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Jüdische Rundschau · 1931-01-06 · Heft 1 (6.1.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 1 (6.1.1931)
Date
1931-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. f, 0.1.1931 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Konferenz der englischen Zionlsien Die zionistische Landeskonferenz in Rumänien (Altreich) Trauer um Loid Meldiett -יי- Politische Resolutionen יייייי Dr. Eder Präsident Am 27. Dezember, abends, wurde, wie bereits in der vorigen Nummer kurz gemeldet, die 31. Jahresversammlung der Engiish Zionist Federation eröffnet. Die Tagung stand unter dem Eindruck des wenige Stunden vorher erfolgten Ablebens Lord M eich etts, der eine Zeitlang an der Spitze der Engiish Zionist Federation gestanden hatte. Dr. Welzmann hielt einen Nadiruf au« Lord Meldiett Dr. Weizmann führte ungefähr aus: Unsere Versammlung ist von einem tragischen Ereignis überschattet: dem Ableben eines großen Mannes in Israel, eines Mannes, der viele Jahre hindurch unserer Sache unschätzbare Dienste geleistet hat. Erst in verhältnismäßig späten Jahren Ist Lord Melchett zu uns gekommen. Der britischen Industrie, der britischen Wissen* schart und Politik hat er mit jener Hingabe gedient, die er jeder Sache, der er sich einmal gewidmet hatte, entgegen* zubringen pflegte. Etwa 1915 oder 1916, mitten im Kriege, als das zionistische Problem in den Vordergrund politischer Erörterungen gerückt wurde und anfing, das Interesse der Weltmächte auf sich zu lenken, begann auch Lord Melchett, langsam und zögernd zunächst, gleichsam tastend, einen Weg zu uns zu suchen. Bald schon wurde er ein eifriger Förderer, ja eine der Säulen unserer Bewegung, der er sein großes Prestige, seine moralische Hilfe und seine großzügige materielle Unterstützung lieh. Wo immer eine Schwierigkeit auftauchte, konnte man sich vertrauensvoll an ihn wenden, immer war er bereit zu raten und tatkräftig zu helfen. Er war die Großzügigkeit in Person. Was immer er unternahm, stets waren seine Konzeptionen weitgreifend und groß. Palä* stina erschien ihm als der Weg zur endgültigen Lösung der Judenfrage. Er legte an das Palastina-Problem einen staatsmännisenen Maßstab und bediente sich bei der Behandlung dieses Problems staatsmin- Bischer Mittel Ich gedenke noch der Zeit, da ich den Vorzug hatte, ihn auf seiner ersten Palästina-Reise zu begleiten. Er, ein Mann, reif an Jahren und reif an Erfahrungen, ein Mann der großen Welt, gewohnt, große Unternehmungen zu leiten, war, als er den Boden Palästinas betrat, wie umgevvandelt, war ein Jüngling, den alles, was er sah, in Begeisterung versetzte. Vor seinem geistigen Auge erstand all das, was hier im Ver“ laufe von zehn Jahren werden möchte, und in vielen Fällen ist heute seine prophetische Voraussicht zur Wirklichkeit ge* worden. Als wir am Ufer des Tiberias-Sees entJangfuhren sagte er, et wünschte, hier du Haus zu besitzen, um sich hierher zurückzuziehen und geistige Erhebung zu finden, wenn er dnst des Treibens der Welt müde geworden sein sollte. Er besaß später ein solches Haus, cs war ihm aber nicht mehr vergönnt, cs zu sehen. Erst vor 14 Tagen hat er den Plan einer Reise nach Palästina erwogen und dabei erklärt, es sei doch nicht in Ordnung, daß er sein Haus in Palästina noch nicht gesehen habe. Wenige Tage vor seinem Tode fiel ihm plötzlich ein, daß die auf seinem palä* stinensischen Landgut Tel Mond beschäftigten Arbeiter keine eigene Bibliothek besitzen and noch von seinem Totenbette aus ordnete er die Schaffung einer solchen Bibliothek an. Er fand für kleine Dinge ebenso Zeit wie für große. Als zur Zeit der Unruhen in Palästina Zweifel geäußert wurden, ob er die Arbeit in Tel Mond fortzuführen gedenke, da sandte er in seiner gewohnt lakonischen Sprache ein Teleframrn nach Palästina, in dem zum Ausdruck kam, daß er diese weifei als närrisch empfinde und selbstverständlich die Fort- Setzung der Arbeit wünsche. Ich hatte oft Gelegenheit, mit ihm über Palästina-Probleme zu diskutieren. Dies war das Band, das mich mit ihm verknüpfte. Niemals wurde er von Kleinmut erfaßt Er hatte den Mut der Ueberzcugung und wußte ihm Ausdruck zu verleihen. Auch auf anderen Gebieten des Lebens stand er wiederholt vor Schwierigkeiten und komplizierten Problemen, für die er immer eine klare Lösung fand. Sein Charakter zeigte viele Seiten und bildete doch ein anziehendes Ganzes. Er besaß einen hohen Intellekt, sprudelte von Ideen über, und es erscheint unfaßbar, daß dieser unerschöpfliche Born von Energie und Gedanken durch eine kleine physiologische Ursache versiegt ist. Lord Melcnetts Tod bedeutet für sein Vaterland, für das britische Weltreich und die britische Industrie, für die För* derung des Friedens zwischen Arbeit und Kapital einen un* wiederbringlichen Verlust. Uns trifft er doppelt schwer. Melchett ist in einer Zeit von uns gegangen, da unsere Arbeit durch eine schwere Krisis hindurchgzht. Zu all den Schwierigkeiten, denen wir in den letzten IS Monaten Pegenüberstandeii, tritt der Verlust unserer einflußreichsten reunde, Marshalls, Balfours und Melchctts, hinzu. Vor zwei Jahren traf ich mit Melchett in New York zusammen. Er u׳ar damals mit der Bildung des Nickel-Konzems beschäftigt. Am Abend nach dem erfolgreichen Abschuß dieser großen Transaktion sagte er zu mir in seiner gewohnt herzliehen Weise: ״Ich bin hier in der Durchführung einer außerordentlich großen geschäftlichen Operation begriTen, von der ich großen materiellen Gewinn erwarte. Ich verspreche Ihnen, daß ich für Palästina mehr tun werde als irgendein Mensch auf der Welt.“ Ich bin sicher, fuhr Dr. Weizmann fort, daß er sein Versprechen gehalten hätte. Denn seit jener Zeit begann er, seine Unternehmungen in Palästina aus zu bauen, die sich, wie ich hoffe, weiter entwickeln und ein ewiges Denkmal für den Mann bilden werden, der so viel für uns getan hat. Ich selbst habe in Lord Melchett einen persönlichen Freund verloren, für den ich uneingeschränkte Bewunderung und tiefe Zuneigung empfand. Alles, was ich sagen kann, ist, daß wir in bescheidener Weise versuchen sollen, unser Bestes zu tun, damit seine ruhmreiche Arbeit keine Unterbrechung erleide. Was er in Tel Mond, am Tiberiap-See, In Haifa und auf den verschiedensten Gebieten des pallsinensischen Lebens geschaffen hat, wird weiter blühen zur Ehre und zum Andenken von Lord Melchett. Das Leben muß weitergehen. Die Erfüllung unserer Pflicht ist durch das Hinscheiden eines großen Freundes schwerer geworden, aber das ist nun unser Los im Leben. Er ruhe in Frieden! Nach Dr. Weizmann sprach Simon Marks Worte des Gedenkens für Lord Melchett. Er führte <11. a. aus: Lord Melchetts Anschluß an den Zionismus erfolgte in einem großen psychologischen Moment. Es war einige Zeit vor der Veröffent- Heilung der Balfour-Deklaration. Eine Reihe von englischen Juden suchte die Veröffentlichung dieses Dokumentes zu verhindern und übergab der Regierung eine Liste von hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, die Gegner des Zionismus waren. Diese Liste enthielt auch den Namen Sir Alfred Monds, des späteren Lord Melchett. Glücklicherweise hatte ich eine Woche vorher Kenntnis von einem von Sir Alfred Mond verfaßten Artikel erlangt, in dem er ein unzweldeutiges zionistisches Bekenntnis ablegte. Ich war in der Lage, dem Momorandum, das wir Zionisten der Regierung unterbreiteten, diesen Artikel beizufügen. Ich arrangierte eine Zusammenkunft Dr. Weizmantis mit Sir Alfred Mond, der damals Minister für öffentliehe Arbeiten war. Diese Unterredung führte zu einer engen Freundschaft zwischen den beiden Männern, die von nachhaltiger Bedeutung für unsere Sache wurde. * Nach dieser Eröffnungskundgebung, die auch durch drei Minuten Schweigen zu Ehren des Verewigten gekennzeichnet war, trat die Konferenz in ihre Arbeitstagung ein. Sie wurde eingeleitct durch die Verlesung einer Reihe von ringelaufenen Begrüßungsschreiben von denen nachstehende erwähnungswert sind: Llovd George schrieb u. a.: Die diesjährige Konferenz der E. Z. F. tagt in einem kritischen Augenblick der Gesch eite des jüdischen Volkes. Meine herzlichen Glückwünsche begleiten Sie bei Ihrer großen Aufgabe. — In sehr herzlichem Tone war auch das Bcfrüßungsschreiben des Ministerpräsidenten von Kanada, ennett, gehalten. E>er Präsident des Jewish Board of Dejjuties, d’Avigdor Goldsmid , erklärte in seinem Begrußungsschreiben, es sei in diesem Augenblick von hoher Bedeutung, der britischen Regierung zu zeigen, daß die Juden Englands entschlossen sind, ihre verantwortungsvolle Aufgabe mit größerer Energie als je zuvor durchzufünren. Von Dr. Weizmann Ist ein Schreiben folgenden Wort- Iaut9 eingelaufen: ״Es ist klar, daß es für mich unmöglich ist, sehr viel über die jetzt im Gange befindlichen Verhandlungen zwischen Vertretern der britischen Regierung und uns zu sagen. Ich kann nur die Hoffnung aussprechen, daß als Ergebnis dieser Verhandlungen die Jewish Agency ln die Lage versetzt wird, ihre Arbeit in Palästina weiterzuführen ohne die gewaltlgea Hindernisse, welche bisher ihr in den Weg gelegt wurden, und so offenkundig unsere Arbeit für das Jüdische Nationalheim beeinträchtigt haben. Was immer aber das Ergebnis unserer Verhandlungen sein mag, es wird Sache Ihrer Vertreter ebenso wie der Delegierten des XVII. Zionistenkongresses sein, die künftige Politik der Jewish Agency zu bestimmen und zu entscheiden." (Die Darstellung im Bulletin der JTA., wonach Dr. Welzmann auf der Konferenz über die Verhandlungen mit der Regierung referiert habe, ist vollständig aus der Luft gegriffen; auch die Inhaltsangabe dieses Berichtes ist entstellt. Wahrscheinlich handelt es sich um Uebermittlungs- oder Uebersetzungsfehler. Es ist nur bedauerlich, daß solche Berichte, die wahrscheinlich von der ganzen zionistischen Presse übernommen werden, auch zu falschen Kommentaren Anlaß geben können. — A. d. R. ״J. R.“) Nunmehr ergriff Chaim Nachman B1 a 1 i k iin Namen des palästinensischen Jischuw das Wort zu einer Ansprache. Die Juden Palästinas, sagte Blalik, sind trotz der schweren Tage, die sie durchzumacben haben, nicht verzagt und nicht entmutigt. Daß sie auf dem Boden Erez Israels leben dürfen, ist ihnen Trost genug. Nur Kleinmut bei den Juden außerhalb Palästinas könnte die Zuversicht des Jischuw erschüttern. Bialik feierte sodann den Geist der Chaluzim, der allen Juden Beispiel sein müsse. Jeder Jude müsse bereit sein, einen Teil seines Vermögens für den Aufbau des Heiligen Landes zu opfern. Die eigentlichen Verhandlungen der Konferenz begannen mit dem Jahresbericht, der von Rev. M. L. Perlzweig vorcelegt wird. Es folgen Berichte von Simon Marks über Keren najessod und P. Horovitz über Nationalfonds. Die Sontagssitzung wird eingeleitet durch ein Referat des Vorsitzenden des Politischen Komitees der E. Z. F., Paul G oodman, der eine Reihe von politischen Resolutionen vorschlägt Hieran schließt sich ein ausführliches Referat von Prof. Brod etsky, Mitglied der Zionistischen Exekutive, das einen Ueberbtick über die letzte Entwicklung und über die Begleltumstlnde der Verhandlungen mit der Regierung gibt (Die Tatsachen selbst sind unseren Lesern bereits bekannt.) Brodetsky betont, daß durch diese Verhandlungen die zionistische Frage zum ersten Male seit vielleicht zehn Jahren aus einer Angelegenheit des Kolonialamtes zu einer Sache des britischen Kabinetts gemacht wurde. Aus der politischen Diskussion, die sich an diese Referate knüpfte, ist vor allem die Rede der bekannten zionistischen Frauenführerin Mrs. Sieff hervorzuheben, die sagte: So wie die zionistischen Führer eine Politik bezüglich des britischen Mandates ausgearbeitet haben, in derselben Weise müsse nun auch endlich eine arabische Politik des Zionismus ausgestaltct werden. Die zionistische Arbeit dürfe nicht auf britischen Bajonetten beruhen, sondern auf einer durchführbaren Politik. Darum müsse an die zionistischen Führer die Forderung gestellt werden, eine radikale Verständigungspolitik mit den Arabern zu betreiben. Die polfttidien Resolutionen enthalten zunächst einen scharfen Protest gegen das britische Weißbuch. Die Zionistische Exekutive wird auf■ gefordert, bei ihren Verhandlungen mit der Regierung alle auf dem Weißbuch basierenden Vorschläge abzulehnen und die Verhandlungen abzu■ brechen, wenn die Regierung ihre gegen war■ tige Politik aufrechterhalten sollte. Das Ver• trauen der Juden zu England könne nur wiederhergestellt werden, wenn die dem Jüdischen Nationalheim feindlichen Bestimmungen des Weißbuches endgültig airsgemerzt sein wer• den. Das Grundprinzip des Palästinamandats war die Anerken• nung der historischen Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina. Die Errichtung eines nationalen Zentrums ist nur auf dem Wege breitester jüdischer Einwanderung mit der Ermöglichung geschlossener An sied- Jung auf dem Lande aurchzuführen. Ohne Sicherung dieser grundlegenden Bedingungen erscheint keine Basis für eine Kooperation zwischen Juden und englischer Regierung fegeben. Ke Verwirklichung des zionistischen Ideals ist mit er Wahrung der Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Pa• lästinas nicht unvereinbar. Die Jewish Agency wird aufgefor■ dert, die guten nachbarlichen Beziehungen zu den Arabern zu pflegen und die gemeinsamen Interessen von Juden und Arabern zu fördern Ke Konferenz spricht ihr Bedauern über Weizmanns Rücktritt aus, sieht aber in diesem Schritt den einzigen Weg, der der Würde und den Interessen des jüdischen Volkes entspricht Zum Präsidenten der E. Z. F. (an Stelle des verstorbenen Lord Melchett) wurde Dr. Eder gewählt. Die Radikalen übernehmen die Leitung n, Bukarest, Ende Dezember. Ke diesjährige zionistische Landeskonferenz Rumäniens hat eine recht überraschende Wendung genommen. Bei dem letzten, im Dezember 1927 in Anwesenheit von Weizmann abgehalteneti t.aiide.skongre.ß Alirumäniens hatten die oppositioneilen Gruppen (Radikalen und Revisionisten) sich geweigert, in der Leitung mitzuarbeitcu, und so kam es, daß die Revisionisten überhaupt nicht, die Radikalen nur sehr widerdrehend in die Leitung der Zionistischen Organisation eintraten, um gleich damit bei der ersten Gelegenheit sich aus derselben zurückzu ziehen. Die Opposition wurde mit aller! Mitteln des erbittertsten politischen Kamp!es, wie sic nur in den gehässigsten parteipolitischen Streitigkeiten der nicht* jüdischen Umgebung gesehen werden konnten, geführt. Im vorigen Jahre, als das statutarisch auf zwei Jahre festgesetzte Mandat der gegenwärtigen Leitung abgclauten war, wurde ein״ ordentliche Landeskonferenz einberufen, um Neuwahlen der Leitung vornehmen zu lassen. Die oppositionellen Gruppen, welche die ganze Zeit über die Sammlungen für Partei* steuern - das einzige Kriterium für die Wahlen von Delegierten zur Landeskonferenz — bekämpften und zu hintertreiben suchten, konnten naturgemäß keine Waiden in diese Landeskonferenz vornehmen, da sie keine Maß-Zahler aufwiesen, und verlangten daher eine Verschiebung der Landeskonfcrenz; die Leitung verschob die Landeskonferenz aut ein späteres Datum; die Entwicklung der Dinge (insbesondere die mißliche Lage in der zionistischen Politik) bewirkte eine weitere Verschiebung, und so wurde die Konferenz endgültig aut den 25. Dezember d. J. einberufen. Die Wahlen, welche außer in Bukarest eigentlich, kaum diesen Namen verdienen, ergaben eine etwas erkünstelte Zusammensetzung der ״Mehrheiten“ am Delegiertentag; es stellte sich heraus, daß, obwohl die Zahl der dem Zentrum angehörenden Maß-Zahlern das Drei- und Vierfache dessen betragen, was die Radikalen und Revisionisten zusammengenotnmen auftreiben konnten, auf der Lanr’esk'-nfe enz die Radikalen und Revisionisten zusammen eine Mehrheit gegenüber den Zentristen hatten. Keser Umstand bewirkte, daß einerseits die Landeskonferenz zu einer Ksputation über die Mehr- und Minderheit wurde, indem jede Gruppe nachzuweisen versuchte, dab sie in Wahrheit die richtige Mehrheit bilde. Ferner wurde lang und breit über die ״Sünden“ der bisherigen Leitung gesprochen, die nach Ansicht der Radikalen nicht genügend nationaljüdische Landes-Politik getrieben hatte, usw. Die Revisionisten, welche nur ein sehr spärliches Interesse an den Arbeiten der Konferenz hatten, weil sie ja nicht darauf reflek• tieren, in die Leitung zu kommen, zogen sich am zweiten Tage von den Verhandlungen derselben zurück. Es verblieben die Zentristen und die Radikalen, und die Debatte über die Landespolitik und das Verhältnis der trüberen Leitung zu der* selben wurde fortgesetzt. Ke Zentristen beschlossen, aus der, wenn auch in künstlicher Weise, konstruierten Lage an der Konferenz die Konsequenzen zu ziehen, erklärten am Abend des letzten Verhandlungstages, daß sie keine weiteren Chargen in der Leitung der Zionistischen Organisation zu übernehmen gedenken und verliebenden Kongreß. Hierauf wählten aie Radikalen eine nur aus ihren Parteifreunden zusammenf" *' . tionen durch, die der alten Leitung die Deeharge verweigern, ein Mißtrauensvotum für Weizmann an den Kqhgreß ln ,Karlsbad beantragen, gegen die cri'glisrhe Politik in Palästina und das Weißbuch protestieren und die Haltung derjenigen Zionisten, die keine national-jüdische interne Politik unterstützten, brandmarken, und sie aus der Leitung und Bewegung entfernt wissen wollen. Diese Resolutionen wurden mit 25 von zirka 100 Delegierten angenommen, und das nach dem Auszug der beiden anderen Gruppen. Kese Aenderung in der Leitung der Zionistischen Organtsation Rumäniens ist ein Ereignis, das nadi manchen Riehtungen schwere Folgen haben kann. Die letzten zwölf Jahre hatten Herr Ad. Bernhardt und seine engeren Freunde die zionistische Arbeit in diesem Lande mit großer Energie und Hingebung geleitet und aut allen Gebieten schöne, zum Teil einzig dastehende Erfolge erzielt, wie z. B. in der Ent- Wicklung der Tätigkeit für die Fonds, den Hechaluz usw. Der Zionismus war nicht nur ״salonfähig“, sondern auch eine Bewegung geworden, die bei Regierung und Presse, Intel!!- Bel aber “Anerkennung für die echte zionistische Gesin nung und den jugendlichen Eifer und Idealismus der Herren, die nun an die Führung der zionistischen Geschäfte in Rumänien gelangt sind, muß man sieb doch mit einiger Besorgnis fragen, ob es ihnen gelingen wird, die Arbeit so weiter zu führen, daß sie zum Wohle und zum Fortschritt der Bewegung aitsfallen werden. Ke Periode Bernhardt war eine Glanzzeit für den rumänischen Zionismus; alle ehrlichen Zions* freunde sind sich in dem Wunsche einig, daß es den Radikalen gelingen möge, nicht nur in der Presse und in ötfentliehen Reden die Zentrumsleute zu bekämpfen, sondern auch die Leitung so zu gestalten, daß sie zum Wohle der Bewegung und zu ihrem steten Aufstieg ausfalle. Jahreskonterenz der holländischen Zionisten Amsterdam, 2S. Dezember. (J.T. A.) Am 24. und 25. Dezember wurde in Amsterdam die 31. Jahreskonferenz des holländischen Zionistenverbandes abgehalten. Auf eine Anfrage der misrachistischen Delegierten, welche Haltung die Leitung des Zionistenverbandes gegenüber der jüdisch-liberalen Bewegung, die neuerdings im Haag eingesetzt hat, einzunehmen gedenke, erklärte der Präsident der Konferenz, K. J. Edersheim, daß der Verband sich gegenüber dem liberalen Judentum in Holland so lange neutral verhalten werde, als dieses sich nicht in antizionistischem Sinne betätigt. Ueber die Frage einer neuen Exekutive des holländischen Zionistenvcrbaiiaes konnte auf der Konferenz keine Einigung erzielt werden. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das Vorschläge zur Bildung einer neuen Leitung erstatten soll. Internationalismus und Bekenntnis zum Judentum. Professor Einstein Ist in Pasadena, wo er in den nächsten Monaten am Mount Wilson Observatorium umfangreiche wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchzuführen gedenkt, eingetroffen. Noch vor seiner Landung wurde Professor Einstein von Pressevertretern über seine Stellungnahme zu gewissen politischen Problemen befragt Unter anderem wurde an ihn die Frage gerichtet, wie er seine internationale Einstei* Iung mit seinem Eintreten für die Errichtung einer national* jüdischen Heimstätte in Palästina veteinba* ren könne, Professor Einstein erwiderte: Internationalismus bedeutet nicht die Aufgabe jeder Individualität Es besteht kein Grund dafür, daß irgendeine Nation oder irgendein Stamm seine Traditionen nicht bewahren sollte. Warum sollten daher gerade die Juden ihre Vergangenheit verleugnen? Warum sollen sie nickt einen Fleck Exdc ihr eigen nennen dürfen?

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