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Jüdische Rundschau · 1931-01-06 · Heft 1 (6.1.1931) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 1 (6.1.1931)
Date
1931-01-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr.!, 6.1. 1931 JOEDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Aus den Gemeinden Fürsorge - Arbeit In Berlin Das Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde Berlin hatte am 22. Dezember die Vertreter der jüdi• sehen und allgemeinen Presse zu einer Konferenz geladen, um die breitere OeffentHchkeit über die FürsorgeeinricEtungen der Gemeinde zu informieren. Der Gemeindevorsitzende Kareskl nahm an der Beratung teil. Dr. Fritz Lamm führte u. a. aus: Die Fürsorgetätigkeit der Gemeinde in geschlossenen Anstalten, wie Kranken- und Waisenhäusern dürfte der ()Öffentlichkeit bekannter sein, als die sogenannte offene Fürsorgearbeit. Die Jüdische Gemeinde Berlin befaßt sich seit hundert Jahren mit der Wohlfahrtspflege im eigenen Wirkungskreis. Bis vor acht Jahren wurde die Fürsorgearbeit in einzelnen Kommissionen geleistet, die seit 1923 in einem Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamt vereinigt sind. Neben der Zentrale dieses Amtes bestehen 24 Bezirkskommissionen, die sich einerseits an die Synagogen, andererselts an die städtischen Verwaltungsbezirke int Hinblick auf die notwendige Kooperation mit den städtischen Wohlfahrts- Institutionen anlehnen. Den Dienst versehen etwa tausend Gemeindemitglieder ehrenamtlich, denen ein Stab von besoldeten Beamten und Fürsorgern beigegeben ist, d. h. die Fürsorge wird nicht nach Sachgebieten, sondern einheitlich in der Weise durchgeführt, daß ein Helfer den Kontakt des Wohlfahrtsamtes mit der einzelnen Familie aufrecht erhält und die Hilfsbedürftigieit der Befürsorgten nach jeder Richtung hin berücksichtigt. Die Wohlfahrtspflege der Gemeinde hat weiter ergänzenden Charakter. Es muß darauf geachtet werden, daß staatliche und städtische Behörden, sowie die Verwandten der Hilfsbedürftigen zunächst ihre Pflicht diesen gegenüber erfüllen, während das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde bloß ergänzende Beihilfe leistet. Auf dem Gebiet der Jugendfürsorgearbeit ist die seit dem Jahre 1913 bestehende Sammelvormundschaft hervorzuheben, die über tausend Kinder erfaßt. Während die rechtlichen Angelegenheiten der Sammelvormundschaft in der Zentrale erledigt werden, erfolgt die persönliche Fürsorge für alle Mündel durch die Bezirkelm Wege der Familienfürsorge. Zum Zwecke der Gesundheitsfürsorge für Kinder und Jugendliche werden in jedem Bezirke von ehrenamtlich tätigen Aerzten Kindersprechstunden abgehalten. In diesen erfolgt die Auswahl der auf Grund der gemachten Beobachtungen in die Kur- und Erholungsheime zu entsendenden Kinder. In der letzten Zeit ist ein Ansteigen der Not unter der jüdischen Bevölkerung infolge der Wirtschaftskrise insbesondere in den westlichen Bezirken Berlins festzustellen. Durch eine besondere Winterhilfeaktion werden Bedürftige mit Obdach, Nahrung, Kleidung und Feuerung versorgt. Im Vorjahre gelangten zirka 8000 Zentner Kohle zur Verteilung, in diesem Jahre wurden bereits 10003 Zentner ausgegeben. In sechs Volksküchen werden 500 bis 600 Personen verköstigt. Fünf warme Stuben in verschiedenen Gegenden stehen nachmittags und abends Besuchern, die dort mit Tee und Brot bewirtet werden, offen. Die Ausführungen Dr. Lamms wurden durch Mitteilungen von S. Adler-Rudel über die produktive Fürsorge der Gemeinde ergänzt. Dieser Fürsorgezweig erstreckt sich auf Rechtsschutz, Wirtschaftsberatung, Arbeitsnachweis Berufsberatung, Kleiderf&rsorge, Obdachlosen-, Durchwand erer- und Strafentlassenenfürsorgc. Besondere Bedeutung kommt der Wirtschaftsberatung zu, mit deren Hilfe mitunter die Liquidie* rang aussichtslos gewordener Kleinunternehmungen und die Neubegründung von Existenzen durchgeführt wird. Die Rechts- Schutzabteilung steht Erwerbslosen bei der Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche an die öffentlichen Wohlfahrtsinstitutionrn zur Seite. Besondere Beachtung verdient angesichts des Anwachsens der Arbeitslosigkeit der Arbeitsnachweis der Jüdischen Gemeinde. Einerseits macht sich in kaufmännischen Betrieben immer mehr eine allgemeine Altersgrenze von etwa 35 Jahren für die Aufnahme von Angestellten geltend, andererseits stößt die Unterbringung jüdischer Arbeitsuchender auf besondere Schwierigkeiten, die noch dadurch erhöht werden, daß immer mehr Unternehmungen die Aufnahme von Juden grundsätzlich ablehnen. Trotzdem ist es dem Arbeitsamt gelungen, eine verhältnismäßig'große Anzahl von Stellensuchenaen unterzubringen. Die Berufsberatung hat im Jahre 1926: 603, 1927: 919, 1928: 951,1929: 968, bis 30. September 1930: 882, insgesamt 4323 Kinder in Lehrstellen untergebracht und ihre Ausbildung überwacht. — Die Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde steht in dauernder Verbindung mit den städtischen Berufseignungsprüfungsstellen. Die produktive Fürsorge der Gemeinde wird durch Notstanasarbeiten ergänzt. So wurden in den Sommermonaten am jüdischen Friedhof in Weißensee 180 bis 200 jüdische Arbeiter beschäftigt, zu allen Bauarbeiten der Jüdischen Gemeinde werden jüdische Arbeiter herangezogen una in der Kleiderkammer, die für den Bedarf der vom Wohlfahrtsamt betreuten Personen an Kleidungs- und Möbelstücken zu sorgen hat, werden 30 Personen täglich mit dem Herrichten alter Kleider und Möbel beschäftigt. Der Kleiderkammer sind Schneider-, Schuhmacher-, Polster- und Tischlerwerkstätten angegliedert. Ferner besteht eine Nähstube, In der jüdische Frauen zum selbständigen Erwerb durch Näharbeiten geschult werden. Für diese umfangreiche Fürsorgetätigkeit reichen die eigenen Mittel der Gemeinde nicht aus. Es ist dringend notwendig, daß die Wohlfahrtsarbeit der Gemeinde in weit höherem Maße als bisher von privater Seite gefördert werde. * Mannheim. Die Neuwahlen zur Gemeinde sind nunmehr völlig abgeschlossen. Als Vorsitzender der Gemeinde wurde wiederum einmütig Professor Dr. Moses gewählt, unter dessen mustergültiger Leitung unsere Gemeinde sieh seit Jahren eines stetigen Fortschritts unter Intensivierung aller Kräfte der Gemeinde erfreuen darf. Ein unvergeßliches Beispiel dieser hin* ״ebungsvollen Arbeit, die getragen ist vom Gesaintvertraura der Gemeinde, war die Uraufführung der Lehrkantate ״Lieh t und V o 1 k“, eine Chanukkahgabe des jüdischen Lehrhauses der Gemeinde Mannheim, über die bereits in der ״J. R.“ berichtet wurde. Oie Kongreß - Schekelsammlung 1 Neue Termine 1. Schlußtermin für die Ablieferung der Schekelgelder: 13• Januar. 2. Schlußtermin für die Ablieferung der für die Sammlung vollständig aufgebrauchten Schekelbiocks:!3. Januar. 3. Schlußtermin für die Ablieferung der übrigen Schekelblockst 23. Januar. 4. Kongreß wählen: 1. Februar. Die Landesschekelkommlssion der Zionistischen Vereinigung ffOr Deutschland Berlin W15, Meinekestraße 10. Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091. Bankkonto: Volksbank Ivria. Berlin M 8, Fraazöaische Str. & Die ökonomische Lage der Fellachen her Bericht der Johnson -Crosble- Kommission Die palästinensische Regierung hat soeben den Bericht der Johnson-Crosbic-Kommission veröffentlicht. Die Kommission wurde am 22. April 1930 eingesetzt, um die ökonomische Lage der Fellachen und die im Zusammenhang damit zu ergreifenden steuerpolitischen Maßnahmen zu untersuchen« Sie ist zu den nachstehenden Schlußfolgerungen gelangt, von denen inzwischen einige von der Regierung ausgeführt wurden. Auch Sir John Hope-Simpson hat das Material des Berichtes, das instruktive und bisher noch nicht bekannte Einzelheiten über die Lage der arabischen Dörfer gibt, teilweise benutzt, ohne jedoch immer die Folgerungen der Kommission zu übernehmen. Die Schlußfolgerungen der Kommission empfehlen der Regierung zur Hebung der Lage der Fellachen folgende Maßnahmen: 1. Praktische Belehrung und Unterweisung des Fellachen über Verbesserung der landwirtschaftlichen Betriebsmethoden und Einsetzung einer beratenden Kommission für Fragen des Absatzes landwirtschaftlicher Produkte. 2. Gründung von Kooperativen in den Dörfern und Ein- Setzung eines Experten, der die Regierung über die Methoden berät, die zur Entwicklung des Kooperativ-Wesens zu ergreifen sind. 3. Ersetzung des Werko durch Einführung einer niedrigen Grundsteuer und Einführung einer Einkommensteuer auf hohe Einkommen. Ein englischer Sachverständiger soll ein geladen werden, die Regierung bei der Ausführung dieses Vorschlages zu beraten. 4. Aufhebung der Viehsteuer (Agnam) nach Einführung der Einkommensteuer. 5. Teilweise Entlastung des Landwirts durch Reduzierung des Oscher (beginnend im Januar), um 25 «/o, so daß er künftig statt 10 #/» nur 7,5 <y# zu entrichten hat und Erhöhung der städtischen Werko-Steuer in einem Maße, daß dadurch der entstehende Ausfall der Oschersteuer angebracht wird. 6. Weitere Reduzierung des Oscher nach Maßgabe der Einnahmen aus der neuen Einkommensteuer. Die Reduzierung des Oscher soll eine gleichmäßige Verteilung der Steuern aut ländliche und städtische Bezirke einleiten. 7. Sofortige Reduzierung des Oschers (d. h. im Jahre 1930) um ein Drittel von 10 ״/» aut 62/» °/0. (Dieser Vorschlag wurde bereits im Juli 1930 durch eine Verfügung der Regierung realisiert.) 8. Erwägungen über eine weitere Reduzierung des Oscher für die Ernte aus der Sommerfmcht 1930 sind anzustellen, falls die niedrigen Preise anhalten sollen. 9. Kreditgabe an die Landwirte aut dem Wege über die vorgeschlagenen Kooperativen. 10. Bereitstellung von 100 000 Pfund als Notstandsmaßnähme 1930, um den Fellachen den Anbau ihrer Felder in der kommenden Saison zu ermöglichen. (Inzwischen sind bereits £ 35 000 als Anleihe für die durch die Mäuseplage geschädigten Bauern bewilligt worden.) 11. Verhandlungen mit ausländischen Regierungen über die Eröffnung neuer Märkte für die landwirtschaftliche Produktion Palästinas. 12. Schutz der landwirtschaftlichen Produktion vor fremden Importen durch Zölle aut ausländische Produkte unter folgenden Gesichtspunkten: a) Verbot der Einfuhr von ausländischem Weizen und Weizenmehl (außer durch Mühlen und Bäckereien aut Grund einer Lizenz) ׳und Verpflichtung der Bäcker, einen bestimmten Prozentsatz inländisches Mehl zu verbacken. b) Erhöhung des Schutzzolles aut Weizen und Weizenmehl um .<>/״ 50 c) Verbot des Imports von unraffiniertem Olivenöl bis aut weiteres. d) Erhebung eines Zolles von 3 Pfund pro Tonne eingeführte Sesamsaät. (Diese Empfehlungen der Kommission sind mit Ausnahme von Punkt a) ebenfalls bereits im Juni 1930 ausgeführt worden.) 13. Teilung des Muscha-Bodens (Allmende) in Parzellen mit individuellem Eigentumsrecht. Zu diesem letzten Punkt, der auch von Sir John Hope Simpson sehr betont wird, ist zu sagen, daß die in den arabisenen Dörfern bestehenden Eigentumsverhältnisse tatsächlieh in allen Untersuchungen als besonders,schwerwiegendes Hindernis für die Entwicklung der arabischen Landwirtschaft angesehen werden. Das Musdia-System, nach welchem koitektives Eigentumsrecht aller Bodenbesitzer andern Boden des Dorfes besteht, hat in den arabischen Dörfern alle zwei Jahre eine neue Verteilung der einzelnen Bodenstreifen an die Mitbesitzer des gemeinsamen Dorfgrund• besitzes zur Folge. Daher unterläßt der Fellache in den Dörfern und Musch aböden eine intensive Bearbeitung oder Düngung seines Bodenanteiles, weil dieser nach zwei Jahren bereits wieder einem anderen Bebauer zur Bestellung zuewiesen wird. Eine Beleihung oder Hypothezierung des odens wird aus den gleichen Gründen fast unmöglich gemacht. Die Regierung hat mit der Reform des Muscha- Systems vor längerer Zeit begonnen und die Aufteilung des Allmende-Bodens in Parzellen mit individuellem Eigentumsrecht in verschiedenen Distrikten begonnen. Dadurch ist der Prozentsatz des Muscha-Bodens in den letzten Jahren bereits zurückgegangen, beträgt aber wegen des langsamen lind teuren Verfahrens der Settlement Commission immer noch in einzelnen Distrikten 60—70 ״;« des gesamten Grundbesitzes. Besonders interessant sind die Feststellungen der Kommission über die Verschuldung der arabischen Fellachen. Auf Grund der Enquete in 104 arabischen Darfern, deren Verhältnisse von der Kommission eingehend untersucht wurden, errechnet diese eine Gesamtverschuldung von 2 Millionen Pfund für die gesamte arabische Landwirt- Schaft. Auch vor dem Kriege war die arabische Landwirt- Schaft in Palästina ähnlich verschuldet, wenn auch die einzelnen Schuldbeträge selbst niedriger waren. Bemerkenswert ist in dem Bericht weiter die Uebernahme der Bodenschätzungen des Land Commissioners. Die Ziffern des Land Commissioners, die von der Johnson-Crosbie Kommission übernommen werden, lauten bebaubare Fläche im Gebirge von Judäa und Galiläa 5,376.000 bebaubare Fläche in den Ebenen 5,216.000 bebaubare Fläche im Beersheba-Distrikt 1,641.000 Bebaubare Gesamtfläche 12,233.000 Diese Ziffer steht in starkem Gegensatz za der Auffassung von Sir John Hope-Simpson, nach dem die bebaubare Bodenffäche (einschließlich des kultivierbare» Gebietes im Beersheba-Distrikt) nur 8,044.000 Dunatn beträgt, ohne diese Fläche sogar nur 6,544.000 Dunatn. Von Interesse ist ferner, mit welchem Nachdruck von den Verfassern des Berichtes die Preislage auf den Weltwirkten als ausschlaggebender Faktor für die Gestaltung der wirtschaftlichen Lage in den arabischen Dörfern dargestellt wird. Von der internationalen Preisdepression werden natürlieh, wie auch der Bericht hervorhebt, auch die jüdischen Wirtschaften empfindlich getroffen. Die jüdischen Siedtagen produzieren zwar das Doppelte der arabischen Wirtschäften pro Bodeneinheit, aber entsprechend den höheren Lebensbedürfnissen der jüdischen Siedler ist auch ihr Verbrauch mindestens doppelt so groß als der der arabischen Bauers« Die Hauptvorzüge der jüdisches Sied• 11ng sieht der Bericht in der besseren Organisation und Ausnistuag der jüdischen Landwirtschaft, insbesondere auf dem Gebiet der Kreditbeschaffung, in ihrem höheren Lebens- Standard und der Teilnahme an sozialen und kulturellen Errungenschafien, die dem arabischen Bauer» noch unbekannt sind. (Ziko.) Kleine Nachrichten Am 14. Januar 1931 vollendet Herr Felix M, War bürg, Präsident des American Joint Distribution Committee und des Administrative Committee der Jcwisli Agency, sein 60. Lebensjahr. Das amerikanische Judentum insbesondere rüstet sich zur festlichen Begehung dieses Tages, Auf ärztliche Anordnung hat sich der Präsident des Zionistischen Aktions-Comitds, Leo Motzkin, zu einem Kur• aufenthalt nach Nizza begeben. Er ist durch seinen Gesundheit®- instand genötigt, sich in nächster Zeit von Jeder politischen Betätigung femzuhalten. Anläßlich eines Jerusalemer Weihnachtsbesuches von Sir Ronald Storr s, dem Gouverneur von Cypern und früheren Gouverneur von Jerusalem, wurden in Palästina Gerüchte verbreitet, daß Storrs zum Nachfolger von Chancellor im Oberkommlssariat von Palästina ausersehen sei. Man nimmt an, daß Chancellor seinen Posten im August d. J. nach Ablauf einer dreijährigen Amtszeit verlassen wird. Im amerikanischen Zionismus ist eine starke Stimmung für eine Verschiebung des Kongresses vorhanden. Eine Versammlung New Yorker Zionisten nahm eine Resolution an, die eine Verschiebung des Kongresses bis nach Beendigung der Verhandlungen zwischen Jcwish Agency und britischer Regierung fordert. Louis Li p sky ist zum Präsidenten der New Yorker Ortsgruppe gewählt worden. Im ganzen Lande Palästina beging die jüdische Arbeiterschaft die Feier des zehnjährigen Bestehens der Hi stadruth, die Ende Dezember 1920 auf einer Konferenz palästinensischer Arbeiter in Haifa begründet worden ist. Im Dezember 1930 hat die Alliance Israeiite Universeile das 70. Jahr ihres Bestandes vollendet Sie wurde im Jahre 1860 unter dem Eindruck der Ritualmordagitation in Damaskus und des Falls Mortara, der Entführung und Zwangstaufe eines jüdischen Kindes in Bologna, von 17 jungen Pariser Juden begründet. Das Organisationskomitee bestand aus dem Rabbiner Aristide Astruc, dem Professor am Pariser Rabbinerseminar Isidor Cahen, dem Bauingenieur Jules Carvallo, dem Advokaten Narcisse Leven, dem Professor Eugene Manuel und dem Kaufmann Charles Netter. Der erste Präsident der Alliance war Adolphe Cremieux. Seit 1920 ist Professor Sylvain Levt Präsident der Alliance. Briefe an die Redaktion Die jüdische Arbeit in den Kolonien. Chederah, 25. Dezember 1930. Mit Erstaunen habe ich als alter ״Chederenser“ in der ״Rundschau“ gelesen, daß unsere Kolonisten sich bemühen, eine friedliche Lösung der Arbeitslosenfrage herbeizuführen und sich überhaupt um die Vergebung von Arbeiten an Juden kümmern. Daß das genaue Gegenteil leider der Fall ist, weiß auch die jüdische Arbeiterzeitung ״Dawar“, die aus mir völlig unbegreifüchen Gründen obige irreführende Nachricht gebracht hat. Lediglich die unter zurzeit deutsch-zionistischer Leitung stehenden großen Pardessim der A. P. C. haben etwas wesentlich«* für die Lösung der Arbeitslosenfrage getan, indem sie die Pflückarbeit durch rein jüdische Arbeit ausführen lassen und dies zum normalen Preis. Von anderer deutsch-zionistischer Seite wurde der Ernst der Situation leider völlig verkannt und lediglieh dazu benutzt, einen Druck auf die Arbeiterschaft auszuüben, die Löhne herabzusetzen. Die Lage ist weiter ernst und scharf, wie sie die ganzen letzten Jahre nicht war. Hoffentlich unterstützt der deutsche Zionismus die jüdische Arbeiterschaft in ihrem Kampf um Arbeit zu Löhnen, die das Existenzminimum nicht unterschreiten. Ein Pardeß kann sich das ohne weiteres leisten! Es handelt sich bei diesem Kampf wohl um das wichtigste palästinensisch-zionistische Problem. Mit Zionsgruß Dr. Kurz. %* Die von der ״Jüdischen Rundschau״ wiedergegebene Nachricht des ,.Dawar“ über die Verhandlungsbereitschaft der Kolonisten von Chederah betraf offenbar nur ein vorübergehendes Stadium. Inzwischen hat sich der Konflikt besonders in Petach Tikwah verschärft. — Red. Wir erhalten folgenden Bericht: Radikale und Unabhängige Allgemeine Zionisten, die sich, bei voller Wahrung ihrer Selbständigkeit, zu einer gemeinsamen Liste für den 17. Kongreß verbunden haben, hielten am 29. Dezember in den Musiker-Festsälen eine Versammlung ab, die von mehreren hundert Personen besucht war. Nachdem die Versammlung des verstorbenen Lord Melchett ehrend gedachte, umriß als erster Redner Dr. Soloweitschi k Auffassung und Ziele der Opposition. Anknüpfend an die Weizmannschen Kongreßreden der letzten Jahre, zeigte er, wie schädlich die Mißachtung der politischen Arbeit durch die bisherige Leitung sich ausgewirkt hat. Er forderte vor allem, daß der Status der Jcwish Agency den ihr nach dem Mandat zuerkannten Rechten in vollem Maße entsprechen soll. R.-A. Dr. Kollenscher betonte, daß sich die Unabhängigen nach wie vor als die Allgemeinen Zionisten betrachten, sich jedoch gegenüber der klein - zionistischen Einstellung der deutsehen zionistischen Leitung und des sogenannten ״Linken Zentrums“ heute wie in den Tagen von Jena scharf abgrenzen müssen. Der Redner legte die Rechts-Grundlagen des zionistisehen Werkes, insbesondere des Mandates dar, das nicht zweideutig wäre, wie zuerst unsere Theoretiker herausgefunden hätten, sondern eindeutig zugunsten des jüdischen Aufbaus gegeben sei. Dr. Sandler wandte sich gegen die schwächliche Haltung der offiziellen deutschen Zionisten und gewisser Kreise der Linken, die auch von der palästinensischen Arbeiterschaft nicht gebilligt würde. Er gab aer Befürchtung Ausdruck, daß, ähnlich wie nach den Unruhen und nach dem Shaw-Bericht — dessen ״Objektivität“ die Jüdische Rundschau gerühmt habe — auch gegenüber dem neuen Weißbuch und dem neuen Vorschlag eines Legislative Council eine nachgiebige Haltung gezeigt werden würde. Das müsse die Opposition und mit ihr der 1|. Kongreß verhindern, der diesmal eine klare Sprache zu fuhren habe. In einem Schlußwort legte Dr, S o 10 w c i t s c h i k aut Anfragen von revisionistischer Seite dar, daß die Beteiltgung der Radikalen an der politischen Kommission keineswegs ein Aufgeben ihrer oppositionellen Haltung bedeute und grenzte sich schließlich gegenüber den Revisionisten ab, die für den Fall eines nicht hundertprozentigen Erfolges mit dem Gedanken eines Austritts aus der Zionistischen Organisation spielten. Demgegenüber käme für die übrigen Oppositionsparteien ein Kampf nurin 11 er 11 alb der Zionistischen Organisation in Frage.

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