Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 100, 19. XD. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 077 Literatur ״Blatt Klausner'» »Jesus von Nazareth" (Deutsche Ausgabe, Jüdischer Verlag Berlin.) Für da«, was wir ״Weltgeschichte* nennen, den großen geschichtlichen Ablauf in den Lindem ums Mittelmeer und in Europa (nebst den von Europa aus kolonisierten Ländern), ist die Entstehung und Ausbreitung des Christentums vielleicht die bedeutendste Erscheinung. Schon aus diesem Grunde ist sie es auch für das Judentum, aus dem Jesus und die ersten Apostel der neuen Weltreligion hervorgegangen sind. Auch wenn man die Meinung vieler christlicher Gelehrter nicht teilt, daß die weltgeschichtliche Rolle des Judentums nur in der Hervorbringung des Christentums liegt, bleibt es Aufgabe des Judentums, sich dessen bewußt zu sein, daß seine gewaltigste Wirkung auf die Menschheit den Weg über das Christentum gegangen ist, und zu einer geistigen Auseinandersetzung mit dieser geistigen Macht bereit zu sein. Vor allem aber hat das Judentum von sich aus das größte Interesse an der Feststellung des Anteils, der ihm an der Entstehung des Christentums zukommt Es ist noch nicht lange her, seit dieser Anspruch des Judentums angemeldet wurde. Denn die antagonistische Stellung der beiden Religionen gegeneinander führte dazu, daß von seiten des Christentums die jüdischen Wurzeln «fieser Religion mögliehst übergangen oder fortdisputiert wurden; von seiten des Judentums aber Jede Beschäftigung mit diesem Gegenstand als Angriff öden Abfall gebrandmarkt wurde. Ja sogar die ״Toleranz“ wurde von jüdischer Seite angerufen, indem jede Beschäftigung ein« Juden mit der Person Jesu und den Wurzeln des Christentums als unerlaubte Einmischung in die religiösen Gefühle Andersgläubiger hingestellt wurde. Dieser lächerliche Standpunkt ist mit Heftigkeit auch gegen den großen Versuch Joseph Klausner’s geltend gemacht worden, In seinem ״Jesus von Nazareth“ (aus dem Hebräischen übersetzt, Jüdischer Verlag, Berlin 1930) die Person Jesu von der jüdischen Wissenschaft aus zu erfassen. Aber hier handelt es sich nicht um Olaubensdinge, sondern um ge* schfchtliche Feststellungen, an denen das Judentum nicht vorbeigehen kann und darf. Wir stehen nicht an zu erklären, daß sich Klausner mit diesem Versuch ein immenses Verdienst erworben hat, gleichgültig, wie man sich im einzelnen zu seinen Ergebnissen stellen mag. Daß überhaupt ein Jude vom jü«fisehen Gesichtspunkt aus die umfangreichen Materialien zusammenfaßt und darstellt, war notwendig und dankenswert und bringt, wie sich zeigt, einen Fortschritt über das bisher Erreichte, der ganz beträchtlich ist Mit Respekt muß vor allem anerkannt werden, daß in diesem Buch Klausners eine Lebensarbeit vorliegt, mit ungeheurem Fleiß und souveräner Beherrschung der Quellen. Wir haben nicht viele Bücher von solcher Gründlichkeit und sollten für jedes dankbar sein. Klausner baut auf breitester Grundlage auf. Er behandelt zunächst die Quellen mit eindringlicher Ausführlichkeit, auf fast 160 Seiten. Schon hierbei zeigt sich ein wichtiges Ergebnis: Die älteren Mischna-Quellen, die bis nahe an Jesus Herangehen, sind noch frei von der feindlichen Einstellung, die später für de« Talmud charakteristisch ist:׳T»«r 1ii08׳e-^iÄseri‘;%%1Ä|i•;; noch In den Verdacht der Ketzerei kommen, weil er Jesus nicht ablehnte. Wichtig und schlagend ist auch der Nachweis, daß bei Josephus, Tacitus usw. unzweifelhafte Nachrichten über Jesus vorliegen, die der eine Zeit lang beliebten Lehre von der Nichtexistenz Jesu endgültig den Garaus machen. Von den Evangelien wird als das authentischste Dokument das des Markus erwiesen, aber auch noch Matthäus und Lukas enthalten wertvolle biographische Materialien, ebenso die Apostelgeschichte. Um die große Gestalt Jesu an ihren kulturgeschichtlichen Platz zu stellen, gibt weiter KFusner eine Darstellung der ganzen Epoche. Interessant ist hierbei die negative Wertung der politischen und wirtschaftlichen Wirksamkeit des Herodes, im Gegensatz zu den Hasmonäern. — Bei der Behandlung der geistigen Strömungen dieser Zeit liefert Klausner den wichtigen Nachweis, daß Jesus in allem wesentlichen der Lehre der Pharisäer zuzurechnen ist, daß etwa zwischen Hillel und Ihm üb erhaupt kaum nennenswerte Unterschiede festzustcllen sind. Wir werden darauf bei der zentralen Frage zurückkommen, warum die Lehre Jesu aus dem Judentum hinausgeführt hat. Von Bedeuhing ist hier auch die Darstellung der messianischen Bewegungen dieser Zeit, für die ja Klausner als Forscher besonders zuständig ist Nun erst wendet sich Klausner der Darstellung von Jesus’ Leben zu. Vorsichtig tastet er hier Schritt für Schritt, um auf dem Boden der gesicherten Ueberlieferung zu bleiben und ihn von der Legende abzugrenzen. So ergibt sich, daß es von Anfang bis zu Ende ein jüdisches Leben war, daß in keinem Augenblick seines Lebens Jesus etwas anderes sein wollte als ein Lehrer jüdischer Sittlichkeit und für die Juden, denen er sich durchaus zugehörig fühlte. Jesus hat, von einem bestimmten Moment an, sich als Messias gefühlt und bekannt, aber das taten vor ihm und nach ihm auch Andere, ohne sich deswegen in einen Gegensatz zum Judentum zu setzen. Eine göttliehe Wesenheit, ein stellvertretendes Leiden für die Menschheit hat sich Jesus nie zugeschrieben; das sind spätere Spekulationen, die ln krassem Gegensatz zu seiner ganz im Judentum wurzelnden Lehre stehen. Ausführlich behandelt Klausner die Gerichtsverhandlung gegen Jesus. Die Vorwürfe, die von jüdischer Seite gerade hier gegen Klausner erhoben worden sind, sind ganz unberechtigt, da er in durchaus objektiver Weise bestrebt ist, Tatsachen festzustellen. Auf Grund der Evangelien, des jüdischen Rechts und des römischen Staatsrechts kommt er zu dem Ergebnis, daß die jüdischen Behörden nur die Voruntersuchung einzuleiten hatten, die allerdings zu einer Anklage führen mußte; daß aber Gericht, Urteil und Ausführung in den Händen der Römer lagen, (die in Jesus nur einen Aufrührer sahen und verurteilten. Klausner’s Schluß ist klar und unanfechtbar: ״Jedenfalls sind die Juden als Volk für den Tod Jesu viel weniger verantwörtlich als etwa die Griechen für den des Sokrates“ — und, können wir hinzufügen, als etwa die Italiener für Savonarola und Giordano Bruno, die Böhmen für Huß, die Engländer für Jeanne d’Arc und Thomas a Beckett. So kommt Klausner bei der Darstellung der Lehre Jesu zu dem Ergebnis, daß Jesus bis zu seinem letzten Atemzuge Volljade war und blieb und sich als solcher fühlte, zuweilen sogar mit •chajfer Betonung der nationalen Beschränkung seiner Sendang. Alle Wurzeln seiner Lehre lassen sich in anderen Jüdischen Lehren dieser Zeit aufweisen. Das Neue an ihm ist nur «fie geniale Persönlichkeit mit ihrer hohen dichterischen Begabung und «fie dntlringfiche Vertiefung der persönlichen Ethik und der persönlichen Religiosität Nunmehr richtet sich die Hauptfrage auf: Worin liegt also «kr Gegensatz zwischen Jesu Lehre und dem Judentum, der die Ursache war, daß das auf Jesus aufbauende Christentum aus dem Judentum hinausgeführt hat? Bis hierher, solange es sich um Erforschung geschichtlicher Wirklichkeit handelt, wird sich gegen Klausner’s Darstellung wissenschaftlich kaum etwas einwenden lassen. Erst hkr, wo Wertung der Zusammenhänge und geschiehtsphilosophische Deutung in ihr Recht treten, versagt unseres Erachtens Klausner vor dieser Frage. Er bemüht sich zunächst, den Gegensatz aufzuzeigen, in dem Jesus gegen die Schriftgelehrten in seiner Auffassung des Zeremondalgesetzes stand. Aber dieser Gegensatz ist nicht größer, eher geringer, als etwa der Widerspruch der biblischen Propheten gegen die Opferbräuche. Und doch hat dieser nie zu einer Spaltung innerhalb des Judentums geführt Klausner gibt außerdem zu, daß Jesus selbst sich an das Gesetz gehalten hat Hier also kann die tiefgehen«ie Divergenz nicht wurzeln. Er will sie eher in der einseitig aufs Ethische gerichteten Wirksamkeit und dem asketischen, weltfremden Grundzug der Lehre Jesu sehen, die sie ungeeignet machten, dem Volk in seinem Kampf um die nationale Existenz als Richtschnur zu dienen. Aber auch dies ist nicht durchschlagend. Weit strengere asketische Richtungen als die Jesu (der kein Asket war!) kannten sich ohne Schwierigkeit innerhalb des Judentums ent« wickeln, so die der Essäer, Und auch eine einseitig ethisch gerichtete Bewegung wie die Jesu konnte sich jeder nationalen Forderung anpassen; das zeigen gerade die Essäer, die am Aufstand aktiv Anteil nahmen. Schließlich war der Zug zur individuellen Gestaltung der Ethik und Frömmigkeit rin Zug der Zeit und nicht nur Jesu. Wenn Klausner fragt: Warum hat das Judentum die Lehre Jesu verworfen? so liegt der Fehler in *der Frage selbst. Das Judentum hat die Lehre Jesu garnicht verworf e n. Jesus hat vielmehr in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit soviel Anerkennung und Gefolgschaft gefunden, wie kein Prophet vor ihm in Israel. Audi alle anderen Propheten sind mindester« ebenso sehr vom Volke ״verworfen“ worden. Und doch haben sie eine Epoche geschaffen und sind in den biblischem Kanon aufgenommen worden. Jesus ist zu spät geboren worden! Dreihundert Jahre früher — und seine Lehren und Parabeln stfnden heute sicher neben Amos und Jeremia, neben den Sprüchen um! Psalmen in unserer Bibel. Die Ablösung des Judentums von Jesus erfolgte, weil später seine Jünger, und zwar vor allem Paulus, «Jer ihn nicht gekannt hat, an der Hetdenmission festhielten, die Jesus ablehnte, zu einer Zeit, wo das Judentum um seiner nationalen Selbsterhaltung willen sie ablehnte, nachdem es sic bis dahin eifrig betrieben hatte; und well diese Jünger zu einer Vergöttlichung Jesu übergingen, die ihm selbst völlig fremd war. Das ״Christentum* wurde vom Judentum :abgelehnt; Jesus aber hat mit dem Christentum sehr wenig zu ■schiffp. Er steht nicht nur dem Judentum näher, sondern er steht ganz in ihm. Klausner’s bleibendes Verdienst ist es, daß er Jesus in weitem Maße für das Judentum in Anspruch nimmt. Er hätte noch einen Schritt weiter gehen und Jesus vollständig der jüdisehen Entwicklung einreihen sollen. Sie biegt nicht mit ihm, sondern nach ihm In eine neue Richtung. Dr. Elias Auerbach. Für die jttdisdte Nattonalblograptiie S. W i n i n g e r versendet soeben mit der 36. Lieferung des 5. Bandes seiner ״Großen Jüdischen Nationalbiog r a p h i e“ die betrübende Erklärung, daß das verdienstvolle Werk mangels erforderlicher Geldmittel sein Erscheinen einsteIIen müsse. Versetzen wir uns in die Seele des Herausgebers! Ein kleinerer rumänischer Postbeamter im Ruhestande, hat er all sein Können und Vermögen dem einen Ziele geopfert, seinem jüdisehen Volke das zu schenken, was zur Erweckung und Erhaltung nationalen Selbstbewußtseins unerläßlich ist: das im Worte festgehaltene Vorbild der Männer und Frauen, die zur Größe ihres Volkes Bausteine geliefert haben. In den Biographien der Träger und Mehrer seiner nationalen Ehre erkennt ein Volk sieh selbst, seine Wesensart und Willensrichtung. Das Licht, das die Vergangenheit seiner Söhne und Töchter erhellt, dient zugleich als Scheinwerfer, der ihm den Weg durch das Düster der Zukunft weist. Ein solches nationales Standardwerk, das jedes andere Volk aus nationalen Mitteln zu schaffen als Ehrenpflicht betrachtet, hat hier ein einzelner, ein kleiner Beamter unternommen, eine Riesenleistung, ohne eine andere Hilfe und Reserve als eine brennende Begeisterung. Er ist an dieser Arbeit nicht nur wirtschaftlich zugrunde gegangen, auch seine Gesundheit bedarf dringend der wiederher- Stellung. Doch stellt er alles persönliche Bedürfen und Entbehren hinter sein Lebenswerk. Dies zu Ende ru führen ist der Wunsch, der ihn restlos erfüllt Ein solcher Held und Märtyrer für die jüdische Sache verdient es, daß wir ihm als bewußte Juden helfen um der Sache willen; an seinem persönlichen Geschick tätigen Anteil zu nehmen, fordert die Menschlichkeit. Dr. Grunwald (Wien). Die Adresse der ״ Jüd. Nationalbiographie״ ist C e r n a u t i (Bukowina), Piata Decebal No. 4. Der Herausgeber schreibt uns, daß nur no c 11 40—50 Abnehmer erforderlich sind, um die Fortsetzung des Werkes zu sichern. Doch schon 10 neue Abonnenten würden genügen, um die Unterbrechung der Drucklegung zu verhindern. Sollten diese wirklich nicht aufzutreiben sein? Das neue Heim des Jüdi sch- Theologischen Seminars für Amerika, ein im Zentrum von New' York gelegener Komplex von drei mächtigen Gebäuden, wurde dieser Tage seiner Bestimmung übergeben. Das Bibliotheksgebäude ist dem Andenken Jacob H. Schiffs gewidmet, dessen Familie durch große Spenden zur Errichtung des Hauses beigetragen hat. Die Bibliothek ist mit 84 000 Druckschriften aus dem Gebiet der jüdischen Geschichte, Philosophie und Kultur, darunter zahlreichen Inkunabeln aus dem 15. Jahrhundert, und etwa 6000 Manuskripten, von denen einige bis ins <J. Jahrhundert zurückreichen, größer und reichhaltiger als die iudaistischen Abteilurgen der Universi 'ä'sbiV.iothek von Oxford und der Bibliothek des Britischen Museums. Der 111. Geburtstag Jehuda L Cordoas Die gesamte hebräische Presse Palästinas veröffentlicht anläßlich des 100. Geburtstages des berühmten hebräischen Dichters der Haskalah-Pejiode Jehuda Leib Gordon ausführliche Artikel über sein literarisches und pädagogisches Wirken. Auch Bialiks im Jahre 1892 geschriebener Nekrolog für Gordon, der In die gesammelten werke Bialiks nicht aafgeaommen wurde, ist anläßlich der Wiederkehr des 100. Geburtstages des Dichters veröffentlicht worden. Jehuda Leib Gordon wurde 1830 zu Wilna geboren. Schon in früher Jugend schloß er sidt der Haskalah- (Aufklärung*-) Bewegung an und wurde ein eifriger Vorkämpfer für die Verbreitung weltlicher Bildung unter den Juden. In satirischen Dichtungen, wie ״Ben schinne arajot“ (Im Rachen des Löwen) und ״Zidkijahu bewet hapekudot“ (Zedckia im Kerker) ant* wortete er auf die gegen Ihn seitens der jüdischen Orthodoxie erhobenen heftigen Angriffe. 1872 wurde er Sekretär der Ge- Seilschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden und Sekretär der Jüdischen Gemeinde in Petersburg. Auf Grund einer Denunziation wurde er 1879 als politischer Verbrecher verbannt. Nach seiner Rückkehr gab er gemeinsam mit Zederbäum in Petersburg die hebräische Zeitung ״Hameliz“ heraus. In Anerkennung der Verdienste, die sich Gordon als Regierungslehrer an der von ihm in Schaulen in Litauen gegrundeten Mädchenschule erworben hatte, wurde er von der russisehen Regierung zum Ehrenbürger ernannt. Als Gordon in späteren Jahren zur Erkenntnis kam, daß die Haskalah nicht den endgültigen Weg zur inneren Befreiung der Juden darstellcn könne, wandte er sich der nationalen Bewegung zu und wurde ein eifriger publizistischer Propagator der Chibbat-Zioa-Bewegung. Neben seinen satirischen Schriften sind die Dichtungen ״David und Michal“ und ״David und Barsilaj“, sowie ein vierbändige* Fabelbuch ״Mischle Jehuda״ hervorzuheben. 1892 bis 1895 wurden Gordons Briefe, 1918 sein Tagebuch und seine Aufzeichnungen über seine Gefangenschaft und Verbannung veröffentlicht Seine sämtlichen Dichtungen wurden 1898 in sechs Bänden in Wilna herausgegeben. Der Verlag ״Dwir“, Tel-Awiw, veranstaltet jetzt eine Neu-Ausgabc. Die Singertnaaim, Roman von Myron Brinig. Autorisierte Uebersetzung aus dem Amerikanischen von Lisa H. Löas, Adolf Sponholtz Verlag O. m. b. H., Hannover. Die Familie Singermann ist aus Rumänien nach Amerika eingewandert und nicht in New York stecken geblieben, sondem nach dem Westen der Vereinigten Staaten gezogen. Dort wuchsen die noch in der alten Heimat geborenen und die schon in der neuen Heimat zur Welt gekommenen Kinder auf. Eine f“ iscüen Ghetto nach Amerika ein gewanderten Familie wirkt, erfährt man auf 280 eng bedruckten Seiten. Dieses Buch füllt eine Lücke aus. Schilaennjgen des jüdischen Lebens in New York, Chicago und Philadelphia, also Orten «lichter jüdischer Siedlung, haben wir ln der lernen Zeit in großer Anzahl kennengelernt Wie sich der Amalgamierungsprozeß von Juden mit amerikanischer Umgebung im Westen der Union vollrieht, das wird uns in Brinigstloman packend vor Augen geführt. Es verlohnt sich, ein derartiges Buch zu lesen, denn es ersetzt ausführliche soziologische Studien. Am lebendigen Qhjeld die 1w>batdigJK)*״ Augen .gefühärt mmm,'****• 4 י*«י»e RlaiunpMnia «ner־I»rt*'t Wicklung, über deren Bedeutung für den Bestand des Judentums vorläufig nichts gesagt werden kann, denn wir sind ja Zeitgenossen, und Zeitgenossen wissen in der Regel von dem, was» in der Welt vorgeht, am wenigsten. Erst hinterher ist man dessen inne, was eigentlich geschehen ist. Das Buch ist aber nicht nur belehrend, wiewohl das für mich das Hauptsächliche an ihm war. Es ist ein Kunstwerk hohen Grades. Einzelne Figuren sind gleich Bildwerken herausgearbeitet. Moses Singermann, der Vater, und vor allem Rebekka, seine Frau, überragen die Schar ihrer Nachkommen. Wie diese werden, was diese werden, entrollt sich mit gleichbldbendeT Spannung vor dem Leser, der keine Seite überschlagen kann. L. S. Höxter, Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Fünf Teile. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt, je 1,80 M. Soeben ist das erste und fünfte Bändchen dieser Sammlung erschienen. Das erste umfaßt das Altertum (nachbiblische Zeit) und frühes Mittelalter, das letzte die Zeit von 1739 bis zur Gegenwart. Das Quellenbuch gibt kurze Bruchstücke aus jüdisehen Autoren und, in geringem Umfange, auch aus Schilderungen jüdischen Lebens seitens nichtjüdischer Gewährsmänner (Tacitus, Herder u. ä ); stellenweise leidet «las Buch unter der übermäßigen Kürze der Stücke, die nicht immer ein volles Bild ermöglichen. In dem modernen Band ist auch Emanzipation und Zionismus berücksichtigt, sehr unvollkommen auch die modeme jüdische Literatur (Lyrik), wo freilich z. B. Richard Beer-Hofmann (Schlaflied für Mirjam) nicht hätte fehlen dürfen, auch die hebräische Poesie kommt neben der wenigstens in mageren Beispielen vertretenen jiddischen schlecht weg. Die. Angabe der Werke bei den verschiedenen Dichtern ist oft anvollständig, auch dürfte als ״Werke“ nicht ein Titel wie z. B. ״Gesammelte Dichtungen“ angeführt werden. Die Stücke aus Achad Haam sind nicht glücklich ausgewählt; im Palästinamandat, das — neben der Balfour-Deldaration — bruchstückweise abgedruckt wird, fehlt der wichtigste Satz der Präambel. Dagegen ist unverständlich, warum gerade die Züricher Resolution der Jewish Agency über «fie Wagcmaner angeführt ist. Dies sind ein paar Beispiele für die Verbesserungsbedürftigkeit des Werkchens, das aber im übrigen durch seinen gedrungenen Ueberblick über zwei Jahrtausende jüdischer Literatur ein empfehlenswertes Lesebuch darstellt. sch. Musikalische Uraufführung. Am 16. Dezember wurde im Rahmen des Jüdischen Lehrhauses zu Mannheim ״Licht und Volk“, eine Lehrkantate für Singchöre, Sprechchor und Instrumente, im Musensaal des Rosengartens uraufgeführt — Der Text stammt von Rabbiner Dr. Max G r ü n e w a 1 d, die Musik von Hugo Adler, Mannheim. Die musikalische Leitung hatte Kapellmeister Max Sinzhdmer. Die Soli wurden gesungen von Mathilde Lazarus, Johanna Allgeier, Gisela Liebermensch, Martha Oppenheim, Ilse Straus, Selma Weil, Josef Levi, Theodor Süß. — Chöre und Orchester bestanden vorwiegend aus Laien und Musikfreunden, die sieb freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Das Werk gestaltet in sieben Teilen Abschnitte aus der Geschichte der Makkabäer. Die einzelnen Teile haben folgende Ueberschrlften: 1. Aufruf der Jugend, 2. Zwiegespräch. 3. Vor dem Kampf, 4. Antiochus’ Traum, 5. ReU gionsg espräch, 6. Psalm der Heimkehrer, 7. Licht und Volk. Nach Meinung der Musikkenner gewinnt die Form des Werkes eine besondere Lebendigkeit durch «fie Knappheit der dichterischen Aktion, sowie durch den ständigen Wechsel von Knaben-, Mädchen- und Sprechchören, Dialogen, Soll Zu Beginn jedes Teils orientiert der ״Sprecher“ über die jeweilige Situation, «fie dem Abschnitt zugrunde liegt. Die Musik benutzt — dem pädagogischen Zweck gemäß — einfache und plastische Gestaltungen.