Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-12-02 · Heft 95 (2.12.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 95 (2.12.1930)
Date
1930-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653244--22007-2680171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 95, 2. XII. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 643 Zionisten! Der Kongreß ist einberufen! Nie hat ein Kongreß vor wichtigeren Entscheidungen gestanden, seitdem Balrour-Deklaration und Palistinamandat uns die Tore des Jüdischen Nationalheims geöffnet haben. Nach Jahren fruchtbaren Aufbaus will man den Schwung unserer Arbeit hemmen, der vollen Entfaltung unserer Energien Schranken setzen. Das jüdische Volk hat zu antworten. Von ihrer Tribüne, dem Zionistenkongreß aus, wird die nationale Judenheit ihre Stimme erheben. Hier werden wir wieder von der Not unseres Volkes und der Sicherung seiner Zukunft sprechen, so daß die Weit uns hört und die (Berechtigkeit unserer Sache begreift. Der Kongreß wird zeigen, daß der zionistische Gedanke, der unser Volk in den Jahrhunderten der Verbannung geleitet hat, stärker ist als zeitweilige Hindernisse; daß er lebt, so lange unser Volk an ihn glaubt und für ihn zu leben entschlossen ist. Wir haben den Kongreß einberufen! Wir rufen den Jischuw, der das Land und unsere Zukunft baut. Wir rufen den Chaluz, der sehnsüchtig vor dem Tor der Heimat steht. Wir rufen den Juden, der sich im Gebet um Zion nach Osten wendet. Wir rufen alle, die in Treue zu Zion stehen, die Männer, die Frauen, die Jugend. Nehmet den Schekel. Wählet zum Kongreß! Exekutive der Zionistischen Organisation London, November 1930. Jerusalem, Kislew 5691. Zam arabisch-)Mischen Problem Jerusalem, 27. November. (J.T.A.) Zwischen dem Herausgeber der arabischen Zeitung ״Feiestin“ und dem Bodenkaufkommissär der PLDC und des Keren Kajemeth Han k in hat eine Besprechung stattgefunden, in welcher laut ״Felestin״ Hankin erklärte, daß das Höchstmaß der jüdischen Ansprüche die Ansiediung von weiteren 50000 Iandwirtschaftlichen Familien ist, für die ungefähr 3V2 Millionen Dunam erforderlich sein werden. Der Herausgeber der englischen Ausgabe des ״Felestin״, der indische Mohammedaner Akhtar, hat einen Vortrag im Rahmen des Brith Schalom angekündigt, in dem er an die Juden den Appell richten will, ihre Aspirationen innerhalb eines arabischen St aatenbundes geltend zu machen.I Der Herausgeber des ״Felestin‘‘ propagiert die Bildung eines gemeinsamen Komitees arabischerundjüdischer Zeitungsherausgeber zum Schutze gegen die Be- Schränkungen der Pressefreiheit seitens der Palästina-Regierung. Einen ähnlichen Vorschlag hat vor kurzem Wolfgang von Weisl anläßlich der Suspendierung von ״Doar Hajom“ und ״Felestin“ gemacht. Aus Jerusalem wird berichtet, daß arabische und jüdische Schuhmacher eine große Protestversammlung gegen die Einfuhr ausländischer Schuhe abhielteil. An der Versammlung nahmen mehrere hundert Handwerker und Angestellte beider Völker teil und es wurden Flugblätterin hebräischer und arabischerS p'fache verbreitet, worin es heißt: ״Nieder mit ausländischen Waren, kaufet einheimische Erzeugnisse!“ (Es wäre pikant, aber erfreulich, wenn das, was den beredtesten Fürsprechern einer arabischjüdischen Verständigung nicht gelungen ist, Herrn Bät'a gelingen sollte. — A.d. R.) Kleine Nachrichten In arabischen Kreisen glaubt man, daß die Wahlen zum Legislative Council für Palästina Anfang 1931 s t a 11 f i n - den. Das Land wird in vier Wahlkreise, Acco, Nablus, Jerusaiem (einschließlich Hebron, Ramallah und Bethlehem) und Jaffa (einschließlich Beer Sheba und Gaza) eingeteilt werden. In den letzten Tagen sind im Hafen von Haifa 360 Personen, darunter zahlreiche Ch al u zi m und heimkehrende Einwohner, an Land gegangen. Die erste Schiffsladung von Palästina-Orangen diesjähriger Ernte ist auf dem Liverpooler Markt eingetroffen und zu guten Preisen abgesetzt worden. Es wurden 15 bis 16 Schilling pro Kiste erzielt. Oscar Wassermann wird als Gast des tschechoslowakisehen Keren Hajessod am 6. Dezember in Prag und am 7. Dezember in Brünn über Palästina-Probleme sprechen. — Kurt Blumenfeld spricht am 8. Dezember in einer Massenver- Sammlung in Prag. AÄ!äßlich des 50. Geburtstages von Jabotinskv hat das Direktorium des ״Tel Chai-Fonds״ in Polen, bekanntlich eine Gründung Jabotinskys, beschlossen, dem jüdischen Flugsportverband in Palästina ein Geschwader von fünf Sportflugz e u g e n zu schenken, das den Namen Jabotinskys tragen soll. Die Flugzeuge sollen unter Verwendung vorwiegend palästinensischen Materials durch Mitglieder des Flugsportverbandes und Schüler des Haifaer Technikums in Palästina gebaut werden. Lord Lytton, der Vorsitzende der Palestine Potash Co., die die Mineralschätze des Toten Meeres ausbeutet, ist von Palästina nach England zurückgereist. Vor seiner Rückreise hat er der Presse eine Mitteilung übergeben, in der er betonte, welche tiefen Eindrücke er von der Schönheit des Landes und von der neuen Arbeit, die hier vor sich gehe, bekommen habe. Wenn es gelänge, dem Lande politische Ruhe zu verschaffen, so werde es einer Zukunft entgegengehen, die seiner Vergangenheit würdig sei. Mit der Entwicklung der Arbeiten am Toten Meere sei er überaus zufrieden. In Baltimore verstarb im Alter von 83 Jahren der hebräische Dichter Israel Fine. Die ״Time s“ vom 27. November veröffentlicht einen ausführlichen Artikel über die zionistischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina. In dem Artikel werden in wohlwollender Weise vor allem die Siedlungstypen der Kwuzah und des Moschaw Owdim in ihren Grundzügen dargestellt, der Verfasser beschreibt auch Nahafal und die dortige landwirtschaftliche Mädchenschule. — Dieselbe Nummer der ״Times“ veröffentlicht an prominenter Steile eine längere Zuschrift A. T. Wilsons, der an der Hand längerer historischer Exkurse der Meinung Ausdruck gibt, daß d!e jüdische Einwanderung Palästina auf lange Sicht nur Nutzen bringen werden müsse und daß ein Assimilationsprozeß innerhalb der Bevölkerung eintreten werde, wie es überall in Kolonisationsländern der Fall war. Er schließt mit einem Zitat aus Bacon: ״Es ist das verwerflichste Ding in der Welt, eine einmal im Aufstreben befindliche Pflanzung im Stich zu lassen Und preiszugelien; denn abgesehen von der Ehrlosigkeit ist es nichts anderes als Verrat und ein schonungsloses Vergießen des Blutes vieler beklagenswerter Kreaturen,“ Hakenkrcnzfer gegen Habima •Gastspiel Der Würzburger Stadtrat befaßte sich In seiner letzten Sitzung mit der Störung des Habiraa-Gastspiels im Stadttheater durch Nationalsozialisten, wobei mehrere Theaterbesucher, besonders jüdische, schwer belästigt und mißhandelt wurden. Der sorialdemokratische Stadtverordnete Racky begründete die Interpellation seiner Fraktion. Oberbürgermeister Dr. Löffler erklärte, er habe die Vorgänge auf der Straße selbst miteriebt; die Polizeidirektion habe offenbar aus dem Inhalt des Flug- Mattes den Eindruck gewonnen, daß ״lediglich“ eine Störung der Theatervorstellung geplant sei, etwa durch Werfen von Stinkbomben usw. Darum habe es so lange gedauert, bis vor dem Theater Ruhe ge-.chaffen wurde. Die Leute, fuhr der Oberbürgermeister für die sich vor dem Theater zusammengerottet hatten, waren nicht die Blüte der deutschen Jugend. Es durfte nicht passieren, daß 25 bis 30 junge deutsche Menschen über einen einzelnen Menschen herfielen und ihn Mutig schlugen. Das war kein Heidenstück! Ich wünsche diesen Leuten, daß auch sie einmal in die Lage kämen, solchen Anpöbelungen ausgesetzt zu sein, in sich den Ekel auf steigen fühlen, von einer Rotte bedroht und beleidigt zu werden. Wenn man durch die Straßen ging, hörte man immer wieder die Worte: ״Eine Schande für Würzbürg!“ (Rufe: Sehr richtig!) Die Polizeldirektion wird die Vorwürfe gegen ihre Beamten zur Kenntnis nehmen. Der Führer der nationalsozialistischen Rathausfraktion, Wolz, erklärte, er billige nicht die Ausschreitungen. Auch er habe beim Lesen des Flugblatts den Eindruck gehabt, daß es sich nur um eine ״Kritik“ handele. Er glaube nicht, daß das Flugblatt von barteioffizieller Seite verbreitet wurde (Gelächter). Er halte die Habima-Aufführung für unklug und für einen Verstoß gegen das nationale Interesse. (!) Die Habima-Aufführung verfolgte Propagandazwecke, das fühlen auch kluge Leute unter den Juden selbst. Oberbürgermeister Dr. Löffler weist auf die Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit hin, daß dann die deutsche Kunst in den anderen Ländern ebenso behandelt werden würde. Der Demokrat Willms meinte, der nationalsozialistische Redner habe die Sache so dargestellt, als wenn die initiative zu der Habima-Vorstellung von den Würzburger Juden ausgegangen wäre; in Wirklichkeit habe die Theater-Intendanz die Habima zu Gaste geladen. In einer von der Würzburger Kultusgemeinde gemeinschaftlich mit «fern Central-Verein einberufenen öffentlichen Versammlung legte die Würzburger Jüdische Gemeinde schärfsten Protest gegen den ungenügenden polizeilichen Schutz ein. der den Juden bei den Ausschreitungen vor dem Stadttneater geleistet worden sei. Es wurden Garantien dafür verlangt, daß die Polizei unbedingt und mit eiserner Strenge gegen alle Belästigungen jüdischer Mitbürger einschreite. Dauerndes Wachstum der Nationalsozialisten Bei den am 30. November vorgenotnmenfn Gemeindewahlen in Bremen, Bielefeld und anderen Orten haben die National- Sozialisten ihre Stimmen gegenüber den Reichstagswahlen verdoppelt. Die antisemitische Welle steigt, und die Juden sind verängstigt. Man geht vielleicht nicht fehl, wenn man den froßen Wahlerfolg der Liberalen bei den jüdischen Wahlen in erlin zum Teil darauf zurückführt, daß viele sonst völlig indifferente Juden durch die Unterstützung der liberalen Liste dazu beitragen wollten, das Judentum zu verbergen. Ein stolzes Bekenntnis zu einem hundertprozentigen Judentum scheint diesen allem jüdischen Leben sonst fernstehenden Angst- Jaden, die de« Liberalen zur Mehrheit verhallen, eine Steigerung der vbn den Antisemiten drohenden Gefahr. Prof. Kampffmeyer sendet uns zu der Zuschrift von Adolf Böhm in der ״I. R.“ Nr. 90, nochmals eine längere Entgegnung, worin er darauf hinweist, daß er in dem Artikel der Z. D. P. V. die richtige Wiedergabe der arabischen Stimmung im Zusammenhang mit der Hinrichtung der drei Verurteilten für seine Aufgabe gehalten habe. Daher dürfe man ihm aus dem Hinweis apf die sittlichen Motive, die bei deren Tod zutage getreten sind, keinen Vorwurf machen, vielmehr sei auch das Vorhandensein solcher Motive eine Realität, die die Zionisten erkennen und mit der sie rechnen müssen. Ueber die vorhergehenden Taten der Mörder habe er nicht zu urteilen gehabt, auch hätten ihm hierzu die Unterlagen gefehlt. — Wir können leider diese Kontroverse, über die sich unsere Leser bereits ein Urteil gebildet haben, nicht fortführen und müssen uns daher damit begnügen, die wichtigsten Gesichtspunkte aus Prot. Kampffmeyers Brief wiederzugeben. Neue Gesellschaften in Palästina. Die ״Official Gazette“ teilt folgende neue Eintragungen in das amtliche Gesellschaftsregister mit: 1. ״Fast’s Hotel Ltd.“, eine Gesellschaft zum Betrieb der Hotel-Unternehmen, die in Jerusalem unter dem Namen Hotel Fast geführt werden; das Kapital der Ge- Seilschaft beträgt 50000 Pfund. Die neue Gesellschaft übernimmt auch das bisherige Hotel Allenby und wird es nach gründlicher Renovierung in Betrieb nehmen. 2. Mataei Aharoni Agricultural Corporation Ltd. — eine Pflanzungsgesellschaft mit einem Kapital von 3500 Pfund. Hannover. (Bezirksgruppentagung.) Die gut besuchte Tagung am 23. November 1930 wurde um II Uhr von dem 1. Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe, Herrn Dr. Fieischhacker, eröffnet und geleitet. Das Hauptreferat erstattete Dr. Martin Rosenbitith, Berlin, der einen klaren und eingehenden Bericht über die Sitzungen des A.-C. in London pab und auch die allgemeine zionistische Situation beleuchtete. Die Arbeit der Exekutive und die Aufgaben der politischen Konimission, die Frage des Legislative Council und die Stellung des Waad Leumi hierzu, der Vorschlag der Round Table Conferenz und die Festsetzung des Kongresses, vor allem aber die Kritik des Weißbuches im Unterhaus und die Pläne für die weitere positive Arbeit in Erez-lsrac! waren Gegenstand der ausgezeidineten Ausführungen des Redners, in der Diskussion wurden noch besonders die Araberfrage, der Briefwechsel Lord Melcbett—Bodenheimer, die Wahlen in Whitechapel erörtert In der Nachmittagssitzung sprach Herr Dr. Rosenblüth vorwiegend über die Aufgaben der Zionisten in Deutschland und wies in eindringlicher Weise auf die Pflichten der jüdischen Jugend auf die Ausbreitung des zionistischen Gedankens hin. Die Thesen, die von zionistischer Seite vor 20 Jahren allein propagiert, von allen anderen aber bekämpft wurden, sind heute Allgemeingut selbst extrem antizionistischer Kreise geworden; man denke hier an die Erziehung zu jüdischem Selbstbewußtsein, Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Literatur, hebräische Sprach«, körperiiehe Ertüchtigung, ja selbst eine gewisse sympathische Ein- Stellung zum Aufbauwerk in Palästina. Es gilt jetzt weiter, diese von der Opposition zu einer sozusagen passiven Einstellung gelangte Jugend weiter im Sinne des Aufbauwerkes zu aktivieren. Die Organisation der praktischen Arbeit, Schekelaktion, Keren Kajemeth-Arbeit, Keren Hajessod-Arbeit, die neue Form der Legatsverskherung, das Vortragsprogramm der Zionistischen Ortstruppe Hannover und der Anschluß der Gesinnungsgenossen in er Provinz an die Gruppe Hannover waren die Punkte der sehr interessanten und anregenden Tagung, die dank der Vorarbeit des Herrn Dr. Fieischhacker und Frau Dr. Katz sachikh und harmonisch sehr befriedigend verlaufen ist A. S. Gruppenverbandstag. Am 23. November fand der Gruppen• verbandstag für den Freistaat Sachsen in Chemnitz statt. Nach der Begrüßung durch Ch־. Holzer hielt Herr Dr. Kanowitz, Berlin, sein Referat ״Die politische Situation“. Er gab eine klare Schilderung der Entwicklung der politischen Lage" seit den Unruhen in Erez-Israel, setzte sich mit dem englischen Weißbuch auseinander und berichtet über die letzte A.-C.-Sitzung und die Verhandlungen mit der englischen Regierung. An der regen Diskussion nahmen Herr Schocken, Dresden, Herr Pietrkowski, Dr. Fleiß, Dr. Loebenstein, teil. Dann hielt Herr Pietrkowski, Leipzig, einen Vortrag über die wirtschaftliche Lage der deutsehen Juden. Er setzte auseinander, unter welchen Bedingungen es zu einer so starken Proletarisierung des jüdischen Mittel- Standes kommen mußte, einer Proletansierung, die die Juden noch mehr erfaßt als die Umwelt. Darin sieht er eine Gefahr für die Erhaltung der Juden im Oaluth überhaupt. Der tietgründige Vortrag fand starken Beifall. Zum Schluß referierte Dr. Holzer, Chemnitz, kurz über Zusammenarbeit der Ortsgruppen. Die Tagung war gut besucht, Vorträge und Diskussionen standen auf einer erfreulich hohen Stufe. *Es wurde ein Antrag angenommen, das Material zu dem Vortrag des Herrn Dr. Pietrkowski der Z. V.f. D. zuzuleiten. Dessau. Am Sonntag, dem 23. November, fand im Gemeindehaus zu Dessau der zionistische Oruppenverbandstag des Bezirks Sachsen-Anhalt statt, der von den Mitgliedern der dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen erfreulieh stark besucht war. Vertreten waren die Gruppen Magdebürg, Halle, Dessau, Köthen, Bernburg und Halberstadt. Nach der Begrüßung und Bekanntgabe der geschäftlichen Mitteilungen durch den Verbandsvorsitzenden, Gesinnungsgenossen Heilbronner, Halle, ergriff Dr. Elieser Ascher, Berlin, das Wort zu seinem groß angelegten, D/astündigen Referat über ״Die politische Situation und die Sitzung des A k - tions-Comite s“, in dem er sich mit allen Fragen auseinandersetzte, die gegenwärtig die zionistische Welt bewegen. Die fesselnden und gediegenen, in anspruchsloser Art vorgetragenen Ausführungen hinterließen bei allen Zuhörern einen starken Eindruck. Während der Mittagspause fanden die zionistischen Frauen Gelegenheit zu regem Gedankenaustausch über die Frauenarbeit. Der Nachmittag brachte eine auf hoher Warte stehende, ungewöhnlich lebhafte, zeitweise kaum einzudämmende Diskussion, die außerordentlich fruchtbar war und dem Ernst der gegenwärtigen Situation gerecht wurde. Nach einem temperamentvollen Schlußwort des Hauptredners wurden dann die Arbeiten im Gruppenverband besprochen. Die Aussprache ergab, daß alle dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen mit ungebrochenem, die Bedeutung des Augenblicks angemessenen Kampfeswillen in die Winterarbeit eingetreten und entschlossen sind, allen Pflichten gerecht zu werden, die die Gegenwart vom zionistischen Menschen fordert. Gegen 18,30 Uhr fand die vortreffliche, in prächtigster Stimmung verlaufene Tagung mit der Absingung der Hatikwah ihren Abschluß. A. Ortsgruppen Duisburg. Am 25. November sprach Frau Alice Jacob- Loewensonim Jüdischen Frauenbund über ״Ein Gang durch die jüdische Musik von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Der Vortrag stellte eine historische und typologische Uebersicht über die jüdische Musik dar. Er wurde durch Grammophonaufnahmen und Klaviervorträge illustriert. Besonderen wert legte die Vortragende auf die Hinausschälung des Ur- Sprungscharakters der jüdischen Musik und seinen Verfall innerhalb der Emanzipationsperiode. Durch bezeichnende Grammo-׳ phonaufnahmen wurde der fundamentale Unterschied hewOfgehoben zwischen dä■ ütsprünglichfch Musik und" iem, den letzten hundert Jahren aus ihr geworden ist, und zwar durch Gegenüberstellung orientalisch-jüdischer Melodien, deren rhythmischer, melodischer und dynamischer Charakter ganz aus den Tendenzen der orientalischen Musik hinausgewachsen war, und Proben liturgischer Gesänge aus der Aufklärungsperiode, die sich völlig dem protestantischen Kirchengesang angeähnelt haben. Zum Schluß betonte die Vortragende, daß trotz allem der orientalische Ursprungscharakter auch heute noch überall dort besonders aufflammt, wo wieder eine volkhafte Bindüng besteht. Das zahlreich erschienene Publikum folgte den Ausführungen mit der größten Aufmerksamkeit. Zum ersten Maie hatte man Gelegenheit, sich durch eine so ausgezeichnete Kennerin auf diesem Gebiet zu unterrichten. Frau Jacob- Loewenson verstand es, durch die Auswahl des Stoffes und der erläuternden Musikstücke in vorzüglicher Weise das Publikum zu fesseln. Frankfurt/M. (Zionisten-Revisfonisten.) Sonnabend, 6. Dezember, spricht 20,30 Uhr das Mitglied der Revisionistischen Weltexekutive Dr. J. Schechtmann, London, Reifakteur des ״Noyer Weg“, über das Thema: ״Schicksal des Zknismus“. Ort: Suppenanstalt, Theobald straße. Hannover. Als Abschluß des Gruppenverbandstages sprach Herr Dr. Martin R o s e n b l ii t h in einer öffentlichen Versammlung über ״Palästina und das deutsche Judentum“! In vomehmer, übersichtlicher und überzeugender Weise verstand der Redner es, den wirtschaftlichen Niedergang und die trotz aller, vergeblichen Bemühungen des C.-V. fortschreitende gesellschaftliehe Isolierung der deutschen Juden darzustellen, Tatsachen, die auch von C.-V.-Kreisen zugegeben werden, ohne daß diese die Einsicht aufbringen, die notwendigen Folgerungen zu ziehen. Demgegenüber trat durch die Schilderung des Referenten lebhaft die jüdische Erneuerung bringende Wirklichkeit Palästinas hervor. Diese Wirkung Palästinas werde auch durch kein Weißbuch gehindert, wobei übrigens zu berücksichtigen sei, daß die englische Politik, wie sich aus der letzten Unterhausdebatte ergebe, die Wirkung des Weißbuches zum mindesten erheblich abschwächen werde. Mit Recht wurde in den Dankesworten des Herrn Rechtsanwalt Goldstein zum Ausdruck gebracht, daß die Bezirksverbandstagung, insbesondere der Vortrag des Herrn Dr. Rosenblüth, uns neue Begeisterung für die zionistische Idee und die kommende Arbeit für den Palästina-Aufbau gegeben hat. W.B. Nürnberg-Fürth. Im Rahmen unseres Ortsgruppenabends sprach am Donnerstag, dem 20. November, Herr Rechtsanwalt Dr. Siegfried Stern, München, der sich uns in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatte, über ״Der RevisionIsmus“. Herr Dr. Stern entwickelte in temperamentvollen Ausführungen das revisionistische Programm, das so zum erstenmal den Mitgliedern unserer Ortsgruppe durch einen Revisionisten vorgetragen wurde. Von besonderem Interesse ist, daß Herr Dr. Stern für seine Person die Haltung des revisionistisehen Delegiertentages hinsichtlich der Arbeiterfrage nicht akzeptierte, daß er sich vielmehr für eine Zusammenarbeit auch der Revisionisten mit der palästinensischen Arbeiterschaft einsetzte. Dem Vortrag schloß sich eine sehr lebhafte Debatte an, an der sich besonders die Herren Hans Wolf-Veith, En och, Hirsrfi, Dr. Nußbaum und Dr. Strauß-Reich beteiligten. Wenn die Debatte auch, insbesondere durch die Beiträge einiger jiingerer Gesinnungsgenossen, teilweise einen sehr lebhaften Charakter annahm, so kann doch festgestellt werden, daß der Verlauf des Abends ein befriedigenaer war. Dies ist wohl auch dem Umstand mit zu verdanken, daß Herrn Dr. Stern nach jeder Hinsicht Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit den gegnerischen Meinungen gegeben wurde. Herr Dr. Liebstaedter leitete die besonders gut besuchte Veranstaltung. Stettin. Am 22. November sprach Herr Moses Waidmann, Berlin, in einer gut besuchten Versammlung der SW-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.