Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1931)
- Date
- 1931-01-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Se'te 4 JUCDISCHE RUNDSCHAU Nr, 1, 0.1.!931 Zeitschriften« Schau ״TheNearEastand I n d ia״ schreibt in seiner Nuramer vom IS. Dezember u. a.: Mit der Unterhaus-Debatte über Palästina und der Nachwahl in Whitechapel ist das Problem Palästinas aus der Presse und den Nachrichten v e r - sch wunden, wie von einer magischen Kraft hinweggefegt. Ein Zyniker könnte meinen, daß keine der drei Parteien, Regierung, Araber und Juden, die Resultate mit neuem Enthusiasmus begrüßen konnten und man darum stillschweigend übereinkam, die Sache fallen zu lassen. Das mag auch wirk* lieh das beste sein. Denn das Licht der Öffentlichkeit hat dieses dieses Problem allzu scharf beleuchtet, mit dem Ergebnis, daß viele sonst ganz gescheite Leute ihren Sinn für Proportion verloren haben. Hoffentlich wird man sich jetzt weniger einer scharfen dialektischen Auseinandersetzung hingeben und sich Heber darauf konzentrieren, die Situation, wie sie jetzt besteht, zu verbessern. Man kann mit Befriedigung feststellen, daß gewisse Zeichen von Bereitschaft bei Arabern und Juden vorhanden sind, die möglichen Methoden künftigen Zusammenlebens zu diskutieren, im Augenblick wird die Theorie des Binationalismus in Palästina mit besonderem Eifer verfochten. Diskussionen dieser Art, wenn sie auch akademisch sind, wirken sehr gut, wenn sie auf einer Ebene gegenseitiger Toleranz, ja sogar eines Entgegenkommens geführt werden. In einem solchen Zwischenzustand, wie er gegenwärtig besteht, haben die nüchterner denkenden Zionisten eine natürliche Oelegenbeit. Ihre Losung eines jüdischen Kulturheims an Stelle des jüdischen Staates, der von den Arabern stets als das wahre Ziel der Zionisten betrachtet wurde, ist jedoch in offiziellen zionistischen Kreisen nicht sehr warm begrüßt worden.... Die zionistischen Erklärungen, man müsse alle Verhandlungen mit der Mandatarmacht abbrechen, sind wohl kaum ernst zu nehmen. Andere, mehr zurückhaltende Erklärungen deuten eher an, daß die Zionisten eine Autonomie für die jüdische Bevölkerung Pallstina anstreben. Fraglos sind sie besorgt um die Zukunft ihrer Brüder, wenn den Arabern ein höheres Maß von Selbst- Verwaltung gewährt wird.... Es ist bezeichnend, daß die gegen* wirtige Lage und die voraussichtliche Zukunft von Nichtarabern in arabischen Lindern außerhalb Palästinas mit ungewöhnlichem Interesse studiert wird. Eine solche Entwicklung würde anzeigen, daß das zionistische Problem in eine neue Phase tritt. in derselben Nummer erwidert ein Einsender auf den kürzlieh in dem Bericht unseres Londoner Korrespondenten erwähnten Brief von Israel Cohen. Der Einsender wundert sich sehr, daß Herr Cohen die zitierte Aeußerung von Van Rees als ein Argument anführt und weist demgegenüber auf die Deklaration des Präsidenten Wilson hin, wonach den bisher unter türkischer Herrschaft stehenden Nationen die Freiheit versprochen wird. * Der französische Senator und frühere Minister Justin Oodart nimmt in einem ausgezeichneten Aufsatz, den die bekannte fortschrittliche Zeitschrift ״Le Monde Nouveau" veröffentlicht, zum Palästina-Problem Stellung. Oodart meint, das Weißbuch sei nicht allzu tragisch zu nehmen, wie schon die durch den jüdischen Protests türm erzwungenen ab* schwächenden Erklärungen bewiesen: außerdem sei auch nicht das ganze Kabinett mit Passfield einig gewesen. Dieser habe eines jener Dokumente unterzeichnet, die die englische Kolo* nialbürokratie mit ihrem plumpen und verständnislosen Hoch* mut abzufassen pflege. Augenblicklich sei man damit beschäftigt, die ungeschickte Haltung zu korrigieren. •— Der erste Hauptfehler der englischen Regierung habe darin bestanden, die Ausführung des Palästi na-Mandats seinen Koloniaibeamten anzuvertrauen; die anderen Mandatarmächte dagegen sicherten die Durchfüh; rang ihrer Verpflichtungen durch Stellen, die dem Mini* sterium des Aeußeren unterständen, und tatsächlich sei ja auch ein Mandatsland keine Kolonie! England scheine tanz zu vergessen, daß es über Palästina keine Souveränität abe und daß es keinesfalls aus eigener Machtvollkommenheit die Bedingungen des Mandats Indern könne. Ueber den Qeist, in dem das Mandat durchgeführt werde, habe der Völkerbund zu richten. Wenn das Weißbuch im Widerspruch zur Balfour-Deklaration stehe, und wenn die im Weißbuch an* gekündigte Einwanderung- oder Bodenpolitik dem Mandat widerspreche, so sei das nicht Gegenstand eines Streites zwischen der zionistischen Organisation und En ״!and, sondern zwischen diesem und dem Völkerbund! Die Jüdische Nationale Heimstätte sei keine InncrpoÜtische A n g e - legenh eit Englands, sondern beruhe sowohl juristisch wie tatsächlich auf wesentlich solideren Orund* lagen. Das jüdische Palästinawerk zwinge zur Bewunderung. Den Arabern habe es keinen Schaden gebracht, da die Juden den Boden teuer gekauft und oft längst unbebaute» Land wieder in Kultur genommen hätten. Die Argumente des Weißbuchs gegen die Einwanderung und den Bodenkauf seien keineswegs schlüssig und widersprächen außerdem dem Mandat, Wenn man das Weißbuch an den juristischen Bedingunf en und der Vertragskraft des Mandates messe, und wenn man as internationale Statut der Jüdischen Heimstätte und die jüdischen Leistungen in Palästina ln Betracht ziehe, so komme man zu dem Glauben, daß die Veröffentlichung des Weiß* buche® nur ein Zwischenfall (incident) sei; wenn «8 aber mehr, nämlich efn Unglflcksfail (aeddent) sei, — so nicht für den Zionismus! A. P. * Wie stark das Interesse an der Pa'ästinafrage in Ameri k ist, heigt das Dezemberheft der Monatsschrift ״Gurren H i s t o r y“, das außer großen Porträts von WcHmann un Passfield zwei umfangreiche Artikel über ״eine neue Krisis ii Zionismus" enthält; überdies wird an anderer Stehe noch eir redaktionelle Uebersicht über die letzte Entwicklung der Frag gegeben. Der erste Aufsatz stammt von Israel Cohen, dei Generalsekretär der zionistischen Weltorganisation, .der zweit von Albert HoweLvbyer, einem Professor der Oeschicl te in Illinois. Cohens Aufsatz enthält interessante historisch Details über die Vorgeschichte der Bslfour-DeklaraFon und dl Zeit zwischen der Balfour-Deklaration und dem Mandat, un zeigt, wie sehr der ursprüngliche Sinn der Brtfour-Deklaratioi den Cecll in die Worte ״Judäa für die Juden“ faßte, 8cbo 1922 verwässert worden ist. Die Palls ina-Regierung habe sic zwar aktiv um die Hebung des Landes im Ganzen bemüht, ab« der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte passiv zi gesehen, soweit sie nicht sogar Obstruktion getrieben hab! Cohen gibt eine ausführliche Darstellung der Ereign'sse von de August-Massakern bis zur Auseinandersetzung Englands m der Mandatskommission, und schließt mit der Feststellung, da es England bei dieser Auseinandersetzung nicht gelungen se seine Handlungen und Unterlassungen zu rechtfertigen- — Dt anschließende Artikel von Professor Lybyer ist ein durchau sachlich gehaltener, wenig originel'er Bericht über den Simpsor Report und das Weißbuch, sowie die anschließenden Ereignis» bis Ende Oktober. Die Behauptung MacDonalds, das Weif buch sei nur eine Bestätigung und Fortführung der bisherige englischen Politik und stehe im Einklang mit dem Mandat, f n!« Lybyer ganz richtig. — In der redaktionellen Uebersicht üb* die neuesten Ereignisse wird noch bemerkt, daß die englisc! öffentliche Meinung die Haltung der Regierung zu ,3"’־ scheine, weil eine Beruhigung für die Entlastung des britisch— einer großen Garnison in Palästina bilde. In der englischen ״Contemporary Review“ ver* öffentiieht H. Charles Woods, der dort schon früher über das gleiche Problem geschrieben hat, einen langen instruktiven Aufsatz über die Entwicklung der Palästina-Frage im letzten Halbjahr. Der Verfasser hält sich vor allem an die Tatsachen selbst und ist in seinen Folgerungen sehr vorsichtig, steht aber dem Zionismus zweifellos wohlwollend gegenüber. Während über den Simpson-Bericht gesagt wird, daß er zwar offensichtlich den Arabern günstig sei und indirekt ein gut Teil der zionistischen Arbeit verurteile, aber andererseits durchaus um objektive Wahrheitsfindung bemüht sei, und nichts enthalte, was einer ehrlichen und unparteiischen Erfüllung des Mandats entgegenstände, — stelle das Weißbuch in Ton und Inhalt mindestens ebensosehr eine Verurteilung der jüdischen Arbeit wie' eine Ankündigung der britischen Politik dar. Woods zeigt dann ausführlich, in welcher Weise das Weißbuch eine ganz einseitige Verwertung des Simpson-Berichtes darstellt, indem es die positiven Vorschläge Simpsons außer acht läßt und nur das den Juden Ungünstige aufgreift Die Handlungen der Regierung nach Veröflentlicnung des Weißbuchs stellten aber zweifellos eine fundamentale Wandlung gegenüber dem Ton des Weißbuchs dar. und es sei zu hoffen, daß Araber und Juden der neuen englischen Politik im Geist der Versöhnung Entgegenkommen würden. ״ri e a d w a y“, die Monatsschrift der englischen Völker* bundsliga, schreibt im Dezember, der Streit zwischen den Zionisten und der englischen Regierung müsse bald zu einem Ende kommen, da die Regierung durchaus leugne, jemals die ihr zugeschriebene Absicht der ״Kristallisation“ der jüdischen nationalen Heimstätte gehabt zu haben. Auf alle Fälle aber könne man sich darauf verlassen, daß die ständige Mandats* kommission, welche die Situation sehr aufmerksam verfolge, jede Maßnahme, die mit dem Mandat nicht in Einklang stehe, sofort verurteilen werde. A. P. Kongreß-Programm der Revisionisten Die revisionistische Zentrale teilt mit: Am 23. und 26. Dezember fand In Berlin unter dem Vorsitz des Herrn Jabotinsky eine stark besuchte Sitzung des revisionistischen Parteirats statt, an der die Mitglieder des Executive Commlttees und eine Reihe von Mitgliedern des Parteirats aus Deutschland, England, Polen. Tschechoslowakei, Oesterreich, Bulgarien, Frankreich, der Schweiz und Südafrika teilnahmen. Nach Entgegennahme des Berichtes des Executive Committees, den Meir Großmann erstattete, wurden die Fragen erörtert, die angesichts des bevorstehenden Kongresses von besonderer Bedeutung sind. Daneben wurden interne Fragen behandelt, die sich auf den Brith Trumpeldor, den Tel• Hai-Fonds, die Lage in Palästina und die Finanzen beziehen. Nach Abschluß der Debatte über die Kongreßfragen wurde beschlossen, einen Aufruf an die Wählerschaft und eine Platform für den Kongreß zu veröffentlichen. Von den zahlreichen Programmpunkten, die in der Platform enthalten sein werden, sind besonders die folgenden hervorzuheben, die auf dem nächsten Kongreß von aktuellster Bedeutung sein wer• den und zu denen nachstehende Beschlüsse einstimmig gefaßt wurden: I. Die Revisionistische Union und die Zio* nlstische Weltorganisation. Die Revisionistische Union ist fest entschlossen, wie bis* her den Kampf für die ideologische Erneuerung der zionistisehen Bewegung und für die wiederaufrkhtung der Zionistisehen Organisation mit aller Kraft fortzusetzen. Die Revisionistfsche Union appelliert an das jüdische Volk, ihr bei den bevorstehenden Wahlen zur Eroberung des Zionisten- Kongresses zu verhelfen. Die zionistische Oeffentlichkeit wird warnend darauf hingewiesen, daß die Fortdauer des seit zehn Jahren im Zionismus herrschenden Regimes, dessen Methoden auf allen Oebleten der Politik und der praktischen Arbeit sich längst als irrig und verderblich erwiesen haben, notwendigerweise zur völ'igen Zerstörung der Bewegung und zum Zerfall der Zionistischen Organisation führen. II. Zionistische Zielsetzung. Um den Mißdeutungen des Ziels der zionistischen Be* wegung ein Ende zu bereiten, die in den letzten Jahren, wesentlich durch die Schuld der bisherigen Leitung, von iüdischer und nichtjüdischer Seite verbreitet worden sind, wird beschlossen, daß die Revisionistische Kongreßfraktion dem 17. Kongreß folgenden Antrag unterbreitet: Die im Basler Programm niedergelegte Forme! der ״öffentlich rechtlich ge* sicherten Heimstätte“ und die in der Balfour-Deklaration und Im Mandat enthaltene Formel des ״national home'״* lassen auf Orund der ganzen Geschichte des Zionismus und auch auf Orund der uns von England und dem Völkerbund gegebenen Zusagen, insbesondere auch auf Orund der Präambel des Man* dates, keine andere Deutung des Zionismus zu, ais daß Wer* unter das Streben nach der Erlangung der jüdischen Majoritfit auf beiden Seiten des Jordan zum Zwecke der Errichtung eines freien, sich selbst verwaltenden Gemeinwesens verstanden wird. III. Jewish Agency. Die Revisionistische Union hält das Fortbestehen der gemischten Jewis Agency in ihrer bisherigen Form nicht für möglich. Die vom Revisionismus stets erhobenen Einwen* düngen gegen die gemischte Jewish Agency haben sich bereits in der kurzen Zeit ihres Bestehens als richtig erwiesen. Als Folge der verfehlten Organisationsform ergab sich die Arbeitsunfähigkeit dieses Organismus, fortgesetzte Kompetenz- Schwierigkeiten und störende Eingriffe in die zionistische Politik. Die Revisionistische Union wird auf dem Kongreß dafür elntreten, daß andere und bessere Wege der Zusammenarbeit mit den nichtzionistischen Elementen in der Jewish Agency gesucht werden, und daß die jetzige Konstitution der Jewish Agency grundlegend reformiert wird. Dabei ist als leitender Gesichtspunkt zu beachten, daß die für die Führung der Politik verantwortlichen Organe der Jewish Agency von einem nach demokratischen Grundsätzen gewählten Kongreß eingesetzt werden und diesem Kongreß gemeinsam verantwortlich sind. IV. Die künftige Leitung der Zionistischen Organisation. Die künftige Leitung der Zionistischen Organisation muß auf Orund eines deutlich umschriebenen politischen und wirtschaftlichen Arbeitsprogrammes und nicht wie bisher auf Orund von Fraktionsvereinbarungen, die zur Wahl innerlich uneinheitlicher Exekutiven führten, gebildet werden. Unter der Voraussetzung, daß der Kongreß ein Programm annimmt, das den wesentlichen Forderungen des Revisionismus entspricht, hält die Revisionistische Union es für ihre Pflicht, trotz der Schwierigkeit der geschaffenen Lage die volle Verantwortung für die Führung der Geschäfte der Zionlstischen Organisation zu übernehmen. Die Revisionisten sind in diesem Falle auch gewillt, für die Bildung der Leitung Vertreter anderer Gruppen oder solche Personen heranzu* ziehen, die bereit und befähigt sind, an der Durchführung des beschlossenen Programms im Geiste und unter der Führung des Revisionismus mitxuwirkea. Julius Brutzkus Am 25. Dezember ist der bekannte Zionist Dr. Julius Brutzkus 60 Jahre alt geworden. Dieser bewährte zionistische Kämpfer blickt auf ein reiches zionistisches Leben zurück. Dr. Brutzkus gehört •seit seiner frühesten Jugend der zionistischen Bewegung an. Nach Beendigung seines medizinischen Studiums an der Moskauer Universität übersiedelte er nach Petersburg, wo er zusammen mit M. Winawer, L. Branison u. a. die Redaktion des ״Woschod“ — damals keines zionistischen, aber eines Organs des nationalen russischen Judentums — übernahm, Brutzkus zionisiert den ״Woschod". Später wird er von den zaristisehen Behörden verfolgt und ist gezwungen, Petersburg zu verlassen. Er geht nach Turkestan, wo er als Arzt an der Bekämpfung der Cholera mitwirkte. Seine späteren Wissenschaftliehen Arbeiten über das Leben und Folklore der Bevölkerung in Turkestan haben wir dieser Periode zu verdanken. 1904 kehrte Brutzkus wieder nach Petersburg zurück und ist in der Redaktion der ersten zionistischen Monatsschrift ״Jcwrelskaja Schisn“ tätig, arbeitet auch an der zionistischen Wochenschrift ״Raswjet“ und wird einer der anerkannten Führer des russischen Zionismus. Nach dem Kriege — er war als Arzt die ganze Zeit fm Felde — steht Dr. Brutzkus an der Spitze des russischen Zionismus. Er ist der Vorsitzende des russischen Merkas und als solcher wird er seitens der Sowjetmacht verfolgt. 1920 wird Brutzkus zusammen mit anderen Zionisten auf einer illegalen zionistischen Konferenz in Moskau verhaftet und wird von der Tscbeka zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt 1921 gelingt es Brutzkus, die Freiheit zu erlangen und nach Litauen zu kommen. Hier ist er eine kurze Zeit Minister für jüdische Angelegenheiten. Nach der Abschaffung der jüdischen Autonomie In Litauen über• siedelt er nach Berlin, wo er auch heute noch lebt und auf ver* schiedeneu zionistischen und allgemein jüdischen Gebieten tätig ist. Seit Jahren steht Dr. Brutzkus im revisionistischen Lager und gehört dem Zentralen Komitee der Revisionistischen Or* ganisation an. Die Arbeit von Dr. Brutzkus über die Geschichte der Chasaren sind bekannt. Brutzkus gilt als einer der originellsten Forscher auf diesem Gebiete. Sein ganzes Leben widmete Dr. Brutzkus der Arbeit nicht nur für den Zionismus, sondern für das jüdische Volk überhaupt Er ist im ״Ort“, ״Emigdirect“, in letzter Zeit besonders in der ״Ose“ tätig. Der 60. Geburtstag von Dr. Brutzkus, der im Exil in Berlin lebt, wurde für Gesinnungsgenossen und seine Freunde zum Anlaß einer bescheidenen Feier, in der das Leben und Wirken des Jubilars entsprechend gewürdigt wurde. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren weiter Die Antwort der Araber an! das Weißbuch Jerusalem, 31. Dezember. (I. T. A.) Die Palästinen- ) sisch-Arabische Exekutive hat in ihrer Sitzung vom 28. Dezember j beschlossen, das vom Sekre'.är der Arabischen Exekutive, Atml / Bey Abdul H ad i, verfaßte Memorandum unter Hinzufügung der vom letzten palästinensisch-arabischen Kongreß angenommenen Resolutionen der englischen Regierung als offizielle Antwort der Arabischen Exekutive auf das Weißbuch zu unter* breiten. Die Annahme des Entwurfes Auni Bevs stellt einen Sieg des Sekretariats der Arabischen Exekutive über die unter der Führung des Großmufti stehenden arabischen Extremisten dar. Aegypten liefert Pofjromlsten ans J erusalem, 2. Januar. (J.T. A.) 20 Araber aus Hebron, die in Aegypten unter dem Verdacht, an den Massakers i:n August 1929 teilgenommen zu haben, verhaftet wurden, werden an Palästina ausgeliefert. Der Gefangenentransport ist unter starker Polizeibedeckung bereits an der Orenze angelangt, bisher aber von der palästinensischen Polizei noch nicht über* nommen worden. Insgesamt wurden in Kairo 90 Araber aus Hebron, die nach den August-Unruhen im Jahre 1929 nach Aegypten geflohen sind, verhaftet und stehen vor der Ausliefe* rung. Diese Aktion der ägyptischen Polizei hat unter den in Aegypten lebenden palästinensischen Arabern lebhafte EmpÖ* rung ausgelöst. Jn diesen Kreisen wird erklärt, daß es sich bei den Verhafteten um politische Verbrecher handelt, die Aegypten als ihre zweite Heimat befrachten. Ihre Auslieferung stelle eine Verletzung des Asylrechts dar. Die portugiesischen Marranen Saloniki, 28. Dezember. (J. T. A.) Auf Einladung eines in Amsterdam zu dem Zwecke, den portugiesischen Marranen die Rückkehr zum Judentum zu erleichtern, gebildeten Komitees hat sich Rabbiner Baruch Ben Jacob aus Saloniki nach Oporto begeben, um die dertigen Marranen mit jüdischer Lehre und jüdischen Gebräuchen vertraut zu machen, [n einem an einen Freund in Saloniki gerichteten Brief schreibt Rabbi Ben Jacob: In Oporto, der bedeutendsten Stadt im nördlichen Teile von Portugal, ist jetzt, zum erstenmal seit der vor mehr als 400 Jahren erfolgten gewaltsamen Bekehrung der portugiesischen Juden zum Christentum, eine Synagoge itn Bau. Es gibt dort eine kleine jüdische Gemeinde von sieben jüdischen Familien aus Polen und zwölf Marranen-Familien. Besonders hoffnungsvoll für die Entwicklung der Rücktrittsbewegung unter den Marranen muß die vor kurzem erfolgte Gründung einer Jeschiwah In Oporto stimmen, die unter dem Namen ״Roseh Pinah" von sieben marranjsehen Rabbirtatskandidaten ins Leben gerufen wurde. Die Hörer dieser Jeschiwah, die aus von zahlreichen Marranen bevölkerten nordportugie* sischen Dörfern stammen, werden nach Vollendung ihrer Studien in ihre Heimatsorte zurückkehren, um die jüdische Lehre unter den Marranen, die zum Judentum zurückzukehren beabsichtigen, zu verbreiten. Professor Dr. Rudolf Samuel, Der bisherige Redakteur der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland in Breslau, Herr Dr. Ru* dolf Samuel, ist von diesem Amte zurückgetreten, nachdem er einen Ruf als Professor der Physik und Direktor des physl* kalischen Instituts an die Universität in Aligarh in der Nähe von Delhi in Brilisch-Indien erhalten und angenommen hat. Dr. Samuel studierte in Berlin und Qöttingen und war dann später in Berlin und Breslau, zuletzt im Aufträge der Notgemein* schaff der deutschen Wissenschaft, an der Technischen Hochschule in Breslau tätig. Seine experimen'ellen und theoretischen Arbeiten liegen auf dem Gebiete der modernen Atom- und Molekularphystk und haben nicht nur in Deutschland, sondern u. a. auch in der englischen Fachpresse eine sehr freundliche Auf* nähme gefunden. Stets an allen jüdischen Dingen besonders interessiert, hat er seit Juni 1925, also mehr als 5Vs Jahre lang, im Nebenamte auch die Redaktion der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland geleitet. Dr. Samuel gehörte zu den Grün 'ern de® Hapoei Haza'ir in Deutschland, ist ein führendes Mitg'ied der deutschen Hitachduth und steht in seinen palästina-politi* sehen Anschauungen dem ״Brith Schalom“ nahe.