Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 4 (16.1.1931)
- Date
- 1931-01-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4, 16.1. 1Ö31 Welt geschüttelt wird. Es ist nicht 60* daß man sich jetzt damit trösten könnte, die Geschäfte gehen heute schlecht, sie werden wieder einmal gut gehen. Die Geschäfte werden möglicherweise in der kommenden Zeit besser gehen als heute, gut gehen aber wie z. B. in den vorangegangenen Jahrzehnten vor dem Kriege werden sie menschlicher Voraussicht nach in diesem Zeitalter nicht mehr. Wir leben in der Periode des Spätkapitalismus. Sie drückt sich darin aus, daß die Wirtschaft konzerniert und vertrustet wird, daß alle Berufe zwischen Produktion und Konsum überflüssig werden, daß eine ungeheuerliehe Konzentration nicht nur des Produktions-, sondern auch des Handelskapitals vor sich geht und daß als Folge dieser Erscheinungen alle zwischen Produktion und Konsum stehenden Berufsgruppen, die den einzelnen Trägern eine Selbständigkeit ermöglichten, dem Untergange geweiht sind. Kein Mensch kann genau die weiterc Entwicklung der Wirtschaft voraussehen. So viel scheint aber wahrscheinlich, daß die Welt zu einer Planwirtschaft nach schweren Interessenkämpfen gelangen wird. Um in dieser Welt der Planwirtschaft einen Platz zu behaupten, muß man produktiv an dem Prozeß der kommenden Wirtschaft teil haben. Die Produktivierung der Juden in atomisierter Form, d. h. verteilt auf alle Berufsgruppen, bedeutet aber die Zerstörung der wirtschaftlichen Basis, auf Grund welcher jüdische Eigenart existieren konnte. Wir wollen nicht auf die Frage eingehen, in welchem Umfange eine Phoduktivlerang der Juden in Anbetracht ihrer vorhandenen Unterscheidbarkeit von den Völkern, in deren Mitte sie leben, überhaupt möglich ist Aber gesetzt den Fall, sie könnte restlos durchgeführt werden! Träte das ein, so wäre damit die Zersetzung der jüdischen Gemeinschaft in einem Umfange eingeleitet, wie er in den vergangenen Jahrhunderten doch niemals vorgekommen ist Proletarisierung der jüdischen Gemeinschaft, sofern diese in geschlossener Form vor sich gehen könnte, wäre ein Auskunftsmittel, das man sich vom Standpunkte eines Juden, der seine Volksgemeinschaft erhalten will, gefallen lassen könnte. & ist aber mehr als fraglich, ob eine Proletarisierung in der Diaspora überhaupt durchführbar ist. Was sich vor unseren Augen abspielt, ist nicht eine Proletarisierang der Juden, sondem eine Pauperisierung, und das ist grundsätzlich ganz etwas anderes und stellt jenen Zustand von Elend dar, von dem Herzl einmal gesagt hat, daß er nicht mehr produktiv ist. Schon heute sehen wir nicht mir in Osteuropa, wo jüdische Massen siedeln, sondern in Westeuropa, Deutschland, Frankreich, Holland, England, und auch in Amerika in unzähligen Exemplaren den Typus des jüdischen Luftmenschen, der gar keinen Platz mehr in der Wirtschaft hat und gar keine Aussicht, jemals einen Platz in der Wirtschaft zu erringen. Wir sind als Volk in den letzten achtzehnhundert Jahren immer sehr arm gewesen. Auch heute noch ist das jüdische Volk in seiner Gesamtheit, unbeschadet der Tatsache, daß es einzelne jüdische Großmagnaten gibt, verglichen selbst mit kleinen Völkern, wie den Dänen, Litauern oder Albanern, ein sehr armes Volk. Genau genommen beläuft sich das Volkseigentum der jüdischen Gesamtheit auf die mehrere hunderttausend Dunam Boden des Jüdischen Nationalfonds und auf die Institute, die der jüdischen Gesamtheit in Palästina und in einzelnen Ländern der Diaspora gehören. Selbst die Albaner haben die Möglichkeit, verdienten Volksgenossen aus allgemeinen Mitteln eine Existenzmöglichkeit zu geben. Das jüdische Volk hat diese Möglichkeit nicht Das allein mag illustrieren, wie arm wir als Volk sind. Wir sind aber nicht nur als Volk arm gewesen, sondern auch die einzelnen Juden waren bis vor hundert Jahren in der ganzen Welt zu 99 "/ס bitter arm. Das hat sich in der Zeit nach der Emanzipation der Juden in den verschiedenen Ländern, die zusammenfiel mit der Industrialisierung und dem Aufstieg des Bürgertums, geändert. Und noch vor wenigen Jahren konnte ein jüdischer Statistiker mit Befriedigung feststellen, daß zum ersten Male in der Diaspora-Geschichte ungefähr 30 °/0 der jüdischen Gesamtheit in der ganzen Welt in materiell günstiger Position sind, nämlich die Mehrheit der Juden in Amerika, Südafrika, Kanada und in Westeuropa. Wie die Dinge liegen, scheint diese Zeit der materiellen Blüte für einen erheblichen Teil des jüdischen Volkes endgültig geschwunden zu sein, und die jüdische Gesamtheit in der ganzen Welt wird wieder wie ehernals in ihrer Totalität arm werden. Was wird die Zukunft bringen? Allem Anscheine nach geht die ganze Welt einer Verarmung entgegen in dem Sinne, daß infolge der unausbleiblichen Planwirt- Schaft zunächst das Lebensniveau der Völker gesenkt werden muß. Auch das Niveau der jüdischen Lebenshaltung in der ganzen Welt wird noch stärker herantergedrückt sein. Es gibt gewichtige Stimmen, welche behaupten, daß vor der Planwirtschaft sich zunächst allenthalben das Bestreben nach einer bestimmten Autarkie geltend machen wird, d. h. der Zwang damit auszukommen, was die einzelnen Länder selbst produzieren, und der Verzicht auf verschiedene bisher als selbstverständlich betrachtete Warenarten, die importiert wurden. Leider können die Juden von sich nicht sagen, daß sie abgesehen von Palästina und den Kolonien in Südrußland und in Argentinien, auch nur in einem beschränkten Maße in autarker Wirtschaft auch nur wenige Jahre bei starker Senkung des Lebensniveaus, existieren können. Eine Bewahrung der jüdischen Eigenart ohne eine spezifische jüdische Wirtschafts־ reform ist überhaupt nur möglich, wenn die Juden eine aUgemeine Wirtschaftsrefoim, aber in geschlossenem Bezlrfce, vertreten. Solche geschlossenen Bezirke hat die jüdische Gesamtheit aber nur sehr wenig. Wohl wäre dem jüdischen Volke, wenn der Jischuw in Palästina heute nicht 170 000, sondern eine halbe Million Seelen umfaßte. Diese halbe Million, sofern sie vorhanden wäre, könnte, wenn auch unter schweren Entbehrungen und Opfern, die Epoche des Ueberganges vom Spätkapitalismus zu einer neuen Wirtschaftsform, einerlei wie sie aussehen wird, überdauern. Was soll geschehen? Grundsätzliche Mittel sind leider nicht im Bereiche der Durchführungsmöglichkeit Es ist gut, wenn die Juden ihre Lage erkennen, wenn sie sich organisieren und durch Selbsthilfe versuchen, die schrecklichsten Erscheinungen der spezifischen jüdisehen Not zu beheben. Daneben aber muß die Erkenntnis von der jüdischen Situation bei den führenden Elcmenten der jüdischen Gesamtheit die Entschlußkraft steigern, zu geschlossenen jüdischen Siedlungen zu gelangen, denn nur diese werden in der Zukunft den Bestand des jüdischen Volkes zu garantieren vermögen. s. n. Wahlresuitate und Wahlbetrachtungen Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 8. Januar 1931. Wahles fas palästinensischen Jischuw haben oft nur eine lokale Bedeutung. Sie zeigen «Me Gruppenbiidung Im Lande, das Wachstum und den Zerfall sozialer Kräfte und bestimmen Arbeitsmöglichkeiten für einige Jahre. Für das Galuth haben sie meist nur eine sekundäre Bedeutung und berühren kaum seinen eigentlichen Lebensnerv. Das gilt jedoch nicht für die jetzigen Wahlen zur Assefath Haniwcharim. Dieses Mal handelte es sich nicht um Gegensätze innerhalb der palästinensischen Judenheit, nicht um Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Mittelklasse und Chaluzim oder irgendeinen anderen der Streitpunkte, die für Palästina sehr wichtig sind, aber die Bewegung im Auslande nur an der Peripherie berühren. Jetzt stand die Richtung der zionistischen Politik auf der Tagesordnung. Die Wahlen zur Assefath Haniwcharim waren also keine lokale Frage, sondern der Auftakt zu den Kongreßwahlen, und ihr Resultat wird daher in den Ländern des Galuth starke Beachtung finden. Schon während der Vorbereitungen wurde es klar, daß sich der Hauptkampf zwischen zwei Listen abspielen würde, während die anderen (es gab im ,ganzen 15) nur so etwas wie ein Füllsel darstellten. Das Kampfgeschrei tönte: Arbeiter- Partei gegen Revisionisten, und das bedeutete in anderer Losung: Weizmann — oder sein System — gegen Jabotinsky und seine Ideologie. Alle anderen Unterscheidüngen und Gegensätze traten in den Hintergrund und spielten eine untergeordnete Rolle. Daher das Zurücktreten anderer Parteien, daher das mangelnde Interesse für andere praktische Fragen des Jischuw und für andere Gruppierungen. Bd den Resultaten drängen sich drei Erscheinungen als die wichtigsten auf: das Anwachsen des revisionistischen Einflusses, die Sammlung der nichtrevisionistischen Elemente um die Arbeiterorganisation, die als stärkste Fraktion aus den Wahlen hervorging, und schließlich die Verdrängung aller Mittelgruppen, vor allem der Allgemeinen Zionisten und auch des Misrachi durch die sich stark festigenden Flügel. Man sieht, wie die Sympathien des Publikums sich den Flügelgruppen zuneigen und die Mitte verlassen. Es ist dieselbe Erscheinung, die auch in europäischen Ländern zu beobachten ist und hier wie dort darauf beruht, daß man seine Hoffnungen auf Extreme — der einen oder anderen Seite — setzt. Es ist kein Zufall, daß sieh die Arbeiterpartei, die mit antirevisionistischen Losungen in den Kampf zog, solcher Schlagworte bediente wie ״Bekämpfung des Faschteraus“ und ähnlicher mehr. Vieles in diesem Wahlkampf und seinen Methoden mutete geradezu wie eine Uebersetzung europäischer Vorgänge und europäischer Mentalität an. Ein fundamentaler Unterschied muß freilich hervorgehoben werden: während sich bei diesem Abgleiten der Stimmen zu den Flügelgruppen sonst ״Faschisten“ und ״Kommunisten“ gegen■ überstehen, wird in Palästina zwar die Aehnlichkeit zwischen Faschisten und Revisionisten immer deutlicher, die Arbeiterschaft hat jedoch mit kommunistischen Konzeptionen nichts zu tun und muß in die Kategorie der Sozialdemokratie eingegliedert werden. Wie wenig die extremistischen Elemente in der Linken numerisch gewachsen sind, zeigen jetzt die geringen Zahlen ihrer Wähler. Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß die Revisio׳ nisten einen beachtlichen Erfolg davongetragen haben, wenn auch ihr Sieg keineswegs so groß ist wie sie in Anbetracht der politischen Enttäuschungen, von denen stets eine Oppositionspartei profitiert, gehofft hatten. Aber während die Revi׳ sionisten zur Zeit der letzten Wahlen 1925 ein kleines, oft verlachtes Häuflein darstellten, sind sie jetzt zur zweitstärksten Fraktion im Jischuw aufgestiegen. Auf die Revisionisten und mit ihr vereinigte Listen entfallen nahezu 10000 (von 47 500) Stimmen, von denen etwas weniger als die Hälfte auf T e 1 - A w i w zu rechnen ist. Während sich die Wählerschaft der Revisionisten in Jerusalem, wo sie ebenfalls eine ansehnliche Zahl von Stimmen auf ihre Liste vereinigten, zu einem großen Teil aus den wenig aufgeklärten orientalischen Juden rekrutierte, ist in Tel-Awiw ihr Erfolg durch die Haltung einer zionistisch und politisch stark interessierten Gemeinde entstanden. Sie konnten dort mehr als 4000 Stirnmen sammeln, die auch gegenüber den mehr als 6000 der Arbeiter stark ins Gewicht fallen. Man muß sich bei Abschätzung der Lage noch vor Augen halten, daß dieses Aufsteigen der Revisionisten stattfinden konnte, obwohl sic sich In eine sehr ungeschickte feindliche Haltung gegenüber der Arbeiterschaft hineinmanövrierten und keine Führer von Format aufzuweisen haben. Die feindliche und meist ganz sinnlose Stellung gegenüber der Arbeiterschaft hat die Position der Revisionisten fraglos bedeutend beeinträchtigt und breite Kreise abgestoßen, die sonst von der politischen Linie der Revisionisten nicht weit entfernt waren. Und der Mangel an Führern hat sich bd ihnen in der ganzen Wahlkampagne bemerkbar gemacht. Dafür kam ihnen die berdts erwähnte politische Stimmung des Augenblicks zugute. Die Arbeiterschaft ist aus dem Kampfe gestärkt hervorgegangen. Es gelang der Vereinigten Partei nahezu die Hälfte aller Stimmen zu gewinnen und damit als die weitaus stärkste Fraktion In die Assefath Haniwcharim einzuziehen. Dieses Resultat hat bewiesen, daß sich um die Vereinigte Partei viele Tausende sammeln und daß die Verschmelzung von Hapoül Hazair und Achduth Awodah sich günstig ausgewirkt hat. Die Wahlresultate zeigen, daß von einer Stärkung der extremen linken Elemente, die viele als Konsequenz der Verrinigung erwarteten, nicht die Rede sein kann. Man hat über den allgemeinen politischen Problemen, die im Wahlkampf zur Debatte standen, den eigentlichen Aufgaben der Assefath Haniwcharim relativ wenig Interesse zugewendet Jetzt aber, wo die Versammlung kurz vor ihrer Einberufung steht, ist die Frage akut, ob und wie sie ihre Arbeit wird durchführen können. Die relativ hohe Wahlbeteiligung läßt keinen Zweifel darüber zu, daß diese Ver- Sammlung eine legitime Vertretung des Jischuw darstellt. Dagegen gibt ihre Zusammensetzung zu schwersten Besorgnissen Anlaß. Die Arbeiter besitzen, nachdem es ihnen gelungen ist, kleinere Gruppen mit sich zu verbinden, eine Majorität. Ihnen steht eine starke Opposition gegenüber, die an der Propaganda ihrer eigenen Ziele leidenschaftlich interessiert ist und sich aller Mittel bedienen wird, um der Majorität das Leben schwer zu machen. Die Mittelgruppen fallen nur wenig ins Gewicht und werden sich aller Voraussicht nach nicht scheuen, hier und da, wo es ihnen opportun scheint, auch mit der Opposition zu gehen. Auf einem sehr wichtigen Gebiet schließlieh, nämlich der Entscheidung von Arbeitskonflikten, ist die Versammlung vor eine besondere Komplikation gestellt. Die Kolonisten haben sich, obwohl sie innerhalb des Gemeindeverbandes Knesseth Israel geblieben sind, nicht an den Wahlen beteiligt und sind daher als solche in der Assefath Haniwcharim nicht vertreten. Jeder Beschluß der Versammlung, der Fragen des Arbeitsrechtes betrifft, wird also unter dem Uebergewicht der Arbeiter und ohne Beteiligung der Arbeitgeber angenommen werden, so daß seine Durchführung in der Praxis große Schwierigkeiten ergeben dürften. Man wird also der Assefath Haniwcharim keine gute Prognose stellen können. Fragen der ״Hohen Politik“ werden wahrscheinlich in den Sitzungen eine große Rolle spielen, und die Opposition wird sich keine Gelegenheit entgehen lassen, die Bühne des ״jüdischen Parlaments“ zur Propaganda ihrer Theorien und politischen Ziele zu benutzen. Sie werden das mit umso größerer Verve tun als sie, wie aus ihrer Presse hervorgeht, den Erfolg in den Wahlen nur als einen Schrittstein auf dem Wege zu größeren Eroberungen ansehen. Auch außenpolitisch ist das Wahlresultat von Bedeutung. Eine ganze Reihe arabischer Blätter hat während der Wahlkampagne einen revisionistischen Sieg herbeigewünscht. Sie gingen dabei von der Ueberzeugung aus, daß ein revisionistischer Erfolg die Stellung der Juden England gegenüber noch mehr verschlechtern würde und daß die Revisionisten im Grunde nur das laut sagen, was alle Zionisten wollen, so daß bei ihrem Sieg sie es mit einer eindeutigen zionistischen Linie zu tun haben würden. Es kommt nicht darauf an, ob an •diesen Ansichten etwas Richtiges ist oder nicht. Symptomatisch ist ihr Bestehen und die Gedankengänge, die sich an sie knüpfen. Sie zeigen wieder, wie jeder innerjüdische Kampf auch außerhalb des Lagers sein! Spur zurücklißt. fl Die Schuldhaft ln Palästina Die ״Official Gazette“ vom 1. Januar veröffentlicht den Entwurf einer neuen Verordnung über die Schuldhaft, die dieses Rechtsinstitut trotz der von vielen Seiten daegen erhobenen Einwände auch weiterhin in Kraft beäßt Nadi der Verordnung kann künftig durch den obersten Vollstreckungsbeamten Schuldhaft in folgenden Fällen verhängt werden: a) Wenn der Schuldner einem Urteil über die Zahlung von Alimenten oder Unterhaltsgeldern usw. nicht nachkommt: b) Wenn der Schuldner in einer Strafsache der Zahlung der Strafe, der Gerichtskosten usw. nicht nachgekommen ist; c) Wenn der oberste Vollstreckungsbeamte überzeugt ist, daß dem Schuldner vom Tage der Verkündung des Urteils an genügend Mittel zur vollen oder teilweise!! Tilgung der Schuld zur Verfügung standen, er aber keine Zahlung geleistet hat; d) Wenn der Schuldner aut.dem Wege von Schenkungen oder Eigentumsübertragungen eine Befriedigung des Gläubigers verhinderte; e) Wenn der Vollstreckungsbeamte Grund zu der Annahme hat, daß Fluchtverdacht vorliegt. Mit Ausnahme des Falles unter b) darf die Haft nicht länger als 21 Tage dauern. Niemand kann für die gleiche Schuld wiederholt in Haft genommen werden. Jedoch hat der Gläubiger das Recht, auch nach Ablauf der Haft eine Pfändung des Schuldners vorzunehmen. Auf Personen unter 18 Jahren, auf Geistesschwache und auf pensionsfähige Regierungsbeamte findet die Verordnung keine Anwendung. Nach der palästinensischen Presse bringt die neue Ver- Ordnung eine bedeutende Verschlechterung für den Fellachenschuldner, der bei Inkraftreten des Entwurfes dem Gläubiger schutzlos ausgeliefert ist. (Ziko ) Presseschaii Im Dezemberheft der ״Sozialistischen Monatshefte“ veröffentlicht Julius Berger einen überaus interessanten und instruktiven Artikel ״Der Versuch einer Kleinsiedlung in Palästina und sein Gelingen“. Der Verfasser gibt dann einen eingehenden Bericht über die im Jahre 1921 von einer poale-zionistischen Gruppe gegründete Arbeitervorstadt von Tel-Awiw ״Schchunath Borochow“. Die Vorstadt besteht aus einer Bodenfläche von 640 Dunara des Jüdisehen Nationalfonds, worauf 219 Siedlerstellen vorgesehen sind, von denen 135 bereits besetzt sind. Die Einwohnerzahl beträgt 500, davon 174 Kinder. Die meisten Siedler haben ihre Hauptbeschäftigung in Tel-Awiw und beziehen aus ihrer Wirtschart ein zusätzliches Einkommen. Ein Großteil der Häuser wurde ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel errichtet. Heute beträgt das Durchschnittsvermögen des Siedlers £ 161. Die Hauptgründe für den Erfolg der Siedlung sieht Berger, abgesehen von der glücklichen Kombination städtischer feerufsarbeit mit vorstäatischer Landsiedlung, in der Finanzierung der Wirtschaft durch die Siedler selbst unter Ausscnaltung der Oeffentlichen Hand. Es wurden die konstruktiven Kräfte und die wirtschaftliche Verantwortung der Siedler geweckt und strenge ökonomische Prinzipien angewendet Gemäß dem Auftrag des letzten Zionistentages wurde am 6. Januar in Mährisch-Ostrau bei Teilnahme von über 100 Delegierten und Gästen die Jüdische Partei für die ganze Tschechoslowakei gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Emü Margulie* «wählt