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Jüdische Rundschau · 1931-01-13 · Heft 3 (13.1.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 3 (13.1.1931)
Date
1931-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Diskussionsbasis für fMisdh-mabis&e Verhandlungen I'U! Einzelnummer 0,23 Goldmark ■kn ■V14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag uäFreitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5.75 Goldmark, AusUcdeaHotuiRtaenM werden In der Wthrang der einielneo Linder berechnet. Anreigenpreia: 8 ga*p. Nonpeiefflezefle 030 G.-M. Stellengeitndie 0,25 G-M Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung; Jüdische Rundschau G.tn.b. H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J I Bismarck 7165-70. AztzeigectöchlaB: Dienstag t! b d Freitag nachmittag« 4 U br Pf**t#check ״ Konten! Berlin 17392* Basel V <5*355. Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig!973, Haag I4Ö47Ö, 59410, Riga 4155. Strassbure 164 30. Warschau!90708, Wien 156030. Bank ״Konten : Parrnstadter- und N1״tion*lh*nk» Depositen *Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52; Bane« de Hst. Omuuti (Rutnämen); Anglo Palestine Co, in Haifa, Jerusalem, Tel -Aviv. Nummer 3 | Berlin, 13.1.1931 Redaktionsschi u£ Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ד טבח תרצ״א | xxxvl Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm." Nathan Straus Unmittelbar nach Lord Meleliett ist nun wieder eine führende Persönlichkeit des Weltjudentums dahingerafft worden. Aus New York kommt die Nachricht, daß das amerikanische Judentum, das sich in diesen Tagen anschickt, Felix Warburgs 60. Geburtstag festlich zu begehen, in tiefe Trauer versetzt worden ist: Nathan Straus, der große Philanthrop und Zionist, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nathan Straus stammt aus deutsch-jüdischer Familie, die aus der Rheinpfalz nach Amerika ging. Die drei Brüder Straus nahmen bald im amerikanischen Wirtschaftsleben eine hervorragende Stellung ein. Isidor Straus ist bekanntlich ' bei dem Untergang der ״Titanic“ umgekommen. Oskar, seinerzeit amerikanischer Botschafter in der Türkei, ist vor fünf Jahren gestorben, und nun ist auch Nathan in hohem Alter verschieden. Der Verstorbene widmete sich — zusammen mit seiner Gattin — seit Jahrzehnten vor allem der Kinderhilfe und Krankenfürsorge. Abgesehen von seinem Vaterland Amerika, wo er zahlreiche Institutionen schuf, galt sein Interesse in erster Reihe Pa Uis t i n a. Schon vor dem Kriege hat er in Jerusalem die bekannten Volksspeisungsanstalten, die allen Armen ohne Unterschied der Konfession zugänglich waren, gegründet. Ebenso schuf er damals bereits ein medizinisches Forschungsinstitut in Jerusalern. Während des Krieges hat er der notleidenden Bevölkerung Palästinas in großzügigstem Maße Hilfe geleistet. Es würde zu weit führen, alle charitativen Schöpfungen Nathan Straus' liier aufzuführen, erwähnt sei nur, daß er der erste war, der 1926 nach dem Erdbeben 5000 Pfund für die (ausschließlich arabisehen) Opfer nach Palästina überwies. 1929 wurde der stolze Bau des Nathan- und Lina-Straus Gesundheitszentrums in jerusakm eröffnet Für den Keren Hajessod hat Straus alljährlich größere Summen gespendet, er war stets unter den ersten Subskribenten. Nathan Straus ist Ehrenpräsident der Zionistisehen Organisation Amerikas. Bei der Gründungs- Versammlung der erweiterten Jewish Agency in Zürich wurde er zum Ehren-Vizepräsidenten der Agency (Eliren-Präsident ist Baron Edmund Rothschild) gewählt. Wie er in seinen Wohlfahrtsinstitutionen dem Humanitätsideal tätig diente, so hat er sich seit Jahren für ein gutes Einvernehmen und für Zusammenarbeit von Juden und Arabern eingesetzt. Vor zwei Jahren sandte er den ihm nahestehenden Pazifisten, Priester der Community Church, John Haynes Holmes, nach Palästina, der dann das bekannte Buch über Palästina schrieb. 1921 hatte Straus sich der Brandeis-Gruppe angeschlossen, kehrte jedoch nach kurzer Zeit zu aktiver Mitarbeit in der Zionistischen Organisation und dem Keren Hajessod zurück. Das Ableben von Nathan Straus wird in Palästina große Trauer hervorrufen. Aber auch in anderen Teilen des Weltjudentums wird man das Andenken an diesen großen Menschen und Juden in Ehren bcwahren. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland sandte an die Zionistische Organisation Amerikas ein herzliches Beileidstelegramm. Fcfe War bürg 60 Jahre Der 60. Geburtstag Felix Warburgs ist ein Anlaß, diese Persönlichkeit, die in den letzten Jahren zu einer internationalen Führerstellung in der jüdischen Welt aufgerückt ist, gebohrend, zu feiern. Es ist kein Zweifel, daß die amerikanische Oeffentlichkeit und besonders das amerikanische Judentum an diesem Tage dem Jubilar zu zeigen bemüht sein wird, welcher Wertschätzung er sich erfreut und welche Resonanz sein jahrelanges hingebungsvolles Wirken im Dienste der Menschlichkeit und des Judentums in den breitesten Volksschichten geweckt hat. Aber mehr noch als für Amerika bedeutet Felix Warburg für das jüdische Volk. Einer alten deutsch-jüdischen Familie entstammend, die sich in rastloser Arbeit eine immer größere wirtschaftliche Position geschaffen hat, ist Felix Warburg schon durch seine persönliche Verbindung mit dem Hause des großen amerikanisch-jüdischen Philanthropen Jacob H. Schiff — dessen Tochter Frieda Warburgs Gattin ist — in die Traditionen großzügiger jüdischer und allgemeiner Wohlfahrtsarbeit hineingezogen worden. Schon vor dem Kriege war er bei großen Woh|fahrtsunternehmungen des amerikanischen Judentums führend beteiligt. Zu größerer Geltung gelangte er jedoch, während des Krieges durch die Uebemahme des Vorsitzes im Joint Distribution Committee, jenem großen vereinigten amerikanischen Hilfs-Komitee für die jüdischen Kriegsopfer Europas, das ein beispielloses Hilfswerk in Osteuropa aufgebaut hat und dessen Tätigkeit ein großer Teil des osteuropäischen Judentums seine Weiterexistenz verdankt. Wohl noch nie in der Geschichte ist eine Wohlfahrtsarbeit von derartigen Dimensionen geleistet worden, und diese ist mit War* b״rgs Namen verknüpft. Die entscheidende Wendung im Leben Felix Warburgs vollzog sich jedoch, als sein Interesse für das Jüdische National{!ein! in Palästina erwachte. Dem Kreis des American Jewish Committee angehörend und in alten assimilatorischen Gedankengängen aüfgewachsen, war Fejix Warburg Antizionist und Gegner des jüdischen Palästinaaufbaus. Noch unmittelbar nach dem Kriege hat er sich wihrend einer Europareise eindeutig ablehnend über Palästina geaußert. Zwischen 1922 und 1925 kam dann die Wandlung. Dr. Weizmann hat damals während seiner alljährlichen Palästinareisen das ganze amerikanische Judentum in seinem Bann gezogen, auch widerstrebende Elemente mußten sich mit Palä.stina beschäftigen, der hochgehende Enthusiasmus riß auch die Führer jener Gesellschaftsschicht mit sich, die bisher abseits der jüdischen Volksfragen stand. Die Entwicklung der Dinge in Amerika, der wachsende Antisemitismus, die Sperrung der Einwanderung, die Zuspitzung der Judenfrage in der Welt, all dies trug dazu bei, ein allmähliches Umdenken zu fördern. Zusammen mit Louis Marshall kam auch Felix Warburg unter den Einfluß der Weizmannschen Propaganda. Er entschloß sich, nach Palästina zu fahren, und das lebendige Palästina hat ihn besiegt. Felix und Frieda Warburg wurden von der mag!• sehen Kraft dieses Landes und des neuen Judentums erfaßt. Seit dieser Zeit ist Warburg eine der Stützen der Palästina- Bewegung. An dieser Stelle, wo so oft Warburgs Reden und Wirken geschildert wurden, ist es unnötig, Einzelheiten zu wiederholen. Die erste große Institution, die sein persönliches Interesse fand, war die Hebräische Universität Jerusalem. Es gelang Dr. Mägnes, der seit Jahren mit Warburg freundschafflich verbunden ist, eine Stiftung von 500 000 Dollar für die Universität von Warburg zu bekommen. Später hat er sich am Keren Hajessod, an der Palestine Economic Corporafion und vielen anderen Palästina-Institutionen beteiligt. Seit dem Tode Marshalls ist Warburg der Führer der in der Jewish Agency vertretenen amerikanischen Nichtzionisteo. Er hat in allen schwierigen Situationen der letzten zwei Jahre mit unerschütterlicber Treue zu der einmal als richtig erkannten Idee seinen Einfluß und seine Aktivität zugunsten des jüdischep Palästinawerkes eingesetzt. Daß seine führende Teilnähme an dem Werke der Jewish Agency gerade in eine Zeit fällt, wo nicht nur das Palästinaproblem besonders verwickelt erscheint, sondern auch die ungünstige Weltlage die Arbeit sehr erschwert, ist nicht Warburgs Schuld; er ist sich selbst wohl dessen bewußt, daß diese — hoffentlich vorübergehende — außerordentliche Situation auch eines außerordentlichen Aufwandes an Energie und Leistung erfordert. Durch seine •V WfßMB gm Bekehrung ■zum Palästinagedanken ist Felix Warburg heute an seinem 60. Geburtstag zu einer allseits gekannten und verehrten Mittelpunkts-Figur des ganzen jüdischen Volkes geworden. Aus allen Ländern der Zerstreuung und nicht zuletzt aus Palästina selbst wenden sich die Blicke auf ihn und in die vielen Gratulationen, die ihm zuteil werden, mischt sich der Wunsch, ihn noch lange an der Arbeit für das Jüdische Nationalheim m wissen, auf daß es ihm vergönnt sei, die Früchte dieser seiner vielfachen Arbeit für das jüdische Volk reifen und sich entfalten zu sehen, * Herr Blumenfeld hat namens der Zionistischen Vereinigung ein Glückwunschtelegramm an Herrn Felix Warburg gesandt. Kongreß oder nicht? Zur Sitzung des A.-C. Je näher die Sitzung des A.-C. rückt, die Mittwoch in London eröffnet wird, desto klarer wird es, daß die Hauptfrage, die zur Entscheidung steht, die Frage nach A b h a 1tung oder Verschieb ungdesKongresses ist. Von einer ganzen Reihe einflußreicher zionistischer Gruppen ist bereits in aller Form der Antrag auf Verschiebung des Kongresses formuliert worden, z. B. von den Arbeiter* Parteien, aber auch die amerikanischen Zionisten sind unsercs Wissens gegen den Kongreß, und fest steht bereits heute, daß eine Abhaltung der Council - Tagung der Agency im Anschluß an einen Februar-Kongreß gar nicht in Betracht kommt, da die amerikanischen nichtzionistisehen Agency-Mitglieder nicht kommen werden. Zwei Argumente werden vor allem ins Treffen geführt: erstens meint man, daß die Beziehungen der Jewish Agency zur englischen Regierung bis 24. Februar keineswegs so geklärt sein werden, daß ein Kongreß die Möglichkeit hätte, die vcrantwortungsschvvere Frage der Art der künftigen Zusammenarbeit mit England oder aber des bekanntlich von vielen Seiten vorgeschlagenen Abbruches der Be- Ziehungen zu England zu entscheiden. Zweitens aber spräche gegen Abhaltung des Kongresses die Verschärfang der Finanzlage der Jewish Agency, die es als Gebot der Stunde erscheinen ließe, alle verfügbaren Kräfte zur Abwehr der drohenden Finanzkatastrophe einzusetzen und die Monate Januar, Februar, März statt für Kongreß- Wahlkämpfe für eine große Finanzaktion zu verwenden. In dieser Beziehung sind bereits manche Pläne erwogen und geäußert worden, z. B. die Entsendung einer europäischen Delegation zu der am 25. Januar in Amerika beginnenden Palästina-Kampagne, die in diesem Jahre wegen der amerikanischen Wirtschaftskrise unter besonders schwierigen Verhältnissen zu arbeiten haben wird, zumal die inneren Kämpfe im amerikanischen Zioniipu# wif»־ TTOttnief^'feÖSleir' Jldiri■ hriiirswi..*.■. «■־״..I . 1■ .!! Apparat hinterlassen haben, dem man besondere inspiratorische Kraft und Aktionsfähigkeit nachrühmen könnte. Wir hören, daß im A.-C. der Vorschlag gemacht werden wird, Dr. Weizmann soll an die Spitze dieser Amerika-Delegation treten. Es ist klar, daß in diesem Falle ein Kongreß im Februar nicht stattfinden kann. Wenn man schon auf Grund der Erfahrungen der letzten Kongresse Zweifel hegen muß, ob überhaupt ein überstürzter Kongreß irgendwie zur Lösung der gegenwärtigen schwierigen Probleme beitragen, bzw. nützliche Maßnahmen beschließen könnte, wenn man ferner die Zuspitzung der heutigen finanziellen Krise in Betracht zieht, die man, trotzdem das Wort leider abgebraucht ist, als katastrophal bezeichnen muß, dann kann es wohl nicht schwer fallen, zu der Ueberzeugungzu gelangen, daß das A.-C. die Frage der Verschiebung des Kongresses sehr ernst und gewissenhaft prüfen müßte. Wenn dennoch gegen eine Verschiebung Bedenken laut wurden und auch z. B. die ״jüdischen Rundschau“ sich kürzlich gegen eine Verschiebung des Kongresses ausgesprochen hat, so hängt dies mit der innerzionistischen Situation zusammen, die ein gemeinsames Weiterarbeiten der zionistisehen Verbände ohne eine vorangegangene Klärung fast unmöglich macht. Wie kam es überhaupt zur Einberufung des Kongresses für Februar, obwohl doch bereits im November die im A.-C. versammelten eingeweihten Führer der Bevegung erkennen mußten, wie sich die Dinge entwickeln werden? Die Einberufung des Kongresses hatte zwei Wurzeln. Einerseits wollte man eine machtvolle zionistische Demonstration gegen die Politik des englischen Weißbuches; der Kongreß sollte auf das Weißbuch eine entschiedene zurückweisende Antwort geben. Davon versprachen sich die Antragsteller eine große politische Wirkung. Andererseits aber sollte der Kongreß anstelle der zurückgetretenen Exekutive, bzw. des zurückgetretenen Präsidenten, Dr. Weizmann, eine neue Leitung wählen. Dr. Weizmanns Demission war bekanntlich als ein Protest gegen die englische Politik gedacht. Die oppositionellen Teile der Bewegung haben jedoch diese Demission als das Eingeständnis des Zusammenbruches jenes politischen Systems, das man mit dem Weizmannschen Prinzip des Vertrauens zur Mandatarmacht charakterisiert hat, aufgefaßt, und einen entschiedenen Kurswechsel im Sinne einer schärferen Politik gegenüber der englischen Mandatarmacht gefordert, der natürlich auch durch neue Manner bewirkt werden müsse. Man hat zwar zugestimmt, daß Weizmann die Verhandlungen mit der Regierung in statu demissionis weiterführt, jedoch nur unter der Bedingung der Abhaltung eines Kongresses im Februar. Was wir nun in den letzten zwei Monaten innerzionistisch erlebt haben, beweist in der Tat die völlige Unhaltbarkeit der Lage. Aus allen Teilen der Welt wurde

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