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Jüdische Rundschau · 1931-01-13 · Heft 3 (13.1.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 3 (13.1.1931)
Date
1931-01-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 16 Nr. 3, 13.!.1931 JU EDI SC HE RUNDSCHAU offen und versteckt der Vorwurf laut, daß Weizmann die zionistische Sache verrät, daß schon die bloße Tatsache der Verhandlungen mit der Regierung eine Preisgabe des Zionismus sei, daß die Exekutive sich künstlich an der Macht halten will usw, usw. Sogar der Waad Leumi, also doch eine wenigstens offizielle verantwortliche Körperschaft, hat solche Töne erklingen lassen. Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß wir mit diesen Kundgebungen nicht iibereinstimmen, aber man muß anerkennen, daß hierdurch eine Atmosphäre geschaffen wird, die die zio* nistische Sache noch weit mehr schädigen kann als eine noch so schlechte Situation der zionistischen Finanzinstitutionen. ln ihrem heutigen labilen Zustand kann sich die zionistische Bewegung auch nicht leisten, die seit zwölf Jahren wichtigsten politischen Entscheidungen in einer Weise durchführen zu lassen, daß nachher das ganze Volk, irregeführt durch falsche Propheten, die Meinung hat, nicht mir von England, sondern auch von den eigenen Führern betrogen und verraten zu sein. Wir haben in der ״Jüdischen Rundschau“ der Einsetzung des Politischen Komitees zugestimmt, weil wir von einer Zuziehung oppositioneller oder halboppositioneller Elemente eine Verbreiterung der Basis der Verantwortung erhofft haben. Die ״Jüdische Rundschau“ schrieb damals am 11. November: ״Es könnte daraus eine günstige Rückwirkung auf die vielfach desorientierten Anhänger dieser Gruppen resultieren, die jetzt durch ihren eigenen Vertrauensmann über die wirklichen politischen Realitäten aufgeklärt werden können.“ Leider hat aber an dem Politischen Komitee unseres Wissens nur der Vertreter der Radikalen, Dr. Goldmann, mitgearbeitet. Die anderen beiden — man darf wohl ohne Herabsetzung der Radikalen sagen: bedeutend wichtigeren — Gruppen, nämlich der Waad Leumi und die amerikanischen Zionisten, haben sich ferngehalten und nichts getan, als Mißtrauen gesät. Wir haben mehrmals gegen diese Situation Stellung genommen und gefordert, daß die Exekutive diese beiden Gruppen zur Mitverantworturg zwinge, sogar, falls sie in ihrer Ablehnung verharren, ihnen die ganze Verantwortung aufbürde. Geschieht dies nicht, dann würde durch die irmerzionistischen Reibungen auch ein relativ günstiges Verhandlungsergebnis — daß ein hundertprozentiger ״Sieg“ unerreichbar ist, weiß doch jeder — wertlos gemacht werden. Ohne diese innerzionistische Verwirrung wäre unseres Erachtens die vorzeitige Einberufung des Kongresses völlig überflüssig gewesen, ein Weiterschleppen dieser Schlei:!:enden Krankheit kann für den Zionismus fatal werden. Verantwortungsbewußte Zionisten müßten heute gegen Abhaitung eines Februar-Kongresses sein. Es ist aber unmöglieh, die. Verantwortungsfreudigkeit so weit zu treiben, daß man einem politischen Freibeutertum dadurch immer neue Waffen liefert. Auch glauben wir, daß unter den heutigen Umständen eine fruchtbare Aktion zur Rettung des Palästinawerkes außerordentlich erschwert würde, da ja bei eiaer VersfehfÄaug des Kongresses die Diskreditierung der Führung wahrscheinlich noch weitere Fortschritte machen würde. Die Verantwortung liegt also unseres Erachtens dieses Mal nicht bei derMehrheitspartei, sondern bei der Opposition, deren wichtigste Gruppen keineswegs die Revisionisten sind, sondern die amerikanischen Zionisten, die Allgemeinen Zionisten Palästinas und Polens, sowie die Mehrheit des Misrachi. Hierzu kommt noch die kleine radikale Gruppe, die gerade jetzt eine wichtige vermittelnde Funktion erfüllen könnte. Genau so wie wir, wissen auch die hier aufgezählten Faktoren, was ein Kongreß bedeuten und was er zerstören könnte. Die Initiative liegt in i h r e n Händen. Die Mehrheitsparteien können unseres Erachtens nicht daran interessiert sein, eine Verschiebung des Kongresses gegen die hier erwähnte oppositionelle Front durchzusetzen. Darum sagten wir in der vorigen Nummer, daß eine nur von der Exekutive und den Mehrheitsgruppen ausgehende Verschiebung des Kongresses angesichts der inneren Des- Orientierung und der vergifteten Atmosphäre ein schwerer Fehler wäre. Das bedeutet nicht, wie manche Leser mißverstanden haben, daß wir die für eine Kongreß-Verschiebung sprechenden Gründe nicht in ihrer ganzen Schwere erkannt haben; vielmehr bedeutet es, daß wir uns dagegen aussprechen, den andern Elementen im Zionismus das Spiel gar zu sehr zu erleichtern, indem auch dieses Mal wieder wir die Verantwortung auch für die weitere Entwicklung der Ereignisse auf uns nehmen, die in diesem kritischen Moment alle Teile der Bewegung zu tragen haben. Das A.-C. und die Exekutive werden diese ganze Situation von allen Seiten in Erwägung zu ziehen haben, bevor sie den Entschluß fassen, ob der Kongreß' im Februar sein soll oder nicht. * ■ Geber die Haltung der Parteien auf der nächsten Sitzung des Aktions-Comitds sind bereits gewisse Mitteilungen der Oeffentlichkeit übergeben worden.' Die Revisionisten sind natürlich ihrer ganzen Parteistellung nach gezwungen, aut Abhaltung des Kongresses zu bestehen, selbst wenn es ihnen nicht durchaus erwünscht wäre, daß ihre Forderung von der Mehrheit akzeptiert wird. Aber auch die Radikalen Zionisten Polens haben in einem Communiqui? erklärt, daß sie ״trotz aller schweren Bedenken, die durch die finanzielle Notlage bedingt sind“, auf der Abhaltung des Kongresses im Februar bestehen. Sollte die _ Mehrheit des Aktions-Comites eine Verschiebung beschließen, dann würden die Radikalen ihren Vertreter (Dr. Oöldmann) aus der Politischen Kommission zurückziehen. Gegenüber dieser Haltung des polnischen ״AI Hamischmar“ hat die andere Gruppe der Allgemeinen Zionisten Polens, die ״Eth Liwnot“, *die im letzten Jahre gleichfalls eine scharfe Oppositionsstellung gegen die Exekutive im Bunde mit den Revisionisten eingenommen hat, beschlossen, einer Verschiebung des Kongresses zuzustimmen. Eine diese Woche verbreitete Nachricht, daß der Führer des Misrachi, Rabbi Meier Berlin, seine Stelle in der Exekutive der Jewish Agency und in der Zionistischen Exekutive niedergelegt hat, wurde am nächsten Tage bereits durch die Meldung überholt, er habe seine Demission wieder zurückgezogen, im Gegensatz zu den nach seiner Demission verbreiteten Gerüchten wird in der zweiten Meldung ausdrücklich festgestellt, daß die Demission nichts zu tun hat mit Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Verhandlungen mit der britischen Regierung. Es handelt sich offenbar um Unstimmigkeiten der formalen Geschäftsführung innerhalb der Exekutive, und es wäre nicht nötig, in so erregten Zeiten derartigen aus Verärgerung entstandenen Eintags-Demissionen gleich so weite Publizität zu geben. Wie schwierig die Situation psychologisch für die Exekutive ist, zeigt u. a. die Haltung des Londoner ״Jewish Chronicle“, der die Gründe der Einberufung des Aktions- Comitcs kritisch betrachtet und dann fortfährt: ״Was wirklich hinter dieser Geld und Energie verschlingenden Einberufung steckt, ist der erneuerte Versuch, die gegenwärtige Führerschaft ander Macht zu halten. Man hofft, wenn der Kongreß verschoben wird, werde die Exekutive imstände sein, hinreichende Konzessionen von der Regierung zu erhalten, die Differenzen in der Agency auszugleichen und die Wahlen in der ihr gewünschten Richtung zu beeinflussen. Die gegenwärtige Stimmung der jüdischen Oeffentlichkeit gibt der Zionistischen Exekutive wenig Hoffnung, daß die Dinge so bleiben werden, wie sie sind. Es ist aber zweifelhaft, ob es der Exekutive gelingen wird, das Aktions-Comlte zur Ver- Schiebung des Kongresses zu bewegen, da der Misrachi, die Revisionisten, die Radikalen und eine beträchtliche Zahl der Allgemeinen Zionisten dafür sind, die gegenwärtigen ungeordneten Verhältnisse in der Bewegung zu beenden. Falls das Aktions-Comitö den Antrag der Exekutive aut Verschiebung des Kongresses ahlehnt, dürfte diese zurücktreten und es dem Aktions-Comite überlassen, eine provisorische Exekutive zur Führung der Geschäfte bis zum Kongreß einzusetzen.“ Richard L i c h t h c i m hat an die Exekutive der Zionisti׳ sehen Organisation in London ein Schreiben gerichtet, worin er gegen die Einberufung des Aktions-Comites protestiert und die unbedingte Abhaltung des Kongresses fordert. Die neue Asselath Niwcharim Wachstum der Arbeiterpartei und der Revisionisten Jerusalem, 8. Januar. (J.T. A.) Bei den Wahlen zur Assefath Haniwcharim hat die A r b ei t e r pa rte i von den insgesamt abgegebenen 48124 fl925: 33 813־) Stimmen 22 336, also 46 °/0, auf sich vereinigt, und zieht als stärkste Partei in die neue Nationalversammlung ein. Bei den Wahlen 1925 entfielen auf die Arbeiterliste 43 <0/י der abgegebenen Stimmen. Die zweitstärkste Partei in der neuen Nationalversammlung, die Revisionisten, haben den s'ärksten Stimmenzuwachs gegenüber 1925 zu verzeichnen. Während sie• J925 nur 7 ס/י׳ der abgegebenen Stimmen erhalten haben, sind diesmal 20 ס/י׳ aller Stimmen auf die Jabotinsky-Liste entfallen. Die endgültigen Ziffern stehen jedoch noch aus. In Tel-Awiw erhielt die Arbeiterpartei 6391 Stimmen, die Revisionisten 4337, der Misrachi 1663, die Allgemeinen Zionisten 1304, die Frauenliste 573, die Jemeniten 775, die Linken Poale Zion 239, die Rechten Poale Zion (Borochow-Liste) 377 und die Kommunisten 189 Stimmen. In Petach Tikwah wurden für die Arbeiterpartei 1258, für die Revisionisten 548 und für den Misrachi 278 Stimmen abgegeben. — Die Allgemeinen Zionisten haben 5 (nicht 4) Mandate erzielt. Bestattaog Mohamed Alis ln Jerusalem? Der soeben in London verstorbene Führer der indischen Mohammedaner, Mohamed Ali, die prominenteste Figur jener indischen Kalifatsbewegung, die zur Zeit der Friedenskonferenz bei der englischen Regierung mildere Friedensbedingungen für die Türkei durchsetzen wollte, hat sich im letzten Jahre aktiv an der antizionistischen Bewegung beteiligt. Er hat sowohl an der Organisierung der bekannten Kundgebung der indischen Mohammedaner in Bombay zuunsten der palästinensischen Araber teilgenommen, als auch ürzlich in London eine Rede gehalten, die sich entschieden gegen die jüdischen Aspirationen wandte. Dabei erzählte er, es habe ihn kürzlich, ein zionistischer Abgesandter in Indien besucht und ihm Geld angeboten, damit er seine Haltung ändere. Er wandte sich gegen die in zionistischen Kreisen aneblich herrschende — beleidigende — Auffassung, daß man ie Mohammedaner oder Araber durch Geldgeschenke zur Preisgabe ihrer Ideale bewegen könnte. Londoner Zeitungen melden, es bestehe die Absicht, die Leiche Mohamed Alis nach Palästina zu überführen und in der Omar-Moschee in Jerusalem beizusetzen. Damit solle dem Verstorbenen als Anerkennung für sein Wirken im Dienste des Islam die ״höchste Ehre, die die moslemische Welt überhaupt zu vergeben hat“, erwiesen werden. Die Anregung hierzu geht vom Groß -Mufti von Jerusalem aus. Es wäre der erste Fall, daß ein Inder in der Omar-Moschee bestattet wird. Es heißt, daß der Sarg nach Port Said geführt und dort von einer großen Menge erwartet werden wipd, die die sterblichen Ueberreste ihres großen Glaubensgenossen in einem Pilgerzug nach Jerusalem bringen wird. Durch die Bestattung Mohamed Aüs in Jerusalem soll wohl der Charakter Jerusalems als mohammedanischen Zentrums demonstrativ unterstrichen und auch die Verbindung zwischen indischen und palästinensischen Mohammedanern enger geknüpft werden. Insofern kommt diesem Akt eine große politische Bedeutung zu. Hotel ״King David“ in Jerusalem. Der Neubau des Hotel ״King David“ in Jerusalem ist am 20. Dezember eröffnet worden. Das Hotel, das 200 Zimmer und eine Reihe von Sälen, Konferenzzimmern, Gesellschaftsräumen usw. enthält, ist mit den modernsten Küchen- und Kellereinrichtungen versehen. Der technische Betrieb Ist durchgehend elektrifiziert und nach den modernsten europäischen Vorbildern eingerichtet. Die Ausstattung der Wohn- und Gesellschaftsräume ist in reichem orientalischen Geschmack gehalten, wobei antike Ornamente aus verschiedenen Stilen des Vorderen Orients Verwendung fanden. Die Gesamtkosten des Baues und der Einrichtung belaufen sich auf 250 000 Pfund. Die Mittel dafür wurden durch den Economic Board for Palestine, die Palestin e Economic Corporation und einer ägyptischen Finanzgruppe aufgebracht. Das Mobiliar des Hotels ist zum größten Teil in Palästina hergestellt worden. (Ziko.) Afghanische Juden in Palästina. Eine Gruppe von 20 jüdischen Emigranten aus Afghanistan war eine Woche lang gezwungen, im palästinensisch-syrischen Grenzgebiet hinuna herzuwandern, da ihr weder in Palästina noch in Syrien die Niederlassung gestattet wurde. Nunmehr ist es der Jewish Agency gelungen, von der Palästina-Regierung die Einwanderungserlaubnis für eine vierköpfige Familie und zwei Einzelpersonen aus dieser Gruppe zu erlangen. Die übrigen Mitglieder der Gruppe haben von den französischen Behörden die Erlaubnis bekommen, sich vorübergehend in Damaskus aufzuhalten. Dir. Oscar Wassermann in Polen (Von unserem Berichterstatter) —g. Warschau, 6. Januar. Es war eine gelungene Idee, zum diesjährigen Keren Hajessod-Drive in Polen Dir. Wassermann einzuladen. Das polnische Judentum, das sich jetzt in einer furchtbaren Ökonomischen Lage befindet, und das trotz der harten Schläge der letzten Zeit an Palästina keinen Augenblick verzweifelte, ist auch jetzt in seiner überwiegenden Mehrzahl bereit, für unseren Aufbaufonds das Möglichste zu leisten. Die Mittel, über die die jüdische Volksmasse hier verfügt, sind aber beschränkt Es handelt sich darum, die finanziell Stärkeren zur Hilfs- und Opferbereitschaft zu bewegen. * Die sogenannten ״Nichtzionisten“, die der polnischen Sektion der Jewish Agency angehören, haben zwar seit Zürich einige Kräfte aktiviert, jedoch nicht die Stärke offenbart, die mit Recht von ihnen erwartet wurde und verlangt werden konnte. Es gilt, die ״Praktischen“ unter ihnen, die Zweifler, wieder an die Realitäten des heutigen jüdischen Lebens zu erinnern und die harte Notwendigkeit der Palästinalösung und die damit verbundenen Pflichten der Gesamtjudenhcit überzeugend nachzuweisen. Direktor Wassermann war dazu außerordentlich prädestiniert Das deutsche Judentum und dessen führende Männer erfreuen sich hier hoher Wertschätzung, und die unermüdliche Tätigkeit und enormen Leistungen Direktor Wassermanns für den Aufbau Palästinas sind hier gut bekannt. Gerade in den Kreisen der polnischen Nichtzionisten, der jüdischen Hochfinanz und der jüdischen Intellektuellen fanden die tiefdurchdachten, überzeugenden Worte Wassermanns starken Widerhall. Dir. Wassermann, der in Polen zwei Tage verbrachte, wurde, wie schon berichtet, zunächst von dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Warschau feierlich empfangen. Auf einem Teeabend im Hotel Bristol versammelten sich auf die Einladung der polnischen Repräsentanz der Jewish Agency und des Direktoriums des Keren Hajessod die namhärtesten Vertreter der jüdischen Gesellschaft in der Hauptstadt Polens. Der Vortrag Dir. Wassermanns übte auf sämtliche Anwesenden eine kolossale Wirkung aus. Es stellte sich heraus (was nur manche hier vorher begriffen), daß die Problcmatik des jüdischen Lebens im wesentlichen in West- und Osteuropa dieselbe sei. So verstanden die Anwesenden den Vortragenden ausgezeichne‘. und im Innern srimmten sie mit ihm überein, als er von der Zerrissenheit und der Untergangsgefahr der Jude nheit sprach, als er den Antisemitismus in seinen letzten Erscheinungen scharf analysierte, die Lebensrä' igkeit des jüdischen Volkes rühmte und überzeugend darlegte, warum mit eiserner Notwendigkeit der einzige Rettungswegim Schaffen eines jüdischen Zentr u s inPalästina zu suchen sei. Dir. Wassermann verheimlichte die Schwierigkeiten und Störungen der letzten Zeit gar nichf, wies aber eindringlich nach, daß gerade diese ungünstige Situation es von unserer Generation erfordert, Mut und Ausdauer, größte Opferbereitschaft zu manifestieren, da nichts weniger auf dem Spiele stehe als die Ehre des jüdischen Volkes. Wassermann schloß mit einem heißen Appell an die Versammelten, die er dem Geschlecht der Wüste verglich, Palästina, dessen wunderbare Entwicklurg er in prächtigen Farben schilderte, energisch, mit verdopnelten Kräften und Mitteln zu helfen. Präs. Farbstein, Dr. Goldflamm, Prof. Schorf und Dr. Schleicher (Lemberg), die den illuitren Gast des polnischen Judentums in dessen Namen begrüßten, versichert len :Dif.?Wassermann, daß ׳seine Mühe liicnt vergebens werde. Dir. Wassermann bekam Gelegenheit, die bekannte Chaluzfarm in Grochow bei Warschau und das schöne jüdische akademische Heim in Warschau zu besichtigen. Auf der Rückreise nach Berlin besuchte Dir. Wassermann auch Lodz, wo er im Kreise der jüdischen Industriellen, die im Hause des Herrn Ejtingon versammelt waren, neue Freunde der Palästinaidee zutührte. Es ist dem unermüdlichen Dir. Leib Jaffe zu danken, daß er in Sorge und Liebe für die Sache des Keren Hajessod durch Arrangierung dieses wertvollen und fruchtbaren Besuches von Dir. Wassermann der diesjährigen Arbeit für unseren Aufbaufonds neuen Ansporn gab. Die Konsolidierung der Keren Ha^essod-Siedhrogen Wenn auch wegen der mangelnden Eingänge des Keren Hajessod die Auszahlung dies Konsolidierungs-Budgets an die Siedlungen erst zu einem geringen Teil erfolgen konnte, so sind doch in den letzten Monaten eine Reihe von Maßnahmen getroffen worden, die diese Siedlungen der Konsolidierung näher bringen. Besondere Fortschritte sind hinsichtlich des Abschlusses von Verträgen mit den Siedlern erzielt worden. Das Kolonisations-Departement der Jewish Agency hat in den, letzten Monaten mit den Siedlungen Kinereth Daganiah A Daganiah B Herzlia Magdiel Ben Schemen Nachlath Jehuda Gederah Kfar Gun Tel Josef Chefzibah Gewa Jadjur Kirjath Anawim Atharot Beer Tuwia (frühere Siedler) Verträge abgeschlossen, in denen definitiv die Höhe der noch für die Konsolidierung jeder Siedlung erforderlichen Anleihen festgestellt wurde. Diese Abkommen werden in den eigentlichen Ansiedlungsvertrag, der mit jeder Siedlung abgeschlossen wird, aufgenommen werden. Was den Vertrag selbst angent, so sihd die Verhandlungen über seinen endgültigen Text und seine Bedingungen abgeschlossen worden. Die früheren Entwürfe werden vollständig umgeändert. Die Klausel über die Teilnahme von ״Nir“ als dritten Vertragspartner wurde gestrichen, während die Bestimmungen über die Selbstarbeit so gefaßt wurden, daß sie dem Farmer erlauben, fremde Arbeitskräfte zu beschäftigen, wenn dies die landwirtschaftliche Saison erfordert Die Bedingungen für die Rückzahlung der Kredite im Emek sind daher jetzt gemeinsam mit den Siedlern fol- ־ 1 - ■ * ׳-״״ ’? weiden keinerlei Zaniungen tur Amortisation oder Zinsen verlangt Während weiterer 10 Jahre sind nur Zinsen in Höhe von 2 0/0 zu entrichten. Danach müssen während eines Zeitraumes von 40 Jahren Zahlungen für Kapital und Zinsen zusammen geleistet werden. Die Gesamttilgung wird also vom Zeitpunkt der Auszahlung des Siedlungskredites an 54 Jahre dauern. Bis Mitte Dezember sind aus Palästina 500000 Kisten Orangen zum Export gekommen, davon wurden 305 CK» Kisten (Vorjahr 257 000) direkt nach England verschifft, 78000 Kisten (Vorjahr 30 (X») gingen über Port Said, während 115 000 Kisten (Vorjahr 67000) nach dem europäischen Kontinent verschifft wurden. Der größte Teil der nach dem Kontinent verschifften Kisten war für Deutschland bestimmt.

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