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Jüdische Rundschau · 1930-12-16 · Heft 99 (16.12.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 99 (16.12.1930)
Date
1930-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 09, 16. XII. 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 671 Wie steht es mit der Politischen Kommission? Zur Fahrung der Verhau dl an gen rwbchen England und Jewish Agency Ai• nach dem Erscheinen des letzten Palästina-Weißbuches der englischen Regierung die politische Lage als kritisch etnp* funden wurde, trat in London das Zionistische Aktions-Comitt zusammen und beschloß, daß die Verhandlungen, die auf Initiative der englischen Regierung zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung stattfinden sollen, von dem in Demission befindlichen Präsidenten Dr. Weizmann weiter* geführt werden sollen. Zu seiner Beratung, und gewissermaßen zu seiner Kontrolle (so war es mindestens von einem Teil ge״ dacht), setzte das A.-C. zwecks Zusammenarbeit mit der Exe* cutive eine politische Kommission ein, die aus fünf Mitgliedern bestehen sollte, von denen die Zionistische Organisation Amerikas und der Waad Leumi je einen Vertreter entsenden sollten. Dr. Weizmann hat sich, wir glauben mit Recht, mit dieser Kommission einverstanden erklärt, obwohl sie eine Erschwerung des Mechanismus der Verhandlungen bilden konnte. Aber in der schwierigen Situation und angesichts der inneren Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bewegung schien es richtig, die Verantwortung für diese wich• tigen, vielleicht entscheidenden Verhandlungen auf mögliehst breite Schultern zu verteilen. Dr. Welzmann konnte kein Interesse daran haben, diese Verantwortung allein zu tragen und das Odium auf sich zu nehmen, er habe das Resultat durch Mשachtung der Ratschläge aus dem eigenen Lager verschuldet. Unmittelbar nach der A.C.-Sltzung Mitte November hieß es, daß die amerikanischen Zionisten Prof. Frankfurter und dm־ Waad Leumi seinen Vorsitzenden Ruthenberg nach London entsandt haben, um die ihnen vorbehaltenen Plätze im politischen Komitee zu besetzen. Bis heute aber sind diese Herren in London nichtelngetroffen, und man erfährt mit Erstaunen aus Pressemeldungen, daß z. B. der Waad Leumi sich in Jerusalem mit der Antwort der englischen Regierung an die Jewish Agency befaßt hat und seinen Präsidenten Ruthenberg nochmals beauftragte, nach London zu fahren, um eine übermäßige Nachgiebigkeit der Jewish Agency gegenüber der englischen Regierung zu verhüten. Herr Ruthenberg aber weigert sich zu fahren. Wie es diesbezüglich in Ame* rika steht, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt, obwohl immer wieder die englische Tagespresse — besonders der ״Daily Telegraph“ — zu melden weiß, daß die amerikanischen Zionisten gehört zu werden fordern und daß darum die Verhandlungen sich hinziehen. Dr. Weizmann hat zwar In seiner Rede in Finsbury Park diese Gerüchte dementiert, aber die Abwesenheit des amerikanischen Vertreters in London ist angesichts der Bedeutung Amerikas sehr zu bedauern, da einerseits der amerikanische Einfluß bei den Verhandlungen mit England stark ins Gewicht fallen dürfte, andererseits die maßgebenden Gruppen des amerikanischen Judentums, Zionisten und Nichtzionisten, zweifellos bei so wichtigen Entscheidungen mitwirken sollten. Wir wollen uns hier, da wir die Verhandlungsbasis und das gegenwärtige Stadium der Verhandlungen nicht kennen, jedes sachlichen Urteils enthalten; aber eine verantwortungsbewußte zionistische Öffentlichkeit muß viel mehr als durch die englische Haltung irritiert werden durch dieses eigentümliche Schauspiel der Divergenz im eigenen Lager. Es ist gewiß keine Unter- Schätzung des Waad Leumi, wenn ein Zweifel geäußert wird, ob er bei einer Sitzung in Jerusalem die politische Sachlage in London voll beurteilen kann; aber seine der Oeffentiichkeit mitgeteilte Haltung, die erkennen läßt, daß er von Mißtrauen gegen die Londoner Führung erfüllt ist und Herrn Ruthenberg zur Wahrung der nationalen Interessen zu entsenden wünscht, muß unseres Erachtens für die Londoner Führung ein Grund mehr sein, die volle Mitverantwortung des Waad Leumi zu fordern, indem die ihm zugedachte Stelle im politischen Komitee endlich besetzt wird. Der Waad Leumi ist eine konstitutionelle Körperschaft und keine Volksversammlung; er darf daher nicht die billige Rolle des außenstehenden Kritikers spielen, wenn man ihm die verantwortliche Mitwirkung anbietet. Wir haben schon kürzlich an dieser Stelle betont, daß Dr. Weizmann und die Führung der Jewish Agency nach unserer Meinung diesmal der inneren Situation im Zionismus voll Rechnung tragen müssen und sich nicht dazu hergeben dürfen, die Verantwortung allein zu tragen und den anderen die Rolle des Kritikers zu überlassen. Dr. Weizmann ist ohnedies imZustandederDemission. Er kann — so glauben gerade 'auch seine Freunde — nicht ohne das volle Votum der politischen Kommission handeln, und es wäre besser für ihn, falls diese Kommission sich infolge des Verhaltens in Jerusalem und New York als aktionsunfähig erweist, ihr die volle Verantwortung für die W e i - terführung der Verhandlung und für die Ent- Scheidungen zu überlassen. Das Verhalten der genannten zionistischen Gruppen ist unverständlich. Völlig konsequent ist die Haltung der Revisionisten, die eine grundsätzliche Opposition bilden und jede Be* teüigung an dem politischen Komitee abgelehnt haben. Sie haben eine legitime Steilung als Opposition. Aber diejenigen Gruppen, die nun einmal ihre Beteiligung nicht nur zugesichert, sondern ihre Heranziehung gefordert haben, sollten etwas aktiver und positiver an der Lösung der Situation mitwirken. Tun sie es nicht, dann muß heute schon ausgesprochen werden, daß a u f s i e die Verantwortung fällt und nicht auf die Unterhändler in London, die von ihnen im Stich gelassen worden sind. Die Verhandlungen werden infolge der Weihnachtsferien wohl in diesen Tagen ohnedies unterbrochen werden. Die entstandene Pause müßte dazu benützt werden, um die innerrionistische Situation zu küren. Eiowandernngsverbol nach Amerika? Die Immlgrationskommlssion des Repräsentantenhauses hat mit acht gegen fünf Stimmen den Gesetzentwurf zur Ein- Stellung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten während der nächsten zwei Jahre ange* nommen. Eine Ausnahme Ist nur zugunsten jener Frauen und minderjährigen Kinder legal zugelassener Ausländer vorgesehen, denen seitens der amerikanischen Konsulate ihrer Her* kunftsländer bis spätestens 10. Dezember 1930, 12 Uhr mitter* nachts, ein Visum erteilt wurde. Diese Frauen und Kinder sollen im Rahmen der Quote zur Einwanderung zugelassen werden. — In den Monaten Juli bis Oktober 1930 sind 2863 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. Arbeilskonlllkte In den jüdischen Kolonien Sechzehn jüdische Arbeiter verhaftet Jerusalem, 10. Dezember. (J. T. A.) In Ness-Zlona fanden stürmische Demonstrationen arbeiteloser jüdischer Arbeiter statt. Unter den Rufen; ״Wir wollen Arbeit und Brot!״, durchzogen die Arbeiter die Straßen der Siedlung, ln mehreren Kolonistenhäusem wurden die Scheiben eingeschlagen. Erst als die Polizei Schreckschösse in die Luft abgab, gelang es, die Demonstranten zu zerstreuen. Es wurden keinerlei Verhaftungen vorgenommen. Die hebräische Presse nimmt geschlossen für die jüdischen Arbeiter Stellung. Sogar der revisionistische ״Doar Hajom“, der in ähnlichen Fällen sonst stets die Partei der Kolonisten ergriffen hat, erklärt, In diesen Tagen werde das Gewissen der jüdischen Pflanzer auf die Probe gestellt werden. Dawar“ macht für die augenblickliche Situation auch die Zionisten der Diaspora verantwortlich, weil sie nicht genügende Mittel zur Errichtung von Arbeitersiedlungen zur Verfügung gestellt hätten. Im Zusammenhang mit den Demonstrationen wurden 16 jüdische Arbeiter, darunter zwei Sekretäre der Arbeiter- Organisation, verhaftet. 12 von ihnen wurden ins Gefängnis von Ramleh gebracht. Das Sekretariat der Arbeiterorganisation von Ness-Zlona gibt in einer Resolution seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Arbeitslosen ihre Zuflucht zur Gewalt genommen haben, und fordert alle Arbeiter auf, strengste faziplin zu wahren. Die Kolonisten von Chederah bemühen sich, eine friedliehe Lösung der Arbeitslosenfrage herbeizuführen. Es wird eine Liste der Pflanzer, die in der Lage sind, Arbeit zu vergeben, angelegt. In Petach Tikwah haben Verhandlungen zwischen den Kolonisten und einer vereinigten Delegation des Waad Leumi und der Jewish Agency stattgefunden. Die Kolonisten beharren auf ihrer Forderung einer Ermäßigung des Taglohns für jüdisehe Arbeiter von vier auf drei Schilling. In der letzten Sitzung des Waad Leumi machte Suprasky Mitteilung von einem Beschluß der Pflanzer von Petach Tikwah, eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter während der diesiährigen Orangenemte anzuriellen, wenn die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation einer Verminderung des Taglohns von 4 auf 3 Schilling zustimmt. Demgegenüber erklärten die Arbeitervertreter im waad Leumi, daß die Pflanzer schon früher eine Lohnreduktion von nur einem halben Schilling vorgeschlagen haben und daß der nunmehrige Vorschlag zu einer noch geringeren Beschäftigung jüdischer Arbeiter führen müßte, da es jüdischen Arbeitern unmöglich sei, mit 3 Schilling im Tag auszukommen. (Ueber die Probleme, die diesen Konflikten zugrunde liegen, berichtete der palästinensische Korrespondent der ״Jüd. Rundschau“ in der vorigen Nummer. — A. d. R.) Obligatorische Sonntagsruhe In Attalit Jerusalem, 10. Dezember. (J.T.A.) Der High Commissioner hat in den von der Regierung zur Gewinnung des Materials für den Hafenbau von Haifa gepachteten Steinbrüchen der Pica und der Athlit Company obligatorische Sonntagsruhe angeordnet. In diesen Steinbrüchen sind 150 jüdische Arbeiter beschäftigt, die bisher Sonntags arbeiten durften, um die Sabbatruhe beobachten zu können. Die neue Anordnung des High Commissioners hat heftige Erregung bei den Juden Palästinas hervorgerufen, die in der neuen Bestimmung eine Verletzung der Gleichberechtigung der drei Konfessionen Palästinas erblicken. Bflchersdiaa Die Religion ln Geschichte und Gegenwart (RGG), dieses große, in zweiter Auflage erscheinende ״Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft“ (Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen) hat nunmehr mit der 93. Lieferung seinen vierten Band Beendet, der die Buchstaben Mi—R umfaßt. Diese Enzyklopädie, die ein vollständiges Bild der heutigen modern-protestantischen Wettauffassung gibt, wird dem spezifisch jüdisch interessierten für viele auch das Judentum stark tangierende Probleme und für die Einstellung der Umwelt zu jüdischen Dingen als instruktiver Leitfaden dienen können. Wir haben schon bei Besprechung der früheren Binde hervorehoben, daß hervorragende jüdische Gelehrte diesmal für jüische Stichwörter mit herangezogen wurden. Auch in dem vorliegenden Band finden wir mehrere Beiträge dieser Mitarbeiter, die zwar in dem allgemeinen Rahmen sehr knapp gehalten sein müssen, aber jedoch die jüdische Auffassung auch zur Geltung bringen. Wir erwähnen den Artikel über ״Misehna, Talmua und Midrasch“ (Elbogen), über ״Mystik“ im Judentum (Baeck), ״Offenbarung im Judentum (Baeck), aus der mehr modernen Sphäre Artikel ״Presse, jüdische“ (Elbogen), der freilich der deutsch-assimilatorischen Presse eine übermäßige Bedeutung beimißt, Rieß er (Baeck) usw. Der Band ist vom jüdischen Standpunkt besonders wichtig, weil er so entscheidende Stichwörter enthält wie Moses (Gunkel), Propheten (Gunkel, Sellin). Psalmen (Gunkel), Pharis 1 e r (Volz), die natürlich sämtlich vom Gesichtspunkt der protestantischen Theologie bearbeitet sind; hierzu kommen mehr allgemeine Stichwörter wie ״Re'lgion“. .,Mystik“, ״Mythos“, ״Opfer“, ,,Offenbarung‘ usw. Da die RGG auch Artikel über moderne, nicht im engen Sinne theologische Gegenstände enthält, ist es auffallend, daß ein Artikel ,Nationalismus“ fehlt. Im Artikel ,.Rußland“ wird das russische Judentum in seinem äußeren Schicksal dargestellt, leider fehlt jeder Hinweis auf sein geistiges Leben; dagegen fehlt unbegreiflicherweise sowohl im Artikel ״Polen“ als auch in ..Rumänien“ jeder Hinweis auf die Lage und Rolle des dortigen Judentums. Ebenso merkwürd’g ist es, daß der Artikel ״Minderheiten“ es sich entgehen läßt, die geradezu klassische Minderheit, das Judentum in allen Ländern, zu berücksichtigen, zumal da auf den Zusammenhang zwischen Religion und Volkstum beim Minderheitenproblem verwiesen wird, wofür doch auch die Juden ein Paradigma bilden, ln dem Artikel ״Re!igions-Sta* tistik“ wird die Zahl der Juden in der ganzen Wett mit 14,2 Millionen berechnet, im Gegensatz zu Runpin, der ln seiner neuen ״Soziologie“ zu einer Ziffer von 15,9 Millionen gelangt t. Neue deutsche Erzähler. Unter diesem Titel hat der Verlag Paul Franke (Berlin) eine seiner Sammlungen veröffentlicht, die sich durch erstaunlich billigen Preis bei reichem Inhalt und futer Ausstattung auszeichnen. Die vier Binde (zu 2,40 M.), urchschnittlich je 400 Seiten stark, enthaften Prosa-Dichtungen moderner Autoren, unter denen wir auch vielen Juden begegnen, z. B. Oskar Baum, Max Brod, Alfred DÖblin, Manfred Georg. Alfred Neumann, Felix Salten, Georg Herrmann, Arthur Holitscher, Franz Kafka. Paul Kornfeld, Franz Werfel, Stefan Zweig (mit dessen jüdisch bedeutsamer Erzählung ״Rahe! rechtet mit Gott“ das Werk abschließt). So ist diese Anthologie, in der wir die wichtigsten Namen deutscher Dichter finden, gleichzeitig eine Illustration des Anteils der Juden an der neueren deutschen Literatur. Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann ln Frankfurt a. M., einer der Führer des religiösen Liberalismus in Deutschland, vollendete am 14. Dezember sein 70. Lebensjahr. Seligmann gehört zu jenen liberalen Führern, die der zionistischen Renaissance-Idee Verständnis entgegenzubringen versuchten. Die ffldlschen Ausländer ln Preußen In Nr. 5 der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden (herausgegeben vorn Büro für Statistik der Juden, Redaktion Dr. Jacob Segall und I. Koralnik) macht Dr. Koralnik Angaben über den Anteil der Ausländer an der jüdischen Bevölkerung in Preußen. Den Angaben hegen die in diesen Tagen bekanntgewordenen Ergebnisse der Zählung der jüdisehen Bevölkerung im Jahre 1925 zugrunde. Von den 403 969jüdischen Einwohnern des Preußischen Staates im Jahre 1925 waren 327582 (81,1 ®/o) Inländer, 76387 (18,9 «/«) Ausländer. Es wurden gezählt: ausländische Juden aus europäischen Staaten 66 544 (87,1 0/0), aus außereuropäischen Staaten 1570 (2,10/0), Staatenlose 7364 (9,6 ®/o), ungenannt 909 (1,2 0/0). Unter den Ausländern europäischer Provenienz überwiegen solche aus Polen, Oesterreich und Sowjetrußtand. Die Zahl der Ausländer aus Polen betrug 35 385, Oesterreich 9493, Rußland 6986, Tschechoslowakei 3574, Ungarn 2480, Rumänien 2156, Niederlande 1791, Litauen 1350, Lettland 1037. Polnische Staatsangehörige machen allein 46,3 <yo der Ausländer aus. In der Oesamtzahl der Ausländer bilden die in Berlin ansässigen mit 43 838 57,4 0/0. Berlin zählt somit unter seinen 172 672 Juden 25,4 0/0 Ausländer. Im Jahre 1910 betrug hier der Prozentsatz der Ausländer nur 17,2, 1900 12,6 ״/«, im Jahre 1895 10,9 ״/«. Große Gruppen bilden die Ausländer ferner in der Rheinprovlnz (9700), Hessen-Nassau (7855), Westfalen (3439), Niederschlesien (2629). Der Prozentsatz der Ausländer unter der gesamtjüdlsehen Bevöllkerung stellt sich in der Rheinprovinz auf 16,7. Hessen-Nassau 14,9. Westfalen 15,9, Hannover 12,9 Schleswig-Holstein 30,8. Sachsen 22,2, Oberschlesien 12,1, Ostpreußen 7,3, Brandenburg 12,0 ״/o. In den Oroßstldten bilden die Ausländer 23,0 0/0. In den Städten mit einer zahlreichen ausländisch-jüdischen Einwohnerschaft zählen (abgesehen von Berlin) Frankfurt a. M. 19,6 »/o Ausländer (absolute Zahl 5753), Köln 24,3 3908) ס/״), Breslau 8,6 «/2006) ־). Dortmund 31,4 ®/a (1200), Altona 46,81128) »/״), Hannover 23,7 1311) ס/י), Essen 27,9 ®/1173) ס). In Preußen wurden unter den 301 848 Wahlberechtigten zu den jüdischen Gemeinden 51904 (17,2»/«) Aus-!ander gezählt, ln Berlin beträgt der Prozentsatz der Aus* länder unter den Wahlberechtigten 23,3 (31112 von 133 374). David und Goliath. Gastspiel Ivo PuhonnysMa• rionettentheater ln der Lessinghochschule. Es ist tröstlich zu wissen, daß es heute noch Künstler gibt, deren Produktivität sich an einem so spielhaft-kindlichen Genre auswirken kann, und daß es noch ein Publikum gibt, und zwar ein sehr ernsthaftes, kritisches, das sich an derlei erheitern kann. Wenn man das ״David und Goliath“-Spiel rieht, hört und — schmeckt, so weiß man nicht, was einen mehr tn Entzücken versetzt: die Figurinen ([von Käthe Baer), die Musik (von Karl Salomon) oder das Spiel der Marionetten (Emst Ehlert). Nicht zu vergessen: Albert Baer8 köstliche Bonmots und Schüttelreime. Von den Figurinen, die trotz der ihnen angemessenen Kiischeehattigkeit von unglaublicher Zartheit und Schmiegsamkeit sind, gelangen wohl am frappantesten der gran* dios-groteske Philister-Dämon Ooliath neben dem mädchenhaftzierlichen David. Aach in der Musik kam dieser Kontrast durch die Sopranpartic des David neben dem künstlich-forcierten Baß des Ooliath glänzend zum Ausdruck. Die Musik schien, besonders am Anfang, eine geradezu ideale moderne Marionettenmusik: Dynamik, Instrumentation, Thematik, Polyphonie — alles ״en miniature“. Diese transparente Leichtigkeit des Klangstils kommt in den Gesangspartien allerdings nicht durchweg zur Geltung: die parodierte Pathetik geht an manchen Stellen in ein wirkliches Pathos über. Dafür gibt es eine Fülle ausge» zeidmeter, komischer Einfälle im Verlauf der Komposition. Von besonders günstiger Wirkung war auch, daß der Komponist drei Rollen mit vielem Humor selber sang. Bezaubernd klang da־ David-Sopran Yella Curjels. Alice Jacob-Loewenson. Süddeutsche MIsrachl- und Zelre Mtsrachl-Tagung- Am 16. November fand in Mannheim der 1. süddeutsche Delegiertentag des Misrachi und Zeire Misrachi unter Beteiligung aer Berliner Misrachizentrale und insgesamt 25 Delegierten aus neun Städten statt Herr P i n t e r - Karlsruhe eröffnete die Tagung unter Begrüßung aller Delegierten und Gäste, gleichzeitig aut die die Einberufung veranlassenden Oründe hinweisend, welche in der derzeitigen schwierigen Lage im Zionismus, Neugründüngen von Misrachi- und Zeire Misrachi-Oruppen, Ausbau der Presse usw. zu suchen sind. Herr Alexander Adler- Berlin führte sodann in seinem Hauptreferat ״Die heutige Lage des Zionismus und des Misrachi im besonderen“ aus, daß es für die gesamte Weltjudenheit gerade jetzt eine unbedingte Notvvendigkeit sei, zum Protest gegen das englische Weißbuch sich zu tatkräftiger zionistischer Arbeit zusammenzuschließen. Es müsse gezeigt werden, daß jüdische Politik sich nur im Rahmen der Weltgeschehnisse abspielen kann und an einzelnen Anfeindungen nicht scheitern darf. Aufbauarbeit tue dringend not und ist es besonders des religiösen Juden Pflicht, den Misrachi als zionistische Organisation auf thoratreuer Grundlage ideell und materiell zu unterstützen. Der Referent gibt sodann noch verschiedene Vorschläge über die kommende Winterarbeit innerhalb der einzelnen Ortsgruppen, besonders für die nächsten Wochen Protestschekelvertrieb und Wahlagitation für die Kongreßwahlen. — Für die Zeire Misrachi sprachen Feuchtw an ge r- Rodges und W e ic h s e 1 b a u m- Frankfurt a. M. unter Darlegung des Zweckes und Zieles ihrer Bewegung, des sozialen Fundaments, der Erziehung zur Gemeinschaft usw. bis zur Endausbildung als Chaluz. Schließlich wurde noch für die süddeutschen Gruppen zur Konzentrierung und Ueberwachung der Arbeit ein Gruppenverband (nachträglich Frankfurt a. M. aß Sitz festgelegt) gegründet Die unter Leitung von Herrn Benno Kohn- Frankfurt a. M. glänzend verlaufene Tagung nahm noch folgende Resolution an: ״Der Gruppenverbandstag verpflichtet die einzelnen Gruppen zu energischer Durchführung der Schekelaktion. Die Gruppen verpflichten sich, neben der Schekelaktion und nach deren Beendigung intensive Propaganda aufzunehmen und auch für das misracnistische Organ ,Zion‘ neue Abonnenten zu werben.“ T o s t i e k a. Pressesciiau Im״DortmunderGeneralanzeiger“ vom 22. November bespricht Freiherr von Schoenaich die ״Krise des Zionismus“ und kommt zu dem Schluß: ״... Allem Anschein nach hat der Schlag, den die englische Arbeiterregierung jetzt gegen das Palästinawerk führen will, den jüdischen Gegnern nicht nur kein Wasser auf die Mühlen getrieben, sondern er hat die jüdische Einmütigkeit geradezu gefördert Zum Glück besteht seit etwa einem Jahre in der Jewish Agency eine Stelle, in der Zionisten und Nichtzionisten im Palästina-Aufbau einträchtig Zusammenarbeiten. Es ist zu hoffen, daß diese Einmütijjkeit, verbunden mit der Opposition der beiden anderen englischen Parteien, die Regierung Macdonald veranlassen wird, ihre anscheinend etwas vorschnell gefaßten Entschlüsse nachzuprüfen. Wer in der Geschichte der Juden verfolgt hat, mit wie zäher Willenskraft sie schwerere Prüfungen ertragen haben als diese, der wird auch hier nicht die Hoffnung sinken lassen, daß diese Krise zur Genesung und festeren Gesundheit führen wird.

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