Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-12-09 · Heft 97 (9.12.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 97 (9.12.1930)
Date
1930-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653246--22021-2680187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 97, 9. Xn. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 655 Zum Protokoll der Mandats-Kommission In den letzten Wochen haben die Ereignisse in der Palästinapolitik sich so überstürzt, daß es kaum möglich war, den die einzelnen Etappen dieser Entwicklung markierenden Dokumenten die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Und dennoch ist es für jeden Zionisten heute von unerläßlicher Wichtigkeit, sich an der Hand der Dokumente ein Urteil über die weltpolitische Situation des Zionismus zu bilden, da bekanntlieh gerade ln Zeiten heißen Kampfes das wirkliche Bild oft verzerrt wird und durch ungenügende Information der die Politik mitbestimmenden Schekelzahler natürlich auch die Gesamt- Orientierung und die Erfolgsmöglichkeit unserer Politik leidet. Eines der wichtigsten Dokumente zur Palästinapolitik des vergangenen Jahres, aber darüber hinaus von grundsätzlicher Wichtigkeit für das Kernproblem des heutigen Palästina ist das Protokoll der 17. (außerordentlichen) Tagung der Mandatskommission» das — wie alle früheren Protokolle — im Verlag des Völkerbundes in Genf in französischer und englischer Sprache erschienen ist. Dieses Protokoll gibt ein volles Bild der Verhandlungen, die den Unruhen von August 1929 und dem Bericht der Shaw-Kommission gewidmet waren. Die englische Regierung wurde in dieser Sitzung sehr scharf kritisiert; die englischen Vertreter, vor allem Dr, Shiels, mußten die Haltung der Mandatarmacht häufig in scharfem Kreuzfeuer verteidigen, und ihre Argumente sind oft erstaunlich fadenscheinig. Es ist leider unmöglich, die Einzelheiten dieses Dialogs hier wiederzugeben. Für diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, das Protokoll im Original zu studieren, wird es besonders willkommen sein, daß Dr. Moritz Bil eski im letzten Heft der vorzüglichen, leider zu wenig bekannten Zeitschrift ״Palästina“ (Herausgeber Adolf Böhm, Verlag C. Barth, Wien I) eine eingehende kritische Analyse dieses Protokolls veröffentlicht. (״Palästina vor der Mandatskommission“ von Eh־. Moritz Bilesld.) Es ist dem Verfasser gelungen, mit seltener Präzision die entscheidenden Probleme herauszuschälen, so daß der Leser der vorbildlichen Studie wirklich ein völlig objektives und zuverlässiges Bild dieser wichtigen Sitzung erhält Indem wir also auf Bileskis 25 Seiten starke Abhandlung verweisen, möchten wir unsererseits nur zwei der wichtigsten Gesichtspunkte aus den Lehren des Protokolls hervorheben. Die Mandats-Kommission isjt einig in der Kritik der passiven Haitung der Mandatarmacht bezüglich des jüdischen Nationalheims, ebenso wie bezüglich der wirtschaftlichen Hebung der Landesbevölkerung. Der Eindruck, daß diese beiden Aufgaben, die b e i d e im Mandat enthalten sind, unvereinbar sind, konnte nur entstehen, weil beide Aufgaben vernachlässigt wurden. In Wirklichkeit besteht zwischen ihnen ein positiver innerer Zusammenhang. Mit dieser Feststellung ist die Grundlage der ganzen bisherigen englischen Politik erschüttert. Denn die englischc These war stets die, England könne nicht aktiv zugunsten des jüdischen Nationalheims eingreifen, damit dies nicht als Parteilichkeit für die Juden aufgefaßt werde und damit Anlaß zu arabischer Unzufriedenheit, eventuell sogar zu Aufständen gebe.‘Ganz abgesehen davon, daß diese Theorie sich in der Praxis nicht bewährt hat, weil es ja trotz dieser englischen Haltung zu Aufständen gekommen ist, ist darin die fundamentale Tatsache übersehen, daß — wie Herbert Samuel in Stihef Unterhffis-Reitt aüsf&lirte — ,keineswegs-Äh jüdischer Vorteil ein arabischer Nachteil und ein arabischer Vorteil ein jüdischer Nachteil sein müsse. Die Regierung hätte eben für beide Teile mehr tun müssen. Dies soll, obwohl der englischc Vertreter, wohl aus Prestigegründen, dagegen noch polemisiert hat, zweifellos die Grundlage der künftigen Palästinapolitik sein. Der zweite Punkt, dem wir einer besonderen Aufmerksamkeit empfehlen möchten, ist die Stellungnahme unserer Freunde in der Mandats-Konimission zur Frage des Wesens des jüdischen Nationalheims und des zionistischen Endziels. Die Mandats - Kommission nimmt an, daß die englische Re gierung nicht die Absicht habe, das Nationalheim in seiner gegenwärtigen Entwicklung zu ״kristallisieren“. Die Auffassung, daß das Nationalheim mehr oder weniger auf den gegenwärtigen Umfang der jüdischen Siedlung zu begrenzen sei, wird von der Mandats-Kommission als unzulässig und als mit dem Man dat unvereinbar abgelehnt. Auf die wohl keineswegs prozionistisch aufzufassende Frage des Vorsitzenden Theodoli» wann das Nationalheim als errichtet zu gelten habe, verweigert Dr. Shiels, wohl mit Recht, die Antwort. Dr. Shiels erklärt auch, daß die Regierung trotz der arabischen Opposition an der Politik des Nationalheims und an der Fortsetzung jüdischer Einwanderung festhalten werde. Aber: England habe stets nur rin jüdisches Nationalheim, nicht einen Juden Staat versprochen; die Kritik eines großen Teils der Zionisten an England sei dadurch zu erklären, daß diese Zionisten die Errichtung eines Judenstaates in Palästina fordern. Es ist nun überaus lehrreich, wies die Kommission auf diese Behauptung von Shiels reagiert. Die Freunde der jüdischen Sache, die den Shaw-Bericht und die englische Haltung am schärfsten kritisieren, weisen diese Erklärungen Shiels zurück; es sei u n r i c h - tig, sagen sie ln ihrer Verteidigung des Zionismus, daß die Zionisten einen Judenstaat fordern, dies sei vielmehr nur das Programm der kleinen revisionistischen Gruppe. Die Haltung dieser Freunde des Zionismus, wie Van Rees, Rappard u. a., läßt keinen Zweifel darüber, daß sie sich mit der Forderung des Judenstaates nicht identifizieren. Dies ist eine für die zionistische Politik überaus wichtige Erkenntnis, die freilich dem aufmerksamen Beobachter aller ernst zu nehmenden politischen Aeußerungen der letzten zehn Jahre nicht neu ist. Der Zionismus kann auf die Unterstützung und Förderung der wichtigen Faktoren der Weltpolitik nur dann rechnen, wenn seine Aspirationen im Einklang stehen mit den Realitäten Palästinas. Die von Revisionisten und anderen Gruppen propagierte Meinung, wir hätten politisch an Boden verloren, weil wir nicht mit genügender Kraft den Judenstaat als Endziel proklamiert hätten, erweist sich als geradezu absurd. Wenn überhaupt etwas unserer Politik und unserem Fortschritt ernste Schwierigkeiten in den Weg gelegt hat, so war es diese Proklamation des Judenstaats. Nun kann man gewiß auf dem Standpunkt stehen, das jüdische Volk müsse seine Zukunftsziele nach seinen eigenen Bedürfnissen festsetzen, ohne Rücksicht auf Gefallen oder Mißfallen außenstehender Faktoren. Aber wenn wir Politik machen, d. h. für unsere Arbeit günstige Bedingungen schaffen wollen, dann müssen wir be rücksichtigen, daß für uns, die nicht über Flotten und Armeen verfügen, das Wohlwollen und die Hilfe der Außenwelt das wichtigste politische Mittel ist Politik muß mit der Wirklichkeit rechnen; was nicht mit der Wirklichkeit rechnet, ist vielleicht eine messianische. besser gesagt pseudomessianische Ideologie im Sinne etwa der Bewegung Sabathai Zewis, aber keine reale Politik. Ganz abgesehen also von der Frage, ob wir von um aus die Verwandlung Palästinas in einen Judenstaat als unser Ziel aufstellen können, wird jedenfalls die Behauptung, wir könnten durch eine solche Zielsetzung eine bessere und stärkere außenpolitische Stellung des Zionismus erzielen, durch das letzte Protokoll der Mandats-Kommission eindeutig widerlegt Baobewegong ln Jerusalem Die Palestine Land Development Co. schreibt uns: Nach Zahlen, die jetzt von der Palästina-Regierung veröffentlicht werden, sind in Bauten in Jerusalem selbst im Laufe des letzten Jahres annähernd t 300000 Pfund investiert worden. Ein großer Teil dieses Betrages wurde in Häusern und Läden auf Grundstücken angelegt die durch die Palestine Development Co. Ltd. in der Ben-Jchudastraße und Umgebung, im Handels- Zentrum, das an der Straße nach dem Bahnhof gelegen ist und in der Vorstadt Rechawiah erworben wurden. Die Baubewegung dehnte sich im besonderen nach den Ereignissen des August 1929 aus und auch die Veröffentlichung des Weißbuchs vom Oktober 1930 hat diese Bewegung nicht im geringsten eindämmen können. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem ist in allen ihren Teilen in ihrem eisernen Entschluß einig, die Aufbauarbeit trotz aller Hindernisse mit aller Kraft w iterzuführen. In den letzten Tagen hat wieder ein bekannter sepiiardischer Kaufmann von der Palestine Land Development Co. Ltd. einen Bauplatz auf dem Wege nach dem Bahnhof an einem Ende des neuen Handelszentrums für annähernd 3000 Pfund erworben und wird in Kürze mit dem Bau auf diesem Grundstück und dem Nachbargrundstück, das er vor einiger Zeit gekauft hat, beginnen. In der Ben-Jebudastraße (Antimosgarten) werden jetzt eine Anzahl großer drei- bis vierstöckiger Bauten beendet. Die Inhaber des ״Zion-Theaters“, das sich auf einem Boden befindet, der von der Palestine Land Development Co. Ltd. vor einigen Jahren für ungefähr 10 003 Pfund gekauft wurde, beabsichtigen m Kürze eine Erweiterung ihres Theatergebäudes. Auch in der Vorstadt Rechawiah geht die Baubewegung weiter. Sie breitet sich in letzter Zeit auch auf dem von der Palestine Land Development Co. Ltd. vor kurzem neu erworbenen Gelände aus. Briefe an die Redaktion Man schreibt uns unter dem Titel: Gemeindewahlen und Schekel. 25836 Stimmen für die Volkspartei in Berlin! Eine Zahl, die man nicht ohne einen ungeheueren Respekt lesen kann. Aus der Berliner Judenheit eine Zahl von zionistischen Stimmen herauszuholen, die größer Ist als die Gesamtzahl der Stimmen, die in Berlin überhaupt für Gemeindewahlen abgegeben wttrden, ehe die Volkspartei auftrat, bedeutet eine ungeheuere organisatorische Leistung. Wird man eine ähnliche Leistung beim Schekelverkauf aufzuweisen haben? Immerhin, so bedeutungsvoll wie die Berliner Gemeindewahlen sind, der Anschluß an die eigene Organisation ist etwas, dessen Wichtigkeit man doch sicherlieh nicht unterschätzen wird, wenn man nachdenkt Wenn man nachdenkt! Zu diesem Nachdenken über die Bedeutung des Schekels muß jedes Jahr wieder neu angeregt werden. Eine kleine Berechnung: 25 800 Stämmen in Berlin. Dabei muß man doch wohl sagen, daß, wie groß auch die Wahlbeteiligung gewesen sein mag, 80 ״/o auch unserer Anhänger nichtzur Wahl gegangen sehr Werden; sagen wir 60 %. Die 25 800 Stimmen beziehen sich ja dann auch nur auf die wählfähigen Personen. Die zionistische Organisation ist ja liberaler. Sie nimmt den Schekel auch von solchen Personen, die das Wahlrecht noch nicht haben. Bei der großen Anzahl von jungen Zionisten, die in Jugendorganisationen zusammengeschlossen sind, ist diese Zahl sicherlich durchaus nicht klein. Wir wollen aber auch hierfür nur 10 °/0 in Anrechnung bringen. Nach alledem müssen in Berlin allein 30000 Schekolim untergebracht werden können. Man wende nicht ein, daß die Wähler der Volkspartei noch nicht alle Zionisten sein müssen. Das ist nicht der Fall Wer so weit geht, wie das Programm der Volkspartei es verlangt, der muß bei geeigneter Propaganda und OrganisationsarbeitSch ekel za hier werden können. Fis muß ihm nur klargemacht werden, daß der Aufbau der Nationalen Heimstätte für ein Volk in Palästina bedeutungsvoll genug ist, um ihn aus seiner Zurückgezogenheit mindestens rum Eintritt in die Organisation zu veranlassen. Es muß ihm klargemacht werden, daß er nicht genug für die Regeneration des jüdischen Volkes tut, wenn er im Cafe eine jüdische Zeitung liest, oder sich mit seinem Nachbar über die Minderwertigkeit der oder jener zionistischen Partei herumstreitet. Unsere Gegner bekämpfen den Zionismus, weil Palästina zu weit ist, das jüdische Geld lieber im eigenen Städtchen angewendet werden soll. Die Zionisten bekämpfen mit Feuer diese Anschauung als unjüdisch und unnational. Aber wenn man denkt, 25 800 Stimmen in Berlin und daneben die Zahl der Schekolim? Die Argumente der Gegner sind doch vielleicht nicht ganz ohne Eindruck auf unser Lager geblieben. Drei־ Wochen bleiben noch, um alle diejenigen zu erfassen, die, wie wir nun klar und deutlich wissen, erfaßt werden können. Nutzt sie gut aus, die Tage bis zum 31. Dezember! L. B. Der Palästina-Ball Der vom Keren K a j e m e 111 L e j i s r a c I am 7. d. M. in Krolls Festsälen veranstaltete Palästina-Ball war eine würdige Repräsentation der Berliner Zionisten. Der Erfolg der Veranstaltung, in materieller und moralischer Hinsicht, befriedigt die Veranstalter in vollem Maße. Die Abrechnung ist selbstverständlich noch nicht abgeschlossen; ein vorläufiger Ueberblick gestattet jedoch die Annahme, daß mehrere tausend Mark dem Keren Kajemcth zugeflossen sind. Alle Helfer und eifrigen Teilnehmer an der Veranstaltung haben gemeinsam das Verdienst, daß diese in schwerer Zeit kurz nach den Gemeindewahlen arrangierte Veranstaltung von vollem Ge- 1 i n g e n gekrönt war. Aufsehen erregte die von Otto Wallisch eingerichtete kleine Palästina-Ausstellung. Vom Preußischen Landesverband. (Amtlich.) Der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat sich durch die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftslage genötigt gesehen, die Ausgaben des Verbandes, soweit sie nicht zwingender Natur sind, nach Möglichkeit ein zuschränken. Aus diesem Grunde sind im laufenden Geschäftsjahr die Subventionen an eine große Anzahl von Organisationen allgemein herabgesetzt worden, insbesondere konnten Beihilfen, die der Landesverband in früheren Jahren für besondere Veranstaltungen einzelner Verbände gewährt hat, in diesem Jahr gar nicht oder nur in geringem Ausmaße bewilligt werden. Der Rat richtet deshalb an alle diejenigen Stellen, die für die Veranstaltung von Tagungen in Frage kommen, die dringende Mahnung, bei der Anberaumung solcher Zusammenkünfte die jetzige große Notlage der jüdigehen Gemeinden und Gesamtverbände zu berücksichtigen. Aus den Gemeinden Beuthen. Gelegentlich des Kompromisses über die Beu- 111 e ne r Repräsentanten wählen, worüber schon früher hier berichtet wurde, haben die beiden Hauptparteien, in welchen die in der Gemeinde vorhandenen Richtungen sich zusammengefunden, der C.-V.-Block und die Volkspartei auch über andere, das Gemeindeleben berührende Punkte, Vereinbarungen getroffen. Der von beiden Seiten abgeschlossene Gemeindefrieden umfaßt auch die Regelung des Anitsverhältnisses des liberalen und des konservativen Gemeinderabbiners zueinander und zu den Gemeindeangehörigen. Es wurde darüber ein Einverständnis erzielt, daß beide Herren nach innen gleichgestellt sind, daß aber die Vertretung nach außen in erster Reihe dem liberalen Rabbiner obliegt. Köln. Zur Vermeidung eines Wahlkampfes anläßlich der Neuwahlen der Repräsentanten traten die beiden Gemeinderabbiner an die verschiedenen Parteien heran» und es kam auch nach längeren Verhandlungen ein Wahlkompromiß zustande. Da die Zahl der Repräsentanten von 18 auf 21 erhöht worden ist, erhält die jüdische Volkspartci, die bisher 6 Sitze ir.nehatte, 1 Sitz mehr, ln die neue Repräsentanz werden als Vertrete!׳ der Jüdischen Volkspartei einziehen: Rechtsanwalt Jonas, Konrektorin Paula L o e b , Amtsgerichtsrat May, Ch. S. Berger, Dr. |. Leibowitz, J. Kaufmann. Hinzu kommt noch Herr Nathan Kah n als Vertreter der Achduth, die aber in der neuen Repräsentanz keine Fraktionsgemeinschaft mehr mit der Jüdischen Volkspaltei bildet. Die beiden stellvertretenden Repräsentanten werden von der Achduth gestellt. — Auch für die Wahlen zum Landesverband einigte man sich in Köln auf eine gemeinschaftliche Liste. Wir stellen als Abgeordnete den Studienrat Levy W o 1 f f, als Stellvertreter Rechtsanwalt Jonas, Lehrer Reinhardt. Mannheim. Die Winterarbeit der Ortsgruppe hat begonnen und baut sich auf regelmäßigen wöchentlichen Zusammenkünften auf. Diese erfreuen sich, auch wenn kein besonderes Referat auf der Tagesordnung stellt, eines icrhfiltnismäßig vorzüglichen Besuches und einer regen Anteilnahme an den Besprechungen und Diskussionen. Am 1. Dezember 1930 land eine Diskussion statt über das Thema ״Der zionistische Bürger“, welche durch Herrn Dr. Paul Eppstein scharfsinnig und tiefschürfend eingeleitet wurde. Es entspann sich anschließend eine lebhafte Auseinandersetzung. — Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß jeden Montagabend, 1/29 Uhr, im oberen Saal des Restaurants ״Pergola“, Friedrichsplatz 9, eine Zusammenkunft der Zionistischen Ortsgruppe stattfindet, und zwar etwa zweimal monatlich in Form planmäßig bestimmter Ausspracheabende, an den anderen Montagen in mehr zwangloser Form. Gesinnungsgenossen von auswärts werden gebeten, uns zu besuchen. Auch nichtzionistische Freunde sind willkommen. Ortsgruppen Breslau. Die sozialistisch-zionistische Arbeitsgemeinschaft Breslau (Hitachduth - Poale Zion) veranstaltete vor kurzem einen Vortragsabend, auf dem Landrat H. Kran old (Sprottau) über das Thema ״Sozialismus und Kolonisation“ referierte. Die Kolonisation, die durch die Europäer in andere Weltteile getragen wird, habe dort viel Gutes gestiftet, angefangen von der Abschaffung des Kannibalismus bis zur Befriedung ganzer Weltteile, durch ihre Seuchenbekämpfung, den Kampf gegen die Sklaverei und manches andere. Natürlich hat die Kolonisation auch ihre negativen Seiten, sie ist auch zum großen Teil eine Oeschichtevon Blut und Grauen. Wir treffen in, den Koloniallindern auch alle Abstufungen der Ausbeutung. Ab« wir dürfen nicht vergessen, daß auch vor dem Eindringen des Weißen die Ausbeutung durch eine schwarze Herrenklasse» dort bereits bestanden nat. Für den europäischen Sozialisten sind zwei Gesichtspunkte maßgebend. Einmal ob durch die Kolonisation Produktivkräfte der Welt freigemacht werden und zweitens, ob die eingeborenen Völker allmählich und auf friedlichem Wege und ohne blutigen Aufruhr zur Selbst- Verwaltung geführt werden können. Beides erfordert von der europäischen Arbeiterschaft, daß sie dort, wo sie zur Macht gelangt, sich rjicht damit begnügt, zu kritisieren oder die Kolonisation sich selbst zu überlassen, sondern ihren Einfluß auch auf diesem Gebiete ausübt. Ebenso wie Europa nicht stolz auf die Peters, Wißmann und Stanley, sondern auf friedliehe Kolonisatoren wie Emir Pascha und Levingstone ist, so sieht der europäische Sozialist die große Bedeutung des jüdischen A11 fb aus in Palästina darin, daß hier gezeigt wird, daß man auch friedlich und ohne Machtmittel und Unterdrückung kolonisieren kann. Hiervon kann eine beispielgebende Wirkung ausgehen. Frankfurt a. M, An Veranstaltungen der letzten Zeit sind noch nachzutragen: Ueber ״Die politische Lage“ sprach Dr. Nach um Gold mann vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. Nennenswerte Auswege aus der Sackgasse, in die die zionistische Politik geraten ist, wurden nicht eröffnet. Dr. Goldmann schilderte eingangs die Stationen, die zum Shaw- Bericht geführt hatten und kam dann auf die Araberfrage zu sprechen. Er glaubt, daß unser Einfluß größer sein wird, wenn wir mit den wirklichen Exponenten der panarabischen Bewegung verhandeln werden. Einige Tage darauf referierte Dr. Ernst Simon über ״Politik und Propaganda“. Man hatte Gelegenheit, einen wohl aufgebauten, wenn auch in einzelnen Argumenten öfters nicht stichhaltigen, in bekannt glänzender Rhetorik gehaltenen Vortrag anzuhören. Dr. Simon ging von dem Begriff der Propaganda-Idee aus, die nach ihm der ideologische Ausdruck der polnischen Wirklichkeit ist Hierauf analysierte er die Elemente der zionistisehen Propaganda. Der Realität Palästinas müsse unsere Propaganda angeglichen werden. Nur dann könne sie zu einer Quelle jüdischer Hoffnung und Lebensstärke werden. — Vor einem großen Publikum sprach Jizchak Grün bäum. In dreistündigen Ausführungen war es ihm nicht möglich, die hochgespannten Erwartungen seiner Zuhörer zu befriedigen, da er nur oft Gehörtes und Besprochenes zur jütischen und zionistischen Situation zu sagen hatte. Immerhin war es den Frankfurtern von großem Interesse, die persönliche Bekanntschaft des beliebten Führers zu machen. — Eine zionistische Schülergruppe wurde gegründet, die sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens sehr gut entwickelt hat. Sie will sich mit den Grundlagen und Ideenströmungen des Zionismus vertraut machen, um später in öFentlichcr Aussprache mit Schülern anderer Richtungen für den Zionismus zu werben. Es finden laufend Vorträge und Arbeitsgemeinschaften statt. — Seit einigen Wochen besteht eine Jungzionistische Arbeitsgemeinschaft, an der die Gruppen des Zeire Misrachi, Poale Zion, Kadimah-Aeltercnhund, Mitg'ieder des K. J. V., Zionistischen Studentinnenvereins und Bar Kochba, sowie einige Unorganisierte beteiligt sind. Die regelmäßigen achttägigen Veranstaltungen, die Referate mit Aussprachen umschließen, erfreuen sich großen Interesses und stehen auf bemerkenswertem Niveau. Ph. R. Köln. Die Kölner Zionistische Vereinigung hatte zu Sonnabend, den 8. November, zu einer öffentlichen Versammlung aufgerufen, in der die Herren Nachtmi Ooldma 1! ה und Rieh. LI c h t h e i m auf ihrer Rückfahrt von London narb Berlin über das Thema: ״Die Antwort des Zionismus“ sprechen sollten. Da sich die Sitzung des Aktioos-Comites aber länger hinzog,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.