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Jüdische Rundschau · 1930-11-28 · Heft 94 (28.11.1930) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 94 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 94, 2a XI. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 835 Briefe an die Redaktion Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 93 der ״Jüdischen Rundschau" bemüht sich Herr Felix Rosenblüth, meine berichtigende Darstellung bezüglich des revisionistischen Communiquös zu widerlegen. Er behauptet, ״daß der Außenminister Henderson unter ausdrück■ lieber Bezugnahme auf die durch die Revlslo* nisten veranlaßten vorzeitigen Presseäußerungen cs als ausgeschlossen erklärte, daB die Veröffent* lichung des Weißbuches noch verhindert werden könnte“. Dieser Satz muß (und soll wohl auch) den Eindruck erwecken, als ob das revisionistische Communiqud für das Verhalten der Regierung in dieser Frage entscheidend gewesen sei. Das ist grundfalsch. Zunächst ist überhaupt nicht einzusehen, warum die Regierung gezwungen gewesen sein sollte, das Dokument zu veröffentlichen, wenn sie es im letzten Moment zurückhaltcn wollte — auch wenn von irgendeiner nichtoffiziellen Seite Ankündigungen über die geplante Veröffentliehung erfolgt waren. In solchen Fällen pflegen Regierungen zu schweigen oder zu dementieren. Es mag sein, laß in dem Gespräch zwischen Henderson und Kaplansky das revisionistische Communiqufi erwähnt wurde, aber es ist unverständlich, weshalb Herr ,Rosenblüth dieser Erwähnung 80 grelle Bedeutung beimißt, während er die viel wichtigere Bernerkung Hendersons verschweigt, ״daß nicht einmal Lord Passfield die Veröffentlichung aufhalten könnte, da sie vom Kabinett besenlossen sei“. Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, daß die Zurückzichung des Weißbuchs im letzten Moment durch die revisionistische Veröffentlichung aus einer ״Unwahrscheinlichkeit“ in eine ״absolute Unmöglichkeit“ verwandelt worden ist, wie Herr Rosenblüth behauptet. Die ganze Sachlage (z. B. die Weigerung der Regierung, vorher mit der Exekutive über den Text zu verhandeln) sowie die schon erfolgte Versendung an die Presse liefern vielmehr den Beweis dafür, daß die Veröffentlichung nicht aufzuhalten war. Die Exekutive mag von ihrem Standpunkt aus die revisionistische Publikation als ״disziplinwidrig“ betrachten. (Wir haben längst öffentlich und im A.-C. erklärt, daß wir einer solchen Exekutive gegenüber keine Verpflichtung zur Disziplin mehr anerkennen können und unsere eigenen politischen Wege gehen werden.) Aber die Exekutive hat kein Recht, den klaren Sachverhalt zu verdunkeln und gegen alle Logik, gegen alles Tatsachenmaterial den Eindruck zu erwecken, als nabe die revisionistische Publikation ״geschadet“, nämlich die Veröffentlichung des Weißbuchs, die sonst ״vielleicht“ noch aufzuhalten war, zur unabwendbaren Tatsache gemacht. Mit Zionsgruß hochachtungsvoll R. L i c h t h e i m. *** Damit müssen wir die Kontroverse über diese Ange- Iegcnheit als abgeschlossen betrachten. ־— Red. * Dr. Oskar Cohn Berlin C2, den 25. Nov. 1930. Rechtsanwalt und Notar Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W15 Meinekestraße 10. Sehr geehrte Herren, wie ich höre, wird seit einiger Zeit in den zionistischen Organisationen und in anderen Kreisen die Behauptung verbreitet, ich hätte mich gegen die jüdische Schule ausgesprochen; eine andere Lesart lautet, ich hätte den Gedanken einer höheren jüdischen Schul« bekämpft. Hierzu bemerke ich: Die Poale Zion-Parteien aller Linder gehören seit vielen Jahren zu den Vorkämpfern des weltlichen jüdischen Schulwesens. Die Poale Zion in den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika waren überhaupt die ersten, die, in der Form von Ergänzungsschuien, jüdische Volksschulen mit jiddischer Unterrichtssprache gegründet haben. In Ost-Europa wirken die Poale Zion in der gleichen Richtung. Meine Parteifreunde standen dabei niemals auf dem Standpunkt, daß die Unterrichtssprache allein die Schule ausmache, fn den Vereinigten Staaten z. B. werden neben der jiddischen Sprache und Literatur, Hebräisch und hebräische Literatur, jüdische Geschichte und jüdische Gegenwartskunde gelehrt, beides mit besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Grundlagen und der geistigen Entwicklung. In der gleichen Richtung bemühen sich die jüdischen Schulen, die meine Parteigenossen in Ost-Europa errichtet haben. Selbstverständlich kann eine jüdische Schule in einem Lande, wo die Juden keine eigene Sprache sprechen, nicht ebenso aussehen, wie in Ost-Europa oder etwa in Palästina. Aber eine jüdische Schule mit deutscher Unterrichtssprache kann jüdisch und weltlich sein, wie eine deutsche Schule mit deutscher Unterrichtssprache weltlich und deutsch. Eine solche jüdische Schule würde neben den gewöhnlichen Gegenständen u. a. jüdische Geschichte und jüdische Volkskunde, hebräische Sprache und hebräische Literatur, unter Umständen auch jiddische Sprache und Literatur zu lehren, dabei auch die Beziehungen des Juden zur nichtjüdischen Welt in kultureller, politischer, wirtschaftlicher Hinsicht dem Schüler klarzumachen haben. Eine weltliche Schule dieser Art wäre nicht unjüdisch und wäre auch nicht ״ohne Religion“, sondern müßte den ethischen Gehalt der ״Religion“ den ganzen Unterricht durchdringen lassen und die ״Religion“ 1n ihrem kulturbedeutenden Sinne und ihrem geistesgeschichtlichen Zusammenhänge erklären. Für eine jüdische Volksschule dieser Art zu kämpfen, erachte ich als die Pflicht aller Sozialisten, besonders der jüdisehen. Es scheint mir ein unmöglicher Zustand zu sein, daß sich jüdische Sozialisten außerhalb der Gemeindestube zum Sozialismus und seinen Schuiforderungen bekennen, in der Gemeindestube aber bei nichtsozialistischen Parteien sitzen und deren Schuiforderungen vertrete». Für ebenso unmöglich halte ich es, daß wir Sozialisten, bis unsere Schuiforderungen erreicht sind, die Erziehung der jüdischen Jugend dem Bürger, tum und den Rabbinern überlassen. Vielmehr müssen wir die Schulen pchon jetzt nach Möglichkeit in die Richtung lenken, die durch unsere Auffassungen gewiesen wird. Ueber eine höhere jüdische Schule brauche ich in diesem Zusammenhänge nichts weiter zu sagen. Das Gerede, das ich zu Beginn dieses Briefes erwähne, entstellt "einen Vorgang, der sich bei den Besprechungen über die Vermeidung der Wahlen zugetragen hat: Auf einen Zwischenruf von liberaler Seite habe ich erwidert, der Plan einer höheren jüdischen Schule brauche den Liberalen keine Sorge zu machen, weil die Finanzlage der Gemeinde in nächster Zeit nicht gestatte, den Plan zu verfolgen. Ich wäre Ihnen zu Dank verbunden, wenn Sie Ihren Lesern von diesem Briefe sogleich Kenntnis geben wollten. Mit Hochachtung Dr. Oskar Cohn. Hapoöl-HazaYr. Am Dienstag, dem 2. Dezember, findet int Gemeindehaus, Rosenstr. 2—4, die Generalversamm- Jung der Berliner Ortsgruppe des Hapoel Hazair statt. Tagesordnung: 1. Chawer EH Ascher: ״Bernerkungen zii einer Palästinareise“; 2. Chawer Franz Lichtenstein: ״Die nächsten Aufgaben des Hap06l Hazair“; 3. Neuwählen; 4. Eventt&Sa. Zionistischer Gruppenverband OberscUesien Der Gruppenverband Oberschlesien hatte für den 23. Novetaber eine Tagung nach Hindenburg einbemfen, welche außerordentlich gut besucht war und dank der Anwesenheit des Vorsitzenden der Z. V. f. D., Herrn Kurt Blumenfeld, einen ausgezeichneten Verlauf nahm. In der Vormittagssitzung erstattete der Vorsitzende des Gruppenverbandes, Herr Dr. wclßmann, Beuthen, zunächst Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen, welche in der Frage der Landesverbandswahlen für den Bezirk Ober- und Niederschlesien schließlich zur Aufstellung einer Einheitsliste geführt haben und stellte die Zustimmung der Versammlung fest, daß dieses Ergebnis durchaus als ein Erfolg der Jüdischen Volkspartei zu buchen sei. Herr Dr. Weidmann referierte sodann über die Lage nach den Reichstagswahlen. In der anschließenden Debatte sprachen die Gesinmmgsgenossen Dr. Deutschrflann, Oppeln, Arnold Wiener, Beuthen und insbesondere in einem weit ausgreifenden Schlußwort Blumenfeld, der hierbei vor allem auch die aktuellen Aufgaben der Winterarbeit behandelte. Vorher hatte der Vorsitzende des Hakoah Beuthen, Herr Kaiser, über das Zustandekommen eines schlesischen Bezirksverbandes des Makkabl berichtet und die Ortsgruppenvertreter um Unterstützung der Makkabi-Arbeit gebeten. Im Mittelpunkt der Nachmittagssitzung stand das Referat Blumenfelds: ״Nach der Sitzung des Aktions-Comitts und der Politischen Kommission der Jewish Agency“. Die Debatte, ln welcher von revisionistischer Seite Herr Gold, Hindenburg, außerdem die Herren R.-A. Wunderlich und Arnold W1 ener sprachen, gab Herrn Blumenfeld Gelegenheit, sich in seinem Schlußwort hauptsächlich mit dem Revisionismus auseinanderzusetzen. Insbesondere diese Nachmittagstagung, welche von zirka 150 Personen besucht war, hatte auch In starkem Maße das Interesse der nichtzionistischen Partner der Agency geweckt, als deren Vertreter Herr Rabbiner Dr. Kaatz, Hindenburg, der Senior der oberschlesischcn Rabbiner und gleichzeitig Mitglied des Initiativ-Komitces der Jewish Agency, in einem Schlußwort Herrn Kurt Blumenfeld seinen wärmsten Dank für die gegebenen Darlegungen aussprach. Den Abschluß der Tagung bildete eine öffentliche Versammlung in Beuthen, In welcher Herr Blumenf eld eine tief schürfende Darlegung der gegenwärtigen Situation der Judenheit im Galuth und in Palästina gab und an Hand dieser Tatsachen die Notwendigkeit der zionistische« Idee zwingend begründete. Gegner meldeten sich nicht zum Wort, so daß die Versammlung von dem Vorsitzenden der Beutnener Ortsgruppe, Herrn Dr. Frlnkel, mit dem Auf. ruf zum Schekel, der diesmal auch Protest-Schekel sein soll, geschlossen wurde. Die von 400 Personen besuchte Versammlung weckte einen nachhaltigen Eindruck. Es wurden auch eine große _ Anzahl Schekolim verkauft. Bezeichnend ist es, daß die Revisionisten auch diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen konnten, um ganz gegen den Zweck dieser reinen Propagandaveranstaltung־ ein revisionistisches Flugblatt unter den zum großen Teil völlig ahnungslosen nichfzionistischen Anwesenden verteilen zu lassen. Gruppenverbandstag. Am 23. November fand in Dortmund eine Tagung des Zionistischen Gruppenverbandes Rechtsrheinland und Westfalen stütt. Am Vormittag sprach Dr. Irwin Fisher, Dortmund, über Jugendarbeit. Der wertvolle Vortrag legte vor allem die psychologischen Grundlagen der Jugeodbewegung offen. Eipi. lebhafte Erörtefung ffthrte zu dem eschluß, ein Jugendamt dem Zionistischen Oruppenverband anzuglieaern, dessen Leitung Dr. Irwin Fisher übertragen wird. Am Nachmittag sprach Dr. Bileski, Berlin, Mitglied des Zionistischen Aktions-Comitts, über die politische zionistische Situation. Dr. Bileski erwies sich auch hier wieder als ein gründlicher Kenner der Materie. Sein Urteil zeichnete sich durch besondere Gewissenhaftigkeit aus. Die Tagung war mit dem Redner einig in dem Entschluß, gerade jetzt alle Anstrengungen zu machen auf dem Wege zu unserem Endziel. Man beschloß, zunächst eine intensive Schekelaktion durchzuführen, um den einmütigen Willen zur Fortführung der Palästina-Arbeit zu dokumentieren. Zum Schluß des Gruppenverbandstages wurde ein Verbandsausschuß gewählt, der mitverantwortlich für die Arbeit der Gruppenverbandsleitung sein soll. Die Tagung hinterließ einen geschlossenen, hoffnungsfreudigen Eindruck. Ortsgruppen Dresden. Im Gegensatz zu den politischen Tagesfragen, die die Versammlungen der zionistischen Vereine jetzt beschattigen, bot der Heimabend der Zionistischen Ortsgruppe am 22. November eine angenehme Abwechslung: ein Vortrag über Achad Haam. Herr Dr. Levy eröffnet aen Abend und begrüßt die zahlreich Erschienenen. Er teilt mit, daß am 3. Dezember eine große jüdische Kundgebung über jüdische Gegenwartsfragen stattfindet, an welcher Kurt Blumenfeld, der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, refederen wird. Herr Aronstamm referierte über Achad Haam, dem geistigen Schöpfer des Zionismus. Achad Haam kritisiert die planlose Kolonisation in Palästina. Er will die Vorbereitung und Bildung der Herzen, die Rückkehr zum Judentum, einem geistigen Zionismus in Palästina, welcher den Einfluß auf die Judenheit in der Diaspora ausüben soll. Palästina soll das Nachahmungs-Ideal für uns werden. An der Aussprache beteiligten sich aie Herren Frenkel, Weiner, Kornblüth und Dr. Strauß. Im Schlußwort erwiderte Herr Aronstamm, daß man gegenwärtig von Gegensätzen des Achad-Haamismus und Herzlismus nicht mehr sprechen kann, daß sich jetzt vielmehr eine Synthese der beiden Anschauungen herausgebildet hat. Der Heimabend war für alle sehr anregend. B. K. Gleiwitz. Am 25. d. Mts. hielt Herr Dr. Hamburger in einer Monatsversammlung der Zionistischen Ortsgruppe ein Referat über das Thema ״Die Sittenlehre Nietzsches und die Ethik des Judentums“. Während die Lebensbejahung Nietzsches zum ideal des Uebermenschen führt, dessen Wesen das Streben nach Macht ist, und der sich seine ethischen Grundsätze selbst gibt, leitet das Judentum seine Lebensbejahung von Gott ab. Das Judentum will den Menschen zur Befolgung objektiver ethischer Normen durch ein bis ins Alltäglichste hineingrejfendes WiUensträining befähigen. Die höchste Stufe sei das Ver* schmelzen von Pflicht und Begehren, wie sie sich in der simchah sehet tnizwöh ausdrückt. in seiner Geltung bezieht sich das Judentum auf alle Menschen, während die Morallehre Nietzsches nur für die ״Herrenseelen“ Geltung beansprucht. Das Sklaventum sei im Prinzip durch den jüdischen Sabbat aufgehoben worden; während Nietzsche nur Sklaven und Herren kennt, hat der Sabbat den Arbeitssklaven der Woche zum sabbatlichen Herrn gemacht. Diese Synthese hat den Arbeits- Sklaven überwunden. Neben den ethischen Grundsätzen für den Einzelnen hat das Judentum die Liebe zur Gemeinschaft geschaffen, auf der die jüdische Ethik basiert. Dr. E.H. Kassel. Die Zionistische Ortsgruppe hielt am 9. November ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende R.-A. Dr. Kugelmann erstattete den Bericht über die Jahresarbeit, aus welchem hervorging, daß die hiesige Ortsgruppe in regsamster Arbeit sich mit den Palästinaereignissen des letzten Jahres beschäftigt hatte. Staatsminister Emil V anderveld e sprach über: ״Das jüdische Pallstinawerk und die letzten Ereignisse“; Kurt Blum enf eld: ״Das Erbe im Blut, ein Beitrag zur modernen Judenfrage“; Dr. E. Levy: ״Die außen- und innenpolitische Lage im Zionismus“; Prof. Dr. Bodenheimer, Jerusalem: ״Nach den Unruhen in Palästina“; Dr. E. Levy und Dr. W. Katz: Berichte über die Landesvorstandssitzung am 10. November 1929; Dr. W. Katz: ״Um was geht es auf diesem Delegiertentag“; Dr. Wolfgang v. Weisl: ״Palästina nach den Augustunruhen“; Dr. Fritz Löbenstein: ״Wandlungen der jüdischen Jugend“; Dr. W, Katz; ״Balfour-Oedenkrede“; Lehrer Bache r: ״Volks- Bewegungen im Judentum“; Dr. E, Levy: ״Neue Eindrücke aus Palästina“. Jeden Montag abend, ab 6. Januar 1930, fand ein jüdisch-politisches Seminar statt. Leiter: Dr. Ernst Levy. Das Thema ״Die jüdisch-arabische Frage“ wurde in neun Abenden behandelt. An einem Abend sprach Dr. Kugelmann im Rahmen dieses Seminars über ״Die Rechtsverhältnisse in Palästina“; Dr. Walter Katz sprach ferner über ״Meine diesjährige Palästinareise“; Dr. Israel Taubes: ״Die ostjüdische Bewegung in Deutschland". Die Berichte über KKL- und KH-Arbeit werden von den Herren Plaut und Dr. W. Katz mit der Mahnung zu weiterer unablässiger Werbearbeit beschlossen. — Der Gesamtvorstand wird wiedergewählt. Dr. Walter Katz hielt ein Referat über ״Die augenblickliche politische Lage“. Der Vortrag wurde von der zahlreichen Zu- Hörerschaft mit Begeisterung aufgenommen. Er gab zu einer längeren Aussprache Anlaß. Misraehf-Frauengruppe. Die Anwesenheit von Anitta Müller-Cohen in Berlin hat die Misrachi-Frauengruppe zur Veranstaltung eines Propagandatees in den schönen und gastlichen Räumen von Fr. Levy, Kurfürstendamm 179, ausgenutzt Etwa 70 Damen hatten sich eingefunden. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fr. Buttenwieser ergriff Fr. Müller- Cohen das Wort zu ihrem Referat: ״Wozu brauchen wir eine Misrachi-F rauengruppe?“ In der nur ihr eigenen, warmen Art erzählte sie von ihrem Werden als Jüdin und Misrachistln, von ihrem Leben in Erez-Israel, ihrem Zusammentreffen mit Miß Szoid, von den Menschen im Lande und ihren sozialen Problemen. In der religiös lebenden Jüdin sieht sie die Frau, die das Leben im Geiste der Bibel, im Geiste des Judentums zu beeinflussen hat. Wohl versuchen auch andere Frauenorganl- Gationen Erziehungsarbeit zu leisten, aber nur, wer selbst von jüdisch-religiösem Geist erfüllt ist, wird ihn auch anderen übermittein können. Durch Schaffung von Heimen, voll lebendiger, jüdischer Tradition, die Frauen und Mädchen Zuflucht bieten, sie für einen Beruf vorbereiten, ihnen Arbeit vermitteln, soll ein neuer Frauentyp dem Lande erstehen. Dieser neue •Frauentyp wird durch seine Verbindung mit Bibel und Lehre, den sozialen Formen, um die der Jlschuw ringt, ihre jüdische Prägung geben. Diese neuen Formen können nur Sinn und Zukunft nabe», wenn sie in jüdischem Boden wurzeln und nicht als Abklatsch fremder Theorien hinverpflanzt werden. Der Grundstein zu dieser Misrachi-F rauenarbeit ist bereits gelegt. Amerikanische Frauen haben ein Haus in Jerusalem erworben, das unter dem Namen ״Iwri-Heim“ die erste Zelle auf diesem Wege bilden soll. In gemeinsamer Arbeit gilt es jetzt, es auszubauen. Den Dankes- Worten von Fr. Buttenwieser an die Rednerin schloß sich der lebhafte Beifall der Zuhörerinnen an. Der tiefe Eindruck, den das meisterhafte Referat hinterließ, zeigte sich in der sehr großen Reihe von Beitritten. Mitgliedsanmeldungen, Zuschriften und Geldsendungen für das Iwri-Helm sind an das Büro der Misrachi-Frauengruppe, Monbijouplatz 10, zu richten. Vermischtes Rundfunk-Vortrag Kurt Blumenfeld. Am Donnerstag, dem 4. Dezember, nachmittags 4.05 Uhr, hält Herr Kurt Blumenfeld im Berliner Rundfunk einen Vortrag über das Thema: ״Palästina, eine werdende Welt“. Dieser Vortrag wird sowohl die grundsätzlichen Fragen des Palästinaaufbaus wie auch die aktuelle Situation behandeln. Der Jüdische Ruderclub ״Ivria“ veranstaltet am Sonnabend, •dem 29. November 1930, 21 Uhr, im Logenhaus, Kleiststr. 10, seinen Ball. Karten im Vorverkauf zum Preise von 3,— M. ink. Steuer erhältlich bei D. Hutschnecker, Augsburger Str. 45, Staati. Lotterieeinnahme J. Leipziger, Friedrichstr. 100, Tuch- Engel, Molkenmarkt 12/13, Karten an der Abendkasse 3,50 M. inkl. Steuer. Der Rat für hebräische Arbeit unter der Jugend veranstaltet am Sonnabend, dem 6. Dezember, um 81/3 Uhr abends, im Beth- Am (Grolmanstr. 36) ״Oneg-Schabbatlr. Aus dem Programm: 1. ״Hadibuk“, Einleitung von Dr. Borodianski. 2, Rezitation. 3. Gesang. Gäste willkommen. Die Veranstaltung ist mit Rücksicht auf die Wahlversammlungen der Jüdischen Volkspartei vom 29. November um eine Woche verlegt worden. ״Schule des Friedens“ Sonntag, den 23. November, fand in der Synagoge Prinzregentenstraße zu Berlin die Eröffnungsfeier der von der ,Jungjüdischen Friedensgemeinschaft“ begründeten ״Schule des Friedens“ (Hillel-Schule) statt. Dr. Joachim Sehende! begrüßte die Erschienenen. Dr. Manfred Swarsensky sprach über das demokratische Wissens- und Bildungsideal der Juden, das sich von ihrem großen Lehrer Hillel herleitet. Der Vorsitzende der Jungjüdischen Friedensgemeinschaft, Kurt Jacobowitz, erklärte, die Jüdische ״Schule aes Friedens“ sei als Teil der interkonfessionellen Friedensschule zu betrachten. Erwin Scheftelovvitz gab einen Ueberblick Über das Programm der Schule, das Kurse, Seminare und Einzelvorträge vorsieht. Als Kursusleiter wurden u. a. Professor Martin Buber, die Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Kantorowski und Dr. Prinz, ferner Dr. Alfred Nossig, Helmuth von Gerlach, Otto Lehinann-Russbüldt, Kapitän Persius und Hauptmann a. D. Schützinger gewonnen. Sodann sprach der Vorsitzende der Jüdischen uemeinde Berlin, Dir. Georg Kareski, und andere Vertreter von Organisationen. Zum Schluß hielt Dr. Alfred Nossig einen Inaugurationsvortrag über ״Die wissenschaftliche Bedeutung der Friedenslehre“. Religionswissenschaftliche Vorträge in der Essener Synagoge. An drei aufeinander folgenden Sonntagen wurde in der Synagoge in Essen das Thema: ״Gibt es jüdische Geheimlehren?“ behandelt. Etwa 2500 Menschen füllten jedesmal den Raum, darunter 90 0/« Nichtjuden. Als Referenten waren gewonnen worden: Rabbiner Dr. Diene man n , der die Grundlehren des ״Talmud“ behandelte, wobei er durch geschickte Heranziehung von Beispielen aus dem modernen Völker- und Privatleben auch dem talmudisch NichtvorgebÜdeten ein Bild zu vermitteln verstand. —• Rabbiner Dr. Baeck, der über die ״Kabbala“ sprach, gab einen Einblick in die eigenartige Lebenswelt der jüdischen Mystiker. — Zuletzt sprach Prof. Dr. Martin Buber über ״Chassidismus“ als den gigantischen Versuch des Judentums, die ״Heiligung des Alltags“ durchzuführen. Rabbiner Dr. Hahn leitete die Veranstaltung und gab Erklärungen der synagogalen Gebräuche. Alle Essener Tages- Zeitungen brachten eingehende Berichte über die Referate. Man kann wünschen, daß viele Gemeinden Deutschlands dem Beispiel Essens folgen mögen. המועצה לעבוז־ו! עבריה בץ הנער עירבה במוצאי שבה 6 לדצמבר בשעה 3/!8• בביה העם "ענג שבת" בהמית: א. ,הדבוק" הפתיחה מאת ד״ר נדו־ינסקי. 4 הקראה. ג• שירה. אורחים רצויים!

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