Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 670 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 100, 10. XU. 1030 Politische Notizen Von unserem Londoner Korrespondenten. S, London, den 16. Dezember. Nur weil in unserem vorwöchentlicben Bericht von Ostafrika die Rede war, soll zu diesem Punkt «och etwas nachgetragen werden. Das Weißbuch über die Eingeborenen- Politik in Rhodesien war Gegenstand einer Parlamentsdebatte im Unterhaus am 9. Dezember, die durch eine Interpellation Lord Wintertons, des ehemaligen Unterstaatssekretärs für Indien im Kabinett Baldwin, eröffnet wurde. Uns interessiert vor allem ein Passus aus seiner Rede. ״Nicht nur in Palästina“, 80 sagte er, ״hat Lord Passfield durch seine Erklärungen und Kundgebungen die größte Verwirrung hervargeruf e fl“. Lord Winterton ist keineswegs ein besonderer rrettnd des Zionismus und es ist fraglich, ob er durch diese Bernerkung für die zionistische Auffassung Partei nehmen wollte. Aber was ein großer Teil des Parlaments und der Presse der sagte liberaler Abgeordneter in derselben Debatte: Mit etwas mehr Sorgfalt and Takt könnte das Kolonialamt genau die gleiche Politik durchführen; es sei ein Beispiel, wie man die richtige Sache auf falsche Weise durchführen kann. Auch die ״Times“ sagt bei der Besprechung des ostafrikanischen Problems, ein großer Teil der Gegnerschaft gegen das Weißbuch wende sich nicht gegen seinen Inhalt, sondern gegen seinen Stil, und weiter dagegen, daß es das Werk einer Arbefterregierung ist, gegen die sich stets ein gewisses Mißtrauen richtet, sie könnte durch ״kurzsichtigen Humanitarismus“ die Grundlagen des Imperiums gefährden. Auch dies* mal — genau wie im Falle Palästina! — hat sich die Regierang durch Dr. Shiete damit verteidigt, daß sie auf ein 1923 von der konservativen Regierung veröffentlichtes Weißbuch!»inweist, in welchem auch bereits der Satz enthalten ist, das ״Wohlergehen der eingeborenen Bevölkerung müsse die oberste Richtschnur bei der Verwaltung der Kolonien sein“. In jenem konservativen Weißbuch heißt es sogar wörtlich, daß im Falle die Interessen der Eingeborenen und die der eingewanderten Völker kollidieren ®outen, die ersteren maßgebend sein sollen. Es handle sich also keineswegs um eine Aenderung der politischen Grundsätze. Auch sonst erinnert die in der Debatte vom 9. d. M. angewandte Argumentation in mancher Hinsicht an Gedankenginge, die in der Palästina-Diskussion auftauchten, und es ist vielleicht nicht unwichtig, auf solche Parallelen hinzuweisen, damit in der zionistischen Politik deutlicher betont werden kann, inwieweit wirkliche Analogien vorhanden sind und inwieweit sie nicht zutreffen. Lord Winterton führte aus, daß in Wahrheit kein Interessengegensatz zwisehen Eingeborenen und weißen Siedlern bestehe, da die Eingeborenen durch die Weißen nur profitieren. Erst durch das Weißbuch, das diesen Unterschied zwischen den Interessen der beiden Teile der Bevölkerung unnötigerweise unterstreiche, sei eine Spannung zwischen den beiden Gruppen in Nord-Rhodesien erzeugt worden. Ein anderer konservativer Redner sagte, das Gerede von einer Unterdrückung der Eingeborenen sei reiner Unsinn. Demgegenüber erklärten die Redner der Arbeiterpartei, man müsse den Eingeborenen gleiche Möglichkeiten der Erziehung und sozialen Fürsorge bieten, was nicht im Gegensatz zu stehen braucht zu einer vollen Berücksichtigung der Interessen der weißen Siedler, die in Ihrer eigenen Weise Weiterarbeiten können. Lord Winterton protestierte auch sehr heftig gegen die Bezeichnung der Weißen als ״Immigranten״, worin ausgedrückt sei, daß 61fr kein urff*t iaf Ifimkeft•gäbefrs'ln T^oli-RnödWetf'ÄOflllsiltt Oesehfcärter/ die dort bereits länger ansässig sind a» die afrikanischen Stämme, die erst später zuwanderten. Man dürfe also nicht die Afrikaner auf Kosten der Europäer bevorzugen. Wenn wir diese beiden umstrittenen Probleme, Palästina und Afrika, die beide ihre Weißbuch-Affäre haben, nebeneinander betrachten, so springt zunächst ein Unterschied ins Auge: In Afrika ist es die weiße Minorität der Bevölkerung, die Selbstverwaltung beansprucht, natürlich ohne Wahlrecht der Schwarzen, und die Regierung schützt die Interessen der Eingeborenen, indem sie das Parlament verweigert ln Palästina ist es die eingeborene Mehrheit der Bevölkerung, die ein Parlament verlangt, und die Regierung muß es verweigern aus Rücksicht für die Minderheit, bzw. für die Einwanderer, die ein international verbrieftes Recht auf Ein* Wanderung haben, das Ihnen die Landesbevölkerung streitig macht, ln beiden Ländern jedoch besteht die Eigentümlichkeit, daß ein Ausgleich der Interessen gefunden werden und auch in der künftigen Verfassung des Landes, die nicht nach einer Schablone gebildet, sondern auf den Spezialfall zugeschnitten 6ein sollte, seinen Ausdruck finden muß. ★ Wie vorsichtig man in der Anwendung landläufiger Schlagworte sein muß, zeigt eine Episode der jetzt in London tagenden Indien-Konferenz. Seit langer Zeit ist es geradezu ein Axiom der Politiker und Historiker des Kontinents, daß England sich in Indien durch die Parole ״Diviele et I m p e r i a“ behauptet. Die Gegensätze zwischen Hindu und Moslems werden von England geschürt, damit die Unentbehrlichkeit britischer Herrschaft, die allein den Frieden, die Pax Britannica, verbürgt, nachgewiesen wird. In der letzten Woche nun erlebten wir das interessante Schauspiel, daß der englische Primeminister sich höchstpersönlich bemühte, die zwisehen Hindu und Moslems bestehenden Gegensätze auszugleichen. Wenn jedoch, wie es bereits unmittelbar nach dem Kriege eine Zeitlang der Fall war, die religiösen Gegensätze in Indien zugunsten einer nationalen Einheitsfront überwunden werden, würde dies wahrscheinlich den endgültigen Triumph der nationalen Unabhängigkeitsbewegung bedeuten. & ist das Schicksal des englischen Kolonialreiches, daß durch Englands Einfluß in Erziehung, sozialer Wohlfahrt und vor allem in der politischen Kunst der Selbstverwaltung die unterworfenen Völfeer allmählich zu immer größerer Selbständigkeit herangezogen werden, so daß sie schließlich ihre Ansprüche gegen den Erzieher selbst geltend machen. Trotz dieser Einsicht halten die Engländer an ihren Methoden fest und nehmen die Auflock erring des Weltreiches und seine Verwandlung in einen Bund selbständiger Völker als Schicksal hin. Nur einzelne Persönliehkeiten fallen gelegentlich in die alte Gewaltpolitik zurück. Daß sie eine Minderheit darstellen, beweist die einmütige Ablehnung, die Churchills letzte Indien-Rede bis weit in die Kreise der Konservativen hinein gefunden hat. Churchill wandte sich bekanntlich gegen eine Lockerung der englischen Herrschaft in Indien und behauptete, die wirkliche Mehrheit des britischen Volkes bestehe — im Gegensatz zur jetzigen Regierung — aus ״patriotischen" Elementen, die es nicht zulassen werden, daß England seine Machtstellung in Indien aufgibt. Auch die konservative ״Times“ hat diesen Rückfall in einen überholten (״out of date“) Imperialismus scharf getadelt, und in einer Zuschrift wird darauf hingewiesen, daß derselbe Churchill 1920 ganz anders geredet hat. Dieser Streit um prinzipielle Methoden der englischen Kolonialoolr'k ist für zionistische Leser zweifellos interessant, zumal es sich dabei um Persönlichkeiten handelt, die auch in der Pa« Ilstinafrag« eine bedeutende Rolle mieten, deren Cba* rakter und Haltung jedoch nur dann richtig beurteilt werden kann, wenn man nicht ihre Aeußerungen zur Palästinafrage isoliert betrachtet, sondern die allgemeinen Anschauungen be* rüdksichtigt, die sie in der englischen Politik überhaupt vertreten. Jüdisch •arabische Aussprache Die palästinensische Arbeiterzeitung ״Dawar״ vom 8. Dezember berichtet: Der Redakteur der englischen Ausgabe des ״Felestin“, der Inder Akt har, besuchte anläßlich seiner An- Wesenheit in der Umgebung am letzten Sonnabend-Abend die Kwuzah Kirjath Anawlm mit einigen Arabern aus dem Nachbardorfe Agugosch. Es ergab sich ein längeres Gespräch zwischen dem Gast und den Chawerim der Kwuzah über die politischen Fragen Palästinas. Akthar gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß eine Verständigung zwischen Juden und Arabern vom Dorfe ausgehen müsse; denn die Landbevölkerung sei der Natur näher und daher auch der Gerechtigkeit. Von jüdlscher Seite führte Lewiatoff, der Führer der Kwuzah, die Diskussion. Spät abends nahmen die Gäste Abschied, und Akthar versprach, am nächsten Sabbat wiederzukommen. Arabische Stimme■ Die arabische Zeitung ״F e 1 e 81 i n“ veröffentlicht — laut ״Haarez“ — einen Artikel unter der Ueberschrift ״W e n n d i e Revisionisten auf dem nächsten Zionistenkongreß siegen“. Der Verfasser spricht zunächst von der ״unbedingten“ Demission Dr. Welz man ns, bezweifelt aber, daß diese Demission unwiderruflich sei. Vielmehr meint er, daß Dr. Wejzmann den Sturm, der sich gegen seine Erklänmgen ton A.-C. im August 1930, das Ziel des Zionismus sei im Rahmen eines binationalen Palästina und nicht in einem Judenstaat za verwirklichen, gerichtet hat, selbst arrangiert hat, um einen Druck auf England auszuüben. Daher werde weizmann sich beim nächsten Kongreß auch wieder mit seinen Oegnern aussöhnen. In dieser ganzen Komödie gebe es nur ein ernstes Element, nämlich die Revisionisten, die mit der Parole des Judenstaates zum Kongreß gehen und die Führung des Zionismus an sich reißen wollen. Wenn ihnen dies gelingt und die ״gewaltsame Errichtung des Juden Staates“ offizielles zionistisches Programm wird, dann werden die Folgen keineswegs erfreulich sein. Die Araber, von denen schon heute ein großer Teil extremistisch ist, werden sämtlich Extremisten werden, die dann keiner anderen Lösung zustimmen werden als der vollen Selbständigkeit Palästinas im Rahmen einer arabischen Föderation. Die Araber werden nicht ruhen, bis Jabotinsky und seine Anhänger v6שg gescheitert sind. In einem weiteren Artikel im ״Felestin“ wendet sich Issa el Issa gegen die Angriffe, die die arabischen Extremfeten und insbesondere die Partei des Mufti gegen Ihn gerichtet hat, weil er mit Dr, Weisl über eine gemeinsame Aktion der Presse und mit Chankin über die Frage der jüdischen Siedlung gesprechen hat (s. ״J. R.“ Nr. 98). Der Redakteur des ״Fetestin“ erklärt, es sei die Pflicht der Araber, die Meinung der Juden zu hören und gewissenhaft Zu prüfen, ob sich ein Weg zum Frieden zeige. Gerade im jetzigen Zustand des Zionismus sei zu hoffen, daß »an von den Zionisten eine Anerkennung der arabischen Rechte erhält Nur diese Anerkennung kann den Weg zum Frieden ebnen. Wenn Klarheit über den Umfang des Expansionswtilens da־ Juden bestehe, dann könne man diese Frage besprechen und auch einen Weg zur gemeinsamen Arbeit im Gesetzgebenden Rat suchen»! 3 וtä 11<c ti.zr, ffcii in ״ ..sigso?».M •5״.׳sw ',::sz Kopenhagener Brief Die Habima gastierte eine Woche in Kopenhagen. Sie spielte Dybuk, Golem und Keter David. Trotzdem das Gastspiel schlecht organisiert war — man spielte nur nachts nach i'jll Uhr! — war es ein ungewöhnlicher Publikums- und Presse-Erfolg. Die Kritiker empfahlen den Kopenhagener Schauspielern, ihre Nächte zu opfern und zur Habiraa ״in die Universität“ zu gehen. Der Eindruck bei den dänischen Juden war sehr stark. Die Dansk Zionist Forening hatte eine Nachmittags-Tee-Veranstaltung zu Ehren der Habima improvisiert, welche von etwa 300 Personen aus allen Kreisen der dänischen Juden besucht war, und die Gelegenheit bot in zahlreichen Ansprachen die Bedeutung des Habima-Werkes für die nationale Wiedergeburt besonders zu unterstreichen. — 'Am 13. November fand eine Weißbuch-Protestversammlung statt Es sprachen Dr. Louis Fränbel, B- Slor und Leopold Landau. Eine Protestresolution wurde einstimmig angenommen. Eine sofort vorgenommene K. H.-Samralung brachte £ 100. Die Ansprachen wurden von der Tagespresse wiedergegeben und lebhaft kritisiert. Der konservative Abgeordnete Oral Reventlow schrieb im ״Politiken“ einen langen Artikel, in welchem er die Weißbuch-Politik zu verteidigen versuchte. — Vom 23. bis 25. November war Dr. Werner Bloch unser Oast. ln einer besonders stark besuchten öffentlichen Versammlung — der Saal erwies sich als zu klein — sprach er über ״Engländer, Araber und Juden“. Nachdem erst eine Woche vorher die große Protestversammlung stattgefunden hatte, verdient das starke Interesse für den Bloch-Vortrag besonders hervorgehoben zu werden. Am 24 sprach Dr. Bloch vor den jagend* liehen Keren Kajemeth-Mitarbeitern. Am 25. nahm er an einem akademischen Ehskussionsabend in geschlossenem Kreise teil. — Inzwischen ist es gelungen, ein N.־F.־Komitee zu bilden, welches nach seiner Zusammensetzung gute Arbeit in allen Kreisen verspricht. — Auch in der Jugendarbeit rührt es sich. Der Haiwri Hazair wurde reorganisiert und hatte einen gelungenen Diskussions-Abend über die Habima. Am 1. Dezember sprach Gg. Friedenthal (Berlin) in einer öffentliehen Versammlung über den Makkabi-Wdtverband. Sein Vortrag dürfte zur Nationalisierung des hiesigen Sportvereins Hakoah und dessen Anschluß an den Weltverband führen. Vom Jödisk Ungdom (Jüdischer Jugendbund) bemerkt man wenig jüdisches. Dagegen trat die Danmark-Loge am 25. November erstmalig mit einem populären Vortrag öffentlich in die Erseheinujig, auf welchem Professor Vilh, Andersen über den dänisch-jüdischen Dichter Goldschmidt Sprach. Mit der zwischen Dänen und Juden fein differenzierenden Tendenz seiner Ausführungen durften wir einverstanden sein. Die zweite öffentliche Veranstaltung der Loge wird uns Arno Nadel bringen. Die diesjährigen Gemeindfrwahjen werden ohne Sensation verlaufen. Es stehen zur Wiederwahl der verdienstvolle Präses Hojsteretssagförer C. B. Henriques und Jacob H. Melchior. Lediglich zum Zeichen des Protestes gegen das!»demokratische Wahlrecht haben sich Zionisten an der Unterstützung dieser Uste nicht beteiligt LL. Dreißig sephardische Familien, hauptsächlich dem Handwerkerstande angehöfend, die während der Unruhen Im August 1929 Hebron verlassen haben, beabsichtigen, in die Stadt zurückzukehren. Der einzige aschkenasische Jude, der bisher nach Hebron zurückgekehrt ist, ist Rabbi M. SI o n i m, dessen Sohn, der bekannte Direktor der Anrio Palestine Bank, und andere Angehörige seiner Familie während des Augustroassakers umgekommen sind. Ary« LPeysak Ein national jüdischer Maler. In Arye L. Peysak haben wir einen jüdischen Palästina• maler, der nicht nur die palästinensische Landschaft, Ihre For• men. ihre Farben und ihr Ucht malt, sondern diese Erde und ihre Gestalten mit dem Auge des jüdischen Künstlers, mit dem Herzen des jüdischen Menschen erlebt In seinen heiligen Stätten und Städten, seinen Chaluzim und biblischen Gestalten steigern sich Erkenntnisse, die hinter die Erscheinungen dringen, und Gluten, die aus dem Gefühl tiefer und stolzer Vet• bundenheit wachsen, zu Kunstwerken, die das Wirkliche zum Visionären verdichten. Sie tragen in den realen Grund der Erscheinungen und Formen die zauberhafte Glut und Farbe des Landes, die Liebe und Andacht des ergriffenen Juden. Das dominierende Rot der Erde ist der Grundton in Peysaks Pa• lästinabildern, die Hitze und das Flimmern der Luft malt er in starke leuchtende Konturen hinein. Jahrelang suchte er nach der Leinwand, die die Farben so aufnimmt, daß das Schimmernde und Unwirklich-Wirkliche der Lichtstimraung lebendig wird. Unzählige Skizzen und Entwürfe zeugen von dem ehrliehen künstlerischen Kampf, der Intensität und dem Fleiß dieses Talentes, das — heute; eine Seltenheit! — Begabung mit ernstem handwerklichen Wollen und Können vereint So gelangt« Peysak nicht nur malerisch und komposltionell, sondern auch technisch zu besonderen Ergebnissen, die der Aufgabe einer speziellen Paiistinamalerei in bisher kaum erreichtem Umfang gerecht werden. Er matt einen ״ChaIu 2“, der aus dem Boden gewachsen, mit ihm verwachsen, das Land bestellt, umgeben von dem Geheimnis des Himmels und der Berge, ein Bild jüdischer Jugend und Erneuerung. In den ״Chaluzim“, einem Bild von packender Bekenntniskraft ist der jüdische Mensch dargestellt, der an die Fruchtbarkeit und die Zukunft des Landen glaubt. Weiße Blumen werden zu Sinnbildern des heiligen Lebens, vielfältiges Rot des Bodens und der Ferne, wehendes Grün deT Palmen zum Klang des Landes. Um Seen, Blume und Brunnen, um Menschen, Tiere und Häuser läßt der Künstler diesen hellen Glanz, diese fromme Einfalt lebendig werden, hinter denen das Wunder nah zu sein scheint Auch die biblischen Bilder des Künstlers weisen diesen starken Impuls, diese Deutungskraft eines Dichters und Künders. Bilder aus dem Leben Moses’, Mavids, Simsons und anderer Großer hat er geschaffen, die den Anfang zu einer Verheißung!־ vollen Reihe bilden, mit der er in symbolischen Tryptichen von monumentalen Ausmaßen Vergangenheit und Gegenwart Israels darstellen will. Peysaks Menschen, in welche Zeit, in welche Geschehnisse er sie. auch hineinmaft, sind Träger jüdischen Lebens und Schicksals, seine Landschaften sind Bekenntnisse zum Lande der Väter, seine künstlerischen GleichniSse wachsen aus dem Boden jüdischen Erlebens. Er »alt ״J e r u s a I e m* und malt es mit diesem andächtigen Baum auf roter Erde, mit dem־ überirdischen Schimmer der Sterne. Wir dürfen in Peysaks Werk nicht nur eine im wirklichsten Sinne jüdische Kunst, sondern eine befreiende Tat begrüßen, weil es zum erstenmal mit vehementer Ueberzeugungskraft und letzter Konsequenz nicht das duldend-Ahasvemche, das ewig-leidvolle Galüthjudeatum, sondern die Größe jüdischer Ueberlieferuiig, den Tatwillen jüdischer Gegenwart und den Heroismus jüdischer Jugend in den Mittelpunkt künstlerischen Schaffens stellt. Will PIeß. Presseschau Ins ״Abend“ vom 5. Dezember bespricht Eduard Bernsteiudas. Buch des Soziaitstenführers Emile V*nderv.el 4,.׳idw0«ides»4?i|l%fcp׳״ in einem längfrreaA!;tikel,der ein**f«?»• ‘'KsSefeentfÄwm arbeitenden PÄÄ dar». PernstÄ schließt mit folgenden Absätzen: ״Vandervelde beleuchtet an einer ganzen. Reihe von Tat- Sachen, auf die ira einzelnen einzugehen, hier zu weit führen würde, welche sozial und kulturell bedeutungsvollen Leistungen in Palästina vollbracht wurden und spricht seine stärkste Bewundertmg für die Pioniere der Arbeit, die Chaluzim, aus. ,Im Grunde wäre der Zionismus׳, schreibt er, ,eine belanglose Angelegenheit ohne diese Tausende von Chaluzim, deren leidenschaftliche Begeisterung vor keiner Arbeit zurückschreckt, ohne diese Arbeiter in den Kolonien, die gegen Mater ja, Trockenheit und Heuschrecken, kurz gegen alle Plagen Aegyptens zu kämpfen haben, ohne diese jungen intellektuellen Mensehen, die davon träumen, den Boden Ihrer Ahnen durch den Pflug und den Traktor wiederzuerobern - mit einem Wort, ohne diese Jugend wäre der Zionismus nichts. — Wenn die Pioniere anders eingestellt wären, hätten sie vielleicht mehr Aussichten, wohlhabende Winzer oder reiche Plantagenbesitzer zu.werden. Sie selbst würden dabei gewinnen, aber der Zionismus würde damit die Größe seiner Idee verlieren, die seine Schönheit und Stärke ausmacht.׳ die Erneuerung einer freien Menschengemeinschaff auf freiem Boden.‘ Es ist mir kein Buch bekannt, das seinen Lesern soviel des Belehrenden darbietet und mehr geeignet ist, ihr Urteil zu heben, als dieses Werk über eine so viel umstrittene Frage wie die des ,Schaffenden Palästina‘.“ * Die ״DortmunderZeitung“ bringt am 24. November einen ausführlichen Bericht Ober die Rede Dr. Bfleskfs in einer öffentlichen Versammlung in Dortmund ״Hat der Zionismus noch Aussichten?“ Die Zeitung gibt die Darlegungen des Redners, der die großen Aufgaben und Arbeitsmögllclikeiten des Zionismus darstellte, sachlich wieder. Wein• and Tabaklabriken Das ״Comraerdal Bulletin“ veröffentlicht eine Liste der Destillerien und Weinkeltereien in Palästina. Die Uste enthält 10 reine Wdnkeltereteh, 14 Destillerien und 7 gemischte Betriebe, in denen Weinproduktion and Destillerie betrieben wird. Von der Gesamtzahl aller Firmen sind 18 in jüdischem Besitz. Die Uste der Tabak -und Zigarettenfabriken enjhllt 12 Unternehmungen, von denen nur eine einzige, nämlich die Fa. Dr. Walter Moses und Waskevitz, in jüdischen Händen ist Die größeren arabischen Unternehmungen gehören dem englisch-ägyptischen Tabakkoozern. Die Firmen verteilen sich aut die Städte Haifa, Nablim, Jerusalem, Jaffa, Bethlehem. (Ziko.) Keren Hajessod-Aktion in Holland. Die Keren Hajessod־ Aktion in den größeren Städten Hollands begann am 10, Dezember unter Anteilnahme von Dr. Alexander Goldstein als Spezialdelegierten des Direktoriums. Bisher fanden je eine Veranstaltung Im Haag und in Rotterdam und zwei Abende in Amsterdam statt Zusammen mit Herrn Dr. Goldatem sprachen Herr Dr. B. K Kahn, Schriftführer des hoOändischen Keren Hajessod-Kuratoriums, der vor einigen Wochen von einer längeren Palästinareise zurückgekehrt ist und Oberrabbiner Davids. Weitere Veranstaltungen folgen. Herr Dr. Friede mann, der im Herbst eine Keren Hajessod- Aktion in Süddeutschland durchgeführt hat, hatte die Arbeit in Holland kurz vor dem Eintreffen Dr. Goldsteins wieder aufgenommen.