbände sich selbst überlassen diese Aufgabe eher schlecht als recht erledigen. Das braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Schon diese drei elementaren Komplexe — neben einer Reihe anderer, die hier nicht besprochen wurden — drängen meines Erachtens zwingend zu folgender Lösung: Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency ist nicht identisch mit dem politisch-diplomatischen Vertreter in London, ist vielmehr prinzipiell eine andere Personlichkeit. Der Sitz des Präsidenten und der Exekutive mag in London bleiben oder anderswohin verlegt werden. Aehn’ich wie in London werden auch in allen andern politischen Zentren politisch-diplomatische Vertretungen errichtet. Sic unterstehen sämtlich der Zionistischen Exekutive und arbeiten unter ihrer Verantwortung. Ob die Leiter dieser Missionen sämtlich oder nur manche von ihnen Mitglieder der Exekutive sein sollen oder ob dies prinzipiell abzulehnen ist, muß Gegenstand besonderer Erwägungen sein. — Jedenfalls kann ieder abberufen und durch eine andere Person ersetzt werden. Die Analogie mit den diplomatischen Vertretungen normaler Staaten ist klar, es genügt daher das Gesagte. Betrachten wir kurz die Konsequenzen, die sich zunächst für die früher erwähnten drei Komplexe aus diesem Vorschlag ergeben, Der Präsident der Organisation wird frei von den auf dem politischen Vertreter in London Hegenden Verpachtungen und Gebundenheiten, er kann wieder Führer der Bewegung sein, kein Zwiespalt aus der unerträglichen Doppe’funk'ian wird jhu scheitern lassen.— Die Beweg!mg wird neu belebt. Pi« Riehtung der Politik wird vom Prfüderi+e!1 und von der Exelmtive in Üebereinstimmung mit den Beschlüssen des Kongresses und des A.-C. festgelegt und von den diplomatischen Vertretern befolgt. Ein kleinerer oder größerer Rightungswechsel erfordert keine Aenderung der Leitung (,zumindest nicht unbed'ngt), bringt keine Erschütterungen der Organisation mehr mit sich. Sie kann sogar ohne Wechsel des Missionschefs stattfinden, da er Beauftragter ist Kommt es zu Differenzen dieses Missionschefs mit der eng- Iischen (oder sonstigen) Regierung, kann er abberufen und sogleich oder nach kurzer Zeit durch eine andere Person ersetzt werden, kann auch nach Intervention eines Spezialdelegierten wieder auf seinen Posten zurückkehren. Der oben erwähnte Konstruktionsfehler ist behoben. Und drittens: Die Exekutive mit dem Präsidenten ist aut freierer, höherer Warte, ist in der Lage, sich unvergleichlich viel mehr als in den letzten Jahren der Organisation, der Propaganda usw. zu widmen. Es könnte natürlich auch manches weitere interessante und wichtige Detail angeführt werden; aber zuerst handelt es sich ja um das Problem im großen. Zu dessen Erläuterung aber dürfte genug gesagt sein. Zum Schluß noch ein aktueller Hinweis: Daß auf dem komtuenden Kongreß die Lösung der Weizmann-Krise, der Leitungsfrage und all dessen, was damit Zusammenhang^ aut dem dargelegten Weg sehr wesentlich erleichtert wäre, allfällige Fehler in der Personenauswahl viel schneller und unauffälliger zu korrigieren sind, dürfte ohne weiteres klar sein. Wie immer und überall muß auch hei uns der einfachere, nur primitiven Verhältnissen genügende Apparat dem verbesserten, verfeinerten, komplizierteren, sichereren und leisiungsfähigeren weichen. Revisionistische Exekutive? Von Dr. S. Schereschewsky, Berlin. Der nachstehende Dishussionsartikel, gegen den sieh gewiß vieles einwenden läßt, stammt von extrem a n t i - revisionistischer Seite; er will durch ein revisionistisches Regime den Rtfoisionismw ne! absurdum führen. Manche Zionisten werden der Meinung sein, daß der Einsal1 bei diesem Experime.nl zu hoch ist. Red, Gehen wir von drei Voraussetzungen aus: a) die überwiegende Mehrheit der zionistischen Massen ist revisionistisch gestimmt; b) eine andere Politik als die m it England und einer zielbewußten Verständigungsarbeit mit den Arabern auf allen Gebieten!politisch und wirtschaftlich) kann nicht getrieben werden; c) das jüdische Volk muß endlich so schnell als möglieh von ״politischen“ Protest- und ähnlichen Aktionen abgewandt werden und den wirtschaftlichen Aufgaben der Aufbauarbeit in Palästina seine tätige Aufmerksamkeit zuwenden. a) Ob wir es wollen oder nicht, ob wir darin eine Gefahr und ein Unglück sehen oder nicht, die zionistischen Massen hören auf die Parolen der Revisionisten. Ueberall sieht man in ihnen diejenigen, die die Lösung der schweren Fragen bringen werden. Natürlich sind sie nicht offiziell revisionistisch organisiert, daran hindert aber nur das Trägheitsmoment und die überalterte Parteigruppierung in der Zionistischen Organisation, zumal sich die Revisionisten gleichfalls als Partei neben den anderen organisiert haben. Ke revisionistischen Gedankengänge haben aber in allen Parteien mehr oder minder Platz ergriffen bis in die Reihen der Arbeiterparteien. Ke Revisionisten haben populäre Parolen, sie haben die einzigen populären Männer — die bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt haben, in der ETaktischen politischen Arbeit ihre Popularität zu riskieren. —• Sc Gegnerschaft gegen sie — etwa von seiten der bisherigen Leitung —- ist sehr schwach gewesen, sie war vielfach unsachlieh und versuchte immer wieder zu ihnen Brücken zu schlagen, weil man sah, daß die Stimmung der Masse für die Revfsionisten ist. Ke Revisionisten fühlen sich als die Herren der Situation, indem sie sich offen bereit erklären, die Leitung der Zionistischen Organisation zu übernehmen, was ihr Ansehen und ihre Popularität als einer verantwortungsbewußten Öpposition nur steigern kann. b) Die Entwicklung der englischen Politik in den vergangenen Jahren unter den verschiedensten Partei- und Koalitionsregierungen hat eine ununterbrochene kontinuierlich eingehaftene Richtung aufgezeigt. Für England steht im Vordergrund nicht das jüdische Nationalheim, sondern Palästina. Den vor! uns besonders vertiefter! Gegensatz zwischen Palästina und dem jüdischen Nationalheim erkennt England nicht an und richtet sich dort, wo ein Konflikt vorhanden ist, nach den Bedürfnissen Palästinas, das nicht nur von Juden, sondern in der Mehrzahl von einer nichtjüdischen Bevölkerung bewohnt wird. Ke Ereignisse des letzten Jahres haben bewiesen, daß, wenn wir in Palästina einen jüdischen Jischuw aufbauen wollen, wir es mir mit England, keinesfalls gegen England erreichen können. Ke Voraussetzung für diese Zusammenarbeit ist, wie auch aus den Reden unserer besten und treuesten Freunde in den eng- Iischen Parteien über ,,palästinensischen Patriotismus“ usw. hervorgeht, eine offene, ehrliche Verständigung mit den Arabern Palästinas auf a 11 e n Gebieten, politischen und wirtschaftlichen. Eine Politik, die England und insbesondere die Palästina- Regierung in eine Gegnerschaft zu 1ms treibt, beraubt uns der unbedingt notwendigen Mitarbeit Englands und bringt uns weder bei den Arabern, Indern noch sonst bei einem Volke der Welt etwas ein. Da jede ״non Corporation“ schließlich, selbst wenn sie durchführbar wäre, nur uns selbst Schaden bringt, da England die Macht in Palästina hat und sie auch ausnutzt, müssen wir trotz Weißbuch, Passfield, Shiels und Jabotinsky zu einer Zusammenarbeit mit England kommen. Von unserer Stel- Sung zu England wird es abhängen, ob wir z. B. aus der großen Anleihe Nutzen ziehen werden, die England für Palästina au {nimmt. c) Das jüdische Volk hat über den unseligen Protestaktionen zu leicht vergessen, daß es in Erez-Israel eine schwere Krisis in der jüdischen Wirtschaft gibt, die nicht durch Worte und Resolutionen oder durch die geballte Faust, sondern nur durch die offene Hand des bewußten tätigen, auf finanziellem Gebiete nach Kräften arbeitenden Zionisten und Nichtzionisten behoben werden kann. Ke schwere Lage in Palästina ist ein Faktum, mit dem alle Faktoren, die mit dem Lande zu tun haben, Engfand, Jewish Agency, Araber, Zionistische Organisation mit Ein- Schluß der Revisionisten rechnen müssen. Es ist höchste Zeit, daß endlich die aufgeputschten jüdischen Massen sich diese Tatsache ins Gedächtnis rufen und ihre Maßnahmen danach treffen. Es muß endlich schleunigst ein Plan ausgearbeitet wer• den, der unter Berücksichtigung der realen Situation in England, in Palästina, in Amerika und den anderen Lindern jüaischer Massen Siedlung dasjenige aufzeigt, was unbedingt schnell• stens geleistet werden muß und kann, um das in Erez-Israel Aufgebautc nicht schwerster Ge'ä’irdung auszusetzen. Ke Nachrieht, daß die von der englischen Regierung, als Resultat des ״Kampfes“ gegen •sie, freDegebeneti Zertifikate aus Geldmangel nicht »ungenutzt-׳werden׳ ■können, zeigt art'de1rtlicfisten,'־wle'i׳e'*1 fährlich die Situation Ist. Nur schleunige Abwendung von den benebelnden und betäubenden ״großen, politischen Aktionen“ und Hinwendung Aller zur praktischen, wirtschaftlichen Notaktion für das Palästinawerk kann und wird die Situation retten. Wenn wir von diesen drei Voraussetzungen ausgehen, so ergibt sich, daß nur durch eine revisionistische oder von Revisionisten geleitete und beherrschte Exekutive eine Wendung er• wartet werden kann. Alle anderen Parteien, auch die Radi• kalen, sind, mit Recht oder Unrecht, ״kompromittiert“. Die Stimmung ist gegen sie, man erwartet von ihnen nichts, die Masse folgt ihnen nicht mehr. Sie haben keine populären Führer, sie haben kein Programm, das als das erlösende er• scheinen könnte. Alle fürchten die revisionistische Opposition, sie selbst erklärt sich bereit, sofort an die Spitze zu treten. Gezwungen durch die realen Tatsachen in England und in Pa• Iästina werden die Revisionisten als verantwortliche Leiter der Zionistischen Organisation von ihrer radikalen Ideologie und — was wichtiger ist — von dem oppositionell-radikalen praktischen Programm abweichen und sich der Politik des Möglichen zu• wenden müssen. Nur s i e werden es können und dabei dennoch die Führung behalten. Denn nur ihnen, nur einem Jabotinsky, wird die Masse glauben, daß es die realen Tatsachen und nicht die Schlappheit und Unfähigkeit der Führer sind, welche zu Kompromissen zwingen. Nur sie werden dann die neue Formel, entsprechend ihrer Vergangenheit, und die neue Form der Arbeit, entsprechend der Gegenwart und der Zukunft des jüdischen Volkes, finden und finden müssen, der die Masse unbedingt folgen wird. Solange gegenüber der Forderung‘auf Abwendung von der politischen Aktion immer wieder von den Revisionisten das Gegenteil, stärkste öffentliche Aktion gefordert wird, kann es in der Zionistischen Organisation keine ruhige, besonnene, zielbewußte und planmäßige Aufbauarbeit geben; erst wenn sie selbst dies gezwungenermaßen einseheu und proklamieren — und sie werden es sehr bald tun müssen —, wird Ruhe cintreten und das Volk die richtige Richtung einschlagen. England wird, wenn es überhaupt bereit ist, mit einem Führer der Zionistischen Organisation zu verhandeln, auch mit Jabotinsky verhandeln. Da aber der zionistische Führer auf England angewiesen ist und nicht umgekehrt, so wird er Kon- Zessionen machen müssen — nach außen brauchen sie nicht als solche zu erscheinen. — Sie werden um so größer sein, je höher die Forderungen gewesen sind und sich von den realen Tat- Sachen entfernt haben. Aber auch dazu sind nur die Revisionisten imstande, ohne die Führung zu verlieren. Das — auch jetzt ja nicht im Ueberfluß vorhandene — Kapital wird auch einer revisionistischen Exekutive nicht vorenthalten werden, wenn es ihr gelingt, praktische Erfolge, selbst durch stärkste Kompromisse, aufzuweisen. Ke zionistische Arbeit wird unter einer revisionistischen Leitung nicht leiden; da kein verantwortungsvoller zionistischer Arbeiter seine Mitarbeit von der Zusammensetzung einer Exekutive abhängig machen darf, zumal sie der Einstellung der Massen entspricht. Ke Aufbauarbeit in Erez-Israel kann auch durch eine revisionistische Leitung nicht gestört werden, da das Leben dort mehr und mehr eigenen Regeln folgen wird und in seinen entscheidenden Fragen nicht mehr unbedingt von der Exekutive abhängig ist. Es kann daher aus innerpotitischen und außenpolitischen Gründen nur einen Weg geben: Einberufung des Kongresses, Sturz der bisherigen Leitung, Einsetzung einer revisionistischen oder durch Revisionisten beherrschten Exekutive! Die Revisionisten haben sich bereit erklärt, heute, unter Kenntnis der gegenwärtigen Situation, die Leitung zu übernehmen. Man gebe ihnen die Möglichkeit, inan unterstütze sie nach Kräften in ihrem Bestreben, es kann zum Segen für die Zionistische Organisation und für Erez-Israel werden!

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