Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-01-09 · Heft 2 (9.1.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653254--22077-2680249
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 2, 9, I 1931 JUEOISCHE RUNDSCHAU Sdte 9 Wiri$chaitssorgen Von unserem palästinensischen Korrespondenten, AG., Tel-Awiw, 25. Dezember 1930. Bei einer oberflächlichen Betrachtung der Verhältnisse im Lande und der Stimmung der Juden würde man zuerst annehmen, daß sich seit der Veröffentlichung des Weißbuches und der Parlamentsdebatte kaum etwas an den Interessen geändert hätte. Sieht man jedoch genauer hin, so zeigt sich ein recht andersgeartetes Bild. Die Verdunkelung des wirtsch aftlichen Horizonts beginnt sich schneller und schneller bemerkbar zu machen. Und je mehr Wirtschaftsfragen sich zeigen, desto stärker wird der politische Komplex in den Hintergrund gedrängt. Die Lage der jüdischen Wirtschaft ist ja heute noch nicht besorgniserregend. Die Arbeitslosigkeit ist vorläufig relativ gering und weder in Handel noch in Industrie sind bisher — von wenigen Ausnahmen abgesehen — ernste Rückstoße zu verspüren. Und wenn man Palästina, besonders das jüdische, aus seiner Isolierung heraushebt und mit anderen Ländern vergleicht, so ist die Lage hier noch weit besser als in vielen Industrieländern Europas. Was heute Sorge erregt, sind dagegen die Anzeichen einer bedrohlichen Entwicklung, die, wenn nicht im Keime erstickt oder wenigstens gemildert, zu schweren Komplikationen führen kann. Es war bereits gleich nach den Unruhen ein starker Rückgang neuer Investitionen zu verzeichnen. Diese Tat- Sache hat sich jedoch im Moment nicht stark ausgewirkt, denn es fanden verschiedene Aktionen statt, die einen gewissen Ausgleich bildeten. In Jerusalem und Haifa setzte unmittelbar eine beträchtliche Baubewegung ein, die vor allem auf die Tendenz der Juden, sich in eigenen Vierteln zu sammeln, zurückzuführen ist Diese Bauten, sowohl Geschäftshäuser als auch Privatwohnungen, schufen neue Viertel und rundeten die alten zu beträchtlicher Ansehnlichkeit ab, lieferten zugleich Arbeitsmöglichkeiten für eine größere Anzahl von Arbeitern. Auch wurden die begonnenen Unternehmungen keineswegs abgebrochen, sondern auf dem erreichten Stadium belassen, so daß die Beschäftigungsmöglichkeiten auf gleicher Höhe blieben. Nimmt man dazu noch die verschiedenen Arbeiten des Hilfsfonds und die Tatsache, daß nur wenige Immigranten ins Land kamen und auf den Arbeitsmarkt drückten, daß schließlieh in vielen Kolonien sich die Zahl der jüdischen Arbeiter erhöhte, so wird man die Stabilität der Wirtschaft bis weit in den Sommer hinein erklärt haben. In den letzten Monaten zeigen sich gegenteilige T endenzen. Einzelne Aktionen stoppten oder verlangsamten sich. Das gilt zum Beispiel für die Arbeiten des Hilfsfonds und für die Baubewegung in Jerusalem und Haifa, die schwächer wurden. T cl- Awiw hält sich vorläufig noch in bemerkenswertem Gleichgewicht. Es genießt die Früchte des Pflanzungshinterlandes — wird freilich auch immer seine etwaigen Mißerfolge am stärksten zu spüren bekommen — und hat im Laufe der letzten Jahre eine Anzahl von Rentiers aus verschiedenen Ländern des Galuth an sich gezogen, die zu seiner Stabilität und Kaufkraft beitragen. Hier in Tel-Awiw ist auch heute noch die Baubewegung, die sowohl für Fabriken wie für Arbeiter eine wichtige Einnahmequelle darstellt, nicht gehemmt worden. In Haifa und Jerusalem jedoch ist ein weiterer Ausbau nur durch erleichterten Kredit zu erreichen und die Banken sind in letzter Zeit mit Anleihen sehr vorsichtig geworden. Außerdem scheint sich eine Tendenz zur Verringerung des Umsatzes anzuzeigen, die vielleicht zum Teil auf die schwierige Weltlage zurückzuführen ist. Kommt doch sonst auch, abgesehen von den offiziellen Fonds, in verschiedenen Formen Geld aus überseeischen Ländern nach Paläsfina» das heute naturgemäß spärlicher fließf■ als früher. Iru letzten Monat hat noch die Lage der Lehrer und Beamten der Agency dazu beigetragen, den wirtschaftlichen Spielraum zu verengern. Wir haben es ja oft im Lande erlebt, daß die Exekutive Monate hindurch die Gehälter schuldig bleiben mußte. Dann wurde eben mit Kredit den Betroffenen über die Notzeit hinübergeholfen. Heute erscheint es sehr viel schwieriger als früher, Geld zu normalen Zinsen zu erhalten und die jiatürliehe Folge dieser Situation ist eine Bemühung, sich' aufs äußerste einzuschränken, was wieder den Umsatz drücken muß. Ein Teil der Koloniearbeiter, welcher der Arbeitslosigkeit dort nicht standhalten kann, zeigt außerdem Neigung, wie immer in solchen Fällen, in die Städte abzuwandern, was den Arbeitsmarkt noch mehr zu verengern droht. Es besteht also die begründete Furcht, daß Palästina in näherer Zukunft neben den politischen Rückschlägen auch wirtschaftliche Schwierigkeiten ernster Art zu überwinden haben wird. Im Lande, wo man sich an mehr als eine Krise erinnert, werden solche Befürchtungen oft mit dem Hinweis auf die glückliche Ueberwindung der früheren Schwierigkeiten widerlegt. Es ist fraglos etwas Richtiges in dieser Argumentation, die mit einer Wellenbewegung in der Kolonisation rechnet und darauf hinweist, daß im Laufe der Jüdische Gräber in Jerusalem um die Zeit der Tempelzerstörung Ein Vortrag Dr. Sukeniks In Berlin. Im Rahmen der Jahresversammlung der Archäologischen Gesellschaft berichtete Dienstag, den 6. Januar 1931, der Arr.häologe der Hebräischen Universität in Jerusalem, Herr Dr. E. L. Sukenik, im archäologischen Hörsaal der Universität über neue, interessante Funde in jüdischen Gräbern Jerusalems aus dem ersten Jahrhundert vor und dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt. Schon seit einiger Zeit waren längliche Steinkisten von etwa 50 cm Länge, 25 cm Breite und 40 cm Höhe bekannt, die arabische Fellachen gelegentlich ihrer Feldarheit in jüdischen Gräbern gefunden hatten. Die Steinkisten, die von den arabischen Bauern leer zum Kaufe angeboten wurden, waren in ihrer Bedeutung zunächst nicht erkannt worden und von Gelehrten bisweilen irrtümlich für Schmuckkästen gehalten worden, die den Toten ins Grab beigegeben wurden. Erst das nun geweckte Interesse der Archäologen der Universifät Jerusalem ermöglichte ein zielbewußtes Suchen nach solchen Steinkisten innerhalb der ausgebreiteten Nekropole Jerusalems, wobei in den interirdischen Grabanlagen mit ihren zur Aufnahme der Särge bestimmten Seitengängen (den Schiebegräbern, hebr. kuchim) vertiefte Kammern gefunden wurden, die mit noch ungeöffneten Steinkisten angefüllt waren, die sich nun als Gebeinkisten mit Menschenknochen erwiesen. Einzelne Stellen der talmudischen Literatur stellten es klar, daß diese Kisten zur Aufnahme der Knochen von Toten bestimmt waren, nachdem deren Leichen in der Erde verwest waren. Diese Knochen wurden dann, wohl auch, weil Raummangel dazu nötigte, gesammelt und in einer Art zweiten Begräbnisfeier in den Knochenkisten, Ossuarien, bestattet. Die Steinkisten weisen verschiedene Formen auf, haben bald flache, bald gewölbte oder spitz-giebelförmige Deckel, und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Deckelform auf die Verschiedenheit etwa des Geschlechtes der bestatteten Person hinwe'sen sollte. Wände und Deckel waren in kerbschnittartiger Technik verziert, wobei neben andersartigen Ornamenten vor allem eine meist radförnige Rosette am häufigsten auftritt. Teilweise ist auch noch ein farbiger Anstrich der Kisten, meist rot, aber auch gelb, erhalten, nach dessen Auftragung die Ornamente weiß herausgearbeitet letzten Jahre außerordentlich viel für die wirtschaftliche Basierung des Jischuw geschehen ist Es handelt sich jedoch bei einer Erörterung der gegenwärtigen Wirtschaftsfragen nicht allein um eine Prognose, sondern vor allem um die Frage, ob und wie die Gefahr abgewendet werden kann, bevor sie noch zur Wirklichkeit wurde. Hier vermißt man vor allem eine fundierte und klar geformte Wirtschaftspolitik, die geeignet wäre, die Dinge zu leiten anstatt sie an sich herankommen zu lassen. Es besteht bisher ein Vorschlag der Arbeiterorganisation, der im wesentlichen drei Punkte enthält: Beschleuni- Kapitalanlage in Palästina Informationen über günstige Möglichlteiten von Kapitalinvestitionen durch Neogründungen oder Beteiligungen erteilt die Zentralstelle tar die Organisierung des Ansatzes palästinensischer Anlagewerte t»1 0er Zionistischen Vereinigung tlir Deutschland Berlin W15, MelnekestraBe 10 Fernsprecher: m₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪KUm Bismarck 7185 - 70 gung der Ansiedlung von vierhundert Arbeitern in der Orangenzone, die seit langem beschlossen ist und Arbeitsmöglichkeiten schaffen würde, Erleichterung der Kredite zur Vergrößerung der Baubewegung und die Ausführung verschiedener öffentlicher Gebäude und Arbeiten, die seit längerem bestätigt und bisher nicht zur Ausführung gekommen sind. Es ist möglich, daß diese Vorschläge oder einige von ihnen die Gefahr mildern und wenigstens für eine Zeit einen Ausweg schaffen können. Es ist jedoch augenfällig, daß sie nur Symptome behandeln und eine tiefergreifende Reform, nämlich eine Revolutionierung der gesamten Finanzierungsmefhoden nottut. Diese Forderung ist so oft erhoben und niemals erfüllt worden, daß sie sich wie eine Binsenwahrheit anhört. Wie wesentlieh sie jedoch ist, werden — wenn nicht gründlich Vorsorge getroffen wird — die sich häufenden Schwierigkeifen der nächsten Monate zeigen. Agudas Jisroel bei Dr. Shiels London, 2. Januar. (J. T. A.) Dr. Druramond Shiels, M. P., Unterstaatssekretär für die Kolonien, empfing heute Rabbi Dr. Pinchas Kolin, Präsident der ״Agudas Jisrocl“-Weltorganisation, und Mr. H. A. Goodman, Sekretär der politischen Exekutive der Agudah. Die Deputation legte Dr. Shiels die Anschauungen der Agudah-Organisation dar und beschwerte sich u. a. über die neueste Verordnung wegen der Zwangssonntagsruhe in den Steinbrüchen von Athlit. Dr. Shiels versprach, den ihm unterbreiteten Anträgen sorgfaltige Beachtung zu schenken. Er betonte seine Freundschaft für die jüdischen Ideale, aber auch seine Meinung, daß diese Ideale nur durch freundschaftliche Zusammenarbeit unter allen Teilen der palästinensischen Bevölkerung realisiert werden könnten. Die Athlit-V er- Ordnung sei nach reichlichen Erwägungen erlassen worden. Sie soll in keiner Weise einen Präzedenzfall darstellen, ist vielmehr aus rein ökonomischen Motiven erlassen worden, weil durch die siebentägige Arbeitswoche die Ausgaben stark vermehrt wurden und aas Aufsichtspersonal sieben Tage in der Woche arbeiten mußte, was seine Gesundheit und Arbeitsfähigkeit beeinträchtigte. Die Sache werde jedoch weiter beobachtet werden und er hege gewiß die größten Sympathien für die religiösen Bedenken, die ihm von der Agudah-Delegation vorgetrage!! seien. _ Das Berufungsgericht in Haifa hat den Einspruch der arabischen Siedler auf den Infiat-Boden bei der jüdischen Kolonie Chedera gegen die Zuweisung von 7509 Dunam Infiat- Landes an die jüdischen Kolonisten abgewiesen. Den Arabern steht noch die Berufung an den Obersten Gerichtshof offen. zu sein scheinen. Der fest angelegte Deckel ruht in Fugen und ist bisweilen noch durch einen durch die Kiste durchlaufenden Bolzen besonders gesichert. Die Technik der Steinkisten scheint in Nachahmung der Holztechnik entstanden zu sein und in der Tat legen Nägelfunde die Annahme nahe, daß neben den Steinkisten auch Holzkisten gebraucht wurden, die dem Zahn der Zeit jedoch zum Opfer gefallen.sind. Einmal ist auch eine Tonkiste nachzuweisen. Bieten schon die Ossuarien selbst durch ihre Form und ihre Technik, sowie schon durch die bloße Tatsache, daß das Vorkommen solcher Ossuarien in größerer Anzahl, das Sukenik vielleicht auf persische Einflüsse zurückzuführen glaubt, hohes Interesse, so wird der Wert der Funde ganz bedeutend erhöht durch die, wenn auch kurzen, I nschriften, die sich gelegentlich auf manchen dieser Ossuarien finden. Vor allem ist es möglich, aus Sprache und Schriftduktus der aramäischen und griechischen Inschriften, die offenbar nicht offizielle Aufschriften, sondern unstilisierte Graffiti der Familie selbst sind, die Zeit der Funde mit Sicherheit in die beiden Jahrhunderte unmittelbar vor und nach Christi Geburt zu verlegen. Eine Bestätigung dessen bilden zahlreiche Namen, teils der beerdigten Personen, teils offenbar der Werkleute oder der Auftraggeber, unter denen wir nicht nur manche bisher in jüdischen Qdellen unbelegte Namen neutestamentlicher Personen (so z. B. Gr. Sapfeiros, hebr. שפירא schappira ״der Schöne״, wie richtig schon L. Zunz vor einem Jahrhundert vermutet hatte), vielmehr lassen sich auch direkt die Gebeine von Personen festste'.Ien, die als historische Persönlichkeiten aus den jüdischen Quellen dieser Zeit bekannt sind. So trägt eine Kiste die Aufschrift (griechisch und zum Teil hebräisch): ״Nikanor, der die Türen verfertigte", sicherlieh jener Nikanor, nach dem das in tannaitischen Quellen oft erwähnte Nikanortor des jerusalemischen Tempels benannt war. Besonderes Interesse wird auch die Namensaufschrift einer Kiste ״ ישוע בר יוסףJesus, Sohn des Joseph״, erwecken. Obgleich der Vortragende mit Recht es vermied, eine Identifikation zu versuchen, so liegt doch zweifellos genau Name und Vatersname Jesu aus derselben Zeitperiode vor! Eine andere Inschrift nennt eine Reihe von Namen mit einem Vermerk über erfolgte Zahlung oder Ausstände und scheint eine Abrechnung über Löhne oder bestellte Kisten darzustellen. Wenn man bedenkt, daß die bisher bekannten Ossuarien meist noch Zufallsfunde darstellen, so ist zu hoffen, daß eine Liga für das arbeitende Palästina Für Verschiebung des Kongresses Wir erhalten folgende Kundgebung mit der Bitte um Veröffentllchung: Die zionistische Bewegung is* in den letzten Monaten sehr stark von politischen Problemen in Anspruch genommen. Die politischen Energien haben sich auf die Protestbewegung gegen die Ungerechtigkeit dem Palästinawerk gegenüber konzentriert, die den stärksten Ausdruck fand im Weißbuch der englischen Regierung vom 21. Oktober 1939. Diese durchaus berechtigte und notwendige Bewegung hat leider in manchen zionistischen Kreisen zu einer folgenschweren, einseitigen Haltung geführt. Es hat sich die Meinung eingebürgert, daß Ton und Inhalt derartiger politischer Dokumente für das Schicksal und den Erfolg des Palästinawerks allein entscheidend sind, während man die ausschlaggebende Bedeutung der eigenen Anstrengungen, der eigenen Opferwilligkeit für die Entwicklung des Palästina- Werkes in gefahrdrohender Weise unte-schätzt. Gewisse zk>- nistischc Richtungen haben in Verfolg ihrer politischen Bestrebungen diese schädliche Meinung gefördert, andere zionistische Kreise haften nicht die Kraft und nicht den Mut, diesem gefährlichen Treiben Einhalt zu gebieten. So war es möglich, daß die zionistische Oeffeutlichkeit die alarmierenden Nachrichten über den finanziellen Zustand der Bewegung kaum zur Kenntnis genommen hat. Anstatt in diesem Augenblick, in dem die Jewish Agency durch die Weltwirtschaftskrise in ihren Leistungen weit zurückblieb, alle Kräfte auf Fortführung des Palästinawerks zu konzentrieren, die großen Möglichkeiten, die immer noch für das Paläsiinawerk in den jüdischen Massen zu finden sind, ausninm/en, beschäftigt sich die zionistische Bewegung ausschließlich mit polnischen, vor allem innerpolitischen Fragen und spürt nicht, daß durch dieses Verhalten eine außerordentlich gefahrdrohende Lage in Palästina, vielleicht sogar ein Zusammenbruch mancher Zweige des Palästinawerkes herautbeschworen werden kann. Dieser Einstellung der Bewegung entspricht es, wenn in diesem Augenblick, in dem vor allem praktische Arbeit nottut, alle Kraft auf den Wahlkampf und die Vorbereitungen für den Kongreß konzentriert werden soll. Am 6. Januar fand in Berlin eine größere Beratung des Arbeitsausschusses der Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland statt, die außerordentlich stark besucht war und an der neben den führenden Persönlichkeiten der Liga die Vertreter des Zentral-Komitees der zionistischen Arbeitergruppen und Organisationen teilnahmen. In eingehenden Beratungen wurde die Lage in Palästina und im Zionismus behandelt, vor allem die Gefahr, die sich aus der gegenwärtigen schwierigen finanziellen Lage der Jewish Agency für das Palästinawerk ergebe. Es wurde einmütig beschlossen, in der nachsten Aktions-Comite-Sitzung kategorisch zu fordern, daß der zionistische Kongreß aut einen späteren Zeitpunkt verlegt wird und daß alle Kräfte der Bewegung in den nächsten Monaten für die konkrete aufbauende Palästinaarbeit mobilisiert werden. Die Versammlung hat fernerhin beschlossen, eine eingehende Aufklärungsarbeit in der iüäisehen Oeffeutlichkeit zu unternehmen, die dem jüdischen Volke wieder zum Bewußtsein bringen soll, daß das Schicksal und der Fortgang unseres Palästinawerkes vor allem von der Mitarbeit und der Opferwilligkeit der palästinafreundlichen Schichten des jüdischen Volkes abhängig ist. Wir können nicht mehr dulden, daß man den jüdischen Massen einredet, das Schicksal unseres Palästinawerkes wäre durch unfruchtbare Diskussionen bestimmt und nicht durch die eigene Arbeit des jüdischen Volkes. Die Liga für -das arbeitende Palästina unterschätzt kehret'• wegs die Bedeutung des zionistischen Kongresses, doch die Forderung der Stunde ist die Sicherung des Aufbauwerkes, das Vor einem Abgrund steht Die politische Auseinander- Setzung kann ohne Schaden um einige Monate vertagt werden, die praktische Arbeit aber verträgt in diesem Augenblick keinen Aufschub. Die Liga für das arbeitende Palästina will diesen Aufklärungskampf nicht aus parteipolitischen Gründen, sie will ihn gemeinsam mit allen den breiten zionistischen und palästinafreundlichen Schichten des jüdischen Volkes führen, denen das reale Werk in Palästina, die Sorge um die paläsfi« nensische Wirklichkeit wesentlicher Inhalt ihres zionistischen und jüdischen Lebens ist_ Zur Vorbereitung des Kongresses. Die Transsylvatfiscbe Zionistische Organisation hat an die Exekutive folgende zwei Anträge gerichtet: 1. Die Exekutive möge zum Kongreß einen von den bewährtesten Sachverständigen gründlich ausgearbeiteten Fünfjahr-Aufbauplan (Kolonisafions- und Budgetvorschlage) vorbereiten. 2. Dieser Aufb|uplan und die Rechenschaftsberichte der Exekutive sollen spätestens Ende Januar 1931 allen zionistischen Landesverbänden und Zentralen zugesandt werden. systematische Untersuchung der Totenstadt um Jerusalem, wie sie Sukenik unter möglichster Schonung der religiösen Gefühle der jüdischen Bevölkerung Palästinas plant, reiche Aufschlüsse ergeben wird über eine der interessantesten Perioden der jüdisehen Geschichte. Mit Recht wies der Vortragende auch auf die Wichtigkeit einer anthropologischen Untersuchung jener Knochenfunde für die Klärung der Rassenfrage der Juden im Altertum hin, Wie Proben von in der Diskussion gezeigten Schädeln aus den länger bekannten Ossuarien beweisen und aus anderen Gründen höchstwahrscheinlich ist, waren schon die Juden jener Periode im Schädeibau sehr verschieden. Die Ausführungen Sukeniks, die mit dem scherzhaften Vorschlag an die an der Rassenkunde der Juden anscheinend so interessierten Nationalsozialisten schlossen, die Mittel für die Weiterführung der auch für sie wichtigen Forschungen beizusteuern, wurden von dem Auditorium, das viele angesehene Wissenschaftler umfaßte, mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Es schloß sich daran eine interessante Aussprache, in deren Verlauf auch der Rektor der Universität das Wort ergriff. Es sei darauf hingewiesen, daß Herr Dr. S. in einem weiteren Vortrage im Rahmen der Montagsvorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums am Montag, den 12. Januar 1931, 8 Uhr abends, über ״Antike Synagogen in Palästina und Griechenland“ (mit Lichtbildern) spricht. Harry Torczyner. Bialik in London. In der Kingsway Hall zu London fand zu Ehren des hebräischen Dichters Chaim Nachman Bialik ein Festabend statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Exekutive der English Zionist Federation, Rev. J. K. Goldbloom. Bialik hielt eine Ansprache, in der er naclnvies, daß die von den Juden in der Diaspora geschaffenen Werte dem jüdischen Volk immer wieder verloren gehen, während die jüdischen Schöpfungen In Palästina dem Judentum erhalten bleiben. Die Juden müssen aufhören, bloße Nachahmer fremder Schöpfungen und Kulturen zu sein. Nur in Palästina entwickelt sich schöpferisches jüdisches Leben. Dort bericht keine scharfe Grenze zwischen privatem und nationalem Out. Wenn Juden in Palästina für sich arbeiten, schaffen sie gleichzeitig Werte für die jüdische Gemeinschaft. Mit ihrer Arbeit, welcher Art immer sie auch sei, bauen sie Zion auf.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.