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Jüdische Rundschau · 1930-12-02 · Heft 95 (2.12.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 95 (2.12.1930)
Date
1930-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 642 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 2. XO. 10» sich mit einer vagen Versicherung, die Juden würden nicht ganzlieh übersehen werden, nicht zufrieden geben. Was den Bodener *erb betrifft, so wird auf Simpsons Vorschlag hingewiesen, da(! /wischen der jewish Agency und der Landentwicklungskonimissioti ein ״gentlemen’s agreement“ bestehen soll, damit keine künstliche Inflation der Botten werte entstehe. Der im Weißbuch beschriebene Plan ist aber ganz anderen Charakters, was die jewish Agency veranlaßt, den Plan mit Besorgnis zu betrachten. Die Jewish Agency fürchtet, daß die Juden von diesem Plane nicht einmal die mittelbaren und z u f ä 11 i g e 11, ihnen versprochenen Vorteile erhalten werden, sondem daß sie sich lediglich vor ein neues schweres Hindernis gestellt sehen werden. Für die Jewish Agency ist es unmöglich, sich auf eine endgültige Meinung über einen Plan festzulegen, dessen Einzelheiten so unklar sind und dessen Durchführbarkeit so zweifelhaft ist. Einwanderung. Das Memorandum erhebt Einspruch dagegen, daß der Hinweis des Weißbuches auf Unregelmäßigkeiten bei der Zulassung von Einwanderern durchwegs auf jüdische Einwanderung gemünzt ist, während doch aus Syrien, Transjordanien und Aegypten eine ununterbrochene illegale arabische E i n w a n d c - rutig vor sich geht. Die Jewish Agency mißbilligt Unregelmäßigkeiten bei der Einwanderung, aber es ist klar, daß diese Unregelmäßigkeiten nur geringen oder gar keinen Einfluß aut das Problem der Einwanderung als ganzes haben. Die ailgemeine jüdische Arbeitergewerkschaft wird in einem versehwonimen dunklet! Lichte dargcstellt, der von dem Weißbuch erweckte Eindruck ist, daß die Gewerkschaft einen schädlichen Einfluß ausiibt, indem ihre Politik die ״Einführung einer neuen sozialen Ordnung in Palästina mit sich bringt". Aber weder im Weißbuche noch im Simpson-Bericht ist der Versuch gemacht worden, zu zeigen, daß der angeblich von der Gewerkschaft ausgeübte Einfluß dazu geführt hat, nach Palästina *einen unerwünschten Einwanderertypus zu bringen. Die tatsächliche Lage ist, daß die Palästina-Regierung, heute wie immer, die entscheidende Behörde in allen Angelegenheiten der Einwaneferung ist. Das Memorandum untersucht die Behauptung des Weißbuches über das Bestehen eines ״bedenklichen Ausmaßes an arabischer Arbeitslosigkeit“ und weist nach, daß diese Annahme auf Informationen aus recht trüben Quellen beruht. Die bloße Tatsache, daß in der toten landwirtschaftlichen Saison die Araber aus den ländlichen Gebieten eine Ergänzung ihrer Einkünfte durch zeitwellige Beschäftigung in Städten suchen, gibt keine Berechtigung, "ie als ״Arbeitslose“ zu bezeichnen. Simjxon hat festgestellt, daß ״die wichtigste Ursache der zusätzlichen Arbeitslosigkeit“ nicht im entferntesten mit der jüdisehen Einwanderung zusammenhängt, sondern eher mit dem Aufhören der unter der türkischen Regierung stattgefundenen Armeeaushebungen. Simpson hatte festgestellt, daß nach vielen Richtungen hin die jüdische Entwicklung eine Arbeitsvermehrung für die Araber bedeutete, und daß der Wettbewerb seitens eingewanderter jüdischer Arbeiter durch diese vermehrten Arbeitsmöglichkeiten ausgeglichen wird. Dies ist jedoch offensichtlich eine Unterschätzung. Im Memorandum wird nachgewiesen, daß selbst nach Simpsons Berechnung die Juden im Endsaldo die Araber mit einem gut Teil mehr Beschäftigung versorgt haben, als sie ihnen weggenommen haben. Das Weißbuch erklärt: ״Wenn infolge der Einwanderung von Juden die arabische Bevölkerung gehindert wird, die für ihren Lebensunterhalt notwendige Beschäftigung zu finden, oder wenn jüdische Arbeitslosigkeit die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes ungünstig beeinflußt, so ist es Pflicht der Mandatarmacht, diese Einwanderung so lange einzuschränken oder im Notfälle abzustellen, bis der unbeschäftigte Teil der ,anderen Bevßlkerungsgruppen‘ wieder Beschäftigung finden kann.“ Die praktischen Folgen dieser Erklärung in der administrativen Praxis werden nirgends genau beschrieben. Die Araber sollen nicht nur davor geschützt werden, durch jüdische Einwanderer aus ihren Arbeitsstellen verdrängt zu werden, sondern es wird ihnen auch das natürliche Recht zugeschrieben, die für ihren Unterhalt nötige Arbeit zu erlangen, und die Regierung habe die Pflicht, darauf zu achten, daß die Araber Beschäftigung haben, eine Pflicht, die ihrer Verpfliehtung gemäß Artikel 6 des Mandates, die Einwanderung von Juden zu erleichtern, vorangeht. Es müssen also drei Hindernisse überwunden werden, ehe eine jüdische Einwanderang erfolgen kann, a) Die Regierung muß eine günstige Antwort auf aie höchst spekulative Frage erteilen, ob eine Ein- Wanderung dazu führt, daß Stellen von *Juden besetzt werden, die sonst von arbeitslosen Arabern eingenommen werden könnten; b) es darf den Arabern nicht ״plausibel“ erscheinen, daß dies der Fall ist; c) die für jüdische Einwanderer zur Verfügung stehende Beschäftigung muß eine dauernde sein. Hinsichtlich des letzten Punktes ist es klar, daß unbeschränkter Raum für Obstruktion vorhanden ist. Wird dem arbeitslosen Araber eine Priorität zuerkannt, so mögen einzelne Araber zeitweise davon profitieren, aber die arabische Bevölkerung als Ganzes wird darunter leiden, jüdisches Kapital wird aufhören hereinzuströmen, die Araber werden die indirekte Beschäftigungsmöglichkeit verlieren, die ihnen der Umlauf des jüdischen Geldes schafft, die Regierung wird nicht länger auf die Vergrößerung ihrer Einkünfte rechnen können, an deren Vorteilen die Araber weit über das Verhältnis ihres eigenen Beitrags hinaus teilhaben; und als mögliches Resultat wird sich heraussteilen, daß das Weißbuch, soweit die Förderung der arabischen Interessen beabsichtigt ist, seine eigenen Zwecke untergräbt. Simpson stellt fest, daß die schnelle Ent- Wicklung der Industrie in Palästina ״fast gänzlich der Einfuhr jüdischen Kapitals zu verdanken ist“. Soweit also jüdische Einwanderer in der I n d u s t r i e beschäftigt werden, folgt daraus — nach Simpsons Grundsatz, daß jüdische Arbeiter bei Arbeiten beschäftigt werden, die mit eingeführtem jüdischen Kapital ausgeführt werden —, daß von einer Konkurrenz mit arabischen Arbeitern keine Rede sein kann. Nach dem gleichen Grundsatz ist es klar, daß sich diese Frage nicht für die Verwendung jüdischer Arbeiter in der Landwirtschaft erheben kann, da sämtliche landwirtschaftlichen Unternehmungen, bei denen Juden beschäftigt sind, mit jüdischem Kapital errichtet wurden. Was nun Bau- und Transportgewerbe angeht, die für den größten Teil der übrigen jüdischen Handarbeiter in Frage kommen, so verdanken diese beiden Industrien ihre Entwicklung in großem Ausmaße jüdischem Kapital. Die Zahl der bei nichtjüdischen privaten Unternehmungen beschäftigten Juden ist bedeutungslos. Aber auch die Zahl der bei öffentlichen Arbeiten beschältigten Juden ist verhältnismäßig sehr klein. Hierbei muß man bedenken, daß die Juden in Palästina ״auf Grund des Rechtes und nicht der Duldung“ sind; sie haben fenau so das Recht auf Berücksichtigung bei öffentlichen Areiten wie die Araber. Der wesentliche Grund för das Vorhandensein großer Arbeitsmöglichkeitea bei den öffeatflehea Arbeiten besteht überhaupt im Einströmen jüdischen Kapitals. Diese Feststellung soll nicht bedeuten, daß die Juden einen unangemessenen Anteil an der Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten haben sollen: Die Forderung der jewish Agency geht nur dahin, daß die Juden ein volles Anrecht auf einen vernünftigen Anteil an dieser Arbeit haben. Soweit das neue Weißbuch die arabische Arbeitslosigkeit zum entscheidenden Faktor in der Frage der Einwanderungskontrolle macht, kann es keine andere praktische Wirkung haben, als die Juden ohne Vorteile für die Araber zu benachteiligen. Beschuldigungen gegen die Joden Das Memorandum zitiert mehrere Stellen aus dem Weißbuche, die manchmal direkt und manchmal durch Unterstellung dahin zielen, die Jewish Agency zu diskreditier e n, die jüdischen Leistungen in Palästina herabzusetzen und die Beziehung der Juden sowohl zu Regierung wie zu den Arabern zu stören. Scharf zurückgewiesen wird die Bernerkung des Weißbuches, daß Aufreizung zu Unruhe und Unordnung schwer bestraft werden sollen, ״in welchem Teil der Bevölkerung sie auch ihren Ursprung haben mögen“. Die Jewish Agency protestiert gegen die darin eingeschlossene Untersteihing, daß man die Agency oder ihre Führer auf die gleiche Stufe mit jenen Personen stellt, die für die kürzlich stattgefundenen unglücklichen Ereignisse verantwortlich sind. Auch wird gegen die Behauptung protestiert, daß die Regierung bei den Versuchen zur Ueberhrückung der Kluft ״von beiden Seiten nur geringe Unterstützung erhalten“ hat. Die Vertreter der Jewish Agency in Palästina haben sich aufs äußerste bemüht, die durch die arabischen Unruhen geschaffene Spannung zu lockern, während ihre Vertreter in London bei mehr als einer Gelegenheit eine Round Table Conference varschlugen, auf welcher unter den Auspizien der Regierung Juden und Araber einen Weg zur Verständigung suchen sollten. Zurückgewiesen wird die Behauptung des Weißbuches, daß die Jewish Agency Ansprüche auf eine Stellung bezüglich der allgemeinen Verwaltung des Landes erhoben hat, aie weit über die Absichten des Mandates hinausgehen. Solche Beschuldigungen setzen die Jewish Agency in den Augen der Araber herab und bedeuten eine moralische Stärkung der feindseligen Elemente unter den Arabern. Andererseits findet das Weißbuch nicht die mindesten anerkennenden Worte für die konstruktiven Leistungen der Juden. Das Memorandum führt zahlreiche britische Dokumente und Aussprüche britischer Staatsmänner an, in denen die Leistungen der Juden in dem Nachkriegspalästina höchste Anerkennung finden. ochlutjfolgerung In der Schlußfolgerung des Memorandums der Jewish Agency wird das Weißbuch seinem Inhalte wie seinem Tone nach als bedauerlich bezeichnet; es zeigt die Tendenz, die zwischen Juden und Arabern bestehenden Differenze n zu verschärfen. Die Einschränkungen, die der jüdischen Einwanderung und Siedlungstätigkeit auferlegt werden sollen, werden mit der dem Mandatar durch das Mandat auferlegten Verpflichtung begründet, eine Auffassung, die völlig irrig ist. Die Jewish Agency kann die Auslegung des Mandates zu ihrem Nachteil nicht stillschweigend hinnehmen und gibt ihren Protest zu Protokoll. Es muß Klarheit darüber bestehen, daß zwar die Jewish Agency nicht behauptet, die Förderung der arabischen Interessen sei an sich Hauptgrund für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims, daß es aber nicht nur der ausdrückliche Wunsch des jüdischen Volkes ist, seine Tätigkeit in Palästina möge zum Wohle der gesamten Bevölkerung beitragen, sondern daß dies seiner festen Ueberzeugung nach auch der Fall sein werde. Wir stellen energisch in Abräle, daß auf seiten der Juden irgendwann der Geist der Karlsbader Resolution von 1$21 verlasset! Word«: ist Wahr bleibt, was immer wahr gewesen ist, nämlich, daß das jüdische Volk wünscht, ״mit dem arabischen Volke in Beziehungen der Eintracht und der gegenseitigem Achtung zu leben und mit ihm zusammen die gemeinsame Heimat zu einem blühenden Gemeinwesen zu gestalten, dessen Aufbau seinen beiden Völkern eine ungestörte nationale Entwicklung gewährleisten soll“. Aber auch die Juden haben ihre Rechte, und das Weißbuch stellt das äußerste dessen dar, was die Jewish Agency als eine fortlaufende Schmälerung des ursprünglichen Umfanges der Baifour-Deklaration betrachten kann. Erst wurde Transjordanien abgetrennt, wodurch die Ökonomischen Interessen Westpalästinas infolge Beraubung seines natürlichen Hinterlandes ernstlich geschädigt wurden. Zwei ausgedehnte und fruchtbare Strecken von Staatsländereien, die durch jüdischen Unternehmungsgeist hätten produktiv gemacht werden können, wurden der jüdischen Siedlungstätigkeit entzogen. Huleh ist immer noch ein Sumpf, und in Beisan sind die Araber völlig außerstande, ihren übermäßig großen Besitz zu verwerten, in vielen Fällen werfen sie ihren Boden auf den Markt. So wurde Hindernis auf Hindernis dem Autbau des Jüdischen Nationalheims in den Weg gestellt, Schritt für Schritt wurde das für die jüdische Ansiedlung verfügbare Gebiet eingeengt. Die Jewish Agency hat immer die großen Vorteile, die Palästina als Ganzes dein britischen Mandat verdankt, anerkannt. Wenn die Juden der ganzen Welt von Anfang an einstimmig verlangten, daß die Verwaltung Palästinas Großbritannien anvertraut werden sollte, so geschah es aus tiefer Bewunderung für die britischen Verwaltungsmethoden und im gläubigen Vertrauen auf den guten Willen Englands. Trotz vieler Enttäuschungen haben sie diesen Glauben nicht verloren, trotz Erschütterung durch die Ereignisse von 1929 und des Versagens der Regierung, jüdisches Leben und Eigentum gebührend zu schützen, hielten sie an der Ueberzeugung fest, daß Großbritannien sie nicht im Stiche lassen würde. Als ein Jahr später eine neue Erklärung der britischen Politik angekündigt wurde, erwarteten sie, daß diese Politik klar zum Ausdruck bringen würde, daß ein neues und hoffnungsvolleres Kapitel beginnen sollte, und daß die Regierung die wiederholt ausgesprochene Anerkennung ihrer Verantwortlichkeit in Sachen des Jüdischen Nationalhelms in praktische Maßnahmen umsetzen würde. Sie kamen nicht auf den Gedanken, daß die einzigen das Nationalheim betreffenden Maßnahmen darauf abzielen sollten, der jüdischen Einwanderungs- und Siedlungstätigkeit weitere Beschränku ngen aufzuerlegen, wenn nicht überhaupt sie zu einem Stillstand zu bringen. Die Agency ist sich ihrer Pflicht gegenüber der Mandatarmacht voll bewußt, aber sie hat auch eine oberste Pflicht gegenüber dem jüdischen Volke, und sie Ist zur Klarstellung verpflichtet, daß die Juden der ganzen Welt einheitlich die Politik des Weißbuches als nicht Sn Einklang mit dem Geiste jener Vorkehrungen des Mandates stehend betrachten, welche die Mandatarmacht dafür verantwortlich machen, in Palästina jene politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen zu schaffen, die die Errichtung des Jüdischen Nanonaiheinis sicherstellen. Englische Regierung und Agency Die englische Antwort eingelangt Me Verhandlungen der englischen Regierung mit der Jewish Agency, die am 17. November begonnen haben, wurden bekenntlich nach Ueberreichung des jüdischen Memorandums unterbrochen, ־weil die englische Regierung eine schrif* liehe Antwort darauf erteilen wollte. Diese Antwort ist, wie wir erfahren, jetzt der Jewish Agency übergeben worden, so daß anzunehmen ist, daß die Verhandlungen ln diesen Tagen fortgesetzt werden. Ueber die Aussichten kann bisher nichts gesagt werden. Die Regierung scheint zwar zu gewissen Konzessionen bereit zu sein, aber in nistischen Kreisen ist man der Auffassung, daß nach den ge* machten Erfahrungen die Jewish Agency sich mit zwei* deutigen Versicherungen nicht zufriedengeben kann. Wenn es z .B. der Regierung gelungen ist, in ihrem Weißbuch sogar den Artikel 6 des Mandates, der von der ganzen Welt immer als die stärkste Stütze der jüdischen Ansprüche auf Förderung seitens der Mandatarmacht betrachtet wurde, in sein Gegenteil zu verkehren und zu einer Waffe gegen das Jüdische Nationalheim zu machen, darf man sich nicht wundem, wenn das jüdische Vertrauen untergraben ist und wenn jede Formulierung jetzt sehr kritisch untersucht wird, bevor man sich einverstanden erklären kann. Die Fortführung der Verhandlungen leiden außerdem, worauf schon die Londoner Tageszeitung ״Daily Telegraph“ hingewiesen hat, unter gewissen innerzionistischen Schwierigkeiten. Nicht nur der Waad Leumi, sondern auch die amerika« nisehen Zionisten verlangen einen entscheidenden Einfluß auf die Verhandlungen. Jedenfalls ist es untunlich, daß Weizmann und die Exekutive ihre Zustimmung zu englischen Vorschlägen geben, die nicht auch vom Waad Leumi und von den amerikanischen Zionisten akzeptiert worden sind. Gerade diese beiden Gruppen haben aber bisher die ihnen in dem vom A.-C. eingesetzten Politischen Komitee eingerlumtett Plätze nicht besetzt. Es heißt, daß Ruthenberg als Vertreter des Waad Leumi unterwegs ist, und die amerikanischen Zionisten wollten Prof. Frankfurter entsenden. Beide Herren sind aber bisher 1n London nicht eingetroffen. Es verlautet, daß Brandeis selbst einen starken Anteil an der Kontrolle der Bolitik nimmt, obwohl er, seiner Gewohnheit gemäß, nicht persönlich hervortritt, sondern nur durch Mittelspersonen Einfluß nimmt. Wann Ruthenberg und Frankfurter in London eintreffen, ist noch nicht bekannt. Wir sind der Meinung, daß die innerzionistische Situation es unerläßlich macht, daß die im Politischen Komitee des A.-C. vertretenen Gruppen in vollem Maße die Verantwortung für die beiden Verhandlungen mit der englischen Regierung zu treffenden Ent- Scheidungen mit übernehmen. Melchett gegen Welzmann Wir haben kürzlich bereits mitgeteilt, daß Lord Melchett in einem Brief an Dr. Bodenhcimer (Köhl), der sich bekanntlich den Revisionisten angeschlossen hat, einen Abbrach der Beziehungen der zionistischen Politik zu England befürwortet hat. Wir sind jetzt in der Lage, den Brief Lord Melchetts, auf den wir noch zurückkommen werden, im Wortlaut wiedertugeben. Er lautet in deutscher Übersetzung: 35, Lowndes Square S. W. 1, 4th November 1930. Geehrter Herr! Ich empfing Ihr Schreiben vom 29. 10״ das ich mit großem Interesse gelesen habe und wofür ich Ihnen sehr verbunden bin. Ich lege indessen Wert darauf, festzustellen, daß ich für die Politik, die von Herrn Dr. Weizmann und der Zionistischen Exekutive während der letzten Jahre erfolgt ist, nicht verantwortlich bin. Ich war selbst immer der Meinung, daß sie zu wenig Nachdruck auf unsere Rechte legte, und sich zu sehr bemühte, eine Verständigung zu erreichen. Ich hoffe, nachdem nun die Gelegenheit zur Wahl neuer Führer gekommen ist, daß alle diejenigen, die derselben Ansicht sind, wie Sie, alles tun, was sie für richtig halten, um Vertreter aufzustellen, die ihre Ansichten zum Ausdruck bringen. Ich selbst habe mein Amt in der Jewish Agency hauptsächlieh aus dem Grande niedergelegt, weil ich fühlte, daß die Politik der Verständigung ein absoluter Fehlscblag war und daß eine gänzlich neue Richtung der Politik erforderlich ist, durch die die Leitung der Bewegung in neue Hände gelegt und der Sitz der Organisation nach einem anderen Lande als England verlegt wird. Leider erlaubt es mir mein Gesundheitszustand nicht, in eine längere Auseinandersetzung über diesen Gegenstand einzutreten. Ich muß es deshalb anderen überlassen, an der zukünftigen Gestaltung mitzuarbeiten. Ihr aufrichtig ergebener Melchett London, 28. November. (J. T, A.) Unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des englischen Gewerkschaftskongresses, Ben TH!et, wurde im englischen Parlamentsgebäude eine Konferenz des parlamentarischen Klubs der Labour Party abgehalten. An der Sitzung nahm auch der palästinensische Arbeiterführer Dr. Ch. Arlosoroff teil, der das Weißbuch einer scharfen Kritik unterzog und erklärte, trotz der anerkennenden Worte MacDonalds una Shiels* für die Leistungen der Juden beim Aufbau Palästinas habe der Verlaut der Palästinadebatte im Unterhaus die Juden enttäuscht. In seiner Erwiderung erklärte Ben Tillet, die britische Arbeiterschaft werde die jüdische Arbeiterschaft Palästinas in ihrem Kampfe unterstützen. Er stimme der Kritik des We ißbuches durch Dr. Arlosoroff zu. Auch er halte das Weißbuch f ür verfehlt und hoffe, daß es bald einer Modifizierung unterzogen werden würde. Ex-Kalif Hussein, der ehemalige König des Hedschas und die zentrale arabische Figur von 1916—1%4, welcher vorige Woche fälschlich von mehreren (auch deutschen) Zdtungen totgesagt wurde, ist jetzt von Cypern in Begleitung seiner Söhne Feisal und Abdaiia krank nach Haifa transportiert worden. Nach kurzem Aufenthalt wird er nach Bagdad Weiterreisen. Zahlt und sammelt den Kongreß-Schekel!

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