Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653243--21997-2680160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Bytom 1× ep/1047839
- Emden 1× ep/1044505
- Eschwege 1× ep/1047896
- Hans Goslar 1× ep/1013839
- Kurt Zielenziger 1× ep/1015122
- Legnica 1× ep/1045053
- Paula Ollendorff 1× ep/1024002
- Prešov 1× ep/1045481
- Recha Freier 1× ep/1036347
- Rheydt 1× ep/1045545
- Siegfried Rosenbaum 1× ep/1009890
- Vilnius 1× ep/1000947
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Seite 634 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 94, 28. XI. 1930 Der Kampf der Poale Zion um die Jüdische Gemeinde Der Gemeinde-Wahlkampf Ist in vollem Gange und wird mit einer geführt, die alle Erwartungen übertrifft Die ״Jüdische Rundschau“, die ziemlich ausführlich über den Wahlkampf berichtet, hat es bisher vermieden, über die Beteiligung der Poale Zion an diesem Wahlkämpf zu schreiben. Es ist bedauerlich, daß diese ihrer Aufmerksamkeit entgangen ist, denn zweifellos bildet die Poale Zion einen bedeutenden Bestandteil der jüdischen Wählerschaft, und auch für den Zionismus ist ihr Kampf um die Jüdische Gemeinde wichtig. Wir wollen daher in den folgenden Zeilen über den Wahlkampf der Poale Zion berichten und ihre Stellungnahme zu gewissen Fragen klarstellen. Die bisherige Propaganda der Poale Zion hat sich hauptsächlich auf Kreise erstreckt, die sonst in den Wahlkampf nicht liincingc/ogcn wurden. Als sozialdemokratische Partei betrachtet es die Poale Zion als ihre erste und wichtigste Aufgabe, jene Kreise der ücrneindemitglieder zu erfassen, die am jüdischen Leben desinteressiert sind, in der allgemeinen Politik aber sich zur Sozialdemokratie bekennen. Schon der bisherige Verlauf des Wahlkampfes zeigt, daß es gelungen ist, Hunderte von Gemcindemitgliedern, die bisher jeder jüdischen Bewegung fernstanden, für den Wahlkampf zu interessieren, sie der Gemeinde und damit dem jüdischen Leben näherzubringen. Es soll mit aller Klarheit betont werdend daß die Poale Zion selbständig in den Wahlkampf geht, weil sie so wohl in allgemein-weltanschaulicher als auch in zionistischer Hinsicht von der Volkspartei abweicht. Die Poale Zion lehnt eine Stellungnahme in religiösen Streitfragen ab und überläßt die Entscheidung darüber dem Einzelnen. Sie tritt dafür ein, daß die Gemeinde in verstärktem Maße den ö'konomisehen, sozialen und kulturellen Nöten ihrer Mitglieder Rechnung trägt. Bei der gegenwärtigen Lage der Juden in Deutschland scheint es sogar die wichtigste Aufgabe der Gemeinde, sich mit aller Kraft dafür rinzusetzen, daß dem wirtschaftlichen Abstieg• mit sozialpolitischen Mitteln e nt ge gen get re t e n wird. Dies muß und kann nur auf Kosten der anderen Ausgaben geschehen, die in diesem Moment z.urücktreten müssen, da sie ihren Sinn verlieren, wenn Zehntausende von Gemeindemil gliedern am Verhungern sind. Neben der Forderung nach einer wirtschaftlichen Sieherung der jüdischen Bevölkerung auf dem Wege einer wohldurchdachten, planmäßigen Berufs- und Sozialpolitik — Arbeitsnachweis, Berufsberatung, Umschichtung, Darlehenskasse, Kreditbeschaffung — ist der Zusammenhang mit dem Gesamt Judentum, insbesondere mitPalästina, zu stärken. Auf diesem Gebiete bleibt eigentlieh noch alles zu tun übrig. Sind doch nach den Angaben der ״Jüdischen Rundschau“ im Verlauf der letzten vier Jahre insgesamt nur 15 000 M. in Form eines Beitrages für die Errichtung eines Lehrstuhls an der Hebräischen Universität zu Jerusalem bewilligt worden. Für die wichtigsten zionistischen, dem Aufbau dienenden Institutionen, Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Palästina-Arbeiterfonds, konnte ein Beitrag nicht erlangt werden, obzwar eine ganze Reihe jüdischer Gemeinden, selbst solche, in denen die Volkspartei nicht den entscheidenden Einfluß besitzt, Beträge für den Keren Hajessod und Keren Kajemeth zur Verfügung gestellt haben. Das Budget der Jüdischen Gemeinde in Wien z. B. weist größere Beträge für den Keren Kajemeth, Keren Hajessod, Palästina-Arbeiterfonds und Hechaluz auf als der 12- Millionen-Etat der Berliner Gemeinde. Es wird Aufgabe der neuen Repräsentanz sein, hier Wandel zu schaffen. Die Poale Zion betrachtet sich als den entschiedensten Exponenten der palästinensischen Forderungen in der Gemeinde und glaubt, sich nach dieser Richtung lun mit der bisherigen Kompromiß-Politik, die keine nennenswerten Resultäte für den Aufbau Palästinas gezeitigt hat, nicht ein verstanden erklären zu können. Für uns ist die Verbundenheit der Jüdischen Gemeinde mit Palästina durch einen offiziellen Empfang Weizmanns oder durch ein Diner für die Jewfsh Agency, wiewohl diese Veranstaltungen politisch wichtig sind, nicht erschöpft. Die Palästina-Verbundenheit der Jüdischen Gemeinde muß in der konk r eten Hilfe für das Aufbau-Werk in Palästina zum Ausdruck kommen. Auch in der Frage der jüdischen Schule trennen sich die Wege der Poale Zion und der Volkspartei. Während die Volksnartci 1uter ״jüdischer Schule“ eine verbesserte Religionsschule versteht, tritt die Poale Zion für eine moderne weltliche, von jedem theologischen Einfluß freie jüdische Schule ein. Nur in einer solchen Schule kann das Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem jüdischen Volke gepflegt und die Verbindung mit dem lebendigen Kulturgut in hebräischer und jiddischer Sprache hergestellt werden. Nur die moderne jüdische Schule und die an sie anschließende Er- Ziehung der Schulentlassenen durch Förderung von mit jüdisch-sozialistischem Geiste erfüllten Jugend- und Volkshochschulen vermögen einen Damm gegen die immer stärker werdende Austrittsbewegung bestimmter, sich zum Sozialismus bekennender Kreise der jüdischen Jugend zu errichten. Jede Gemeindearbeit muß von der Tatsache der Verbundenheit mit dem Schicksal der Juden der ganzen Welt erfüllt sein. Daraus ergibt sich auch die Verpflichtung zu solidarischer Hilfe und Mitarbeit an dem Werke der Produktivierung der jüdischen Massen im Osten, Während des Wahlkampfes hat die Poale Zion versucht, aufklärend für Ihre Ziele zu wirken. In vielen Flugblättern hat sie sich hauptsächlich an jene Sozialdemokraten gewandt, die sich bei den Wahlen zum Reichstag und Landtag zur Sozialdemokratie bekannten, bei den Wahlen zur Jüdischen Gemeinde merkwürdigerweise in anderen Lagern zu finden sind. Ebenso wendet sich eine Broschüre; ״Sozialdemokratische Aufgaben in der Jüdischen Gemeinde“ an diese Kreise. — Es fand außer einer Ver- Sammlung im Westen eine völlig überfüllte Versammlung im ״Hackescben Hof“ statt, die trotz kommunistischer Störungsversuche außerordentlich erfolgreich war. Auch in Weißensee und im ״Deutschen Hof“ fanden Ver- Sammlungen statt, — In zwei jüdischen Aufrufen führte die Poale Zion eine scharfe Auseinandersetzung mit dem sögenannten ״Demokratischen Block“. Wer sich zu den Forderungen der Poale Zion bekennt, wird am Wahltage zur Stärkung der zionistisch-sozialistischen Front in der Gemeinde beitragen, indem er seine Stimme für die Liste der Poale Zion Oskar Cohn, Georg Lub Inski, Samuel Lifschitz abgibt. Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Bezirksgruppe Nord und Ost: Montag, den 1. Dezember, abends Sy3 Uhr, pünktlich, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2—4: Studienzirkel unter der Leitung von Frau Dr. Recha Freier: ״Der erste, zweite und dritte jischuw“. Gäste willkommen. Besondere Einladungen ergehen nicht. Bezirksgruppe West: Donnerstag, den 4. Dezember, abends 8 Uhr, pünktlich, Im Vortragssaal der Synagoge Fasanenstraße, Vortrag des Individualpsychologen Herrn Dr. Neuer über das Thema: ״Der jüdische Selbsthaß“. Gäste willkommen. Freispruch im Borseba-Prozeß Bukarest, 23. November. (J.T. A.) Früher als erwartet hat das Gericht in Satu-Mare (Szatmar) im Prozeß gegen die Rädelsführer und Mitbeteiligten an dem antijtiaisehen Terror und an den Exzessen von Borscha, die sich vor der Niederbrennung dieser Stadt durch die Antisemiten begeben hatten, gesprochen. Sämtliche der Aufhetzung gegen Juden, der Terrorakte und der Mißhandlungen von Juden Angeklagten, unter ihnen auch die HauptrMdelsführer, die Geistliehen Berindei und Dumltrescu, wurden freigesprochen. Einzig der Agitator Danila, mit dessen Ankunft in Borscha die Terror-Periode begann, wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Lei (etwa 125 Mark) verurteilt. Auch die angeklagten siebzehn jiidische 11 Bürger aus Borscha« die gegen die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung in der städtischen Volksschule protestierten, und die der Störung einer von Danila einberufenen Versammlung beschuldigt wurden, wurden freigesprochen. Die Verhandlungen des Prozesses boten fürchterliche Einzelheiten der antijüdischen Untaten. Der Freispruch hat in der jüdischen Oeffeiitlichkeit starke Empörung ausgelöst, um so mehr, als die öffentliehen Gerichtsverhandlungen klar und deutlich ergeben haben, daß die Juden von Borscha lange vor der Niederbrennung ihrer Häuser ein furchtbares Martyrium auszustehen hatten. Die Wahlen in Polen Wir haben in der vorigen Nummer nach den uns damals zugegangenen Nachrichten die Anzahl der gewählten jüdischen Abgeordneten mit neun angegeben. Nach den amtlichen Angaben sind in Galizien vier Zionisten gewählt worden (Lernberg, Krakau, Stanislaus, Stryj). Die Wahrscheinlichkeit besteht, daß fürLembergnocheinzwcitesjüdischesMandat anerkannt werden wird. In Kongreßpolen sind Grünbaum in Warschau und Rosenblatt in Lodz gewählt worden. Außerdem ist auch Rabbiner Lewin (aus Preszow und nicht aus Rzeszow) auf der Agudahlisie in Warschau gewählt. Ferner sind zwei Juden auf der Regierungsliste gewählt Von diesen neun jüdischen Abgeordneten sind mit Ausnahme von Lewin (Agudist) und den jüdischen Abgeordneten des Pilsudski-Blocks die übrigen Abgeordneten Parteizionisten. ״Bund“, ״Linke Poale Zion“ und die anderen jüdischen Parteien haben nirgends auch nur eine erhebliche Stimmen anzähl auf sich zu vereinigen vermocht. Dieser überwältigende Erfolg der zionistischen Listen beweist, daß der Zionismus die führende Bewegung im polnischen Judentum ist. Trotz des ungeheuren Druckes der Regierung, trotz der Verhaftungen zionistischer Führer in Galizien, trotz der politischen Rückschläge des Zionismus in London, hat das jüdische Volk in Polen sich in erdrückender Mehrheit für den Zionismus ausgesprochen. Dieses Ergebnis ist nicht nur vom innerjüdischen Standpunkte in Polen, sondern auch vom Standpunkte der auswärtigen zionistischen Politik erfreulich. Zu bemerken ist, daß die Zahl der jüdischen Abgeordneten im vorigen Sejm 13 betrug. Während die deutschen und ukrainischen Mandate bei dieser Sejm-Wahl geradezu dezimiert wurden, haben die Juden in Anbetracht der in Polen herrschenden Verhältnisse eigentlieh einen großen Wahlerfolg zu verzeichnen. Nor ein ffidlscher Senator gewählt Die Wahlen zum polnischen Senat haben den Juden eine Enttäuschung gebracht. Statt der fünf Juden, die dem letzten Senat angehört haben, wird Ja,den neuen Senat nur ein einz i’g ef Jutf e j^Sfcr Agudist ׳f(| tf rl־s 0% n« der״ auf der Regierungsliste (PilsudsKi-Block) gewählt wurde, einziehen. Die jüdischen Kandidaten in Warschau (Ing. M. Kerner und Färbstein), Lodz, Bialystok, Wilna, Kieke, Krakau und Lemberg blieben in der Minderheit. Gemeindewahlen in Mannheim. Am 30. November finden auch in der Gemeinde Mannheim die allgemeinen Erneuerungswählen für die Gemeinde statt, obwohl die Amtsdauer der vor nicht zu langer Zeit gewählten Kollegien (Gemeindevertretung und Synagogenrat) noch nicht zu Ende war. Die in Baden vor einigen Mon aten in Kraft getretene neue Ge meindeordnung, die eine wesentliche Stärkung der Rechte der Gemeinaevertretung gegenüber dem Verwaltungsorgan der Gemeinde, dein Synagogenrat, brachte, ließ cs für angebracht erscheinen, allgemeine Neuwahlen stattfinden zu lassen. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien gelang.es, eine Wall (Vereinbarung abzuschließen, welche zwar nicht alle Forderungen der Zionisten erfüllte, aber immerhin eine Ausdehnung unseres bisherigen Einflusses mit sich bringt. Neben der Zahl von 6 Zionisten in der Gemeindevertretung wie bisher, werden auf dem Wahl- Vorschlag der neu gegründeten Gemeindevereinigung, die ohne bestimmte programmatische Festlegung auftrat, zwei weitere organisierte Zionisten — darunter ein weiterer Vertreter der Ostjuden — aufgestellt, so daß die Zahl der organisierten Zionisten statt sechs künftighin acht in der Gemeindevertretung sein wird. Auch ist anzunchmen, daß eine Reihe weiterer, neuaufgestellter Kandidaten durchaus nicht als Vertreter eines radikalen Liberalismus anzusehen sind. Es ergeht an unsere Freunde und Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, am 30. November von ihrem Wahlrecht unbedingt Gebrauch zu machen. Dr.S. Wahlbüro der Poale Zion: Berlin N 21, Auguststr. 17IV (Telephon: Weidendamm 3985). An unsere AbonnentenI Die Post verlangt die Anmeldung der vom 1. Januar 1931 an zu liefernden Exemplare bereits 3 Wochen vor Quartalsbeginn. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüd, Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Dezembertagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zwedt Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dab diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmö&igkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im November 1930. Verlas ,Jüdische Rundschau“ Berlin W15, MelnekestraBe 10 Aus den Gemeinden Vom Büro des Landesverbandes jüdischer Gemeinden wird mitgeteilt: Auf Grund der in allen Wahlkreisen mit Ausnahme Berlins zustande gekommenen Einheitslisten werden dem künftigen Verbandstage des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden die folgenden Abgeordneten angehören (die Angaben über die Parteizugehörigkeit der einzelnen Abgeordneten beruhen auf private Informationen. Red.) Wahlkreis ] (Ostpreußen): R.-A. Dr. Arthur Ehrlich, Königsberg (lib.); Waisenhausdirektor Adolf Peritz, Königsberg (Mittelp.); R.-A. Jacob Neumann II, Allenstein (lib.); Bankdir. Hermann Marx, Königsberg (kons.). Wahlkreis III (Brandenburg-Pommern-Grenzmark): R.-A. Dr. Marcuse, Stettin (lib.); Stadtrat a. D, J. Zielenziger, Potsdam (lib..); Rabb. Dr. Rosenzweig, Schneidernühl (Uebcrpart. Verein.); Dr. Dresel, Stettin (Volksp.); Siegfried Rosenbaum, Pasewalk (lib.). Wahlkreis 1V (Breslau): Justizrat Georg Peiser, Breslau (lib.); R.-A. Max Jacobsohn, Breslau (Volkspart.); Max Gins, Breslau (lib.); Paula Ollendorff, Breslau (lib.); Dr. Josef Schlesinger, Breslau (kons.); R.-A. Ludwig Foerder, Breslau (Mittelpj; Dr. Israel Rabin, Breslau (Volksp.); Justizrat Salomon Kalisch, Breslau (lib.). Wahlkreis V (Nieder- und Oberschlesien): Emanuel Piticzower, Beuthen (kons.); Max Metz, Liegnitz (lib.); Arnold Wiener, Beuthen (Volksp.); R.-A. Martin Lentschütz, Hindenburg (lib.); Alfred Seidenberg, Liegnitz (kons.). Wahlkreis VI (Sachsen): R.-A. Dr. Merzbach, Magdeburg (lib.); R.-A. Dr. Marcus Felixbrodt, Halle a. d. S. (Volksp ). Wahlkreis VH (Hannover-Schleswig- Holstein): Dr. med. Julius Möller, Altona-Ottensen (kons.); Hanna Cohn-Dorn, Hannover (lib.); R.-A. Dr. Victor, Wandsbek (Volksp.); Dr. med. Leopqld Cohn, Hildesheini- Moritzberg (lib.); Bernhard Polak, Emden (kons.); Jakob Schneeweiß, Hannover (Volksp.). Wahlkreis VIII (Westfalen): R.-A. Dr. Willy Katzenstein, Bielefeld (lib.); Ottilie Schoenewald, Bochum (lib); Ministerialrat Hans Goslar, Berlin (Volksp.); Korrektor Emanuel Goldschmidt, Dortmund (lib.); Rabbiner Dr. Steinthal, Münster i. W. (lib.); Dr. Israel Taubes, Berlin (Volksp.). Wahlkreis IX (Frankfurt a. M.): R.-A. Dr. Richard Merzbach, Frankfurt a. M. (lib.); R.-A. Abraham Horovitz, Frankfurt a. M. (kons.); Gemeinderabbiner Dr. Arnold Lazarus, Frankfurt a. M. (lib.); R.-A. Dr. Hugo Emmerich, Frankfurt a. M. (Volksp.); Lulu Bloch-Neustadt, Frankfurt a. M. (lib.); Hugo Fraenkel, Frankfurt a. M. (kons.); Richard Schneider, Frankfurt a. M. (lib.); Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffman!!, Frankfurt a. M. (Volksp.); Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger, Frankfurt a. M. (lib.); Oberregierungsbaurat a. D. Julius Cohen, Frankfurt a. M. (lib.). Wahlkreis X (Hessen-Nassau): Ballin, Kassel (lib.); Julius Löwenthal, Eschwege (kons.); Lehrer Bacher, Kassel (Volksp.); Rabb. Dr. Lazarus, Wiesbaden (lib.); Felix Bamberger, Gonzenheim b. Homburg v. d. H. (kons.). Wahlkreis XI (Köln): R.-A. Dr. Heinrich Frank, Köln (lib.); Studienrat Levy Wolff, Köln (Volksp.); Lehrer Eugen Jacobi, Köln (lib.); Rabb. Dr. Ludwig Rosenthal, Köln (kons.); R.-A. Dr. Sieg* fried Kaufmann, Köln (lib.). Wahlkreis XII (Rheinprovinz): Erich Felsenthal, Düsseldorf (lib.); R.-A. Harry Epstein, Duisburg (Volksp.); Oberrabbiner Dr. Altmann, Trier (kons.); Dr. Qeorg Hirschland, Essen (lib.); Justizrat Dr. Francken, Aachen (lib.); Dr. David Büschel, Essen (Volksp.); Ruth Stern, Rheydt (lib.); S. Adler-Rudel, Berlin (Poale Zion); Karl Kaufmann, Mühlheim a. d. Ruhr (lib.); R.-A. Gustav Brück, Wuppertal-Elberfeld (lib.); R.-A. Siegfried Kahn, Düsseidorf (lib.). ן Ida Felsenthal Obwohl die schwere Krankheit sie seit mehreren Jahren von Mannheim und vom Kreis ihrer Freunde fernhielt, war sie uns nicht entrückt. Wir hatten gehofft, daß ihr heißer Lebenswille, vor allem ihre ungebrochene Verbundenheit mit dem neuen Werden im Land, Macht über die tückische Krankheit gewinnen würden. Sie hatte sich, trotz vielfacher Widerstände, zur Chaluziuth durchgerungen und gehörte vor etlichen Jahren zum Kreis der ״Markenhöfer“. Als ihre schon bedrohte Gesundheit der landwirtschaftlichen Hachscharah ein Ende setzte, war ihr Wille nicht gebrochen; sie hoffte, sich als Lehrerin dem Aufbau eingliedern zu können, und dank ihrem unermüdlichen Fleiß und ihrer reichen Begabung konnte sie in kurzer Zeit das Seminar absolvieren. Dieses kurze Jahr in Köln brachte ihrem offenen Sinn vielfache jüdische Bereicherung und vertiefte ihre lebendige Verbundenheit mit der Tradition. Dann überfiel sie bald die Krankheit, der sie nun erlegen ist. Mit unerhörtem Eifer hat sie sich auch während der Krankheit jüdischen Studien hinf'. " ’ ' ’ naher Verbindung; an allem und allen nahm sie den lebendigsteil Anteil. Nie hatte man das Gefühl, daß sie eine Kranke war, die etwa vorwiegend mit sich beschäftigt war. Sie ist in Wahrheit der Krankheit nicht erlegen. Wer und was einmal in ihr Leben getreten war, dem hielt sie die Treue — in ihrer stillen, beharrlichen Art. Da sie nun, zum tiefen Schmerz aller, die ihr nahestanden, in blühendem Alter von uns gegangen ist, bleibt uns nur die warme und stärkende Erinnerung an einen treuen Menschen, an eine strebende, ernsthafte Jüdin. Benno Kohn (Frankfurt). Das Jüdische Lexikon, ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens, begründet von Dr. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirsch ner (Jüdischer Verlag, Berlin), legt soeben seinen fünften Band vor, der die Buchstaben S bis Z umfaßt Mit diesem 1652 Textspalten starken Bande, der ebenso wie die vorausgehenden vier Bände mit einer großen Zahl von Illustrationen und Bildtafeln geschmückt una ausgezeichnet gedruckt und ausgestattet ist, ist dieses bedeutungsvolle Werk abgeschlossen. Der fünfte Band enthält eine ganze Reihe von überaus wichtigen Beiträgen. Der Artikel ,£ i onismus“, geteilt in mehrere Unterabteilungen, umfaßt allein 45 Spalten, nachdem Band IV bereits auf mehr als 100 Spalten die Artikel über ״Palästina“ gebracht hat. Zum engeren zionistischen Interesse gehören im fünften Band auch eine große Reihe Biographien zionistischer Führer, wie Weizmann, Sokolow u. a., ebenso Herbert Samuel, Universität Jerusalem usw. Umfassende Abhandlungen sind z. B. ״Wcltliteratur (Anteil der Juden), ״ w auderungen der Juden“ (28 Spalten), ״Staatsgedanke und Judentum“ (Patriotismus, 2(1 Spalten), ״Statistik der Juden“, mit zahlreichen Tabellen (68 Spalten). Wir brauchen nur noch zu erwähnen, daß in diesem Band auch die Stichwörter ״Schulwesen der Judeit“, ״Synagoge“, ״Talmud“, ״Trachten der Juden“ usw. enthalten sind, um ein erstes Bild der Vielseitigkeit des Bandes zu geben. Das Gesamtwerk, dessen Vollendung zweifellos ein großes und seitenes literarisches Ereignis im jüdischen Leben darstellt, ist eine umfassende Quelle jüdischer Informationen aus allen Gebieten des Lebens und der Wissenschaft; es wird sich bald als unentbehrliches Handbuch für jedermann erweisen, der an jüdischen Dingen interessiert ist, im jüdischen öffentliehen Leben steht oder auch nur als Leser an jüdischen Dingen Anteil nimmt. Eine ausführliche Würdigung behalten wir * uns vor.