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Jüdische Rundschau · 1930-12-02 · Heft 95 (2.12.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 95 (2.12.1930)
Date
1930-12-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 2. XII. 1930 Seite 640 יי ו tfi •>' ־ ־r ',■;$ Der ft'!־׳)' ׳ der Liberalen ist m sehr in die Augen springend, als daß mail, ihn verkleinert könnte. Allerdings ist er zum größten Teile Umständen zu verdanken, die nur als wenig erfreulich bezeichnet werden können. Unter der Parole ״Sieg über die Grenadierstraße“, ״Galiriancr hinaus“ und ״Die Zio* nisten wollen uns ins Ghetto zurückführen“, zogen die Liberalcn hi den Kampf und scheuchten weite Kreise der jü- (lisch völlig uninteressierten Bevölkerung*- teile in Groß-Berlin auf. Was in diesem Wahlkampfe nicht nur von Vertretern dritter und letzter Garnitur der Liberalen, sondern auch von führenden Männern dieser Partei an Verdächfigungen geleistet wurde, erfüllt uns mit tiefer Scham. Wenn von Mund zu Mund geflüstert wurde, die Zionisten hatten in der Gemeinde eine schauderhafte ״Mißwirt־ schaft“ getrieben, wenn man sich nicht entblödete, eine unverantwortliche Ost j ud en he t ze zu inszenieren, wenn behauptet wurde, daß Zionisten und Ostjuden an dem Ansteigen der antisemitischen Welle in Deutschland die Schuld tragen, so sind das Kampfmethoden, die man als Mensch und Jude ablehnen muß. Natürlich lehnen die Führer der Liberalen und ihre hochmögenden Förderer (Polizeivizepräsident Weiß u. a.) in gutem Glauben die Verantwortung für diese Exzesse ab. Aber man kann beim besten Willen diese Herren nicht von der Schuld freisprechen, daß sie die intellektuellen Urheber derartiger Entgleisungen und Ausschreitungen sind. Denn bis sich der zarte Hinweis des Polizeivizepräsidenten Weiß auf den Einfluß der Östjuden in der Gemeinde bis in die am tiefsten stehenden Kreise der liberalen Anhänger und Wählerschaft fortgesetzt hat, so lautet dieser zarte Hinweis bereits ״Sieg über die Grenadierstraße“ und ״Galizianer hinaus“. Wir werden auf all diese Erscheinungen im Wahlkampf bei Gelegenheit noch ausführlich zu sprechen kommen. Soziologisch gesehen, ist der Erfolg der Liberalen die Abwehraktion aufgescheuchter, in ihrem Besitz angeblich bedrohter Schichten der jüdischen Bevölkerung gegen sozial tieferstehende Schichten der Berliner Judenheit Es ist auffallend, daß die Liberalen ihre größte Stimmenzahl in den vornehmen Wohnquartieren der Berliner Judenheit erhalten haben, während die Wählerschaft der, Volkspartei in den ärmeren Stadtteilen Berlins ihren Wohnsitz hat. Dabei ist festzustellen, daß die Volkspartei ihren großen Stimmenzuwachs gerade unter sogenannten West Juden zu verzeichnen hatte. Diese west jüdischen Wähler der Völkspartei gehören entweder den intellektuellen Schichten oder den mit irdischen Glücksgütem weniger gesegneten Kreisen der Berliner Judenheit an. Unvergessen wird in den Kreisen der Zionisten und der Volkspartei das Eingreifen des Central-Vereins in den Wahlkampf bleiben. Der C.-V. veröffentlichte in seinem Organ zwei Tage vor der Wahl einen Aufruf, in dem er sich die Parole, daß die Zionisten die Juden ״ins Ghetto zurück f ühren“ wollen, zu eigen macht. Ganz unverblümt trat der C.-V. für die Liberalen ein, wenn er auch schrieb, daß man ״eine der religiösen Parteien“ wählen solle. Die Antizionisten aller Schattierungen haben sich zusammengefunden. Zur Charakteristik der Kampfmethoden kann eine Vergfeichung der liberalen Wahlzeitung mit der Wahlzeitung der Jüdisehen Volkspartei dienen. Die Liberalen zitierten Rathenau, der für jüdische Dinge fast kein Interesse hatte und prononziert nur in dem berüchtigten Aufsatz ״Höre Israel“ in Hardens ״Zukauft“ zur Judenfrage Stellung nahm. Ferner außer Jacob jätfiw'.4■ «■fiter• ,unsere« Wissens *in ,y olk & -, b^y11r;BM'r'J^tfe.is,t״ ,»Die Ges^mäctiosigfceif, Zionisten als.. Völkische zu bezeichnen und hinzuzufügen, daß die zionistischen Forderungen eine Rechtfertigung der Nationalsozialisten sind, fehlte natürlich im liberalen nugblatt nicht. Die Wahlbewcgung war für die Volkspartei und für die Zionisten, wie wir schon mehrmals ausgeführt haben, eine gute Gelegenheit, die Grundsätze des bewußten Judentums, die Lehren des Zionismus in die jüdische Bevölkerung 7.u tragen. Für den Abend des 29. November hatte die Volkspartei eine Versammlung in die Stadthalle einberufen. Aus der einen Versammlung wurden vier. Darunter eine tausendköpfige Versammlung unter freiem Himmel vor der Stadthalle. Alle Versammlungen verliefen ohne die geringste Störung. Man kann die Zahl der zu diesen Versammlungen herbeigeströmten Menschen (Wähler und Nichtwähler) auf viele Tausende schätzen. Der Polizei- Vizepräsident Weiß möge sich bei seinen ihm unterstehenden Organen erkundigen, wie musterhaft diszipliniert sich die vielen tausende Östjuden in der Versammlung unter freiem Himmel benommen haben. Vielleicht wird er alsdann seine im Wahlkampfe ausgesprochene nicht allzu günstige Meinung über seine ostjüdischen Glaubensgenossen revidieren. Der Wahltag verlief überall in vollständiger Ruhe. Die Auszählung nahm sehr viel Zeit in Anspruch (wegen der Doppelwahl), so daß die ersten endgültigen Resultate erst 5 Stunden nach der Wahl allerdings zuerst im Parteibüro der Völkspartei in der Meinekestraße bekannt wurden. Die im vorstehenden mitgeteilten Ergebnisse können noch nach erfolgter Prüfung der als ungültig erklärten »161 Stimmen kleine Aenderungen erfahren, die jedoch das Gesamtergebnis in keiner Weise tangieren können. Es ist nicht anzunehmen, daß von irgendeiner Seite ein begründeter Wahlprotest eingebracht werden könnte. Man kann somit rechnen, daß in ungefähr zwei Wochen nach erfolgter Bestätigung durch die Aufsichtsbehörde, das Polizeipräsidium, die neue Repräsentantenversammlung ihr Amt antreten wird. Der zukünftige Vorstand der Jüdischen Gemeinde dürfte sich, da nach altem Brauche die Vorstandssitze proportional zur Besetzung der Repräsenfantenversammlung aufgestellt werden, aus 6 Liberalen, 4 Volksparteilern und einem Mitglied der Mittel- oder Ueberpartei zusammensetzen. Vorstand und Repräsentantenversammlung haben nach Lage der Dinge keine liberale Zweidrittel-Mehrheit für Statutenänderungen und für Besetzung von Rabbinerposten und anderer wichtiger stellen mit besonderer Befugnis in der Gemeindeverwaltung. Es dürfte sich also zunächst in der Berliner Jüdischen Gemeinde nur sehr wenig ändern. In der vorigen Session der Gemeindeverwaltung hatten die Volksparteiler auch nur eine Minorität, die sie allerdings durch das Bündnis mit Mittelpartei pnd Konservativen entscheidend in die Wagschale warfen. Diesmal haben die kleineren Parteien derartig starke Einbußen erlitten, daß die Volkspartei, wiewohl sie in gleicher Stärke in die Repräsentantenversammlung zurückkehrt, aus der entscheidenden Regierungspartei die stärkste Oppoüitionspartei geworden ist. s. n. Wie die JTA von informierter Seite erfährt, wird der KVil. Zionistenkongreß wahrscheinlich in Karlsbad stattfinden. Da־ Leiter des Kongreßbüros, Dr. Franz Kalui, hat bereits die Vorarbeiten in Angriff genommen. Whitechapel Die Nachwahl in Whitechapel, dem jüdischen Viertel Londons, findet am 3. Dezember statt. Es ist wohl keine Uebertreibung, wenn man sagt, daß noch niemals eine Parlamentswahl in Westeuropa in diesem Maße den Charakter eines Kampfes um jüdische Politik gehabt hat wie diese. Es Ist ein eigentümliches Zusammentreffen, daß gerade in dieser Zeit des erbitterten Kampfes um die englische Palästinapolitik der Abgeordnete gerade dieses Wahlkreises gestorben ist, so daß die Regierung an einem für sie sehr empfindlichen Punkte dem Votum der jüdischen Wählerschaft ausgesetzt ist. Die jüdische Bevölkerung Whitechapels, zum großen Teil aus Proletariern und kleinem Mittelstand bestehend, hat zweifellos in ihrer großen Mehrheit bei früheren Wahlen für die Arbeiterpartei gestimmt. Eines der erfreulichsten und bedeutungsvollsten Ereignisse der jetzigen Nachwähl besteht darin, daß diese Juden Whitechapels ein heitlieh und solidarisch für die jüdische Palästina Sache und gegen die neue Palästinapolitik der Arbeiterregierung eintreten. Wir haben hier einen neuen Beweis für die Durchsetzung des Palästinagedankens im jüdischen Volk. Palästina ist, wie sich immer mehr zeigt, längst keine zionistische Parteisache mehr, das ganze Volk nimmt mit ganzer Seele an dieser Sache teil. Abgesehen aber von diesem großen innerjüdischen Wert der Erfahrungen von Whitechapel hat diese Nachwahl zweifellos eine ganz große außenpolitische Bedeutung. Ohne Whitechapel wäre die Arbeiterpartei vielleicht nicht so sehr gezwungen gewesen, in aller Schnelligkeit ihre Palästinapolitik schönzufärben und zum Teil zu modifizieren. Die Antwort der englischen Regierung auf das Memorandum der Jewish Agency ist der Oeffentljchkeit noch nicht bekannt, aber ein so ergebener Freund wie der Abgeordnete Marcus versicherte öffentlich, daß die Antwort der Regierung weitgehende Kon- Zessionen an den jüdischen Standpunkt enthält. Viele Parteiführer der Labour Party sind durch den Sturm in Whitechapel zum Nachdenken veranlaßt worden und es ist anzunehmen, daß die Regierung, die wahrscheinlich heute selbst bereits von der Unhaltbarkeit, Ungerechtigkeit und Unklugheit ihres Palästina-Weißbuches überzeugt ist, einem Druck aus den Reihen ihrer eigenen Partei altsgesetzt ist, die Politik zu modifizieren. * Wir geben nachstehend noch einige Meldungen aus den letzten Tagen des Wahlkampfes in Whitechapel wieder. Der Primeministcr Mr. MacDonald hat — wie es in England bei Wahlen üblich ist — an den Kandidaten der Arbeiterpartei, James Hall einen Brief gerichtet, worin die wichtigsten Fragen des Wahlkampfes behandelt werden. Etwa die HäKte des Briefes beschäftigt sich mit der Palästinafrage. MacDonald schreibt darüber: ״Zweifellos wird man sich bemühen, den Wählern die Absichten der Regierung mit Bezug auf die Durchführung des Mandates in Palästina und die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims daselbst falsch darzustellen. Die Debatte im Unterhaus hat gezeigt, wie grundlös die von den Liberalen und Konservativen gegen die Palästinapolitik der Regierung gerichteten Angriffe sind. Wir sind entschlossen, das Mandat, in welchem die Bai f our- Deklaration enthalten ist, in der gewissenhärtesten W,efse d u Vchzuf fi hrett, in toll«• GehereinStlmihtHig niif Her im Wfelßbuch von 1922 gegebeiieh!Wterpretation, an die sich alle aufeinander folgenden Regierungen gehalten haben. Wir sind weit entfernt von dem Ziel, die jüdische Einwanderung einzustellen oder zu verhindern, vielmehr sorgen wir für Fortführung der kolonisatorischen Tätigkeiten ohne Unterbrechung, und wir bereiten jetzt ein großes Projekt der Landesentwicklung und Bewässerung vor mit dem Zweck, Boden für jüdische und arabische Siedlung freizumachen;wir schlagen vor, für diesen Zweck eine Anleihe von 2(4 Millionen Pfund zu garanderen. Hat irgendeine Regierung jemals so viel für die Sache getan? Gegenwärtig stehen wir in Beratungen mit den Vertretern der Jewish Agency; ich kann Sie versichern,daßdieLabourParty niemandem nachsteht in ihren Sympathien für das Ideal des Jüdischen Nationalheims und in ihrem Wunsch, die Ausdehnung dieses Nationalheims zu erleichtern, soweit dies sich in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Mandates durchführbar erweist.“ Der konservative Kandidat Mr. G u i n ת e s, zu dessen Gunsten Amery in einer großen jüdischen Wählerversammlung an! Vorabend der Wahl reden wird, versendet ein Flugblatt, worin er die Juden darauf hinweist, daß er die Partei Lord Balfours vertritt, ferner die Partei Baldwins, Chamberlains, Amerys und Lord Melchetts, die sämtlich das letzte Weißbuch scharf kritisiert haben. Der liberale Kandidat, heißt es in dem konservativen Flugblatt weiter, gehört zu einer Partei, welche nicht die Macht hat, die Palästinapolitik zu ändern, vielmehr ist es die liberale Partei, die die sozialistische Regierung am Ruder hält. Der liberale Kandidat, Mr. Jänner, selbst Jude und Zionist, weist daraut hin, daß der liberale Führer Lloyd George Ministerpräsident des Kriegskabinetts war, das die Balfour- Deklaration gab. Der Arbeiterkandidat Hall sucht den Eindruck des Weißbuches nach Möglichkeit zu verwischen und betont, daß die Labour Party stets an dem Mandat festgehalten hat. Die ״Times“ stellt fest, daß die drei Kandidaten mit großtem Eifer darin wetteifern, ihre Anhänglichkeit an das Ideal eines Jüdischen Nationalheims den Wählern darzustellen. Die Redner der Labour-Party ausgepfiffen London, 28. November. (J. T. A.) Das von der Labour Party in Whitechapel einberufene Massenmeeting, aut dem Redner der Poale Zio n und der Histadruth für die Wahlkandidatur des Labour-Abgeordiretert eintreten sollten, gestaltete sich zu einer der stürmischsten und tumultuösesten Kundgebungen, die Whitechapel jemals erlebt hat. Obwohl die Partei Poale Zion zum Besuch der Versammlung aufgefordert hatte und in Zeitungen und Plakaten die jüdischen Arbeiterführer Arlosoroff, Sprinzak und Kaplansky als Redner angekündigt worden waren, nahmen die jüdischen Arbeiterführer im Hinblick auf die ungeklärte Situation bei den Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency an der Versammlung nicht teil. Lange vor Beginn der Versammlung war die riesige Monicendam Hall überfüllt. Tausende, die keinen Einlaß finden konnten״ drängten sich vor den Eingängen. Schon bei der Er- Öffnung der Versammlung setzte ungeheurer Tumult ein, viele Hunderte Zuhörer riefen ununterbrochen: ״Wir wollen keine Reden für den Labour-Kandidaten hören! Whitechapel wird nie-!nals einen Labour-Kandidaten wählen! Die Labour-Regierung hat uns verraten!“ Der Lärm dauerte über eine Stunde an, ohne daß es irgendeinem Redner gelang, sich verständlich zü machen. Jede Bemühung, zur Versammlung zu sprechen, wurde sofort durch Rufe wie ״Abtreten 1 )Vir glauben der Arbeiterpartei nichts mehr!“ vereitelt. Schließlich gelang es dem Abgeordneten Harry S n e 11, der als erster auf der Rednerliste stand, sich Gehör zu verschaffen, Snell bat die Versammlung, ihn. der stets ein Judenfreund gewesen sei, anzuhören. Nach einigen Zwischenrufen konnte Snell einige Worte an die Versammelten richten. Als er aber auf die Palästi n a - poütik der Regierung zu sprechen kam, brach der Sturm von neuem los, Stühle flogen durch die Luft, die Polizei griff ein und verhaftete drei Versammlungsteilnehmer, lfariy Snell konnte seine Rede nicht weiter fortsetzen und verließ den Saal. Nach einiger Zeit gelang es dem jüdischen A b g e - ordneten Marcus, der Mitglied der Arbeiterpartei und aktiver Zionist ist, die Versammlung zu beruhigen. Er rief laut, daß er das Weißbuch verurteile, worauf sich der Lärm etwas legte, so daß er mit seiner Ansprache beginnen konnte. Au* der Mitte der Versammlung wurde an Marcus die Frage gerichtet, warum die Regierung die Verhandlungen mit der Jewish Agency hinausziehe. Ob dies nicht deshalb geschehe, um ober die Nachwahl ln Whitechapel hinauszukommen und dann zu erklären, daß England an der Politik des Weißbuches festhalte. Marcus erwiderte, die Vertagung der Konferenz sei auf den ausdrücklichen Wunsch Weizmanns erfolgt, der die Ankunft der jüdischen Führer aus A m e rl k a, die an der Konferenz teilnehmen sollen, abwarten wolle. Marcus teilte der Versammlung mit, er habe selbst in di* Dokument Einblick getan, das die britische Regierung Welzmann übermittelt hat. Dieses Dokument werde zweifellos beruhigend auf die jüdische Oeffentlfchkeit wirken. Nach Marcus sprach noch der Generalsekretär der Arbeiterpartei M. Be von, welcher erklärte, seiner Meinung nach sei die Veröffentlichung des Weißbuches ein Mißgriff gewesen. Parallel mit der Versammlung wurde ein improvisiertes Meeting unter freiem Himmel abgehalten, auf dem Gegner des Weißbuches und der Arbeiterpartei die Haltung der britischen Regierung verurteilten und die Wähler aufforderten, gegen die Labour Party zu stimmen oder sich der Stimme zu enthalten. Auf einem in der St. Georg-Stadthalle abgehaltenen sozialistischen Massenmeeting wurde der Kandidat der Labour Party, James Hall, ausgepfiffen und uiedergeschrien, so oft er auf die Palästinäpolitik zu sprechen kam. Es gelang ihm nur mit großer Mühe, drei aus der Mitte der Versammlung an ihn gestellte Fragen zu beantworten, worauf er gezwungen war, unter Abzugsrufen die Versammlung zu verlassen. Poale Zion für die Labour •Party London, 26. November. (J. T. A.) \ Das Exekutivkomitee der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion bat in London unter Beteiligung von Vertretern aller Londoner Sektionen, der Poale Zion-Jugend-Organisation und der poäle-zionistischen Frauensektion eine Beratung über die Haltung der Poale Zion bei den Wahlen in Whitechapel abgehalten. Es wurde folgende Entschließung gefaßt: Unter nochmaliger Bekräftigung seines Standpunktes, daß das Weißbuch über Palästina eine grobe Verletzung des Wortlauts und Geistes des Mandats darstellt und im Widerspruch steht zu den Deklarationen, Resolutionen und Verlautbarungen der Labour-Party, sowie unter erneuter Kundgebung der Entschlossenheit der Poale Zion, Innerhalb der Arbeiterbewegung den Kampf um den Widerruf des Weißbuches fortzuführen, bringt das Exekutivkomitee der jüdisch-sozialistisehen Arbeiterpartei Poale Zion in Erinnerung, daß die Labour- Party die einzige politische Partei Großbritanniens ist, die sich offiziell für eine Politik zur Förderung der Ziele ihrer Bewegung ausgesprochen hat. Dem Parlamentsklub der Labour-Party gehört eine große Anzahl von Freunden der noale-zionistischen Bewegung an. Da der Labour-Kandidat für Whitechapel, James Hai L in seinem Wahlaufruf und in seinen Reden, sowie in ei genen Erklärungen über seine Einstellung zum Palästinaproblem das : WdßbuehÄ A Dctoment k#ltWört1iat, ääsVielfach m i t d er Palästinapolitik der Labour-Party nicht in Einklang zu bringen Ist, und da er seine Bereitschaft zu erkennen gegeben hat, gegen diese und jede andere Regierung zu stimmen, wenn sie eine Politik betreiben sollte, die den Rechten des jüdischen Volkes in Palästina, wie sie in den von verschiedenen Konferenzen der Labour-Party angenommcnen Resolutionen zum Ausdruck gebracht sind, nicht voll Rechnung trägt, scheint dieWahl James Halls die beste Politik zur Wahrnehmung d er Interessen der jüdischen Massen und der Rechte des jüdischen Volkes In Palästina zu sein. Durch die Wahl James Halls wird d i e Gruppe unserer Freunde in den Reihen der Labourabgeordneten um einen entschlossenen Vorkämpfer vermehrt werden, der ebenso wie der frühere Vertreter des Wahlkreises Whitechapel Interessen und Ansprüche des jüdischen Volkes in der bestmöglichen Weise im Unterhause vertreten wird. Oie Araber akzeptieren das Weißbuch Eine Verständigung mit den Zionisten sei unmöglich Jerusalem, 26. November. (J.T.A.) Anfang Dez ember wird die palästinensisch-arabische Exekutive in einer offiziellen Erklärung ihre Stellung zu der im neuen Weißbuch nicdergelegten Palästina-Politik der englischen Regierung präzisieren. Die JTA. erfährt über diese Erklärung folgendes: In der Erklärung, einem Dokument von ungefähr 25 Seiten, wird die Annahme des Weißbuches und der Konklusionen Sir John Hope Simpsons ausgesprochen. Gleichzeitig aber wird festgestellt, daß die Araber dessen ungeachtet nicht auf ihr Recht verzichten, gegen jene Telle der neuen Politik, denen sie nicht zustimmen können, Protest zu erheben. Ungefähr ein Drittel des Dokuments wird einem Ueberblick über die politische Entwicklung in Palästina im Laufe der letzten zehn Jahre gewidmet sein. Es wird der Nachweis versucht werden, daß die Rechte der arabischen Bevölkerung bisher beständig mit Füßen getreten wurden, und daß die Be- Stimmungen des Mandats bezüglich der Errichtung lokaler Selbstverwaltungsinstitutionen für Palästina außer acht gelassen wurden. Die Erklärung wird es wahrscheinlich vermeiden, in klaren Worten Annahme oder Zurückweisung des Angebots eines Legislative Council für Palästina auszusprechen, um die Möglichkeit offen zu lassen, die arabische Stellungnähme den jeweiligen Verhältnissen anzupassen. Gegen die vorgeschlagene Bodengesetzgebung, die den High Commissioner ermächtigt, bei Entscheidungen über Boaentransaktionen eigenes Ermessen walten zu lassen, dürfte Einspruch erhoben werden. An Stelle der vorgeschlagenen Bestimmungen werden die Araber eine von politischen Erwägungen oder Aenderungen der Politik in London unabhängige Regelung verlangen. In der Erklärung wird ferner Sir John Hope Simpsorts Vorschlag, daß die Regierung die Huleh-Tefrlt o r i e n in eigener Reserve halten soll, begrüßt und gegen die jüngst erteilte Bewilligung von 1500 neuen Einwanderungszertifikaten füt jüdische Arbeiter protestiert werden. Hinsichtlich der Frage der Kooperation zwischen Arabern und Juden geht die offizielle arabische Meinung dahin, daß ein solches Zusammenwirken im Hinblick darauf, daß die Zionisten entweder nach Erlangung der Majorität in Palästina trachten oder sich in Palästina auf jene Stellung beschränken müssen, die die Juden in anderen Ländern einnehmen, unmöglich erscheint. Die Aufrechterhaltung der Hoffnung auf Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina kollidiere notwendigerweise mit dem verständlichen Wunsche der Araber nach Erhaltung der Vorherrschaft im Lande. ♦

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