Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1931)
- Date
- 1931-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3, 13. T. 1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 1ד Zeitschriften ״ Schau Die englische Zeitschrift ,,Foreign Affajrs״, die von dem Pazifisten und freund des Zionismus Norman Angell herausgegeben wird, bringt unter der Ueberschrift ״Das Problem des Antisemitismus“ eine Besprechung des eben erschienenen Buches von James Parkes ״The Jew and bis Neighbour“ (The Student Christian Movement Press). Wenn Parkes selbst meint, das jüdische Problem werde niemals gelöst werden können, ehe der Antisemitismus verschwunden sei, so fügt der ungenannte Rezensent hinzu, auch viele andere Probleme, die den Frieden und die Wohlfahrt des britischen Reiches und der Menschheit bedrohten, könnten nicht vor der Beseitigung der Judenfrage gelöst werden. Parkes legt dann, unter Berufung auf Aeüßerungen des Grafen Skrzynski, die große Schwierigkeit der Judenfrage in Polen dar, die besonders auf dem höheren Bildungsniveau der Juden beruhe; denn bei unbeschränkter Zulassung der Juden zur Universität und zur Staatsverwaltung würde das Land zu mindestens 50 ״,'« von Juden verwaltet werden und aufhören, polnisch zu sein. Solange Polen den Juden aber die volle Gleichberechtigung nicht gewähre, würden die Juden niemals gute und loyale Staatsbürger werden. Daher sei die Judentrage in Polen überaus delikat. Für die Lösung dieser ״delikaten Frage“, so meint Parkes, käme es zunächst darauf an, ob sich die Juden für den Nationalismus oder für die Assimilation entschieden. Die Mehrheit des jüdischen Volkes scheine sich für den Nationalismus zu entscheiden, während cs andererseits klar geworden sei, daß der Traum, die Mehrheit der Juden nach Palästina zu bringen, unrealisierbar sei. Folglieh verliere der Zionismus einen großen Teil seiner Bedeutung, wenn es nicht gelänge, Palästina mit den Juden im Galuth zu verknüpfen. Diejenige Form des Zionismus, die so jingoistisch sei wie irgendein anderer Nationalismus, sei abzulehnen und könne dem wirklichen geisti• gen Ziel des Zionismus nur schaden. Man müsse Palästina vor allem zu einem großen geistigen Ideal machen, das von keinem Jingoismus verdorben werden dürfe; denn für die Juden müsse eine Ausartung des Nationalismus verhängnisvoller werden, als für irgendein anderes Volk, weil sie zum Verlust Palästinas, ihres geistig-seelischen Zentrums, führen müsse. In Palästina aber könnten die höchsten Ideale der jüdischen Religion und die Erfahrungen einer zwei• tausendjährigen Galuthgeschichte erfaßt und gedeutet werden und neue Kräfte in das Galuth ausstrahlen. ״Palästina“, so folgert Parkes, ״ist keine Lösung in sich selbst, aber der Erfolg in Palästina ist wichtig für eine Lösung der Juden frage in allen Ländern der Welt.“ Der berühmte amerikanisch-jüdische Dichter Ludwig L e w i s o h n , dessen erschütternde Werke ״Das Erbe im Blut“ und ״Gegen den Strom“ auch ins Deutsche übersetzt worden sind, veröffentlicht in der amerikanischen Monatsschritt ״H a r p e r s Magazine“ eine glühende Apologie des Zionismus, deren Wert nicht so sehr im Gedankengang selbst — der sogar manches Anfechtbare enthalten dürfte — als vielmehr In dem großartigen Pathos und der Sprachgewalt Hegt Lewisohn sieht die Bedeutung des Zionismus vor allem in der Lösung der seelisch-geistigen Judennot, in der Wiederbelebung der tiefsten schöpferischen Kräfte im Einzelnen und im jüdischen Volke selbst Wegen der ewigen Verbundenheit der Judenheit mit Palästina und der in einer zweitausendjährigen Galuthgeschichte bewiesenen Existenz eines jüdischen Volkes, das in seinen Wirtsvölkern nicht aufgehen könne, sei es eine Schmach und Schande, daß die liberale Welt auf den Zionismus nur mit dem besorgten Gerede über das bedrohte Selbstbestimmungsrecht der palästinensischen Araber reagiere und. sich selbst über die Augustmassaker nicht sonderlich auferegt habe. Die modernen Zionisten seien überzeugte Paziisten, die die Lehre der Geschichte verstanden hätten. Sie• kämen den Arabern in aller Brüderlichkeit entgegen und hätten den Fellachen tatsächlich nur Gutes gebracht Aber die Effendis, die ihre Vorherrschaft bedroht sähen, stachelten den religiösen Fanatismus der Fellachen mit Lügen gegen die Zionisten auf. Der Zionismus bedeute zunächst die Erlösung des jüdischen Volkes, dann aber auch ein Stück der Erlösung der Menschheit. ♦ heitlichen ■wirtschaftlichen Organismus verhindert werde; zu ernsthafteren politischen Konflikten werde es jedoch zwischen Frankreich und England nicht kommen, da beide Mächte sehr starke gemeinsame Interessen hätten, die vor allem in der Abwehr der immer stärker werdenden Vorstöße Italiens und Rußlands beständen. — Bemerkenswert ist der Schluß des Artikels: Sowohl die englische wie die französische Mandats- Politik habe ״den ungeheueren Nachteil, mit allen Schlacken des alten kolonial wirtschaftlichen Denkens behaftet“ zu sein, und gingen nur darauf aus, Werte, zu schaffen, ohne daß die Grundlagen für ihre rationelle Ausnutzung gesichert seien. Als Endeffekt werde sich herausstell en, ״daß nichts weiter erreicht wird, als die bequemere Heranschaffung längst auf dem Weltmarkt im UeberfluG vorhandener Rohstoffe und Fabrikate“; dagegen sollte ihr Zweck darin bestehen, Neuland zur Unterbringung europäischen und asiatisehen Menschenüberschusses aufzuschließen. Bis ihr wahrer Sinn erkannt sei, würden die riesigen Verkehrs- Projekte nur dazu beitragen, die Sorgen der Finanziers und die Nöte der Steuerzahler zu vergrößern. A. P. 1' Die Januar• Nummer der amerikanischen Zeitschrift ״The World To-morrow“ — die ihrem Programm nach eine auf den Lehren Jesu begründete soziale Ordnung erstrebt bringt einen ausführlichen anonymen Aufsatz unter der Ueberschritt ״Ein Prophet in Israel“, der den Entwicklungsgang von Jehudah L. Magncs, dem Kanzler der Hebräischen Universität, enthält Der mit größter Bewunderung für Magnes und mit einer erstaunlichen Kenntnis jüdischer Menschen und Strömungen geschriebene Aufsatz schildert fesselnd die Wandlungen des jungen Studenten und hervorragenden Sportsmannes aus Kalifornien zum religiösen Juden und zum Zionisten ganz eigener Prägung. Besonders interessant ist dabei Magnes’ Wirken als Rabbiner unter den assimilierten Juden Bostons und New Yorks, und seine spätere Führerschaft unter den ostjüdischen Massen in New York geschildert. Die englische Monatsschrift 19״tl1 Century & After* die sich schon mehr ach durch antizionistische *Aufsätze hervorgetan hat, veröffentlicht in ihrer Dezembernummer eine Arbeit von Freda White, die auf zwölf Druckseiten, in einwandfreier Form, sachlich das Weißbuch in allen Punkten unterstützt. Wie sehr die Sympathien der Verfasserin den Arabern gehören, geht am dcutlicns'en wohl daraus hervor, daß sie sogar die arabische Interpretation des MacMahon-Briefes von 1915 — die, bekanntlich im Gegensatz zu dem noch leben■ den Verfasser selbst, behauptet, der Brief habe auch den Arabern Palästinas die Freiheit versprochen! — für richtig erklärt. An einer anderen Stelle meint die Verfasserin sogar, daß die Aufrechterhaltung der Politik der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte zweifellos ein Bruch der Völkerbund- Satzung sei, denn man habe nie in der Weltgeschichte von einem Begriff der Unabhängigkeit gehört, der damit vereinbar sei, ein Volk mit militärischer Macht niederzuhalten, um ihm eine eingewanderte Nation aufzuzwingen, dessen Ansprüchen und Rechten es durchaus widerstrebe. — Trotzdem ist aber die Verfasserin der Ansicht, daß sowohl die Balfour-Deklaration und das Mandat wie die den Arabern gegenüber eingegangenen Verpflichtungen für England bindend seien. Den geeigneten weg zur Erfüllung der schwierigen Aufgabe, beiden Teilen gerecht zu werden, sieht die Verfasserin im Weißbuch vorgezeichnet, welches sie, ebenso wie den Simpson- Bericht und ehe augenblickliche Lage in Palästina, einer ein■ gehenden Analyse unterzieht. * Die ״Germania“ (Nr. 552) veröffentlichte anläßlich der Eröffnung der Anlagen der Shell Co. in Haifa einen umfangreichen Leitartikel ihres dortigen Korrespondenten über die ״Brücke nach Indien“, in welchem die französisch-englischeu Rivalitäten in der vorderasiatischen Verkehrspolitik ausführlich dargelegt werden. Der Korrespondent meint aber, daß diese Rivalität sich auch in Zukunft, abgesehen von der eigentlichen Verkehrspolitik, in Zollschikanen, unzweckmäßiger Förderung lokaler Industrien usw. erschöpfen werde, wodurch freilich die Entwicklung des mittleren Ostens zu einem ein- ״The Ncar East and 111 di ,1“ schreibt am 8. Januar: Es ist allgemein bekannt, daß die zionistischen Fonds gesunken sind und daß angesichts der Weltsituation die Jewish Agency eine schwierige Zeit durchmacht. Aber daß die Sammlungen für den ״Aufbau Palästinas“ in einem solchem Maße gefallen sind, daß die von der Mandatarmacht im November bewilligten 1500 Einwanderungszertifikate nicht ausgenützt werden können, mag doch für viele Beobachter überraschend kommen. Dem Chor der Entrüstung über den Beschluß der britischen Regierung, die Einwanderung vorübergehend einzustellen, folgt jetzt das Klagen über den Mangel an Geld, um die nun bewilligten Zertifikate zu verwerten. Wenn sich die Verhältnisse in der Welt allmählich wieder stabilisieren, wird auch die Jewish Agency ohne ernste Befürchtungen auf einen bestimmten Betrag rechnen können. Bis dahin wird freilich die Schwierigkeit andauern. Vielleicht wird man einmal sagen, daß die britische Regierung durch ihre Beschränkung der Immigration die Jewish Agency vor Torheiten bewahrt hat. ln aller Kürze Der High Commissioner Sir John Chancellor hat die von den Juden scharf bekämpfte Verordnung über die Zwangs- Sonntagsruhe in Athlit außer Kraft gesetzt. Die Arbeitslage in Petacli Tikwah, wo kürzlich Arbeitslosen-Krawalle stattfanden, hat sich wesentlich gebessert In einer Reihe von Einzelabkommen zwischen den! Gewerkschaftsausschüß und den Pflanzern ist die Beschäftigung jüdischer Arbeiter vereinbart worden; mit dem vollen Einsetzen der Erntearbeit erwartet man eine weitere Zunahme der Beschäftigungsziffern. (Ziko.) Der von der Jüdischen Gemeinde Berlin gestiftete Lehrstulil an der Hebräischen Universität in Jerusalem wurde Prof. Otto Warburg, der Leiter des Instituts für Naturgeschichte Palästinas seit dessen Gründung war, verliehen. Dr. Heinz Oppenheimer ist zum Assistenten in der Abteilung für AHgemeine Botanik ernannt worden. Der Gutsdirektor Lord Welchetts in Palästina, Herr Hillel Weizmann. ist nach London abgereist, um über die Weiterführung der Unternehmungen mit den Erben zu beraten. Die Anglo-Palestine Company hat mit Wirkung vom J. Januar 1931 ihren Namen in ״The Anglo-Palestine Bank Ltd,“,geändert. Bialik hält am 14. Januar an der Londoner Universität eine Vorlesung über wissenschaftliche Talmudforschung. Den Vorsitz wird Prof. Chaim Weizmann führen. Der High Commissioner hat vier Araber aus Safed, die wegen Teilnahme an den Massakers im August 1929 und Mitschuld an der Ermordung mehrerer Juden verurteilt worden sind, mit Rücksicht darauf, daß die Verurteilten bereits das 70. Lebensjahr überschritten haben, begnadigt. Die Liga für das arbeitende Palästina und die Jüdischsozialdemokratische Arbeiterpartei Poale Zion sandten das folgende Telegramm an Eduard Bernstein: ״Dem Veteran der sozialistischen Arbeiterbewegung, dem Vorkämpfer für Völkerfrieden und nationale Freiheit, dem Lehrmeister des internationalen Proletariats, dem treuen Freunde des jüdischen Arbeiterwerks in Palästina zu seinem 81. Geburtstag herzliehen Dank und Glückwunsch.“ Im amerikanischen Senat erklärte der neue Staatssekretär für Arbeit und Einwanderung Doak auf verschiedene Anfragen, daß derzeit in den Vereinigten Staaten 400000 Aus!ander ohne gültige Aufenthaltsbewilligung leben. Von diesen könnten etwa 100000 nach den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes ausgewiesen werden. Der Präsident der rumänischen antisemitischen Liga ״Erzengel Michael“, Corneliu Zelea Codreanu, wurde in Focsani von Agenten der politischen Polizei verhaftet. Der rumänische Unterrichtsminister hat an die Schulbehörden die Weisung erteilt, Studenten oder Schüler, die sich an öffentlichen Versammlungen antisemitischer Organisationen beteiligen oder Mitglieder politischer Geheimorganisationen sind, aus den Schulen auszuschließen und dem Gericht zu übergeben. Am 13. Januar wird der zionistische Politiker Dr. Salomon Kassner (Czernowitz) 50 Jahre alt Dr. Kassner hat 1917 eine Monographie ״Die Juden in der Bukowina‘* veröffentlicht. In dem Städtchen Horoden ka an der galizisch-bukowinisclien Grenze ereignete sich am 1. Januar irti dortigen Ritualbade eine Kesselexplosion, bei der acht jüdische Frauen getötet und 17 Frauen zum Teil sehr schwer verletzt wurden. Anläßlich der 275. Jahresfeier der ersten Niederlassung von Juden in den Vereinigten Staaten wurde in der Fanciul Hall zu Boston ein Meeting abgehalten, an dein viele Tausende von Juden Bostons teilnahmen. Der Direktor des Royal College of Art, der Maler William Rothenstein, ist der einzige Jude Englands, der anläßlich des diesjährigen Neujahrsfestes in den Ritterstand erhoben wurde. Von seinen Gemälden mit jüdischen Motiven sind das der National Gallery of British Arts einverleibte Bild ״Ostjuden beim Gebet“ sowie ״Talmudauslegung“ und ״Trauernde Juden“ zu erwähnen. Bei dem Wettbewerb für das schönste Einfamilienhaus in Jerusalem, das im Laufe des Jahres 1930 zur Errichtung kam, erhielt der Architekt Richard Kauf (man und Herr Karmeli zu gleichen Teilen je die Hälfte des ausgesetzten Preises. Der Stadtrat von Bialystok hat beschlossen, eine Straße nach dem Gründer der Universitätsbibliothek in Jerusalem, Josef Chasanowitsch, zu benennen, der lange Zeit in Bialystok seine ärztliche Praxis ausgeübt hat. Für den Antrag stimmte auch der Vertreter der Bundisten. Im Alter von 83 Jahren verstarb in N e w Y o r k der Gründer der Alliance-Schulen im Orient, Nissim Be har. Behar war aus Jerusalem gebürtig. Zorn jüdisch-arabischen Problem Vorschlag zu einer Dfskussionsbasis Von IL L. Ratzersdorfer, Dipl.-Ing.-Architekt, Antwerpen. Wir kommen dem Wunsche des Verfassers des nachstehenden Entwurfs, seine formulierten Vorschläge abzudrucken, gern nach, da sie gewiß einen interessanten Beitrag zur Diskussion des poletischen Problems bilden. Red. Eine Round-Table-Konfcrenz zwischen Juden und Arabern soll mit folgenden Richtlinien als Grundlage einberufen werden. Teilnehmer der Konferenz sind von jüdischer Seite die Jewish Agency und der Waad Leumi, von arabischer Seite die Arabische Exekutive und Vertreter der Reiche, die für eine ara•' bische Staatenföderation in Frage kommen. Die Konferenz wird vom Völkerbund, resp. von seinem Mandatar einberufen und evtl, geleitet. Die vorläufigen Richtlinien sind: 1. Eine Föderation arabischer Staaten wird, mit Vorbehalt der weiterhin genannten Reserven, von den Juden gefördert werden. Die Föderation wird insbesondere gestärkt durch eine Zollunion, Münzeinheit, gemeinsame Eiscnbahnverwaltung, gemeinsame Instandhaltung kultureller Institutionen, und dergleichen. 2. Palästina soll a 111 o n o m sein. Seine Staatssprachen sind Arabisch und Hebräisch. Es erhält ein auf demokratischer Basis gewähltes Paria ment, von genügender Größe, um allen in Palästina vertretenen Gruppen von einiger Bedeutung (z. B. 5000 Wähler) eine Vertretung־ zu sichern. Gegen alle Gesetze kann sowohl die Jewish Agency als eine Arabische Agency ein (evtl, begrenztes) Vetorecht geltend machen. Eventuell kann ein Oberhaus vorgesehen werden, worin die Häupter der Religionen, der Jewish und Arab Agency, der oberste Richter des Landes, Sitz haben, denen allen das Vetorecht zusteht. 3. Palästina soll n c u t r a f sein. Es darf weder selbständig, noch an einem von der Föderation beschlossenen Krieg teil; nehmen. Die Mitglieder der Arabischen Föderation, des Völkerbundes und die anderen Staaten von Bedeutung (LI. S. A.) verpflichten sich außerdem, die Neutralität des Heiligen Landes unter allen Umständen zu respektieren. (Da die drei großen Religionen, also auch die meisten Staaten von Bedeutung, ein besonderes Interesse an der garantierten Neutralität des Landes haben, ist zu erwägen, ob nicht eine von allen großen Nationen beschickte und unterhaltene Ehrengardc diese Neutralität gewährleisten soll.) 4. Die Einwanderu 11 g von Juden ist, unter Vorbehalt der weiterhin genannten Reserven, in allen Staaten der Föderation frei. Die Einwanderung muß gestoppt werden, wenn die Arbeitslosigkeit der arbeitsfähigen Bevölkerung (18—55 Jahre) in Palästina 8 *v0, in den anderen Staaten 5 «A beträgt. Die Er* reichung dieser Grenze wird, mit Rekursmöglichkeit, für Palästina von der Jewish Agency, in den anderen Staaten von den resp. Regierungen festgestellt. Rekurse gegen diese Fest- Stellungen sollen von einer vom Völkerbunde ernannten stalldigen Kommission, und evtl, vom Haager Gerichtshof geprüft werden. Die Anzahl der zulässigen Einwanderer ergibt sich aus dem Unterschied der tatsächlichen Anzahl der Arbeitslosen mit ihrer zulässigen Maximalzahl. (Kurzarbeiter können im Verhältnis ihrer arbeitslosen Zeit zur vollständigen Arbeitswoche, z. B. 45 Stunden, in Rechnung gebracht werden.) 20 «0 der Zertifikate bleibt den Regierungen zwecks Zuweisung an nichtjüdische Ein- Wanderer überlassen. Eine minimale Einwanderungsquote (z. B. 0,1 0/0 der Bevölkerung) soll stets beibehalten werden. Die Verteilung der Zertifikate unter den Juden wird der Jewish Agency überlassen. 5. Der Bodenkauf ist in allen Staaten der Föderation frei. Eine hohe Eigentumswechselsteuer (z. B. 15 0/0 des Kaufpreises) wird eingeführt. Der Ertrag dieser Steuer fließt einem Wohlfahrtsfonds zu, welcher in erster Linie der Entschädigung oder Wiederansiedlung der von ihrem Boden verdrängten Pächter, in zweiter Linie der allgemeinen Arbeitslosenunterstützung und der Durchführung allgemeiner Wohlfahrtseinrichtungen dienen soll. 6. Die Regierungen der Staaten fördern die gewerk ־ schaftlicbe Organisierung der Arbeiter nach ihren nationalen und religiösen Gruppierungen, welche in jedem Staat und in der Föderation in einer Arbeitsgemeinschaft vereinigt sein sollen. 7. Die Regierung Palästinas beschäftigt bei ihren ö f f e n t liehen Arbeiten und rekrutiert für ihre Polizei Juden und Araber im Verhältnis der Größe dieser Bevölberungsgruppen in Palästina. Das Verhältnis der Entlohnung der Juden und Araber ist wie das Verhältnis des Steuerertrages pro Kopf einer jeden Bevölkerungsgruppe; dies nur im Falte, daß der so errechnete Minimallohn der Juden unter dem von der jüdischen Gewerkschaft festgesetzten Minimallohn liegt. Im anderen Falle ist letzterer maßgebend. Die Regierung Palästinas unterstützt das von den verschiedenen Bevölkerungsgruppen geleitete Schulwerk. Die Unterstützung geschieht im Verhältnis des Produktes der Zahl der Schulkinder mit der Gesamtzahl der Bevölkerungsgruppe. Die Unterstü zung der hygienischen Institutionen geschieht im Verhältnis der Gesamtzahl der Bevölkerungsgruppe. 8. Die Regierungen der Föderationsstaaten gestatten den jüdischen Kolonien und den Bewohnern jüdischer Viertel, für die eventuell eine Gefahr besteht, das Waffentragen, bzw. die Errichtung von Waffenlagern. Die hierfür in Frage kominenden Kolonien und Viertel sind von der Jewish Agency zu bestimmen. Die Verantwortung für den Gebrauch der Waffen soll der Jewish Agency im allgemeinen und einigen jüdischen Persönlichkeiten im besonderen übergeben werden. Die Kontrolle darüber kann entweder von einer ständigen Völkerbundskommission oder von der eventuell gemischten Besatzung erfolgen. Die letztere kann, soweit es Palästina betrifft, in den Kolonien verteilt werden. 9. Die Föderationsstaaten fördern in jeder Hinsicht die Einwanderung und die geschlossene Ansiedlung von Juden in ihren Hoheitsgebieten. Sie gewähren größeren Siedlungen größtmögliche Autonomie. Den jüdischen Bewohnern der Arabischen Föderation außerhalb Palästinas soll die Erlangung der palästinensischen Staatsangehörigkeit besonders erleichtert werden, jedoch im Einzelfall nur auf Advice der Jewish Agency. Die Verteilung der Einwanderungszertifikate unter den Juden wird der Jewish Agency überlassen. Diese übernimmt demgegenüber die Verpflichtung, möglichst für die Aufbringung von Mitteln für die Beseitigung einer eventuellen Arbeitslosigkeit unter den Juden zu sorgen. 10. In bezug auf die Heiligen Stätten soll das Prinzip des status quo gewahrt bleiben. Nach Beendigung der sich jetzt der Lösung nähernden Klagemauerfrage auf Grund des Berichtes der besonderen Klagemauerkommission des Völkerbundes soll eine gemischte Kommission für die Heiligen Stätten, worin die Palästina-Regierung, der Völkerbund und die verschiedenen Religionen vertreten sein sollen, eingesetzt werden. Den Vorsitz führt die Regierung. Es soll in Erwägung gezogen werden, ob die Heiligen Stätten nicht in Staatseigentum überfuhrt werden sollen, für deren Schutz und Erhaltung die Regierung die besondere Verpflichtung übernimmt. 11. Die Organisation der Jewish und Arab Agency soll besonders festgelegt werden. Insbesondere soll versucht