Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 032 JUEDISCHE RUNDSCHAU f Nr. 94, 28. XI. 1930 Der Primeminister schließt mit der Hoffnung, daß die Araher auch weiterhin die Vorteile genießen, die jüdische Einwanderung und jüdisches Kapital gebracht haben (im Weißbuch kam das nicht eben zum Ausdruck) und daß der ergebene Zionist mehr und mehr in Palästina die volle Verkörperung seines Ideals eines Jüdischen Nationalheims sehen möge, (Auf Basis des Weißbuchs?) Der, Saal leert sich. Die Gewohnheit des Unterhauses, von s/!3—11 Uhr durchzutagen (jetzt ist es 6(4 Uhr) mag zur Begünstigung dieser Saalflucht beitragen. Auf den Bänken der Konservativen sitzen zeitweise nur 2—4 Abgeordnete. Dennoch flaut die Debatte nicht ab. Herbert Samuel hat das Ohr des Hauses für seine dezidierte Verteidigung der jüdischen Position. Er lehnt zwar die zionistischen Extremisten ab und hat einen Heiterkeitserfolg, wenn er sie mit den ״Unabhängigen Sozialisten“ innerhalb der Arbeiterpartei vergleicht, der diese eigene Gruppe bekanntlich erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Er wird auch später in Zwischenrufen bestreiten, daß der ״Jewish Chronicle“ z. B. als Sprachrohr des Zionismus betrachtet werden darf. Aber Weizmann nennt er einen ״weisen Führer“ und ״einen der fähigsten und bemerkenswertesten politischen Köpfe unserer Zeit“. Er schildert aus langer Erfahrung die Verhältnisse im Land. Er spricht von der Kabbara- Konzession. Ein Gebiet von zwei englischen Quadratmeilen, von denen die Hallte reiner Sumpf war, ein Nest von Malaria. Ausgangspunkt der Infektion der gesamten Umgebung. 300 bis 400 Araber suchten mit primitivsten landwirtschaftlichen Methoden ihren Lebensunterhalt. Aus türkischen Zeiten hatte die Pica eine Konzession auf dieses Gebiet, aber die Araber setzten Himmel und Hölle in Bewegung, bezeidineten es als Bruch der Verpflichtungen, die 300 bis 400 Leute von dort in andere Lindereien zu überführen, die ihnen die Pica zur Verfügung stellen wollte. Erst nach langen Verhandlungen konnte man ein Arrangement treffen, und nun wohnen diese ehemaligen Kabbara* Araber in Steinhäusern mit dem gleichen oder größeren Viehbestand, sind froh und zufrieden, und die Juden haben £ 100000 und viel Arbeit darauf verwendet (die Sümpfe ausgetrocknet, die Malaria zu verbannen und eine sich gut entwickelnde Siedtag zu schaffen.) Und als Herbert Samuel dies den Zionisten gut bekannte Beispiel bringt, fragt man sich: Istnichtunser ganzes Palästinawerk eine solche Kabbara- Konzession? Ueberall bringen wir versumpftes, verseuchtes Gelände in Ordnung, überall unter wütendem Protest wegen der ״Verdrängung“ der dort primitiv dahin lebenden Fellachen, um Land und Leute der Kultur zu erschließen und ein Stück Judenfrage zu lösen. Um mit Opfern an Geld und Arbeit in dem Jüdischen Nationalheim tausend Leuten gesundes Leben zu bieten, wo sich bisher 300—400 primitiv, und ,von Malaria bedroht, durchzuschlagen suchten. Das Thema TransJordanien wird erneut in die Debatte gezogen, die Beisan-Frage und die der uns vorenthaltenen Staatsländereien, die Frage — an der die Sachverstän* digen behutsam vorübergehen ■ider Auswucherung der arabisehen Kleinbauern (Kenworthy: Arabische Geldverteiher! Samuel: Jawohl, Geldverleiher ihrer eigenen Nation!) Auseinandersetzung mit dem Weißbuch. Konstitutionelle Rechte, die er selbst während der Zeit seiner Statthalterschaft dem Land nicht geben konnte, weil die Araber sie nicht nahmen. H o wm r 4.- B u r y, einer ,unserer .konservativen Gegner -r-,. def/erte'Äbgi'piinetc,. der! ÄgA-’üite^rJcbt־. Är^lwsL mit,. Zitaten, kefnen ölflaellen, die beweisen 3en, daß die Zionisten in Wirklichkeit eine Beherrschung der Araber erstreben. Die Pächter, die auf ihren Böden ״in vielen Fällen seit Generationen“ saßen, werden ״verdrängt“. James de Rothschild hält ihm die Summe der Abfindung vor. Howard-Bury: Für die Bodenbesitzer? Rothschild: Nein, für die Pächter. Howard- Bury (anscheinend erstaunt): Nun ja, ich gebe zu, der Araber kennt keine Sparsamkeit. Am Schluß gibt uns das tapfere und ehrenwerte Mitglied für Chelmsford den Rat, aus unserer politischen eine rein geistige Bewegung zu machen, so daß Jerusalem für uns dasselbe wird was Rom für die Katholiken. Eine neue Definition des Begriffs ״national Home“. Zwei Mitglieder der Shaw-Kommission, Harry Sn eil, der Laböur-Mann, und der liberale Morris, folgen. Snells Ansichten kennt man aus seinen Reservationen zum Kommissions-Bericht und weiß, daß er unserem Werk freundlich gegenüber steht. Aber auch Morris befleißigt sich einer gewissen Objektivität, rühmt die jüdische Kolonisation, setzt nicht das glückliche Gesicht auf wie Howard-Bury, wenn er von der Weisheit des Weißbuchs spricht, und, ohne einen neuen Gesichtspunkt in die Debatte zu bringen, bemängelt er nur die Uirgenaüigkeiten des Mandats und polemisiert gegen die konservativen Führer, die durch ihren öffentlichen Angriff auf das Regierungsdokument die Verhältnisse verwirrt haben. Kurz, scharf und aggressiv aber ist C o c k s, ein Außenseiter der Arbeiterpartei. Er streitet der Baifour-Deklaration jeden Wert ab, die die Grundrechte der eingesessenen Araber und .frühere Versprechungen an ihre Adresse verletzt. (״Es ist viel von der Heiligkeit des Mandats gesprochen worden. Viel Unsinn ist über Mandate schon geredet worden, besonders über dies, mehr als über irgendeinen Gegenstand von internationaler Bedeutung.“) Das Weißbuch ist ein ausgezeichnetes Dokument, und man soll sich durch keine Drohung von der Ausführung seiner Empfehlungen zurückhalten lassen. Auch er erwähnt Transjordanien, das sehr oft in dieser Debatte erscheint, aber er ablehnend. Wie steht er zu den Juden? Während er den Zionisten schrankenloses Hineinpumpen der Menschen ״aus Polen und der Ukraine“ nach Palästina verbietet (man wird an Redeweit• düngen deutscher Antisemiten — oder Entgleisungen aus dem Gemeinde-Wahlkampf der liberalen Juden erinnert), spendet er dem .״Ruhm des alten Volkes“, zu deren edelsten Mitgliedern (der liberale Parteimann) Samuel gehört, seine Anerkennung. Zwei bis drei Gegner haben gesprochen. Jetzt kommen nur Freunde. Der Speaker, der, um die Debatte als Debatte zu erhalten, hin- und herschaut, findet niemand, der für die Regierungserklärung sich erhebt und muß nacheinander Sir George Jones, dann James de Rothschild zu einer warmen und verständnisvollen Schilderung des jüdischen Aufbauwerks, unserm bewährten Freund Major Hopkin (Labour) chemaligen Offizier in der jüdischen Legion und dem konservativen Major E11 i o t das Wort geben, die noch zuletzt scharfe Worte gegen die Regierung finden. Das Schlußwort der Regierung hatk der Erste Lord der Admiralität Alexander. Auch er betont, wie alle Redner der Ministerbank, nochmals das Festhalten an dem Mandat, den Entschluß, das jüdische Siedlungswerk nicht im gegenwärtigen Zustande zu kristallisieren (ein Ausdruck, den Genf gebraucht hat) und stellt die berühmten ״Miß- Verständnisse“ fest, von denen die Rede MacDonalds so treffende Beispiele geliefert hat. Aber nach diesem offiziellen Schlußwort kommt es zu einer parlamentarischen Szene. Die Sitzungen des Unterhauses schließen der Regel nach Glockenschlag 11 Uhr, manchmal mitten im Satz eines Redners. Kenworthy erzwingt eine Verlängerung. Er hat zwei bestimmte Fragen zu stellen. Sie beziehen sich auf die Round-Table-Conferem und auf Transjordanien. Andere Freunde greifen ein, der liberale Ernest Brown, der konservative Bracken. Mit ungewöhnlicher Schärfe, zumal Alexander sich entfernt und das Haus dadurch beleidigt hatte. Shiels erhebt sich. Windet sich sichtlich hin und her in einer delikat gewordenen Situation. Neue Anfrage, wiederholt: Was ist mitdem Weißbuch? Steht cs oder steht es nicht? Wieder die ministerielle Antwort mit den ״Mißverständnissen“. ״Wir haben uns bemüht, die Sache klarzustellen und haben den Eindruck, die Meinung des Hauses für 1ms zu haben.“ Mr. Brown: ״Sie sind leicht zufriedenzustellen.“ Als Shiels dann fortfährt: ״Ich glaube, wir haben klargemacht, was wir erklären wollten...unterbricht ihn fröhliches Gelächter der Mitglieder. Ein neuer Mann, Sir Allo mann nn Bord ist die Parole am 30. November! von ihnen hingt der Erfolg des Wahltages ab. Bitte melden Sie ■Ich uir Wahl• hllfe für den Wahl«■■ am Sonntag, den 30. November, von 0 bis 6 tlhr. Niemand darf fehlen I Wir brauchen alle Kriftel Meldet Euch selbst, Mann und Frau! Schickt auch Eure S&hne und TOchterl Win verlangen bal dlaser wichtigen Aktion, von daran Erfolg unser Wirken In Deutschland für die nlchsten Jahre abhingt, daß Ihr Eurer Organisation diesen einen Tag ganz widmet. Jüdische Volkspartei Patrick Ford, Major Nathan (Mitglied der Jewisll Agency), Mr. Mond (Lord Melchetts Sohn), Capt. Gunston, Höre- Belislia (der jüdische Liberale) — einer nach dem andern preßt und will präzise Antwort. Und unter dem Druck dieser konzentrischen Angriffe gibt Shiels die Erklärung ab: daß das Weißbuch, ״so wie es heute erklärt und erweitert worden ist, bestehen bleibt“. Was besagt diese Antwort? Nichts. War es richtige ״Wie beweisen sie, bewies die Debatte des Tages: die Regierung hat noch keine gerade Linie der Politik. Hat frühzeitig, übereilt ein Weißbuch, ein hochamtliches Dokument, herausgegeben und sucht durch Interpretations-Kunststikke nachzuholen, was dem Papier fehlt. Hat Stimmungen erweckt, die sie jetzt zu beschwichtigen sucht. Hat die Atmo- Sphäre des Vertrauens zerstört und den Frieden in Palästina jedenfalls nicht gefördert. Darüber gibt es kaum ein Mißverständnis. Das Plchterproblem ln Palästina In der englischen Ausgabe des ״Feiest! n“ übt der Redakteur des Blattes, Achtar, an der Haltung der Regierung Int Hinblick auf die Lage der Pächter scharfe Kritik. Die Ankttndigung von Schutzmaßnahmen zugunsten der arabischen Pächter im Simpson-Bericht habe die Situation für die Pächter sehr erschwert und schon schädliche Folgen gezeitigt, da die arabischen Grundbesitzer in Er- Wartung der kommenden Bodengesetzgebung ohne Rücksicht auf die Lage der Pächter mit ihrer Vertreibung begonnen haben. Diese Depossedierung der Pächter werde durchgeführt, um die auf Grund der angekündlgten Gesetze zu erwartenden Entschldigungsansprücne und Dauerpachtrechte der bisherigen Pächter auszuschließen. Damit noch ein Verkauf des Bodens als unbesiedelter Boden möglich sei, habe man zu allen möglichen Hillsmittein, wie hypothekarischen Scheinbelastungen usw., gegriffen. ' Von jüdischer Seite bemerkt dazu im ״Dawar“ vom 17. November M. Beilinson, daß das Verhalten der arabischen Grundbesitzer gegenüber den Pächtern, wenn die im ״Felestin“ mitgeteilten Vorfälle richtig seien, auch von uns nur in schärfster Weise verurteilt werden können. Nicht der Keren Kajemeth und nicht die jüdischen Bodeitgesellschäften, die immer von sich aus Entschädigungen gezahlt hätten, seien also, wie man auch jetzt wieder sehe, für das Entstehen eines mittel- und landlosen arabischen Proletariats verantwortlich, sondern die gewinnsüchtigen arabischen Grundbesitzer, die auf der Jagd nach Geld den Fellachenpächter rücksichtslos seiner Existenz beraubten und mit ihren Verkaufen gleichzeitig Argumente für die jüdischen ״Sünden“ produzierten. Demgegenüber müsse erklärt werden, aus dem Gefühl der elementaren Solidarität mit dem arabischen Bodenbearbeiter heraus, daß dieser Weg des Unrechts und der Vergewaltigung des arabischen Pächters für uns keinerlei Lös«ng des Bodenproblems und keine Regelung der Beziehungen beider Völker im Lande bieten könne, sondern im Gegenteil schwerste Gefahren für das ganze Land heraufbeschwöre. Es gehört zweifellos ein großer und anerkennenswerter Mut des ,.Felestin“, der von jüdischer Seite oft als Organ der Effendis betrachtet wird, dazu, in so offener und scharfer Weise gegen die eigennützige Handlungsweise der Effendis aufzutreten. Bemerkenswert ist auch die Stellungnahme des ״Dawar“, der sich dagegen ausspricht, daß der beabsichtigte Pächterscbutz durch brutale Machinationen durchkreuzt wird, selbst wenn dadurch die Möglichkeiten jüdischen Bodenerwerbs vergrößert werden sollten. Angesichts dieser bedeutungsvollen Haltung sollte man hoffen, daß in der Frage des Pächterschutzes, einem der wichtigsten praktischen Probleme Palästinas, eine Verständigung nicht unerreichbar sein kann. Damit wäre ein wichtiger Schritt zur Befriedung Palästinas getan. Nach der Parlamentsdebatte Von unserem palästinensischen Korrespondenten AG Tel-Awiw, den 20. November 1930. Die unklaren und verwirrenden Aeußerungen der Regierung vor der Parlamentsdebatte haben in Palästina ihre Wirkung nicht verfehlt. Die letzte Woche brachte eine Unsicherheit und ein Schwanken der öffentlichen Meinung, das völlig auf Rcehnung der Londoner Politiker zu schreiben ist und hier neue Aengste und Erbitterung hervorrief. Auf die verschiedenen Versuche des englischen Kabinetts hin, ״Mißverständnisse“ aufzuklären und den bitteren Inhalt des Weißbuchs für die Juden etwas• zu versüßen, wurde man im arabischen Lager von neuem unruhig. Vorher hatte man bereits den eigenen Sieg gefeiert, jetzt erhob sich von neuem die Anklage gegen den ״Druck der jüdischen Propaganda“ und das Zurückweichen der Englinder vor den Protesten des Weltjudentums. Die Arabische Exekutive erhielt zwar vom High Commission« beruhigende Auskünfte, daß eine Aenderung des Weißbuchs nicht in Betracht käme, aber die Sprache der Presse wurde dadurch nicht besänftigt Im Gegenteil. In den verschiedenen Meldungen und Leitartikeln wurde ein ähnlicher Ton angeschlagen wie vor den Augustunruhen. In den Städten fanden große Versammlungen statt und man sprach wieder von der Anwendung aller Mittel, um die arabischen Interrasen zu verteidigen. Während so die englischen Erklärungen wieder Erregung im arabischen Lager schufen, taten sie nichts dazu, die jüdische Oeffentlichkeit zu beruhigen. Die Bewilligung der 1500 Zertifikate, die im arabischen Lager soviel Staub aufwirbelte, wurde keineswegs als ein jüdischer Sieg betrachtet. Sie wurde sogar von revisionistischer Seite als ein Danaergeschenk hingestellt, das den Juden nichts hülfe und die Araber aufhetze. Die Regierung griff gegenüber dieser Lage zu ihrem in den letzten Monaten häufig erprobten Mittel. Sie begann die Pre*e zu warnen, und als das nicht viel half, Me zu knebeln. Zuerst mußte der ״Do»■ Hajom“ daran glauben und danach der Jaffaer ״Fdeetin*. Audi fieß man deutlich durchblickcn, daß genügend Militär im Lande sd, um allen Sch wierigkdten zu begegnen. Mit den Nachrichten Star den Verlauf der Parlamentsdebatte schlug dann (He Stimmung um. Zuerst begnügten sich die arabischen Zdtungen mit einer Wiedergabe der wichtigsten Reden ohne weitere Kommentare. Dann kam ein Teiegramm Dschemal Husseinis, des arabischen Vertreters in London, der die Diskussion im Housc of Commons als einen Sieg feierte. Damit wurde der Opposition und dem Extremismus, der sich von neuem regen wollte, wieder die Spitze abgebrochen. Audi die Artikel in den dem Mufti nahestehenden Organen, die vorher einen sehr heftigen Ton angeschlagen hatten, änderten sich sofort merklich. Beruhigend wird weiter eine Geldbewilligung wirken, die die Regierung den von der Mäuseplage geschädigten Bauern ausgeworfen hat und die ihnen ermöglichen soll, Saatgut für das laufende Jahr zu beschaffen. Die Juden haben die Nachrichten über die Parlamentsdebatte ohne große Ueberraschung aufgenommen. Wenn noch bei diesem oder jenem Optimisten Illusionen über eine Aenderung. oder gar Abschaffung des Weißbuchs durch darI|aÄiÄ .Debatte grltndlich zerstört wtfrden. Die Presse‘"zagt'•noch einmal die Fehler in der Argumentation des Kabinetts auf und wiederholt mit aller Schärfe die Vorwürfe gegen London. Zugleich wird im ״Haarez“ scharf gegen die neuen Verhandlungen der Agency- Exekutive mit der Regierung polemisiert. Man fragt, warum Weizmann jetzt, nach seiner Demission, von neuem Verhandlungen mit der Regierung anknüpfe. Und wieder wird scharf dagegen Stellung genommen, daß überhaupt auf Grund des Weißbuchs verhandelt würde. Es käme nur ein Widerruf dieses Dokuments in Betradit; alles andere, jede Aenderung, die sich darauf stützte, sei zu verwerfen und würde von den J Uden nicht akzeptiert werden. Auch wendet sich das Blatt gegen die Kommission der Agency, die für die Verhandlungen gewählt worden ist und verlangt, daß die politische Arbeit durch jene Kommission geführt werden solle, die in London der Exekutive beigegeben worden sei. Nach den Berichten über die Parlamentsdebatte hat der Waad Leumi noch einmal eine Deklaration «■lassen, die das Weißbuch aufs schärfste ablehnt und von neuem einen politisehen Kampf proklamiert. Der Aufruf enthält auch einen neuen Appell an die W eltjudenheit, die Zusammengehörigkeit mit Palästina materiell und ideell zu beweisen. Für die wirtschaftliche Entwicklung des nächsten Jahres hängt von dieser Hilfe des Galuth außerordentlich viel ab. Wenn sie ausbleibt, wird der Jischuw die Möglichkeiten, die auch heute noch bestehen, nicht einmal ausnutzen können. Amerikanische Zionisten gegen Weißbuch• Politik New York, 25. November. (J.T. A.) Die Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas widmete einen vollen Tag der Diskussion der politischen Lage im Zusammenhang mit der Palästina-Debatte im englischen Unterhaus. In der Sitzung wurde nachstehende Botschaft des Mitglieds der Arbeiterpartei im englischen Unterhaus, Daniel Hopkin, verlesen: Die Politik des Weißbuches muß so modifiziert werden, daß der Status quo wiederhergestellt wird. Die Ausführung der Politik des Weißbuches wäre meiner Ansicht nach der schwerste Mißgriff Englands seit dem Verlust der amerikanischen Kolonien, da es durch eine derartige Maßnahme 16 Millionen Freunde in aller Welt verlieren würde. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, daß das Weißbuch die Baifour-Deklaration und das Palästina-Mandat verleugnet. Dies wird durch Zitierung von Aeußerungen führend« englischer Staatsmänner belegt. Die Resolution schließt: 1. Die offizielle Erklärung im Unterhaus hat die dem Weißbuch inhärente Ungerechtigkeit nlcnt beseitigt. 2. Die amerikanischen Zionisten sind entschlossen, einmütig mit ihren Brüdern in Palästina die Forderung nach Beseitigung und Anullierung des Weißbuches zu erneuern. 3. An den Waad Leumi (Jüdischer Natianalra( in Palästina) soll eine Botschaft gerichtet werden, in der der unerschütterliche Entschluß der amerikanischen Zionisten, gemeinsam mit den palästinensischen Juden das Jüdische Nafionalheii» aufzubauen, zum Ausdruck gebracht wird. Jerusalem, 25. November. (J.T.A.) Die Palästina- Regierung hat die vor einigen Tagen verfügte Suspcndie rung der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung ״Doar Hajom“ und des Organs der Arabischen Exekutive ״Felestin“ aufgehoben. Die beiden Zeitungen erscheinen ab heute wieder.