Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1931)
- Date
- 1931-01-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. I, fl. 11S31 JUEDISCHE RUNDSCHAU stattfand» verfehlte auch auf Mond Ihre Wirkung nicht. Ein schlagender Beweis für diese Umwälzung• war Herbert Samuel, der, obwohl mit echt jüdischen Familientraditionen, früher kein aktives Interesse für das Judentum bekundete, und nur durch sein Hervortreten zugunsten der zionistischen Bestrebungen sich der jüdischen Sache zu widmen begann. Dagegen blieb Edwin Samuel, ein Sohn des chowewe-zionistisch veranlagtcn Samuel Montagu, ein ausgesprochen scharfer Gegner des Zionismus und nutzte seine prominente Stellung als Staatsminister für Indien, wenn auch vergeblich, gegen den Zionismus aus. Mond, der im Jahre 1916 in Lloyd Georges Kabinett eintrat, konnte um so mehr zu den Gegnern des Zionismus gerechnet werden, da sogar die hyperpatriotische League of British Jews ihm nicht als vollgültigen Juden Aufnahme gewähren wollte — als, wie behauptet wurde, er sich diesem Verbände aus gewissen Gründen anzuschließen geneigt zeigte. Wie dem auch sei, es steht fest, daß er als Mitglied der Regierung die Balfour-Deklaration unterstützte. Dieses Bekenntnis zum Zionismus war ein Wendepunkt seines Lebens. Hatte er sich schon vor der Balfour-Deklaration im zionistischen Sinne öffentlich geäußert, beschränkte er sich nicht mehr darauf, als Verfechter des zionistischen Gedankens aufzutreten. Durch Mr. Israel Cohen bewogen, spendete er für den Keren Kajeraeth den bis dahin größten Beitrag von $ 25 000. Der Einfluß, den Dr. Wcizmann auf. ihn vor der Balfour-Deklaration gewann und der in treue# Freundschaft sich bis ans Lebensende des Verblichenen bewährte, kam in den verschiedensten Hinsichten der zionistisehen Sache zugute. ״Chalm“ (oder ״Tschälro“, wie der Name Dr. Weizmanns in Lord Mclchetts Mundart klang), blieb ihm in all den folgenschweren Wandlungen der politischen und ökonomischen Entwicklungen der Zionistischen Organisation der anerkannte Führer der Bewegung. Der Brief, der von Lord Melchett letztens von seinem Krankenbette an Herrn Bodenheimer gerichtet war, ist um so weniger als das letzte Bekenntnis des Verstorbenen zu betrachten, als er nach dem vielfach die Gelegenheit wahrnahm, seine Gesinnung in ganz anderem Sinne praktisch auszudrücken. Mit Lord Melchett Ist eine sehr seltene jüdische Persönlichkeit aus dem Leben geschieden. Er übte eine überragende Macht auf alle diejenigen aus, die in seine Nähe kamen, und auf ihn ist es zurückzuführen, daß sein ״Mechutan“ Lord Reading seit den Unruhen im August 1929 sich so eifrig und mit Aufwand seines sehr großen Einflusses für die zionistische Sache einsetzte. Lord Readings Sohn, Viscount Erleigh, der als einer der Anwälte der Jevvish Agency bei der Shaw-Kommission fungierte, ist ein ergebener Zionist, so wie seine Gattin, eine Tochter Lord Mclchetts, ein Mitglied des englischen Keren Hajessod-Komitees ist. Es war eine bittere Enttäuschung für Lord Melchett, daß jetzt eine englische Regierung am Ruder ist, die nicht nur gegen seine politischen Grundsätze war, sondern auch ein sehr schwaches Regiment in ihrem eigenen Lager führt. Er hatte das bei verschiedenen Gelegenheiten in seiner ihm eigenen und unumwundenen Art erklärt, und wenn auch dieser einst gefürchtete Gegner der Labour-Regierung nicht mehr seine Stimme in Entrüstung erheben kann, so wird der Nachklang seiner Worte nicht ohne Einfluß auf den Gang der jetzigen politischen Verhandlungen über Palästina bleiben. — Seine großzügigen Untemehmungen in Palästina — die seine Familie zu vollenden;gedenkt werden als Denkmal''eines großherzigen Juden dienen, und die bevorstehende Veröffentlichung seiner gesammelten zionistischen Reden wird auch den Beweis liefern, wie bei Lord Melchett die Heimkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland zur Wahrheit wurde. Lord Mekhelts Begräbnis Am Dienstag, dem 30. Dezember, 2.30 Uhr nachmittags, wurden die sterblichen Ueberreste Lora Melchetts in dem Familienmausoleum der Familie Mond auf dem allgemeinen East Finchley Friedhof beigesetzt. Dem Wunsche des Verblichenen entsprechend wurde beim Begräbnis das religiöse Zeremoniell eingehalten. Die Totenwacht im Trauerhause hatten abwechselnd Dr. Weizmann und Rev. M. L. P e r I z w e i g, Rev. J. K. Goldbloom und Paul Goodman, Mr. Le vay- Lawrence und Robert B. Solomon gehalten. An dem Begräbnis Lord Melchetts nahmen neben zahlreichen bekannten industriellen und Politikern Mitglieder der Regierung und Diplomatie, indische Fürsten und Vertreter der organisierten Arbeiterschaft Englands teil. U. a. waren Innenminister J. H. Clynes, Kolonienmi'nister Lord Passfield, ferner Lord Ashfield, Lord Beaverbrook, Lord Burnham, Lord Dawson of Penn, der ehemalige Sprecher im Unterhaus Lord Ullswater, Lord Swaythling, Lord Jessel, Sir Hugo Hirst, Dr. Chaim Weizmann, Sokolow, Dr. Eder, Simon Marks, Abg. Major H. L. Nathan, Sir Meyer Spielman, sowie die englischen Oewerkschaftsführer Ernest Bevin, E. Firth und R. Coppock erschienen. Da auf dem Friedhof keine jüdische Zeremonienhalle vor* handen ist, war für die Beerdigungsfeierlichkeiten ein mehrere hundert Personen fassendes Zelt aufgestellt worden. Während In das Zelt nur geladene Gäste eingelassen wurden, drängte sich auf dem Friedhof selbst eine ungeheure Menschenmenge, die Lord Melchett trotz des strömenden Regens das letzte Geleit gab. Der einbalsamierte Leichnam Lord Melchetts ruht in einem bleiernen Sarg, der in einen Mahagonisarg eingeschlossen ist. Unter dem Haupt des Toten liegt ein Säckchen mit Palästina- Erde. (Die in einigen deutschen Blättern erschienene Nachricht, daß Lord Melchetts Leiche eingeäschert wurde, entspricht somit nicht den Tatsachen.) Um 5 Uhr nachmittags wurde in der Westlondoner Synagoge der britischen Juden ein Trauergottesdienst für Lord Melchett abgehalten. Für den 5. Januar 1931 ist in der Queen's Hall zu London ein Massenmeeting zum Gedächtnis Lord Melchetts unter dem Vorsitz von Dr. Weizman n einberufen. Als Redner sind u. a. Lord H a i 1s h a m , Sir Herbert Samuel, Dominion-Minister J- H- Thomas, Sir Hugo Hirst und Major Nathan angekündigt. Die gesamte Presse Englands würdigt in ausführliehen Artikeln das Wirken und die Verdienste Lord Melchetts, wobei auch seine zionistische Tätigkeit respektvolle Erwähnung findet, freilich meist mit etwas ünpräzlsen Einzelheiten. * New York, 3Ö. Dezember. (J.T. A.) Felix M. Warbürg, Dr. Cyrus Adler, der ehemalige amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Henry Morgcnthau, Samuel Unterm ey er und andere hervorragende amerikanische Juden haben den Angehörigen des verstorbenen Lord Melchett telegraphisch ihr Beileid im eigenen Namen und im Namen der Judenbeit Amerikas ausgesprochen. Auch die Zionistische Organisation Amerikas, der Amerikanisch-Jüdische Kongreß und eine Reihe anderer Organisationen haben an Lady Melchett Kon* dolenzteiegramme gerichtet, ln denen sie ihrer Trauer über den Hingang eines der größten Vorkämpfer des Judentums Ausdruck verleihen. Die Zionistische Exekutive hat aus der ganzen Welt eine Menge Beileidstelegramme von zionistischen verbänden, Institutionen und Einzelpersonen erhalten. In Palästina Ist die Trauer um den Verlust Lord Melchetts außerordentlich groß. Im Anschluß an einen Trauergottesdienst zum Gedächtnis des verstorbenen Lord Melchett fand, in der Lämmel-Sc'iu'.e zu Jerusalem unter dem Vorsitz von Colonel Kisch eine von der Exekutive der Jewisb Agency gemeinsam mit dem Wa ad Leumi veranstaltete Trauerversammlung statt, in der David Ye11 in und Professor Benzion Mossinson die Gedenkreden auf Lord Melchett hielten. Die Palästina- Regierung war durch Mr. N u r a k vertreten, der eine Botschaft des High Commissioners überbrachte. Auf der Ehrentribüne nahmen Rabbi Meir, der Präsident des Waad Leumi Pinchas Ruthenberg, der Direktor der chemischen Werke am Toten Meer Ing. Nowomeyski und Frau Ben Jehuda an der Versammlung teil. An Lady Melchett wurde im Namen aller Teile der palästinensischen Judenheit ein Beileidstelegramm abgesandt. Sozialistische Führer zam Weißbuch Nach der Rüdekehr Vanderveldcs von seiner Reise aus Rußland und China fand Mitte Dezember in Brüssel eine Sitzung des Büros des internationalen sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina, das während des Internationalen sozialistischen Kongresses im Sommer 1928 gegründet wurde, statt. Es wurde folgende Resolution angenommen und beschlossen, die Resolution allen Mitgliedern des sozialistischen Komitees zur Unterschrift vorzulegen. I. Das sozialistische Komitee für das arbeitende Palästina stellt fest, daß das Weißbuch dem Geiste und dem Wortlaut nach durch die vorgesehenen Maßnahmen und die einschnei• denden Beschränkungen der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Kolonisation in Palästina fast unüberwindliche Schwierigkeiten der Entwicklung in den Weg stellt. Das Komitee hat mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß die englische Regierung im Einvernehmen mit der Jewish Agency ein Programm auszuarbeiten beabsichtigt, das im Einklang steht mit den Bestimmungen des Palästina-Mandates, mit den Riehtlinien der Mandatskommission und der eigenen Resolution der englischen Arbeiterpartei. Diese Resolution wurde auf einer Konferenz im Oktober 1930 angenommen und geht dahin, daß die englische Regierung bestrebt ist, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Mandatspolitik zu erfüllen, d. h. alle wirtschaftlichen Möglichkeiten des ihr durch das Mandat anvertrauten. Gebiets zu entwickeln und die jüdische Einwanderung und Kolonisation zu fördern, soweit es die Fassungskraft des Landes irgendwie zuläßt.!1. Das Komitee unterstreicht die wesentlichen Bestimmungen des Mandats, besonders die Artikel 2 und 6 des Mandats, in denen die durch das Mandat vorgezeichnete Politik besonders gekennzeichnet wird. Die Aufgabe, die der Mandatarmacht vom Völkerbund übertragen wurde, geht dahin, aktiv und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine große und Intensive Ein- Wanderung und jüdische Kolonisation zu unterstützen, um die Jüdische Heimstätte so schnell wie möglich zu verwirklichen, zugleich der arabischen Bevölkerung zu helfen und Ihren Wirtscftaftliehen, politischen und geistigen Standard zu heben. Die Tätigkeit der jüdischen Organisationen darf keinesfalls den arabischen Interessen schaden, im Gegenteil alle Bewohner des Landes müssen von der Entwicklung Nutzen ziehen. Das Komitee stellt mit Genugtuung fest, daß das jüdische Aufbauwerk sich auf friedlichem Wege vollzieht, ohne Benachteiligung anderer im Lande lebenden Bevölkerungsgruppen. Wenn Fehler begangen wurden, so lassen sie sich leicht wieder gut machen, da es der geschlossene Wille der jüdischen Bevölkerung in Palästina ist, trotz der Ereignisse eine Politik der Verständigung und der Zusammenarbeit mit dem arabischen Volke fesfzuseigen. III. Das Komitee ist der Auffassung, daß die Bestimmungen des Mandats zur Schaffung der Jüdischen Heimstätte auf toigendem Wege verwirklicht werden können: 1. Einwanderung und Ansiedlung von Juden auf breiter Basis. 2. Ueberlassung aller freien und nicht bebauten Böden diesseits. und jenseits des Jordans für jüdische und arabische Ansiedlung, wobei dem Art. 11 des Mandats Rechnung getragen werden soll, der die Mandatarmacht verpflichtet, die intensive Besiedlung des Bodens zu ermutigen. 3. Förderung der Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern durch die palästinensische Verwaltung. IV. Das Komitee entbietet seinen Brudergruß den jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina — der jüdischen Arbeiter- Partei Palästinas und der Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth), die einen schweren Kampf um die Schaffung einer Nationalen Jüdischen Heimstätte jführen, stolz das Banner des internationalen Sozialismus tragen und den Frieden mit der arabischen Arbeiterschaft erstreben. Die Resolution ist bisher gezeichnet von Eduard Bernstein, Louis Pierard, Louis de Brouckfere, Löon Troclet, Emile Vanderv elde, Filippe Turatti, Paul Löbe, Löon Blum, Frantz Soukup, Jean Longuet, Oscar Cohn, Pierre Renaudel. * Antwerpen, 31. Dezember. (J.T.A.) Wie der JTA- Vertreter erfährt, hat der bekannte Führer der sozialistischen Internationale und frühere belgische Minister Camille Huysmans in Einklang mit dem Beschluß des Pro Palästina-Komitees bet der Zweiten Internationale sich an den britischen Kolonienminister, Lord Passfield, mit einem ausführlichen Schreiben gewandt, in welchem er die zionistische Forderung auf Annullierung des Weißbuchs als begründet darstellt und die britische Regierung ersucht, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims, mit welchem auch ein Werk sozialistischen Aufbaus verbanden ist,, zu unterstützen. Wichtiger Bodenkauf. Am ersten Weihnachtstage kam Im Grundbuch amt in Jerusalem ein wichtiger durch die Palestine Land Development Co. Ltd. durchgeführter Kauf zum Abschluß. Obwohl dieser Kauf nur eine Fläche von ungefähr 1300 Dunam betrifft, liegt seine Bedeutung darin, daß durch ihn ein wich-' tiger Bezirk von ungefähr 9000 Dunam an der Meeresküste in der Nahe der jungen und aufstrebenden Kolonie Herzlia abgerundet und dadurch die Umgebung der Kolonie Herzlia zu einer Fläche von 18000 Dunam erweitert wird. Die Palestine Land Development Co. Ltd. beschäftigt sich mit diesem Kauf seit etwa neun Jahren. Verkäufer ist u. a. eine angesehene mohammedanische Familie in Damaskus, Nachkommen des Sultans Omar. Durch den Abschluß des neuen Kaufs wird der Bezirk an der Meeresküste auf rund 50003 Dunam gebracht, die sich jetzt in jüdischen Händen befinden und zum allergrößten Teil durch die Palestine Land Development Co. Ltd. erworben wurden. J. L. Gordon-AussteHung in Jerusalem Von unserem Berichterstatter. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem hat, seit sie ihr neues Gebäude, das David Wolffsohn- Haus, bezogen hat, den schönen Ausstellungsraum, weichen das Gebäude enthält, dazu benützt, um eine Reihe von Ausstellungen zu veranstalten. Eine Ausstellung zu Ehren des 70. Geburt»־ tages D u b n o w s fand im Herrate statt und nunmehr ist zu Ehren des 100jährigen Geburtstages Juda Leib Gordons eine Gardon-Ausstellung organisiert worden, welche sehr viel interessantes Material zur Geschichte der hebräischen Dichtung und zur Geschichte der Epoche Gordons enthält. Die Ausstellung zeigt aie verschiedenen Ausgaben der Dichtungen Gordons, angefangen von seinem 1856 erschienenen Erstlingswerk ״Die Lieoe Davids und Michaels“ (gewidmet ״als Erstlingsfrucht dem Hohen Priester“ Abraham Hakohen Lebensohn), Gordons Fabeln (1859), die erste Liedersammlung ״Schire Jehuda“ (1868), die erste Gesamtausgabe von Gordons Gediehten, welche 1884 noch zu seinen Lebzeiten erschien. Da sieht man auch das einzige jiddische Gedichtbuch Gordons, die ״Ssichath Chulim“ (1886). Das ausgestellte Exemplar zeigt die russisch geschriebene Widmung Gordons an den (später getauften) hebräischen Dichter Constantin A. Schapira. Es folgen die späteren Gesamtausgaben bis zu der jetzigen Im Verlage ״Dwir“ erscheinenden zehnbändigen Ausgabe. In einer besonderen Vitrine sind die berühmtesten Gedichte Gordons ausgestellt, angefangen mit dem Manifest der Aufklärung ״Mein Volk erwache!“ (das deutsch in der Karpelesschen Sammlung ״Die Zionsharfe“ 1889 erschienen ist), »David und Barsilai“, ״Zwisehen den Zähnen des Löwen“, ״Das Pünktchen auf dem i“, ״Zwi Josef ben Schimon“, ״Zidkijahu im Gefängnis“, ״In den Tiefen des Meeres“, und das berühmte ״Für wen mühe ich mich“: ״Wer weiß, ob ich nicht der letzte Sänger Zions bin, ob Ihr nicht die letzten Leser seid?“. Eine besondere Abteilung zeigt die Uebersetzungen Gordons in fremde Sprachen: russisch (Uebersetzer Lob Jaffe, Frug), deutsch (Karoeies), englisch (Alice Lucas und Helena Frank), ungarisch (Patai), jiddisch (J. J. Schwarz, Zamoschtschin), spaniolisch (D. Alnekawe). •st wirklich die Zahl der deutschen Uebersetzungen Oordons so klein, wie die Aus- Stellung zeigt, in der nur die ״Zionsharfe“ von Karpeles ausgestellt Ist? 1 Die große Popularität Gordons zeigt die Abteilung: Das Gordon-Jubiläum. Dieses Jubiläum wurde 1881, 25 Jahre nach dem Erscheinen von Gordons ersten Gedichten gefeiert. Die Ausstellung zeigt die Huldigungsgedichte der Zeitgenossen und Gordons Antwort im ״Hameliz“, die mit dem schon national gestimmte Gedichte ״Jung und alt wollen wir gehen“ schließt. Den Tod Gordons besangen Bialik, Tschemichowsky, Frug, jizchak Rabinowitseh, M. M. DoÜtzki (in welchem Gordon seinen Erben als gekrönten hebräischen Dichter zu sehen glaubte). Eine besondere Abteilung stellt die Prosaschriften aus, seine Briefe (herausgegeben von jizchak Jakob Weißburg, 1894), die 1918 im ״Heawar“ abgedruckten Tagebücher und die In demselben Jahre in den ״Reschuraoth“ veröffentlichten Lebenserinnerungen. In der Abteilung ״Gordon als Publizist“ fühlt man schon die ersten Kämpfe um die beginnenden Zionsgedanken: Gordons Kritik der Autoemanzipation Pinskers, sein Aufsatz ״Unsere Erlösung und die Befreiung unserer Seele“, wo Gordon für die Wiederbesiedlung Palästinas eintritt, andererseits aber seine Befürchtungen ausspricht, daß Palästina die Herrschaft der Rabbinen befestigen wird. Die Frage der Wiedereinfflhrung des Opferdienstes und ähnliche andere Besorgnisse spielen in diesem Aufsatz eine große Rolle. Die Stellung Gormm zürn Zionismus bildete den Gegenstand heftiger Polemiken, die man in. der Ausstellung verfolgen kann: Den Angriff Lilienblums gegen Gofdon wegen dessen kühler Einstellung, die Antwort Frischmanns gegen Lilienblum, den heftigen Andem Vorhang“. Die Biographien und Kritiken Gordons nehmen eine besondere Abteilung ein. Ihre Zahl ist natürlich sehr groß, in Buchform erschien merkwürdigerweise bis heute nur in englischer Sprache ein Gordon gewidmetes Buch (Von A. B. Rhine, 1910). Die Ausstellung zeigt auch die verschiedenen Zeitschriften, an denen sich Gordon beteiligt hat, unter ihnen auch die ״Allgemeine Zeitung des Judentums“, deren russischer Korrespondent er war. Aus der Sammlung Sclnvadrons der Nationalbibliothek ist eine große Anzahl von Originalbriefen ausgestellt, unter ihnen auch der Versöhnungsbriet Lilienblums an Gordon nach der Beilegung des Streites, dessen Ursache Gordons Einstellung zur beginnenden zionistischen Bewegung war, und ein interessanter Brief Gordons an den jungen Üssischkin, in dem Gordon seiner Freude darüber Ausdruck gibt, daß Üssischkin hebräisch schreibt und sich der Zionsbewegung angeschlossen hat. Die Gordon-Ausstellung der Jüdischen National- und Universitätsbfbliothek, die von dem Beamten der Bibliothek, B. Schochetmann, zusammengestellt wurde, ist eine sehr würdige Veranstaltung innerhalb der großen Reihe von Veranstaltungen, die in Palästina zu Ehren des Gordon-Jubiläums durchgeführt wurden. a, b. Kamp! unserem Wahlkamp!! Ein Appell in letzter Stunde. Von Dr. Henry Unna, Berlin. Man rüstet innerhalb der Z.V.f. D. als Vorbereitung des Karlsbader Kongresses zu einem Wahlkampf der innerzionistisehen Parteien. Man sammelt Menschen und Geld. Ich halte es für die Pflicht jedes verantwortungsbewußten Zionisten, diesen Wahlkampf zu stoppen, so lange und so weit es noch möglich Ist. Es bedarf keiner Begründung, zu sagen, daß der Kongreß fh schwerster Stunde des zionistischen Lebens tagen wird. Die politische, wirtschaftliche, finanzielle, personelle Not ist schwer zu meistern. Wir brauchen einen Kongreß von Männern; von Männern in des Wortes ganzer Bedeutung. In einer Entscheidungsstunde des Zionismus darf es nicht darum gehen, innere Gegensätze (— seien sie noch so berechtigt!—) auszutragen. Wir müssen zu diesem Kongreß auserlesene Führer senden, die den Willen, die Fähigkeit, die Verantwortung besitzen, welche die Stunde verlangt. Der Kongreß hat eine Leitung zu bilden und Wege aus unserer Not zu suchen. Es geht ums Ganzei Darum schwelge jeder innere Zwist, es verstumme jeder Gegensatz vor der Größe des Augenblickes. Es muß der Leitung der Z. V. f. D. und den Leitern unserer Parteien und Gruppen gelingen, eine Einheitsliste aufzustellen: eine Liste von Männern, die der Augenblick fordert. Fort mit diesem Wahlkampf, der uns nach außen lächerlich macht und nach innen weiter zerrüttet! Jeder Mann, jede Minute, jeder Pfennig unserer Kraft gehört der konstruktiven Arbeit für unser Palästinawerk und die Zionistische Organisation. Wenn es uns nicht gelingt, diesen Wahlkampf in dieser Stunde zu vermeiden, dann hat die Leitung der Z. v.f. D., dann haben die Führer unserer Parteien in entscheidender Stunde entscheidend versagt'