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Jüdische Rundschau · 1930-11-28 · Heft 94 (28.11.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 94 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 0#, 28. XI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 633 Zeitschriften ״ Schau Der ״New Statesman“ schreibt, Lord Passfield beliaupte jetzt immer wieder, das Weißbuch sei ״raißver• standen“ worden, und es bestände keinerlei Absicht, die jüdische Einwanderung auf die Dauer zu verhindern. Wenn dem so sei, so gehöre das neue Weißbuch — sehr zur Enttäuschung einiger Araber und der ״Daily Mail“_ — in ein Museum für diplomatische Kuriositäten. Die Juden müßten aber, falls sie wirklich klug seien, jetzt ihre Attacke abblasen und alle Kraft an die Zusammenarbeit in Palästina setzen. Es habe keinen Zweck, Lord Passfield und Großbritannien aut Massenversammlungen in Warschau und New York in effigie zu verbrennen, — im Gegenteil, so etwas könne nur allzu leicht antisemitische Wirkungen haben, da die Welt keineswegs vor Begeisterung für die Jüdische Nationale Heimstätte glühe. Hoffentlich werde Wcizmann bald wieder das Amt aufnehmen, das er vor einigen Wochen in so würdiger Weise niedergelegt habe. Ein außerordentlich bedeutsamer Aufsatz des bekannten französischen Senators und früheren Gouverneurs von Syrien Henri de Jouvenel befindet sich in der letzten Nummer der ״Revue des Vivants“. Der Aufsatz, der ״L׳Abandon du Sionisme“ betitelt ist, geht davon aus, daß Frankreich und England im Nahen Orient solidarische Interessen hätten, und daß es daher für Frankreich nicht gleichgültig sein könne, wenn die englische Arbeiterregierung jetzt das europäische Prestige dadurch verringere, daß sie die Juden im Stich ließe, nachdem England sie selbst ins Land gerufen habe. Damit habe sich die englische Regierung nicht nur die Sympathie und Dankbarkeit der Juden, sondern auch die Achtung der Araber verscherzt. Denn es sei äußerst bedenklich, sich im Orient als Europäer zu dementieren, und äußerst kostspielig, das einmal erschütterte Vertrauen später erst durch besondere Anstrengungen wiederherstellen zu müssen, wie es den Franzosen 1925/26 in Syrien gegangen sei. Sicherlich seien In Palästina Fehler gemacht worden, aber trotzdem sei der Zionismus im ganzen zweifellos eine gute Sache gewesen, — wenn nicht für die Juden, so doch ganz gewiß für Pa- Iästina —. Der Verfasser rühmt dann den zionistischen Zuström von Arbeit und Kapital, der auch auf die Nachbarländer sehr befruchtend gewirkt hätte, und nennt es undankbar, sich nur der durch den Zionismus herbeigeführten Schwierigkeiten zu entsinnen, nachdem man seine Vorteile lange genossen habe. Ueberdies habe man die Schwierigkeiten voraassehen müssen, so daß das Weißbuch entweder ein Eingeständnis mangelnder Voraussicht oder eines der Schwäche darstelle. Vor allem aber habe die Arbeiterregierung kein Recht gehabt, durch das neue Weißbuch ohne jede vorherige Beratung mit den Vereinigten Staaten, Frankreich, Belgien oder den Dominions ein gut Teil der feierlich übernommenen Verpflichtung zu widerrufen, da die Balfour-Deklaration, wie Lloyd George sehr richtig auseinandergesetzt habe, nicht nur eine Geste Englands, sondern aller Alliierten gewesen sei, und zwar eine vorher sehr genau überlegte Geste. Der Zionismus sei aus einer internationalen Unterhaltung entsprungen, und es läge im Interesse der englischen Arbeiterregienmg, diese Unterhaitun g jetzt wieder aufzunehmen! ״La Vie Cathofiaue“ bringt einen antizionistischen Artikel von Francois Veuillot über das Weißbuch, das bezeichnenderweise gelobt wird, weil es mit aller Deutlichkeit (sic!) erkläre, daß in Palästina für weitere jüdifche Einwanderer keift ■Platz nrthr feei: Daft Weißbuät jgibe zwischen den Zeilen den Bankrott des Zionismus zu und suche ״dieses Eingeständnis mühsam durch Betonung der Treue zur Balfour-Deklaration zu vertuschen. Besonders bemerkenswert sei das Schweigen des Weißbuches über die Heiligen Stätt e n, nachdem England vor mehr als zehn Jahren versprochen habe, das bisherige Provisorium im Einvernehmen mit allen interessierten Mächten durch ein definitives Statut zu ersetzen. Es sei Pflicht der christlichen Mächte — wenn es solche noch gäbe — von England eine endgültige Regelung dieser Frage zu erlangen. * Der Londoner ״Spectator“, über dessen Stellungnahme zum Weißbuch wir kürzlich berichteten, bringt wieder einen bemerkenswerten Artikel, der zunächst anerkennt, daß es den Zionisten über alles Erwarten gelungen sei, die Unterstützung großer und einflußreicher Kreise für sich zu gewinnen, wählend die Araber von Propaganda nichts verständen. Man müsse sich hüten, so fährt der ״Spectator“ fort, auch nur den Allschein zu erwecken, als sei man gegen die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte, — im Gegenteil, dieser Plan verdiene wärmste Sympathie und vor allem müsse England ein gegebenes Versprechen halten. Aber man müsse das Mandat richtig interpretieren, und zwar vor allem den Artikel 6, der von der Verwendung der Staats- und Oedländereien handelt. Dr. Weizmann sei offenbar der Ansicht, der Artikel spreche den Juden sämtliche Staatsländereien zu, — wovon aber gar nicht die Rede sein könne; vielmehr ständen die Staatsländereien für die jüdische Siedelung lediglich insoweit zur Verfügung, als dies nach Ansicht der Regierung ohne Nachteil für die allgemeinen Staatszwecke möglich sei. Wenn aber Weizmann gar in einem Artikel der ״Weekend Review“ die Ansicht vertrete, daß für die Araber, die in Palästina keinen Platz zur Ansiedelung mehr fänden, ja noch reichlich Raum in Trans Jordanien sei, so müsse man ihm scharf entgegentreten, denn unmöglich könne man den Arabern zumuten, das Land ihrer Väter zu verlassen. Gerade jetzt, wo sich die Judenheit als stark erwiesen habe, müsse man an sie appellieren, auch milde und barmherzig zu sein. Der Zionismus habe verstanden, sich auf der ganzen Welt Gehör zu verschaffen, aber diese starke Unterstützung werde aufhören, wenn er den Geist des Shylock zeige, der aut dem Pfund Fleisch bestehe. Selbst Leute, denen jegliche antisemitische Tendenz fern läge, hätten oft gesagt, daß die Juden nach zwei Seiten hin die Treue zu halten versuchten, — einerseits gegen die englische Krone — deren vortreffliche Unter• tanen sie seien —, andererseits gegen ihre Glaubens- und Stammesgemeinschaft; und diese beiden Verpflichtungen könnten miteinander in Konflikt geraten. Die britischen Juden sollten jetzt klug genug sein, England, welches das Mandat in ehrlicher und edler Absicht übernommen habe, die Erfüllung seiner Aufgabe nicht unmöglich zu machen, indem sie jedes Kompromiß ablehnten. Man solle möglichst eine Round- Table-Konferenz einberufen, an der sich die palästinensischen Juden — und zwar nur diese, nicht etwa Vertreter der Weltjudenheit! — mit den palästinensischen Arabern aussprechen sollten. Außerdem könne man sich natürlich bei der Mandatskotnmission Rat holen, und wenn diese im Zweifel über die Natur des Mandates sei, so müsse man sich, nach dem Rat von Lord Hailsham und Sir John Simon, an das Haager Schiedsgericht wenden., Der erste Schritt aber müsse in der Herbeiführung eines örtlichen Einvernehmens bestehen. Wählt alle Klee Kareski Loewe Der bekannte Pazifist Norman Angell schreibt in den ״Foreign Affairs“: England hätte in Palästina wirkliehe Staatskunst zeigen können, ohne das Dazwischentreten eigennütziger materieller Motive, und hätte Dank und Anerkennung ernten können. Statt dessen sei der Erfolg, daß heute viele Millionen von Juden, die im Bankwesen, ira Handel und im Journalismus der ganzen Welt einflußreiche Stellungen einnähmen und die britischen Interessen schwer schädigen könnten, nicht nur Antipathie, sondern sogar Verachtung und Mißtrauen gegen England zu hegen begännen. Nach den Pogromen von 1929 sei jetzt das Weißbuch gekommen, das nicht nur die Zionisten, sondern auch viele prominente Englinder für einen Bruch feierlicher Versprechungen hielten. Das Traurigste sei, daß sich die britische öffentliche Meinung, mit anderen Sorgen beschäftigt, offenbar wenig darüber aufrege, daß England, nach Ansicht vieler Menschen, die Balfour-Deklaration als einen ״Fetzen Papier“ behandele. Angell preist dann die Größe und romantische Schönheit des Palästina-Mandates, — der Aufgabe, eine Nation, der die Christenheit ihre heiligen Schriften und ihre religiöse Inspiration verdanke, in gewisser Weise wiederherzusteilen, und Treuhänder der heiligen Stätten dreier Religionen zu werden. Eine solche Aufgabe hätte den Sinn eines imperialistischen Volkes entflammen sollen, aber statt dessen hätten gerade die Imperialisten der Rothermere-Schule nur gefragt: ״Was ist dabei zu holen?“ Und jetzt triumphierten diese Kreise darüber, daß man die einst feierlich übernommene Aufgabe fallen ließe, und gäben sich nicht einmal Rechenschaft über die Macht einer england-feindlichen Weltjudenheit, obwohl die unheilvolle Geschichte des irischen England-Hasses noch kaum abgeschlossen sei. — An anderer Stelle desselben Heftes geben die ״Foreign Affairs“ noch einen Ueberblick über die schärfsten englischen Kritiken am Weißbuch. A. P. Der Wahlkamp! In Whitechapel Am 25. November, dem Tage' der offiziellen Bekanntgabe der Kandidaturen für die Nachwahlen in Whitechapel, die am 3. Dezember stattfinden, schreibt die ״Times“: Noch vor wenigen Monaten hätte ein Wahlkampf in Whitechapel sehr wenig Interesse hervorgerufen. Das Mandat wurde als gesicherter Besitzstand der Arbeiterpartei betrachtet. Zwar war die erste sozialistische Mehrheit 1922 nur 428 Stimmen, aber ln den* folgenden Wahlkämpfen stieg die Stimmenzahl der Arbeiterpartei und voriges Jahr hatte der Arbeiterkandidat Gosling eine Mehrheit von über 9000 Stimmen über seinen liberalen Gegenkandidaten, wobei der konservative Kandidat an letzter Stelle stand. Nach dem letzten konservativen Sieg bei der Nachwahl in Shiplev jedoch hält man alles für möglich, besonders in einem Wahlkreis, wo die Haltung der Regierung gegenüber dem Palästina- Mandat den jüdischen Wählern auseinandergesetzt werden muß, die 14 000 betragen bei einer Gesämtwählerzahl von 37000. Der zionistische Unwille und die Unzufriedenheit der Gewerkschaften über die Arbeitslosenpolitik der Regierung versetzen den Arbeiterkandidaten Mr. Hall in eine schlechte Lage... Der liberale Kandidat Mr. Jänner wendet sich besonders an die jüdischen Wähler. Er ist ein Mitglied des Jewish Board of Deputies und Präsident der zionistischen Bezirksgruppe Nordwest in London, ln seinen Wahlreden weist er darauf hin, daß er ein aktiver Zionist und Nationalist ist und die antijüdische Haltung der Regierung, die in der ganzen Welt mit Recht Entrüstung hervorruft, scharf verurteile... Man erwartet, daß die jüdisehen Wähler mit ganz wenigen Ausnahmen zur Wahlurne gehen werden. — Lord M e 1 c h c 11 hat sich in einem Aufruf an die jüdischen Wähler Whitechapels gewandt, dem konservativen Kandidaten ihre Stimme zu geben, um dadurch gegen das Palästina-Weißbuch der Arbeiter-Regierung zu protertieren. Am 26. November!neidet die ״Times“: Die jüdischen Stimmen stehen auch weiter im Mittelpunkt des Wahlkampfes. Mr. Hall arbeitet sehr schwer, um die Regierung von den Vorwürfen reinzuwaschen, die nach der Veröffentlichung von Lord Passfields Weißbuch über Palästina erhoben wurden. Er hat zugleich mit seinem Wahlaufruf eine besondere Erklärung an die Wähler verschickt, worin gesagt wird, daß die Arbeiterpartei für die völlige Verwirklichung des Ideals eines Jüdischen Nationalheim s einstehe. In diesem Flugblatt, welches jedem Juden in jiddischer und englischer Sprache zugesandt wird, heißt es, die Regierung habe ausdrücklich ihre Absicht neu bekräftigt, das Mandat genau in Uebereinstimmung mit seinen vollen Bestimmungen durch zuführen und sie mache nicht die geringste Aenderung in der Interpretation des Mandates, die von allen aufeinander folgenden Regierungen seit 1922 festgehalten worden ist. Ihre Haltung, behauptet Mr. Hall, ist klar und unzweideutig. Sie hat endgültige Ver- Sicherungen gegeben, daß es ihre Politik ist, jüdische Einwandertmg entsprechend der wirtschaftlichen Fassungskraft Palästinas zu ermutigen und sie setzt keinerlei Grenze jeder Ausdehnung des Nationalheims, die entsprechend den Bestim mungen des Mandates durchführbar ist. Die Arbeiter• regierung, so schließt er, wünscht, daß die Juden eine volle Chance in Palästina erhalten, und alle gegenteiligen Behauptungen seien völlig unbegründet. Agodah gegen Waad Leumi Jerusalem 25. November. (J.T.A.) Das Zentral komitee der Agudas Jisroel veröffentlicht eine Erklä rung, in der beanstandet wird, daß der Waad Leumi in seinen zwei letzten Erklärungen gegen das Weißbuch im Namen des Jischuw spricht. Die Agudah sei im Waad Leumi nicht vertreten. Solange sich die Agudah nicht ausdrücklich den gegebenen Erklärungen an schließe, seien diese nicht als Ausdruck ihrer eigenen Meinung anzusehen. In beiden Erklärungen des Waad Leumi seien Aeußerungen enthalten, mit denen sich die im Waad Leumi nicht vertretene orthodoxe Judenheit nicht identifiziere. Der Standpunkt der Agudah gegenüber dem Weißbuch sei in der von der Weltexekutive der Agudah in vollständiger Ucbereinstim mung mit der Exekutive der palästinensischen Agudah ver■ öffentiiehten Erklärung niedergelegt. Dieses Commum'que der palästinensischen Agudah ist das erste Abweichen von der seit der Einwanderungssuspension aufrechterhaltenen jüdischen Einheitsfront in Palästina. Kleine Nad&ridiien Wie wir von offizieller zionistischer Seite in London auf unsere Anfrage erfahren, ist die (von uns in der vorigen Nummer mit Vorbehalt wiedergegebene) Information der ITA über die Verhandlungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency völlig unzuverlässig. Bis zur Herausgabe eines authentischen Berichtes wird man demnach kein Urteil über diese Verhandlungen und über die Haltung der jüdischen Vertreter fällen können. Ussischkin ist am 18. November aus Jerusalem nach Amerika abgereist, wo er an der Keren Kajemeth-Kampagne teilnehmen wird. Wie verlautet, hat die Palästina-Regierung bereits die Entwürfe für die neue Bodengesetzgebung nach den Richtlinien des Weißbuches fertiggestellt. Den Grundzug der neuen Gesetzgebung bildet ein weitgehender Pächterschütz. In einer Verordnung soll der Verkauf besetzten Landes verboten und trotz des Verbotes abgeschlossene Käufe solchen Landes als ungültig erklärt werden. Die Exekutive des Waad Leumi hat beschlossen, ihren Präsidenten Pinchas Ruthenberg nach London zu entsenden. Gleichzeitig hat der Waad Leumi seine augenblicklich in London befindlichen Mitglieder Arlosoroff, Dizengoff und Berl Kazenelson mit seiner politischen Vertretung in London betraut Eines der Mitglieder dieses Kollegiums wird die für den Waad Leumi in der politischen Kommission des Aktions- Comitös reservi^jte Stelle besetzen. In Tel-Awiw wurde die Jahreskonferenz der revisionistischen Partei Palästinas abgehalten. Der extreme Flügel, der sich für den sofortigen Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation einsetzt, hatte eine starke Majorität. Es wurde ein neues Zentralkomitee mit Wolfgang von W e i s I als Obmann und Dr. Wunderlich als Vizeobmann gewählt. Die revisionistische Zentrale in London erklärt hierzu, daß der Beschluß der letzten revisionistischen Weltkonferenz, nicht aus der Zionistischen Organisation auszutreten, aufrechtbleibt. In der Jahresversammlung der Britischen Archäologischen Schule wurde mitgeteilt, daß die Harvard-Universität an die Hebräische Universität in Jerusalem eine Einladung zu gemeinsamer Durchführung von Ausgrabungen in Samaria gerichtet hat. Die Jerusalemer Universität wird Dr. Stikenik zu diesen Arbeiten delegieren. Die Polizei hat in dem Dorfe Abuein bei Ramallah 2t Gewehre und 5 Revolver beschlagnahmt. Vor kurzer Zeit wurden in demselben Dorfe 80 Gewehre und eine Anzahl von Revolvern aufgedeckt. Am 17. November ging in Jerusalem der erste starke Winterregen nieder. Der Londoner ״Jewish Chronicle“, die älteste englisch-jüdische Zeitschrift, ist vergangene Woche in ihren 90. Jahrgang eingetreten. Vor kurzem wurden vom ukrainischen Kommissariat 825 Auswandgerungszertifikate fürBiro-Bidschanan eine Reihe von Städten ausgegeben. Von diesen Zertifikaten wurde nur ein ganz geringer Bruchteil von jüdischen Siedlungswilligen in Anspruch genommen. Der Protest 11 Sfldatrtka Ein Freund unseres Blattes in Südafrika Informiert uns über die große Erregung, die unmittelbar nach Veröffentlichung des englischen Weißbuches Ende Oktober unter den südafrikanischen Juden ausgebrochen Ist- Wie anderswo, fanden auch in den großen Städten Südafrikas riesige jüdische Protestversammlungen statt, bei denen heftig gegen den neuen Kurs der englischen Palästinapolitik Stellung genommen wurde. Charakteristisch für den Grad der Empörung ist die uns mitgeteilte Episode, daß bei der größten jüdischen Protestversammlung in Johannisburg die britische Nationaihymne, die bei derartigen Veranstaltungen gespielt zu werden pflegt, von einem Teil der Anwesenden aus gepfiffen wurde. Auch die nicht jüdische Oef f entlichkeit Süda f r i k a s hat gegen die Weißbuch-Politik Stellung genommen. Bekannt ist das Telegramm von General Smuts an Mac Etonald, das wir bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ wiederf~. ~ . englischen Regierung ab. Bezeichnend ist der Leitartikel einer der größten englischen Zeitungen Südafrikas, der ״R and Daily Mail“, vom 30. Oktober, worin ausgeführt wird, die Balfour-Deklaration sei ein Uebereinkommen zwischen Großbritannien und den Juden gewesen, wodurch man insbesondere die Unterstützung der amerikanischen Juden im Weltkrieg gewinnen wollte. Dies ist auch gelungen, so daß die Juden also ihren Teil des Vertrages sofort ausgelührt haben. Englands Verpflichtung jedoch sollte erst nach dem Kriege realisiert werden. Der Anfang damit wurde zwar gemacht, aber als sich die arabische Opposition fühlbar machte, trieb England eine zögernde Politik. ״Eine kleine, aber mächtige Gruppe der britischen Konservativen war es, die zu ihrer Schande die arabische Sache bewußt förderte und eine Aufhebung der Deklaration forderte. Eine Resolution dieses Sinnes wurde sogar vom House of Lords angenommen. Die britische Regierung lehnte es natürlich ab, ihre Vereinbarung in dieser zynischen Art zunichte zu machen und so konnte die Siedlungsarbeit ungeachtet kleinerer Schwierigkeiten ruhig bis zum letzten Jahre weitergehen. Seither aber haben die Juden viele Gründe der Unzufriedenheit gehabt Der Bericht über die Unruhen ließ nach Meinung vieler viel zu wünschen übrig und nach der Veröffentlichung des Simpson-Berichtes scheint die Verwirklichung des Nationalheims ferner zu sein als je. Denn dieser Bericht empfiehlt die Unterbrechung der Ein- Wanderung für zumindest ein Jahr und schlägt vor, daß wegen des Bodenmangels der Araber die jüdischen Agenturen keinen Boden mehr kaufen sollten, bevor nicht die Methoden der arabischen Landwirtschaft sich gebessert haben. Dies aber würde Palästina praktisch den Juden verschließen, deren Entrüstung daher gut zu verstehen ist. MacDonald hat erklärt, daß kein neuer Kurs der Politik vom britischen Kabinett beabslchtigt ist. Aber was beabsichtigt ist, ist eine Aenderung der PraxiSj was auf dasselbe hinausläuft und ebenso unbillig ist.“ Eine Franz Rosenzweig-Gedächtnis-Stiftung ist in diesen Tagen in Hamburg aus Anlaß der ersten Jahrzeit des Denkers gegründet worden. An ihrer Spitze steht ein Ehrenpräsidium, bestehend aus Professor Dr. Ernst Cassirer, Hermann Gumpertz, Alfred Levy, Vorsitzender des Gemeindevorstandes, Dr. Paul Rüben und Max M. Warburg. Vorsitzender des Arbeitsausschusses ist Hermann Philipp. Zweck der Stiftung ist die Verbreitung der Schriften Franz Rosenzwefgs. Die Stiftung wird am 28. d. M., dem ersten Jahrzeitstage Franz Rosenzweigs, die Pentateuch-Bücher in der Verdeutschung von Buber-Rosenzweig an diejenigen jungen Ehepaare der Hamburger Gemeinde zur Verteilung bringen, die während des Sterbejahres geheiratet haben; späterhin soll die Uebcrreichung nach der religiösen Trauung geschehen. Anläßlich der Inauguration der Stiftung hielt Dr. Hans K o h n (Jerusalem) am 25. d. M. einen Vortrag über Rosenzweig.

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