Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1931)
- Date
- 1931-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2» 9.I. 1031 Reidnkonferenz des Ostfudenverbandes In Anwesenheit von 57 Delegierten aus dem ganzen Reiche fand am 1, und 5. Januar in Hannover die Tagung der VI. Rcicliskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland statt. Namens des Präsidiums der Reichsexekutive des Verbandes begrüßte Herr Haarpuder, Berlin, die Delegierten aus Barman, Berlin, Bochum, Bonn, ßraunschweig, Breslau, Cassel, Darmstadt, Duisburg, Dresden, Elberfeld, Erfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Ludwigshafen, Mainz, Magdeburg, Mannheim, München, Stuttgart, Pirmasens, Pforzheim und Worms und die Oiiste. Es folgten Begrüßungsansprachen von R.-A. Block im Namen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, deren Ortsgruppe Hannover und der Jüdischen Volks» Partei, Regierungsbaumeister Wi 11 eI sh ö f er, der für den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das Wort ergriff, und Herrn Fl s ch e l von der ostjüdischen Gruppe Hannover. Dann wurden mehrere Begrüßungstelegramme auswärtiger Organisationen verlesen. Zum Präsidenten der Rekhskonferen« wurde einstimmig Max Qoldreich, Bonn, gewählt, zu Stellvertretern wurden gewählt Schneeweiß, Hannover, und Lecker, Magde- Burg. Benzion Fett, Mitglied des Präsidiums der Exekutive des Verbandes ostjüdischer Organisationen, erstattete den Rechenschaftsbcricht für das verflossene Geschäftsjahr. Dieses Jahr war ein besonders schwieriges schon dadurch, daß die Wahlen zur Landesversammlung der preußischen Judengemeinden und zur Berliner Repräsentantenversammlung eine Belastungsprobe für den Verband darstellten. Diese Probe hat er aber gut be• standen. Auch in diesem Jahr hat der Verband Gelegenheit gehabt, zu beweisen, daß das Ostjudentum einen nicht zu unter* schätzenden Kulturfaktor im jüdischen Leben in Deutschland darstellt. Der Verband hat auch an Umfang zugenommen. Die Berliner Gruppe, die vor einem Jahre 22 Vereine zählte, zählt heute deren 35. Der Gruppenverband Südwestdeutschland zählt heute 26 Vereine. In dem Qruppenverband Rheinland-Westfalen sind etwa 90 */# der Ostjuden des Rheinlandes organisiert. — Trotz Wirtschaftsnot weist der Etat aller Ortsgruppen zusammen die Summe von 800000 M. auf. Diese Gelder wurden zum Teil für soziale, zum Teil für humanitäre, kulturelle und religiöse Zwecke verwendet. Im vergangenen Jahre hat sich der Verband auch näher mit der Frage einer Organisation in den westlichen Ländern beschäftigt• Im März findet eine Tagung von Vertretern dieser Länder statt. Auch an jüdischen wissenschaftlichen InstTutionen hat der Ver• band mitgearbeitet. Einer der wichtigsten Programmpunkte des Verbandes ist sein Kampf um die Gleichberechtigung innerhaibderjüdischenOemeindenfnDeutsch• land. Dieser Kampf wird so lange weiter gehen, bis die theoretische Anerkennung der Forderung nach Gleichberechtigung auch seitens eines großen Teiles der Liberalen sich In allen Gemeinden praktisch ausgewirkt hat. Daß die jüdischen Getneinden von der Mitarbeit der Ostjuden nur profitieren können, ist eine anerkannte Tatsache; das Ostjudentum ist ein beleben• des Element in der Gemeinde. Die Nachmittagssitzung des Sonntags war der Haup'ausspräche über die aktuellen Probleme des Verbandes gewidmet. Am Abend fand eine große öffentliche Kundgebung statt, die von Herrn Fisehel geleitet wurde, und in der die Herren Benzion Fett, Dr. I. Taubes, Krakowsky, Dr. Koretz, Waldmann und Max Goldreich Ansprachen hielten. ln der Vormittagssitzung des zweiten Konferenz» t^ ges, am 5. Januar, referierte Dr, Alexander Rosenfeld über ״jugendarbelt und Kultur“, Dr. Israel Taubes hielt ein Referat: ״Die wirtschaftliche Lage und das Genossenschaftswesen“. Feld mann. Bochum, propagierte ebenfalls die Schaffung von Kredit» und Darlehenskaasen durch den Verband. Zucker-Hollinder, Karls■ ruhe, sprach über ״Organisation und Presse“. Die Konferenz nahm u. a. nachstehende Resolutlonen an: Der Verband ostjüdischer Organisationen fst eine überparteiliehe jüdisch-nationale Organisation und führt auf dieser Grundlage eine selbständige Gemeindepoütik. Die Reichskonferenz spricht allen im Kampf uni die Gleich• berechtigung stehenden Gruppen ihre vollste Sympathie aus und verspricht feierlichst, diesen Kampf mit alten Mitteln zu unterstützen. Die VI. Rcicliskonferenz sieht als eines der wirksamsten Mittel zur Linderung der Not die organisierte Selbsthilfe an und empfiehlt, um dem Verarmungsprozeß entgegenzuarbclten, die Schaffung jüdischer Darlehenskassen una Kreditgenossenschaften. Die Konferenz ersucht die jüdischen Oemdnden, Landes» verbände und jüdischen Körperschaften, durch baldigste Zur- Verfügungstellung von Geldmitteln die Gründung von Darlehens- und Kreditgenossenschaften zu ermöglichen. Die VI. Reichskonferenz lenkt die Aufmerksamkeit der breiten jüdischen Oeffentlichkeit des Auslandes auf den in Deutschland bei der Ostiudenheit herrseilenden Verelendungsprozeß, macht darauf aufmerksam, daß durch die Auswaii־ derung keine Sanierung, sondern lediglich eine Verschleppung der Not erfolgt ist, und appelliert an die jüdische Oeffentlichkeit im Auslande, ihr die weitestgehende Hilfe angedeihen zu lassen. Die Reichskonferenz protestiert gegen das Wei ßbuch der englischen Regierung, das die dem jüdischen Volke international verbrieften Rechte auf Palästina verletzt. Die VI. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland billigt den allgemeinen Tätigkeitsbericht und die Erklärungen der Exekutive, spricht ihr für die geleistete Arbeit das Vertrauen aus und erteilt ihr Entlastung. Zum Präsidenten der Exekutive des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland wurde Benzion Fett gewählt. Die neugewählte Exekutive setzt sich wie folgt zusammen: Dr. Elias Altschul, Moses Anker, Fischei Goldhammer, Moses Qoldmann, Samuel Haarpuder, Itzkowltz, Ichcl Leser, Josef Mandelbäum, Samuel Rosenblüth, Dr. Alexander Rosenfeld, Dr. Israel Taubes, El. Tscherikower, sämtlich Berlin. Für Rheinland-Westfalen: Dr. David Büschel, Essen; Fuchs, Oberhausen. Für Süd- Westdeutschland: Josef Holländer, Karlsruhe; Sabine Tino, Nürnberg. Für Sachsen: Dyx, Dresden. Für Hamburg-Altona: Weintraub. Als weitere Vertreter der Ortsgruppen im Reich: Lecker, Magdeburg, und Fischei, Hannover. * Die Beschlüsse der Reichskonferenz, von denen das Vertrauensvofum für die Exekutive und deren* Wiederwahl die wichtigsten sind, werden hoffentlich den Inneren Zwistig» keiten im Verbände ein Ende bereiten. Es hatten sich nämlieh im Verbände einzelne Richtungen herausgebildet, die mit den Namen ״Fraktion der Mitte“ und ״Linke Fraktion“ bezeich• net wurden. Während der größte Teil der Delegierten aus dem Reiche und die ״Unke Fraktion“ die Haltung des Präsidiums und der Exekutive bei den Berliner jüdischen Gemeindewahlea billigten, war der überwiegende Teil der dem Verbände angeschlossenen Berliner Vereine, zusammengefaßt in d« Fraktion der Mitte, mit der Politik des Präsidiums, das ist der Herren Fett, Haarpuder und Taubes, und der Exekutive nicht einverstanden. Auf der Reichskonferenz in Hannover wurde eine Verständigung «!gebahnt, die den grollenden Berliner Vereinen die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zu geben geeignet ist. Von allgemeinerem Interesse ist der Beschluß über die Oeraeindewahlen. Im wesentlichsten Teile lautet er, daß der Verband Qstjüdischer Organisationen eine über* parteiliche Organisation auf jüdisch-nationaler Grundlage ist, auf der er selbständige Gemeindepolitlk führt Mit diesem Beschlüsse brachte die Reichkonferenz zum Ausdruck, sie erachte es für iiberflüwlg, daß zum Zwecke der Gemeindepolitik die Ostjuden sich einer speziellen Organisation wie z. B. der Volkspartei anschließen. Einmütig kam zum Ausdruck, daß die Selbständigkeit in der Ge» meindepolitik aufjüdisch-nationaler Grund» läge unter allen Umständen eine Verbin• düng mit Richtungen ausschließt, die die nationale Grundlage des Judentums nicht an» erkennen. In der Praxis bedeutet dieser Beschluß keine Scholem Asch-Feier (■Dläfilidh de» 50. Geburtstag es de» Dichter») Sonntag, den II. Jiaw 1931, abmd« 7,30 Uhr im Lehrervereinshana, Alexanderplatz Zar AaffSbrasf galang•■ (unter Mitwirkung prominenter Künstler): Mit de na Strom Schauspiel itt 1 Akt von Scbolont Aach Die Juden Lustspiel in 3 Akten von Lewing Musik von Clans Claabsrg Karten von M. 1.— bis M. 3.— an der Abendkasse Aenderung gegenüber dem bisherigen Verhalten des Ostjudenverbandes. Auch bisher ist der Ostjudenverband ein vollkommen gleichberechtigter Partner in allen jüdlsch-nafio* nalen Wahlgemelnschaften gewesen, und das vrird auch in Zukunft so bleiben. Unzweideutig ging aus der Stimmung auf der Reichskonferenz hervor, daß Extratouren, wie sie der ״Demokratische Block“ bei den letzten Berliner Gemeindewählen unternommen hat, der jüdisch-nationalen Sache abträglich sind. Wir haben seinerzeit das Verhalten des Demokratischen Blocks, besonders dessen allerdings nicht anerkennten Spitzenkandidaten Dr. Singalowsky, verurteilt, weil wir in jener besonderen Liste eine Indirekte Unterstützung assimilatorischer Richtungen Im Judentum erblicken mußten. Die Haltung der linken Vertreter auf der Reichskonferenz des Ostiudenverbandes bewies, daß sie unbedingt auf dem Boden jüdisch-nationaler Gemeinde» politik stehen. Ob diese Unbedingtheit auch bei Dr• Sin* galowsky vorherrschend war, müasen wir auf .Grund genauer Kenntnis der Details bezweifeln. Möglicherweise haben die Mitläufer Singalowikys ln gutem Glauben gehandelt und nicht gewußt, daß sie Im Begriffe waren, dis jüdisch-nationale Sache zu schädigen. Singalowsky selbst muß sich wohl völlig im klaren darüber gewesen sein, wessen Spiel vom Demokratischen Block gespielt werden sollte. So gesehen, kann er nicht als Führer des Demokratischen Blocks, sondern als dessen Verführer betrachtet werden. Einen breiten Raum in der Debatte in Hannover nahm die Ideologie des Ost judenverbandes in An» spruch. Wir haben stets betont, daß weder Ost» noch West» Judentum für uns ein Programm bedeuten kann. ״Ostjude ist kein fdeal, Westjude ist kein Ideal.“ Wir propagieren die Einheit eines volksbewußten Judentums in der ganzen Welt. Trotzdem Ist der Ostjudenverband als Zweckverband und Interessengemeinschaft notwendig und durchaus am Platze. Es ist jedoch verfehlt, eine ostjüdische Ideologie schaffen zu wollen. Es kann für uns nur eine Ideologle eines nationalen einheitlichen Judentums geben. Wenn angeführt wird, daß z. B. die sephardischen Juden in Ham» bürg, In Wien und in anderen Orten bei aller Betonung der Einheit des religiösen Judentums Ihre Eigenart bewahrt haben und sich* im übrigen von den anderen Juden fern hielten, ihre besonderen gottesdienstlichen Institutionen schufen, nur untereinander heirateten und sogar eigene Begräbnisstätten gründeten, 80 kann die Situation der Ostjuden in Deutschland mit der der Sephardlm in Wien oder Hamburg nicht verglichen werden. Durch den Abschluß geriet das Leben der Sephardim in einen Zustand der Stagnation. Man kann die Haltung der Sephardim erklären, was aber noch lange keine Anerkennung dieser Haltung bedeutet. Im übrigen entscheiden in diesen Fragen die Faktoren der Entwick* lung. Ebenso wie bisher alle einströmenden Ostjuden in den vergangenen Jahrzehnten sich a llmählich mit den deutschen Juden amalgamierten, ebenso wird es, aller Wahrschelnlichkeit nach, auch in der Zukunft sein. Es gilt zu verhindern, daß diese Vermischung mit den deutsehen Juden ein Anschluß an die Assimilationsidcologie werden soll. Insofern hat das Ost- Judentum, aber nicht nur dieses, sondern das gesamte national bewußte Judentum in Deutschland die Aufgabe, die Geschlossenheit des Judentums zu bewahren, das Judentum volksbewußt zu machen und die auf Herkunft begründeten Unterschiede zu verwischen. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Frage äußerst kompliziert ist. Die von einigen Stimmen erhobene Forderung, die Jiddische Umgangssprache zu bewahren, ähnlich wie die Sephardim ihr Spanlolisch bewahrt haben, ist nur von theoretischer Bedeutung. Es gelingt nicht einmal in Amerika, die Heranwachsenden jüdischen Menschen jiddisch zu erziehen, obwohl eine sprachliche Verwandtschaft zwischen jiddisch und amerikanisch nicht vorhanden ist, wie zwischen jiddisch und deutsch. Gerade diese Aehnlichkeit der Sprachen leistet dem Verzicht auf jiddisch und der Annahme der deutschen Umgangssprache starken Vorschub. Richtig ist es, wenn sich die Ostjuden bemühen, die Schätze der jiddischen Literatur, die Werke eines Perez, Scholem Alechem, Mendele M och e r Sforim usw-, zu bewahren. Diese Aufgabe aber ist, unserer Ansicht nach, auch eine Aufgabe der volksbewußten Westjuden* welche übrigens mit gleicher Liebe wie die volksbewußten Ostjuden sich mit allen Schöpfungen der jüdischen Kultur intensiv beschäftigen. Ein Beweis für viele: Bubers Schriften über den Chassidismus haben bei den westlichen Juden Verständnis und Liebe für eine der interessantesten Erscheinungen im ostjüdische» Leben erzeugt Wir vermögen nur ein solches Jüdisches Programm anzuerkennen, in dessen Namen man de» Anschluß jedes jüdi■ sehen Menschen an ein einiges Judentum zu verlangen ver» mag. Man kann von jedem Juden fordern, daß er jüdisches Volkstum, hebräische Sprache, nationale Heimstätte ln Pa* lftstlna, jüdliche Lehre, jüdische Hilfsarbeit in der ganzen Weit anerkennt Man kann jedoch von Prof. Einstein nicht verlangen, daß er Ostjude werde, ebenso wenig wie man den Chofez Chajim dazu bewegen kann, sich als Westjuden zu betrachten. Darin liegt der Grund, warum wir eine ״ostjüdische Ideologie“ nicht inzuerkennen vermögen. Die Relehskonferenz der Ostjuden bedeutete für den Verband einen Erfolg. Sie hat friedenstiftend und klärend gewirkt und wird dem Verband ermöglichen, alle in Deutschland lebenden Ostjuden allmählich in »ich aufzunehmen. Allerdings *chdnt es uns, daß noch ein gewisser Teil der Ostjuden, und gerade diejenigen, die den Anschluß an den Verband am dringendsten notwendig hätten, aus vertchiedenen Gründen, von denen die Indolenz nicht der letzte ist, beiseite stehen. Das muß anders werden. In Deutschland leben 70 000 Ostjuden, also eine ganz respektable Zahl Leider sind diese Ostjuden der schwächste Punkt am Körper der jüdisehen Gemeinschaft in Deutschland. Er muß darum am sorgsamsten behandelt werden. Denn der ganze Körper ist nur so stark wie sein schwächster Teil Das sollten Ost» und West• juden in Deutschland bedenken und danach handeln, m. w. Aus den Gemeinden Di« *wischenparteilidhen Besprechungen Dr. Max Kollenscher und Direktor Georg Kareski haben das folgende Schreiben an Kammergerichtsrat Leo Wolff gerichtet: An die Herren Teilnehmer der *wischenpartefliehen Besprechungen zu Händen des rierrn Kammergerichtsrat Wolff Sehr geehrte Herren 1 Die politische Entwicklung der letzten Wochen hat der Jüdischen Volkspartei die Verpflichtung auferlegt, Ihre grundsätzllehe Einstellung zur Frage der Einheitsfront der deutschen Juden und die praktischen Folgerungen aus Ihr einer Nachprüfung zu unterziehen. Von unseren Reihen war in der Zelt der Vorbereitung der Reichstagswahlen die Anregung eines innerjüdischen Burgfriedens und eines innerlich geschlossenen und organisato» risch vereinigten Vorgehens nach außen ausgegangen. Dem Central-Verein ist es zuzuschreiben, daß aus dieser Anregung nichts weiter geworden ist als ״Reichstagswahlkomitee 1930“, das weder eine innere Befriedung gebracht noch irgendeine Stoßkraft nach außen besessen hat, das sich außerdem selbst nur eine Lebensdauer bis zum 14. September 1930 gesetzt und damit In völliger Verkennung der sachlichen una zeitliehen Notwendigkeiten von diesem Tage an das deutsche Judentum wieder seinem Schicksale überlassen hat Wir haben unsererseits Innerhalb des ,Vorstände» der Jüdischen Gemeinde zu Berlin trotz des Fehlschlagei unserer ersten Bemühungen den Antrag gestellt, in gemelnschaftlieber Arbeit aller dazu berufenen Stellen die zur Erhaltung der staatsbürgerlichen und staatswirtschaftlichen Rechte der Juden notwendigen Arbeiten zu leisten. Zwar ist aus Vertreten» der Berliner Jüdischen Gemeinde, des Preußischen Landesverbandes und des Central-Verclns rin Komitee ge* bildet worden. Dieses Komitee aber, das nur Bedeutung hätte gewinnen können, wenn es an verantwortungsvoller und oberster Stelle in die politische Entwicklung hätte entscheidend und führend ringreifen können, hat sich, dem Einfluß des Central-Vcreins folgend, selbst zu einer Stelle degradiert, an der die Teilnehmer aus dem Bereiche ihrer Pläne und Arbeiten einige, die ihnen gerade passend erschienen, rein informatorisch vorgetragen naben. Zu gleicher Zeit, während die Unterhaltungen geführt wurden, haben Central- Verein und seine maßgeblichen Mitglieder es nicht unterlassen, verschärfend in die innerjüdischen Kämpfe ein zugreife 11 und nach Inhalt und Form Ihrer Angriffe gegen Juden den gemeinsamen Feinden Stoff und Waffen zum Kampfe gegen aic gesamte Judenheit zu liefern. wir halten es bei dieser Entwicklung und nach diesen Vorgängen mit unserem Pflichtbewußtsein und Verantwortungsgelühl nicht mehr für vereinbar, uns an Beratungen zu beteiligen, die ebenso innerlich leer wie nach außer! gefährlich sind, weil sie die klare Verantwortlichkeit zu verschleiern geeignet sind. Wir wollen der jüdischen Gesamtheit nicht vortäuschen, daß ihre Interessen von einer zentralen, jüdischparteipolitisch unabhängigen Stelle vertreten würden, während wir in Wahrheit wissen, daß diese Stelle weder Wunsch noch Willen zu einer inneren Befriedung und gemeinschaftlicher Vertretung nach außen hat, noch die Kraft zu einer wirksamen Aktion besitzt Aus diesen Gründen sahen wir uns veranlaßt, unsere Ver» trete*־ aus dem Komitee abzuberufen. Dieser Schritt bedeutet in keinem Falle eine Aufgabe unserer Bemühungen um innere Befriedung und gemeinsame Arbeit zum Schutz und Trutz nach außen. Wir haben uns der Notwendigkeit der Erfüllung dieser Aufgabe nicht nur nie entzogen, sondern stets die Initiative dazu gegeben. Das deutsche Judentum wird uns immer bereit finden, an wirklieh ernster verantwortungsvoller und verantwortungsbewußter Stelle in gesamtjüdischer Arbeit mitzuwirken. Möge die gleiche Einsicht sich auch bei anderen Gruppen und Organisationen durchsetzen. Wir werden es an Versuchen der Feststellung, ob sie ringekehrt ist, zu geeigneter Zeit an den maßgeblichen Stellen nicht fehlen lassen. In der Stunde aber gebieten uns politische Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit den hiermit vollzogenen Schritt und seine Bekanntgabe in der jüdischen Oeffentlichkeit Mit vorzüglicher Hochachtung, ergebenst gez.: Kollenscher. Kareski 4( Bamberg. Am 5®. Dezember 1930 fanden hier Gemeindewählen statt. Die Konservativen und Zionisten hatten sich unter dem Namen ״Jüdische Volkspartei״ zu einer Wahlvereinigung zusammengeschlossen. Nach längeren Verhandlungen mit den Liberalen kam eine Einheitsliste zustande, auf der die Volkspartei in der Gemeindevertretung vier statt bisher drei Sitze von insgesamt zehn Sitzen erhielt. Der vierte Sitz wurde Herrn Rechtsanwalt Dr. S. Weichse lbaum als Vertreter, der Z.O.G. eingeräumt. In der Oemeindekammer ist die Z. O. O. durch die Herren Julius Strauß, Ing, Ludwig Schmitt, Fritz Stein und Frau Anna Katz vertreten, von denen die drei letzt• genannten neu gewählt wurden.